Die Dramatiker der alten Schule.

Die Dramatiker der alten Schule.

Rudolf von Gottschall, geb. am 30. Sept. 1823 in Breslau, ein Jungdeutscher und Freiheitsänger der vormärzlichen Zeit, ist einer der vielseitigsten und fruchtbarsten Dichter, der sich auf allen Gebieten der Dichtkunst und Schriftstellerei umgesehen hat und seit einem Menschenalter den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens in Leipzig bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt hervorgetreten: »Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und Fox«, »Der Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von seinen Romanen, in denen er die Bahnen Gutzkows wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers« der erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden auch seine litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur in der ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), in denen die »Moderne« allerdings nicht immer glimpflich wegkommt, obwohl G. immer bestrebt war, mit dem Zeitgeist rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner Jugend«.

Hans Herrig, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, gest. 1892, schrieb »Mären und Geschichten« und wurde besonders durch sein »Lutherfestspiel« bekannt, dem eine Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser Friedrich der Rotbart«, »Konradin« u. a.) vorausgegangen war.

Arthur Fitger, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, erwählte die Malerei als Hauptberuf und errang seine dichterischen Lorbeeren mit dem Trauerspiel: »Die Hexe«, dem er andere dramatische Gaben folgen ließ. Als Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes Volk« und »Winternächte« bekannt.

Heinrich Kruse, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, schrieb im Stile der alten Kunstüberlieferung eine Reihe von Dramen, unter denen »Die Gräfin«, »König Erich«, »Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner Verfasser von »Seegeschichten« und »Gedichten«.

Albert Lindner, geb. am 24. April 1831 in Sulza, gest. 1888, wurde mehr durch sein tragisches Geschick (er starb im Wahnsinn) als durch seine Dramen bekannt, von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit« wiederholt aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen mehrere das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden behandeln, blieben fast unbeachtet.


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