Das Thalheimer Spiel.

usw. bis zum Schluß,

usw. bis zum Schluß,

daß Gott ein eifriger Gott ist,und alle, die ihn hassen,wird er nicht ungestraft lassen.

daß Gott ein eifriger Gott ist,und alle, die ihn hassen,wird er nicht ungestraft lassen.

Das betrübt denheiligen Christ:

Ei, das ist böse Mär!Warum sind wir gekommen her?Mich reuts, daß wir auf diesem Planso schöne Gaben haben schon lan.Weil sie nun so böse sein,so wollen wir nach dem Himmel eiln.

Ei, das ist böse Mär!Warum sind wir gekommen her?Mich reuts, daß wir auf diesem Planso schöne Gaben haben schon lan.Weil sie nun so böse sein,so wollen wir nach dem Himmel eiln.

Doch fordert er noch den Moses auf, zu examinieren. Dies geschieht, und das Ergebnis ist so, daß Moses den Herrn bittet:

Ach, heilger Christ, sei nicht so hart!Es ist ja wider deine Art.Bist du nicht gütig, fromm und mildund das rechte Liebesbild?Willst du nun zum Himmel eilenund die Gaben nicht austeilen?Die Kinder lassen sich erbitten;sie wollen lernen bessre Sittenund sich hinfort zum neuen Jahrrecht richten nach der Eltern Lahr.

Ach, heilger Christ, sei nicht so hart!Es ist ja wider deine Art.Bist du nicht gütig, fromm und mildund das rechte Liebesbild?Willst du nun zum Himmel eilenund die Gaben nicht austeilen?Die Kinder lassen sich erbitten;sie wollen lernen bessre Sittenund sich hinfort zum neuen Jahrrecht richten nach der Eltern Lahr.

Trotz des Protestes Ruprechts gibt derheilge Christdieser Fürbitte nach:

Wenn sie ferner wollen frömmer seinund leben nach dem Willen mein,ich wills versuchen, will wiederkehren,auch meine Gebote freundlich lehren.Ihr Kinder dürft euch nicht mehr fürchten;mein Zorn ist ganz und gar geschlicht',euch bin ich hold, will euch bescherenund Gottesfurcht euch selber lehren.

Wenn sie ferner wollen frömmer seinund leben nach dem Willen mein,ich wills versuchen, will wiederkehren,auch meine Gebote freundlich lehren.Ihr Kinder dürft euch nicht mehr fürchten;mein Zorn ist ganz und gar geschlicht',euch bin ich hold, will euch bescherenund Gottesfurcht euch selber lehren.

Auch hier schließt der Liedvers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür« das Spiel. Der erste Engel spricht aber noch folgenden Epilog:

Gute Nacht, ihr lieben Kindelein!Gehorchet euren Eltern fein,so wird das liebe Jesuleinstets euer liebes Brüderlein sein.Solches hab ich euch zuvor gesagt,Vater, Mutter, Mädchen und auch Knaben.Im Namen Gottes, Amen!Das werde wahr!Gott geb euch ein gutes neues Jahr!

Gute Nacht, ihr lieben Kindelein!Gehorchet euren Eltern fein,so wird das liebe Jesuleinstets euer liebes Brüderlein sein.Solches hab ich euch zuvor gesagt,Vater, Mutter, Mädchen und auch Knaben.Im Namen Gottes, Amen!Das werde wahr!Gott geb euch ein gutes neues Jahr!

Mit diesen Worten sind auch die Schatten, die der Tod über das Spiel warf, verscheucht.

Im Hauptstaatsarchiv zu Dresden befindet sich unter III, 100 Fol. 1esub+ ein im Jahre 1873 vom Stollberger Amtsgericht eingeliefertes Aktenstück aus dem Jahre 1805 ff, welches die Bezeichnung trägt: »Die von einigen Bergleuten und Strumpfwürkern zu Thalheim begangene strafwürdige Handlung bey Darstellung der Geschichte derGeburt Jesu unter der Benennung des heil. Drey Königen- oder Engelscharspiel betr.«

Die Veranlassung der Einleitung der Untersuchung gab ein Manuskript unter der Ueberschrift: »Traurige Begebenheit zur Sittengeschichte unserer Zeiten.« Dieses war beim Schneeberger Wochenblatt eingegangen, man hatte aber Bedenken getragen, es abzudrucken, da der Verfasser sich nicht nennen wollte. Durch Vermittlung des Schneeberger Amts-Physikus ging es aber schließlich an das Stollberger Amt, das für Thalheim zuständig war, und das die Angelegenheit aufgriff.

Was war nun eigentlich geschehen? Lassen wir das interessante Schriftstück folgen:

»Traurige Beyträge zur Sittengeschichte unserer Zeiten: Thalheim bei Stollberg i. Erzgeb. Mit welchem Vergnügen liest man in Sachsen die so schönen öfters herauskommenden Landes-Befehle, welche alle die Hoffnungen erwecken, daß durch diese, jene Ueberbleibsel roher Zeiten, jene Finsternis, aus unserem Vaterlande verschwinden müssen. Welcher Wunsch könnte nun von einem Jeden, dem Vaterlandswohl am Herzen liegt, herzlicher und inniger seyn, als: daß nun auch über diese Befehle gewacht, auf Befolgung derselben gehalten werden möchte; welches aber leider! nicht immer der Fall ist. Von vielen Polizey-Aufsehern kann man wohl eigentlich sagen: ein gut Theil schlafen – oder mit sehenden Augen sehen sie nicht – mit hörenden Ohren hören sie nicht – denn ich fanddiese Wahrheit in Thalheim mehr als begründet; da beinahe jede gesetzwidrige Handlung, jede Thorheit, von den dasigen Polizey-Aufsehern gebilliget wird. Ich theile Ihnen, Freunde des Vaterlandes, hier eine solche schädliche und abgeschmackte Thorheit mit, welche ich bey einer Durchreise durch Thalheim kennen lernte. Was mir zuerst auffiel, da ich den Ort betrat, war eine Frau, die sich Brod und Erdäpfel erbettelte. Da ich mich bey ihr erkundigte, ob viel Arme hier wären, versetzte sie: »Kein Dorf im ganzen Gebirge kann mehr Hilfsbedürftige zählen, als Thalheim; beinahe jede Hütte ist eine Wohnung der Armuth und des Elends, wo die mehrsten Menschen mit bleichen, halbhungrigen und halbbekleideten Körpern, hinter dem Wollrade nach Hülfe und Brod seufzen.« Von dieser Erzählung ganz bewegt und in tiefes Mitleid gegen die Armen dieses Ortes versunken, ging ich, ohne auf etwas zu sehen und zu hören, weiter. Allein, da ich in die Mitte des Dorfes kam, wurde ich von dem Wohlstande Thalheims ganz anders belehrt. Hier sah ich eine Schar zusammengelaufener Narren, die mit Goldpapier und Flittergold behangen und beklebt waren und ein noch größerer Trupp Müßiggänger machte den Beschluß, daß man in Gefahr kam, erdrückt zu werden. Ein ziemlich bejahrter Mann, dem ich begegnete, der mir diesen tumultarischen Aufzug erklärte, was er zu bedeuten habe, sagte: Diese zusammengelaufene Rotte wären theils leichte Strumpfwirker, die nicht arbeiten wollten und theils einige Bergleute,die in der Weihnachts- und Neujahrszeit in hiesiger Gegend, in ärgerlicher und läppischer Verkleidung umherzögen, stellten den Kasper, Melchior und Balthasar, den Joseph, die Maria, die Hirten, Engel, Herodes pp. vor, sangen Lieder plumper Versart, und führten in den Häusern eine Art von Komödie auf, von der Geburt des Menschenerlösers und anderen religiösen Gegenständen, die sie nur schändeten und lächerlich machten, in denen sie vor der Puppe, welche die sogenannte Maria bei sich führte, niederfielen und wunderliche Vorstellungen machten.« Um über die schöne Art der Poesie urtheilen zu können, folgt hier ein Pröbchen davon, so viel ich aus der Erzählung des alten Mannes gemerkt habe:

Mariesingt z. B.

Joseph mein! lieber Joseph mein!zünd mir an ein Feuerlein,und koch dem Kind ein Breyelein.

Joseph mein! lieber Joseph mein!zünd mir an ein Feuerlein,und koch dem Kind ein Breyelein.

Josephantwortet:

Maria, Maria, das will ich gerne thun,dieweil nun schläft der liebe Suhn;will ich dir machen ein Feuerlein,und will kochen dem Kind ein Breyelein.Den Brey koch ich und bück mich hart,darzu verbrenn ich mir den Bart. pp.

Maria, Maria, das will ich gerne thun,dieweil nun schläft der liebe Suhn;will ich dir machen ein Feuerlein,und will kochen dem Kind ein Breyelein.Den Brey koch ich und bück mich hart,darzu verbrenn ich mir den Bart. pp.

Mitleidig dacht ich bey mir, wie weit ist diese Classe von Menschen von dem wolthuenden Lichte der Aufklärung zurück! Ich fragte nach dem Prediger des Ortes, ob er mit diesem Unfug zufrieden sey: »o nein!« sagteder Alte, »dieser hat zu verschiedenen Malen öffentlich diesen Müßiggängern ihre schändliche und abgeschmackte Bettelei vorgehalten. Unser Polizey-Aufseher, der Lehnrichter, ließ doch trotz der Rüge des Herrn Pastors nicht blos im Dorfe –, sondern sogar zu verschiedenen Malen dieses Gaukelspiel bei sich – in seinem Zechenhause aufführen –!«

Mit einem nochmaligen Händedruck und einem Seufzer über seines Ortes Obrigkeit, schied der Mann von mir und ich verließ das Dorf mit einem Herzen voll Mitleid. Auf meiner Rückreise nahm ich den Weg wieder durch Thalheim und erkundigte mich noch einmal nach diesem Gesindel, ob es noch immer ihre erbauliche Arlequinade so unverschämt, unter den Augen eines hochlöblichen Amts fortspielen dürfe[14]. Aber leider: nicht ein heiliger Weihnachtsabend – nicht der 1. Feiertag – kein Sonnabend noch Sonntag ist verschont worden. Das Schauspiel hatte sich vielmehr fast auf alle hiesige benachbarte Orte verbreitet, nur Jahnsdorf und Gornsdorf sollen sich rühmlichst ausgezeichnet haben; besonders am ersteren Ort haben sie diese Obskuranten in Verhaft nehmen wollen. Auch von den Einwohnern zu Thalheim bewies der größte Theil an diesem lächerlichen Schauspiel seinen größten Mißfallen; nur Wenige nahmen an diesem Unfug Antheil.

Dem Urtheile eines jeden Unbefangenen sey es anheimgestellt, ob dergleichen Aufzüge, ich will nicht sagen unseren Zeiten angemessen; sondern überhaupt einer wahren Religiosität beförderlich sind? Der Pöbel belustigt sich freilich an dergleichen Spektakel-Scenen: aber zu seiner sittlichen Besserung tragen sie nichts bey; sie schaden vielmehr der Guten Sache und geben den Leichtsinnigen Gelegenheit zu Spottungen über die Religion selbst.«

Die einzelnen Beteiligten wurden vernommen. Man ersieht aus den Akten, daß der Hauptbeteiligte ein gewisser Unger war, der das Spiel auswendig kannte und seinen Mitspielern diktierte. Der ganze Prozeß hat die eine segensreiche Folge gehabt, daß das ganze Spiel zu den Akten genommen wurde und uns auf diese Weise erhalten geblieben ist.

Es mag hier folgen:

Kleiner Engel.

(Im weißen Hemde, an den Armen und am Körper mit rotseidenen Bändern geschmückt, auf dem Kopfe eine Papierkrone, in der Hand ein hölzernes, mit Silberpapier beklebtes Schwert tragend.)

Vorsichtige Künste lieben Herren und Frauen,wie sie allhier versammelt seyn, zu hören und zu beschauen,was dies für ein Spiel mag seyn, –nicht Silber, Gold oder Geldwelches liebt die ganze Welt,sondern das liebe Jesuleindas wollen wir fürtragen,wie Herodes mit Listgedacht nach dem Kindlein Jesus Christ,es zu töten.Wir bitten, seyn Sie feyn still,wir wollen agieren unser Spiel.Puer natus in Bethlehem, unde gaudet etc.Drei Könige aus Saba kommen dâharGold, Weyrauch, Myrrhen brachten sie dar.Alleluja:

Vorsichtige Künste lieben Herren und Frauen,wie sie allhier versammelt seyn, zu hören und zu beschauen,was dies für ein Spiel mag seyn, –nicht Silber, Gold oder Geldwelches liebt die ganze Welt,sondern das liebe Jesuleindas wollen wir fürtragen,wie Herodes mit Listgedacht nach dem Kindlein Jesus Christ,es zu töten.Wir bitten, seyn Sie feyn still,wir wollen agieren unser Spiel.Puer natus in Bethlehem, unde gaudet etc.Drei Könige aus Saba kommen dâharGold, Weyrauch, Myrrhen brachten sie dar.Alleluja:

(gehet ab).

(gehet ab).

Joseph(im grauen Rock, mit Schurzfell angetan, einen Zimmermann darstellend, eigentümlich hustend) kommt zum Wirt:

Ach, gutes Glück mein,wir möchten gern beherbergt seyn.

Ach, gutes Glück mein,wir möchten gern beherbergt seyn.

Wirt:

Ey was – für solche schlechte Nation –geht ihr von mir, packt euch davon,ihr seht mir aus für solche Gästdie ihr selbst nicht viel habt zum Best,ich schaff mir solche Vögel an,die ich tapfer rupfen kannauf das ich eins für zwey kann schreibendamit ich auch ein Wirt mag bleiben.

Ey was – für solche schlechte Nation –geht ihr von mir, packt euch davon,ihr seht mir aus für solche Gästdie ihr selbst nicht viel habt zum Best,ich schaff mir solche Vögel an,die ich tapfer rupfen kannauf das ich eins für zwey kann schreibendamit ich auch ein Wirt mag bleiben.

Joseph:

Ach, lieber Herr, behalt uns heut,wir sind zwar arm, doch ehrliche Leut.

Ach, lieber Herr, behalt uns heut,wir sind zwar arm, doch ehrliche Leut.

Wirt:

Es ist weder Platz noch Raum allhier,ich kann euch geben kein Quartier.Wollt ihr aber damit zufrieden seyn,so gehet in diesen Stall hinein.Da liegt ein wenig Stroh und Heu,auf daß mirs nicht zu weit ausstreuh!

Es ist weder Platz noch Raum allhier,ich kann euch geben kein Quartier.Wollt ihr aber damit zufrieden seyn,so gehet in diesen Stall hinein.Da liegt ein wenig Stroh und Heu,auf daß mirs nicht zu weit ausstreuh!

Maria:

Ist das Plätzchen noch so klein,so wollen wir damit zufrieden seyn.

Ist das Plätzchen noch so klein,so wollen wir damit zufrieden seyn.

Der 1. König.

Ich will mich einmal sehen um,wie das Gestirne läuft herum,das ich wahrhaftig schreiben kann,was sich das Jahr hat zugetran –Man sagt, es sey ein neuer König geboren,dieser König ist gewiß geboren schonach! schön bist du und glänzest hell –Glück zu, ihr drey weisen Gesell!

Ich will mich einmal sehen um,wie das Gestirne läuft herum,das ich wahrhaftig schreiben kann,was sich das Jahr hat zugetran –Man sagt, es sey ein neuer König geboren,dieser König ist gewiß geboren schonach! schön bist du und glänzest hell –Glück zu, ihr drey weisen Gesell!

Der 1. Schäfer(im weißen Gewand in gelben Hosen, runder Mütze, wie ein Schachthut geformt, die mit Goldpapier besetzt war und mit einem grünen Stab in der Hand):

Wir armen Schäfersleut sind wohl hier auf Erdenvon der geringsten Art, die kaum genannt mag werden.Im Sommer über liegen wir wohl auf dem freyen Feld.Haben wenig Brot und auch dazu kein Heller Geld,im Winter aber müssen wir viel Kält und Frost ausstehen,und dürfen überdies noch keine Nacht zu Bette gehen.Der Wolf schleicht um die Schafe bald nieder bald aufdrum heißt es, ihr Schäfersleut, habt fleißig Acht darauf!

Wir armen Schäfersleut sind wohl hier auf Erdenvon der geringsten Art, die kaum genannt mag werden.Im Sommer über liegen wir wohl auf dem freyen Feld.Haben wenig Brot und auch dazu kein Heller Geld,im Winter aber müssen wir viel Kält und Frost ausstehen,und dürfen überdies noch keine Nacht zu Bette gehen.Der Wolf schleicht um die Schafe bald nieder bald aufdrum heißt es, ihr Schäfersleut, habt fleißig Acht darauf!

Der 2. Schäfer.

Ich lasse nicht alle Hoffnung schwinden,dieweil wir nun von unsern Sündenso Gott es will durch wahre Buß bekehrenso wird er uns viel Guts bescheren.Halt an, halt an, was hör ich klingenund fröhlich in den Lüften singen?Dies ist das liebe Engelein,dies, dies wird der rechte Bote seyn.

Ich lasse nicht alle Hoffnung schwinden,dieweil wir nun von unsern Sündenso Gott es will durch wahre Buß bekehrenso wird er uns viel Guts bescheren.Halt an, halt an, was hör ich klingenund fröhlich in den Lüften singen?Dies ist das liebe Engelein,dies, dies wird der rechte Bote seyn.

Der 1. Schäfer.

Auf, auf Gespann, die Nacht ist schon vergangen,wir wolln mit Freuden wieder einen neuen Tag anfangen,dieweil wir nun die Pflicht der Ruh genossen,so wolln wir säumen nicht, doch längst schon unverdrossendes Höchsten Ruhm erhebe sichmit Danken und mit Beten.Allein, was seh doch,die dort herzu uns treten?Weil dann die Furcht mit Schrecken gar kein Ende nimmt,schaut her, der helle Glanz, der jetzt herzu uns kimmt.

Auf, auf Gespann, die Nacht ist schon vergangen,wir wolln mit Freuden wieder einen neuen Tag anfangen,dieweil wir nun die Pflicht der Ruh genossen,so wolln wir säumen nicht, doch längst schon unverdrossendes Höchsten Ruhm erhebe sichmit Danken und mit Beten.Allein, was seh doch,die dort herzu uns treten?Weil dann die Furcht mit Schrecken gar kein Ende nimmt,schaut her, der helle Glanz, der jetzt herzu uns kimmt.

Der kleine Engel.

Hört ihr Hirten, fürcht euch nicht,eine große Freud, die ich euch berichtdenn euch ist heut der Heiland geborenwelcher ist Christus auserkoren.

Hört ihr Hirten, fürcht euch nicht,eine große Freud, die ich euch berichtdenn euch ist heut der Heiland geborenwelcher ist Christus auserkoren.

Der 1. Schäfer.

Nun hört doch, ihr lieben Gespann mein,zu uns Hirten ist kommen ein Engelein.Hat uns verkündet von einem schönen Kindeleinwelches liegt in einem Krippelein,dies, dies soll der Heiland seyn.

Nun hört doch, ihr lieben Gespann mein,zu uns Hirten ist kommen ein Engelein.Hat uns verkündet von einem schönen Kindeleinwelches liegt in einem Krippelein,dies, dies soll der Heiland seyn.

Der 2. Schäfer.

Nun, wohlan, so laßt uns gahn,um diese Dinge recht erfahren,dieweil uns Gott der Herr hat solches kund gethan,unser Vieh wird er indessen wohl bewahren.

Nun, wohlan, so laßt uns gahn,um diese Dinge recht erfahren,dieweil uns Gott der Herr hat solches kund gethan,unser Vieh wird er indessen wohl bewahren.

Alle drei Schäfer singen:

Nun laßt uns gehen zum Krippelein,beschaun wie diese Geschichte sey,denn weil so viel tausend Engeleinsingen von dem schönen Kindelein.

Nun laßt uns gehen zum Krippelein,beschaun wie diese Geschichte sey,denn weil so viel tausend Engeleinsingen von dem schönen Kindelein.

Der 1. König.

Ich, König Kaspar aus Hustiz,ich besitze zwar großen Verstand und Witz,wie das ich aber seh gewiß,daß der Stern erschienen is (t).

Ich, König Kaspar aus Hustiz,ich besitze zwar großen Verstand und Witz,wie das ich aber seh gewiß,daß der Stern erschienen is (t).

Der 2. König.

Ich, König Melchor aus Griechewitz,ich besitze zwar großen Verstand und Witzwie das ich aber seh gewiß,daß der Stern erschienen is.

Ich, König Melchor aus Griechewitz,ich besitze zwar großen Verstand und Witzwie das ich aber seh gewiß,daß der Stern erschienen is.

Der Mohrenkönig(grüne Jacke, rotes mit Goldpapier besetztes Schurzfell, einen Degen an der Seite und eine Krone auf dem Haupt):

Ich bin der Schwarze aus Mohrenland,ich, König Palzar aus Orient werd ich genannt,ich sags euch frey nach meinem schlechten Verstand gewiß,daß der Stern erschienen is.

Ich bin der Schwarze aus Mohrenland,ich, König Palzar aus Orient werd ich genannt,ich sags euch frey nach meinem schlechten Verstand gewiß,daß der Stern erschienen is.

Der 4. Schäfer.

Ihr Brüder, haben wir auch dem Kindlein etwas mitzubringen?

Ihr Brüder, haben wir auch dem Kindlein etwas mitzubringen?

Der 3. Schäfer.

Ach, ich wüßte nichts von unserm armen Hirtenleben,daß wir dem Kindlein könnten geben,doch wolln wir singen ein schönes Liedeleinzu Ehren dem schönen Kindelein.

Ach, ich wüßte nichts von unserm armen Hirtenleben,daß wir dem Kindlein könnten geben,doch wolln wir singen ein schönes Liedeleinzu Ehren dem schönen Kindelein.

Alle Schäfer singen:

In dulci jubilo, nun singet und seid frohunsers Herzens Wonne liegt inpraesepioetc.

In dulci jubilo, nun singet und seid frohunsers Herzens Wonne liegt inpraesepioetc.

Der 1. Schäfer.

Nimm an, du schönes Kindeleinvon uns das schöne Liedeleindas wir jetzt gesungen habendu wollest uns nicht unbelohnet haben.

Nimm an, du schönes Kindeleinvon uns das schöne Liedeleindas wir jetzt gesungen habendu wollest uns nicht unbelohnet haben.

Der 2. Schäfer.

Ach mein herzliebes Jesulein,mach dir ein so neues Bettelein,zu ruhn (in) meines Herzensschrein,das ich nimmermehr vergesse dein.

Ach mein herzliebes Jesulein,mach dir ein so neues Bettelein,zu ruhn (in) meines Herzensschrein,das ich nimmermehr vergesse dein.

Der 1. Schäfer.

Da liegst du, o schönes Kindelein,das aller Welt soll Heiland seyn.

Da liegst du, o schönes Kindelein,das aller Welt soll Heiland seyn.

Der 2. Schäfer.

Ist das nicht eine wunderbare Sache,daß man den Heyland so schlecht und geringe achte.

Ist das nicht eine wunderbare Sache,daß man den Heyland so schlecht und geringe achte.

Alle Schäfer singend ab:

Nun wir gehen von deiner Krippen etc.

Nun wir gehen von deiner Krippen etc.

Der 2. König.

Lasset uns den Herodes fragen,daß er uns tät diese Geschichte sagen.

Lasset uns den Herodes fragen,daß er uns tät diese Geschichte sagen.

Die drei Könige singen:

Jacob Stern, du Licht der Erden etc.

Jacob Stern, du Licht der Erden etc.

Der Mohrenkönigkommt zum König Herodes:

Glück und Sieg nach stetem FriedenSey mir der König aus Judäa.

Glück und Sieg nach stetem FriedenSey mir der König aus Judäa.

König Herodes.

Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herrn frey,sie sind mir aber willkommen die Herren alle drey,sie sollen mir aber Bescheid thun, wer sie seyn –denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache seyn.

Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herrn frey,sie sind mir aber willkommen die Herren alle drey,sie sollen mir aber Bescheid thun, wer sie seyn –denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache seyn.

Der Mohrenkönig.

König Herodes, wir sind in seiner Gewalt,und demütigen uns für seiner Gestalt,was aber unsere Verrichtung sey,wir wolln fragen, wo der neugeborene König der Juden sey.Denn, wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern,und sind deswegen kommen an,daß liebe Kind zu beten an.

König Herodes, wir sind in seiner Gewalt,und demütigen uns für seiner Gestalt,was aber unsere Verrichtung sey,wir wolln fragen, wo der neugeborene König der Juden sey.Denn, wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern,und sind deswegen kommen an,daß liebe Kind zu beten an.

König Herodes.

Hu! ich weiß von keinem König nichts,ich bin der König und kein andrer nicht.Wäre mir ein neuer König geboren,wäre mein ganzes Königreich verloren.Ich will mir aber bald lassen fordern hereinen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagenwo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.Hallo! mein Diener Laban, fordre mir alsbald einen Schriftgelehrten!

Hu! ich weiß von keinem König nichts,ich bin der König und kein andrer nicht.Wäre mir ein neuer König geboren,wäre mein ganzes Königreich verloren.Ich will mir aber bald lassen fordern hereinen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagenwo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.Hallo! mein Diener Laban, fordre mir alsbald einen Schriftgelehrten!

Der Kriegsknecht.

Ganz gehorsam, ihre König Majestät.

Ganz gehorsam, ihre König Majestät.

(geht nach einem Winkel wo der Schriftgelehrte steht)

(geht nach einem Winkel wo der Schriftgelehrte steht)

Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen!

Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen!

Schriftgelehrter(mit einer großen Brille nebst einem Buch, die Bibel vorstellend, die er hin und her wirft, schwarz gekleidet):

O wey, o wey, wie geschieht mir –ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?

O wey, o wey, wie geschieht mir –ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?

Kriegsknecht:

Unfehlbar.

Unfehlbar.

Schriftgelehrter(kommt zu Herodes).

Ey Schalom, ey Schalom, mein lieber Herr König,was ist ihr Bitten und Begehr,daß sie mich haben lassen fordern hierher?

Ey Schalom, ey Schalom, mein lieber Herr König,was ist ihr Bitten und Begehr,daß sie mich haben lassen fordern hierher?

König Herodes.

Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren,welches mir ist, ein neuer König geboren,dieweil allda sind zur Handdrei Könige aus dem Mohrenland.Die fragen mich ohne alle Scheu,wo der neugeborene König der Juden sey.Drum sag und bericht in der That,wo und welcher Stadtzu finden ist ein solches Kind.

Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren,welches mir ist, ein neuer König geboren,dieweil allda sind zur Handdrei Könige aus dem Mohrenland.Die fragen mich ohne alle Scheu,wo der neugeborene König der Juden sey.Drum sag und bericht in der That,wo und welcher Stadtzu finden ist ein solches Kind.

Schriftgelehrter:

Soviel ich weiß und befindlich ist,so schreibt der Prophet Michoim V. seiner Kapitel also:und du Bethlehem in Ephratadie du klein bist unter den Tausenden in Judaaus dir soll mir der kommen,der über mein Volk ein Herr sey, ein Herr sey.

Soviel ich weiß und befindlich ist,so schreibt der Prophet Michoim V. seiner Kapitel also:und du Bethlehem in Ephratadie du klein bist unter den Tausenden in Judaaus dir soll mir der kommen,der über mein Volk ein Herr sey, ein Herr sey.

König Herodes.

Nun hört, ihr großen Herrn insgemein –ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.

Nun hört, ihr großen Herrn insgemein –ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.

Der 1. König.

Wo uns der Stern erschienen ist,das sagen wir zu dieser Frist,er ist uns erschienen im Morgenland,drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.

Wo uns der Stern erschienen ist,das sagen wir zu dieser Frist,er ist uns erschienen im Morgenland,drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.

König Herodes.

Nun hört doch, ihr großen Herren insgemein,ziehet nun hin nach Bethlehem fein;und sucht fleißig bis daß ihrs find,und wenn ihrs dann gefunden habt,so kommt wieder her in diese Stadt,und bericht mich auch fein geschwind,daß ich auch komme und anbete das liebe Kindund große Schätze gebe feinund mit mir nehme aufs Schloß herein;ich wollte wünschen, sie kämen glücklich an den Ort.

Nun hört doch, ihr großen Herren insgemein,ziehet nun hin nach Bethlehem fein;und sucht fleißig bis daß ihrs find,und wenn ihrs dann gefunden habt,so kommt wieder her in diese Stadt,und bericht mich auch fein geschwind,daß ich auch komme und anbete das liebe Kindund große Schätze gebe feinund mit mir nehme aufs Schloß herein;ich wollte wünschen, sie kämen glücklich an den Ort.

Der 2. König.

So wir das liebe Kind werden treffen an,so wolln wir ihre König Majestät kund und zu wissen thun.

So wir das liebe Kind werden treffen an,so wolln wir ihre König Majestät kund und zu wissen thun.

Die drei Könige singen:

Kein Herodes kann uns sagen,Wo sein Thron ist aufgestellt etc. –

Kein Herodes kann uns sagen,Wo sein Thron ist aufgestellt etc. –

(Sie kommen zu Joseph und fallen vor der Krippe nieder.)

(Sie kommen zu Joseph und fallen vor der Krippe nieder.)

Der 1. König.

Nimm hin arabisch Goldund sei dabei uns Heyden hold.

Nimm hin arabisch Goldund sei dabei uns Heyden hold.

Der 2. König.

Nimm hin den Weihrauch aus meiner Handden schreib ich dir zum Unterpfand.

Nimm hin den Weihrauch aus meiner Handden schreib ich dir zum Unterpfand.

Der Mohrenkönig.

Da will ich dir die Myrrhe verehrendaß du uns wirst viel Freude bescheren.

Da will ich dir die Myrrhe verehrendaß du uns wirst viel Freude bescheren.

Joseph.

Habt Dank ihr Herren alle drey(hustet bei einem jeden Wort auf sonderbarer Art.)

Habt Dank ihr Herren alle drey(hustet bei einem jeden Wort auf sonderbarer Art.)

Der 1. König.

Führ uns in den Himmel ein –

Führ uns in den Himmel ein –

Mariasingt:

Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein,Koch dem Kind ein Breielein.

Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein,Koch dem Kind ein Breielein.

Joseph.

Maria, Maria, das will ich gerne thun,dieweil nun schläft dein lieber Suhn,will ich dir machen ein Feuerleinund will kochen dem Kind ein Breilein,Den Brei koch ich und bück mich hart,dabei verbrenn ich mir den Bart.Jetzt kommt die kalte Winterszeit,so beschwerlich über uns arme Leut,daß ich faßt so erfroren bin,so dauert mich das liebe Kind.

Maria, Maria, das will ich gerne thun,dieweil nun schläft dein lieber Suhn,will ich dir machen ein Feuerleinund will kochen dem Kind ein Breilein,Den Brei koch ich und bück mich hart,dabei verbrenn ich mir den Bart.Jetzt kommt die kalte Winterszeit,so beschwerlich über uns arme Leut,daß ich faßt so erfroren bin,so dauert mich das liebe Kind.

Der 1. König.

Ich bin müd und abgematt',die Abendzeit uns überschatt',wir wolln ein wenig schlummern ein,Gott, Gott wird unser Hüter sein.

Ich bin müd und abgematt',die Abendzeit uns überschatt',wir wolln ein wenig schlummern ein,Gott, Gott wird unser Hüter sein.

Der 2. König.

So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh,legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.

So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh,legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.

Der Mohrenkönig.

Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!

Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!

Der kleine Engel.

Hört ihr drei Weisen aus Morgenlandvon Gott bin ich zu Euch gesandt,daß ihr euch sollt von dem Weg ablenkenund nicht wieder nach Herodes lenken,denn weil Herodes eitel falsche Listerdacht wider den Herrn Jesum Christ.

Hört ihr drei Weisen aus Morgenlandvon Gott bin ich zu Euch gesandt,daß ihr euch sollt von dem Weg ablenkenund nicht wieder nach Herodes lenken,denn weil Herodes eitel falsche Listerdacht wider den Herrn Jesum Christ.

Der Mohrenkönig.

Auf, auf ihr großen Könige mit mirein Engel im Traum erscheinet mir,daß wir sollen von dem Weg ablenkenund nicht wieder nach Herodes lenken,denn weil Herodes eitel falsche Listerdacht wider den Herrn Jesus Christ.

Auf, auf ihr großen Könige mit mirein Engel im Traum erscheinet mir,daß wir sollen von dem Weg ablenkenund nicht wieder nach Herodes lenken,denn weil Herodes eitel falsche Listerdacht wider den Herrn Jesus Christ.

Die Königesingen und gehen alsbald ab:

Deine Krippen glänzen hell etc.

Deine Krippen glänzen hell etc.

Der kleine Engelkommt zu Joseph:

Joseph, mein lieber Joseph mein,steh auf und nimm das Kindeleinund seine Mutter bey der Handund flieh mit ihr nach Egyptenland,und bleib allda bis ich sage dir –denn es ist Gefahr vorhanden hierdenn weil Herodes das Kindlein sucht,denn weil er uns umbringen tut –

Joseph, mein lieber Joseph mein,steh auf und nimm das Kindeleinund seine Mutter bey der Handund flieh mit ihr nach Egyptenland,und bleib allda bis ich sage dir –denn es ist Gefahr vorhanden hierdenn weil Herodes das Kindlein sucht,denn weil er uns umbringen tut –

Joseph.

Maria, Maria steh auf und nimm das Kindleindaß wirs bringen aus der Gefahr,dieweil es Herodes beschlossen gardas Kindlein umzubringen zur Hand,so wolln wir wieder ziehen nach Egyptenland.

Maria, Maria steh auf und nimm das Kindleindaß wirs bringen aus der Gefahr,dieweil es Herodes beschlossen gardas Kindlein umzubringen zur Hand,so wolln wir wieder ziehen nach Egyptenland.

König Herodes.

O weicht! o weicht! alles Unglück auf mich herabbricht,und da ich saß auf meinem Thronein süßer Schlaf der kam mir án (on)kaum tat ich meine Augen zuda kam ein Löw in meine Ruhund stürzte mich in meinem Tronund riß die Kron von meinem Haupt herab.Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt,daß mir faßt das Herz im Leib zerspringt;dieweil ich nunmehr sehe andaß mich die Weisen betrogen han.Auf Kriegsknecht! rüste dichhau und brenne, tödt und stichund laß dein Schwert den Kindern blutig wetzenund thu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen!Wirst du das thun –so wird meine Krone auf festem Grunde ruhn!

O weicht! o weicht! alles Unglück auf mich herabbricht,und da ich saß auf meinem Thronein süßer Schlaf der kam mir án (on)kaum tat ich meine Augen zuda kam ein Löw in meine Ruhund stürzte mich in meinem Tronund riß die Kron von meinem Haupt herab.Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt,daß mir faßt das Herz im Leib zerspringt;dieweil ich nunmehr sehe andaß mich die Weisen betrogen han.Auf Kriegsknecht! rüste dichhau und brenne, tödt und stichund laß dein Schwert den Kindern blutig wetzenund thu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen!Wirst du das thun –so wird meine Krone auf festem Grunde ruhn!

Kriegsknecht.

Ganz gehorsam, ihr Könige Majestät –was sie mir anbefohlen haben, soll alsbald ins Werk gerichtet werden.Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein Kind verschonen.Ei! so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus,will durchgehn durch das ganze jüdische Landwill alle Knaben von 1, 2 bis Jahren.Was drunter ist soll keins am Leben bleiben,und wenn die Eltern täten Blut weinen.

Ganz gehorsam, ihr Könige Majestät –was sie mir anbefohlen haben, soll alsbald ins Werk gerichtet werden.Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein Kind verschonen.Ei! so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus,will durchgehn durch das ganze jüdische Landwill alle Knaben von 1, 2 bis Jahren.Was drunter ist soll keins am Leben bleiben,und wenn die Eltern täten Blut weinen.

Die ganze Schaar, 13 an der Zahl, singen:

Wenn wir in höchsten Nöten seynund wissen nicht, wo aus noch ein etc.

Wenn wir in höchsten Nöten seynund wissen nicht, wo aus noch ein etc.

Kriegsknecht.

Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten,es half kein Flehen, es half kein Bitten,viel tausend Mann hab ich erschlagen –trotz dem, der mir ein Wort kann sagen!Die kleinen Kinder schrien erbärmlich,bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich[t],nun hab ich abermals ihre Könige Majestät Willen vollbracht,daß sie nicht Ursache haben über mich zu klagenich bin so tyrannisch mit ihn[en] umgegangen,es ist mir gewesen, als wenn [ich] nichts hab ermachen können! [als wenn ichs nicht hätt machen können!]

Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten,es half kein Flehen, es half kein Bitten,viel tausend Mann hab ich erschlagen –trotz dem, der mir ein Wort kann sagen!Die kleinen Kinder schrien erbärmlich,bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich[t],nun hab ich abermals ihre Könige Majestät Willen vollbracht,daß sie nicht Ursache haben über mich zu klagenich bin so tyrannisch mit ihn[en] umgegangen,es ist mir gewesen, als wenn [ich] nichts hab ermachen können! [als wenn ichs nicht hätt machen können!]

König Herodes.

Recht, so, nichts daran gelogen –List muß wieder mit List belohnt werden.Der Anfang ist gemacht, wer mir wird widerstehen,der soll alsbald mit Schrecken untergehen,allein die Juden mögen mich lassen,sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen.Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt auch noch nicht nach.Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr,nun fürcht sich kein Herodes mehr!

Recht, so, nichts daran gelogen –List muß wieder mit List belohnt werden.Der Anfang ist gemacht, wer mir wird widerstehen,der soll alsbald mit Schrecken untergehen,allein die Juden mögen mich lassen,sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen.Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt auch noch nicht nach.Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr,nun fürcht sich kein Herodes mehr!

Gesang: Wunderkind wie deine Kinder etc.

Gesang: Wunderkind wie deine Kinder etc.

Der größere Engel.

Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein,wir bedanken uns auch alle feinfür das Geschenk, das sie uns verehrt haben.Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr!Und sollten wir noch gesund seyn,so kommen wir nächstes Jahr wieder rein.Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.

Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein,wir bedanken uns auch alle feinfür das Geschenk, das sie uns verehrt haben.Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr!Und sollten wir noch gesund seyn,so kommen wir nächstes Jahr wieder rein.Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.

Gesang: Heut schleußt er wieder auf die Thür.[8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]

Gesang: Heut schleußt er wieder auf die Thür.[8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]

Die ganze Verhandlung läßt erkennen, daß jedenfalls der Ortsgeistliche der Urheber des Schriftstückes gewesen ist. Der Lehnrichter Siegel hatte die Aufführung in seinem Saale verboten, da ging man kurzerhand ins Zechenhaus. Dies untersagte das Bergamt zu Geyer. Das Konsistorium in Dresden ließ die Sache bis zum Kurfürsten[15]gelangen, aus dessen Kabinett ein Befehl an den Amtmann zu Stollberg erging, die Uebeltäter zu bestrafen und zwar mit 2 Tagen Gefängnis und Tragung der nicht unerheblichen Kosten. Das Amt zu Stollberg verfügte demgemäß. Man versteht heutzutage die Maßnahmen der Geistlichen kaum, denn dem hohen Konsistorium zu liebe, wurde schließlich doch das Urteil gefällt. Es zeigt von einer Beschränktheit und Volksfremdheit, die durchaus nicht etwa die Stimmung der Bevölkerung im kirchenfreundlichen Sinne beeinflußte. Spieler und Hörer glaubten bei der Ausübung der alten Sitte ein christliches Werk zu tun. Der Vorwurf, die heilige Geschichte lächerlich gemacht zu haben, lehnten sie entschieden ab.

DasThalheimer Spielist jedenfalls weitverbreitet gewesen. Der Bergmann Unger will es auch in Breitenbrunn mitgespielt haben.

In der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung vom 23. Dezember 1902 berichtet Karl Freyboth über ein »Heilige drey König Spiehl«, welches ihm in einer Niederschrift vom 15. Februar 1805 vorlag. Ein Johann August Hermann in Raschau hat es aufgeschrieben. Es wurde auch in Schwarzenberg und Grünhain aufgeführt und ähnelt fast vollständig dem vorher mitgeteilten Thalheimer Spiel. Die Bruchstücke lassen aber erkennen, daß die Königs- und Hirtenszenen besser geordnet sind, wie dies auch im Wiesenthaler Spiel der Fall ist. Der Epilog, vom Engel gesprochen, weicht auch vom Thalheimer Spiel ab:

Ihr geehrten Herren und Frauen insgemein,was ein Anfang hat, muß auch ein Ende sein.Sie habens doch vernommen zwar,wie es zuging mit der Christenschar.Gott sandte doch ein Engelein,zu behüten das liebe Jesulein,dieweil Herodes eine falsche Listerdacht hat wider den Herrn Jesus Christ.

Ihr geehrten Herren und Frauen insgemein,was ein Anfang hat, muß auch ein Ende sein.Sie habens doch vernommen zwar,wie es zuging mit der Christenschar.Gott sandte doch ein Engelein,zu behüten das liebe Jesulein,dieweil Herodes eine falsche Listerdacht hat wider den Herrn Jesus Christ.

Er entschuldigt die arme Handlung, die armseligen Verse, die mangelhaften Reime. Zum Abschied spricht er:

Sollt aber ein Fehler vorgegangen sein,ein andermal wolln wir es bringen ein.Wenn wir werden wieder einmal anlangen,so wollen wir wünschen, wir werden einander mit Freuden empfangen.

Sollt aber ein Fehler vorgegangen sein,ein andermal wolln wir es bringen ein.Wenn wir werden wieder einmal anlangen,so wollen wir wünschen, wir werden einander mit Freuden empfangen.

Den Schluß bildet der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür.«

Ein ganz hervorragendes Spiel teilt E. Giersner, Dresden, im 5. Heft des 2. Bandes der Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde mit. Das Original befindet sich in den Händen des Herrn Zimmerhäckel in Löwenhain und trägt die Aufschrift »Johann Gottlieb Streller, Löwenhain 1823.« Giersner hat sich das schwer lesbare Manuskript von einem damals noch lebenden Sohne des Streller ergänzen lassen. Es unterscheidet sich in verschiedenen Punkten von den anderen erzgebirgischen Spielen, so fehlt z. B. die Herbergsszene. Auch ist eine komische Figur, der Gardeson, eingefügt, der wohl dem Hofnarren entspricht. Es ist außerdem ausschließlich ein Königspiel. Seine Verwandtschaft mit dem Thalheimer Spiel kann es nicht verleugnen. Man sehe sich die Hirtenszenen in beiden Spielen darauf an. Das Spiel mag hier folgen:

DerSternträgerfängt an zu singen:


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