Erste Abtheilung,Jacob Haafner.

Erste Abtheilung,Jacob Haafner.Zweites Buch.Erstes Capitel.

Zwei Jahre darauf verlor ich meine geliebte Sophie, und mit ihr meine ganze Freude auf der Welt. In tiefer Schwermuth brachte ich vier Monate auf meinem Gartenhause zu, und sah nur einen einzigen Freund. Diesem gelang es endlich, mich durch einen großen Reiseplan zu zerstreuen. Es kam auf nichts Geringeres an, als durch das Innere der Insel nachColombozu gehen. Indessen beschlossen wir außer den Sclaven und Trägern, noch einen europäischen Reisegefährten zu suchen, um wenigstens unserer drei zu seyn.

Dies war schwerer, als es scheinen mag; doch mit einiger Mühe fanden wir endlich unseren Mann. Es war ein verabschiedeter holländischer Sergeant, Namens Georgi ausStrasburg. Freilich war er ein wenig taub, und trank für sein Leben gern; aber er kochte vortrefflich, war der lustigste Kauz von der Welt, und fürchtete sich selbst vor dem Teufel nicht. Bei so viel guten Eigenschaften drückten wir gern ein Auge zu. Da er nun überdem selbst nach Colombo wollte, kam der Handel sehr bald in Richtigkeit. Einige Tage nachher gesellte sich noch ein vierter Europäer, ein Mr. d'Allemand zu uns. Er hatte Depeschen vom Admiral Suffrer an den französischen Agenten zu Colombo zu überbringen, und bot sich uns daher zum Gefährten an. Zwar hätte er die Reise gern längs des Strandes gemacht, allein es fehlte an Gelegenheit. Nachdem nun alle Anstalten getroffen waren, wurde der neunte Juni 17— zur Abreise festgesezt.

Unsere ganze Caravane war jezt sechszehn Mann stark; wir vier Europäer, zwei Sclaven, und zehn Trägern, oder Chivias. Drei der leztern, und zwar die stärksten, trugen jeder sechszig Pfund Reis, und zwei andereden Coffre von d'Allemand. Der sechste war mit zwei großen kupfernen Wassertöpfen, der siebente mit zwei Körben voll Zucker, Caffee, Wein u. s. w. bepackt. Der achte trug das Tisch- und Küchengeräth; der eine meine und Templyns[4]Kleider und Wäsche; der zehnte endlich unsere Matten, und die Fougritos oder Raketen, die man auf die wilden Thiere wirft. Templyns, d'Allemand, und ich, wir hatten jeder unsern Hirschfänger an der Seite, eine tüchtige Büchse auf der Schulter, und ein Paar Pistolen im Gurt. Der Sergeant trug seine ganze Bagage auf dem Leibe, und schleppte einen großen Husarenpallasch hinter sich drein. Es versteht sich, daß wir die Oppa nicht vergessen hatten, d. h. den Generalbefehl an die Majorals oder Dorfältesten, uns gegen Bezahlung mit Lebensmitteln zu versehen.

So zogen wir dann am 9. Juni, Nachmittags um drei Uhr, unter einem gewaltigenZulaufe aus der Stadt. Vorn die beiden Sclaven, als Cymbelschläger; dann wir Europäer; zulezt die Träger, oder Chirias. Um vier Uhr kamen wir zu Colombogamme an. Dies ist ein kleines Fischerdorf, hart am Meerbusen (Passo de Catchai), wo man nach dem eigentlichen Ceylon überfährt. Um sechs Uhr machten wir am andern Ufer unter einem großen Platanus Halt. Es ward beschlossen, hier zu übernachten, indem das nächste Fischerdorf nur aus elenden Hütten bestand.

Unser Sergeant gab uns viel zu lachen, indem er der Flasche gar gewaltig zusprach. Dabei ergoß er sich in einen Strom von Flüchen gegen das weibliche Geschlecht. Er war nicht weniger als fünfmal verheirathet gewesen, und alle seine Weiber hatten ihm entsezlich mitgespielt. Die eine war ein Hausteufel gewesen, der ihm keinen Augenblick Ruhe ließ. Die zweite hatte ihn an preußische Werber verkauft. Die dritte brachte ihn an den Bettelstab. Die vierte hatte ihn holländischen Seelenverkäufern in die Händegespielt. Die fünfte, eine Paria (gemeines indisches Mädchen) hatte ihm nach dem Leben gestellt. Diese Ehestands-Abentheuer erzählte er uns in einem höchstpossirlichen Gemische von Holländisch und Hochdeutsch, das durch seinen elsaßischen Accent nur noch komischer ward.


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