Rückkehr und Rückblicke.
Rückkehr und Rückblicke.
Zweimal auf der Rückfahrt faßte mich die See mit rauhen Händen an. Das erste Mal, da ich auf der „Persia“ eingeschifft noch im Golfe von Aegina schwamm, gab es eine rollende Nacht, die erst der Morgen in Syra, wo ich mich ausschiffte, zur Ruhe brachte; das andere Mal war es im adriatischen Meere ein Sturm, den ich begehrt, aber so wild begehrt hatte, daß er unser Boot, den „Vulkan“, zurück verschlage bis in das goldene Horn. Leider, so lärmend er tobte und Alles auf dem Schiffe durcheinander warf, konnte er es dem Dampfer nur um so viel wett machen, daß wir verzögert um einige Stunden in dem Triester Hafen anlangten. Es war ein Widerwilliger, der wieder den heimathlichen Boden betrat, und jetzt, da ich am 20. September im oberösterreichischen Gebirgslande vor dem Gmundener See dieses Buch schließe, will mich fortwährende Sehnsucht zurück nach den Ufern des Bosporus und den Hügeln des goldenen Hornes verzehren. Der Vollmond legt sie mir in’s Herz, der mit Allgewalt die angesammelten Erinnerungen weckt. Lausche ich ihnen nur einen Augenblick, so sehe ich die tief eingeschnittene Bucht von Bujuk-Dere wieder, Schiffe darauf, die leise bewegt im Mondeslicht geisterhaft schwanken, im Hintergrunde der Bucht einen schwarzen Schattenriß, die riesige Platane Gottfrieds von Bouillon, in Therapia krönende Pinien, und gegenüber auf Asiens Küste runde wellige Hügel, und sehe mich selbst, einen Busch duftiger Blumen und Kräuter in den Händen, die betäubend riechen und mit den fremden Gerüchen auch fremde Eindrücke geben. Die Erinnerung waltet den Zauber ihres ganzen schöpferischen Dichteramtes; was überflüssig dem Bilde hat sie vergessen und nur das Wesentliche, das Schöne dem Gedächtnisse behalten.