Chapter 18

[493]S. (betr.jenisch) Bachstelze, (betr.Bengesod.Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. (Fi[e]sel) Bettelbube.

[494]Stiepa(plur. Stiebe [Spr.]) = Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus.Stiepenpflanzer= Bürstenbinder (Spr.) — ist demverw. Quellenkr.sowie auch sonst im Rotw. m. Wiss.nichtbekannt. DerEtymologienach dürfte es wohl zu unserm gemeinsprachl. „stieben“ bezw. „stäuben“ gestellt werden (s.Weigand, W.-B. II, Sp. 955:stäuben, [eigtl.] „stiebenmachen, Staub erregen;aber auchindenselbenBedeutgn. wiestauben“, d. h. „Staub von sich geben, Staub erregen,Staub entfernen[inabstauben]“; vgl. Sp. 970 unter „stieben“).

[495]InRutscherschure(sonst m. Wiss. nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem Zeitw.rutschen(= „sich gleitend bewegen“); vgl. Näh. beiWeigand, W.-B. II, Sp. 630. — Betr.Schures. d. folgde. Anm.

[496]S. abbiegen.

[497]S. (betr.-pflanzer) anbrennen.

[498]S. Amtsdiener.

[499]S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl. auch „Vorbemerkung“,S. 19,Anm. 49.

[500]S. (betr.Lehm) Bäcker.

[501]S. (betr.Schure) abbiegen.

[502]S. (betr.Gleis) abgerahmte Milch.

[503]Strade= Straße (Chaussee, Pfad, Weg) findet sich auch in einer Reihe vonZusammensetzgn.(nur am Anfang), nämlich:Stradeschenegler= Chausseearbeiter (Straßenarbeiter),Stradebich,-goreoder-lobe= Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld),Stradekiesod.-hertling= Kilometerstein (Meilenzeiger),Stradebenk= Straßenwärter,Stradelinzer= Wegweiser.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gauerspr.99, 101 (Strade= Weg;Stratekehr= Straßenräuber);W.-B. des Konst. Hans254, 259 (Strade= Weg, Straße,Stradekehreru.-kehra= Straßenräuber u. -raub);Schöll271 (Strade= Straße);Pfulld. J.-W.-B.346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg);Schwäb. Händlerspr.487 (Strate[inPfedelb.(212):Strade] = Straße); s. auchMetzer Jenisch216 (Strālje= Straße). Über weitere rotw. Belege sowie dieEtymologie(Wurzel wohl: ital.stradabzw. lat.strata, zu vgl. ndd.Strât) s. ausführl.Groß’Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1 (zu „Straderadler“); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter „Stradehändler“ u. „Stradekehrer“).

[504]S. (betr.-schenegler) abschaffen.

[505]S. (betr.Bich) Almosen.

[506]S. (betr.Gore) Barschaft.

[507]S. (betr.Lobe) Bank.

[508]Zuher(r)lesod.her(r)lem= hier, da (daher, daneben, danieder)vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.93 (herles= hier oder da);W.-B. des Konst. Hans256 (herrles= hier);Pfulld. J.-W.-B.340 (hirles= hier, hierher);Schwäb. Händlerspr.480, 482 (hirles[inPfedelb.(209) dagegen:herlis] = dieser,herlesod.hirles= hierher! [komm her!], inLütz.[214]:hirlem= hier); s. auchMetzer Jenisch216 (herlis= hier). ZurEtymologiedes (auch sonst hin und wieder im Rotw. begegnenden) Wortes s.Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680 (unter „hirles“), wonach es „gewiß“ zu unserem „hier“ zu stellen ist.

[509]S. (betr.bostenu.pfichen) = abgehen.

[510]Das Zeitwortschef(f)tenhat mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von „sein“ (s. weiter unten im Vokabular:das schef[f]t Lore= das ist nichts u.schef[f]t a Ruch= das ist ein Bauer; vgl. auchdof schef[f]t’s= heil, d. h. eigtl. „esist[geht] gut“), sodann b) die spezielleren vonα) „sitzen“ (niedersitzen) u.β) „kommen“ (vgl. oben:schef[f]t’ her[r]les= komm daher [hierher]) oder „gehen“, bes. in der Verbindg.schiebes schef(f)ten= davongehen (fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr.schiebes] Näh. unter „davongehen“). Auch in demverw. Quellenkr.lassen sich diese verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a, in der neuern die unter b,βüberwiegt.Vgl.Dolm. der Gaunerspr.94 (scheft= ist);W.-B. des Konst. Hans254 u. 256 (scheften= sein);Schöll272 (scheften= sein, aber auch: haben, ferner: sich setzen);Pfulld. J.-W.-B.345schefften= gehen);Schwäb. Händlerspr.(inPfedelb.[210, 214]:schee[f]ten= gehen [vgl.scheeft ab,ist abgescheeft],zusammenscheften= zusammenkommen; inLütz.[215]:schäfte[n]= laufen); vgl. auch nochPfälz. Händlerspr.438 (scheften= sein; gehen). Über weitere rotw. Belege s.Weber-GüntherS. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s.Kluge, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind). Ebends. auch Näh. über dieEtymologiedes Wortes, die nicht ganz sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern ist. So hat esStumme, S. 14 für die Bedeutg. „sein“ und bes. „sitzen“ auf das hebr.schebet, infinit. construct. vonjâschab= „sitzen, verweilen“, zurückgeführt, während bezügl. deranderenBedeutungen von A.-L. 597 u.Meisingerin d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III (1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. „schaffen“ als Quelle betrachtet worden ist.

[511]S. Amtmann u. (betr.Mos[s]) Bauernfrau.

[512]S. Abend.

[513]S. da.

[514]S. abbetteln.

[515]S. abfahren.

[516]S. abgehen.

[517]S. unter „daher“ a. E.

[518]Lore(lore) = nichts, nicht, auch wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen. Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar ein Schreibfehler fürLone(lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen „nichts“ (nicht), nein (auch: „niemand“) vorkommt (s. z. B.Körners Zus. zur Rotw. Gramm.v. 1755 [241 unter „wächeln“:lone= nichts];Krünitz’ Enzyklopädie1820 [351:Lohne= niemand, nein];v. Grolman43 u. T.-G. 112, 113 u.Karmayer G.-D.208 [lo[h]ne= nein, nicht, nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nachWeber-Günther, S. 156) vermutlich eine Abkürzung der volleren Formlolohne,laulo(h)ne, die in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch „mit nichten“ u. dergl. wiedergegeben ist (s. z. B. v.Reitzenstein1764 [247]; vgl.Thiele273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich trägt (s. z. B.Kluge, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht dem hebr.lô lânû, d. h. eigtl. „nicht uns“ (s. schonThiele272, Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines traurigen Ereignisses, also etwa „Gott behüte“ (nach gefl. Mitteilg. vonA. Landau). Daseinfache lo(loo),lau,lawu. a. = nicht (nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege beiWeber-Günther, a. a. O.), so namentl. auch in demschwäb. Quellenkr.; vgl.Dolm. der Gaunerspr.97 (lau= nein);W.-B. des Konst. Hans255 (ebenso);Schöll270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts);Pfulld. J.-W.-B.342 (lau,lo= nichts);Schwäb. Händlerspr.484 (lo= nicht); s. auchPfälz. Händlerspr.438 (lô= nein); merkwürdig die Formlopach= nichts (es ist nichts) in derschwäb. Gaun.- u. Kundenspr.73 (während nein dortnoneheißt). ZurEtymologievonlo,lau(u. s. Nebenbedeutg. „falsch, schlecht“) s. noch A.-L. 565 (unter „Lametaleph“); vgl. auchFischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1020 u. 1261.

[519]S. Bauer.

[520]Grif(f)leng(-ling) = Hand (Faust, auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der WendungGrif(f)leng steken= die Hände geben sowie in folgendenZusammenstzgn.: a)im Anfang:Grif(f)lingobermann= Fingerhut,Gri(f)lengschenagel= Handarbeit,Grif(f)lingtrittling= Handschuh; b) amEnde:Trittgrif(f)leng(eigtl. „Fußfinger“) = Zehe (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.),Linzgrif(f)ling= Zeigefinger.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.93 (hierGriffling= Handschuh, während die Hand durchFemewiedergegeben ist);Pfulld. J.-W.-B.340 (Grifling= Hand);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.70 (Griffling);Schwäb. Händlerspr.481 (Griffling= Hand, Finger). DasPleißlen der Killertaler435 kenntGreiferle= Hand. S. weiteres, bes. auch zurEtymologiedes Wortes (das natürlich zu unserm „Griff“ bezw. „greifen“ gehört), noch inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 50 (unter „Greifer“); vgl. auchFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 834.

[521]Schiebes(davon, fort, weg) kommt inWittichs W.-B.nur vor in den Wendungenschiebes bosten,pfichenod.schef(f)ten= davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowieschiebes bukle= davontragen.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. derGaunerspr.91 (Schiebes[-]machen= durchgehen od. „echappieren“ [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. vonSt. Georgen1750 (216:Schübes machen, Bdtg. ebenso)];W.-B. des Konst. Hans258 (schiabes malochen= fortgehen [vgl. dazu „Einleitung“,S. 27,Anm. 75];Schöll273 (schiebes machen= sich aus dem Staube machen);Pfulld. J.-W.-B.339, 342 (schibes= fort, los,schibisnaschen= scheiden [s. betr.nascheninWittichs W.-B.unter „fliehen“]); s. auchMetzer Jenisch216 (schiebes= fort) u.Eifler Hausiererspr.491 (bod schiebes= geh fort). ZurEtymologie: Am einfachsten ist das Wortschiebesdoch wohl (mitStumme, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. „schieben“ (über dessen Gebrauch im Rotw. zu vgl.Groß’Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.) herzuleiten, jedoch könnten immerhin auchhebr.Vokabeln mit von Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. beiWeigandim „Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen“, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd.Schībes gehen= zu Grunde, verloren gehen das hebr.schêbet= „Ruhe, Aufhören“ herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter „schieben“ u.Weber-Günther, S. 192.

[522]S. abgehen.

[523]S. unter „daher“ a. E.

[524]S. (betr.bukle) abtragen.

[525]S. abbiegen.

[526]Latt= Degen, Säbel (Hirschfänger) kommt auch vor in derZus.Lattenkarle= Gendarm (s. darüber Näh. unter diesem Worte) u.Lattenpflanzer= Waffenschmied.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Schwäb. Händlerspr.486 (Latt= Seitengewehr); s. auch nochHennese FlickvonBreyell450 (Lott= Degen). Auch in der Soldatensprache istLattingleichemSinne bekannt (s.Horn, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den bayrischen Soldatenauch das Gewehr, undebensoauch wohl bei den Gaunern (s.Pollak221;Ostwald93) u. Kunden (arg.:August mit der Latte= Landjäger, Gendarm [Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.72 u.Ostwald(Ku.) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw.Lattestellen darf (vgl. dazu nochGroß’Archiv, Bd. 51, S. 140 u.FischerSchwäb. W.-B. IV, Sp. 1015 unter „Latt[e]“, Nr. 2).

[527]S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas abweichende Umschreibung für „Diamant“ kennt die Zigeunersprache, nämlichdikkapáskĕro parr, d. h. „durchsichtiger Stein“ (Liebich, S. 132, 189); vgl. „Vorbemerkung“S. 19,Anm. 48.

[528]S. Adler.

[529]S. (betr.Rande) Bauch.

[530]S. (betr.Ki[e]bes) Angesicht.

[531]S. anfassen.

[532]S. ausstehlen.

[533]S. (betr.Ulma) arme Leute.

[534]S. (betr.Kitt) Abort.

[535]Zopferei= Diebstahl ist eine Ableitung von dem Zeitw.zopfen, das für „stehlen“ — nachWittichs„Einleitung“ (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem Sinne noch im W.-B. in der Zus.herauszopfen= herausstehlen angeführt ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für „erwischen“ vorkommt.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):W.-B. des Konst. Hans259 (krank zopfen= gefangen nehmen);Schöll271, 273 (zopfen= nehmen,krank zopfen= gefangen nehmen);Pfulld. J.-W.-B.337, 339-341, 345 (zopfen= ausplündern, herausnehmen, stehlen,Zopfen[als Subst.] = Diebstahl;krankzopfen= gefangennehmen,kiwiszopfen= köpfen u. a. m.);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.67 (zopfen= ausplündern);Schwäb. Händlerspr.484, 486 (zopfen= ausplündern, nehmen, stehlen [inPfedelb.(208, 213) auch: ausplündern, nehmen u. verhaften],Staubzepfer[eigtl. „Mehldieb“] = Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie dieEtymologie(= Nebenform zu „zupfen“, die bes. auch der allgem. schwäb. Mundart bekannt ist) s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1 vbd. m.v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 550.

[536]S. abschaffen.

[537]S. angenehm.

[538]Glitschin, eigtl. = Schlüssel, dann auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg.nobes dofer Glitschin, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgendenZusammensetzgn.: a)am Anfang:Glitschinpflanzer= Schlosser; b)am Ende:Kittglitschin= Hausschlüssel,Duftglitschin= Kirchenschlüssel,Sichereglitschin= Küchenschlüssel,Sturmkittglitschin= Rathhausschlüssel,Luberglitschin= Uhrschlüssel. In demverw. Quellenkr.ist das Wort zwar nicht bekannt, wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — inähnl.Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S.Groß’Archiv, Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text) auch ausführl. Angaben über dieEtymologie— aus derZigeunersprache(s. „Einleitung“S. 30); vgl. dazu auch nochFinck, S. 65 (der jedoch nur die Formklídi[n]anführt, während die älteren Sammlungen meistglitschinu.glitinals gebräuchlichste Form bei d.deutsch.Zig. haben).

[539]Eine ähnliche Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache, wenigstens nachLiebich, S. 189, dertschi tschātschi glitin, d. h. „keinrechterSchlüssel“, für „Dietrich“ hat (vgl. „Vorbemerkung“,S. 17), wogegen der Begriff beiFinck, S. 65 einfacher durchbángi klídin, d. h. etwa „falscher Schlüssel“, wiedergegeben ist. —Nobesod. (häufiger)nobishat außer der Hauptbedeutg. „nicht“ auch noch die von „nein“, „niemals“ und „umsonst“, ferner von „unbedeutend“ od. „unnütz“ sowie (als Subst. gebraucht) von „Null“ u. „Tand“ (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Dazu zahlreicheVerbindungen, nämlich: a) mitZeitwortformen, u. zwarα) mitInfinitiven:nobis sehenegla(d. h. „nicht[s] arbeiten“) = faulenzen,nobis diberenod.schmusen(d. h. „nicht[s] reden, sprechen“) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.);β) mit derersten u. drittenPers. Präs.(als Umschreibg. für deutsche Adjektive):gneis nobis(d. h. „[ich] kenne [es] nicht“) = unbekannt,hauret nobis(d. h. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig,begert nobis(d. h. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.);γ) mitPartizipien(z. Teil für deutsche Adjektive):nobis vergrönt(eigtl. „nicht verheiratet“) = ledig (unverheiratet),nobis ang’kluftet(d. h. „nicht angekleidet“) = nackt (unbedeckt),nobis geschert= ungekocht; b) mitAdjektiven:nobis bauserich= furchtlos,nobis dof= garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch, unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die Substantivierungnobis Dofs= Trübsal, Übel),nobis grandich= machtlos, wenig, winzig,nobis g’want= nichtsnutzig,nobis wo(h)nisch(bzw.gril[l]isch,diboldisch), d. h. eigtl. „nicht katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch“) = ungläubig,nobis begerisch(d. h. „nicht krank“) = wohl (gesund, unverletzt); c)mit einem Substantiv(für ein deutsches Adjektiv):nobis Strauberts(d. h. „keine Haare“) = kahl; d) mitSubstantiven undvorgesetztenAdjektiven(zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an einfachen Hauptwörtern fehlt): — außernobes dofer Glitschin= Dietrich noch —nobis dofer Bich-,Kies-od.Lobepflanzer= Falschmünzer,nobis vergrönter Käfferle= Junggeselle,nobis dofs Jahne= Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),nobis grandicher Kaffer= Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast satzartigen Wendung: nämlichnobis Strauberts auf’m Ki(e)bes(d. h. „keine Haare auf dem Kopfe“) für das deutsche Subst. Kahlkopf.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Pfulld. J.-W.-B.339, 342, 345 (noves= nicht;nobus schlaune= schlaflos;Manobisch,schinegeln= Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma)nobisch schinegeln= faulenzen],nobis maker[v. hebr.makâr= „bekannt“; s.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od.nobis knais= unbekannt);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.73 (nobes= nichts [es ist nichts],lauter nobes= alles nichts);Schwäb. Händlerspr.484 (nobis= nein,nôbis= nicht [inPfedelb.(212):nowes= nein, nicht u.binowes= gar nichts]). Auch innichtverwandten Krämersprachen findet sich das Wort (s. z. B. innordwestfäl. Bargunsch446 [nobis= nein, nicht] u. imHennese Flick von Breyell456 [nobes= nein]). Über das Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s. z. B. schonUlenhart1617 [132, 132:nobis= nicht] u. dann öfter in verschiedenen Formen) s. Näh. beiWeber-Günther, S. 173/74 unter „nowes“; desgl. bezügl. derEtymologie, worüber u. a. folgendes ausgeführt ist: „NachWagnerbeiHerrig, S. 225 hängt das Wort ‚ohne Zweifel ... mit dem altenNobiszusammen, welches wieder von der italienischen Nebenformnabisso(= in abisso; französ.abîme, griech.-lat.abyssus= Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‘. Dazu das bekannteNobiskrug= Hölle; eigtl. ‚Höllenschenke‘ (s. dazuKluge, W.-B. S. 332/33,Weigand, W.-B. II, Sp. 308 u. bes.Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 862 ff.). UnbeschadetdieserEtymologie besteht aber vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr.A. Landau) auch noch ein gewisser Zusammenhang zwischennobis= nicht und dem oben (Anm. 518) betrachtetenlo[h]ne. Da nämlichlô lânû(worauslolone,loneentstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps. 113) ‚Non nobis, Domine ..., sed nomini tuo da gloriam‘ lautet, so könnte dies analog zur Anwendung vonnon nobisalleinin der Bedeutung ‚nein‘ geführt haben, zumal, gleichwie inlonelautlichlô= nein steckt, auch innobisdasnoalsNegationempfunden werden konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß dahingestellt bleiben.“ Über weitere Bedeutungsveränderungen vonnobisin denKrämersprachens. noch ebds. S. 174, Anm. 1.

[540]S. abbiegen.

[541]S. Brücke.

[542]S. Beischläferin.

[543]S. arg. u. Beischläferin.

[544]S. alltäglich u. abbiegen.

[545]S. absterben u. Amtmann.

[546]MitScharfling(od.Scharpflengl= Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur dieZus.Scharflingpflanzer= Messerschmied gebildet.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Schwäb. Händlerspr.484 (Schärfling= Messer), wogegen in derSchwäb. Gaun.- u. Kundenspr.74 der Ausdr. soviel wie „Rettich“ bedeutet. DerEtymologienach gehört er natürlich zu unserem Adj.scharf.

[547]Duft= Kirche (Gotteshaus, Kapelle, Tempel) erscheint auch noch in derVerbindg.Duft halten= Gottesdienst halten sowie in denZus.:Duftnolle= Kelch,Duftglitschin= Kirchenschlüssel,Duftkies= Opfergeld.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.95 (Duft= Kirche); ebenso übereinstimmend auchW.-B. des Konst. Hans254 u.Pfulld. J.-W.-B.341 (hier [345] auch:grandiche Duft= Tempel);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.71 (Duft= Kirche,Duftreiter= Kirchenräuber);Schwäb. Händlerspr.483 (Duft, Bedg. ebenso,Dufterod.Duftschaller= Lehrer), s. auch nochMetzer Jenisch216 (Duft= Kirche) u.Eifler Hausiererspr.490 (Doft). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (unsichere)Etymologiedes Wortes (vielleicht vom hebr.tefillâ[h]= „Gebet“ od. zuduft[heb.Tôb] = gut) s.Groß’Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter „Duftschaller“); vgl. auchWeber-Günther, S. 169.Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in Beziehung gesetzt.

[548]Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunerspr.; s.Liebich, S. 189 (bari kangri= Dom).

[549]S. Bauerndorf. — Über das frühere (jetzt veraltete) Synon.Palars. „Einleitung“,S. 27u.Anm. 79.

[550]Die dritte Form (Mochum[Dim.Mochumle(Spr.)]) soll nach der „Einltg.“,S. 27— gleich den früheren, jetzt veraltetenMokemu.Mogumle—auch„Stadt“ bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für „Stadt“ nurSteinhäufleangeführt ist (vgl. „Einltg.“,S. 25,Anm. 61).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.);Dolm. der Gaunerspr.99 (Mokum= Stadt);W.-B. des Konst. Hans251, 257 (Mokem= Stadt, Dimin.:Mogumle= Städtchen);Schöll271 (Mokum= Stadt,Ortschaft);Pfulld. J.-W.-B.339, 345 (Mochum= Stadt,Dorf);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb. Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.:Dorf[inDegg.(215) = Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie dieEtymologie(v. hebr.mâqôm= „Ort“) s.Groß’Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214; vgl. auchWeber-Günther, S. 159 u.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1720/21 (unter „Mochum“).

[551]Die Vokabel ist imobigenSinne sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.99 (Hegis= Spital, Bettelhaus),Pfulld. J.-W.-B.337 (Heges= Armenhaus) u.Schwäb. Händlerspr.482 (Hêges= kleines Haus),wennman nämlich eine Bedeutungsveränderung von „kleinesHaus“ (Bettel- oder Armenhaus usw.) zu „kleinesDorf“ für möglich hält. Auch fürHegis(-es) usw. injenem Sinne, das auch z. B. schon imLib. Vagat, 54 (Hegiß= Spital) vorkommt, ist dieEtymologieübrigens zweifelhaft; A.-L.s Hypothesen (548 unter „Heckdisch“) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte das jüd.hekdisch= „Siechenhaus, Bettlerherberge“, vom neuhebr.hekdêsch= „was dem Heiligtum geweiht ist“, „Geheiligtes“ (zuhâkdasch= „abgesondert sein“) als Quelle herangezogen werden (nach Dr.A. Landau).Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter „Hegis“) hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnteHeges= Dörflein auch einfach aus unsermdeutsch. Hege(= „Umhegung, Umzäunung“ [vgl.Weigand, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.

[552]S. abbiegen.

[553]S. Baumholz.

[554]Stupfle= Dorn, Stachel ist in demverw. Quellenkr.zwarnichtbekannt, dagegen findet sich hier das Zeitw.stupfen= stechen, zu dem das Hauptw. alsAbleitg.gehört; vgl.Pfulld. J.-W.-B.337, 342, 344 (ausstupfen= ausstechen;stupfeln= nähen,Stupfler= Schneider [schon imW.-B. des Konst. Hansdafür:Stupfer]);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.69 u. 75 (stupfen= stechen, erstechen);Schwäb. Händlerspr.(inPfedelb.[209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür:dupfen[worüber Näh. inWittichs W.-B.unter „stechen“]; vgl. 484, 486:Stupfer= Schneider,Stupflerin= Näherin, womit auch zu vgl.Pleißlen der Killertaler436 [Stupferles-Penk= Schneider,Stupferles-Senn= Näherin, auch Floh, fürerstereBedtg. auchStupferin, währendStupferhier „Gabel“ bedeutet]). ZurEtymologie: das Stammwortstupfen= stechen (s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart an. S. Näh. beiGroß’Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter „Stupfer“) vbd. mirv. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u.Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 774. Über den auf dengleichenStamm zurückgehenden jenisch. Ausdr.Stupfelod.Stupfleng= Igel s. noch weiter unten.

[555]S. Abort.

[556]S. abgerahmte Milch.

[557]S. Ärger.

[558]S. angenehm u. Aas.

[559]S. aberwitzig.

[560]Hegeleiist — ebenso wie das Adj.hegelich= unverständig — eine Ableitung vonHegel= Dummkopf (dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn.Hegelkitt= Irrenhaus u.Hegellauti= närrischer Kerl, Possenreißer (wobei die Bedtg. des-lautizweifelhaft bleibt). Auch dasMetzer Jenisch216 kenntHēgel= Dummkopf, wogegen das Wort in den zunächstverw. Quellenin diesem Sinneunbekannt erscheint (s. jedochPfulld. J.-W.-B.389 [Jahrhegel= Förster]). Über das Vorkommen der Vokabel im sonstigenRotwelsch(in d. FormenHegel,Heckel,Häckel,Hög[e]lmit den Bedtgn. „Narr, Geck; Lump; Schaf; Bauer“) sowie ihreEtymologies. die Angaben inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 6, 7 u. dazu nochFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter „Hegel“) vbd. mit Sp. 1011 (unter „Häckel“ I, Nr. 2), der Heckel = „roher Mensch“ zu „hacken“ stellt. Vgl. auchWeber-Günther, S. 183 (unter „Häckel“).

[561]S. Abend; vgl. über den Gebrauch des Substantivs als Adjektiv: „Vorbemerkg.“,S. 15,Anm. 38a. E.

[562]S. abbetteln.

[563]S. Amme.

[564]Balo= Schwein, Sau (Eber, Hauer, auch Ferkel) findet sich (in demverw. Quellenkr.) schon beiSchöll271, während dasPfulld. J-W.-B.343, 344 die FormBale(= Sau, Schwein), dieschwäb. Gaun.- u. Kundenspr.75 aberMale(= Schwein) hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw. sowie dieEtymologiedes Wortes (aus derZigeunerspr.[vgl. „Einleitung“,S. 29]) s. d. näh. Angaben inGroß’Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu „Balebumser“), u. dazu nochFischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter „Male“) vbd. mitFinck, S. 49 (bálooderbālo= „Schwein“).

[565]Groanikelod. (häufiger)Groenikel, Syn. zuBalo, findet sich auch in verschied.Zusammensetzgn.(während solche mitBalonichtgebildet sind) u. zwar: a)am Anfang:Groenikelbenkod.-schure= Sau- od. Schweinehirt,Groenikelstenkert= Sau- od. Schweinestall,Groenikelbossert= Schweinefleisch,Groenikelkemerer= Schweinehändler,Groenikelkafler= Schweinemetzger,Groenikelschwächerle= Schweinezitzen,Groenikelstrauberts= Schweinsborsten; b)am Ende:Flu(h)tegroanikele= Meerschweinchen u.Mameregroanikel= Mutterschwein.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.99 (Kranickel= Schwein);Pfulld. J.-W.-B.343, 344 (Kronickel= Sau, Schwein);Schwäb. Händlerspr.486 (Krûnikel,Krônikel[in Pfedelb.(213):Graunickel], auch wohl bloßNickel= Schwein). Über weitere rotw. Belege sowie dieEtymologie(zu mundl.gronen[graunen] u. ä. = „grunzen“ [s. bes.Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u.Ni[c]kel, Abkürzung vom EigennamenNikolaus[vgl. oben unter „Bulle“ betr.Hornickel], also eigtl. „Grunznikel“ [wie inStrelitz. Gloss.v. 1747 (214/15)]) s.Groß’Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu „Kronickels-Bumser“); vgl. auch nochFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 849/50 (unter „Gronickel“, mit Anfühg. von bayr.Gronigl= „Murrkopf“ nachSchmeller, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter „Nickel“).

[566]S. angenehm.

[567]S. anmutig.

[568]S. Amtmann.

[569]Es liegt hier wohl vor der Fall des Gebrauchs eines Partizips (vergrönt= verheiratet [ehelich], von dem Zeitw.vergrönenod.vergröneren= [ver]heiraten, verehelichen) als Substantiv (s. „Vorbemerkung“,S. 15,Anm. 36); vgl. als Gegensatz:nobis vergrönt= ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. dahernobis vergrönter Bengesod.Käfferle= lediger Mann, Junggeselle. EineAbleitg.vonvergröne(re)nistVergrönerei= Heirat, währendGroenerei= Hochzeit (nebst d.Zus.Groenereibikusod.-kahlerei= Hochzeitsschmaus) ein einfachesgroenen= heiraten voraussetzt, das aber im W.-B. nicht angeführt ist.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.91, 93, 94 (Grunerej= Hochzeit,Kocheme Grunerej= Diebshochzeit,Grünt’schajod.-Mos= Ehefrau,Grün-Kaffer= Ehemann);Schöll271 (Grunerey= Hochzeit);Pfulld. J.-W.-B.339, 340 (Gränerei= Ehe, Hochzeit,Kränerei= Heirat,Grenzgasch= Ehe,Grängoi= Eheweib);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.68-70 (krönern= heiraten,Krönerin= Ehefrau,Kroner= Ehemann,Krone= Frau);Schwäb. Händlerspr.482 (krönenod.krö[h]nern= heiraten, dazu [inPfedelb.(209):Krönerei= Hochzeit,Kröner,Krönerin= Ehemann, -frau, fernervergrünt[inPfedelb.(213):verkrönert] = verheiratet). Zur (nicht sicheren)Etymologiedes Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter „Krönerin“) sowie Bd. 56, S. 69 (unter „Krone“).

[570]S. Beischläferin.

[571]S. arg u. Bauernfrau.

[572]S. Bauer.

[573]S. angenehm.

[574]Der PluralBäzemebedeutet auch: „Hoden“. Ebenso handelt es sich bei dem — nachWittich(im Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten —Betzamod.Bezem= männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — „in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden“ ist, umdasselbeWort, nur in etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.).Zus.a) mitBäzem(e)= Ei(er) sind:α)am Anfang:Bäzemabrandleng= Eierkuchen,Bäzemagachneod.-stierer= Legehuhn,Bäzemaschei(eigtl. „Eiertag“) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl. auch schon „Vorbemerkung“,S. 18);β)am Ende:Fläderlingbäzeme= Vogeleier,Strohbutzersbäzeme= Gänseeier. b) MitBäzeme= Hoden ist gebildetBäzemerande= Hodensack. c) MitBetzam(Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Pfulld. J.-W.-B.339 (Betzum= Ei);Schwäb. Händlerspr.480 (Betzeod.Betzum= Eier, inPfedelb.[209]:Bezem= Ei u. Eier, ebds. [211]Bēzĕmĕ= membrum muliebre, dagegen inLütz.[215] — übereinstimmend mitWittichsJenisch — = membrum virile); s. auch nochPfälz. Händlerspr.437 u.Metzer Jenisch212 (Bĕtzche= Ei). Die Bedeutg. vonBetzam(Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh. (s. z. B.Pfister1812 [Pehzem= männliches Glied];v. Grolman7 u.T.-G.98 [Behzem];Castelli1847 [391:Bedzem]; ebenso:Fröhlich1851 [394] u.Wiener Dirnenspr.1886 [417], während A.-L. 523Bezemhat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in derursprgl.Bedeutg. „Ei“) im Rotw. sowie dieEtymologie(vom gleichbed. hebr.bêça[jüd. bezo], plur.beçîm) s.Weber-Günther, S. 152/53 (unter „Bärkse“) vbd. mit A.-L. 523 (unter „Beitze“) u. 341 (unter „Beza“),Günther, Rotwelsch, S. 26,Stumme, S. 23 u.Kleemann, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriffpenis) s.A.-L.523 u.Müllerin d. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrummuliebre(bei d. schwäb. Händl. i.Pfedelb.[s. oben]) auf einer weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag dahingestellt bleiben.

[575]S. Apfelbaum.

[576]S. abbiegen.

[577]S. (betr.Brandleng) Apfelkuchen.

[578]S. arg.

[579]S. abbrennen.

[580]S. abfahren.

[581]S. bewerfen.

[582]S. aberwitzig.

[583]S. Dummheit.

[584]S. aufschlagen.

[585]S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.

[586]S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.

[587]S. abgehen.

[588]S. aufnähen.

[589]S. abgerahmte Milch.

[590]Das Zeitw.einspronken(s. dazu dieVerbdg.eingespronkter Bossert= Pökelfleisch) ist ebenso wie das einfachespronkere= salzen (richtiger doch wohl:spronken?) — u. dazug’spronktod.gesprunkt= gesalzen, salzig — eine Ableitung von dem HauptwortSpronkert= Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt:Spronkert-Flössling,Spronkertflotscherod.-schwimmerling(d. h. eigtl. „Salzfisch“) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.),Spronkertschottel= Salzbüchse,Spronkertbossert= Salzfleisch,Spronkertnolle= Salznapf.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.98 (Sprunkert= Salz); übereinstimmd.:Schöll271 u.Pfulld. J.-W.-B.343 (hier [339] auch:einsprunken= einsalzen);Schwäb. Händlerspr.485 (Sprungert[inPfedelb.(212):Sprunk] = Salz). Auch diePfälz. Händlerspr.439 kenntSprungert. Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh. — in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere)Etymologies. Näh. beiWeber-Günther, S. 187/88 (unter „Sprunkert“) vbd. m.PottII, S. 35,A.-L.610 u.Hoffmann-Krayerim Schweiz. Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw. „springen“, „sprenkeln“ u. „[be]sprengen“ gedacht haben).

[591]S. aufwachen.

[592]S. ausschlafen.

[593]S. abbiegen.

[594]S. abschreiben.

[595]S. abfallen.

[596]S. bewerfen.

[597]S. Bahn.

[598]S. (betr.Schenegler) abschaffen.

[599]Rädling(-leng) = Fahrzeug (auf dem Lande), Wagen findet sich noch in derVerbindg.dofer Rädling(d. h. „schöner Wagen“) = Kutsche sowie in folgendenZusammensetzgn.: a)am Anfang:Rädlingkaffer= Fuhrmann u.Rädlingpflanzer= Kutschenbauer, Wagner; b)am Ende:Kritzlerrädling(eigtl. „Briefwagen“) = Postwagen u.Schmelemerrädling= Zigeunerwagen.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):W.-B. des Konst. Hans255 (Rädling= Landkutsche);Pfulld. J.-W.-B.346 (= Wagen);Schwäb. Händlerspr.488 (ebenso; Syn.Râdelod.Rudel). Über weitere rotw. Belege u. dieEtymologie(zu „Rad“) s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 25 u. Anm. 1 (unter „Radlinger“) vbd. m.PottII, S. 37,A.-L.583 u.Günther, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46, S. 27 (Radlingpflanzer= Wagner beiKarmayer130).

[600]Das Adj.biberisch(bibrisch [Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost) gebracht wird, ist eineAbleitungvon dem Zeitw.biberen= frieren (mich biberts’= mich friert’s). EineZus.mitbiberischistBiberischerflu(h)te= Eiswasser.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.94 (biberisch= kalt);Pfulld. J.-W.-B.339, 341 (biberisch= kalt,biberen= frieren,verbibern= erfrieren);Schwäb. Händlerspr.482 (biberisch= kalt, inPfedelb.[209, 210]:biberen= frieren [z. B.mi bibert’s an d’ Grifling= mich friert’s an den Händen] u.verbiberen= erfrieren). Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt (letzteres auch mit denNebenbedeutgn. „beten“ u. „lesen“; s. A.-L. 524). DerEtymologienach erscheintbiberen(wie auch das gemeinspr.bebern= „heftig beben“ u. d. mundartl.bibbernod.bebbern= „zittern“ [s. z. B.H. Meyer, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S. 19]) wohl als „Iteritivbildung“ von „beben“.S. PottII, S. 17 vbd. mitWeigand, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auchGünther, Rotwelsch, S. 79, Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowieGroß’Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1 (zu S. 336).

[601]S. (betr.Flu[h]te) abbrühen.

[602]S. arg.

[603]Das Zeitw.haurenhat (ähnl. wieschef[f]ten) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen (niedersitzen). S. zurersterenBedeutg. noch die Umschreibunghauret nobis(eigtl. „es ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben unter „Dietrich“).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Pfulld. J.-W.-B.337, 338, 342, 344-46 (hauren= ausruhen, bleiben, liegen, sitzen,oberkinnig hauren= aufsitzen,beducht hauren= still stehen [vgl. dazu betr.beducht:Weigand, W.-B. I, Sp. 225 unter „betuchen“],scheffhauren= warten,Haurigerlaninger= Schildwache);Schwäb. Händlerspr.(inPfedelb.[209, 210]:hawern= dasein, sein,ghawert= gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie dieEtymologiedes Wortes (vom ältern deutsch,hauren[od. hauern] = „niederhocken, kauern“) s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u. Anm. 1 zu „Haurigerlaninger“).

[604]S. Adler.

[605]S. (betr.Stämpf-) Ärger.

[606]Übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache.S. Liebich, S. 118, 164 u. 193 u.Finck, S. 92 (tšingerpáskero tširklo= Elster, eigtl. der „zänkische“, der „Zank- u. Streitvogel“).

[607]Patrisod.Patres= Vater findet sich auch in folgendenZusammensetzgn.: a)am Anfang:Patrisglied(das — gleichMamereglied[s. dazu oben unter „Amme“] — drei Bedeutgn. hat, näml.):α) Oheim (im Sinne v. „Vatersbruder“);β) Tante (im Sinne von „Vatersschwester“),γ) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon oben unter „Bruder“ sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter „Oheim“ u. „Tante“),Patriskitt= Vaterhaus,Patrissteinhäufle= Vaterstadt; b)am Ende:Grandicher-Patres= Großvater,Kittpatris= Hausvater,Schoflerpatris= Stiefvater.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.100 (Patres= Vater [so: auchSulz,Zigeunerliste1787 (251)]);Schöll271 (Patris);Schwäb. Händlerspr.487 (Pâtris). Über weitere rotw. Belege u. dieEtymologie(von latein.pater, gen.patris) s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch nochFischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 677.

[608]S. Amme.

[609]NachLiebich, S. 131 u. 193 umschreiben auch die Zigeuner den Begriff „Eltern“ in gleicher Weise (o dad te i dai, d. h. Vater u. Mutter); vgl. „Vorbemerkung“,S. 17,Anm. 44.

[610]S. Ärger.

[611]S. anschauen.

[612]Lacha-od.Lachepatscher= Ente (s. dazu dieZus.:Lachepatscherstrittu.-stenkert= Entenfuß, -stall sowie dasDimin.Lachepatscherle= „Küchlein“ [d. h.Entenküchlein]) findet sich auch in derschwäb. Händlerspr.480 (Lachepatscherod.Lachpatsche). Das ältere Rotwelsch kannte dafür den Ausdr.Dreckpatscher(s. z. B. auch:Dolm. der Gaunerspr.92:Treckpatscher). S. dazu, insbes. auch über dieEtymologieder Wörter, Näh. inGroß’Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auchFischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.

[613]Tritt= Fuß (auch Fußstapfe, Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh kommt noch vor in derVerbindg.unterkünftiger Tritt(d. h. eigtl. „der untere Fuß“) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie in den folgendenZusammensetzgn.: a)am Anfang:Trittgrif(f)leng(-ling) (eigtl. „Fußfinger“) = (Fuß-) Zehe (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b)am Ende: (außer Lachepatscherstrittnoch):Babinger-od.Strohbutzerstritt= Gänsefuß,Traperttritt= Gaul- od. Pferdefuß,Gachne-,Stanzel-od.Stierertritt= Hühnerfuß u.Vordertritt= Vorderfuß. Für „Handschuhmacher“ ist im W.-B.Grif(f)lingstrittpflanzerangeführt, woraus sichGrif(f)lingstritt= Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür nurGrif(f)lengstrittlenggenannt ist. Auch in demverw. Quellenkr.kommt stattTrittdurchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandteTrittlingvor (s. darüber Näh. unter „Ferse“), während sich in der sonst. Gaunerspr. vereinzelt auchTrittfür „Schuh“ findet neben dem (häufigern) Dimin.Trittchenu. ä., das bes. auch in der neueren Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch:Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.76 [Trittchen= Stiefel] u.Metzer Jenisch217 [Trittche= Schuh]). Ausführl.Beleges. (betr.Tritt) inGroß’Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr.Trittchenu. ä.) ebds., Bd. 46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mitWeber-Günther, S. 191/92. DieEtymologiebedarf keiner näheren Erläuterung.

[614]MitStenkertod. (seltener)Stenker= Stall (Käfig) sind noch folgendeZusammensetzgn.gebildet:Strohbutzerstenkert= Gänsestall,Gachnestenkert= Hühnerstall,Keiluf-od.Kibestenkert= Hundestall,Horbogestenkert= Kuhstall, Rinderstall,Hornikelstenkert= Ochsenstall,Trabertstenker(hier so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin.Trabertstenkertle= Füllenstall, wofür eigentlichTrabertlestenkertzu erwarten, da das FüllenTrabertle, Dimin. zuTrabert[od. Trapert] Pferd, heißt; vgl. Näh. unter „Füllen“),Groenikelstenkert= Sau- (Schweine)stall,Jerusalemsfreundstenkert= Schafstall.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.99 (Stenkert = Stall);W.-B. des Konst. Hans255 (Stenker);Pfulld. J.-W.-B.345 (Stinker; vgl. aber auch [343] unter „Roßstall“:Stenger, ferner [340]:Stierestinker= Hühnerstall);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.75 (Stenkert);Schwäb. Händlerspr.486 (ebenso, inPfedelb.[213] aberStinkert, das übrigens hier auch „Käs“ bedeutet, während es inLütz.[214] soviel wie „Abtritt“ ist). Das auch sonst im Rotw. verbreitete Wort gehört derEtymologienach natürlich zu unserm Zeitw. „stinken“; s.PottII, S. 35 u.A.-L.610 (unter „Stänker“).

[615]S. davongehen; vgl. (betr.bosten): abgehen u. (betr.schef[f]ten): daher a. E.

[616]S. ankleiden.

[617]S. absterben.

[618]S. (betr.schiebes)Anm. 615u. (betr.pfichen) abgehen.

[619]S. Ärger.

[620]S. Angst.

[621]S. anfassen.


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