Sechstes Capitel.
Am 27. Februar ward nun die Reise fortgesezt. Wir kamen indessen nur bisBesouki, einem großen Dorfe, das ungefähr drei Lieuen von der Küste liegt. Der Weg geht fast durch lauter Wald, und ist äußerst schlecht. Nur in der Nähe von Besouki wird die Landschaft etwas lichter, und bald sieht man Reisfelder mit Baumgruppen vermischt.Bei unserer Ankunft, wurden wir in das Haus des Commandanten (Tomogon) geführt, der eben abwesend war, fanden aber dennoch ein vortreffliches Mittagsmahl daselbst. Am 28. hatten wir eine sehr starke Tagereise bisBangro. Auch hier fanden wir bei dem Tomogon eine sehr glänzende Bewirthung, und tranken zum erstenmale wieder Bordeauxwein. Zimmer und Betten waren ebenfalls sehr gut.
Die folgende Tagereise bisPaßourangwar kurz und angenehm. Die Landschaft ward immer schöner, wir konnten uns nicht satt daran sehen. Um zehn Uhr begegneten wir einem schönen offenen Wagen, mit vier Pferden bespannt. Er kam von Paßourang, gehörte dem dortigen holländischen Commandanten, und war für uns bestimmt. Wir zogen indessen vor, zu Pferde zu bleiben, und langten so bald bei unserem freundlichen Wirthe an. Er hieß Heßetaar, und nahm uns mit vieler Güte auf. Bei einem Einkommen von fünfzehn tausend holländischenThalern machte er ein ansehnliches Haus. So hat er z. B. an dreißig Sclaven, worunter zehn musikalisch sind. Sie lernten die meisten Instrumente von einem Chinesen spielen, der der Schüler einesDeutschengewesen war.
Paßourang, an einem schiffbaren Strome gelegen, ist der Hauptort eines ansehnlichen Fürstentums, und mit schönen Caffe- und Pfeffer-Plantagen umringt. Die ostindische Compagnie hat ein Werft für Küstenfahrer daselbst. Zwei Lieuen von Paßourang liegt ein mäßig hoher Berg, an dessen Anhängen alleeuropäischenGemüse, ohne alle Ausartung gedeihen, dies giebt zu einem bedeutenden Gemüsehandel nach Surabaye Gelegenheit. Wenig Tage vor unserer Ankunft war der Oberwundarzt unseres Bataillons hier durch gereist. Er wollte im Innern der Insel die Schuzblattern einführen, was von den wohltätigsten Folgen seyn wird.
Am 3. März gieng es bis Bangall; auchdiese Tagereise war sehr angenehm. Der Fürst, ein siebenzigjähriger Greis, empfieng uns mit vieler Zuvorkommung. Er sprach viel von Europa, besonders von den lezten Feldzügen in Italien, und schien ein sehr unterrichteter Mann zu seyn. Seinem ältesten Sohn und Nachfolger hatte er von einem Holländer erziehen lassen, daher dieser junge Prinz sehr gute Kenntnisse, besonders in der Mathematik besaß.
Am folgenden Morgen brachen wir nach Surabaye auf. Der Weg war gut, die Gegend schön, der Boden vortrefflich angebaut.Surabayeselbst ist eine kleine artige Stadt, und als erster Posten in der Meerenge von Madure von Wichtigkeit. Sie wird von dem Flusse Calianas durchschnitten, der für Küstenfahrer landeinwärts ziemlich weit schiffbar ist. Am Ausflusse desselben befinden sich zwei Hafendämme, mit Batterien versehen. Gewöhnlich laufen hier alle Schiffe ein, die nach China und den Philippinen bestimmt sind, besonders wegen desWintermonßuns. Sie finden hier alle mögliche Erfrischungen, worunter auch die vortrefflichen Gemüse von Paßourang. Die Luft von Surabaye ist sehr gesund, und die Gebend entzückend schön.
Bei unserer Ankunft wurden wir zu einem Juden geführt, der eine gar nicht schlechte Herberge hielt. Wir machten die Bekanntschaft eines holländischen Capitains, des Herrn Rußler, und wurden durch ihn, am folgenden Morgen, seinem Schwiegervater, dem Gouverneur, Herrn Rothenthal, vorgestellt. Dieser nahm uns mit vieler Güte auf, und versprach wegen unserer ferneren Reise sein möglichstes zu thun. Wir wünschten nämlich bis Batavia zu Lande zu gehen. Dies erforderte jedoch Bericht an den Generalgouverneur. Ich machte hierauf dem Commandanten, dem Major von Franquemont, aus dem Würtembergischen, einen Besuch. Er empfieng mich aufs beste, räumte mir ein Zimmer in seiner Wohnung ein, und überhäufte mich mit Höflichkeiten aller Art. Dasselbemuß ich von dem Admiral Hartsink sagen, der hier mit seiner Escadre vor Anker lag.
Nach ungefähr vierzehn Tagen traf die Antwort des Generalgouverneurs ein. Sie war, wie wir befürchtet hatten, abschläglich, man fand die Kosten gar zu groß. Herr Rothenthal bekam daher den Auftrag, uns die Ueberfahrt nach Samarang, an Bord einer Brigg zu verschaffen, die ohnehin zu einem Kreuzzuge bestimmt war.
Plözlich mußte es sich fügen, daß ein Schiff von der Escadre des Admirals Hartsink nach Batavia abgieng. Sofort suchte ich nebst meinem Freunde Harsaud um Plätze darauf an. Unsere Bitte ward bewilligt, und so begaben wir uns an Bord, wo uns der Capitain mit vieler Güte aufnahm (5. April).