Dritter Brief.
An Bord, auf der Rhede vonEmbden, April 1808.
Da bin ich denn an Bord unserer Anna Wilhelmina, dies ist der Name unseres Fregattenschiffs. Nach Abgang meines lezten blieb ich ohngefähr noch acht Tage in Leer. Unterdessen nahm das Schiff den Rest seiner Ladung ein, und segelte den Fluß hinab. Wir Passagiere, acht zusammen, folgten zu Lande nach. Morgens fuhren wir ab, Mittags kamen wir in Embden an. Die Rhede von Embden hat das Unbequeme, daß kein großes Schiff in der Nähe der Stadt vor Anker gehen kann. Man muß daher oft eineStunde, ja zwei Stunden fahren, ehe man zu seinem Schiffe kommt. Dies war leider auch unser Fall, doch endlich hatten wir die gehörige Höhe erreicht, und konnten unser Schiff gerade vor uns sehn. Da es aber gerade Ebbe war, entstand ein neuer Aufenthalt. So harrten wir bis sechs Uhr Abends am Strande, bis endlich die Schaluppe uns abzuholen kam.
Sobald wir uns an Bord befanden, wies uns der Capitain, je zwei und zwei zusammen, unsere Hütten an. Mit meinem Gefährten hatte ich schon in Leer Bekanntschaft gemacht. Es war ein alter herzensguter Mann, der als Aufseher der afrikanischen Wallfischfang-Gesellschaft ebenfalls nach der Kapstadt gieng. Ich übernahm die Mühe, unsere Hütte in Ordnung zu bringen, was mir denn auch nicht übel gelang.
Denken Sie sich einen kleinen Verschlag, der höchstens drei Personen fassen kann, und das Licht nur durch ein kleines Fenster in der Thür erhält. Denken Sie sich ferner in dereinen Wand derselben zwei Koyen, oder Schlafstellen über einander, so haben Sie unsere Hütte vor sich. Hier muß man denn nun sehn, wie man seine Sachen unterbringt. Ein Glück, daß ich beim Einladen unserer Provisionen zugegen war, so ward alles gleich in die Hütte gesezt.
Was wir daher am nöthigsten brauchten, wie Wäsche, Bücher u. s. w. kam unter die Matrazze, oder fand an den Enden der Koye einen Plaz. Andere Sachen, wie Töpfe mit Eingemachtem, Thee, Kaffee, Zucker, Gläser, Seife, Liqueur u. s. w. wurden in einen Schrank verschlossen, der an der entgegengesezten Wand befindlich war. Einige Kleidungsstücke wurden zwischen die Balken an der Decke der Koye gesteckt. Die größeren Vorräthe, wie die Weinkisten, das Selteserwasser u. s. w. befanden sich im Raume, doch oben aufgesetzt. Auf diese Art war unsere Haushaltung sehr bald in Ordnung gebracht. Wir nahmen hierauf bei dem Capitain das Abendessen ein, und sankenzulezt unter dem Rauschen des Wassers in tiefen Schlaf.
Diesen Morgen gieng ich nur auf das Verdeck, fand aber dort alles in der größten Unordnung. Das Schiff ist so voll geladen, daß man die besten Sachen nicht mehr in den Raum bringen kann. So müssen z. B. die Fleisch- und Gemüse-Tonnen sämmtlich oben bleiben, was den Platz gar sehr beengt, und die Schiffsarbeit nicht wenig erschwert. Dazu kommen die Passagiergüter, alles darunter und darüber, wovon jeder nach dem Seinigen sucht. Man will versuchen, aufzuräumen, ich fürchte aber, daß es wenig helfen wird. Von allen den schönen Vorräthen an Hämmeln, Geflügel u. s. w. die uns der Capitain versprochen hatte, ist nicht das mindeste zu sehen. Mehrere Passagiere denken daher, mit der Schaluppe nach Embden zu fahren, und einzukaufen, was zu bekommen ist. Auch für uns werden Hühner, und einige Ochsenviertel mitgebracht. So ebenkommt unser Rheder zum Abschiedsbesuch. Ich muß schließen, man ruft mich.
Morgens 7 Uhr.
Der Wind ist günstig, der Lootse an Bord. Eben wird das Anker aufgewunden, wir gehen in See. So leben Sie denn wohl, herzlich wohl. Die Inlage an meine liebe Frau. Gott gebe, daß wir uns alle glücklich wieder sehn! Noch einmal, leben Sie herzlich wohl, und denken Sie meiner mit Freundschaft, wie Ihrer ewig denken wird.
Ihr P.