Viertes Capitel.
Als wir daselbst ankamen, hörten wir, daß esder Diligent, CapitainHallvonCalcuttawar. Der Capitain sagte uns, daß er selbst zweimal von französischen Capern[15]genommen worden sey. Man habe ihn liberal behandelt; er wolle es ebenfalls thun. Alle unsere Bagage u. s. w. bliebe uns daher. Zu gleicher Zeit sezte er uns ein vortreffliches Frühstück vor. Die Prise an 60,000 Franken an Werth, ward auf das Schlepptau genommen, und so lavirten wir längs der Küste hin.
Um vier Uhr Nachmittags bekamen wir ein großes dreimastiges Schiff, und bald daraufnoch zwei andere zu Gesicht. Capitain Hall hielt sie für holländische oder französische Fregatten, von den Divisionen der Admirale Hartsink oder Linois. Seine Lage ward gefährlich, die nachzuschleppende Prise hielt ihn im Segeln auf. Er ließ uns daher auf unser Wrak zurückkehren, rief dagegen seinen Prisenmeister, und seine Matrosen ab, und eilte mit vollen Segeln davon. Bald darauf erkannten wir die drei Schiffe für amerikanische Ostindienfahrer, und steuerten so gut wir konnten, auf die Bay von Balambouang zu.
Der Tag brach an. Was sahen wir? Unsern Caper, der an der Küste geblieben war, und nun ganz lustig wieder auf uns zugesegelt kam. In weniger als einer halben Stunde befanden wir uns wieder am Bord desselben, und alles war in den vorigen Zustand versezt. Da der Capitain Wasser einnehmen mußte, behielt er den Curs von Balambouang. Wir erreichten indessen die Bay erst in der Nacht auf den zehnten Februar.Mit Anbruche des Tages erblickten wir den holländischen Posten Bagouwangie, und zogen sofort amerikanische Flagge auf. Zu gleicher Zeit schickte der Capitain einen Offizier ans Land, um zu fragen, wo Holz und Wasser zu finden sey. Die Nachricht war sehr befriedigend, und wir trafen eine vortreffliche Quelle an.
Unterdessen hatte unser Schiff mit seinen Batterien, und der Prise auf dem Schlepptaue, troz der amerikanischen Flagge, bei dem Commandanten von Bagouwangie Verdacht erregt. Er schickte daher zwei seiner Offiziere zu uns an Bord. Beide sprachen englisch; beide sollten die nöthigen Nachrichten einziehen. Capitain Hall war indessen auf alles gefaßt. Er hieß uns in den Raum hinuntersteigen, versicherte sich unseres Ehrenwortes, und wartete die Ankunft der holländischen Pirogue ganz ruhig ab.
Kaum waren die Herren gegen Mittag an Bord angekommen, so lud er sie zum Essen ein, und sprach ihnen dabei reichlichaus der Flasche zu. Als er nun das Geschäft auf diese Art eingeleitet hatte, zeigte er ihnen falsche amerikanische Pässe, und ein eben so ächtes Schiffsjournal vor, speiste sie in Ansehung der Prise mit einem Mährchen ab, und verkaufte ihnen zulezt einige ostindische Waaren für eine Kleinigkeit. Die armen Holländer wurden vollkommen getäuscht, und fuhren seelenvergnügt ans Land zurück.
Indessen beschloß der Capitain die reiche Prise in Sicherheit zu bringen, und gab sofort Befehl zu ihrer Ausrüstung. Es wurde auch so eifrig daran gearbeitet, daß sie schon am folgenden Tage abzusegeln im Stande war. Wohin, blieb unbekannt. Unsere Bagage war uns im besten Zustande übergeben worden, doch brachten wir den ganzen Tag, wegen unserer künftigen Bestimmung, in großer Ungewißheit zu.
So mochte es ungefähr acht Uhr Abends seyn, als uns der Capitain zu sich rufen ließ. Er war sehr höflich, und sagte uns, daß er uns diese Nacht ans Land zu setzen Willens sey. UnsereFreude darüber war sehr groß; im Unglück faßt man nur den Augenblick fest. Sofort wurden nun Anstalten zu unserer Ueberfahrt gemacht. Es fand sich aber, daß die Schaluppe für uns nicht groß genug war. Wir mußten daher in zwei Parthien abgehen. Bei der lezten befand ich mich selbst.
Es war Mitternacht; der Mond gieng auf; der Posten lag nur einen Büchsenschuß von uns. Unsere Gefährten kamen uns entgegen, in wenig Minuten langten wir bei dem Commandanten an. Er war ein geborner Brandenburger, und hatte fünf und zwanzig Mann unter sich. Da ich ein wenig Deutsch und Malayisch verstand, verständigten wir uns ohne Schwierigkeit. Rund um ein großes Feuer gelagert, nahmen wir eine derbe Mahlzeit von Fischen und Eiern ein, wobei uns Capitain Halls Madera und Genever trefflich zu statten kam. Unser guter alter Sergeant, sein Name war Bitter, schickte sogleich eine Pirogue mit seinem Berichte nach Bagouwangie ab.