Chapter 43

Fünftes Capitel.

Die Sonne gieng auf, und eine neue Welt voll Leben und voll Hoffnung breitete sich vor mir aus. Bald langte nun ein Abgeordneter von dem benachbarten Fürsten von Balambouang an. Er sagte uns, daß der holländische Commandant zu Bagouwangie bereits von unserer Lage unterrichtet, und auf der Reise hierher begriffen sey. Indessen verzog sich seine Ankunft bis Nachmittags um drei Uhr. Unser Anblick schien ihn zu rühren, wir selbst waren nicht weniger bewegt. Er allein konnte uns die Mittel zur Rückkehr nach Batavia verschaffen; von ihm allein hieng unsere Zukunft ab. Er sprach und alles verbürgte uns seinen Edelmuth. Er war ein Deutscher; ein Herr vonWinckelmann. Wir mußten sogleich seine prächtige Jacht besteigen, wo die Tafel bereits gedeckt war. Endlich um vier Uhr segelten wir ab, während er unser Gepäck in einer Pirogue nachzuführenbefahl. So hielten wir See bis Mitternacht, stiegen dann ans Land, und lagerten uns um ein gutes Feuer herum.

Um fünf Uhr Morgens ward weiter gesegelt; drei Stunden und wir kamen zu Bagouwangie an. Sogleich führte uns der Commandant in seine schöne Wohnung, und stellte uns seiner Gemahlin vor. Sie empfieng uns mit vieler Höflichkeit, und ließ ein vortreffliches Frühstück auftragen, das zum Theil aus den herrlichsten Früchten bestand. Am folgenden Tage wurde nun unser Reiseplan festgesezt; indessen erforderten die Anstalten einige Zeit. Wir blieben daher fast zwei Wochen in Bagouwangie. Nach reifer Ueberlegung schien es am besten, bis Surabaye zu Lande, und dann nach Batavia vollends zu Wasser zu gehen.

Bis Surabaye werden achtzig Lieuen gerechnet, zum Theil durch ein wüstes unbewohntes Land. Indessen hatte der treffliche Herr von Winckelmann für alles gesorgt. Fünf und zwanzig Malayen waren zu unsererBedeckung, und fünf und siebenzig zum Tragen unseres Gepäckes bestimmt. Wir und die Bedeckung waren beritten, und hatten überdem noch fünfzehn Packpferde mit Lebensmitteln bei uns. Endlich waren uns als Wegweiser und Anführer, zwei Malayen-Hauptleute oder Mandors mitgegeben, von denen der eine etwas Deutsch verstand. So traten wir, nach einem herzlichen Abschiede von unserem edeln Freunde, am 23. Februar 1805 unsere Reise an.

Die ersten drei Lieuen gieng es längs der Küste hin. Bald aber kamen wir in die große Wüste, die drei Tagereisen lang ist. Indessen hat die Regierung aller zwölf Lieuen, große Scuoppen von Bambus errichten lassen, die mit Gräben und lebendigen Hecken umgeben sind. Bei jedem dieser Caravansenai's, wie man sie nennen könnte, befindet sich eine Wache von Malayen. Diese müssen Tag und Nacht rund um die Einzäumung große Feuer unterhalten, so daß nichts von wilden Thieren zu fürchten ist.

Der erste Posten dieser Art heißtBagnou-Matie. Der Weg dahin war blos ein schmaler Fußsteig, der zwischen hohem Grase hinlief. Ich kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieses neun bis zehn Fuß hoch war. Wir sahen mehrere Tiger und Leoparden darin versteckt, langten indessen auf unserer Station ohne Unfall an. Als es finster wurde, verdoppelten wir die Feuer, und hielten auf diese Art die wilden Thiere ab. Indessen hörten wir die Tiger ziemlich brüllen, sobald nur ein Feuer abgebrennt war.

Am folgenden Morgen früh um vier Uhr gieng unser Gepäcke ab; wir selbst aber folgten erst um zehn Uhr nach. Bei dem zweiten PostenSon-bou-rou-arou, fanden wir einige Häuschen von Bambus, nebst einer Ziegen- und Damhirsch-Heerde, auch einer Menge Federvieh. Dies alles gehörte einem Großen am Hofe des Königes von Balambouang. Wir füllten hier unsere Bambusrohre mit gutem Quellwasser, weil man von nun an nur schlechtes trifft. Am 25. verließenwir die Wüste, und kamen durch eine schöne, mit Reisfeldern bedeckte Ebene, nachPanaroukan, was ein kleiner Flecken ist. Hier traten wir bei dem Oberhaupte, einem reichen Chinesen ab, und wurden zu unserer Verwunderung ganz auf europäische Art traktirt. Auch nöthigte er uns so dringend, einen Rasttag bei ihm zu halten, daß es sich durchaus nicht ablehnen ließ.


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