Philosophische und polemische Dichter.
Ferdinand Avenarius, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, »Lebe«und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen.
Otto Ernst(Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862 in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe, polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel: »Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899 erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«.
Wilhelm Weigand, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften. Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus.
Carl Spitteler(Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung »Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«.
Josef Viktor Widmann, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M., bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen.
Christian Wagner, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten. (»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel: »Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.
Wilhelm Bölsche, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.
Walther Siegfried, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz), errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.
Benno Rüttenauer, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute Kunstüberlieferung suchteer, im Gegensatz zur modernen Schule, in seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«) wieder zur Geltung zu bringen.