Chapter 19

[622]S. ausstehlen.

[623]S. arg.

[624]S. absterben.

[625]S. Affengesicht.

[626]S. Brücke.

[627]S. (betr.Schottel) Aschenbecher.

[628]S. Bratkartoffeln.

[629]Diese Vokabel ist im W.-B.nichtzuVerbindgn.od.Zusammensetzgn.verwendet worden.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.93 (Matrellen= „Grundbieren“ (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln);Pfulld. J.-W.-B.341 (Matrella= Kartoffeln);Schwäb. Händlerspr.(U. [214]:Matrelle= Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie dieEtymologie— aus derZigeunerspr.(vgl. „Einleitung“,S. 30) — s. das Näh. inGroß’Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter „Matrelen-Bosseler“) u. dazu nochFischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter „Matērelle“) vbd. mitFinck, S. 72 (matrēli= „Kartoffel“).

[630]S. Ananas.

[631]S. anfassen.

[632]S. abbetteln.

[633]S. anschauen.

[634]Der Ausdruck bedarf keiner Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht gebräuchlich; vgl. jedoch beiKarmayer95 die Bezeichng.Knüpfschragenfür den Galgen (wohl zuSchagen= „Holzgestell mit schräg od. kreuzweise stehenden Füßen“ nachWeigand, W.-B. II, Sp. 784).

[635]S. aufhängen.

[636]S. abkaufen.

[637]Das Zeitw.kneisenod.gneis(s)enbedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können (wissen, verstehen); dazu die Umschreibunggneis nobis= unbekannt (vgl. schon oben unter „Dietrich“).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. derGaunerspr.95 ([einen]kneisen= [einen] kennen);Schöll272 (kneissen— „inne werden“);Pfulld. J.-W.-B.338, 339 (begneist= bekannt,verkneissen= erkennen);Schwäb. Händlerspr.479, 484, 488 (kneißenod.kneißen= bemerken, merken, verstehen, inPfedelb.[213]:kneissen, auch = sehen). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie dieEtymologies. Näh. beiWeber-Günther, S. 178 (unter, „kneisen“). Zu den dortigen Zitaten (A.-L. 559 vbd. mitSchmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759 [g’neißen= „(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen“]) s. auch nochFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357 (unter „g[e]neisse[n]“); zu vgl. fernerH. Meyer, Richt. Berliner (7. Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlinkneißenfür „scharf hinsehen“ bekannt ist).

[638]S. belügen.

[639]Das Zeitw.deisenkommt vor für: ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für „erwürgen“ sowie für „schlachten“; dazu dieZus.halbdeist= halbtot u. dieAbleitg.Deiser= Mörder od. Totschläger.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.74 (deisenod.teißen= schlagen,Teißerei= Schlägerei);Schwab. Händlerspr.484, 487 (deißen= töten, metzgen, schlachten, dazu:Klæbedeißer= Pferdemetzger; inPfedelb.[212]:deisen= schlachten, aberdeißen= coire [Grundbedtg. auch hier wohl „schlagen“, vgl. (209):eindeißte Bezem= „eingeschlagene Eier“], ferner inLütz.[215):deisse[n]= schlagen,Deisser= Metzger u. inDegg.[215]:Deiss= Schlag). Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere)Etymologies. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.: „Teissflamerer“). AuchFischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet die Etymol. als „unklar“.

[640]S. abschießen.

[641]S. Angst.

[642]S. anschauen.

[643]S. absterben.

[644]S. Adler.

[645]S. aufwachen.

[646]S. ausschlafen.

[647]S. bekommen.

[648]S. Diebstahl.

[649]S. ermorden.

[650]S. ansagen.

[651]S. anreden.

[652]S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.

[653]S. abbiegen.

[654]Das oben unter „begabten“ nicht als Syn. angeführte Zeitw.fuchsakommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr. nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für „unehelich beiwohnen“ od. — allgemeiner — „Unzucht treiben“; s.Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter „fuchse[n]“ vbd. mitv. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter „fugsen“ [u. neben „vögeln“], der zwar das Wort zunächst zufügenim Sinne von „vereinigen“ stellt, jedoch weiter bemerkt, daß es „auch von Vögeln wegen ihrer Begattungslust und vomFuchshergeleitet werden“ könne, „da auch das lateinischelupaund seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen“.

[655]S. Ärger.

[656]S. arg.

[657]Von dem Zeitw.achila,achile(n)= essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw.Achilerei= (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu dieZus.:Fösslingachilerei= Fischessen,Leileachilerei= Nachtessen,Rundlingachilerei= Wurstessen.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Schöll271, 272 (achlen= essen,Achelsore= Eßwaren);Pfulld. J.-W.-B.337, 339, 342, 345 (acheln= essen,abacheln= abfressen,Achelsore= Eßwaren, Lebensmittel, Speisen);Schwäb. Händlerspr.480 (ach[e]len[inPfedelb.(209):achilen] = essen); s. auchPfälz. Händlerspr.337 (achîle= essen). Die zuletzt genannten (mitiin der zweiten Silbe gebildeten) Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B.Thiele223 u. A.-L. 516 [Achile-Bajes= Speisehaus, Restaurant];Ostwald[Ku.] 11 [achielennebenacheln]). Über weitere rotw. Belege im allg. (seit d.Lib. Vagat[52]) sowie dieEtymologie(vom gleichbed. hebr.âkal[od.āchal]) s.Groß’Archiv, Bd. 51, S. 154 (unter „Achelpeter“) vbd. mitSchütze, S. 70; vgl. auchWeber-Günther, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch. Mundarten), fernerFischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter „achle[n]“) u.Seiler, Lehnwort IV, Sp. 489.

[658]S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[659]S. Abend u. Adler. — Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (alsrattjakro tschirkulo, d. h. gleichfalls „Nachtvogel“) auch in der Zigeunersprache nachLiebich, S. 165 u. 193 (vgl. „Vorbemerkung“,S. 18).

[660]S. Amme.

[661]Das Adj.gril(l)ischod. (seltener)kril(l)isch= evangelisch (protestantisch) erscheint auch als SubstantivierungGril(l)ischer= Protestant sowie in die Verneinungnobis gril(l)isch= ungläubig.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.96 (grillisch= lutherisch);W.-B. des Konst. Hans257 (ebenso, vgl. [256]:Grillische Käfer-Märtine= Württemberg [u. dazuGüntheri. d. Zeitschr. „Die Polizei“, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]);Schöll274 (in d. „Bettlersprache“:crilisch);Pfulld. J.-W.-B.342 (grillisch);Schwäb. Händlerspr.(inPfedelb.[209]:krillisch[oderkrittisch] = evangelisch, inLütz.[215]:grillisch= protestantisch). ZurEtymologie(des auch sonst im Rotw. [des 19. Jahrb.] bekannten Wortes s.Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter „Grill[e]“ Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen Gegenden Schwabens die ProtestantenGrillen(wobei zunächst wohl an unsereTierbezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj.grillisch(in schlechter Ausspr.krillisch) gebildet worden (s. a. a. O., Sp. 836 unter „grillisch“).

[662]S. After u. Bäcker.

[663]S. Abort.

[664]S. abgerahmte Milch.

[665]S. belügen.

[666]S. alltäglich.

[667]S. abbiegen.

[668]S. abfahren.

[669]S. Bachstelze u. arme Leute.

[670]Krattlerist eine mundartliche, besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die „fahrenden Leute“, zunächst eigtl. für „die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft ihrer ganzen Familie kleine Karren“ (mit zwei Rädern,Krattengenannt, v. lateincaretta) „voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen“. (Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auchGrimm, D. W.-B. V, Sp. 2070 (unter „Kratte“ Nr. 3) u.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693 (unter „Kratte[n]“). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss. sonst nicht gebräuchlich.

[671]S. Eisenbahnwagen.

[672]S. abfallen.

[673]S. absterben.

[674]S. arg.

[675]S. Dietrich; vgl. auch (betr.Bich) Almosen, (betr.Kies) Bankier, (betr.Lobe) Bank u. (betr.-pflanzer) anbrennen.

[676]S. bekommen.

[677]S. aberwitzig u. alltäglich. IngleicherWeise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s.Liebich, S. 169 (narbuléngĕro diwes, d. h. „Narrentag“) u.Finck, S. 55, (narwelengero díwes).

[678]S. (btr.Brandling) Apfelkuchen.

[679]S. Affengesicht.

[680]S. (betr.nobis) Dietrich u. (betr.schenegla) abschaffen.

[681]S. Daumen.

[682]S. abgeben.

[683]S. aufschlagen.

[684]S. beschenken.

[685]S. Bett.

[686]S. Dolch.

[687]Hamore= Streit (Fehde, Gefecht, Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint inWittichsW.-B. gewissermaßen als Synonym zuMore(= Prügelei, Streit) od.Morerei(= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen Stammes sein dürften (s. d. Etymologie).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):W.-B. des Konst. Hans255 (Hamore= Händel);Schöll272 (ebenso);Pfulld. J.-W.-B.340, 345 (More= Händel,Mori= Streit, Zus.Morekaffen[lies:-kaffer] = „bestohlene Diebsverfolger“);Schwäb. Händlerspr.479 (Môrestod.Mores= Angst, in U. [214]:Mōre= Streit u.mōre[n][inLütz.(214):hamūre(n)] = streiten); s. auchPfälz. Händlerspr.438 (Môres= Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d.Etymologies. noch Näh. inGroß’Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da dasPfulld. J.-W.-B.(340)Moredurch ganz denselben Ausdruck („Händel“) verdeutscht wie dieälterenrotw. QuellenHamore, so läßt dies wohl darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt.Moreaber (von dem weiterMorerei— ev. durch Vermittlung eines Zeitw.mōren[s.Schwäb. Händlerspr.inLütz.(214)] — leicht gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr.môrâ’= „Furcht“ gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach durch „Angst“ od. „Furcht“ wiedergegeben ist (u. ebenso in d.Schwäb. u. Pfälz. Händlerspr.[s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese Hypothesen wohl weniger gesucht als die beiFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einemFragezeichen— aufgestellte, wonach zuHamoredas hebr.chămôr= „Esel“ herangezogen worden.

[688]S. Ast.

[689]MitWeisleng(-ling) = Sonntag (Feier-, Festtag) sind folgendeZus.gebildet worden:Brandlingweisling(d. h. eigtl. „Kuchensonntag“ = Kirchweihsonntag (der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt),Bäzemaweisling(d. h. eigtl. „Eiersonntag“) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.),Schuberleweisling(d. h. eigtl. „Geistsonntag“ [mit Bez. auf die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.). Aus demverw. Quellenkr.kennt nur dieschwäb. Händlerspr.inDeggingen(215)Weisslingin der Bedeutg. „Sonntag“. ImRotw.kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinnenicht, dagegen für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z. B. fürEi(so auch in derschwäb. Gaun.- u. Kundenspr.68), fürMilch(so auch in derschwäb. Händlerspr.484), fürSchnee(s. z. B. schonSchintermicherl1807 [288]), fürden „Silbergnanziger“ (s.Fröhlich1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg. „Zwanzig- od. Fünfpfennigstück“) usw. Vgl.PottII, S. 8, A.-L. 621,Günther, Rotwelsch, S. 62 u. inGroß’Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm. 3. DerEtymologienach nimmtWeissling= Sonntag usw. jedenfalls wohl Bezug auf das Weiße als „Farbe des Tages, Lichtes .. undder festlichen Freude“ (vgl. Näh. dazu beiH. Schrader, Wundergarten, S. 70).

[690]S. Beinkleid u. Abort.

[691]S. angenehm u. anmutig.

[692]S. angenehm u. Abort.

[693]S. Bauch.

[694]S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s.LiebichS. 196 (bāro parr, d. h. „großer Stein“ [od.pesso parr, d. h. „dicker Stein“] = Fels).

[695]Zusammengesetztdamit ist nurFeneterglansert= Fensterglas.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):W.-B. des Konst. Hans258 (Fenette[fem. gen.] = Fenster);Schöll271 (Feneter);Pfulld. J.-W.-B.389 (Finetter)Schwäb. Händlerspr.480 (Feneterod.Finêter); s. auchMetzer Jenisch216 (Fenēt);Eifler Hausiererspr.490 (Finet) u.Winterfeld,Hausiererspr.441 (Finester= Fenster u. Auge). ZurEtymologie(vom franz.fenêtre[ital.finestra]) s.PottII, S. 17,Günther, Rotwelsch, S. 37 u.Weber-Günther, S. 173; vgl. auchFischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. DaWittichin sr. „Einleitung“ (S. 29) die Vokabel unter den aus derZigeunersprachestammenden (in der FormFenetra) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine „jenischen Leute“ siezunächstvon den Zigeunern übernommen haben, die sie (in ähnl. Form) auch kennen (s.Finck, S. 57:fenétri= „Fenster“, währendLiebichS. 196 dafür nurwochnihat [vgl. beiJülling, S. 227:Wochli= Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl. „Vorbemerkg.“,S. 10,Anm. 26u. „Einleitg.“S. 29,Anm. 93).

[696]S. alltäglich.

[697]S. (betr.Glansert) Bierglas.

[698]S. (zu beiden Ausdr.) Eber.

[699]S. Entenfuß.

[700]Trittleng(-ling) bedeutet (ähnlich wieTritt) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh od. Stiefel.Zusammensetzgn.damit sind: a)im Anfang:Trittlengstreifling= Fußlappen; b)am Ende:Grif(f)lingtrittling= Handschuh,Halbtrittleng= Halbstiefel,Traperttrittling= Huf (eigtl. wohl Pferdefuß; vgl.Traperttritt= „Gaulfuß“ [s. oben unter „Entenfuß“].Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.92, 98 (Trittling= Füße, Schuh);Schöll271 (Form: ebenso, Bedtg.: Fuß);Pfulld. J.-W.-B.344 (ebenso);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.75, 76 (Trittling= Schuh, Stiefel);Schwäb. Händlerspr.481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel, vgl.Trittlingspflanzer= Schuster); auch imPleißlen der Killertaler(436) hatTrittlingdieselbenBedeutgn. Über weitere Belege im Rotw. u. dieEtymologie(zu „Tritt“ bzw. „treten“) s.Groß’Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.

[701]S. Bratkartoffeln.

[702]S. (betr.Schottel) Aschenbecher.

[703]S. abbrühen.

[704]S. abbrennen.

[705]S. Adler u. abbrennen. — Auch die Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern sagen dafürbāro jāk, d. h. gleichfalls „großes Feuer“, oderdiwii jāk, d. h. „wildes, wütendes Feuer“ (s.Liebich, S. 197); vgl. „Vorbemerkg.“,S. 17.

[706]S. (betr.Kies) Apfelkern.

[707]S. abbrennen.

[708]S. Apfelbaum.

[709]S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.

[710]MitKenem(= Laus, Filzlaus, plur.Keneme= Ungeziefer) sindzusammengesetzt: a) amAnfang:Kenemebenges,-benkod.-fi(e)sel= „Lausbub“; b) amEnde:Muffkenem(d. h. eigtl. „Stinklaus“) = Wanze (vgl. Aas).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.96 (Kinum= Läuse);Pfulld. J.-W.-B.342 (Künum= Laus, plur. hier:Künumer);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.71, 72 (Kinumod.Kinem= Läuse,Kinumrechen= Kamm [vgl. das volkstüml. „Lauseharke“]);Schwäb. Händlerspr.488 (Kenum,Kînumod.Kîneme[inPfedelb.(211):Kinnem] = Laus, inPfedelb.[211] auchKinnemrechen= Kamm); s. auch nochPfälz. Händlerspr.438 (Kînum= Laus). ZurEtymologieaus dem Hebr. (bibl.kinnîmod.kinnâm, eigtl. = „Stechmücken“, jüd.kinnim= „Läuse“) s.Günther, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit A.-L. 538 u. 390 u.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auchWeber-Günther, S. 157 (unter „Kinnem“), woselbst auch noch weitere Belege aus d. Rotw. angeführt sind.

[711]S. Daumen.

[712]Oberman(n)= Hut (Haube, Kappe, Mütze) kommt auch noch in folgendenZus.vor: a)am Anfang:Oberman(n)pflanzer= Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b)am Ende:Lanengeroberman(n)= Helm od. Soldatenmütze,Grandicher-Sins-Oberman(n)(d. h. eigtl. „Königshut“, zugrandich Sins= König [s. oben unter „Bischof“], weshalb genauerGrandich-Sins-Oberm.zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u.Süslingoberman(n)= Zuckerhut (wobei der Ausdr. — wie inGrif[f]lingoberman[n]— imübertrag.Sinne gebraucht ist).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.94 (Obermann= Hut, dann auch Rahm);Pfulld. J.-W.-B.339-342 (Aberma= Filzhut,Oberma= Hut, auch Milchrahm,Obermäne= Kappe);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.71 (Obermann= steifer Hut, vgl.Strohmann= Strohhut);Schwäb. Händlerspr.482 (Oberman= Hut; dazu inPfedelb.[210] noch:Obermannspflanzer= Hutmacher). Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie dieErklärungdes Ausdrucks s.Groß’Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auchWeber-Günther, S. 191/92 (unter „Öwermännche“).

[713]Reifling= Ring (Fingerring) kommt (in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in derZus.Flösselreifling(d. h. eigtl. „Wasserring“) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem „Reif[en]“ gehörende) Wort ist auch derschwäb. Händlerspr.(485) bekannt, in sonstigen Geheimspr. dagegen kaum gebräuchlich. DasPleißlen der Killertaler(436) hatRaifle= Ring.

[714]S. Abend.

[715]Flösslingwird (ähnlich wieFlederling= Vogel für bestimmte Vogelarten) auch für einzelneFischartenverwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in derGaunerspr.[s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg. als argum.:Flösslingschottel= „Heringbüchse“), der übrigens auch genauer durchSpronkertsflössling(d. h. „Salzfisch“) oderBegertflössling(d. h. „toter Fisch“) wiedergegeben wird (s. hierzu auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter „Hering“; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“,S. 18,Anm. 45). Für andere Fischsorten erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon.Schwimmerling(s. unten Anm. 4) gebräuchlicher.Zusammensetzgn.mitFlössling am Anfangsind nochFlösslingachilereiod.-bikus= Fischessen.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.92 (Flösling);Schöll271 (Flößling);Pfulld. J.-W.-B.339 (Fleßling, vgl.fleßlinge= fischen);Schwäb. Händlerspr.480 (Flößling[plur.] = Fische).Etymologie: NachStumme, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15. Jahrb. (s. z. B.Basl. Betrügnisseum 1450 [15]) auftretende — Ausdruck „weniger von derFlossedes Fisches (s. dazuWeigand, W.-B. I, Sp. 559) als vonFloß= ‚Wasser‘ (s. dazuWeigand, a. a. O., Sp. 559 unter „Floß“ Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B.Schintermicherl1807 [289:Flos= Wasser]) ausgehend zu deuten“. S. auch A.-L. 541 (unter „Floß“). — Vgl. obenflösle(n)usw. unter „austreten (leicht)“.

[716]Flotscher(od.Pflotscher) erscheint weniger gebräuchlich als die Synon.Flösslingu.Schwimmerling, auch inZus., von denen nurSpronkertflotscher= Hering (vgl.Anm. 715) u.Flotscherkahlerei= Fischessen zu nennen sind. Außerdem hat aberFlotscherod.Pflotscher[t]auch noch die Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (Zus.:Bogeiepflotschert[t]= Fischbeinschirm [vgl. dazu untenAnm. 719] u.Pflotscherpflanzer[in]= Schirmflicker[in]).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.92 (Flotschen= Fisch,Flotschenkitt= Fischkasten;Schwäb. Händlerspr.480 (Flotscher= Fisch; vgl. auch [488]:pflötsche= [sich] waschen).Zur Etymologie: In der Bedeutg. „Fisch“ dürfteFlotscherdoch wohl inletzterLinie mitfließen(im Sinne von „schwimmen“ [s.Weigand, W.-B. I, Sp. 554 unter „fließen“, Nr. 2 u. 559 unter „Flosse“ a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu derzweitenBedeutg. (Regenschirm) gibtFischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1068 (unter „Pflotsch“) vbd. mit Sp. 1057 (unter „Pflatsch“) u. 1058 (unter „pflatsche[n]“) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb.pflatsche(n)„mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut: „pflatsch“) auf den Boden fallen“, was besonders vom Wasser undRegengebraucht wird, daherPflatschregenod. auch bloßPflatsch(Pflatscher) od.Pflotsch= Regenguß (vgl. „Platzregen“). Das Wort geht (nachFischer) „etwa parallel mitpatschen“ (worüber zu vgl.Groß’Archiv, Bd. 47, S. 215), „nur daß es sich weit mehr auf das Wasser bezieht“ (vgl. auchv. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens läßtFischer(a. a. O.) es noch dahingestellt sein, obpflotsche[n](das auch für „im Wasser waten“ vorkommt) nicht „ein Wort für sich“ sein könnte.

[717]Matschekommt (gleichFlössling) ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. „Karpfen“ vor.Zus.damit:Matschebutterei= Fischessen;Ableitungendavon:matschen= fischen u. (davonwieder)Matscher= Fischer.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Schwäb. Händlerspr.480 (Matsche= Fische, in U. [214] auch d. sing.Mătsch= Fisch); nur vereinzelt auch im Rotw. bekannt (s. z. B.Pfister1812 [302:Matsche= Fisch];v. Grolman46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier:Matschoals sing.];KarmayerG.-D. 209 [wiev. Grolm.]). ZurEtymologie: (aus derZigeunerspr.[vgl. „Einleitung“,S. 30]) s.Fischer, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525 (unter „Matsch“) vbd. mitPottII, S. 437 (unter „Maczo“),Liebich, S. 145 u. 197 (mādschood.mādschin),Miklosich, Beitr. III, S. 14 (bei d.deutsch.Zigeun.:mādšood.-šin) u. Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter „mačo“: bei dendeutsch.Zigeun.:māčo[mādscho]),Jühling, S. 224 [Matscho, plur. -e) u.Finck, S. 73 (mātšo). NachMiklosich(a. a. O.) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (matsja) zurückverfolgen.

[718]AuchSchwimmerlingkommt (gleichFlösslingu.Matsche) noch spezieller für „Karpfen“ vor. Für andere Fischarten erscheint es in derVerbindg.dofer Schwimmerling(d. h. etwa „schöner Fisch“) = Forelle sowie in derZus.Fuchsschwimmerling= Goldfisch u.Spronkertschwimmerling= Hering (vgl. die Synon.Spronkertflösslingu.-flotscher). An denAnfanggestellt ist dieses Wort in derZus.Schwimmerlingbikerei= Fischessen u.Schwimmerlingsflederling= Fischreiher (d. h. eigtl. nur „Fischvogel“). In demverw. Quellenkr.ist die Vokabel (die natürlich zu „schwimmen“ gehört) nicht bekannt, imsonst. Rotw.vereinzelt anzutreffen, während dieKundenspr.ein kürzeresSchwimmling= Hering kennt. S. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.

[719]Dieses Wort (mit dem dieZus.Bogeiepflotschert= Fischbeinschirm [s. obenAnm. 716] gebildet ist) hat auch dieschwäb. Händlerspr.480 (Bogeie= Fischbein), während es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. SeinerEtymologienach stammt es wohl aus derZigeunerspracheher (vgl. „Einleitung“,S. 29), in der es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere Bedeutg. zu haben scheint. S. bes.Jühling, S. 222 (woGogcia= „Beiner[?]“ u. als Sing.Gogalo[= Bein] angeführt ist, das auch in anderen Sammlungen vorkommt [s.Liebich, S. 137, 182 u. 215 (gogālood.kokālo= Bein od. Knochen);Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter „kokalo“: bei dendeutsch.Zigeun.:gogālo);Finck, S. 65 (kókalo= „Knochen, Bein, Knöchel“)] und [nachMikl., a. a. O ] mit dem neugriech.κόκαλονzusammenhängt).

[720]S. Fischbein u. Fisch (oben.S. 158,Anm. 716).

[721]S. Fisch (obenS. 159,Anm. 717).

[722]S. Fisch u. essen.

[723]S. (betr.Bikus) Abendessen.

[724]S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und Abendessen.

[725]S. (betr.Flederling) Adler.

[726]S. abbrennen.

[727]S. Bierglas.

[728]S. abbetteln.

[729]S. Aas.

[730](betr.Schottel) Aschenbecher.

[731]MitKafler= Fleischer (Metzger, Schlächter) finden sich folgendeZusammensetzgn.: a)am Anfang:Kaflerkitt= Metzgerhaus (u. dazu die weitereVerbdg.grandich Kaflerskitt= Schlachthaus); b)am Ende:Kibekafler= Hundemetzger,Stupfelkafler= Igelmetzger,Horboge-od.Bogakafler= Kuh- (ersteres auch Rindvieh-) Metzger,Trabert-,Hornikel-,Groenikelkafler= Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger.AbleitungenvonKaflersind das Zeitw.kaflere= schlachten (s. dazu dieZus.niederkaflere= niedermetzeln) u. das Subst.Kaflerei= Metzgerei (s. dazu dieZus.Kaflereischnall= „Metzelsuppe“).Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.98 (Kafler= Schinder);Pfullend. J.-W.-B.338, 340, 341, 344 (Kaffler= Abdecker, Metzger,Kafler= Henker, Schinder,Kaflerei= Schinderei,kaflen= schlachten);Schwäb. Händlerspr.480, 484, 485 (Kâfler= Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm],kâfelen= schlachten,Kâfel= Fleisch von verrecktem Vieh).Etymologie: Der Ausdruck, der im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw. Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von „Abdecker“ oder „Schinder“ (dann auch wohl von „Henker“) gehabt hat, ist offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älterenCavillerod.Kafilleru. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst vomHebräischen(syr.kephál= „abdecken, ziehen“) herleiten will — dochauchdas md., früher auch hochd.fillen(mhd.villen) = „das Fell abziehen“ Einfluß geübt haben wird. So jetzt auchSeiler, Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 36 ff. (unter „Caviller“; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die notw. Belege fürKaf[f]leru.Caffler).Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 146 (unter „Kafler“) gibt keine bestimmte Erklärung.

[732]Nolleist eine beliebte Bezeichnung für ein „Gefäß“ verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen, Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen, Pokal, Schoppen), namentl. auch inZusammensetzgn.Als solche sind zu nennen: a) mit N. amAnfang:Nollepfanzer= Hafner (Töpfer), Kesselflicker; b) mit N.am Ende(außerBossertnollenoch):Süslengnolle= Kaffeekanne,Duftnolle(d. h. eigtl. „Kirchenpokal“) = Kelch,Gleisnolle= Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),Fu(h)lnolleod.Schmelznolle= Nachthafen,Flösselnolle= Nachttopf (Urintopf),Spronkertnolle= Salznapf,Schwächnolle= Trinkgeschirr,Fläderlingsnolle= Vogelnapf,Flu(h)tenolle= Wasserkrug,Johlenolle= Weinkrug.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.93, 100 (Nolle= Hafen, Topf);W.-B. des Konst. Hans255 (Nolle= Kochhafen);Pfulld. J.-W.-B.341 (Servnolle= Kessel [Brennkessel]);Schwäb. Händlerspr.486, 487 (Nolle= Schüssel, Topf, inLütz.[214]:Fülnolle= Nachttopf). Zur (nichtsicheren)Etymologies. etwa A.-L. 579 vbd. mitv. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 409 (Noll[G’noll, Knoll] = „rundlicher, harter Körper“),Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2055 (unter „Nolle“ Nr. 2) u.Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 879 vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auchKeiperin d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. II (1901), S. 53 ff.

[733]S. abschaffen.

[734]S. anbrennen.

[735]S. abgehen.

[736]S. davongehen.

[737]Das Zeitw.naschen(= fliehen, auch wohl gehen, kommen) findet sich in demverw. Quellenkr.m. Wissens nur imPfulld. J.-W.-B.(342) für „laufen“ (vgl. auch 341:naschirlen= kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen Reihe vonZusammensetzgn.(nämlich:ausnaschen= ausgehen,durchnaschen= durchlaufen,innerkinnignaschen= einsteigen,vernaschen= entfliehen,hinternaschen= hintergehen,schibisnaschen= scheiden,beduchtnaschen= schleichen,hordignaschenod.guantnaschen= springen). Für sich allein kommt es hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B.Pfister bei Christensen1814 [= gehen];v. Grolman50 u. T.-G. 96 [ebenso];Karmayer116 [desgl., doch hierauchandere Bedeutgn.]). ZurEtymologie(aus derZigeunerspr.(vgl. „Einleitung“,S. 30]) s. A.-L. IV, S. 245 u.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mitPottII, S. 324 (unter „Naszavav“),Liebich, S. 149, 197, 218 (naschāwa= ich laufe [fließe], fliehe),Miklosich, Beitr. III, S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter „naš“: bei dendeutsch.Zigeun.:našav̄a= laufen, fließen),Jühling, S. 224 (nascha= fliehen) u.Finck, S. 75 (Stamm:naš-,nāšs-,našew-u. ä. = „laufen, gehen, fließen, schwärmen, jagen“).

[738]Zu dem Zeitw.tschanen= fliehen (auch wohl gehen, kommen) istzu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Pfulld. J.-W.-B.340 (tschanen= herumziehen) u.Schwäb. Händlerspr.(inLütz.(214]:tschāne[n]= gehen). SeinerEtymologienach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn.naschen) aus derZigeunerspr.(vgl. „Einleitung“,S. 31). S. Näh. beiFischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mitPottII, S. 212/13 (unter „Dscha“),Liebich, S. 133 u. 201 (dschāwa= ich gehe),Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter „dža“: bei dendeutsch.Zigeun.:džava= ich gehe),Jühling, S. 227 (tschah= geh!) a.Finck, S. 56 (Stamm:dša-= gehen; vgl.dšắben= „Gang, Tritt“).

[739]S. angenehm.

[740]S. anmutig.

[741]S. Büchse.

[742]S. abschießen.

[743]Die gleiche Bezeichnung (nur im Sing.) kennt auch dieschwäb. Händlerspr.481 (Hase= Floh). Es handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eineandere(vgl. dazuGünther, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium comparationis gewesen ist. Vgl. auchFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1206 (zu „Hase“, Nr. 3).

[744]S. Ärger.

[745]ZuGrünleng= Jäger, Flur-od. Feldschütz vgl. (aus demverw. Quellenkr.):Pfulld. J.-W.-B.341 (Gründing= Jäger, das nachFischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 vielleicht nur ein Schreibfehler fürGrünlingist; vgl. auchGroß’Archiv, Bd. 56, S. 184) u.Schwäb. Händlerspr.488 (Grünling[Groêling] = Waldhüter [inLütz.(215) = Jäger, während der Waldhüter dortGrü(n)lingsbutzheißt]); s. auch nochRegensburg. Rotw.489 (Grünling= Jäger, Förster). ZurEtymologies. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. vonGrünlingim Rotw. s.Günther, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnlicheGrünwedels. unter „Förster“.

[746]S. abbrühen.

[747]S. abbetteln.

[748]S. angenehm u. Fisch. Über dieabweichendenBezeichnungen in d.Zigeunerspr.s. Näh. unter „Hering“.

[749]S. anfragen.

[750]S. anschauen.

[751]S. über die RangsteigerungGrünwedel= Forstmann (-wart),grandicherGr.= Förster,grandichGr.= Oberförster schon oben unter „Bischof“.Zweiähnliche Abstufungen kennen (nachLiebich, S. 198) auch die Zigeun., nämlich:wēschéskero= Forstmann, Förster u.barĭdīr w.(d. h. „der größere [höhere] Forstmann“) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63,S. 391,Anm. 418[zu „Bischof“]). Für die Bezeichg.Grünwedelvgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.94 (Grünwedel= Jäger);Pfulld. J.-W.-B.341 (ebenso); in derSchwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr.nichtbekannt, obwohl dort mancherleiähnlicheAusdrücke vorkommen (wie z. B.Grünstäudle= Jäger [so:Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.71 undSchwäb. Händlerspr.82],Grünstaudler= Feldhüter,Grünstäudel,-staudod.-stäudling,Grünsteiger,-rattleru. a. m. = Waldhüter [s.Schwäb. Händlerspr.480 u. 488]). Über weitere Belege (fürGrünwedel) aus dem Rotw. sowie dieEtymologiedes Wortes s. Näh. inGroß’Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm. 2.

[752]S. abtragen.

[753]S. abfahren.

[754]S. davongehen; vgl. (betr.bostenu.pfichen) abgehen u. (betr.schef[f]ten) unter „daher“ a. E.

[755]S. böse Frau.

[756]ZuMogelod.Mokel= Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weibvgl.Schwäb. Händlerspr.481, 484 (Mockel= Frau,Mokel= Mutter). DieEtymologiebleibt unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb.Mockel, u. a. = „plumpesWeibsbild“,Mockele(in)= „rundliches Kind,Mädchen“ (aberbeides auchfür Rindvieh, bes.Kuhod.Kalbgebraucht) nachFischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. beiSchmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (Mockel[auch] = „weibliche Geschlechtsteile“). Über ein seltenes rotw.Muck(od.Mück) = Frau s.Groß’Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.

[757]S. Bauernfrau.

[758]ZuRomane= Frau vgl. (aus d.verw. Quellenkr.):Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.69, 72 (Rumie= Frau, femin. zuRomno= Mann u.Schwäb. Händlerspr.(in U. [214]:Romli= Mädchen [vgl.Rom= Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw. ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B.PfisterbeiChristensen1814 [Rumini= Frau];v. Grolman57 [ebenso];KarmayerG.-D. 215 [verdr.:Runinni]).Etymologie: Die Vokabel stammt aus derZigeunersprache(vgl. „Einleitung“,S. 30) u. bildet das fem. (romniu. ä.) zurom= Mann, Ehemann, Zigeuner, (vgl.rōmano[romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter „Rammenin“) vbd. mitPottI, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528,LiebichS. 156 u. 191, 198, 262 (romni= Frau, Ehefrau, Zigeunerin),Miklosich, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter „rom“: bei dendeutsch.Zig.romni= Frau [Eheweib], Zigeunerin),Jühling, S. 227 (unter „Tschai“:Romni= Frau).

[759]S. Bachstelze, Bauernfrau u. Beischläferin.

[760]S. Bauernfrau.

[761]S. (betr.Klufterei) ankleiden.

[762]Malfes(neuere Form für das ältereMahlbosch[vgl. „Einleitung“,S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte, Überrock) ist verwendet in folgendenZusammensetzgn.: a)am Anfang:Malfesrande= Rocktasche; b)am Ende: (außerMos[s]malfesnoch):Gadscho-od.Kaffermalfes= Männerrock,Plauderermalfes= Lehrerrock,Gallach-od.Kolbemalfes= Priesterrock. EineVerbindg.damit istunterkünftiger Malfes= Unterrock.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.94, 98 (Maleboschod.Malus= Rock,ein ganzer M.= Rock und Kamisol,ein halber M.= Kamisol);W.-B. des Konst. Hans254 (Malves= Kamisol,Mahlbosch= Rock);Schöll271 (Formen:Malvesu.Malbosch, Bedeutgn.: wie imW.-B. des Konst. Hans);Pfulld. J.-W.-B.338, 341, 343, 344:Malvesod.Malboschum= Kittel,Malfesod.Maleboschen= Rock,Ruchemalfes[od.Mahlboschen] = Bauernkittel,Schlaumalfes= Schlafrock);Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr.77 (Malfes= Weste, dagegenWalmusch[sic] = Rock, aber wiederDormmalfes= Schlafrock);Schwäb. Händlerspr.485 (Malfesu.Walmusch= Rock, dazu [inPfedelb.(212)]:Dormmalfes= Schlafrock); s. auch nochPfälzer Händlerspr.438, 439 (Malebūsch= Anzug,Walmüsch= Rock) u.Metzer Jenisch216 (Malbosche= Kleider). Über weitere, in der Form sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über dieEtymologie(vom. hebr.mâlbûsch= „Kleider“) s. ausführl.Groß’Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m.SchützeS. 98 (unter „Walmusch“); vgl.Weber-Günther, S. 167 u.Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.

[763]ZuFürflamme= Schürze vgl. (aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.99 (Vorflam= Schürz);Pfulld. J.-W.-B.344 (Flamme= Schürze). Auch in d.sonst.rotw. Quellen ist das Wort teils in der kürzern FormFlamme(od. Flammert), teils in der längerenVorflamme(rt)od.Fürflamme(rt)u. ä. mehrfach anzutreffen. S. z. B. schonHildburgh. W.-B.1753 ff. (227:Flamme); fernerKrünitz’ Encyklopädie1820 (353:Vorflamme);v. Grolman21, 22 u. T.-G. 120 (Fürflamm[e],Für-od.Vorflammertod.Flamme,Flammert);Karmayer52 (Fürflamm[masc. gen.]) DieEtymologieist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer weithin leuchtenden (gleichsam „flammenden“)weißenSchürze zu denken; vgl. A.-L. 540 (unter „Flamme“ [wo auch die Nebenbedeutgn. vonFlamme(rt)— wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s. auch nochGroß’Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. —Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter „Flamme“) hat keine Erklärung hinzugefügt.

[764]S. böse Frau.

[765]S. Beischläferin.

[766]S. Frau.

[767]S. Bauernfrau.

[768]MitSchrende= Stube (Gemach, Zimmer) sind gebildet dieVerbdgn.grandiche Schrende= Saal) (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgendeZusammensetzgn.: a)am Anfang:Schrendepflanzer= Zimmermann; b)am Ende(außerMos[s]schrendenoch)Sinseschrende= Herrenzimmer,Leileschrende(eigtl. „Nachtstube“) = Wachtstube.Zu vgl.(aus demverw. Quellenkr.):Dolm. der Gaunerspr.100 (Schrende= Stube);übereinstimmend(in FormundBedeutg.) auch:W.-B. des Konst. Hans254,Schöll271 u.Pfulld. J.-W.-B.345; dagegen in derschwäb. Händlerspr.(inPfedelb.[213]):Schrenze= Stube. Über weitere Belege im Rotwelsch sowieEtymologiedes Wortes (das ohne Zweifeldeutsch.Ursprungs ist) s. das Näh. inGroß’Archiv, Bd. 54, S. 165, Anm. 2 u. dazu etwa auch nochv. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter „Schrand“).


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