Das Wiesenthaler Spiel.
Dieses ist 1910 von Pastor Böhme aufgezeichnet worden und wird zuerst im »Glück auf«, Jahrgang 1910, Seite 183 ff, veröffentlicht. Im nächsten Jahrgang (1911, Seite 39) bringt Schuldirektor O. Borges in Leipzig einige Berichtigungen und Ergänzungen. Wir stellen die beiden Bearbeitungen nebeneinander. Die alte Fassung (Borges) scheint die volkstümlich wertvollere zu sein.
Personen:Maria, Josef, Hohenpriester, Diener Laban, 3 Könige, 3 Bediente, Wirt, Herodes, Engel, 2 Hirten.Gesang: Vom Himmel hoch.
Personen:
Maria, Josef, Hohenpriester, Diener Laban, 3 Könige, 3 Bediente, Wirt, Herodes, Engel, 2 Hirten.
Gesang: Vom Himmel hoch.
Alte Fassung.Hohenpriester.Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit,ein frohes Jahr, gesunden LeibUnd was Ihr Herz tut mehr begehren,Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn,weil sich die Zeit jetzt tut herwenden,der Weisen Freude zu gedenken,so wollen wir etwas diskurieren,von der Geburt Jesu, unsres Herrn,und wie sie hat geführt der Stern.(Geht ab.)
Alte Fassung.
Hohenpriester.
Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit,ein frohes Jahr, gesunden LeibUnd was Ihr Herz tut mehr begehren,Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn,weil sich die Zeit jetzt tut herwenden,der Weisen Freude zu gedenken,so wollen wir etwas diskurieren,von der Geburt Jesu, unsres Herrn,und wie sie hat geführt der Stern.
Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit,ein frohes Jahr, gesunden LeibUnd was Ihr Herz tut mehr begehren,Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn,weil sich die Zeit jetzt tut herwenden,der Weisen Freude zu gedenken,so wollen wir etwas diskurieren,von der Geburt Jesu, unsres Herrn,und wie sie hat geführt der Stern.
(Geht ab.)
(Geht ab.)
Neue Fassung.Hohenpriester.Nun ist das schönste Fest auf Erden,Das heilge Christfest wieder da.Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden,der, als er einer Welt voll Sünder elend sah,vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte,daß er – was ihm das Teuerste und Liebste war, –selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandteund ihn, – doch wer erstaunt hier nicht sogar? –vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte,wo die Maria ihn gebar,gebar in einem finstern Stalle,wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war.Hier lag er nun zur Rettung für uns alle,uns zu erretten von dem Sündenfalle,der leider uns die Gnade Gottes nahm.Ein Engel, der vom Himmel kann,rief: »Ich verkündige euch große Freude,die allem Volke widerfahren soll,denn heute ist der Heiland euch geboren,der euch das wiederbringt, was ihr verloren.«Freut euch, Erwachsene, auch nicht minderihr guten, ihm so teuren Kinder,freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradieseröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ.Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namenund sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen!Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht!Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht,so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht,so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben,so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.(Geht ab.)
Neue Fassung.
Hohenpriester.
Nun ist das schönste Fest auf Erden,Das heilge Christfest wieder da.Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden,der, als er einer Welt voll Sünder elend sah,vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte,daß er – was ihm das Teuerste und Liebste war, –selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandteund ihn, – doch wer erstaunt hier nicht sogar? –vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte,wo die Maria ihn gebar,gebar in einem finstern Stalle,wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war.Hier lag er nun zur Rettung für uns alle,uns zu erretten von dem Sündenfalle,der leider uns die Gnade Gottes nahm.Ein Engel, der vom Himmel kann,rief: »Ich verkündige euch große Freude,die allem Volke widerfahren soll,denn heute ist der Heiland euch geboren,der euch das wiederbringt, was ihr verloren.«Freut euch, Erwachsene, auch nicht minderihr guten, ihm so teuren Kinder,freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradieseröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ.Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namenund sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen!Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht!Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht,so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht,so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben,so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.
Nun ist das schönste Fest auf Erden,Das heilge Christfest wieder da.Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden,der, als er einer Welt voll Sünder elend sah,vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte,daß er – was ihm das Teuerste und Liebste war, –selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandteund ihn, – doch wer erstaunt hier nicht sogar? –vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte,wo die Maria ihn gebar,gebar in einem finstern Stalle,wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war.Hier lag er nun zur Rettung für uns alle,uns zu erretten von dem Sündenfalle,der leider uns die Gnade Gottes nahm.Ein Engel, der vom Himmel kann,rief: »Ich verkündige euch große Freude,die allem Volke widerfahren soll,denn heute ist der Heiland euch geboren,der euch das wiederbringt, was ihr verloren.«Freut euch, Erwachsene, auch nicht minderihr guten, ihm so teuren Kinder,freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradieseröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ.Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namenund sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen!Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht!Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht,so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht,so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben,so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.
(Geht ab.)
(Geht ab.)
In beiden Fassungen.
Wirt:
Was gibts heut für ein Wunderspiel?Hab ich der Gäste doch sovielwie oftmals nicht? oft ist das Hausso leer, daß mich befällt ein Graus.Heut will ich mir den Beutel spicken,auf lange Zeit die Früchte pflücken,mein Haus soll mir, bei meinem Eid,bezahlet werden von solchen Leut.Ich will die Gäste gar gut traktieren,dabei auch doppelte Kreide führen,bei hohem Preis und blankem Geld,weil beides nur den Wirt erhält.
Was gibts heut für ein Wunderspiel?Hab ich der Gäste doch sovielwie oftmals nicht? oft ist das Hausso leer, daß mich befällt ein Graus.Heut will ich mir den Beutel spicken,auf lange Zeit die Früchte pflücken,mein Haus soll mir, bei meinem Eid,bezahlet werden von solchen Leut.Ich will die Gäste gar gut traktieren,dabei auch doppelte Kreide führen,bei hohem Preis und blankem Geld,weil beides nur den Wirt erhält.
(Maria und Josef kommen von rechts.)
(Maria und Josef kommen von rechts.)
Doch halt, was kommt dort für ein Alter her,der trägt seinen Kober ganz die Quer,der wird gewiß wollen Herberg haben,eine warme Stube, die wird ihn laben.Er sieht so frostig um sein Maul,ich will hingehn, will sein nicht faul,will hören was sein Begehr ist.Woher, Alter, zu dieser Frist?
Doch halt, was kommt dort für ein Alter her,der trägt seinen Kober ganz die Quer,der wird gewiß wollen Herberg haben,eine warme Stube, die wird ihn laben.Er sieht so frostig um sein Maul,ich will hingehn, will sein nicht faul,will hören was sein Begehr ist.Woher, Alter, zu dieser Frist?
Josef.
Ach mein allerliebster Herr,ich komme gar von Weitem her,meiner gnädigen Herrschaft zu gehorchen.Ich bitt, wollt mich beherbergen bis morgen.
Ach mein allerliebster Herr,ich komme gar von Weitem her,meiner gnädigen Herrschaft zu gehorchen.Ich bitt, wollt mich beherbergen bis morgen.
Wirt.
Ihr seht mir viel zu ärmlich aus,paßt heute gar nicht in mein Haus,ist auch kein Raum für euch mehr hier,sucht euch ein anderes Nachtquartier.
Ihr seht mir viel zu ärmlich aus,paßt heute gar nicht in mein Haus,ist auch kein Raum für euch mehr hier,sucht euch ein anderes Nachtquartier.
Josefspricht zu Maria:
Maria gieh du na, weil iech nichts richten ka.
Maria gieh du na, weil iech nichts richten ka.
oder
oder
Maria, bitte du, weil ich nichts richten tu.
Maria, bitte du, weil ich nichts richten tu.
Alte Fassung.Maria.Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nichtund geb er uns doch guten Bericht,seh er doch meinem Umstand anund meinen alten grauen Mann.Wirt.So gehet hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all.Und was ich euch lasse tragen für,so kommet und bezahlet mir.Josef.Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen,Gott wird schicken all unnere Sachen.Maria.Ach Josef, mein getreuer Mann,ich dir nicht mehr verhehlen kann:Ich werde nach des Herrn Wortein Kind gebären in diesem Ort.Josef.Daß mir die Sach net kund mog sei,Maria, mit den Kindelei!Ich hob mich a besunne schu,ich war noch lafen gar drvu.Engel.Ach Josef, ändere deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin.Wenn du verlassen wirst dein Weib,das wird dir bringen großes Leid.Denn was von ihr geboren ist,das soll heißen Jesus Christ,soll der ganzen Welt Erlöser werden,ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Alte Fassung.
Maria.
Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nichtund geb er uns doch guten Bericht,seh er doch meinem Umstand anund meinen alten grauen Mann.
Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nichtund geb er uns doch guten Bericht,seh er doch meinem Umstand anund meinen alten grauen Mann.
Wirt.
So gehet hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all.Und was ich euch lasse tragen für,so kommet und bezahlet mir.
So gehet hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all.Und was ich euch lasse tragen für,so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen,Gott wird schicken all unnere Sachen.
Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen,Gott wird schicken all unnere Sachen.
Maria.
Ach Josef, mein getreuer Mann,ich dir nicht mehr verhehlen kann:Ich werde nach des Herrn Wortein Kind gebären in diesem Ort.
Ach Josef, mein getreuer Mann,ich dir nicht mehr verhehlen kann:Ich werde nach des Herrn Wortein Kind gebären in diesem Ort.
Josef.
Daß mir die Sach net kund mog sei,Maria, mit den Kindelei!Ich hob mich a besunne schu,ich war noch lafen gar drvu.
Daß mir die Sach net kund mog sei,Maria, mit den Kindelei!Ich hob mich a besunne schu,ich war noch lafen gar drvu.
Engel.
Ach Josef, ändere deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin.Wenn du verlassen wirst dein Weib,das wird dir bringen großes Leid.Denn was von ihr geboren ist,das soll heißen Jesus Christ,soll der ganzen Welt Erlöser werden,ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Ach Josef, ändere deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin.Wenn du verlassen wirst dein Weib,das wird dir bringen großes Leid.Denn was von ihr geboren ist,das soll heißen Jesus Christ,soll der ganzen Welt Erlöser werden,ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Neue Fassung.Maria.Ach Herr, verstoßt mich doch nicht,und gebt mir einen guten Bericht,weist mir ein Plätzchen im Stall anmit meinem alten grauen Mann.Wirt.So geht nun hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all!Da sollt ihr euer Wohnung hanmit eurem alten, grauen Mann.Und alles, was ich euch laß tragen für,so kommet und bezahlet mir.Josef.Jetzt hab ich mir das Ding bedacht,und das wird auch so gleich vollbrachtIch geh halt fort ganz in der Still,kann Maria machen, was sie will.Engel.Ach Josef, ändre deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin,behalt Maria, dein Gemahl,und änder die getroffne Wahl!Bleib du bei ihr und liebe sieGott lohnt dir alle deine Müh.
Neue Fassung.
Maria.
Ach Herr, verstoßt mich doch nicht,und gebt mir einen guten Bericht,weist mir ein Plätzchen im Stall anmit meinem alten grauen Mann.
Ach Herr, verstoßt mich doch nicht,und gebt mir einen guten Bericht,weist mir ein Plätzchen im Stall anmit meinem alten grauen Mann.
Wirt.
So geht nun hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all!Da sollt ihr euer Wohnung hanmit eurem alten, grauen Mann.Und alles, was ich euch laß tragen für,so kommet und bezahlet mir.
So geht nun hinter in den Stallzum Ochsen und zum Esel all!Da sollt ihr euer Wohnung hanmit eurem alten, grauen Mann.Und alles, was ich euch laß tragen für,so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Jetzt hab ich mir das Ding bedacht,und das wird auch so gleich vollbrachtIch geh halt fort ganz in der Still,kann Maria machen, was sie will.
Jetzt hab ich mir das Ding bedacht,und das wird auch so gleich vollbrachtIch geh halt fort ganz in der Still,kann Maria machen, was sie will.
Engel.
Ach Josef, ändre deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin,behalt Maria, dein Gemahl,und änder die getroffne Wahl!Bleib du bei ihr und liebe sieGott lohnt dir alle deine Müh.
Ach Josef, ändre deinen Sinn,weil ich von Gott gesendet bin,behalt Maria, dein Gemahl,und änder die getroffne Wahl!Bleib du bei ihr und liebe sieGott lohnt dir alle deine Müh.
Die beiden Hirten um ein Lagerfeuer ruhend.
Die beiden Hirten um ein Lagerfeuer ruhend.
Alte Fassung.1. Hirt.B'hüt Gott, dos is a kalte Nacht,vor grußer Kält hob iech gewacht.Mei Kreiz, iech ka nimmer länger stah,ich will e Weile ofn Fald rimgah.2. Hirt.Ich will e Weile mittegah,daß ich mich erwärme ka.Es freist mich a su grausam hart,vor grußer Kält strotzt mir mei Bart.1. Hirt.Ober schau emol, mei lieber Gespa,wos dort of gener Weide stah,es gibt an glänzend hallen Schei,es ward wuhl gar e Gespenster sei.2. Hirt.Ich gieh net na,'s könnt mir aans vorn Hals aga.1. Hirt.Ich gieh a net na,'s könnt mir a aans vorn Hals aga.2. Hirt.Gimmer alle bede na,werds uns aans vorn Hals aga,schlae mir e annersch na.
Alte Fassung.
1. Hirt.
B'hüt Gott, dos is a kalte Nacht,vor grußer Kält hob iech gewacht.Mei Kreiz, iech ka nimmer länger stah,ich will e Weile ofn Fald rimgah.
B'hüt Gott, dos is a kalte Nacht,vor grußer Kält hob iech gewacht.Mei Kreiz, iech ka nimmer länger stah,ich will e Weile ofn Fald rimgah.
2. Hirt.
Ich will e Weile mittegah,daß ich mich erwärme ka.Es freist mich a su grausam hart,vor grußer Kält strotzt mir mei Bart.
Ich will e Weile mittegah,daß ich mich erwärme ka.Es freist mich a su grausam hart,vor grußer Kält strotzt mir mei Bart.
1. Hirt.
Ober schau emol, mei lieber Gespa,wos dort of gener Weide stah,es gibt an glänzend hallen Schei,es ward wuhl gar e Gespenster sei.
Ober schau emol, mei lieber Gespa,wos dort of gener Weide stah,es gibt an glänzend hallen Schei,es ward wuhl gar e Gespenster sei.
2. Hirt.
Ich gieh net na,'s könnt mir aans vorn Hals aga.
Ich gieh net na,'s könnt mir aans vorn Hals aga.
1. Hirt.
Ich gieh a net na,'s könnt mir a aans vorn Hals aga.
Ich gieh a net na,'s könnt mir a aans vorn Hals aga.
2. Hirt.
Gimmer alle bede na,werds uns aans vorn Hals aga,schlae mir e annersch na.
Gimmer alle bede na,werds uns aans vorn Hals aga,schlae mir e annersch na.
Neue Fassung.1. Hirt.Mein Gott, wie kalt ist diese Nacht!Wie schwer wird da der Hirten Wacht!2. Hirt.Ja, lieber Freund, sie ist sehr hart.Vor großer Kält strotzt mir mei Bart.Es schauert mich, das Blut ist steifund fingerdick wird da der Reif.Doch siehe, du, mein lieber Freund!Was dort in jener Ferne scheint,das glänzt so schön, gibt hellen Schein,es mag wohl gar ein Gespenst sein.1. Hirt.Wahrlich mir graut vor diesem Ding.Wir wollen uns nicht lange besinnen,wollen laufen und springen.
Neue Fassung.
1. Hirt.
Mein Gott, wie kalt ist diese Nacht!Wie schwer wird da der Hirten Wacht!
Mein Gott, wie kalt ist diese Nacht!Wie schwer wird da der Hirten Wacht!
2. Hirt.
Ja, lieber Freund, sie ist sehr hart.Vor großer Kält strotzt mir mei Bart.Es schauert mich, das Blut ist steifund fingerdick wird da der Reif.Doch siehe, du, mein lieber Freund!Was dort in jener Ferne scheint,das glänzt so schön, gibt hellen Schein,es mag wohl gar ein Gespenst sein.
Ja, lieber Freund, sie ist sehr hart.Vor großer Kält strotzt mir mei Bart.Es schauert mich, das Blut ist steifund fingerdick wird da der Reif.Doch siehe, du, mein lieber Freund!Was dort in jener Ferne scheint,das glänzt so schön, gibt hellen Schein,es mag wohl gar ein Gespenst sein.
1. Hirt.
Wahrlich mir graut vor diesem Ding.Wir wollen uns nicht lange besinnen,wollen laufen und springen.
Wahrlich mir graut vor diesem Ding.Wir wollen uns nicht lange besinnen,wollen laufen und springen.
In beiden Fassungen.
2. Engel.
Steht still, ihr Hirten alle zwei!Der Engel Gottes mit euch sei!Denn siehe ich verkündige euch große Freud,Die allem Volke widerfahren heut,denn euch ist heute der Heiland geboren,welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.
Steht still, ihr Hirten alle zwei!Der Engel Gottes mit euch sei!Denn siehe ich verkündige euch große Freud,Die allem Volke widerfahren heut,denn euch ist heute der Heiland geboren,welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.
1. Hirt.
O horch, das ist ein Engelein,ein vielgeliebtes Geistelein,das wollen wir fragen,das wird uns sagen,das, was uns gut und dienlich sei.
O horch, das ist ein Engelein,ein vielgeliebtes Geistelein,das wollen wir fragen,das wird uns sagen,das, was uns gut und dienlich sei.
2. Hirt.
Ich mags nicht fragen,laß du dirs sagen,was es wohl ist mit dem Gottesbericht,weil gar kommt ein Engelgesicht.
Ich mags nicht fragen,laß du dirs sagen,was es wohl ist mit dem Gottesbericht,weil gar kommt ein Engelgesicht.
1. Hirt.
Höre du, mein liebes Engelein,mein vielgeliebtes Geistelein,erzähl mir die Geschicht,mit deinem Berichtvon dem neugebornen Kindelein.
Höre du, mein liebes Engelein,mein vielgeliebtes Geistelein,erzähl mir die Geschicht,mit deinem Berichtvon dem neugebornen Kindelein.
Engel.
Zu Bethlehem in Davids Stadt,wie Micha es verkündet hat,da liegt der Herre Jesus Christ,der euer aller Heiland ist.Er liegt in einer Krippe hart,neugeboren, arm und zart,gewickelt in die Windeln ein,das soll für euch das Zeichen sein.
Zu Bethlehem in Davids Stadt,wie Micha es verkündet hat,da liegt der Herre Jesus Christ,der euer aller Heiland ist.Er liegt in einer Krippe hart,neugeboren, arm und zart,gewickelt in die Windeln ein,das soll für euch das Zeichen sein.
1. Hirt.
Hab Dank, du liebes Engelein,du vielgeliebtes Geistelein!Wir wollen uns kurz besinnen,wollen laufen und springen,bis wir das Kindlein gefunden han,auf daß auch wir es beten an.
Hab Dank, du liebes Engelein,du vielgeliebtes Geistelein!Wir wollen uns kurz besinnen,wollen laufen und springen,bis wir das Kindlein gefunden han,auf daß auch wir es beten an.
2. Hirt.
Sieh hier, da steht ein heller Stern,der zeigt gewißlich an den Herrn.
Sieh hier, da steht ein heller Stern,der zeigt gewißlich an den Herrn.
(Josef kommt von links.)
(Josef kommt von links.)
Wir wollen diesen Alten fragen,der wird uns wohl die Wahrheit sagen.
Wir wollen diesen Alten fragen,der wird uns wohl die Wahrheit sagen.
Alte Fassung.1. Hirt.Guten Abend, guten Abend, du alter Greis,wir bitten dich mit ganzem Fleiß,du wollest uns doch sehen landas Kind, das uns ist kundgetan.Josef.Dort liegt es in dem Krippelein,gewickelt in ein Windelein.Hirt.Wie heißt es denn?Josef.Immanuel.Hirt.Was bringt es uns?Josef.Trost, Heil der Seel.Es ist der Weg der Glaub allein.Hirtbetet an.Darnach:Wenn wir wieder kommen rein,bringen wir mit rote und gelbe Aepfelein.
Alte Fassung.
1. Hirt.
Guten Abend, guten Abend, du alter Greis,wir bitten dich mit ganzem Fleiß,du wollest uns doch sehen landas Kind, das uns ist kundgetan.
Guten Abend, guten Abend, du alter Greis,wir bitten dich mit ganzem Fleiß,du wollest uns doch sehen landas Kind, das uns ist kundgetan.
Josef.
Dort liegt es in dem Krippelein,gewickelt in ein Windelein.
Dort liegt es in dem Krippelein,gewickelt in ein Windelein.
Hirt.
Wie heißt es denn?
Wie heißt es denn?
Josef.
Immanuel.
Immanuel.
Hirt.
Was bringt es uns?
Was bringt es uns?
Josef.
Trost, Heil der Seel.Es ist der Weg der Glaub allein.
Trost, Heil der Seel.Es ist der Weg der Glaub allein.
Hirtbetet an.
Darnach:
Wenn wir wieder kommen rein,bringen wir mit rote und gelbe Aepfelein.
Wenn wir wieder kommen rein,bringen wir mit rote und gelbe Aepfelein.
Neue Fassung.Hirt.Ist, Alter, hier ein Kindelein,neugeboren, zart und fein,so zeige uns dasselbe für,denn uns treibt Dank und Lobgebühr.Josef.Es liegt in seiner Krippen dort,weil kein Raum ist an diesem Ort.Hirt.Weil wir nun das Christkind gefunden han,so mögen denn unsere Stimmen erklingenund dem Kind ein Lied zu Ehren singen.Die Hirten singen:Gelobet seist du Jesus Christ,daß du Mensch geboren bistusw.Hirt.Wenn wir wieder komme herein,wollen wir mitbringen feine gelbe, rote Aepfelein.
Neue Fassung.
Hirt.
Ist, Alter, hier ein Kindelein,neugeboren, zart und fein,so zeige uns dasselbe für,denn uns treibt Dank und Lobgebühr.
Ist, Alter, hier ein Kindelein,neugeboren, zart und fein,so zeige uns dasselbe für,denn uns treibt Dank und Lobgebühr.
Josef.
Es liegt in seiner Krippen dort,weil kein Raum ist an diesem Ort.
Es liegt in seiner Krippen dort,weil kein Raum ist an diesem Ort.
Hirt.
Weil wir nun das Christkind gefunden han,so mögen denn unsere Stimmen erklingenund dem Kind ein Lied zu Ehren singen.
Weil wir nun das Christkind gefunden han,so mögen denn unsere Stimmen erklingenund dem Kind ein Lied zu Ehren singen.
Die Hirten singen:
Gelobet seist du Jesus Christ,daß du Mensch geboren bistusw.
Gelobet seist du Jesus Christ,daß du Mensch geboren bistusw.
Hirt.
Wenn wir wieder komme herein,wollen wir mitbringen feine gelbe, rote Aepfelein.
Wenn wir wieder komme herein,wollen wir mitbringen feine gelbe, rote Aepfelein.
Hirten nach rechts ab. Der Vorhang fällt.
Hirten nach rechts ab. Der Vorhang fällt.
Die Weisen kommen von rechts.
Die Weisen kommen von rechts.
Melchior(sieht sich erstaunt um).
Mein Gott, was soll mir dies bedeuten,daß mir der Stern jetzt tut entweichen?
Mein Gott, was soll mir dies bedeuten,daß mir der Stern jetzt tut entweichen?
Caspar.
Ich wünsche dem Herrn viel Glück und Fried!Wie kommts, daß er sich so umsieht?
Ich wünsche dem Herrn viel Glück und Fried!Wie kommts, daß er sich so umsieht?
Melchior.
Einem Stern bin ich nachgezogen,der hat mich bis hierher getragen,und als ich kam in diese Stadt,sogleich er sich verloren hat.
Einem Stern bin ich nachgezogen,der hat mich bis hierher getragen,und als ich kam in diese Stadt,sogleich er sich verloren hat.
Caspar.
Auch mir ist dieser Stern erschienen.Ich komme und will dem Kindlein dienen,allein der Stern ist mir entschwunden,und hab das Kindlein nicht gefunden.
Auch mir ist dieser Stern erschienen.Ich komme und will dem Kindlein dienen,allein der Stern ist mir entschwunden,und hab das Kindlein nicht gefunden.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt,wie ist es denn mit euch bestellt,daß ihr allhier so stille stehtund freundlich miteinander redt?Seid ihr etwa in dieser Stadt zu Haus,so will ich euch um etwas fragen aus.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt,wie ist es denn mit euch bestellt,daß ihr allhier so stille stehtund freundlich miteinander redt?Seid ihr etwa in dieser Stadt zu Haus,so will ich euch um etwas fragen aus.
Melchior.
Mein lieber Freund, sag immer an,ich will hören, ob man euch berichten kann.
Mein lieber Freund, sag immer an,ich will hören, ob man euch berichten kann.
Balthasar.
Ich habe einen Stern gesehen,wo wunderliches ist geschehen,der mir anzeiget fein,daß ein Kindlein soll geboren sein,soll der ganzen Welt bringen den Fried,soll aller Welt Erlöser werden,und allem Volk, das lebt auf Erden.
Ich habe einen Stern gesehen,wo wunderliches ist geschehen,der mir anzeiget fein,daß ein Kindlein soll geboren sein,soll der ganzen Welt bringen den Fried,soll aller Welt Erlöser werden,und allem Volk, das lebt auf Erden.
Caspar.
Gleiches ist uns auch geschehen,wir haben einen Stern gesehen,und als wir kamen zu dieser Stadt,sogleich er sich verloren hat.
Gleiches ist uns auch geschehen,wir haben einen Stern gesehen,und als wir kamen zu dieser Stadt,sogleich er sich verloren hat.
(Diener kommt von links.)
(Diener kommt von links.)
Balthasar.
Dort kommt einer von ferne her,der wird uns beichten von ungefähr,wo der neugeborene König ist,der geboren ist zu dieser Frist.
Dort kommt einer von ferne her,der wird uns beichten von ungefähr,wo der neugeborene König ist,der geboren ist zu dieser Frist.
Caspar.
So wollen wir ihm entgegen gehnund mit ihm sprechen.
So wollen wir ihm entgegen gehnund mit ihm sprechen.
Alte Fassung.Balthasar.Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt.Wie ist es denn mit euch bestellt,könnt ihr uns nicht anzeigen fein,wo der neugeborne König der Juden mag sein?Wir sind dem Sterne nachgezogen,der hat uns bis hierher getragen,und als wir kamen in diese Stadt,er sich alsbald verloren hat.
Alte Fassung.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt.Wie ist es denn mit euch bestellt,könnt ihr uns nicht anzeigen fein,wo der neugeborne König der Juden mag sein?Wir sind dem Sterne nachgezogen,der hat uns bis hierher getragen,und als wir kamen in diese Stadt,er sich alsbald verloren hat.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt.Wie ist es denn mit euch bestellt,könnt ihr uns nicht anzeigen fein,wo der neugeborne König der Juden mag sein?Wir sind dem Sterne nachgezogen,der hat uns bis hierher getragen,und als wir kamen in diese Stadt,er sich alsbald verloren hat.
Neue Fassung.Balthasar.Könnt ihr uns etwa berichtenvon den freudigen Geschichten,vom neugebornen Königssohn?Denn es zeigte uns von ferneein Wunder, schönster aller Sterne,daß geboren sei, der trägt die Krone,vom Hause Juda, der regieretdie Völker alle, die anführet;wird aller Welt Erlöser werdenund allem Volk, das lebt auf Erden.
Neue Fassung.
Balthasar.
Könnt ihr uns etwa berichtenvon den freudigen Geschichten,vom neugebornen Königssohn?Denn es zeigte uns von ferneein Wunder, schönster aller Sterne,daß geboren sei, der trägt die Krone,vom Hause Juda, der regieretdie Völker alle, die anführet;wird aller Welt Erlöser werdenund allem Volk, das lebt auf Erden.
Könnt ihr uns etwa berichtenvon den freudigen Geschichten,vom neugebornen Königssohn?Denn es zeigte uns von ferneein Wunder, schönster aller Sterne,daß geboren sei, der trägt die Krone,vom Hause Juda, der regieretdie Völker alle, die anführet;wird aller Welt Erlöser werdenund allem Volk, das lebt auf Erden.
Diener.
Ich kann euch jetzt berichten nicht,weiß wahrlich nicht, wie mir geschieht,doch will ich meinen König fragen,dann werd ich es euch wieder sagen.
Ich kann euch jetzt berichten nicht,weiß wahrlich nicht, wie mir geschieht,doch will ich meinen König fragen,dann werd ich es euch wieder sagen.
(Die drei Könige ab nach rechts.)Herodes kommt von links und setzt sich auf den Thron.
(Die drei Könige ab nach rechts.)
Herodes kommt von links und setzt sich auf den Thron.
Diener.
Gnädigster Herr König, Gott verleihe Euch langes Leben!Es sind drei Männer hier aus fremden Land,Die fragen nach einem Königsohn,der die ganze Welt erlösen soll.
Gnädigster Herr König, Gott verleihe Euch langes Leben!Es sind drei Männer hier aus fremden Land,Die fragen nach einem Königsohn,der die ganze Welt erlösen soll.
Herodes.
Was bringst du hier für eine Mär?Geschwind, daß man sie bringe her.Ich will sie fragen, ob sie mich narren,sie sollen ganz geschwind erfahren,was sie für einen König haben.Geschwind Diener, laß sie herkommen!
Was bringst du hier für eine Mär?Geschwind, daß man sie bringe her.Ich will sie fragen, ob sie mich narren,sie sollen ganz geschwind erfahren,was sie für einen König haben.Geschwind Diener, laß sie herkommen!
Diener(zu den drei Weisen).
Mein gnädigster König und Herr läßt euch sagen:Ihr sollet sofort vor ihm erscheinen.
Mein gnädigster König und Herr läßt euch sagen:Ihr sollet sofort vor ihm erscheinen.
Melchior.
Wir werden sofort erscheinen.
Wir werden sofort erscheinen.
(Die drei Könige treten vor den König.)
(Die drei Könige treten vor den König.)
Herodes.
Was ist das, daß ihr in meinem Landnach einem jungen Königssohn fragt?
Was ist das, daß ihr in meinem Landnach einem jungen Königssohn fragt?
Melchior.
Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlandeund sind gekommen, ihn anzubeten.
Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlandeund sind gekommen, ihn anzubeten.
Herodes.
Geht einstweilen in eure Herberge,bis ich euch rufen lasse.
Geht einstweilen in eure Herberge,bis ich euch rufen lasse.
(Die Weisen gehen nach rechts ab.)
(Die Weisen gehen nach rechts ab.)
Herodes(zum Diener.)
Höre Laban!
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille?
Was ist dein Wille?
Herodes.
Hole mir den Hohenpriester in der Stille.
Hole mir den Hohenpriester in der Stille.
Dienerzum Hohenpriester.
Mein gnädigster Herr König läßt euch sagen,ihr sollt sofort vor ihm erscheinen.
Mein gnädigster Herr König läßt euch sagen,ihr sollt sofort vor ihm erscheinen.
Hohenpriester.
Werde gleich kommen,
Werde gleich kommen,
(tritt ein und verbeugt sich vor dem König)
(tritt ein und verbeugt sich vor dem König)
Was ist das, daß ihr mich rufen laßt?
Was ist das, daß ihr mich rufen laßt?
Herodes.
Es sind drei Männer hier aus fremdem Land,die fragen nach einem jungen Königssohn,der die ganze Welt erlösen soll.Könnt Ihr mir vielleicht sagen,was ich mit solchen machen soll?
Es sind drei Männer hier aus fremdem Land,die fragen nach einem jungen Königssohn,der die ganze Welt erlösen soll.Könnt Ihr mir vielleicht sagen,was ich mit solchen machen soll?
Hohenpriester(sinnt und spricht)
Ich meine, es wäre der beste Rat,man ließe sie ziehen aus der Stadt,bis sie das Kind gefunden han,auf daß auch ihr hingehet und betets an.
Ich meine, es wäre der beste Rat,man ließe sie ziehen aus der Stadt,bis sie das Kind gefunden han,auf daß auch ihr hingehet und betets an.
Herodes.
Ich danke Euch für Euern Rat!Ich werde mich künftig Euer öfters bedienen.
Ich danke Euch für Euern Rat!Ich werde mich künftig Euer öfters bedienen.
(Hohenpriester ab.)
(Hohenpriester ab.)
Herodeszum Diener.
Höre Laban!
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille, gnädigster Herr?
Was ist dein Wille, gnädigster Herr?
Herodes.
Die drei Männer sollen sofort vor mir erscheinen!
Die drei Männer sollen sofort vor mir erscheinen!
Dienerzu den drei Weisen.
Ihr sollt sofort zu meinem gnädigsten Herrn König kommen.
Ihr sollt sofort zu meinem gnädigsten Herrn König kommen.
Melchior.
Wir werden sogleich erscheinen.
Wir werden sogleich erscheinen.
(sie treten vor den König)
(sie treten vor den König)
Gott verleihe dem Herrn König langes Leben!
Gott verleihe dem Herrn König langes Leben!
Herodes.
Zieht hin und forschet fleißig nach dem Kindelein,und wenn ihr es gefunden habt,dann kommt und sagt mirs,auf daß ich auch hingehe und es anbete.
Zieht hin und forschet fleißig nach dem Kindelein,und wenn ihr es gefunden habt,dann kommt und sagt mirs,auf daß ich auch hingehe und es anbete.
Melchior.
Mein gnädigster Herr und König, es soll ganz nach deinem Wunsche geschehen.
Mein gnädigster Herr und König, es soll ganz nach deinem Wunsche geschehen.
(Die drei Weisen ziehen dreimal um den König herum und treten ab.)Vorhang fällt.
(Die drei Weisen ziehen dreimal um den König herum und treten ab.)
Vorhang fällt.
Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.
Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.
Melchior.
Hier werden wir gefunden hamdas Kindelein aus Judas Stamm.Weil hier der Stern so stille stehtund nicht von diesem Haus abgeht.
Hier werden wir gefunden hamdas Kindelein aus Judas Stamm.Weil hier der Stern so stille stehtund nicht von diesem Haus abgeht.
(sie knien nieder und beten an.)
(sie knien nieder und beten an.)
Melchior.
Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe,so gebe ich dir meine Gabe,nimm hin das Gold aus meinem Schatz,so viel ich hab gefunden Platz.
Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe,so gebe ich dir meine Gabe,nimm hin das Gold aus meinem Schatz,so viel ich hab gefunden Platz.
Caspar.
Nimm hin den Weihrauch des Gebetssei gnädig mir, erhöre stetsmeine Bitten, das in Demut dirich aus dem Herzen bringe für.
Nimm hin den Weihrauch des Gebetssei gnädig mir, erhöre stetsmeine Bitten, das in Demut dirich aus dem Herzen bringe für.
Balthasar.
Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu,die ich dir bring aus wahrer Treu.Dein Lebenslauf wird bitter seinund enden mit sehr großer Pein.
Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu,die ich dir bring aus wahrer Treu.Dein Lebenslauf wird bitter seinund enden mit sehr großer Pein.
Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem Gesange legen sie sich schlafen.
Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem Gesange legen sie sich schlafen.
Engel.
Herodes trachtet nach euerem Leben.Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen,sondern einen andern Weg gehen dahin.
Herodes trachtet nach euerem Leben.Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen,sondern einen andern Weg gehen dahin.
(Engel ab.)
(Engel ab.)
Melchiorzu Balthasar.
Was lamentierst du denn in deinem Sinn,daß du so sauer stehst dahin.
Was lamentierst du denn in deinem Sinn,daß du so sauer stehst dahin.
Balthasar.
Soll ich nicht lamentieren viel,dieweil ich ganz verwirret bin,durch einen Traum, den ich gehabtvon Herodes die ganze Nacht.
Soll ich nicht lamentieren viel,dieweil ich ganz verwirret bin,durch einen Traum, den ich gehabtvon Herodes die ganze Nacht.
Caspar.
Auch ich träumte in dieser Nacht,als wenn Herodes nach uns tracht't,und wollt uns alle töten lassen.Solln ziehn auf einer andern Straßen.
Auch ich träumte in dieser Nacht,als wenn Herodes nach uns tracht't,und wollt uns alle töten lassen.Solln ziehn auf einer andern Straßen.
Melchior.
Gott warnt uns gewiß vor ihm,daß wir nicht wieder ziehn dahin.
Gott warnt uns gewiß vor ihm,daß wir nicht wieder ziehn dahin.
(Könige ab.)
(Könige ab.)
Herodeszum Diener.
Höre Laban!
Höre Laban!
Diener.
Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?
Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?
Herodes.
Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?
Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?
Diener.
Sie sind in der Stille fortgezogen,haben uns wahrlich recht betrogen,wir sollten sie tot niederschießen,wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.
Sie sind in der Stille fortgezogen,haben uns wahrlich recht betrogen,wir sollten sie tot niederschießen,wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.
Herodes.
Bleizentner alle Stadtgraben voll,vor großem Zorn werd ich jetzt toll!du sollst gehen aus meinem Haus,ein großes Blutbad richten aus.Alle Kinder, die in Bethlehem sind,die sollst du töten gar geschwind!Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollstdu in einer Stunde getötet haben!
Bleizentner alle Stadtgraben voll,vor großem Zorn werd ich jetzt toll!du sollst gehen aus meinem Haus,ein großes Blutbad richten aus.Alle Kinder, die in Bethlehem sind,die sollst du töten gar geschwind!Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollstdu in einer Stunde getötet haben!
Diener.
Was mein gnädigster Herr König befiehlt,das will ich tun.
Was mein gnädigster Herr König befiehlt,das will ich tun.
(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)
(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)
Gesang.
Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.
Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.
(Nach dem Gesang kehrt derDienerzurück, steckt sein Schwert in die Scheide und spricht zu Herodes):
(Nach dem Gesang kehrt derDienerzurück, steckt sein Schwert in die Scheide und spricht zu Herodes):
Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten,Da half kein Flehen, da half kein Bitten,die Kinder schrieen erbärmlich,bei mir war kein Verschonen nicht.Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen,trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.
Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten,Da half kein Flehen, da half kein Bitten,die Kinder schrieen erbärmlich,bei mir war kein Verschonen nicht.Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen,trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.
Herodes.
Recht so, Diener Laban.
Recht so, Diener Laban.
Gesang.
»Der Heiland ist geboren« usw.
»Der Heiland ist geboren« usw.
Schluß.
Schluß.
»Christus ward heut geboren!« Ein altes Mettenspiel aus der Kirchgemeinde Steinbach i. Erzgeb. Angeblich von einem 1859 daselbst gestorbenen Kantor Hermann verfaßt. Im 1. Heft des III. Bandes der Mitteilungen desVereins für sächsische Volkskunde mitgeteilt von Pfarrer Köhler und Kantor Bachmann zu Steinbach. AuchDr.Alfred Müller hat das Spiel in seinem schönen Aufsatze: »Eine Mettenfahrt« (Glück auf 1900, Seite 2) beschrieben. Dieses Spiel ist bis auf die Gegenwart in der Steinbacher (bei Annaberg) Kirche aufgeführt worden. Das Spiel unterscheidet sich wesentlich von den volkstümlichen Spielen. Schon die Sprache ist nicht eigentlich volkstümlich. Der Anfang des Eröffnungsgedichtes lautet:
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe,das im Zeitenlauf uns wiederkehrt!Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude,das uns dankend Gott verehren lehrt!Sieh die Flur im weißen Winterkleideund den Strom mit festem Eis belegt;sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide,wie er herzlich seine Kinder pflegt!Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude,die der Herbst im Speicher sorglich legt.Alles predigt: Gott ist die Liebe,und im Herzen tönts: die Liebe ist Gottusw.
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe,das im Zeitenlauf uns wiederkehrt!Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude,das uns dankend Gott verehren lehrt!Sieh die Flur im weißen Winterkleideund den Strom mit festem Eis belegt;sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide,wie er herzlich seine Kinder pflegt!Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude,die der Herbst im Speicher sorglich legt.Alles predigt: Gott ist die Liebe,und im Herzen tönts: die Liebe ist Gottusw.
In diesem Stile geht es weiter. Im Hirtengespräch sagt:
Ruben.
Welche Nacht sank auf die Erd hienieden,wie ich sie noch nie erlebt, –eine Nacht voll heilger Still und Frieden!Heilge Andacht durch die Seele bebt!Alles stille! selbst die Lüfte schweigen,daß der Tritt im Sand zu Lauten wird,und am Himmel, wolkenlos und heiter,weidet seine Herd' der große Hirt!
Welche Nacht sank auf die Erd hienieden,wie ich sie noch nie erlebt, –eine Nacht voll heilger Still und Frieden!Heilge Andacht durch die Seele bebt!Alles stille! selbst die Lüfte schweigen,daß der Tritt im Sand zu Lauten wird,und am Himmel, wolkenlos und heiter,weidet seine Herd' der große Hirt!
Das Spiel mag, in der Kirche aufgeführt, eine tiefgehende Wirkung haben, es ist aber doch wohl nicht ein eigentliches Volksspiel. Auch die Musik ist etwas konventionell, etwa in der Art wie die Kantaten des alten Plauener Kirchenmusikdirektors F. M. Gast. Es ist im Graserschen Verlag erschienen.
In den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, III. Jahrgang 1865, Seite 115 teilt Joseph Stocklöw Teile eines Spieles mit, das in der Nähe von Schmiedeberg aufgeführt ward und den Namen des »boren Kinnel« führte. Hier finden wir unser »Bornkinnel« wieder. Das Spiel enthält nichts wesentlich Besonderes. Nur ist eine gesungene Verkündigung durch die Engel an Maria dabei. Auch sonst wird im Spiel, der böhmischen Sangesfreude entsprechend, viel gesungen.
Außer den angeführten Spielen haben sich noch viele Reste erhalten, die man an verschiedenen Orten »Weihnachtslieder« nannte. So teilt John (Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge Seite 176) ein Bruchstück solcher Spiele aus Olbernhau mit. Das unbegreiflicheVerbot der Spiele hat verheerend gewirkt. Trotz aller behördlichen und geistlichen Maßnahmen ging aber das Volk nicht davon ab. Im geheimen wurde weiter gespielt. Auf originelle Weise umging ein Einwohner von Raschau das Polizeiverbot: er führte seine Engelschar im Puppentheater auf und fand enormen Zuspruch. So kam man schließlich darauf, für die Spiele eine der Polizei genehmere Form zu wählen. Die Geistlichen nahmen die Sache in die Hand und es entstanden eine größere Anzahl von sogenannten Weihnachtsstücken oder -spielen, z. B. die an den Pfarrern Steiniger (Lößnitz), Seidel (Lichtenstein), Lehmann (Freiberg), Müller (Zwickau), Bauer (Berthelsdorf), Löscher (Zwönitz) u. a. Das beste dieser Art hat unstreitig der oft erwähnte Gustav Mosen geschaffen. Er bringt in seinem mehrmals erwähnten Buche zunächst eine größere Anzahl der alten Spiele und meint zuletzt, daß man die Spiele, da sie meist Bruchstücke seien, nicht als abendfüllende Aufführung anwenden könne und dichtet aus dem Geist der Spiele heraus ein neues ganz treffliches Spiel. Es ist im Graserschen Verlag erschienen in einer Neubearbeitung Alfred Müllers.
Der Verfasser dieses Buches möchte aber doch den alten Spielen das Wort reden. Wenn sie auch nicht glatt und fein sind.
Den Weihnachtsspielen erging es wie den Volksliedern. Durch ihre mündliche Weitergabe änderte sich ihre Originalform. Das Volk geht mit seinen Dichtungennicht sehr säuberlich um. Es läßt weg oder verändert, was ihm mißfällt, wiederholt gern nochmals, was ihm zusagt. Ort und Zeit sind unwesentliche Dinge, die man dem Gebrauche anpassen kann, die Lieder zersingt das Volk, die Spiele zerspielt es. Aber sie sind Geist vom Geiste des Volkes, den zu stärken man sich keine Mühe verdrießen lassen sollte.
Nehmen wir an, irgend ein Ort findet in den vorerwähnten Spielen seine »Engelschar« wieder. Er würde sie am 1. Feiertag von einem Verein oder von Schulkindern gern aufführen aber das Spiel ist zu kurz, zu unvollkommen. Da stelle man das eigene Spiel in den Mittelpunkt und entnehme anderen Spielen das Fehlende. Das Ganze rundet sich ab. Auch sorge man für reichlichen Gesang zwischen den Szenen, und ein Stück echtes Volksgut ist gerettet. In der Zeit, wo ein Haaß-Berkow durch seine wunderbare Kunst die Kraft der alten deutschen Volksspiele beweist, dürfte man einen solchen Versuch wohl wagen.
Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben. Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem »Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur Theater. Wiedie Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen, so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar sitzen die Hörer, da – da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zuihnen, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht Zuschauer, sondern Miterleber haben.
Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das »Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen nähern, ist es durchaus kein Fehler.
Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten. Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne. Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.
Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer Gebirgsstuben. Ein großer Prospektmit Aussicht auf Jerusalem oder Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt werden.
Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet; nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt, sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.
Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang abgeschlossen.