Chapter 2

O Cäsar! der du dich so Großmuths voll bezeigt,Wenn sich dein Widerpart vor deiner Hand gebeugt.Die Großmuth hat bey dir die Rache überwunden.Wo wird ein Cäsars Herz zu dieser Zeit gefunden?Jezt heists: Was Großmuth? Was? so sprach das Alterthum.Jezt heist es: Rache her! die Ehre muß auch RuhmDurch ein beherztes Schwerd, und nicht durch Feigheit suchen.Es muß gerochen seyn; da geht es an ein Fluchen.

Ich weiß zwar wohl, daß wir sehr schwach an Kräften sind,Und daß man nicht so leicht ein stoisch Herze find,Das Schmipf, Gewalt und Schmach und Spott gelassen hören,Und alles dulten kan, wenn sich die andern wehren.Ich weiß auch, daß es schmerzt, wenn man die Tugend schilt,Wenn man die Redlichkeit mit List und Trug vergilt,Und auf das Ehren=Kleid der Lästrung=Ströme gieset.Nur daß aus diesem Grund doch dieser Satz nicht flieset,Daß man die Menschlichkeit deswegen gänzlich fliehn,Und auf den Nächsten gleich den Degen müsse ziehn.Und denen Bestien in hitzigen Geberden,Ja was noch schlimmer ist, im Wesen ähnlich werden.

Lebt nicht die Themis noch, die deine Klagen hört?Durch die dir Hülf und Recht ohn Ansehn wiederfährt?Was meinst du? kan dich nicht der Themis Arm beschützen?Soll denn ihr Schwerd umsonst und ohne Schlagen blitzen?Drum fasse deinen Geist, wenn hier ein Löwe brüllt;Wenn dort ein toller Hund in seiner Hütte billt;So macht es König Saul, da er zum Thron gekommen;Er that, als hätt er nicht die Lästerung vernommen.Auch David hielt sich still da Simei so scharfUm sein gesalbtes Haupt die Laster-Steine warf.Verfluch, verwünsche nicht; du kanst den Fluch erlangen,Denn eines jeden Werk wird seinen Lohn empfangen.

Kans ja nicht anders seyn, so wehr dich mit Verstand.Laß allzeit der Vernunft in dir die Oberhand.Glaub nicht so leicht, verzeih, und deut nicht alles böse;Zeig deine Großmuth stets in ihrer wahren Gröse.Begegne nicht dem Feind mit gleicher Bitterkeit;Begegne ihm vielmehr mit viel Bescheidenheit,Warn ihn vor Feind und Fall, befördre sein Gewerbe,Ja sorge, daß er nicht etwann durch dich verderbe.Vielleicht beschämet ihn dein schön und edles Thun,Vielleicht läßt er dich denn hinfort in Frieden ruhn.So hast du dich besiegt und auch den Feind bezwungen,Und kriegst noch größren Ruhm als der, so viel errungen.Gelingt dirs aber nicht; mehrt seine Boßheit sich;So bleibe dennoch fest und unveränderlich,Die Großmuth macht zuletzt der Feinde Säbel müde,So wirst du dann vergnügt und lebst in stetem Friede.

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Der Höchste sey gelobt! sang Davids froher Mund:Mein tapfrer Jonathan schliest mit mir einen Bund,Der über alles Glück und Frauen=Liebe gehet,Der, wenn mich alles flieht, zu meiner Seite stehet.Dem Himmel sey gedankt! stimmt Pythias mit ein,Wie könt ich glücklicher, als durch den Damon seyn?Der mir sein redlich Herz, ja sich mir selbst ergiebet,Und mich so treu, so schön, so zart und feste liebet.Es stürme Luft und Meer, es rase Glut und Wind;Wenn wir nur jederzeit verknüpft beysammen sind,So können wir die Noth, Gefahr und Todes=Rachen,Feind, Schwerd, und was uns droht, mit frischen Muth verlachen.Mein Freund! mein Bruder=Herz! mein Leben! meine Brust!Du meiner Augen=Trost! du meines Herzens Lust!So redet Pythias, so läßt sich David hören.

Doch noch ein ander Paar will sich daran nicht kehren;O! ho! wir leben auch spricht Joab. Ists nicht wahr?Sind Ich und Judas nicht ein braves Brüder=Paar?Wir leben euch zu trutz, und mehren unsre Staaten,Wir herrschen überall, es blühen unsre Thaten.Wo ein vertrautes Paar, wo zwey Bekannte seyn,Da schleichen wir uns bald in die Gesellschaft ein,Und wissen sie nach Wunsch auf ewig zu zertrennen,Daß sie sich fernerhin dem Namen nach kaum kennen.

Was vor ein Trauer=Thon betäubt jezt Sinn und Ohr?Man zieht, ich bin erstaunt, ein Leichen=Bret hervor:Die Falschheit hat o Schmerz! die Redlichkeit erschlagen;Man ist jezt im Begrif sie in die Gruft zu tragen.Das vorgenannte Paar senkt diese Leiche ein,Und schreibt mit frecher Faust dieß auf den Leichenstein:Die alte Redlichkeit ist nun vom Thron vertrieben;Der Falschheit ist allein der Scepter übrig blieben.Schlaf liebe Redlichkeit biß einer neuen Welt,Biß einer andern Zeit dein Bild aufs neu gefällt.

Da Deutschlands Pflug und Schaar noch vor die Enkel sorgte,Die Complimenten nicht von fremden Völkern borgte,Da man noch guten Tag, und guten Morgen sprach,Da gieng die Redlichkeit auch allen Schritten nach.Die Worte setzte man auf keine spitzge Schrauben,Man dachte wie man sprach, dieß dürfte jeder glauben.Kein schnöder Heuchel=Geist schlich sich im Umgang ein:Und Ausschlag, Herz und Mund bestand in Ja und Nein,Daß, wer sich einmahl Freund und lieber Bruder hiese,Auch seine Redlichkeit biß in den Tod bewiese.Die Falschheit war so fremd als hätte man gesagt:Das Volk von Liliput hat sich nach Wien gewagt.

Jezt, da man fast den Fuß von vielen Ränken lähmet,Und sich, wer weiß warum? des alten Grusses schämet,Ist auch die Redlichkeit und Treu und Freundschaft aus.Durchgeht ein niedriges, durchforscht in groses Haus,Ich weiß, ein jeder spricht: Der Mensch von jungen JahrenHat manche Falschheit schon, der Greiß noch mehr erfahren.Wird einem Redlichen, der nie die Treu verletzt,Ein andrer Freund im Amt an seine Seit gesetzt,So sät die Falschheit doch gar zeitig ihren Saamen.Der Fremde sagt! Mein Freund! bey mir ist Ja und Amen,Ich meine es herzlich gut, ohn allen Heuchelschein;Ich will ein Pythias, ein andrer David seyn.Er schmeichelt, küßt und klopft, streicht Achseln, Händ undWangen,Und spricht: Dein Umgang ist mein einziges Verlangen.

Die Worte klingen schön, und sind wie Honigseim;Doch diese dienen ihm zum Pech und Vogelleim,Damit er seinen Freund und dessen Seele fänget,Hernach ihn ängstiget und auf das höchste dränget.Durch sein so zärtlich Thun, durch seinen süssen MundErforscht er seinen Freund und dessen Herzens=Grund,Sein Wesen und Geschäft, und was er weiß und denket;Wohin er seinen Geist und seinen Willen lenket;

Dann schmeist er seinen Balk und seine Larve hin,Und zeigt sein treuloß Herz und seinen falschen Sinn,Verräth, verfolgt den Freund, und offenbahret allesWas zum Verderben dient, und freut sich seines Falles.In seiner Gegenwart schwatzt man ganz Ehrfurchts=vollUnd ruckwärts weiß man nicht, wie man gnug höhnen soll.Des Jacobs glatter Mund und Esaus rauhe HändeDie locken Anfangs schön und täuschen uns am Ende.Die Falschheit nennet sich ein Diener, Sclav und Knecht,Doch herrscht sie als Tyrann der Glück und Ehre schwächt.

Es ist kein Freundschafts=Band beständig und vollkommen,Es gleicht dem vollen Licht, das stündlich abgenommen.Wer merkt und lernet doch der falschen Welt Betrug?Wer wird doch nur einmahl durch andrer Schaden klug?Gewiß zu unsrer Zeit ist Schlangen=List sehr nütze,Daß man sich vor dem Fall und vor dem Unglück schütze;Man traue keinem nicht; man setz dem Mund ein Ziel,Man offenbare nichts, und rede nicht zu viel.Doch muß uns auch darbey der Tauben Tugend zieren,Daß wir die Redlichkeit in unsern Herzen führen,Und fern von Falschheit seyn, so machts recht deutsches Blut,Man meyn es redlich treu und auch von Herzen gut.Ein redlich; aber nicht ein zu verträulich Wesen,Soll man sich jederzeit zum Augenmerk

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Die falsche Spahrsamkeit empfand den Heyraths=Trieb;Gewann daher den Geitz zu ihrem Bräutgam lieb.Dieß Paar vermählte sich mit höchst vergnügten Minen;Der Schau=Platz dieser Welt must ihr zum Schlosse dienen.Und giengs gleich hier so zu, wie in der andern WeltWo man nicht ißt und trinkt und offne Tafel hält,So war doch vieles Volk, das solchen Ruf vernommen,Von groß und kleinen Stand zu dieser Hochzeit kommen,Um aus des Braut=Paars Mund die nützlich klugen Lehren,Zum kräftgen Unterricht mit Sorgfalt anzuhören.

Man rief nach Hochzeit=Brauch: lebt, wachst und mehret euch,Und euer Same blüh in jedem Königreich!Die Wünsche trafen ein. Geitz, Wucher und Betrügen,Und Unbarmherzigkeit sah man als Kinder wiegen.Sie bläuten ihnen ein: Folgt uns, und dem Gebot,Seyd fromm und dient mit Ernst der Christen ihrem GOtt.

Gold ist der Christen Gott! Ich meynt, der wär dort oben;Ich dacht, wir müsten den als unsern Schöpfer loben,Der uns Brod, Wein und Vieh und Kleid und Nahrung giebt,Der uns erhält und schützt, und uns so gnädig liebt.Wie? soll der HErr der Welt, dem keine Engel gleichen,Dem todten Klumpen Erz und Arons Kalbe weichen?

Es bleibet doch gewiß: Gold ist der Christen Gott!Man weiß wie sich sein Volk mit Macht zusammen rott,Und ihm in Süd und Nord und Osten Tempel bauet,Ihn liebt, verehrt und fürcht und gänzlich ihm vertrauet.O! würde Jacobs GOtt vor einen GOtt geacht,Sein Sabbath würde wohl zum Feyertag gemacht;Man würde nicht ums Geld sein Wochen=Amt verwalten,Die Hände zum Verkauf und Kaufen offen halten.Man baute nicht so stark auf Wolken, Meer und Wind,Und schifte nicht dahin wo wilde Menschen sind.Um mit Gefahr und Müh die Waaren zu erstehen,Wodurch die Tugenden hernach in uns vergehen;Wär GOtt, und nicht das Gold der Christen liebster Gott;Man würde nicht ums Geld der armen Witwen Noth,Der Waysen Klag=Geschrey durch Trug und List vermehren,Man würde sie so wohl als ihre Feinde hören;Man fiel nicht ums Geschenk dem bösen Gegner bey;Man drückte keinen nicht, er sey auch wer er sey;Wär nicht das Gold ihr Gott, man würde sich bestreben,Dem Wort im Testament gehorsam nachzuleben,Das stets dem schnöden Geitz und Geldsucht widerspricht,Da heist es: täusche ja kein Mensch den andern nicht:Im Handel und Gewerb soll kein Betrug geschehen,Recht Maß, Gewicht und Ehl soll unter euch bestehen.Wär nicht das Geld ihr Gott, man würde lieber fliehn,Als seines Nächsten Schweiß und Armuth an sich ziehn.Man würde nicht sein Blut gleich wie die Igel saugen;Die Thränen dürften ihm nicht statt der Lauge taugen.Er trüg was er verdient, sein heises Tagelohn,Sein Stückgen Kummerbrod wohl unbezwackt davon.Er dürfte nicht so oft und kläglich darum bitten,Und solchen Zähren=Guß aus seinen Augen schütten.Man machte nicht den Lohn von Tag zu Tage klein,Und zög und zwackte ab, wo es nur könte seyn.Ja würde nicht das Geld als wie ein Gott betrachtet,Der Arme würde nicht in seiner Quaal verachtet,Man schaute seine Noth mit wahrem Mitleid an,Man hülf und diente ihm so gut es werden kan.Ein klein und wenig Geld könnt ihn von Trübsaals=Ketten,Von seiner Hungersnoth und Dürftigkeit erretten.Es läg kein Lazarus vor eines Reichen Thür,Die Blöse thät sich nicht an seiner Haut herfür,Man spräch nicht: wilst du Geld, so must du meinen HändenHaus, Hof, Geräth und Kleid, und was du hast, verpfänden.Man stellte sich wohl nicht den schlauen Juden gleich,Und machte sich wohl nicht durch grossen Wucher reich.Man würde nicht durch Zins und teuflische IntressenDem Armen, der nichts hat, das Fleisch vom Leibe fressen.

So aber da das Herz den Diamante gleicht,Das kein Gebeth noch Flehn, noch Klaggeschrey erweicht;Da man so ärgerlich nach einem Goldstück ringet,Biß man den todten Schatz in sein Behältniß bringet,Ob man gleich Seel und Leib darbey zum Pfande setzt;Da man sich nicht an GOtt, nur bloß am Gold ergötzt;Da man mit diebscher Hand und mörderlichen KlauenDes andern Güther raubt, um sich ein Haus zu bauen:So sieht man offenbar, und findet in der That,Daß man das todte Gold zum Gott gemachet hat.

Was red ich? hat das Geld die ganze Welt bezwungen?Giebts denn nicht Christen noch, die mit beredten Zungen,Von Eifer angeflammt, den Leuten insgemein,Gerechten Vortrag thun, dem Geitze feind zu seyn?Daß man sich nie in Trug und Wucher soll verlieben;Daß man Barmherzigkeit am armen Nächsten üben,Und ihnen dienen soll, so gut man immer kan.Es hat wohl Cicero der klug=beredte MannDer Sache Vortrag nie mit Worten so geschmücket,Als es der Redekunst in solchen Dingen glücket.Die Worte klingen gut. Jedoch man klagt mit mir:Die schöne Theorie stellt schlechte Praxin für.Denn wer schön sprechen kan, hat oft in seinen JahrenDas mindste selbst von dem, was er geredt, erfahren.Man zeigt nur mehrentheils, daß man ein Moralist,(Was fehlet diesem Ruhm?) und guter Redner ist.Denkt nicht das Volk darbey, wenns solche Redner höret:Was dort der klügste Mund bey dem Matthäo lehret.O! dieses wird anjezt so gut als dort erfüllt,Hierinnen zeiget sich der meisten Ebenbild.

Die Predigt ist vorbey, der Vortrag ist geschehen,Man gehet stolz nach Haus und sieht zwey Arme stehen,Die um ein wenig Brod und kleine Gabe flehn,Wie fährt man sie nicht an? wie pflegt man sie zu schmähn?Dort wurde Lazarus so schlecht kaum abgewiesen,Als wir zu unsrer Zeit das arme Volk von diesenDie Christi Diener sind; was man den Armen reicht,Das ist oft schlecht genug, und doch geschichts nicht leicht.Ein Tropfen=Eßig=Trank aus ihren vollen Keller:Von ihrem Uberfluß ein abgenützter Heller;Von ihrer Tafel last, das was der Hund nicht will,Gehört vor Dürftige. Doch heists, man gebe viel,Und sey doch selber arm, es wolte nirgends reichen.Es reichte schon, wenn man dem Meister wolte gleichen,Der von der Mäsigkeit und nichts von Bauchdienst hielt.

Man spricht: im Alterthum ward doch dahin gezielt,Daß Levi und sein Volk den Opfer=Tisch genosse;Worbey das Fett vom Oel in seine Hände flosse,Und manch Geschenke fiel, manch Hebe=Opfer roch.O! wär doch diese Zeit mit den Gebräuchen noch!Da man zwar, immer nahm, und war doch frey von allem.Jezt geht es anders zu; es muß uns wohlgefallen,Seht! man befielt uns gar, wir sollen Gastfrey seyn.

Schweigt! wer thut einen Dienst? er sey auch noch so klein.Ist einer noch so arm, wo wird ihm was geschenket?Ja wenn der Dürftige an sein Gewissen denket,Und hat den Groschen nicht, so bläht der Geitz sich schon,Es heist: die Woche nur von eurem TagelohnZwey Heller hingelegt, so kan nach neunzig TagenDie Hand den Groschen schon in meinen Beichtstuhl tragen.Jedoch es mag jezt seyn, ich bin nicht so genau;Geht, dient mir sonst einmahl, und scheuret meiner Frau;Bringt mir, so bald ihr könt drey Körbe Mist in Garten,Bringt Eyer, Rettige; doch von den grösten Arten.

O! würde nun das Geld nicht also hoch geacht,Und nicht, wie vor gesagt; zu einem Gott gemacht,Man würde dieß zu thun sich ohne Zweifel schämen,Und wahrlich mit der Hand mehr geben, als sonst nehmen.

O! würde nicht das Gold als wie ein Gott verehrt,Der Glaube würde wohl so leicht nicht umgekehrt,Man würde nicht so viel von ungeheuren Schwören,Noch von Vermessenheit, und falschen Eyden hören.Wär nicht das Gold ein Gott, wer nähm ein solches WeibDas keinen guten Zahn; das einen Knochen=Leib,Und einen Mund=Geruch wie faules Wildpret hätte,Zu seiner Augen=Lust, statt Fleiches=Lust ins Bette?Wer geb den Trauungs=Ring wohl einer solchen HandDie schon (obwohl geheim) in mütterlichen StandVersetzet worden ist? Wer liebte vor die Ester,Vor Sara und vor Ruth, der Jesabellen Schwester,Die fast Xantippen noch an Boßheit übersteigt?Wer wär der geilen Frau des Pothiphars geneigt?Wer würde ein Gemahl des er sich müste schämen,Blind, heßlich, bucklicht, lahm und sonst gebrechlich nehmen?Würd eine Jungfer wohl geliebet und geküßt,Die fragt; Ob ein Student auch wohl ein Mensche ist?Ob Störche auf dem Dach mit ihren Schnäbeln lachen?Ja was denn Weiber wohl mit ihren Männern machen?Ja würde nicht das Gold zu einem Gott gemacht,Es würde wohl kein Kranz dem alten Greiß gebracht,Der von Gebrechlichkeit gebückt am Stabe wanket,Der wie ein alter Bär im Hause brummt und zanket.

Hat man des Mammons Freund und dieses Götzen KnechtDen Nächsten durch Betrug und Wucher gnug geschwächt;Durch Falschheit und Proceß den Redlichen betrogen;Des Tagelöhners Blut, der Witwen Schweiß gesogen,Und sich davon ein Haus und Wucher=Sitz erbaut,So, daß er Aecker, Feld und Vieh und Wiesen schaut,Und seinen Götzen sieht im eisern Tempel liegen,Vor dem sich seine Knie fast täglich eifrigst biegen;So zeigt er, daß er ihn recht würdiglich verehrt;Es wird des Jahrs einmahl Haus, Saal und Schloth gekehrt.Er glaubt, der dicke Staub verwehre Frost und Kälte;Es käm am Holze bey, zumahl wenns sehr viel gelte.Die Zimmer werden nur im Jubel=Jahr geweißt,Dieweil die weise Farb die Augen blendt und beist,Man könte ja das Geld nicht ohne Sorgen zehlen,Es möchte leicht ein Scherf an hundert Thalern fehlen,Man würde nicht das Korn im Zinß=Gemäße sehn,Wie leichte wärs darbey um einen Strich geschehn.Er zehlt, wie viele Halm des Tags das Vieh verkäuet;Wie viel man etwa Stroh auf eine Woche streuet,Wie viele Körner wohl ein Huhn des Tages frißt,Wornach er denn genau die Sachen wiegt und mißt.Sind nun die Halme lang, die Körner groß und dickeSo rechnet er darnach, und zieht davon zurücke.Er fühlet mit der Hand wie schwer das Eyter wiegt,Damit ihn nicht die Magd um einen Strich betrügt.Er fühlt die Hühner an, wie viel sie Eyer legen,Damit die Seinigen ihm keins entwenden mögen.Nicht selten jaget er die Hühner auf das Feld,Allwo der ganze Schwarm frey offne Tafel hält.Er spricht: Wer wolte nicht dem Vieh die Freude gönnen,Ich selber werd hierdurch viel Frucht ersparen können.Nicht selten, daß sein Fuß in kräftge Winkel kriecht,Und forscht, ob auch der Koth nach seinem Weine riecht,Er denkt, steht gleich bey mir der Keller niemahls offen,Vielleicht schliest jemand nach, und hat daraus gesoffen.Er sorgt, ob nicht sein Obst auch Näscher nach sich zieht,Drum guckt er, ob er was von Kern und Schaalen sieht.Sein Garten wird verpacht, damit kein Kind nichts schmecket,Er spricht: Die rothe Ruhr wird durch das Obst erwecket.Sind denn die Felder weiß, legt man die Sicheln an,So schmerzt ihm, daß er dieß nicht selbst verrichten kan.Wünscht Nero seinem Volk nur einen Halß im Leben,So wünscht er aller Händ, um keinen Lohn zu geben,Und wenn der Sonnen Glut die Schnitter lächzend macht,So wird ein kalter Trank von Wasser dargebracht.Es heist: Das starke Bier dient nicht in grosser Wärme,Es bringt das Fieber mit, und schneidet die Gedärme.Glaubt, Argus hat die Kuh so strenge nicht bewacht,Als wie er Augen jezt auf seine Aehren macht,Damit kein Armes sich an seinem Weitzen labe.Bricht denn des Herbstes Reif des Weinstocks Blätter abe,Daß man die süsse Frucht vom Reben schneiden kan,So hebt sein froher Mund ganz laut zu singen anUnd weckt die Leser auf, damit sie unterdessen,Kein Träubgen von dem Stock zum Labsal können essen.Wenn sich der Abend nun mit seinem Schatten regt,So nimt er einen Stab mit dem er forscht und schlägt,Ob eine Reben=Frucht im Sacke anzutreffen,Damit von seinem Grimm und Fluchen, Zank und KleffenDen Lesern bange wird, die vor dem Schelten fliehn,So weiß er ihren Lohn mit List an sich zu ziehn.So süß der Rebensaft, so angenehm er schmecket,So weiß sein Kind doch nicht die Kraft die in ihm stecket.So sparsam hält er hauß; kein Tröpfgen ist so kleinEr kostets dennoch nicht; er widmet es dem Wein.In seinem Hause wird die Sparsamkeit betrachtet;Da wird kein fettes Huhn, noch Ganß, noch Schwein geschlachtet.Er meint, das viele Fett wär in der That ein Gift,Weil es nur vielen Schleim und kurzen Athem stift.Auch wär das magre Fleisch den Zähnen nur ein Schrecken,Es blieb zu ihrer Last in denen Lücken stecken,Und bohrte mans heraus, so mehrt es nur den Schmerz;Es drückte überdieß den Magen und das Herz.Der braune Gersten=Trank, des Weines edle SäfteBenähmen den Verstand und schwächten Geist und Kräfte.Bey einem Wasser=Trank und Kofend wär man schön,Die Geister blieben auch in ihrem Cirkel stehn.Ein einzig Kofend Glaß wird auf den Tisch getragen,(Im Kruge möchte man ein stärker Schlückgen wagen.)Damit er sieht, wie viel ein jeder zu sich nimmt,Dieweil er nur dieß Glaß vor alle hat bestimmt.Auf zweymahl wird ein Ey zur Suppe eingerieben.Ein halb geschmelzter Kohl und ungeschehlte Rüben,(So machts die Sparsamkeit) und ein, ich weiß nicht was,Aus einem Käse=Korb und alten Butter=FaßGenomnes Mittags=Mahl muß Frau und Kinder stärken,Worbey denn allemahl viel Andacht zu bemerken.Er singt und betet laut, und lehret stets darbey,Daß nur die Mäsigkeit die schönste Tugend sey.Daß man dadurch vor GOtt gerecht und löblich walle,Und auch den Aerzten nicht in ihre Hände falle.Aus einem Stückgen Vieh, das man aus Noth geschlacht,Wird nur ein Freuden=Mahl, das schlecht genug, gemacht.Die Abend=Mahlzeit ist zur Fastenzeit erkohren.Ein Gastmahl hält er ein. Was Mäuse sonst verlohren,Und in das Korn gelegt; was ihnen nicht beliebt,Das ist, was er statt Mehl und Brod zu essen giebt.Mit Butter, die er oft sehr falsch gewogen schicket,Die an ihm auf dem Markt sehr oft zum Schimpf zerdrücket,Worbey er Zetter schreyt, und seine Haare rauft,Und fluchet, daß die Magd sie nicht nach Wunsch verkauft,Mit dieser schmelzt er noch, o grosser Schmerz! das Essen.Doch wird er nie darbey der Sparsamkeit vergessen.Er kostet keinen Wein, als der am Fasse läuft,Der aus dem Spunde schwitzt, und aus dem Zapfen träuft.Vier Mandeln Erbsen zehlt die Hand auf einen Magen:Denn mehr kan doch der Mensch ohn Drücken nicht vertragen.Zur Suppe schneidet er die Weichlen selber ein,Nur fünfzehn sind genug. Man muß fein mäsig seyn.Damit ihn auch kein Freund von Fremden mög beschweren,So heists: Es läßt sich was in meinem Hause hörenDas Furcht und Schrecken macht. Sein bestes Leib=GewandIst grob, denn dieses thut der Wollust Widerstand.Sein Oberhemd wird links, und rücklings weiß gewaschen,So sparet er das Geld zu Seife, Holz und Aschen.Und wird ein stückgen Geld zur Zahlung abgetheilt;So wird von jeglichem vorher was abgefeilt.Ruft ihn der Christen Brauch zu einem heilgen Mahl,So macht des Priesters Sold ihm tausend Angst und Qual.Dahero wendt er vor: Er könte kaum was geben,Es wär ihm ärgerlich. Nach langem Widerstreben,Greift er sich endlich an, und sendet ihm ein KalbDas vor dem Messerstich dem Tod schon würklich halbIn seinen Klauen war. Kommts endlich an das Scheiden,Soll er nun seinen Gott im Kasten ewig meiden,So hört er kein Gebet und frommes Singen an.Er schreyt Verzweiflungs voll: Ach! weh! mir armen Mann!Wie wird es künftig hin um meinen Haushalt stehen?Wer sorgt vor meinen Gott? O könt er mit mir gehen!Ja, wenn das Auge schon benebst der Zunge bricht;So fährt er starrend auf, und rufet: Hört ihr nicht:Wo ist das Silber=Pfand? Wer rasselt dort am Kasten?Was ist das vor ein Schelm? Wer sucht ihn anzutasten?

Auf einmahl giebt er sich den grösten Herzens=Stoß,Er reißt ein Spanisch Stück von seinen Götzen loßUnd wirfts dem Priester hin, daß er ihn hoch erhebe,Und in dem Leich=Sermon ein herrlich Zeugniß gebe.Drauf stirbt er: Und dann heists: Das war ein frommer Mann,Der uns zum Musterbild der Tugend dienen kan!

Ein treuer Gottesdienst wird reichlich gnug belohnet,Von dem der Vater heist und dort im Himmel wohnet.Sein Diener wird von ihm mit einem Sinn begabt,Der sich an wenigem sehr wohl vergnügt und labt.Es gilt ihm alles gleich; er ist mit dem zufrieden,Was ihm der Vorsicht=Hand an Zeitlichen beschieden.Er schläft des Nachts getrost, und ohne Sorgen ein.Er macht sich im Verlust nicht grosse Quaal und Pein.Weil seine Seele weiß, GOtt hab es ihm geliehen.Was er ihm erst geschenkt, das könn er ihm entziehen.Er lebt wie ein Monarch, sein Geist ist Banden frey,Und zeiget, daß er gar kein Sclav des Goldes sey.Er herrschet über sich und seine Glückes=Gaben,Er macht sie sich zu nutz, und sucht sich dran zu laben.Sein Sterben fällt ihm auch nicht ängstlich oder schwer,Ihm parentirt der Ruf, das ganze Tugend=Heer,Und spricht: Ein GOttes Knecht ist leider! jezt gestorben,Der sich ein Ehrenmaal und stetes Lob erworben.

Was hat denn aber wohl vor seinem Götzen=DienstDer arme Mammons=Knecht vor Nutzen und Gewinst?Was kan ihm dann sein Gott das Gold vor Freude geben?Nichts als ein Kummerreich und Hungervolles Leben.Er schläft mit Sorgen ein. Die Nacht wird ihm zur Last,Er fährt mit Schrecken auf, und ruft, und schreyt: wer faßt,Wer greift die Schlösser an? Es ist ein Dieb vorhanden.Ach! rettet meinen Gott, und helft mir von den Banden.Kein Laban kan so sehr um seine Götzen schreyn,Kein Nabal auf sein Brod so sehr erbittert seyn,Als dieser sich geberdt. Wird ihm ein Lamm gestohlen,So will er schon den Strick sich aufzuhengen hohlen.Des Tages ist er nie mit seinem Schatz vergnügt,Obschon des Vorraths gnug vor seinen Augen liegt;Er darf das Regiment nicht über sich verwalten;Er muß dem tauben Gott als Sclave stille halten;Er darf auf keinem Bett von weichen Federn ruhn;Er darf von seinem Vieh sich nichts zu gute thun;Er darf kein reines Brod, noch Bier, noch Wein genießen;Er muß bey Hungerkost fast Thränen lassen fließen,Er ißt, und wird nicht satt, er sammlet, und ist arm,Sein ganzer Lebenslauf ist Elend, Müh und Harm.Und endlich ruft ein Mund von der gestirnten Zinne:Du Götzen=Knecht! du Narr! halt mit dem Geitzen inne!Es klopfet schon der Tod an deine Kammer=Thür;Man fordert diese Nacht noch deine Seel von dir.Du Narr! wem wird dein Gut das du bißher auf ErdenMit Angst gesamlet hast, nunmehr zu Theile werden?

Ist dieß, ihr Thoren! nun benebst der Höllen GlutDer Lohn vor euren Dienst? bedenkt doch, was ihr thut!Glaubt, daß die Erben euch im Todte noch verlachen,Und sich ein fettes Maul durch euren Hunger machen?Daß euch, wie ihr verdient, die kluge Welt verspott:Seht! dieser Mammons=Knecht verehrte einen Gott,Allein er half ihm nichts, er blieb ihm nicht gewogen,Am Ende hat er ihn um Leib und Seel betrogen.

* * *

Was schließt sich vor ein Grab und finstrer Bogen auf?Ich seh ein Geister=Heer! ja! ja! es steigt herauf.Ich kenne sie bereits, mein Schluß wird schwerlich fehlen,Es sind, ich irre nicht, der tapfren Parther Seelen.Hier schreyt ein Mann mich an, dort ruft ein andrer Geist:

Ihr Deutschen! die ihr klug, gelehrt und Christen heist,Ihr, denen dieß Gesetz GOtt selber vorgeschrieben:Daß ihr euch jederzeit im Fleiß und Arbeit üben,Im Schweiß des Angesichts das Brod erwerben solt,Wie man euch täglich lehrt, wenn ihrs nur hören wolt.Ihr sprecht: Wir wären wild; ihr sucht uns zu vernichten.O nein! wir thaten stets als Heyden unsre Pflichten;Ihr habt Natur und Licht, Gesetze und Befehl,Und gleichwohl thut ihrs nicht, und seht darzu noch scheel.Wir merkten von Natur, daß dieß ein Schandfleck wäre,Wenn man durch Müssiggang der Tugend Glanz verlöhre.Es gab uns die Vernunft die gute Meinung ein:Es müsse jederman zum Fleiß geschaffen seyn.Es müsse einen Gott und Welt=Beherrscher geben,Der stets geschäftig ist, indem wir sind und leben,Der alles ordentlich mit Kunst und Fleiß bestellt,Und alles uns zu Nutz noch immerdar erhält.An Vögeln sahen wir, wie sie so munter wachten,Wie sie vor Brut und Nest sich viele Sorgen machten.Das kleine Immen=Volk hielt uns die Stöcke für,Und rief uns gleichsam zu: verhaltet euch, wie wir.Dort lag der Seidenwurm, der immer fleisig webte,Und dennoch nicht vor sich, nur uns zu Dienste lebte.Wir sahen unsern Leib nebst seinen Gliedern an,Wie er mit Geist und Kraft und Stärke angethan,Und ausgeschmücket war. Wer solte sich nicht schämen?Wer wolte träge seyn, die Arbeit vorzunehmen?Wir fühlten Stärk und Kraft in Lenden, Hand und Knie,Die Biene saß nicht viel, und war doch nur ein Vieh.Dieß trieb uns feurig an, wir wurden alle schlüssig,Es gieng kein einziger von unsern Parthern müssig.Kein Draco von Athen war uns zum Antrieb noth;Wir hielten von uns selbst, was die Natur gebot.Kein Sparta noch Athen hielt sein Gesetz so richtig,Als jeder von uns that, der nur zur Arbeit tüchtig.Aurorens Purpur=Roth lacht uns kaum schimmrend an,So waren wir bereits mit Kleidern angethan.Wer vor des Landes Glück, der Bürger Wohlstand wachte,War emsig, daß er bald die Sachen richtig machte.Er gieng sehr früh zu Rath und wieder spät davon,Und trug von Stadt und Land des Fleisses Lob zum Lohn.Der Bürger freute sich, wenn Zeit und Glück vergonnteDaß er die rege Hand zur Arbeit widmen konte.Die Jugend wuste schon von selbst auch dieß Gebot,Kein Knabe unter uns bekam sein MorgenbrodEr hatte den vorher mit Arm und Pfeil geschossen,So, daß der Schweiß davon das Angesicht begossen.Ein jedes Jungfer=Bild und angesehnes WeibErgrif Geschäft und Müh zum besten Zeitvertreib.Sie liefen nicht herum und klatschten auf den Gassen.Kurz, alles war bemüht dem Müsiggang zu hassen.

Wie aber treffen wir denn eure Sitten an?Es dachte unser Volk ihr giengt uns weit voran,Dieweil ihr weiß und klug und Christlich sucht zu heisen,Als Leute von Verstand, die ihren Schöpfer preisen.So aber finden wir daß alle groß und klein,Kind, Vater, Frau und Mann der Trägheit Freunde seyn.Wir thun was löblich ist; wo thut ihr wohl dergleichen.Drum eckelt uns vor euch; ihr müst uns billig weichen.

Man sagt im Sprichwort sonst: Der Morgenröthe LichtDas voller Glanz und Strahl in Fürsten Schlösser bricht,Wird nicht von Prinzen leicht in ihrer Pracht gesehen;Warum? sie pflegen oft am Mittag aufzustehen.Jezt aft ein Bürgermann der Fürsten Mode nach,Wenn um die Mittagszeit die Sonne das GemachMit ihrem Strahl erfüllt, so weltzt man noch die Glieder,So dehnt man noch die Arm im Bette hin und wieder.Es macht dem Geist viel Müh, daß er den Willen bricht,Daher man Thee, Caffee, ja Tobac, Pfeif und LichtGar oft ins Bett verlangt. Und wenn man auferstehet,So heists: O! daß die Nacht so bald, so schnell vergehet.Man klagt die Müh und Last des Lebens schmerzlich an,Wenn man der Hände=Paar, den Mund benebst den ZahnZur Tischzeit regen soll. Ja was vor bittre SchmerzenFühlt man in seiner Brust, empfindet man im Herzen,Wenn man zu Facultät und Richtstuhl wandern soll;Wenn man zu Rathe gehn, wenn man drey Finger vollVon Acten lesen muß. Wenn man auf Red und FragenVon Amt und von Beruf soll eine Antwort sagen.Muß etwa der Client um Rechtliches verziehn,Bey dem gelehrten Mann sich voller Angst bemühn,Und um was weniges fast täglich an ihm regen.So seufzt man: Ist doch Müh und Arbeit allerwegen.Kein Knabe, wenn man schon die schlanke Birke regt;Kein Mann, wenn ihn die Frau an ihrem Reichstag schlägt,Kan sich so jämmerlich geberden oder stellen,Als ihm die Thränen hier aus seinen Augen quellen.Da wünscht er, tobt und flucht: Wie wird man nicht geplagt!Ja wohl, so fährt er fort, hat David recht gesagt,Daß Arbeit, Müh und Last bey unserm Leben wäre:Daß Haupt=Schmuck, Rock und Kleid auch seine Last vermehre.

Das grose Licht der Welt theilt sonst die Stunden ein,Und ordnet wenn es Tag, und wenn es Nacht soll seyn;Allein der Müßiggang setzt andre Zeit und Gränzen,Wenn um die Morgenwach Aurorens Strahlen glänzen;So liegt und schlummert er noch in der ersten Ruh.Deckt aber alles Fleisch ein stiller Schatten zu,So pflegen allererst die Augen aufzuwachen,Da will man erst ein Stück von Schrift und Acten machen,Und denkt nicht, daß man sich das schönste Licht verblendt,Wenn man ein Fremdes braucht, und Geld darzu verschwendt.

Ihr Lehrer von Athen! ihr alt berühmte Weisen!Wie glücklich seyd ihr nicht vor aller Welt zu preisen,Weil eurer Schüler Geist um Pallas Rauch=AltarUnd um den Musen=Hayn still, klug und emsig war?Kein ferner Weg, kein Schweiß, kein stark und mühsam Schwitzen,Kein ungebundner Fleiß, kein weises Stillesitzen,Noch Lesen ward gespart; man rang nach Kunst und Ruhm,Und schmückte durch den Fleiß der Musen Heiligthum.

Wo ist der stille Fleiß der Alten hingekommen?Weint Musen! denn er wird jezt nicht wie vor vernommen.Kommt Musen! klagt und seufzt, denn euer HeliconBeschimpft der Trägheit Freund, befleckt der Faulheit Sohn.Wer hört Aurorens Mund den guten Morgen sagen?Wer kan das Sitzefleisch biß in die Nacht vertragen?Wird Sträusand wohl so viel als Schnupftoback verthan?Wer greift die Federn mehr als lange Pfeiffen an?Der Karten Menge muß der Bücher Zahl ersetzen;Den Degen sucht man jezt mehr als den Kiel zu wetzen.Ein blöckendes Geschrey geht Musen=Liedern für.Der Lais freche Stirn wird aller Musen Zier,Ja selbst Eusebien und Themis vorgezogen.

Ja, spricht ein Edelmann: Wer Bürger=Milch gesogen,Der mag ein Bücher=Wurm und kahler Schulfuchs seyn,Und an dem todten Mund der Pallas sich erfreun.Das thut kein Adlicher. An statt der Bürger Grillen,Soll ein lebendig Buch uns Schooß und Hände füllen.Wir stellen unserm Geist ein aufgeführtes Thor,Die Steine in der Stadt als unsere Feinde vor,Da suchen wir beherzt die Degen abzuwetzen,Und sie als wie im Krieg, auf ärgste zu zerfetzen.Und also zeigen wir, eh sich der Krieg noch regt,Zum voraus wie man kämpft, und auf die Feinde schlägt.Wer nennt es wohl galant, wenn man im Winkel lebet,Und wie ein Seidenwurm sich unter Bücher gräbet?Gescherzt, getanzt, gelacht, gesungen und gespielt,Auf einer Lais Mund die Hitze abgekühlt,Getrunken und gefezt, das heist galant gewandelt,So hat mein Oheim sonst und Ahn=Herr auch gehandelt.

O! schlüge mir mein Wunsch und Sehnen jezt nicht fehl,Schlöß sich zu dieser Zeit das herrlichste SerailDes größten Königs auf, wie viele kluge FrauenUnd Jungfern würde man in seinen Mauren schauen.Wie lobt nicht Salomo des Frauenzimmers Zucht,Wenn es den Müssiggang mit allen Ernst verflucht.Wenn Nadel, Zwirn und Flachs und kluges HausregierenDer Frauenzimmer Arm mit munterm Fleiße zieren?O weisester Monarch! jezt würde man dein HausVon Arbeit ledig sehn; ich weiß, man rufte aus:Hat denn der König sich und uns so gar vergessen?Wie? soll sein Frauenvolk? wie? sollen die MaitressenVor Rahm und Rocken stehn? Der König braucht den LeibZu seiner Augen=lust, zu seinem Zeitvertreib,Uns aber will er nicht die kleine Lust vergönnen,Daß wir spazieren gehn, und uns ergötzen können?Wie? sollen wir das Brod das unser Mund verzehrtVerdienen, daß die Hand sich also selber nehrt?Wer unsern Leib genießt, der mag uns auch versorgen,Und solt er selbt das Geld zu unsrer Tafel borgen.

Wo ist zu dieser Zeit ein Weib, das groß und reich,An Wirthschaft und an Fleiß der schönen Sara gleich?Wo ist ein edles Kind in unsern deutschen AuenSo häußlich, so geschickt als Jacobs Braut zu schauen?Tabeens nette Hand, ihr künstlich kluger Fleiß,Erhielt wohl schwerlich jetzt den Thränen=reichen Preiß,Den noch ihr Toden=Bret und Leichen=Tuch genosse,Indem ein Zähren=Bach aus vielen Augen flosse;

Es ist nicht mehr die Zeit da man nur wenig schlief,Und bald nach allen sah, nach allen selber lief,Den Kindern und Gesind des Fleises Beyspiel wiese,Und sich auf andre nicht, nein, auf sich selbst verliese.Was kostets nicht vor Müh, eh man um Zehn erwacht,Kleid, Wäsche, Band und Schu zum Anzug fertig macht?Wie stiehlt man nicht die Zeit, wenn man die Haare stutzet,Und seine freche Stirn zur Lust und Hoffart putzet?Des Fensters ofnes Glaß, so mancher Pflaster=Trit,Thee, Wein, Caffee und Spiel nimt Zeit und Tugend mit.O! wie wird nicht die Zeit so liederlich verschwendet,Wenn sich der Plauder=Mund zur Nachbarinnen wendet?

So schön Lucretia, so groß, so reich sie war,So wieß sie doch der Welt und zeigte offenbar:Daß Wirtschaft, Fleiß und Müh kein reiches Weib beflecke,Vielmehr Huld, Ehre, Gunst bey jederman erwecke.

Ich höre schon wie mich das Frauenzimmer schimpft;Und über meinen Reim die Nase höhnisch rümpft.Ich höre albereits, wie sie so sinnreich schwatzen,Wie sie Elihu gleich von Weisheit möchten platzen.Man hält mir klüglich für: Wie manches WunderwerkWar in der alten Zeit ein herrlich Augenmerk;Wie manche Krieges=Kunst gieng ehedem im Schwange;Wer weiß die Mode nicht, wie mancher lief und sangeWenn hier ein Hochzeit=Fest und dort ein Einzug war;Wenn eine Kreisende ein Kind zur Welt gebahr.Wie die Philosophi vordem die Weisheit trieben;Wie sie so wunderlich von Erd und Himmel schrieben.Wie ward die Policey und Richter=Amt bestellt?Drum weil denn nichts besteht und ewig dauer hält,So ist dieß alles auch von Zeit zu Zeit verschwunden.Wie viel vortrefliches hat unsre Welt erfunden?Man kriegt, man lehrt, man baut nicht mehr wie ehedem,Man ordnet, schaft und macht so wie es uns bequem,Und jezo Mode ist; sind nun der Männer StundenUnd Moden jezt nicht mehr ans Alterthum gebunden;So sind wir ebenfals von alten Sitten loß.Wo war vordem ein Weib wie jezt am Geiste groß?Wie niederträchtig hieß ihr Wandel, Thun und Wesen,Da sie den Schäferstab, den Wasser=Krug und BesenGetragen und geführt; wenn sie den Flachs geklopft,Die Kuchen selbst geknett, die Brunnen selbst verstopft,Die Sichel angefaßt, wenn man die Garben bande?Ziert das ein Frauenbild von reich und gutem Stande?

Jezt aber lebet man manierlich und galant,Den Männern nicht zum Schimpf, nein, sondern mit Verstand.Wer wird die Schlüssel stets an Arm und Händen führen?Und seine zarte Hand mit allem selbst beschmieren?Der Küchen=Rauch beißt nur die schönen Augen roth,Worbey gar bald ein Fall dem Fuß im Laufen droth.Davor ist Knecht und Magd, daß sie das Haus verwalten,Wir aber lange Ruh und lange Tafel halten.Davor sind Kramer da, wo man die Kleidung findt,Davor giebts Mädgen gnug die uns zu Dienste sind.Die Männer wollen Herr und Haupt und Väter heisen;So müssen sie sich auch nothwendig so beweisen,Wie dieses Wort verlangt, daß man uns Lebens=Saft,Und was wir irgend noth, ohn unsre Arbeit, schaft.Ein Weib muß sich doch auch ein Stündgen Ruhe schenken,Und ihre Geister nicht durch Müh und Arbeit kränken.Wer dankts uns Weibern denn, was wir mit Müh erspart,Was wir mit Fleiß geschaft? ists doch der Männer Art,Daß man uns immer schraubt: Wir könten nichts erwerben.Wohlan! so laßt uns dann bey guten Stunden sterben.Wird uns Lucretia zum Muster vorgestellt?O lacht! dieß Muster zeigt die Thorheit alter Welt.Denn hätt Lucretia in Compagnie gesessen,Darbey den Rocken, Rad und Mägde Fleiß vergessen,So hätt Tarquinius sie nicht so schön geacht,Sich nicht in sie verliebt, und seine Lust vollbracht.Sie wäre nicht durch Stahl und Eisen abgefahren.Nein! nein! wir wollen uns vor der Gefahr bewahren.Wir spielen lieber mit und folgen ihr nicht nach;So überfällt uns nicht dergleichen Ungemach.

August der Römer Schmuck, August die Zier der Prinzen,August der mächtigste an Staaten und ProvinzenErkannte doch darbey, wie falsch das Schicksal wär;Daß Scepter, Kron und Reich, Glück, Reichthum, Macht und EhrDie Unbeständigkeit als seine Schwester küsse,Daß man vom Thron und Glük oft schnell herunter müsse.Drum sprach sein kluger Mund zu seiner Julia:Prinzeßin! ist euch schon das gröste Glücke nah;Seyd ihr die Herrlichste von allen Fürsten=Kindern;So denkt nur allezeit, das Glüke kan sich mindern.Hat nicht schon ehedem so mancher Fürst regiert,Den alle Herrlichkeit und alle Macht geziert,Allein wo ist sie oft so plötzlich hingekommen?Hat ihm das Schicksaal nicht dieß alles abgenommen?Daß wer der gröste war, und oft der reichste hieß,Sich endlich elend, arm und niedrig sehen ließ.Dieß stell ich mir auch vor; dieß schwebt mir in Gedanken,Wie leichtlich kan mein Glück und meine Krone wanken;Wie leicht stößt mich das Glück vom Scepter, Reich und Thron,Und jagt mich ebenfals wie andre arm davon?Drum liebste Julia: ihr möget euch bey ZeitenAuf Unglück, Noth und Fall vernünftiglich bereiten.Flieht stets den Müssiggang, verschwendet keinen Tag,Arbeitet was die Hand und ihre Kunst vermag,Ihr wüst nicht, ob euch nicht noch eure Hände nehren.So ließ ein Kayser sich bey seiner Tochter hören!So sprach auch Kayser Carl (g) zu seinen Töchtern oft:Flieht stets den Müssiggang, wie bald und unverhoftKan mich des Schicksaals Macht vom Thron ins Elend jagen.Drum schickt euch auf den Fall bey annoch guten Tagen.

Wo ist zu dieser Zeit ein Bürger=Weib und KindWie dieser Fürsten=Zweig geartet und gesinnt?Wer denkt an seinen Fall, und an des Glückes Schläge,Daß er sich vor der Zeit darzu bereiten möge?Wer kömmt der Armuths=Last durch klugen Fleiß zuvor?Wer haßt den Müssiggang, und hebt die Hand empor,Daß sie sich in der Zeit zu jeder Arbeit lenke,Damit es ihr nicht einst in schlimmen Tagen kränke?

O! hätte manches Weib, das sonst auf Küssen saß,Und ihres Leibes=Läng auf Schwanen=Federn maß,Sich vor der Zeit bequemt den Müssiggang zu meiden,Vielleicht trüg sie noch jezt ein reinlich Kleid von Seiden;Vielleicht rief nicht ihr Mund nach Wasser, Salz und Brod;Vielleicht wär wohl ihr Aug nicht jezt von Thränen roth.Man würde sie vielleicht anjetzo nicht verlachen,Und sprechen: seht! sie lernt die Sachen anders machen.Sonst grif sie nicht vor sich den kleinsten Finger an;Jezt aber dienet sie mit Arbeit jederman.

Ich tadle nicht wenn sich ein Frauenbild bestrebet,Daß sie nach ihrem Stand in ihrer Arbeit lebet,Daß sie nicht öffentlich die Hand zur Arbeit recktWodurch sie Vater, Mann an seinem Stand befleckt.Daß sie die Hände nicht wie eine Magd gebrauchet;Und wo's nicht nötig ist, die Hand in Lauge tauchet;Daß sie zur Reinlichkeit ein Stündgen an sich wendt;Nur dieß ist mir verhaßt, wenn man den Tag verschwendt.(SinnenWenn man den {Händen nicht zur Arbeit Flügel giebet,{FüssenUnd nur der Schnecken-Brauch und ihre Mode liebet;Wenn man die Arbeit so, als wie die Schlangen scheut.Wenn man stets seufzend klagt: wie lang wird mir die Zeit!Ich weiß vor Einsamkeit, ich weiß vor langer Weile,Fast nicht, wohin ich jezt mich zu vergnügen eile.

Ein klug und fleisig Weib klagt vielmehr allemahl:Wie ist mir doch die Zeit so schnell, so kurz, so schmahl;Wenn ich vier Hände doch und so viel Füsse hätte!Die Hände eifern fast und streiten um die Wette.Ihr seltner Gassen=Trit hält ihr die Kleidung schön;Und lehrt sie auf das Haus und ihre Kinder sehn,Damit sie in der Zucht und Furcht erhalten werden.

Wie glücklich ist der Mensch der auf dem Kreiß der ErdenDer Klugheit Regel folgt, die ihm die Lehre giebt;Der ist beglückt und reich, der Fleiß und Arbeit liebt.Es freuet sich sein Geist wenn er bey sich erweget,Zu diesem Glück hat mir mein Fleiß den Grund geleget.Durch ihn erhielt ich bloß der Fürst= und Menschen Gunst.Ich fand durch ihn den Weg zu mancher raren Kunst.Es kennen mich durch ihn die klügst= und grösten Häuser.Der Fleiß band mir den Kranz und diese Lorber=Reiser.

* * *

Die Ehre ist ein Trieb der angebohren ist;Die Ehre ist ein Ziel wornach ein Weiser schießt;Ein Kluger ist bemüht, mit Ernst darnach zu ringen,Und sich durch Müh und Fleiß erwünscht empor zu schwingen.Sein Geist bestrebet sich um des Monarchen Gunst,Von welchem alles Glück, Macht, Ehre, Reichtum, KunstUnd Tod und Leben kömmt. Er ringt nach solchen Sitten,Wodurch der Fürst der Welt bekämpfet und bestrittenUnd überwunden wird. Er ist in sich vergnügt,Wenn er sich überwindt und seinen Muth besiegt.Wo eine Tugend ist, und wo ein Lob regieret,Dem jagt er ernstlich nach, damit ihn solches zieret.Den Degen zücket er auf königlich Geheiß,So tapfer als auch klug zu seines Fürsten Preiß,Dem Vaterland zu Nutz, und nicht aus eignem Willen,Wie mancher raßt und thut, nur seinen Zorn zu stillen.Ein Weiser überhebt sich seines Adels nicht,Daher er nicht so gleich von Bügern spöttisch spricht!Er zeigt sich jederman mit Freundlichkeit und GüteUnd unterdrückt den Stolz in seiner ersten Blüthe.In Demuth sucht er Ruhm in Niedrigkeit die Pracht,Die ihn berühmt, beliebt und groß und glücklich macht.Sein Geist bemühet sich den Fürsten treu zu heisen.Sich allezeit gerecht und löblich zu beweisen.Er will sich durch sich selbst und nicht durch Geld erhöhn;Nicht um ein leeres Amt und Hunger=Titel flehn.Er trachtet mit Vernunft die Feder so zu schnitzen,Damit er würdig sey die Ehre zu besitzen.Nach solchem Stolz und Ruhm, nach solcher Ehren=Bahn,Strebt ein bescheidner Geist und klug und weiser Mann.

Die Welt aft allen nach, sie prahlt mit falschen Steinen,Schleift Gläser; die gar oft als Diamanten scheinen.Der falschen Perlen Glanz vertrit der wahren Ort,Das rein und ächte Gold muß oftmals heimlich fort,Und glänzendes Metall an dessen Stelle kommen.Doch der Betrug wird bald von Kennern wahrgenommen.

Die wahre Ehre strahlt in ihrem eignen Licht,Da es der närrschen Welt an ächtem Glanz gebricht.Wer kan wohl ganz gewiß, mit Überzeugung schwören,Daß ihm der Adel=Brief und Wappen zugehören.Die Leute sagens wohl, der Vater glaubt es zwar,Doch lacht die Mutter oft, die ihn zur Welt gebahr.Wer weiß, welch geiler Kerl ein Neben=Bett gehalten?Es giebt ja Leute gnug die gern dieß Amt verwalten.Wer weiß, wie mancher Knecht die edle Frau geküßt,Von dessen Bauren=Blut das Kind entsprungen ist.Doch lassen sie sich mehr als Bürger=Kinder dünken,Die gleichsam als ein Koth vor ihren Nasen stinken.Die Ehrlichsten des Volks, die Würdigsten der Stadt,Und wer ein gutes Lob und Gunst und Liebe hat;Die heist man Bürger=Pack; man kan sie fast nicht leiden,Man sucht sie wie die Pest und sonst noch was zu meiden.Man fragt mit stolzen Mund im Umgang ganz genau:Ist das ein Cavalier? dieß eine gnädge Frau?Fällt dann die Antwort nein! so fragt man mit Erröthen;Wie kömt es? ist den Saul auch unter den Propheten?Die Ehre heiset mich auf meinen Adel sehn,Es schickt sich nicht vor mich mit Bürgern umzugehn.Ein Junker, der nichts mehr als seine Stute kennet,Worauf er in das Feld nach denen Haasen rennet,Und bricht mit seinem Witz in diese Worte aus:Poz Felten! o Charmant! Sie haben dort hinausVortreflichen Respect; ein Weib von solchen Saamen,Die nur von ihrem Vieh, von Wetter, Puz und RahmenIn der Gesellschaft spricht; ein Weib das herzlich lacht,Wenn ihr Bedienter ihr ein süsses Kurzweil macht;Ein Fräulein welche fast in Evens Kleide gehet,Und in der Ordens=Zunft der Minoritten stehet,Die sag ich, schimpfen noch die Würdigsten im Land,Und reden voller Hohn vom wackern Bürger=Stand.

Ist schon das Ritter=Gut durch ihre Pracht verschwunden,So hat der dumme Stolz doch noch sein Schloß gefunden.Wer nicht stets Gnädge Frau, und Ihro Gnaden spricht,Der wird als grobes Pack aufs ärgste ausgericht.Wenn sie das Sonnen=Licht mehr als die Eiche hitzet;Und man vor heiser Angst die kalte Tropfen schwitzet,Weil sie der Secten Schwarm der Manichäer plagt,Wenn gleich der Junkern Mund ganz unaufhörlich klagt:Herr Vater! ach mich dürst! ach gnädige Frau Mutter!Ich bitte nicht um Fleisch, um Kuchen, oder Butter,Ich bitt und flehe nur um schwarz und trocken Brod,Nur wie ein Finger groß, nur von gar wenig Loth.(Papa klingt viel zu schlecht: es heist, sprich: Ihro Gnaden!Wo nicht, so soll es dir an Brod und Kofend schaden.)So lassen sie doch nicht bey ihrem Pilgrims=StabVon solchen Narren=Stolz und Thoren Hochmuth ab.

Dieß reizt die Bürger an, die Ehre zu betrachten,Da sie doch ihren werth, durch solchen Trieb verachten.Ein Bürger, der das Mark aus Land und Bürgern sog,Der seinen frommen Herrn mit List und Schein betrog.Erkauft den Ritter=Stand, und läßt sich adlich nennen;Da ihn die Tugenden des Adels doch nicht kennen.(Das ist schon edel gnug, wenn ihn das Volk begehrt,Und spricht: Der ist getreu; der ist des Glückes werth:)Ein Bürger, welcher sich durch Korn und Haber messen,Durch ausgedehnte Ehl und Jüdische Intressen,Und durch den Pfeffer-Staub groß, reich und stolz gemacht,Wenn er nach Adel=Brief und Ritter=Wappen tracht;Ein Bürger, welcher sich nach Hunger=Titteln dringet,Durch seinen neuen Staat das alte Gut verschlinget;Und durch dieß Ehren=Thor in Noth und Schande fällt;Heist dieß der Ehre wohl vernünftig nachgestellt?

Ein Mann der einen Grad der Ehre kaum erblicketVerlangt, daß jeder sich aufs tieffste vor ihm bücket,Vermeint daß seine Ehr durch einen holden Trit,Durch Freund= und Höflichkeit nur Schimpf und Anstoß litt.

Verliehrt die Ehre sich durch Freundlichkeit und Güte?O nein! man sieht vielmehr, daß ein beliebt Gemüthe,Ein allzeit höflicher und Sittenvoller Geist,Fast aller Menschen Gunst und Liebe zu sich reist,Ein jedes rühmet ihn, und spricht zu seinen Ehren.Dieß, und kein stolzer Muth kan wahre Ehre mehren.

Ich weiß, es lacht mit mir die ganze kluge Welt,Wenn ein gebrüster Mann auf diesen Wahn verfälltSein Titel sey etwas, den er doch darum führet,Weil er die Gassen=Vögt und Bettler gubernieret.Ein Jubelier der sich von Feuersteinen nennt;Ein Commissarius, der wenn es etwa brennt,Die Spritzen ordnen darf; der Kiel und Feder führet,Wenn man ein Huren=Kind als ehrlich tituliret;Ein Kaufmann neuster Art, bey dem man alles findt,Und was denn wohl vors Geld? den allerschönsten Wind.Drey Büchsen voller nichts; vor acht und vierzig KreuzerZwey Quintgen fettes Schmalz aus dem Gebürg der Schweizer.Ein halb Pfund Mandelkern ein halber Zucker=Hut,Vier Stück Muscaten=Nuß, die alt, und folglich gut;Sechs Dachte, welche rein, und schön und auserlesen,Ein ganzes Schwefel=Pack, ein Dutzend gute Besen;Ein Mann der nur den Kiel vor Vormunds=Rechnung führt,Der seine Hauptmannschaft mit samt dem Schmauß verliehrt,Vor ein Philister=Rohr, vor Born und Wache sorget;Ein Mann der Hülfreich lauft wenn jemand Gelder borget,Die sag ich, fällt mir nicht ein jeder lachend bey?Die machen oft von sich ein groses Luft=Geschrey.So wohl beym Aufgeboth als Tod= und Leich=Gepränge,Erschallen überall der Titel grosse Menge:Davon ein jeder doch so schön und artig klingt,Daß einem bald vor Scherz der Bauch in Stücken springt.Sie können schon das Amt des Vomitivs verwalten,Ich muß, mir eckelt selbst, den Mund schon veste halten.

Dieß Volk ruft frech und stolz: Ich seh auf Ruhm und Ehr;Wo wüste sonst die Welt wie ich zu nennen wär;Ich fordre meinen Rang; denn wer nicht auf sich siehet,Und sich um Glanz und Ruhm und Ansehn nicht bemühet,Und nicht was auf sich hält, der wird auch nicht geacht,Ihm wird kein Compliment nach seinem Wunsch gemacht.

Wie sieht man nicht die Welt vor falscher Ehrsucht rasen?Drum klagt man, daß das Feld und Wald so leer von HaasenZu unsern Zeiten ist, dieweil man in der StadtDergleichen artig Vieh mit zweyen Füssen hat.

Die Ehre, vor der Welt bekannt und klug zu heisen;Der Ruhm, ein Zeitungs=Blat den Knaben aufzuweisen,Das ihren Nahmen meldt, lockt viele Thoren an,Daß sie ihr Hirngespinst, was der verderbte WahnIn ihre Feder flößt, so närrsch die Worte klingen,So Wiegenhaft es riecht, der Welt zu Markte bringen,Wie Lohrgen dort gefehlt; was Dorilis geschwazt;Wie Phillis ihrem Mann Aug, Mund und Bart zerkratzt;Was Strephon wiederfuhr, da er ein Kräutgen suchte;Wie scharf Luppinens Mund den falschen Buhlern fluchte;Was Thalon aufgesetzt, was jene Frau gewustDie bey der Wiege saß; wie stark der Floh gehußtAls Meister Stephans Sohn mit Fickgen Hochzeit machte;Was dort ein Wasserstrom ans Land getrieben brachte;Wie viel man Bücher hier in einem Jahr gedruckt;Wie viel Melintes Kraut und Pillen eingeschluckt;Wie viel es Mönche giebt, die weise Kutten tragen;Wie viel Partheyen sich im Schöppenstuhl verklagen,Obs recht, daß man das I an statt des Y setzt?Ob man die Reinigkeit der Sprache nicht verletzt?Wenn man, wie oft geschieht, das Wort Gemüthe schreibet,So, daß das liebe H darbey zurücke bleibet.

Wenn dieß der Feder=Held, wenn dieß der Criticus(Der Nahme macht schon Angst wenn ich ihn nennen muß.)Hat aufs Papir geschmiert, und in die Welt gesendet,(Daß jeder kluger sieht, wie sein Verstand verblendet)Und manchen Drucker reich, sich aber arm gemacht,Und seinen Nahmen nun auf manchem Blat betracht,So lacht er über sich, daß er in Süd und Norden(Durch seinen Unverstand,) bekannt genug geworden.Es freuet sich sein Geist wenn Kind und Pöbel spricht:Das ist ein kluger Mann! desgleichen ist wohl nicht!Gelehrte sagen auch, wo ist wohl seines gleichen?Wo wird ein kluger leicht des Narren Sinn erreichen?Vor Freuden bildt er sich (der Wahnwitz giebts ihm) ein,Er muß ein Journalist und Polyhistor seyn;Und zwar der Wichtigste; er saget allen Leuten,So muß man sich den Weg zu Ehr und Ruhm bereiten!Nur diesen streb ich nach, und unterdrucke nichtDie Regung die in mir durch Mark und Adern bricht.Er jauchzet, wenn er sieht, daß seine schöne Sachen,Die man zu Käsen braucht, die Leute lachend machen,Und wenn ein trunkner Mund, der nach der Pfeife stinkt,Bey einem Glaß voll Bier, sein Stückgen ließt und singt.

Wie manches Zuchthaus ist vor liederliche Vetteln,Die nur aus Müssiggang ihr Brod zusammen betteln,Verordnet und gebaut. Allein ist keins zu sehn?Das denen Hülfe schaft, die sich so thörigt blöhn.Wer weiß, wenn Pallas selbst die Züchtgung auf sich nähme,Ob der verlohrne Witz nicht etwa wieder käme?Doch nein, Minerva bleibt auf ihrem Helicon,Was soll sich ihre Hand mit Midas theuren Sohn,Mit Pans Geschlecht und Brut erhitzen oder schlagen?Wer nicht will weise seyn, der mag die Schellen tragen.Es muß der Unterschied in jeden Sachen seyn,Dieß trift auch ebenfals bey diesen Leuten ein;Pan liebt der Stümper Schaar; Apollo ist gerechter,Der straft sie, und wormit? mit ewigem Gelächter.

Wer ist wohl der sich nicht vor den Franzosen scheut?Doch unser Jungfervolk setzt diese Furcht beyseit,Und glaubt aus hohem Geist und voller EhrbegierdeDie Sprache dieses Volks erhöhte ihre Zierde.So löblich jedes Volk auf seine Sitten hält;So wohl ihm seine Zucht und ganzes Thun gefällt,Haßt doch das Jungfervolk der sonst berühmten DeutschenDie Titel ihres Lands: Sie lassen sich ehr peitschenEh sie den neuen Brauch der Franzen Titel fliehn.Wo sieht man Jungfern jezt von Müttern auferziehn?Nur Mademoisellen sind zu unsrer Zeit zu kriegen.Soll denn in diesem Wort mehr Glanz und Ehre liegen?O falsche Ehr und Ruhm! klingt Jungfrau nicht so schönAls Mademoisell? Wie soll ich das verstehn?Daß man sich dieses Worts und schönen Titels schämet,Und seines Nahmens Glanz mit fremden Gold verbrämet.Wär der in Spanien sonst übliche TributBey uns jetzt im Gebrauch, das wär fürwahr nicht gut.Man könte warlich nicht die Zahl der Jungfern stellen:Warum? Wir haben nichts als lauter Mademoisellen.

* * *

Corintho ist verbrannt; Corintho ist verstöhrt;Sie ist in Schutt und Stein in Asch und Staub verkehrt.Der Reichthum, Stolz und Pracht, ihr herrliches Vergnügen,Sieht unter diesem Schutt so mancher Pilgrim liegen.Ihr Grabmaal stellet uns noch ihren Abschied vor:

Mein Wandrer! wer du bist, mein Ansehn und mein Flor,Mein schön und herrliches, und höchst vergnügtes Leben,Hat mir den Untergang und Aschen=Gruft gegeben.

Corintho wär verwüst! wendt Lucifer bald ein.Nein! nein! ihr Ebenbild wird noch zu finden seyn.Ein Phönix stirbt zwar wohl, jedoch sein Aschen=HügelBringt einen andern vor, der stark und frische Flügel,Und neue Kräfte hat. So giengs auch dieser Stadt;Ihr Staub, der in der Welt sich ausgetheilt hat,Und sich durch Nas und Haupt und Hirn hindurch gedrungen,Hat nun der Deutschen Sinn nach meinem Wunsch bezwungen;So, daß nun manche Stadt Corintho Trieb erlangt,Daß sie im Todte noch durch ihre Laster prangt.Büß ich Corintho ein, ist sie nicht mehr vorhanden,Was schadts! aus ihrem Staub ist manche Stadt entstanden.Ich, ich, als ein Monarch, spricht Lucifer noch mehr,Ich finde nicht allein bey Mächtigen Gehör;Nein auch bey denen selbst, die nur in Hütten leben,Bey denen die aus Noth sich in den Dienst begeben,Die sich von Stahl und Blut, die sich vom Fremden Raub;Die sich von fauler Milch; die sich vom Pfeffer-Staub;Die sich vom Herings=Schwanz von Oel, von Salz und Butter;Die sich von Ehl und Zwirn und Hosen=Unterfutter;Die sich von Korn und Vieh; die sich von Zeitungs=Wind,Und was ihr freyes Maul erzehlet und erfind;Die sich von alle dem und andern Sachen nehren;Die zu dem Niedrigsten in Stadt und Land gehören;Die sinds, die meine Stadt Corintho auferbaut,Und die mein Angesicht, als Reiches Säulen schaut.

Wie Nero dort auf Pracht und Wollust viel gewendet,Und wie Cleopatra den grösten Schatz verschwendet;Wie sich die Jesabel gezieret und geschmückt;Dieß wird bey Adlichen und Bürgers=Volk erblickt.Die wollen jezt an Pracht und zärtlichen Geberden,An stolz und fetten Tisch den Größten ähnlich werden.

Da Jacobs Saamen noch des Stiftes Hütte sah,Da unter Knall und Glut der Allmacht Wort geschah,Da war die Demuth noch das Augenmerk der Grosen,Es suchte jederman um ihr Gewand zu losen.So hoch, so königlich, so frey das Volk regiert,So viel es Seegen auch an Zeitlichen verspührt,So wurde doch ihr Leib nicht prächtig eingehüllet,Die Lippen wurden nicht mit Leckerey erfüllet,Scharlachen, Rosinroth, das war von ihnen fern,Sie widmeten es nur zum Heiligthum des HErrn.Das beste ihrer Kost, das niedlichste der Speise,Verehrten sie dem HErrn, zu seinem Hohen Preise.Ihr Freud, ihr Ehren=Mahl bestande nur indem,Was die Natur gezeugt, was der Natur bequemGesund und dienlich war; ein Stückgen guter Semmel;Ein Stück vom jungen Kalb; ein Stück von fetten Hemmel;Ein Kuchen, den die Frau auf nette weise buck;Ein Wildpret, das der Mann selbst in die Küche trug,Das zierte Haus und Tisch; sie haßten Lecker=Sachen,Die das Geblüte schwer die Sinne trunken machen,Und was das Leben sonst betrübt verkürzen kan.Sonst lebte manches Weib, sonst lebte mancher MannIns höchste Alterthum. Jezt muß er früh bey Jahren,Durch Mißbrauch seines Guts ins Reich der Todten fahren;

Wohin mein Genius? du führst mich durch die LuftNach Rom, wo dein August in seiner Marmor=GruftIn Lorber=Reisern schläft. Er regt sich! seine GliederBeleben sich aufs neu; sein edler Geist kömmt wieder.Er ruft uns freundlich zu: Ich sprach zu meinem Kind:Weil stolzer Kleider=Pracht der Hoffart Fahnen sind,Und von der Schwelgerey ein freyes Zeugnis geben,O! so gewöhne dich dem stets zu widerstreben.Ich gieng ihr und dem Volk mit meinem Beyspiel für,Ich unterdrückte stets die lüsterne Begier.Ein wohlgewachsen Kraut, das die Natur getrieben;Ein Mahl von lieblichen und wohlgebratnen RübenWar damahls meinem Mund und Magen süß und schön,Und niemand suchte mich deswegen zu verschmähn,Indem mein Ansehn, Ruhm und Ehrfurcht, Ehr und Liebe,Doch allezeit darbey in vollem Glanze bliebe.Wie glücklich war die Zeit, in welcher ich regiert;Wie glücklich war ich nicht, da ich den Thron geziert;Bestieg ich jezt den Thron; wie würd man mich verlachen,Und manchen Hohn=Gesang aus meiner Tugend machen?Der Ritter höhnte mich nebst jedem Bürger aus,Man spräch mit gröstem Spott: Hält der so sparsam haus?Will der kein zartes Kleid an seinem Leibe tragen?Sich nicht in schönem Stoff, in Sammt und Purpur schlagen?Drum wohl mir, daß ich jezt in meiner Kammer ruh.Ich laß die Welt und schließ die Augen wieder zu.

So hoch als unsre Zeit an schön galanten Lügen,An Wissenschaft und Kunst und Treflichkeit gestiegen,So viel Geheimniß man ergründet und entdeckt,So sehr wird der Verstand im Gegentheil versteckt,Wenn man so Geist als Leib dem Stolz und Pracht ergiebet,Der Eltern Schweiß verpraßt, und die Verschwendung liebet.Heist das wohl mit Vernunft des Glückes Pfund genützt,Wenn man ein güldnes Bild an Thür und Wagen schnitzt?Der Diener Kleider=Stoltz durch reiche Dressen mehret?Auf Fürsten Betten schläft, auf Prinzen Kutschen fähret?Die Bilder geiler Zeit, die Götter alter Welt,Gar oft zur Aergerniß, in Gäng und Gärten stellt?Allwo die Wasserkunst das Geld so gar verspritzet,Wo mancher Aff und Bär an statt des Wächters sitzet.Heist das wohl mit Vernunft das Erbtheil angelegt,Wenn man das, was man sieht in seine Gärten trägt,Und sich ein Labyrinth zur Pracht mit Schulden gründet?Da man den Eingang wohl; doch nicht den Ausgang findet?Heist das wohl klug gethan, wenn man Saal, Zimmer, HausMit aller Kostbarkeit, biß an das Dach heraus,Die Welschland, Gallien und Indien uns schicket,Aufs allerprächtigste bekleidet, ziert und schmücket?Die Zimmer übrig füllt; die Beutel aber leert?Und eine bunte Wand als einen Götzen ehrt?Sucht wohl die Tugend uns zu diesem anzulocken,Daß man den Glieder=Bau wie stolze Kinder=DockenAuf lächerliche Art und Vielfach prächtig kleidt?

Da Adam und sein Weib die grose HerrlichkeitIm Paradieß verlohr, da trugen sie, ach leyder!Zum Zeugniß ihres Falls, ein Fell an statt der Kleider.Kein Dieb prangt mit dem Strick, der seinen Hals umschlug,Selbst Eva schämte sich da sie die Kleidung trug.Wir aber lassen uns so sehr den Kopf verrücken;Wir prangen höchst vergüngt mit unsern seidnen Stricken,Die unsrer Eitelkeit und Thorheit Zeugen seyn.Flößt dieses die Vernunft; giebt dieß die Tugend ein,Daß man den Leib fast stets als zum Triumphe schmücket,Die Kleider reich mit Gold und Silber übersticket,Und kostbar ausstaffirt? daß man nach höchster PrachtDie Kleider schön von Zeug und auf das feinste macht?Daß man den Überfluß so gar auch nicht vermeidet,Sich wo nicht wöchentlich, doch vierteljährig kleidet;Sich selbst zum Räuber wird; sich diebisch selbst bestiehlt,Biß daß man endlich Schimpf, Noth und Verachtung fühlt.

Wie thörig ist es nicht, wenn stolze Geister denken,Als könnt ein kostbar Kleid mehr Furcht und Ehre schenken,Wirst du ums Kleide wohl vor andern mehr geliebt?Meinst du, daß dir das Glück darum was grössers giebt?Verbessert sich dein Stand um deines güldnen Degen,Um deines stolzen Kleids und güldner Zwickel wegen?Geh! prange wie du wilst, in einem ofnem Saal;Stolziere wie du wilst, by einem Freuden=Mahl,Dein Stand, und nicht dein Kleid wird dir den Vorsitz geben.Das Kleid kan nicht den Mann, wenn er nichts gilt, erheben;Der Mann giebt nur allein dem Kleide Glanz und Zierd,Wenn er die Tugenden in Wort und Wercken führt.

Trät Ahasvers Gemahl jezt unter unsre Frauen,Was würde nicht ihr Aug vor Pracht und Hoffart schauen!Ich weiß es spräch ihr Mund: Ich trug mein Königs-KleidNiemahls zur Lust und Pracht, und bloß zu solcher ZeitWenn ich als Königin im Schmuck erscheinen muste,Weil man da nichts von Pracht und stolzem Aufputz wuste.Jezt stellt das Frauenvolk sich auch den grösten gleich;Macht Mann und Kinder arm, die Krämer aber reich;Sammt, Pelzwerk, theurer Stoff, und breit und stolze Dressen,Band, Spitzen, Leinewand, was Fürstliche PrinzessenNur auszuschmücken pflegt, was ihnen bloß gebührt,Kauft jede Edel=Frau, die sich mit solchen ziert;Dieß ist der Schmuck in den sich Bürger=Weiber schlagen;Dieß ist der Schmuck den gar der Zünfte Weiber tragen.Kein modenhaftes Stück kömmt von der Seine her;Kein theures Zeug bringt man vom Po und Mittel=MeerUnd von der Themse=Strohm, das Weib gaft schon nach allen,Und solte auch der Preiß aufs allerhöchste fallen.Was sonst ein vornehm Weib im ganzen Kleid verthat,Das ist anjezo kaum der Kopf= und Spitzen=Staat.So prächtig war sonst nicht ein adlich Haupt geschmücket,Als man anjezt den Fuß der Bürgerin erblicket.

Im Stand nimmt man nicht nur die Ordnung nicht in acht;Er wird im Alter auch gewiß sehr schlecht betracht;Ein Weib, das fast so alt, als wie die graue Sare;Das kaum auf ihrem Haupt ein Dutzend weise HaareUnd einen hohlen Zahn in ihrem Munde trägt;Da jede Runzel sich in tiefe Falten legt,Das Kind und Kindes=Kind als Grose=Mutter ehren;Das will doch noch die Zahl der Hoffarts=Narren mehren;Dieß geht oft noch so bunt und prächtig ausgeschmückt,Als man die Töchter kaum und Kindes=Kind erblickt.Von Rückwärts könte wohl ein Jüngling leicht verfehlen,Und eine sechzige vor sechzehnjährig wehlen.Sie dörften warlich nicht beym Felsenburgern stehn,Wo die Matronen nur modest und erbar gehn,Hingegen aber das, was jung und munter heiset,Sich eines hellen Zeugs und bunten Kleids befleiset.

Wär Davids Fürsten=Kind, die Thamar jetzt allhierUnd sie verlöhre sich: O mein! wo würden wirSie unter unserm Volk und Frauenzimmer finden?Die meisten pflegen sich in Röcke einzuwindenDie Thamars Fürsten=Rock gar gleich und ähnlich sind.Wo sich ein bunter Stof von theurem Wehrte findtDarein verhüllt man sich; man sticket goldne Stöcke,Und Silber=Muschelwerk, und Blumen in die Röcke,Daß mancher, der es sieht die närrsche Meinung hegt,Es sey ein Fürsten=Kind das solchen Aufputz trägt.Man kan jezt adliche und bürgerliche FrauenIm Pracht und Kostbarkeit als Prinzeßinnen schauen.

O Schade! daß doch nicht die kluge Vorsichts=HandEuch gleichen herrlichen und hocherhabnen Stand,Der Hoffart gnug zu thun, in dieser Welt bestimmet,Weil doch ein solches Feuer in euren Herzen glimmet.Was vor ein herber Schmerz und bittre Seelen=Pein,Muß dieses eurem Stolz und blinder Hoffart seyn?

Jedoch nur unverzagt! wer weiß wie sichs verkehret,Ob euch die Ehre nicht auch einmal wiederfähret,Die jenem Bauersmann auf Tag und Nacht geschehn.

Man sagt es könte sich die Erde täglich drehn;So oft auch dieß geschieht, so hat der Moden SittenDoch diesen Erden=Klump im Wechsel überschritten.Wie oft verkehrt man nicht die Mod= und Kleider=Tracht?O! würde sie nur nicht auch närrischer gemacht!Die Haare werden nicht mehr zierlich aufgekräuset,Man meint, es läßt galant, wenn man sie hangend weiset.

Ihr Schönen! seht euch vor, weil, wie die Rede geht,Ein merklicher Proceß im Schöppenstuhl entsteht.Es heist, das Schäfervolk wär klagend eingekommen,Man hätt von ihrer Heerd die Hunde weggenommen,Und mit dem Budel=Fell die Häupter ausgeziert.Drum seht euch vor; vielleicht, daß ihr das Recht verliehrt;Die Schäfer dringen drauf, sie wollen was gestohlenVon euren Häuptern selbst mit Nachdruck wiederhohlen.Drum so vertraget euch mit einem gütgen Sinn,Und gebt das Budel=Fell den Schäfern wieder hin.

Was vor Veränderung ist doch mit Stirn und WangenDer Schönen biß daher so öfters vorgegangen?Ja unser Frauenvolk gönnt nicht dem Firmament,Daß Sonne, Mond und Stern an solchem feurig brennt;Drum lassen sie sich auch in ihrem Kopfe deuchten,Es müß die kleine Welt mit gleichen Fackeln leuchten.Drum wird aufs Angesicht als auf ein freyes Feld,Auch Sonne, Mond und Stern zum Zierath aufgestellt.Wenn jener Lichter Schein auf blauen Grunde strahlet;So wird der untern Glanz auf weisen Grund gemahlet.Und weil die Obersten nur vor die Nacht bestimmt,Indem ihr heller Glanz die Finsterniß benimmt.(Dieweil dem lichten Tag kein solcher Glanz vonnöthen.)So nimmt und schneidet man dergleichen Welt=PlanetenVon schwarzen Taffend aus, und fragt wohl: läßts nicht schön,Wenn Sonne, Mond und Stern im Angesichte stehn?

Vielleicht befürchten sich jeztunder unsre Schönen,Das Mannsvolk möchte sich nach Perser=Art gewöhnen.(Denn dieser schickt vorher zu der erkohrnen BrautDie nächste Freundin hin, die sie mit Fleiß beschaut,Ob sie vollkommen ist. (Denn bey den AmazonenWird wohl kein Mannesbild so leicht nicht wollen wohnen.)Drum zeigt das Frauenvolk vollkommen aufgedeckt,Daß keine Amazon' in ihrer Schnürbrust steckt:Und folglich man auch nicht die schöne Weiber=GabeNach Persischem Gebrauch erst zu erforschen habe.

Man thut in diesem Stück den Schönen auch zuviel,Als ob denselbigen die Sorgfalt nicht gefiel.Man hört und siehet ja wie sie vom frühen MorgenBiß auf die Abend=Zeit vor das so mühsam sorgen:Was auch so gar versteckt, und nicht ins Auge fällt.Allwo der Unterrock den ersten Platz behält.Das Knie-Band folget nach. Wer hats euch denn gepfiffen,Es würd nach selbigen gesehn, wohl gar gegriffen?Wer kan denn vor das Spiel! man thut, was dieß gebeut!Wer kan denn vor den Scherz und vor Geschwindigkeit!Um nun das schöne Lob der Reinlichkeit zu hören,So sucht man alles dieß mit Schönheit zu vermehren.

Ich weiß warhaftig nicht woher es weyland kam,Daß eine Frau das Band von Bachi Throne nahm,Um einen neuen Thron, worauf sie könte sitzen,Zu bauen, und zugleich die Arm zu unterstützen.Das Schicksaal führte sie mit samt dem neuen ThronZu einem Musen=Sitz, woselbt sich Bachi SohnVor andern sonderlich im Schreyen hören liese.Doch als ein Schnorren=Schwarm auf Bachus Brüder stiese(Und man sich vor dem Feind durch eine Freystadt schütztDer zornig wieder uns mit Stahl und Eisen blitzt)So rief dieß tapfre Weib: Nur unverzagt und munter!Hier ist mein Reifrock! eilt! und kriechet alle unter!Der soll vor Wach und Schnorr und sonst geheime PeinDer allerbeste Schutz und sichre Freystadt seyn.Die Pursche ruften hoch! und schrien mit grosen Schalle:Wir bitten flehentlich: Ihr schönen! leget alleDergleichen Röcke an. Wir wollen wieder sehn,Wie wir zur andern Zeit euch wo zu Dienste stehn.Gesucht, gewünscht, geschehn. Wer nur galant wolt heisen,Der muste sich alsbald auf diese Tracht befleisen.Die Gassen kamen drauf darwieder klagend ein,Sie würden fernerhin nicht breit und räumlich seyn,Sie wandten klüglich für: Die Weite würde ihnen,Den Jungfern nehmlich selbst, noch mehr zum Schaden dienen:{StuffenWeil ein zu weiter Rock an alle {Ecken stößt,So reißt die Seide auf daß sich der Faden lößt,Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet.Die Männer fielen bey: Die Mode widerstehetDer Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordemZu Putz und Nothdurft trug, wird dadurch unbequem,Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet:So nimt man denn zwey Stück, woraus man eines schneidet.Da heist es: Männgen! thu zum neuen Kleider=KaufNur ohne Widerspruch den Beutel willig auf.Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?


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