Chapter 16

Die Reichstagsabgeordneten auf ihrer Studienreise nach Deutsch-Ostafrika Juli-August 1896.1. Hr. Dr. Arendt. 2. Hr. Justizrat Dietrich. 3. Hr. Amtsgerichtsrat Schwarz. 4. Hr. Oberstabsarzt Hönmann (der hiesige Begleiter). 5. Hr. Oberamtsrichter Kalkhof. 6. Hr. Ingenieur Hackbarth (Leiter der Usambara-Bahn). 7. Hr. v. Prince. 8. Hr. Kapitän Doherr von der Deutsch-Ostafrika-Linie. 9. Hr. Lehmann. 10. Hr. Bezirksamtmann Zache von Tanger. 11. Hr. Oberst v. Massow. 12. Fr. v. Prince.(ZuS. 231.)❏GRÖSSERES BILD

Die Reichstagsabgeordneten auf ihrer Studienreise nach Deutsch-Ostafrika Juli-August 1896.1. Hr. Dr. Arendt. 2. Hr. Justizrat Dietrich. 3. Hr. Amtsgerichtsrat Schwarz. 4. Hr. Oberstabsarzt Hönmann (der hiesige Begleiter). 5. Hr. Oberamtsrichter Kalkhof. 6. Hr. Ingenieur Hackbarth (Leiter der Usambara-Bahn). 7. Hr. v. Prince. 8. Hr. Kapitän Doherr von der Deutsch-Ostafrika-Linie. 9. Hr. Lehmann. 10. Hr. Bezirksamtmann Zache von Tanger. 11. Hr. Oberst v. Massow. 12. Fr. v. Prince.(ZuS. 231.)

❏GRÖSSERES BILD

Für Unverheiratete, die in der Steppe eine Farm gründen wollen, sind Kapitalien von 30000–50000 Mark erforderlich. Für Familien mit Kindern ist eine Ansiedlung dort wegen der Malaria nicht zu raten.

Ich schreibe dies im „Wonnemonat Mai“, wo zu Hause alles blüht und sprießt und zu neuem Leben erwacht ist. Auch uns gibt der Mai frisches Leben durch seine große Feuchtigkeit. April und Mai sind für uns die Winterzeit, die hier sogenannte große Regenzeit, für sie wird schon Monate vorher fleißig vorgearbeitet. Da wird der Boden urbar gemacht und zubereitet, um die Pflanzen, wenn die Regenzeit beginnt, aufnehmen zu können. Den neuen Anpflanzungen gibt der Regen frische Kraft, daß sie schneller anwurzeln. Dies ist für alle Kulturen das gleiche und ändert sich nur in der Art des Geländes; bei Grasland z. B. ist die Arbeit eine entsprechend geringere als bei Buschland. Ein guter Pflanzer ist derjenige, der bis zur großen Regenzeit — so genannt zum Unterschied von der kleinen Regenzeit im November und Dezember, weil es in diesen Monaten weniger regnet — sein gestecktes Ziel erreicht hat.

Überhaupt, gesund sind wir alle! Früher galt der Satz als unumstößlich richtig: wo es in Afrika fruchtbar ist, ist es ungesund und gesund nur, wo es unfruchtbar ist. Nun, Usambara liefert den Beweis, daß das in dieser Verallgemeinerung nicht zutrifft. Auch außerhalb der Usambara-Berge weist Deutsch-Ostafrika noch weite, weite Strecken Landes auf, in denen der Deutsche arbeiten kann.

Ich hoffe und ich glaube es bestimmt, unsere Berge werden in nicht allzu ferner Zeit vielen fleißigen deutschen Siedlern eine neue Heimat auf deutschem Boden gewähren. Es herrschen vielfach auch darüber ganz übertriebene Vorstellungen, welches Grundkapital dazu erforderlich sei, sich hier eine Existenz zu gründen.In Wirklichkeit gehören dazu nicht Hunderttausende. Schon mit einem Kapital von 30–50000 Mark kann man vorwärtskommen. Freilich: das Vermögen allein tut es wahrlich nicht. Zäher Fleiß und unbeugsame Energie und die Gabe, sich in den neuen Verhältnissen zurechtzufinden, müssen sich dazu gesellen. Man muß sich zu schicken wissen, muß Entbehrungen in den Kauf nehmen können. Man darf nicht mit den Allüren des großen Herrn nach hier kommen, der einen breiten Train mit sich führt, mit kostspieligem Aufsichtspersonal rechnet. Selbst ist der Mann — das gilt hier! Und die Frau muß dem Mann als wahre Helferin, recht als guter Kamerad zur Seite stehen. Das Leben ist auch hier ein Kampf. Aber dieser Kampf birgt unzählige Freuden in sich. Das Ringen mit der Wildnis, das Erschließen eines Stückchens Land nach dem anderen gewährt immer neue Genugtuung. Und immer neue Befriedigung bringt auch das Erhalten des Errungenen, denn die Wildnis sucht sich jedes Fleckchen Erde, das man ihr abgewonnen, unausgesetzt zurückzuerobern. Wir sind glücklich bei alledem gewesen, andere können es auch sein: in dem Bewußtsein, für die eigene Familie zu arbeiten, die Pflicht gegen sie — und zugleich damit eine Pflicht gegen unser teures Vaterland und seine schönste Kolonie zu erfüllen.

Dort oben auf meinem Bücherbrett stehen Goethes Werke — er hat auch uns ein gutes Wort gegeben:

„Wenn jeder von uns als einzelner seine Pflicht tut und jeder nur im Kreise seines nächsten Berufes brav und tüchtig ist, so wird es um das Wohl des Ganzen gut stehen... Jeder wisse den Besitz, der ihm von der Natur, von dem Schicksal gegönnt war, zu würdigen, zu erhalten, zu steigern; er greife mit allen seinen Fähigkeiten so weit umher, als er zu reichen fähig ist. Immer aber denke er dabei, wie er andere daran will teilnehmen lassen.“ — — —

Schlussstück Kapitel 9


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