Chapter 20

Zweites Capitel.

Am folgenden Morgen traten wir unsere eigentliche Reise an. Die Luft war kühl; der herrliche Golf glänzte im Morgenroth. Wir verließen die gewöhnliche Straße, um längs der Küste hin zu gehen. So kamen wir gegen neun Uhr, bei einem Ambelan, am Eingange des Dorfes Manur an. Diese Ambelans sind eine Art Schuppen, mit Stroh gedeckt, und zum Besten der Reisenden erbaut. Wir nahmen hier ein Frühstück ein, das aus Reis und Callou, oder Palmwein bestand.Von nun an gieng es wieder landeinwärts, fast immer zwischen waldigen Hügeln hin. Dörfer wurden wir keine, sondern nur einige Gehöfte, und einzelne Hütten gewahr.

Es war gegen elf Uhr, und schon zeigte sich in der Ferne das kleine verfallene Fort Panoryn, als unsere Mittagsstation. Templyn hatte zu Manur frische Cocosmilch getrunken, und seitdem über Leibschmerzen geklagt. Plözlich warf er sich vor einer Hütte nieder, und erklärte, er könne nicht weiter fort. Vergebens suchten wir ihm durch Arrak u. s. w. einige Linderung zu verschaffen, die Krämpfe nahmen mit jedem Augenblick zu. Endlich trat ein alter Mann aus der Hütte, und reichte ihm eine Art Pflanzensamen auf einem Betelblatt. Dies that sofort die beste Wirkung, worauf fröhlich nach Panoryn gewandert ward.

Der Commandant dieses Postens empfieng uns mit vieler Herzlichkeit. Er hieß König, war sieben und siebenzig Jahr alt, und hatte davon drei und dreißig hier verlebt. Dankebar nahmen wir gegen vier Uhr Abschied von ihm. Bald sahen wir nun den ungeheuren Wald in seiner ganzen Ausdehnung vor uns, und kaum eine Stunde, so hatten wir den Eingang desselben erreicht. Unser Führer, der erste Chiria, ein alter erfahrner Elephantenjäger, gieng nun voran. In ungeheuren Massen strebten die hohen, verschlungenen Bäume empor; kaum fiel hier und da ein schwacher Schimmer hindurch. Um vorwärts zu kommen, mußten wir häufig das Beil gebrauchen; bis wir endlich einen schmalen Fußpfad fanden, der sich in einer Schlangenlinie hinwand. Dies war einer von den drei oder vier geheimen Wegen, die durch diese Wälder bis in das Innerste der Insel gehen. Sie sind sämmtlich mit einer dichten Seite eingefaßt.

Wir mußten hier einer hinter dem andern marschiren, so daß man sich, bei den vielen Krümmungen häufig aus dem Gesichte verlor. Ich hatte d'Allemand hinter mir, und sprach über ein gewisses Etwas sehr lebhaft mit ihm.Plözlich springt links ein ungeheurer Bär aus der Hecke, und bleibt quer auf dem Fußsteige stehen. Ich falle über ihn weg, er richtet sich auf, und schlägt seine Tatzen auf mich hin. Schon fühle ich seinen brennenden Athem an meinem Gesichte; als plözlich ein Schuß fällt, der Bär sich abkehrt, und die Flucht ergreift. D'Allemand hatte diesen Schuß gethan; die Kugel sauste mir hart an den Ohren vorbei.

Um indessen dergleichen Vorfälle künftig zu vermeiden, änderten wir die Ordnung unseres Zuges, und ließen die Cymbelschläger, nebst zwei bewaffneten Trägern, zwanzig Schritte vor uns gehen. Ueberdem wurden mit einbrechender Dämmerung Pechfackeln angezündet, und jeder machte sich zum Schusse bereit. Von dem Geräusch der Cymbeln und dem Lichte wurden eine Menge Vögel und Affen munter, so daß alles um uns lebendig war.

Gegen neun Uhr kamen wir bei einem Ambelan an, der aber ganz verfallen war.Da dergleichen Hütten immer voll Schlangen sind, schlugen wir unser Lager unter freiem Himmel auf. Es ward dabei eine gewisse Methode beobachtet, die ich beschreiben will, weil sie bei allen übrigen Nachfolgern dieselbe blieb. Zuerst ward der Platz so weit als möglich vom Wasser gewählt. Dies geschah der wilden Thiere wegen, die hier zu saufen gewohnt sind. Dann wurden die Träger zum Holzfällen abgeschickt, und von zweien von uns escortirt. Hierauf wurden ein großes, und um dasselbe noch drei kleine Feuer angezündet, worauf die ganze Caravane Platz dazwischen nahm. Bald war nun das Abendessen verzehrt, und einer schlief nach dem andern ein. Nur die zwei Wächter mußten sich munter halten, und fleißig nach den Feuern sehen. Daß sie regelmäßig abgelöst wurden, versteht sich.

Als wir Holz zu fällen anfiengen, belebte sich auf einmal der ganze Wald. Vögel, Affen, Hirsche u. s. w. erfüllten mit ihren Stimmen die Dunkelheit. Die Affen besonders,die sich zu Tausenden versammelten, schrien zwei volle Stunden fort. Endlich ward es wieder still. Kein Blättchen rauschte; kein Lüftchen säuselte; der Wald war todt und öde, wie ein weites Grab. Doch plözlich vernahmen wir in der Ferne ein dumpfes Getös, das immer näher kam. Die Erde erbebte; der Wald rauschte wie vom heftigsten Strome bewegt; krachend stürzten unzählige Bäume zusammen — Was war es? —Ein Trupp Elephanten bahnte sich einen Weg durch den Wald. Sie kamen im heftigsten Trabe, und lautem Geschrei daher. Es war ein donnerähnliches, wie mit Trompetentönen vermischtes Getös. Endlich ward es völlig ruhig; nur dann und wann hörte man einen Tiger brüllen, oder einige Schakals schreien.


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