The Project Gutenberg eBook ofEin St.-Johannis-Nachts-TraumThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Ein St.-Johannis-Nachts-TraumAuthor: William ShakespeareTranslator: Christoph Martin WielandRelease date: January 1, 2005 [eBook #7264]Most recently updated: December 30, 2020Language: GermanCredits: This eBook was produced by Delphine Lettau*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN ST.-JOHANNIS-NACHTS-TRAUM ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Ein St.-Johannis-Nachts-TraumAuthor: William ShakespeareTranslator: Christoph Martin WielandRelease date: January 1, 2005 [eBook #7264]Most recently updated: December 30, 2020Language: GermanCredits: This eBook was produced by Delphine Lettau
Title: Ein St.-Johannis-Nachts-Traum
Author: William ShakespeareTranslator: Christoph Martin Wieland
Author: William Shakespeare
Translator: Christoph Martin Wieland
Release date: January 1, 2005 [eBook #7264]Most recently updated: December 30, 2020
Language: German
Credits: This eBook was produced by Delphine Lettau
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This eBook was produced by Delphine Lettau
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Ein St. Johannis Nachts-Traum
William Shakespeare
Übersetzt von Christoph Martin Wieland
Personen:Theseus.Egeus.Lysander.Demetrius.Philostratus.Hippolita.Hermia.Helena.Squenz.Schnok.Zettel.Flaut.Schnauz.Schluker.Vorredner.Löwe.Mondschein.Pyramus.Thisbe.Oberon, König der Feen.Puk.Titania, die Königin.Feen.Spinneweb.Senfsaamen.
Die Scene ist in Athen, und einem Wald nicht weit davon.
Erster Aufzug.
Erster Auftritt.(Des Herzogs Pallast in Athen.)(Theseus, Hippolita, Philostratus und Gefolge, treten auf.)
Theseus.Nun nähert sich, Hippolita, die StundeDie unser Bündniß knüpft, mit starken Schritten.Vier frohe Tage bringen einen andern Mond.Doch o! wie langsam, deucht mich, schwindetNicht diese alte Luna! Sie ermüdetMein sehnend Herz, gleich einer allzuzähenStiefmutter oder Wittwe, die zu langAn eines jungen Mannes Renten zehrt.
Hippolita.Schnell werden sich vier Tag' in Nächte tauchen,Vier Nächte schnell die Zeit vorüberträumen;Dann wird der Mond gleich einem SilberbogenNeu aufgespannt im Himmel, auf die NachtDie unsre Liebe krönt, herunter winken.
Theseus.Geh, Philostrat, und ruffe durch AthenDie Jugend auf zu Lustbarkeiten! weckeDen leichten muntern Geist der Frölichkeit.Die blasse Schwermuth sey zu Leichen-Zügen,Wozu sie besser taugt, von unserm Fest verbannt!Hippolita, ich buhlte mit dem SchwerdtUm dich, und unterm Lerm der wilden WaffenGewann ich deine Gunst; doch froher sollMit Pomp, Triumph und mitternächtlichen SpielenDer Tag, der uns vermählt, begangen werden. (Egeus, Hermia,Lysander und Demetrius treten auf.)
Egeus.Glüklich sey Theseus, unser grosser Fürst.
Theseus.Dank, edler Egeus! was bringst du uns Neues?
Egeus.Voll Unmuth komm ich, Fürst, mit Klagen überMein Kind, mit Klagen über Hermia—trittHervor, Demetrius!—dieser Mann, o Herr,Hat meinen Beyfall, sie zur Eh zunehmen—Lysander, steh' hervor! Und dieser MannHat meines Kindes Herz bezaubert. Ja du,Lysander, du, du gabst ihr Reime,Und wechseltest verstohlne LiebespfänderMit meinem Kinde. Falsche BuhlerliederSangst du beym Mondschein mit verstellter StimmeVor ihrem Fenster ab, und hast durch BänderVon deinen Haaren, Ringe, Trödelwerke,Durch Naschereyen, Puppen, BlumensträusseDen Abdruk ihrer Phantasie gestohlen.Durch Ränke hast du meiner Tochter HerzEntwandt und den Gehorsam, welchen sieMir schuldig ist, in WiderspenstigkeitUnd schnöden Troz verkehrt. Wofern sie also,Mein königlicher Herr, nicht hierVor Eurer Hoheit sich bequemen will,Dem Mann, den ich erkohr', die Hand zu geben;So sprech ich hier der Bürger von AthenUraltes Vorrecht, und die Freyheit an,Mit ihr als meinem Eigenthum zu schalten:Und diß wird seyn, sie diesem Edelmanne,Wo nicht, dem Tod zu überliefern, wieIn einem solchen Fall der Buchstab' des GesezesAusdrüklich lautet—
Theseus.Was sagt HermiaHiezu? bedenke dich, mein schönes Kind!In deinen Augen soll dein VaterEin Gott, der Schöpfer deiner Schönheit, seyn.Mit ihm verglichen, bist du nichts als eineVon ihm in Wachs gebildete Figur,Die er, nachdem es ihm beliebt, erhebenUnd wieder tilgen kan. Demetrius istEin würdiger Edelmann.
Hermia.Das ist Lysander auch.
Theseus.Er ist es an sich selbst,Doch da ihm deines Vaters Stimme mangelt,So ist der andre würdiger anzusehen.
Hermia.O! daß mein Vater nicht mit meinen Augen sieht.
Theseus.Weit besser wär' es, deine Augen sähenMit deines Vaters Klugheit.
Hermia.—Eure HoheitVergebe mir. Ich weiß nicht, welche MachtMir diese Kühnheit eingehaucht, noch wieVor so viel Augen, meine SittsamkeitSich überwinden kan, für meine NeigungDas Wort zu nehmen. Aber, meldet mir,Mein Herr, das schlimmste, das mich treffen kan,Wenn ich mich weig're diesen Mann zu nehmen.
Theseus.Den Tod zu sterben, oder LebenslangDie männliche Gesellschaft abzuschwören.Befrage also deine Neigung, Hermia!Bedenke deine Jugend; Ist dein BlutSo kühl, und hast du, wenn du deines VatersBeschloßner Wahl dich nicht ergeben willst,Auch Muth genug, auf ewig eingeschleyertIn eines öden Klosters trübe SchattenVerschlossen, eine unfruchtbare SchwesterDein Leben hinzuleben; traurige HymnenDem kalten Mond entgegenächzend—Dreymal beglükt, die, ihres Blutes Meister,Solch' eine keusche Pilgrimschaft bestehen!Doch irdischer glüklich ist die abgepflükte Rose,Als die am unvermählten Stoke welkendIn einzelner Glükseligkeit, von niemandGesehen, ungenossen, wächßt und blüht und stirbt.
Hermia.So will ich wachsen, so verblüh'n und sterben,Mein Königlicher Herr, eh meine FreyheitDem Joch des Manns sich unterwerffen soll,Deß unerwünschte Herrschaft meine SeeleNicht über sich erkennt.
Theseus.Nimm dir Bedenkzeit,Und auf den nächsten Neuenmond, den TagDer durch Hippolita mich glüklich macht,Bereite dich, nach deines Vaters WillenDich dem Demetrius zu ergeben; oderDurch deinen Tod des Ungehorsams FrefelZu büssen; oder an Dianens AltarDes Klosterlebens strenge Pflicht zu schwören.
Demetrius.Erweiche, Schönste, dich; und du Lysander,Tritt deinen schwachen Anspruch meinem stärkern RechteFreywillig ab—
Lysander.Du hast, Demetrius, ihres Vaters Liebe,Laß du nur Hermias mir; heurathe ihn!
Egeus.Ja, hönischer Lysander, es ist wahr,Er hat sie, meine Liebe; und was mein ist,Soll meine Lieb' ihm geben; sie ist mein,Und all mein Recht an sie trett' ich Demetrio ab.
Lysander.Ich bin so edel als wie er gebohren;Ich bin so reich als er, und liebe mehrAls er; mein Glüke blüht an jedem Zweige,So schön als seines, um nicht mehr zu sagen;Und was diß alles dessen er sich rühmetAllein schon überwiegt, mich liebt die schöne Hermia.Und sollt ich denn mein Recht nicht durchzusezen suchen?Demetrius, ins Gesicht behaupt' ichs ihm,Bewarb sich kürzlich noch um Nedars TochterDie schöne Helena, und gewann ihr Herz.Izt schmachtet sie, die sanfte Seele! schmachtetBis zur Abgötterey um diesen falschenTreulosen Mann—
Theseus.Ich muß gestehenDaß ich davon gehört, und mit DemetriusDavon geredt zu haben, mich beredet;Doch eigne Sorgen machten's mir entfallen.Kommt ihr indeß, Demetrius und Egeus,Ich hab euch beyden etwas aufzutragen,Das mich sehr nah' betrift. Du aber, Hermia,Sieh' zu, soll anders nicht die ganze StrengeDer Sazung von Athen, die ich nicht schwächen kan,Dich treffen, daß du deine SchwärmereyDem Willen deines Vaters unterwerffest.Wie steht's, Hippolita?* Komm, meine Liebe!Demetrius, und Egeus folget mir!
{ed.-* Hippolita hatte diese ganze Zeit über nicht ein einziges Wort gesprochen. Hätte ein neuerer Poet das Amt gehabt, ihr ihre Rolle anzuweisen, so würden wir sie geschäftiger als alle andre gefunden, und zweifelsohne möchten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewußte besser was er zu thun hatte, und beobachtete das Decorum. Warbürton.}
(Sie gehen ab.)
Zweyter Auftritt.(Lysander und Hermia bleiben.)
Lysander.Wie? meine Liebe? wie ist deine WangeSo blaß? warum verwelken ihre Rosen?
Hermia.Vielleicht weil sie des Regens mangeln,Woraus ich aus den Wolken meiner AugenSie reichlich überthauen könnte.
Lysander.Hermia; so viel ich in Geschichten las,Und aus Erzählung hörte, floß der StromDer wahren Liebe niemals sanft dahin.Entweder hemmte ihn des Standes, oderDer Jahre Abstand, oder WiderwilleDer Anverwandten; und wenn ja die WahlDer Liebenden durch ihre SympathieBeglükt zu seyn versprach, so stellte sichKrieg, Krankheit oder Tod dazwischenUnd macht' ihr Glük vergänglich wie der Schall,Flüchtig wie Schatten, kurz als wie ein Traum,Vorüberfahrend wie der helle BlizIn einer schwarzen Nacht, der Erd und HimmelIn einem Wink enthüllt, und eh noch einer Zeit hatZu sagen: Sieh! schon von dem offnen SchlundeDer Finsterniß verschlungen ist.So eitel sind die Dinge, die am schönsten glänzen!
Hermia.Wenn denn getreue Liebe jederzeitDurch Wiederwärtigkeit geprüfet wurde,Und diß der feste Schluß des Schiksals ist;So laß uns unsre Prüfung mit GeduldBesteh'n, weil Widerwärtigkeit und LeidenEin eben so gewöhnlichs ZugehörDer Liebe ist, als Staunen, Träume, Seufzer,Wünsche und Thränen, das gewöhnlicheGefolg der liebeskranken Phantasie.
Lysander.Ein guter Glaube! Höre mich dann, Hermia.Nur sieben Stadien von Athen entferntWohnt eine meiner Basen, reich, verwittwet,Und kinderlos. Sie hält und liebet michWie ihren eignen Sohn. Dort, schönste Hermia,Dort kan ein ewig Bündniß uns vereinen,Und bis dorthin kan auch Athens GesezUns nicht verfolgen. Liebest du mich also,So schleiche morgen Nachts aus deines Vaters HauseDich weg, in jenen Wald, nah' bey Athen,Wo ich dich einst mit Helena gefunden,Als ihr des ersten Maytags Ankunft feyrtet.
Hermia.Ach! mein Lysander!
Lysander.Zaudert Hermia?—
Hermia.Nein!Bey Amors stärkstem Bogen schwör ich dir,*Beym schärfsten seiner goldgespizten Pfeile,Lysander, bey der unschuldvollen EinfaltDer Dauben, die der Venus Wagen ziehen,Beym Feuer das Carthagos KöniginVerzehrte, da sie mit geblähten SeegelnDen ungetreuen Troyer fliehen sah;Bey dem was Seelen an einander küttet,Bey jedem Schwur, den je ein Mann gebrochen,Bey mehr als Mädchen jemals ausgesprochen;An jenem Plaz, im Schatten jener Linden,Sollt du mich zur bestimmten Stunde finden.
{ed.-* Der Dr. Warbürton fand, daß Hermia sich zu schnell, und was das schlimmste ist, auf den ersten Antrag, durch eine Reihe von Eyden verbinde, mit dem Lysander davon zu lauffen. Er glaubt, daß Shakespearenicht fähig gewesen einen solchen Fehler zu machen, und schreibt also allen alten und neuen Ausgaben unsers Dichters zuwider, diese schöne Rede: (Bey Amors stärkstem Bogen,) u.s.w. dem Lysander, und nur die zween lezten Verse der Hermia zu. Meine Empfindung widerspricht hier den Vernunftschlüssen des Kunstrichters. Ich finde eine solche Weiblichkeit in dieser Rede, daß sie mit Anständigkeit nur von Hermia gesagt werden kan. Empfindende Leserinnen mögen den Ausspruch thun. Damit aber doch das von Warbürton in dem Text vermißte Decorum gerettet werde, habe ich nach seinem Beyspiel die Freyheit gebraucht, auf die Worte Hermias, (my good Lysander), den Lysander sagen zu lassen: Zaudert Hermia? welches er im Englischen nicht sagt. Worauf dann Hermia, als ob sie sich recolligire, erwiedert: Nein! bey Amors u.s.w.}
Lysander.Vergiß nicht dein Versprechen, holde Liebe.Schau, hier kömmt Helena.
Dritter Auftritt.
Hermia.Wie eilig, schöne Helena, wohin?
Helena.Mich nennst du schön? O! nimm diß Schön zurük.Demetrius liebet dich! du bist ihm schönGlüksel'ge Schöne! Deine Augen sindDie Sterne, die ihn leiten; süsser töntIhm deine Stimme, als der Lerche LiedDem Ohr des Hirten, wenn die Wiesen grünen,Und junge Knospen um den Hagdorn blinken!Krankheit ist erblich! O! wär's auch die KunstDie uns gefallen macht: Wie wollt ich, eh ich gehe,Die deine haschen! Meine Blike solltenDie Zauberkraft von deinem Blik, mein MundDen süssen Wohlklang deiner Lippe haschen.Wär' mein die Welt, und blieb Demetrius mir,Wie gerne ließ ich alles andre dir!O lehre mich, wie blikest du ihn an?Mit was für Künsten, schöne Freundin, sprich,Beherrschest du die Triebe seines Herzens?
Hermia.Die Stirne rümpf ich ihm, doch liebt er mich.
Helena.O möchten deiner Stirne FaltenMein Lächeln solche Wirkung lehren.
Hermia.Verwünschung geb ich ihm, doch giebt er stets mir Liebe.
Helena.O! wäre mein Gebett von solcher Kraft!
Hermia.Je mehr ich hasse, folgt er mir.
Helena.Je mehr ich liebe, haßt er mich.
Hermia.Sey guten Muths! er soll mich nicht mehr sehen.Lysander und ich selbst verlassen diese Gegend.Eh ich Lysandern sah, schien mir AthenElysium. O! welch ein Reiz muß dannIn meiner Liebe seyn, da sie den OrtDer einst ein Himmel war, zur Hölle macht.
Lysander.Laß uns, o Freundin, unsre Seelen dirVertraut enthüllen. Morgen Mitternachts,Wenn Phöbe in der Wellen feuchtem SpiegelIhr silbern Angesicht beschaut, und dektDen grünen Wasen mit zerfloßnen Perlen,Zur Zeit, die oft der Liebe Flucht verheelte,Sind wir entschlossen, Helena, uns durchDie Thore von Athen hinweg zu stehlen.
Hermia.Und in dem Hayn, wo oftmals du und ichAuf Frühlings-Blumen hingegossen lagen,Und unsre von jungfräulichen GedankenGeschwellte Busen ihrer Last entleerten;Dort werden wir, Lysander und ich selbst,Uns finden, und dann von Athen die Augen wenden,Um neue Freunde unter neuen HimmelnZu suchen. Lebe wohl, anmuthige Gespielin!Und wie du für uns betest, gebe dirEin günstig Glük den Jüngling den du liebest!Lysander halte Wort!—Nun müssen unsre AugenBis morgen Nachts der Liebe Kost entbehren.
Lysander.Ich will, meine Hermia!—Lebe wohl, Helena,Demetrius liebe dich, wie du ihn liebest!
(Lysander und Hermia gehen ab.)
Helena (allein.)Wie manche doch vor manchen glüklich sind!Durch ganz Athen werd ich so schön geachtetAls Sie—Was hilft es mir? Demetrius nurDenkt anders! Er für den ich es alleinZu seyn verlange, kan nicht, will nicht sehen,Was Aller Augen ausser ihm gestehen.Der gleiche Irrthum, der nach Hermias BlikenIhn schmachten macht, bethört mein Herz für ihn.Den unscheinbarsten blödsten Dingen kanDie Liebe Glanz, Gestalt und Würde geben.Die Liebe siehet durch die Phantasie,Nicht durch die Augen, und deßwegen wirdDer goldbeschwingte Amor blind gemahlt.Geflügelt ohne Augen deutet erDer Liebe Hastigkeit im Wählen an;Und weil sie leicht verläßt was sie erkohr,So stellt man ihn als einen Knaben vor;Wie Knaben oft beym Spiel meineydig werden,So scherzt des Knaben Amors Leichtsinn auchMit seinen Schwüren. Eh DemetriusAuf Hermias Augen sahe, hagelt erEydschwüre ewig mein zu seyn, herab;Allein es fühlte dieser Hagel kaumDie Glut von ihrem Blik, so schmolz er hin.Izt will ich geh'n und Hermias Flucht ihm melden.Dann wird er morgen Nachts sie in den HaynVerfolgen, und wenn anders die EntdekungMir Dank gewinnt, so wird er theur erkauft.Doch wird mir dieses meine Pein versüssen,Wenn ich es sehe* wie er sie zu finden,Der Ungetreue! hie und dort und daUmsonst in zitternder Verwirrung läuft;Und mein verschmähtes Auge durch den AnblikDer eiteln Wuth ergözt, womit er wieder kehrt.
{ed.-* Der Übersezer hat sich hier eine Freyheit erlaubt, die er selten zu nehmen gedenkt, nemlich einen etwas dunkeln Vers durch fünf andre zu paraphrasieren. Ob er aber den Sinn des Poeten getroffen, wird dem Ausspruch der Kunstrichter überlassen.}
(Geht ab.)
Vierter Auftritt.(Squenz, Schnok, Zettel, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)
Squenz.Ist die Companie beysammen?
Zettel. Es wär' am besten, ihr rieffet sie alle Mann für Mann auf, wie es der Rodel giebt.
Squenz. Hier ist die Liste von jedermanns Namen, der in ganz Athen für tüchtig gehalten wird, in unserm Zwischenspiel vor dem Herzog und der Herzogin zu spielen, an seinem Hochzeittag zu Nacht.
Zettel. Vor allen Dingen, guter Peter Squenz, sagt uns, wovon das Stük handelt; dann leset die Namen von den Agenten, und so eins nach dem andern.
Squenz. Sapperment! es ist die höchstklägliche Comödie, und der jämmerliche Tod von Pyramus und Thisbe.
Zettel.Ein recht gutes Stük Arbeit, ich kan's euch sagen; und lustig! Izt,wakrer Peter Squenz, ruft euere Agenten nach dem Rodel auf—ihrHerren! macht euch fertig!
Squenz.Antwortet wie ich euch ruffe. Claus Zettel, der Weber!
Zettel.Hier! Nennet meinen Part, und weiter!
Squenz.Ihr, Claus Zettel, seyd für den Pyramus hingesezt.
Zettel.Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann?
Squenz.Ein Liebhaber, der sich selber nur auf eine recht galante Art ausLiebe ersticht.
Zettel. Das wird einige Zähren erfodern, wofern es recht gemacht werden soll. Wenn ich es mache, dann mögen die Zuschauer zu ihren Augen sehen! Ich will Stürme erregen, ich will condolieren, daß es eine Art haben soll! weiter!—Aber meine gröste Declination ist zu einem Tyrannen. Ich wollte einen Herkles spielen, etwas rares! Oder einen Part, wo ich ein Vorgebürg einreissen müßte, daß alles zersplitterte—"Der Felsen Schooß und toller Stoß zerbricht das Schloß der Kerkerthür, und Febbus Karr'n, Kommt angefahr'n, und macht erstarr'n, des stolzen Schiksals Zier!"—Das gieng hoch!— Namset izt die übrigen Agenten—Das war Herklessens Ader! Eine Tyrannen-Ader! Ein Liebhaber geht schon gravitätischer.
Squenz.Franz Flaut, der Blasbalg-Fliker.
Flaut.Hier, Peter Squenz.
Squenz.Ihr müßt Thisbe über euch nehmen.
Flaut.Was ist Thisbe? Ein irrender Ritter?
Squenz.Es ist die Princessin, in die Pyramus verliebt ist.
Flaut. Nein, mein Six! gebt mir keinen Weiber-Part, ich fange schon an einen Bart zu bekommen.
Squenz. Das ist all eins! Ihr müßt in einer Maske spielen; und ihr könnt so zart reden, als ihr wollt.
Zettel. Wenn ich mein Gesicht verbergen darf, so gebt mir Thisbe auch; ich will mit einer monstrosen zarten Stimme reden—"Thisne, Thisne, ach! Pyrimus, mein Liebster werth, dein' Thisbe zart, dein Liebchen zart"—
Squenz. Nein, nein, ihr müßt beym Pyramus bleiben, und Flaut muß Thisbe seyn.
Zettel.Gut! fortgefahren!
Squenz.Max Schluker, der Schneider.
Schluker.Hier, Peter Squenz.
Squenz.Max Schluker, ihr müßt Thisbes Mutter seyn. Hans Schnauz, derKeßler!
Schnauz.Hier, Peter Squenz.
Squenz.Ihr, des Pyramus Vater, ich selbst Thisbes Vater. Schnok, derSchreiner, ihr macht des Löwen Part. Ich hoffe, nun ist unsreComödie in der Ordnung.
Schnok. Habt ihr des Löwen Part geschrieben? Wenn es ist, so seyd so gut und gebt ihn mir; denn ich bin nicht gar fix zum Studieren.
Squenz. Ihr könnt ihn ex tempore machen; denn es ist weiter nichts zu thun, als zu brüllen.
Zettel. Gebt ihr mir den Löwen noch dazu; ich will brüllen, daß es den Leuten im Herzen wohl thun soll; ich will brüllen, daß der Herzog sagen soll: Laßt ihn noch einmal brüllen, laßt ihn noch einmal brüllen!
Squenz.Wenn ihr es gar zu gut machtet, so könntet ihr die Herzogin und dieDamen so erschreken, daß sie zu schreyen anfiengen, und das wäregenug, uns alle an den Galgen zu bringen.
Alle.Ja, das würde uns jeden Mutter-Sohn hängen.
Zettel. Sapperment! Das glaub ich wol, wenn wir sie erst aus ihren fünf Sinnen schrekten, so würden sie nicht mehr Secretion haben, als uns aufzuhängen. Aber ich will meine Stimme schon aggraviren, ich will euch so artig brüllen wie irgend eine junge Daube, ich will euch brüllen, als ob es eine Nachtigall wäre.
Squenz. Ihr könnet keinen andern Part machen als den Pyramus; denn Pyramus ist ein Mann mit einem Weibergesichtchen, ein sauberer Mann als man irgend an einem Sommers-Tag sehen mag, gar ein hübscher Junker- mässiger Mann; und also müßt ihr nothwendig den Pyramus machen.
Zettel. Gut, ich will ihn auf mich nehmen. Mit was für einem Bart wollt ihr, daß ich spielen soll?
Squenz.Wie? Was für einen ihr wollt!
Zettel. Mir gilt es auch gleich; ich will ihn entweder in euerm strohfarbnen Bart machen, oder in euerm orangebraunen Bart, oder in euerm carmesin-rothen Bart, oder in euerm französisch-kron-farbnen Bart, in euerm hochgelben!
Squenz. Etliche von unsern französischen Kronen haben gar kein Haar mehr, und das liesse als ob ihr gar mit einem kahlen Gesicht spieltet. Aber, ihr Herren, hier sind eure Pärte, und ich bitte, ermahne und ersuche euch, sie bis morgen Nachts auswendig zu lernen, und in den Schloßwald, eine halbe Stunde von der Stadt, wieder zu mir zu kommen, damit wir dort beym Mondschein probieren; denn wenn wir in der Stadt zusammen kämen, so würden wir Zuhörer kriegen, und die Sache käme aus. Unterdessen will ich einen Aufsaz von den Zurüstungen machen, die wir zu unserm Spiele nöthig haben. Ich bitte, bleibt mir nicht aus.
Zettel. Wir wollen kommen! Der Einfall ist gut; wir können im Wald obscener und herzhafter probieren.
Squenz.Bey des Herzogs Eiche wollen wir einander antreffen.
Zettel.Genug, die Stränge mögen halten oder brechen!—
(Sie gehen alle ab.)
Zweyter Aufzug.
Erster Auftritt. (Ein Wald. Eine Fee tritt von einer, und Puk von der andern Seite auf.)
Puk.Wohin, Geist, wohin wanderst du?
Fee.Über Berg, über Thal,Durch Heken und Ruthen,Über Holz, über Pfahl,Durch Feuer und Fluthen;Schneller als des Mondes SphärWandr' ich rastlos hin und her.Ich dien' der Feen-Königin,Zum stillen Tanz,Beym Sternen-Glanz,Bethaute Kreis' im Grünen ihr zu zieh'n.Sie ist der Primuln Pflegerin,Die auf den jungen Wiesen glüh'n.Auf ihrem göldenen GewandIst jeder Fleken ein Rubin,Worein der milden Feyen HandDie Düfte gießt, die euch entzüken.Izt muß ich geh'n, und Thau vom Grase pflüken,Und jeder Primul Ohr mit einer Perle schmüken.Fahr wol, du tölpelhafter Geist, ich muß entflieh'n;Die Königin mit allen ihren ElfenIst im Begriff hieher zu zieh'n.
Puk.Der König pflegt die Nacht durch hier zu schlummern.Gieb Acht, daß deine KöniginIhm ja nicht vor die Augen komme.Denn Oberon ist noch von Zorn entbrannt,Daß sie am Indus jüngst den schönsten Knaben,Zu ihrer Aufwart, einem König raubte.Der eifersücht'ge Oberon begehrtDen schönen Knaben, daß er auf die JagdIhn durch den wilden Forst begleiten helfe,Von ihr zurük; doch immer unerbittlichBehält sie ihren Liebling ganz für sich,Bekränzt mit eigner Hand sein lokicht Haar,Und macht aus ihm nur alle ihre Lust.Seitdem begegnen sie sich niemals mehrIn Lauben, noch auf grünen Fluren, nochAn Silber-Quellen, noch beym Sternen-Licht;So heftig ist ihr Zwist, daß alle ihre ElfenVor Angst in Ahorn-Becher sich verkriechen.
Feye.Entweder irr' ich mich an deiner BildungUnd Mine gänzlich, oder duBist jener schelmische leichtfert'ge Geist,Den Robin Gutgesell das Landvolk nennt.Bist du's nicht, der die Mädchen aus dem DorfeBey Nacht erschrekt, der Milch die Sahne raubt,Die Mühle heimlich dreht, macht daß umsonst die BäurinAn fettem Rahm sich aus dem Athem rührt,Und daß im Bier sich keine Hefen sezt;Der arme Wandrer oft des Nachts verleitet,In Sümpfe fährt, und ihres Harms noch lachet;Allein für die, die dich Hob-Goblin nennen,Und holden Puk, ihr Werk unsichtbar thust,Und machst, daß sie gut Glük in allem haben;Bist du nicht der?
Puk.Du irrst dich nicht, ich bin's.Ich bin der muntre Nachtgeist, den du meynest.Ich gaukle stets um Oberon, und mach' ihn lächeln,Wenn ich ein fettes bohnen-sattes RoßVergeblich wiehern mach'; ihm in GestaltDer schönsten Stutte nahend. Auch verberg ich michOft in den Becher einer guten altenGevatterin, die gern den Becher leert;Gleich einem rothgesottnen Krebs schwimm ichDarinn herum, und wenn sie trinken willSpring ich an ihre Lippen auf, und schütteDen Kofent über ihren schlappen Busen.Oft sieht, indem sie durch ein fröstig MährchenDie Nachbarinnen sanft zum Schlaf befödert,Ein weises Mütterlein, troz ihrer Weisheit,Für einen dreygebeinten Stuhl mich an;Dann schlüpf ich unter ihr hinweg, sie wakeltMit Schwur und lächerlichem Zorn zu Boden;Die ganze Zeche hält mit beyden HändenDen Bauch, und schlägt das hallende GetäfelMit wieherndem Gelächter, klatscht und schwört,Noch nie so lustig sich gemacht zu haben.*Doch, Fee, flieh du, hier kömmt Oberon!
{ed.-* Ich habe mich genöthiget gesehen, einige ekelhafte Ausdrüke aus diesem Gemählde in Ostadens Geschmak, wegzulassen. Ein Dichter, der nur für Zuhörer arbeitete, hat sich im sechszehnten Jahrhundert Freyheiten erlauben können, die sein Übersezer, der im achtzehnten für Leser arbeitet, nicht nehmen darf.}
Feye.Und hier, zum Unglük, meine Königin.
Zweyter Auftritt.(Oberon der König der Feen, tritt auf einer, und Titania dieKönigin der Feen, auf der andern Seite auf.)
Oberon.Du suchst beim Mondschein mich, Titania?
Titania.Wie, eifersücht'ger Oberon? du irrest!Ihr Feen, schlüpft mit mir hinweg, ich habeSein Bett, und seinen Umgang abgeschworen.
Oberon.Halt, Unverschämte, bin ich nicht dein Herr?
Titania.So bin ich deine Frau! allein ich weißDie Zeit noch wol, da du vom Feen-LandDich heimlich stahlst, und in Corins Gestalt,Den ganzen Tag an einer Linde sizend,Auf deinem Haber-Rohr verliebte SeufzerDer schönen Phyllida entgegen girrtest!Sprich, warum eiltest du vom fernsten GipfelDes Inder-Lands hieher? Weßwegen sonst,Als weil die strozende, Dianen-gleichGeschürzte Amazonin, deine kriegrischeGebieterin, mit Theseus sich vermählt?Du kömmst, nicht wahr? ihr Bette zu beglüken?
Oberon.Wie? läßt die Schaam diß zu, Titania,Die Gunst Hippolitas mir vorzurüken?Und weissest doch, ich kenne deine LiebeZu Theseus? Warest du es nicht, die ihnBey deinem eignen Schimmer, durch die SchattenDer stillen Nacht, von Perigenias Seite,Die er vorher geraubet hatt', entführte!Und wer als du verführt' ihn, seine SchwüreSo viel betrognen Nymphen, Ariadnen,Der schönen Ägle, und AntiopeZu brechen?—
Titania.Falsche, grillenhafte TräumeDer Eifersucht! Seit diese dich beherrschet,Seit jenem Sommer kamen wir nicht mehrAuf Hügeln, noch im Thal, im Hayn, auf Wiesen,Am Quell' der über kleine Kiesel rauschet,Noch raschen Bächen, die aus Felsen sprudeln,Noch an des Meeres klippenvollem Strande,Zum frohen Tanz zusammen, unsre LokenZum Spiel der flüsternden, scherzhaften WindeZu machen. Alle unsre Spiele hatDein Groll gestört. Drum haben auch die Winde,Vergeblich uns zu pfeiffen überdrüssig,Als wie zur Rache, seuchenschwangre NebelTief aus der See gesogen, die hernach,Aufs Land ergossen, jeden über unsErzürnten Bach mit solchem Stolze schwellten,Daß ihre Fluth die Ebnen überströmte.Umsonst hat nun der Stier sein Joch getragen,Der Akermann hat seinen Schweiß verlohren,Die grüne Ähre fault, eh ihre JugendDas erste Milchhaar kränzt.Leer steh'n die Hürden im ertränkten Felde,Und Krähen mästet die ersäufte Heerde.Mit Schlamme ligt der Kegelplaz erfüllt,Unkennbar und verschwemmt der glatte Pfad,Der durch des Frühlings grüne LabyrintheSonst leitete. Die Sterblichen entbehrenDer winterkürzenden gewohnten Freuden,Und keine Nacht wird Hymnen mehr geweyht.Nur Luna, die Beherrscherin der Fluthen,Vor Unmuth bleich, wascht überall die Luft,Und füllet sie mit fieberhaften Flüssen.Die Jahreszeiten selbst verwirren sich,Beschneyte Fröste sinken in den SchoosDer frischen Ros', und auf des alten WintersEys-grauer Scheitel wird, als wie zum Spott,Ein Kranz gesezt von holden Sommer-Knospen.Der Lenz, der Sommer, der fruchtreiche Herbst,Der Winter wechseln ihre Liverey,Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehrAn dem gewohnten Schmuk, wer jeder ist.Diß ganze Heer von Plagen kömmt alleinVon unserm Groll, von unsrer Zwiespalt her.Wir sind die Eltern dieser schwarzen Brut!
Oberon.So helfet dann, es ligt allein an euch!Wie kan Titania ihren OberonNoch länger quälen? Alles was ich bitte,Ist nur ein kleiner Laff von einem Jungen,Aus dem ich einen Pagen machen will.
Titania.Gebt euch zufrieden! Niemals kan diß seyn.Das ganze Feenland erkaufte nichtDiß Kind von mir. Ich liebte seine Mutter,Sie war von meinem Orden, und hat oftDes Nachts in Indiens süß-gewürzter LuftDurch ihre Spiele mir die Nacht verkürzt.Sie saß dann auf Neptuni gelbem SandBey mir, und sah den göldnen Schiffen nach,Die durch die Fluth mit Pegus Schäzen eilten;Wir lachten, wenn wir sahen, wie die Seegel,Vom ausgelaßnen Wind geschwängert, schwollen;Diß äffte sie, mir eine Lust zu machen,Mit anmuthsvoller schwimmender Bewegung,Kurzweilend nach, (ihr Leib war damals reichVon meinem jungen Ritter) segelteAns Land, mir Kleinigkeiten abzuholen,Und kehrte wieder, wie von einer Reise,Mit reichen Waaren, um. Jedoch da sieNur sterblich war, starb sie an diesem Kinde,Und ihrentwegen zieh' ich ihren Knaben auf,Und ihrentwegen will ich ihn nicht lassen.
Oberon.Wie lange denkt ihr noch in diesem Hayn zu bleiben?
Titania.Vielleicht bis nach dem Hochzeittag des Theseus.Gefällt es euch in unserm Kreis zu tanzen,Und unsern Mondlicht-Spielen zuzusehen,So folget uns; wo nicht, so weicht mich aus,So wie ich eure Jagden meiden will.
Oberon.Gieb mir den Knaben, und ich geh' mit dir.
Titania.Nicht für dein Königreich. Ihr Elfen, weg!Es giebt nur Zank, wenn wir uns länger säumen.
(Die Königin, und ihr Gefolg geht ab.)
Oberon.Gut, geh' nur deinen Weg! eh du den HaynVerlassen hast, soll dich dein Troz bestraffen—Hieher, mein muntrer Puk! Besinn'st du dich,Daß ich auf einem Vorgebürg einst saß,Und hörte der Syrenen einer zu,Wie sie, auf eines Delphins Rüken sizend,So zaubrisch-süsse Töne von sich hauchte,Daß selbst die rohe See bey ihrem LiedeMild ward, und liebestrunkne Sterne taumelndAus ihren Sphären sanken, der MusikDer Wasser-Nymphe zuzuhören?—
Puk.—IchErinnere mich's ganz wol.
Oberon.Zu gleicher Zeit sah' ich, (du konntest nicht)Den Liebesgott in hastiger Unruh, zwischenDem Erdball und dem kalten Monde fliegen;Er hielt, und richtete den straffen BogenNach einer göttlichen Vestalin,* dieIm Westen thront', und schoß mit solcher MachtDen Liebespfeil von seinem Bogen ab,Als sollt' er hunderttausend Herzen spalten;Allein ich sah' es, wie sein feur'ger PfeilIm keuschen Stral des feuchten Monds sich löschte,Und in jungfräulichen Betrachtungen,Mit freyem Geist, die königliche SchöneVorübergieng. Da merkt' ich, wo der PfeilDes Amors fiel—Er fielAuf eine kleine Blume, vormals weißWie Milch, izt röthlicht von der Liebes-Wunde,Und Mäd'gens nennen sie die müssige Liebe.Brich' diese Blume mir; ich zeigte dirDas Kräutchen einst; ihr Saft auf schlummerndeAuglieder ausgegossen, hat die Kraft,Mann oder Mädchen bis zum AberwizIns nächste Ding, das ihrem Blik begegnet,Verliebt zu machen. Pflüke diese Blume,Und sey mir wieder hier,Eh Leviathan eine Meile schwimmt.
{ed.-* Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt, nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich, dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken, bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel, welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland, und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das Leben kostete.}
Puk.Ich wollte, wenn du es befählest,In viermal zeh'n Minuten einen GürtelRings um die Erde zieh'n.
(Geht ab.)
Oberon.—Hab' ich nunErst diesen Saft, so will ich lauern, bisTitania schlafend ligt, und dann die TropfenAuf ihre Augen träufeln.Das nächste Ding, worauf sodann erwachendIhr Auge ruht, sey's Löwe oder Bär,Wolf oder Stier, Waldteufel oder Affe,Wird sie mit Sehnsucht, mit dem Geist der LiebeVerfolgen. Nimmer will ich diesen ZauberVon ihren Augen nehmen, (wie ich's kan),Bis sie den Knaben mir bewilligt hat.Wer kömmt hier, ich bin unsichtbar, und willBehorchen, was sie sprechen—
Dritter Auftritt.(Demetrius, welchem Helena folget)
Demetrius.Was verfolgstDu den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? woDie schöne Hermia? jenen will ich tödten,Und diese tödtet mich. Du sagtest mir,Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen;Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,*Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke.Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr!
{ed.-* (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft gar nicht geachtet werden.}
Helena.Du ziehst mich an, hartherziger Magnet,Doch ziehest du nicht Eisen; denn mein HerzIst treu wie Stah'l. Hör' auf mich anzuziehen,Und ich will unterlassen dir zu folgen.
Demetrius.Such' ich dich zu gewinnen? Sag' ich dirLiebkosungen? und nicht vielmehr mit runderAufrichtigkeit, daß ich dich weder liebe,Noch lieben kan?
Helena.—Und eben dessentwegenLieb' ich dich desto mehr; ich bin dein Hündchen,Demetrius! das nur destomehr liebkoset,Je mehr du's schlägest. Halte mich nur so,Als wie dein Hündchen, scheuche, schlage mich,Vergiß, verliehr' mich, nur erlaube mir,So werthlos als ich bin, dir stets zu folgen;Welch schlechtern Plaz kan ich in deiner LiebeErfleh'n, (und doch ist er in meinen Augen hoch!)Als daß du mich wie deinen Hund nur haltest?
Demetrius.Reiz nicht zu sehr den Abscheu meiner Seele;Mir wird schon übel, wenn ich dich nur sehe.
Helena.Und mir ist übel, wenn ich dich nicht sehe.
Demetrius.Du sezest deine Tugend in zu grosseGefahr, die Stadt so zu verlassen, undDich in die Hände eines Manns, der dichNicht liebt zu liefern, und der lokendenBequemen Nacht, und dieses öden WaldesVersuchung, deiner jungferlichen EhreKostbaren Werth so sorglos zu vertrauen.
Helena.O! Meine Sicherheit ist deine Tugend!Und darum, däucht mich, bin ich nicht im Dunkeln.Es ist nicht Nacht, wenn ich dein Antliz sehe;Auch fehlt es diesem Hayne nicht an WeltenGesellschaft; denn für mich bist du die ganze Welt.Wie kan man denn, daß ich allein sey, sagen,Wenn alle Welt hier ist, und auf mich schaut?
Demetrius.Ich werde von dir rennen, in das Farrenkraut;Mich dort versteken, und den wilden ThierenDich überlassen—
Helena.—O! das wildesteHat kein solch Herz wie du! Flieh', wenn du willst,Flieh' nur, so wird sich die Geschichte drehen,Apollo flieh'n, und Daphne ihn verfolgen.Die Daube jagt den Gey'r, die sanfte Hindin eiltDen Tyger zu erhaschen. Schwaches Eilen!Wenn Zagheit jagt, und Dapferkeit entflieht.
Demetrius.Ich will nicht länger säumen, deine FragenZu hören. Laß mich geh'n; und folgst du mir,So glaube nur, ich füge dir ein LeidIn diesem Holze zu—
Helena.—O! in der StadtIm Feld, im Tempel fügst du Leid mir zu!O! schäme dich, Demetrius, deine HärteEntehret mein Geschlecht. Wir können nichtFür Liebe fechten, wie die Männer mögen;Gesucht zu werden, und nicht selbst zu suchen,Sind wir gemacht!—jedoch, ich folge dir;Und selbst der Tod von dieser werthen HandWird eine Hölle mir zum Himmel machen.
(Sie gehen ab.)
Vierter Auftritt.
Oberon.Fahr wol, o Nymph'! eh du den Hayn verlässest,Sollt du ihn flieh'n, er deine Liebe suchen. (Puk tritt auf.) Woist die Blume? Willkommen, Wand'rer!
Puk.Hier ist sie!
Oberon.Gieb sie her. Ein HügelIst mir bekannt, wo wilder Thymus blüht,Wo Ochsenzung' und wankende Violen,Hoch überwölbt von weichem Geißblatt,Von Muscus-Rosen und Hambutten wachsen;Dort schläft Titania einen Theil der Nacht,Durch Tänz' und Scherz in Blumen eingewiegt,Und eingeschleyert in der schönsten SchlangeGeschmelzte Haut, die sie dort abwarf, weitGenug, um eine Fee darein zu wikeln.Schläft sie, dann will ich diesen Zauber-SaftAuf ihre Augen streichen, und ihr HirnMit ungereimten Phantasien füllen.Nimm du davon, und suche durch den Hayn.Ein holdes Mädchen von Athen verfolgt,Von Liebe krank, den Jüngling der sie hasset.Bestreiche seine Augen, aber so,Damit das erste was er wachend siehtDas Mädchen sey. Du wirst am Attischen GewandIhn leicht erkennen. Mache daß er sieInbrünstiger noch liebe, als sie ihn,Und siehe zu noch vor dem ersten KrähenDes frühen Hahns, mich wieder hier zu finden.
Puk.Verlaß dich, Herr, auf deines Dieners Fleiß!
(Sie gehen ab.)
Fünfter Auftritt.(Die Königin der Feen, und ihr Gefolge.)
Königin.Kommt einen Rundtanz und ein Feen-Lied,Dann für den dritten Theil der Nacht hinweg!Die einen in der Muscus-Rose KnospenDer Raupen Brut zu tödten; andre sollenMit Fledermäusen um ihre Flügel kämpfen,Um meinen Elfen Röke draus zu machen!Andre die schreyerische Eule, die uns nächtlichBelauscht, und unsrer Scherze sich verwundertVon hinnen treiben! Singt mich nun in Schlaf,Denn weg zu eurer Pflicht, und laßt mich ruhen. (Die Feen singen.)
1. Ihr zweygezüngten bunten Schlangen,Ihr dornenvollen Igel, hin!Ihr Nattern, die um Blumen hangenNah't nicht unsrer Königin!Philomelens MelodeySing' in unsrer Lullabey!Lulla, lulla, lullabey, :|:Kein Harm und keine Zauberey,Komm unsrer holden Frauen bey!So gute Nacht mit lullabey. 2. Ihr webenden Spinnen flieht vonhier,Du langgebeinte—* flieh!Ihr schwarzen Schröter nah't nicht ihr!Kein Wurm noch Schnaak berühre sie!Philomelens Melodie u.s.w.
{ed.-* Spider.}
Eine Fee.Hinweg, Sie schläft schon, folget mir,Doch Eine bleib und wache hier!
(Die Feen gehen ab.)
(Oberon tritt wieder auf.)
Oberon.Was du sieh'st, wenn du erwach'st,Soll dein Herz mit Glut erfüllen,Brenn' und schmacht' um seinetwillen,Möcht es Panther, Stachelschwein,Löwe oder Kaze seyn!Was zuerst dein Aug erblikt,Ist der Schaz, der dich entzükt!
Sechster Auftritt.(Lysander und Hermia.)
Lysander.Du schmachtest, Theure, von dem langen IrrenIm Walde, und die Wahrheit zu gesteh'n,Die Nacht hat uns vom rechten Weg verleitet;Laß uns hier ruhen, Hermia, und den TagWenn dir's beliebt, erwarten.
Hermia.—Sey es soLysander! Suche dir ein Lager aus;Ich will mein Haupt auf diesen Wasen legen.
Lysander.Ein Wasen soll zum Kissen beyden dienen;Ein Herz, ein Bett, zween Busen, eine Treu!
Hermia.Nicht so, Lysander! Mir zu lieb, mein Werther,Lig weiter weg, lig nicht so nah' bey mir!
Lysander.Nimm, Holde, was ich sagte, wie ich's meynte;Laß deiner eignen Liebe Unschuld dirDie Sprache meiner Liebe deuten.Mein Herz ist so dem deinigen verwebt,Daß eine Seele nur in beyden lebt!Zween Busen, durch den gleichen Eyd verschlungen;So sind's zween Busen zwar, doch eine Treue!Versag' mir also nicht den Plaz an deiner Seite,O Hermia, denn so ligend lüg ich nicht.
Hermia.Lysander spielt ganz artig mit den Worten.Doch, liebster Freund, aus Zärtlichkeit und AchtungFür mich, lig weiter weg; so weit die Zucht,Der Menschheit Vorrecht, sagt, daß einem MädchenUnd einem tugendhaften Jüngling zieme,So weit entferne dich! Nun gute Nacht,Mein süsser Freund, und möge deine LiebeSich nur mit deinem holden Leben enden!
Lysander.Mein Leben ende dann, wenn meine Liebe!Hier soll mein Bette seyn. Der sanfte SchlafMög' alle seine Ruh' auf dich ergiessen!
Hermia.Und dieses Wunsches Helfte des Wünschers Augen schliessen!
(Sie schlaffen.)
(Puk tritt auf)
Puk.Keinen Jüngling von AthenKonnt ich in dem Hayn erspäh'n,Dessen Auge dieser BlumeZauberkraft bewähren könne!Nacht und Stille! Wer ist der?Kleider von Athen trägt er.Der ist's, den der König meynt,Um den diß gute Mädchen weint.Hier ligt es, hier, und schläft gesundAuf dem feuchten lokern Grund.Die holde Seele! durft's nicht wagen,Sich näher zu dem wilden Manne,Dem Mädchen-Hässer hinzulegen.Kerl'! ich gieß auf deine AugenAllen Zauber dieser Blume!Wach'st du auf, so soll dem SchlummerAmors Zorn auf deinem AugliedDen gewohnten Siz verbieten.
(Geht ab.)
Siebender Auftritt.(Demetrius, und Helena, die ihm nacheilt.)
Helena.Steh' hier, Demetrius, wär's auch mich zu tödten!
Demetrius.Ich sag's dir, weg, und jage mich nicht so!
Helena.Ach! willt du hier im Dunkeln mich verlassen?
Demetrius.Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n.
(Demetrius geht ab.)
Helena.O! ich bin athemlos von dieser Jagd.Glüksel'ge Hermia, wo du izt auch ligst,Dich hat des Himmels Gunst allein mit AugenDie Seelen an sich zieh'n, begabt.Was machte sie so glänzend? wahrlich nichtGesalzne Thränen; diese waschen öfterDie meinen als die ihrigen! Nein! ich binSo häßlich als ein Bär, die Thiere selbstDie mir begegnen flieh'n erschrekt von mir.Was Wunder, daß, wenn mich Demetrius sieh't,Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht.Welch ein verwünschtes lügenhaftes GlasBeredte mich, mit Hermias Sternen-AugenDie meinen zu vergleichen!—Wer ist hier?Lysander auf dem Grund! todt oder schlafend?Ich sehe weder Blut noch Wund'. ErwacheLysander, wenn du lebst, so höre mich!
Lysander (erwachend.)Und durch die Flammen selbst renn' ich für dich!Glanzreiche Helena! welch eine Kunst,Beweiset die Natur, die mich dein HerzDurch deinen Busen sehen läßt!Wo ist Demetrius? O! verhaßter Name,Gemacht, auf meinem Schwerdte zu ersterben.
Helena.O! Sprich nicht so, Lysander, sprich nicht so!Liebt er gleich deine Hermia! was ists mehr?Sie liebet doch nur dich; drum sey zufrieden!
Lysander.Mit Hermia? Wahrlich, nein! wie reuen michDie freudenlosen Augenblike,Die sie mir stahl! Nicht Hermia, HelenaIst's die ich liebe. Wer wird nicht den RabenUm eine Daube tauschen? Unser WilleWird durch Vernunft beherrscht, und diese sagt,Du sey'st die Liebenswerthere unter beyden.Was noch erst wächßt, reift nicht vor seiner Zeit!So reift' ich, noch zu jung, nicht zur VernunftBis diesen Augenblik. Izt da mein WachsthumDen Punct der Reiff erreicht hat, ist VernunftDer Marschall über meinen Willen,Und leitet mich zu deinen Augen hin,Der Liebe reizendste Geschichten inDer Liebe reichstem Buch zu lesen.
Helena.Wofür ward ich zu diesem Hohn gebohren?Wenn hab' ich diese Schmach um dich verdient?Ists nicht genug, ists nicht genug, o Jüngling,Daß von Demetrius Augen ich noch nieMir einen günstigen Blik erwerben konnte?Must du noch meines Unvermögens spotten?Diß ist unedel! Ja, fürwahr, es ist!Doch fahre wohl! Du zwingst mir's ab, zu sagen,Daß ich dich Meister beßrer Sitten glaubte.O! daß ein Mädchen, die ein Mann verschmäht,Vom andern noch verspottet werden soll!
(Sie geht.)
Lysander.Sie siehet Hermia nicht; Hier, schlaf du, Hermia!Und möchtest du Lysandern nimmer nahen!Denn wie das Übermaaß der angenehmsten SpeisenDen Magen nur mit grösserm Ekel drükt;Wie Kezereyen, wenn wir sie verlassen,Uns nur verhaßter sind, je mehr sie einst uns täuschten,So sey du, meine Unverdaulichkeit,Und meine Kezerey,* von aller WeltGehasset, doch von niemand mehr als mir!Und alle Kräfte meines Wesens sollen,Für Helena zu Liebestrieben werden.
{ed.-* Man hat, so seltsam diese Einfälle tönen, eine wörtliche Übersezung derselben gut befunden; und wird dieses noch öfters thun, damit die Leser den Shakespeareauch von dieser Seite kennen lernen.}
(Er geht ab.)
Hermia.Hilf mir, Lysander! hilf! ich flehe dir,Reiß diese Schlang' aus meiner Brust!—Weh mir!Was für ein Traum war das! Lysander! sieh'Wie ich vor Schreken schlottre—Eine Schlange,Fraß, däuchte mich, mein Herz, und duSah'st lächelnd zu!—Lysander!—wie? Entfernt?Lysander! Freund! Wie bist du denn so ferne,Daß du nicht hören kanst?—Kein Wort, kein Laut!Ach, ach! wo bist du, sprich, wenn du noch hör'st,O sprich, um aller Liebesgötter willen!(Mir wird vor Angst ohnmächtig)—Nun?—Ich willEs bald erfahren, ob du ferne bist.Ich geh' den Tod zu finden, oder dich.
(Geht ab.)
Dritter Aufzug.
Erster Auftritt.(Der Wald.)(Squenz, Zettel, Schnok, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)
(Die Feen-Königin ligt noch schlafend.)
Zettel.Sind wir alle beysammen?
Squenz. Recht gut! recht gut! Das ist ein unvergleichlicher Plaz zu unsrer Probe. Dieser grüne Plaz soll unser Schauplaz seyn; die kleine Wiese hinter diesem Weißdorn-Zaun unsre Kammer zum Ankleiden; und wir wollen nur gleich so agieren, als ob es vor dem Herzog wäre.
Zettel.Peter Squenz—
Squenz.Was willt du, Schurke Zettel?
Zettel. Es sind Sachen in dieser Comödie von Pyramus und Thisbe, die nimmermehr gefallen werden. Fürs erste: So muß Pyramus ein Schwerdt ziehen, sich selbst umzubringen, und das werden die Damen nicht aushalten können. Was antwortet ihr auf das?
Schnauz.Beym Velten, das wird Kopf-Verbrechens brauchen!
Schluker. Ich denke, wir müssen eben das Umbringen auslassen, wenn alles andre vorbey ist.
Zettel. Nichts, nichts! ich habe einen Einfall der alles gut machen wird: Schreibet mir einen Prologus, und laßt ihn sagen, daß wir mit unsern Schwerdtern kein Unglük anstellen werden, und daß Pyramus nicht würklich umgebracht wird; und zu desto grösserer Sicherheit laßt ihn sagen, daß ich Pyramus nicht Pyramus bin, sondern Claus Zettel der Weber; das wird ihnen schon die Furcht benehmen.
Squenz. Gut, wir wollen einen solchen Prologus haben, und er soll in acht und sechsen* geschrieben seyn.
{ed.-* In einem Sonnet, welches wie bekannt, nur vierzehn Zeilen haben darf.}
Zettel.Nein, machet zwey mehr; schreibt es in acht und achten.
Schnauz.Werden die Damen nicht auch über den Löwen erschreken?
Schluker.Ich fürcht' es, das versprach' ich euch.
Zettel. Ihr Herren, bedenket vorher was ihr thun wollt; einen Löwen, Gott bewahr uns! unter Damen zu bringen, ist eine fürchterliche Sache; denn es ist kein schlimmerer Waldvogel als euer Löwe, wenn er lebendig ist; wir können zusehen.
Schnauz.Es muß also ein andrer Prologus sagen, daß er kein Löwe ist.
Zettel. Man kan ja seinen Namen nennen, und sein halbes Gesicht durch des Löwen Hals hervor guken lassen; und er selbst kan daraus hervor reden, und so oder zu eben diesem Defect sagen: Lädies, oder schöne Lädies, ich wollte wünschen, oder ich wollte gebetten haben, oder ich wollte ersucht haben, fürchten Sie sich nicht, zittern Sie nicht so; mein Leben für das Ihrige, es soll ihnen nichts geschehen! Wenn Sie dächten, ich komme hieher als ein Löwe, so daurte mich nur meine Haut; Nein, nein, ich bin nichts dergleichen, ich bin ein Mensch wie andre Menschen; und dann kan er sich ja nennen, und ihnen rund heraus sagen, daß er Schnok der Schreiner ist.
Squenz. Gut, so soll es seyn. Aber es sind noch zwey harte Puncten: Eins ist, wie wollen wir den Mondschein in das Zimmer bringen? denn ihr wißt, Pyramus und Thisbe kommen beym Mondschein zusammen.
Schnok.Scheint der Mond in der Nacht, worinn wir spielen?
Zettel.Einen Calender! einen Calender! sehet in den Almanach: SuchetMondschein, suchet Mondschein!
Squenz.Ja, er scheinet diese Nacht.
Zettel. Nun, so kan man ja einen Flügel von dem grossen Kammerfenster, wo wir spielen, offen lassen; und der Mond kan durch den Flügel herein scheinen.
Squenz. Ja, oder es könnte auch einer mit einem Dornbusch und einer Laterne heraus kommen, und sagen, er komme die Person des Mondscheins zu presidieren, oder zu defiguriren. Aber es ist noch etwas; wir müssen in der grossen Kammer eine Wand haben, denn Pyramus und Thisbe, sagt die Historie, redten durch die Spalte einer Wand mit einander.
Schnok. Ihr werdet nimmermehr keine Wand hinein bringen können. Was sagst du, Zettel?
Zettel. Einer oder ein Andrer muß die Wand vorstellen; er kan etwas Pflaster, oder etwas Leim, oder etwas Merdel an sich haben, das eine Mauer bedeutet; oder laßt ihn seine Finger so halten, und durch die Spalte können Pyramus und Thisbe wispern.
Squenz. Wenn das angeht, so ist alles gut. Kommet, jeder Mutters-Sohn size nieder, und probieret eure Pärte. Pyramus, ihr fanget an; wenn ihr eure Rede gesprochen habet, so geht hinter diesen Zaun; und so ein jeder wie es sein Merkwort erfodert.
Zweyter Auftritt.(Puk tritt von hinten auf.)
Puk.Was für ein Hauffen Galgenschwengel lermenSo nah' beym Lager unsrer Königin?Wie? Gar ein Schauspiel? Ich will Hörer seyn;Vielleicht auch Acteur, wenn ich Anlas finde.
Squenz.Redet, Pyramus, Thisbe stehet weiter weg.
Pyramus."Thisbe, wie eine Blum' schmekt von Geschmäken süß."
Squenz.Gerüchen! Gerüchen!
Pyramus."Gerüchen G'schmäken süß.So thut dein Athem auch, o Thisbe, meine Zier!Doch horch, ich hör ein' Stimm'; es ist mein Vater g'wiß,Bleib eine Weile steh'n, ich bin gleich wieder hier."
Puk.Ein Pyramus, wie man nicht immer sieht!
Thisbe.Muß ich izt reden?
Squenz. Ja, zum Henker, freylich müßt ihr; ihr müßt wissen, daß er nur weggegangen ist, weil er ein Getöse gehört hat; er wird gleich wieder kommen.
Thisbe."Umstrahlter Pyramus, an Farbe Lilien-weiß,Und roth wie eine Ros' auf triumphiern'dem Strauch.Du muntrer Juvenil, der Männer Zier und Preis,Treu wie das treuste Roß, das nie ermüdet auch.Ich will dich treffen an, glaub mir, bey Ninny's* Grab."
Squenz. Nini Grab, Mann! Aber das müßt ihr nicht izo sagen; das antwortet ihr dem Pyramus. Ihr sagt euern ganzen Part auf einmal her, Merkwörter und allen Plunder!—Pyramus!—heraus! Euer Merkwort ist schon gesagt, es ist ermüdet auch. (Zettel kömmt wieder mit einem Eselskopf heraus.)
Thisbe.O! "So treu wie's treuste Roß das nie ermüdet auch."
Pyramus."Wenn, Thisbe, ich wär' schön, so wär' ich einzig dein."
Squenz.O! Abentheur! O! Wunder! Es spükt um uns herum. Helft, ihrHerren! flieht, ihr Herren, helft!
(Sie lauffen alle davon.)
Puk.Ich will euch folgen, ich will euch im KreiseDurch Sumpf und Busch, durch Kraut und Disteln jagen,Ein Pferd will ich bald seyn, und bald ein Hund,Ein Schwein, ein Bär, und bald ein flatternd Feuer,Und wiehern, bellen, grunzen, brummen, brennen,Wie Pferd, und Hund, und Schwein, und Bär, und Feuer.
(Geht ab.)
Zettel.Warum lauffen sie davon. Es ist nur eine Schelmerey von ihnen, mirAngst zu machen. (Schnauz kommt heraus.)
Schnauz.Zettel, du bist verwandelt! was seh' ich auf dir?
Zettel. Was du sieh'st? du sieh'st einen Eselskopf auf deinem eignen; nicht so?
(Schnauz geht ab.)
(Squenz kommt)
Squenz.Der Himmel sey dir gnädig, Zettel, du bist transferirt.
(Geht ab.)
Zettel. Ich merke ihre Schelmerey, sie wollen einen Esel aus mir machen, und mich erschreken wenn sie könnten; aber ich will nicht von der Stelle gehen, thun sie was sie können; ich will hier auf und ab spazieren, und singen, damit sie hören, daß ich mir nicht fürchte.
(Er singt.)
Der Amsel-Hahn von Farb so schwarz,Von Schnabel Orangen-gelb,Die Drostel, die so lustig singt,Das muntre Zeisiglein.
Titania (erwachend.)Welch Engel weket mich von meinem Blumenbette?
Zettel.Der Fink, der Sperling und die Lerch,Der graue Kukuk fein,Des wahrhaft Lied so mancher hört,Und darf nicht sagen, Nein! Denn, in der That, wer wollte seinenWiz gegen einen so närrischen Vogel sezen? Wer wollte einen Vogellügen heissen, und wenn er noch so viel Kuku** schrie?
Titania.Ich bitte dich, sing' wieder, o du schönsterDer Sterblichen, mein Ohr ist ganz verliebtIn deine Melodey; so ist mein AugeEntzükt von deiner Bildung, und mein MundVon deiner schönen Tugend Macht gezwungen,Beym ersten Blik dir zu gesteh'n, zu schwören,Daß ich dich liebe—
Zettel. Mich dünkt, Frau, ihr solltet nicht viel Ursache dazu haben; und doch, die Wahrheit zu sagen, Vernunft und Liebe halten einander heut zu Tage selten Gesellschaft. Es ist zu bedauern, daß nicht ein oder andre ehrliche Nachbarn sie zu Freunden machen. Gelt! ich kan bey Gelegenheit auch spassen?
Titania.Du bist so weise, als du reizend bist.
Zettel.Keines sonderlich; doch wenn ich Wiz genug hätte, wieder aus diesemWald zu kommen, so hätte ich gerade so viel, als ich für michselbst brauche.
Titania.O! wünsche nicht aus diesem Hayn zu kommen;Hier sollt du bleiben, willig oder nicht.Ich bin ein Geist, von nicht gemeiner Art,Ein ew'ger Sommer wohnt auf meinem Staate;Ich liebe dich; drum geh' mit mir, ich willDir Feen geben, welche dich bedienen,Und dir Juweelen aus der Tieffe holen,Und singen, wenn auf Blumen du entschlummerst;Und deine grobe sterbliche NaturWill ich zur Feinheit lüftiger Geister läutern.Senfsaamen, Bohnenblühte, Milbe, Spinnenweb! * Das Wortspiel ligtin der Verwechslung von (Ninus's) und (Ninny's. Ninny) heißt einTölpel, oder dummer Junge. ** Auch hier ligt der Scherz in derÄhnlichkeit des Worts (Cuckow), welches einen Kukuk, und (Cuckold),welches einen Ritter von dem Orden der grossen Brüderschaftbezeichnet.
Dritter Auftritt.(Die vier Feen treten auf.)
1. Fee. Bereit!
2. Fee. Und ich.
3. Fee. Und ich.
4. Fee. Und ich: Was sollen wir?
Titania.Seyd diesem feinen Herren hold und dienstbar,Hüpft vor ihm her, wenn er im Hayn spaziert,Und gaukelt ihm kurzweilend um die Augen.Speißt ihn mit Abricos und kühlenden Erdbeeren,Maulbeeren, Feigen, und mit Purpurtrauben.Beraubt die Bienen ihrer Honigwaben,Und zündet ihre wachsbeladnen BeineFür Fakeln an des Feurwurms Augen an,Dem Liebling meiner Brust zur Ruh' zu leuchten;Und rauft den buntgemahlten SchmetterlingenDie Flügel aus, den Mondschein wenn er schläft,Von seinen Augen wegzufächeln.Neigt euch ihr Elfen all, und grüsset ihn.
Die Feen.Heil! Sterblicher; Heil dir! Heil! Heil!
Zettel.Ich bitte Ew. Gestreng von Herzen um Vergebung; mit Erlaubniß,Gestrenger Herr, ihren Namen?
Spinnenweb.Spinnenweb.
Zettel.Ich wünsche besser mit euch bekannt zu werden, guter HerrSpinnenweb; wenn ich mich in den Finger schneide, so werde ichlustig mit euch machen. Euer Name, Junker?
Bohnenblühte.Bohnenblühte.
Zettel. Ich bitte, empfehlt mich der Frau Squasch, eurer Mutter, und dem Hrn. Bohnenhülse, euerm Vater. Lieber Herr Bohnenblühte, ich hoffe noch besser mit ihm bekannt zu werden. Euern Namen, Herr, wenn ich bitten darf.?
Senfsaamen.Senfsaamen.
Zettel. Mein lieber Herr Senfsaamen, ich kenne Ihre Verwandtschaft gar wol; dieser bärenhäutrische riesenmässige Schurke, dieser Rinderbraten, hat schon manchen wakern Herrn von euerm Hause aufgefressen. Ich verspreche euch, eure Freundschaft hat mir schon oft die Augen wässern gemacht. Ich wünsche bekannter mit euch zu werden, mein guter Herr Senfsaamen.
Titania.Kommt, führet ihn in meine Sommerlaube.Luna (so däucht mich) scheint mit Augen voller Wasser,Und wenn sie weint, weint jede kleine BlumeUnd klagt um irgend eine, durch die HülfeDer kupplerischen Nacht bezwungne Jungfernschaft.Bindt meines Lieblings Zunge, führt ihn schweigend!
(Sie gehen ab.)
Vierter Auftritt.(Der König der Feen.)
Oberon.Mich wundert, ob Titania schon erwachte. (Puk erscheint.) Dochhier kommt mein Mercur! Wie geht es, Gaukler,Was Neues giebt's in diesem geistervollen Hayne?
Puk.Die Königin ist in ein UngeheuerVerliebt. Nah' an der engen, ihrem SchlummerGeweyhten Laube, während daß sie schlief,Fand eine Bande lumpichter Gesellen,(Taglöhner, welche in den Hallen von AthenIhr täglich Brod mit harter Hand verdienen,)Sich ein, ein Schauspiel zu probieren,Das sie an Theseus Hochzeitfest zu spielenGesinnet sind. Der abgeschmaktesteVon diesen Flegeln, der den PyramusVorstellte, lief aus seiner Scene weg,Und kam in einen Plaz mit Farrenkraut,Wo ich gleich über ihn den Vortheil nahm,Und einen Eselskopf auf seine Schultern sezte.Indeß muß Thisbe eine Antwort haben.Mein Kerlchen kömmt zurük; wie sie ihn sehen,So flieht, wie wilde Gänse die den VoglerAm Boden kriechen sehen, oder wieEin bunter Schwarm von rothgefüßten Krähen,Vom Knall der Flinten aufgeschrekt, sich krächzendZerstreut und sinnlos um die Wolken flattert;So flieht der ganze Trupp bey seinem Anblik;Und noch, von meines Fußtritts Ton erschrekt,Fiel, weil sie sich verfolgt von Geistern glaubten,Der eine überwälzend auf die Erde;Ein andrer schrie um Hülfe von Athen.Die Angst die ihrer Sinnen sie beraubte,Empörte wider sie selbst lebenlose Wesen;Denn Dorn und Heken schnappten ihnen nach,Hier blieb ein Hut zurük, ein Ermel dort;Den Fliehenden berupfen alle Dinge.So trieb ich sie vor Furcht entseelt herum,Und ließ indeß den holden PyramusVerwandelt hier; im gleichen AugenblikErwacht Titania, und verliebt sich straksIn einen Esel—