Sehnsucht nach dem Tode.

Sehnsucht nach dem Tode.

Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;So herzlich grüß’ ich einst mit bleichem MundeDen stillen Engel meiner letzten Stunde.Ich schmäh’ das Leben nicht, wenn ich’s verlasse:Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;Glaub’ nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,Weil’s mich belügend sein Versprechen brach,Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten –Sie log – und bin ihr doch nicht gram geworden.Das Leben ladet uns zu frohen Festen,Den Bettler wie den König allzumal,Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,Zieh’n Melodien durch den gold’nen Saal,Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.Und wie sie zu Accorden sich gestalten,Da wird’s Dir weh um’s Herz, fühlst Dich allein,Und lauschest durch entzückend helle Spalten,Und siehst in rosenfarb’nem Morgenschein,Sich einen strahlenden Palast entfalten,Den tragen mit Gesang der Engel Reih’n;Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,Und eine Brust war drunter eingewiegt.Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!Eil’ hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.Sieh, darum lieb’ ich dieses arme Leben,Weil’s mir die Aussicht auf ein höh’res gibt,Ich dank’ ihm, weil’s die Ahnung ihm gegeben:Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,Und klopf’ ich heimlich an die Gruft der VäterMit müdem Finger an die morschen Bretter.Ach! Alles wird ja seinen schönen LügenZum Raub’, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,Verspricht’s Dir, was es nicht zu geben hat;Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:Sieh’, darum möcht’ ich gerne von ihm scheiden.Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,Mit einem Wort aus Deinem lieben MundeDer Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih’st;Dann magst Du mir die müden Augen schließen,Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.Tröst’ das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.Sag’ meinen Schwestern, daß in stiller KammerDer Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers HammerNoch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,Sieh aus dem Fenster ohne Thrän’ und Klagen,Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.

Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;So herzlich grüß’ ich einst mit bleichem MundeDen stillen Engel meiner letzten Stunde.Ich schmäh’ das Leben nicht, wenn ich’s verlasse:Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;Glaub’ nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,Weil’s mich belügend sein Versprechen brach,Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten –Sie log – und bin ihr doch nicht gram geworden.Das Leben ladet uns zu frohen Festen,Den Bettler wie den König allzumal,Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,Zieh’n Melodien durch den gold’nen Saal,Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.Und wie sie zu Accorden sich gestalten,Da wird’s Dir weh um’s Herz, fühlst Dich allein,Und lauschest durch entzückend helle Spalten,Und siehst in rosenfarb’nem Morgenschein,Sich einen strahlenden Palast entfalten,Den tragen mit Gesang der Engel Reih’n;Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,Und eine Brust war drunter eingewiegt.Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!Eil’ hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.Sieh, darum lieb’ ich dieses arme Leben,Weil’s mir die Aussicht auf ein höh’res gibt,Ich dank’ ihm, weil’s die Ahnung ihm gegeben:Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,Und klopf’ ich heimlich an die Gruft der VäterMit müdem Finger an die morschen Bretter.Ach! Alles wird ja seinen schönen LügenZum Raub’, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,Verspricht’s Dir, was es nicht zu geben hat;Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:Sieh’, darum möcht’ ich gerne von ihm scheiden.Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,Mit einem Wort aus Deinem lieben MundeDer Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih’st;Dann magst Du mir die müden Augen schließen,Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.Tröst’ das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.Sag’ meinen Schwestern, daß in stiller KammerDer Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers HammerNoch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,Sieh aus dem Fenster ohne Thrän’ und Klagen,Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.

Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;So herzlich grüß’ ich einst mit bleichem MundeDen stillen Engel meiner letzten Stunde.

Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,

Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.

So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,

Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.

Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,

Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;

So herzlich grüß’ ich einst mit bleichem Munde

Den stillen Engel meiner letzten Stunde.

Ich schmäh’ das Leben nicht, wenn ich’s verlasse:Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;Glaub’ nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,Weil’s mich belügend sein Versprechen brach,Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten –Sie log – und bin ihr doch nicht gram geworden.

Ich schmäh’ das Leben nicht, wenn ich’s verlasse:

Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;

Glaub’ nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,

Weil’s mich belügend sein Versprechen brach,

Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,

Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.

Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten –

Sie log – und bin ihr doch nicht gram geworden.

Das Leben ladet uns zu frohen Festen,Den Bettler wie den König allzumal,Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,Zieh’n Melodien durch den gold’nen Saal,Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.

Das Leben ladet uns zu frohen Festen,

Den Bettler wie den König allzumal,

Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,

Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;

Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,

Zieh’n Melodien durch den gold’nen Saal,

Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,

Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.

Und wie sie zu Accorden sich gestalten,Da wird’s Dir weh um’s Herz, fühlst Dich allein,Und lauschest durch entzückend helle Spalten,Und siehst in rosenfarb’nem Morgenschein,Sich einen strahlenden Palast entfalten,Den tragen mit Gesang der Engel Reih’n;Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.

Und wie sie zu Accorden sich gestalten,

Da wird’s Dir weh um’s Herz, fühlst Dich allein,

Und lauschest durch entzückend helle Spalten,

Und siehst in rosenfarb’nem Morgenschein,

Sich einen strahlenden Palast entfalten,

Den tragen mit Gesang der Engel Reih’n;

Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,

Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.

Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,Und eine Brust war drunter eingewiegt.Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!Eil’ hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.

Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,

Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,

Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,

Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.

Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,

Und eine Brust war drunter eingewiegt.

Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!

Eil’ hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.

Sieh, darum lieb’ ich dieses arme Leben,Weil’s mir die Aussicht auf ein höh’res gibt,Ich dank’ ihm, weil’s die Ahnung ihm gegeben:Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,Und klopf’ ich heimlich an die Gruft der VäterMit müdem Finger an die morschen Bretter.

Sieh, darum lieb’ ich dieses arme Leben,

Weil’s mir die Aussicht auf ein höh’res gibt,

Ich dank’ ihm, weil’s die Ahnung ihm gegeben:

Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.

Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,

Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,

Und klopf’ ich heimlich an die Gruft der Väter

Mit müdem Finger an die morschen Bretter.

Ach! Alles wird ja seinen schönen LügenZum Raub’, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,Verspricht’s Dir, was es nicht zu geben hat;Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:Sieh’, darum möcht’ ich gerne von ihm scheiden.

Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen

Zum Raub’, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;

Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,

So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;

Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,

Verspricht’s Dir, was es nicht zu geben hat;

Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:

Sieh’, darum möcht’ ich gerne von ihm scheiden.

Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,Mit einem Wort aus Deinem lieben MundeDer Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih’st;Dann magst Du mir die müden Augen schließen,Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.

Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,

Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:

Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,

Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,

Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde

Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih’st;

Dann magst Du mir die müden Augen schließen,

Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.

Tröst’ das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.Sag’ meinen Schwestern, daß in stiller KammerDer Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers HammerNoch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,Sieh aus dem Fenster ohne Thrän’ und Klagen,Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.

Tröst’ das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,

Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.

Sag’ meinen Schwestern, daß in stiller Kammer

Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;

Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer

Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,

Sieh aus dem Fenster ohne Thrän’ und Klagen,

Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.


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