Chapter 40

2. Kap. Die unmittelbaren Wirkungen des Willensaktes

Das Wesen des Willensaktes wurde schon oben bei Darstellung der elementaren Funktionen besprochen. Während nun die anderen seelischen Elemente sich zu höheren Leistungen komplizieren können, scheint der Willensakt als solcher stets der gleiche zu bleiben. Eine besondere Ausgestaltung scheinen nur die Objekte des Wollens zu erfahren. Wir wenden uns darum gleich den Wirkungen des Willensaktes zu.

In den verschiedenartigsten Reaktionsversuchen hatte es sich immer deutlicher herausgestellt, daß der Verlauf des ganzen Erlebnisses in eigenartiger Abhängigkeit stand von derAufgabe, welche die Vp übernahm. Am auffälligsten wurde das in hypnotischen Versuchen. Da erhält z. B. die Vp die Aufgabe, die ihr nach der Hypnose vorzulegenden Zahlen zu multiplizieren. Aufgeweckt, erblickt sie das Zahlenpaar 5/7 und spricht augenblicklich die Zahl 35 aus, ohneim geringsten angeben zu können, was sie zum Aussprechen dieser Zahl veranlaßt hat.Achwollte diesem Vorgang durch die Aufstellung der determinierenden Tendenzen (im folgenden det. T.) gerecht werden. Der in der Übernahme einer Aufgabe liegende Willensakt erzeugt die det. T. zur Ausführung dieser Aufgabe. Diese Tendenzen sind nachAchweder mit den assoziativen noch mit den perseverierenden Reproduktionstendenzen gleichzusetzen, sondern stellen eine ganz neue Art von Tendenzen dar. Sie wirken im Unbewußten und ziehen ein spontanes Auftreten der determinierten (d. h. von der Aufgabe verlangten) Vorstellung nach sich. NachAchsVorgang stellte späterKoffkaeine ganze Reihe von det. T. auf, darunter auch solche, die nicht von einem Willensakte, sondern von einem Gedanken ausgehen sollten.

Zweifellos habenAchund die ihm nahestehenden Forscher eine wichtige Tatsache mit dem Namen der det. T. gekennzeichnet. Die Zielstrebigkeit, die in unserem Denk- und Handlungsverlauf herrscht, sobald ein bestimmter Willensentschluß gefaßt worden ist, ist derart, daß man nicht recht glauben mag, sie könne durch die konstellierende Kraft einer Obervorstellung (Liepmann) bewirkt werden. Es muß eine ordnende Kraft in den Ausführungen unserer Entschlüsse herrschen. Es ist aber nicht erwiesen, daß dies eine neuartige, von der Zielvorstellung ausgehende Tendenz sei. Denn die Leistungen, die insbesondere dieser Tendenz zugeschrieben werden, lassen sich auch durch die bekannten Reproduktionstendenzen verständlich machen. Die Aufgabe bildet nämlich als antizipierendes Schema (S. 173) ein Reproduktionsmotiv für das Erscheinen der determinierten Vorstellungen, und die oft unvermittelt und ohne Erinnerung an die Aufgabe erscheinende richtige Lösung findet ihre Parallele bei offenkundigen Reproduktionsvorgängen, die keiner Aufgabe entsprungen sind.

Zweifellos habenAchund die ihm nahestehenden Forscher eine wichtige Tatsache mit dem Namen der det. T. gekennzeichnet. Die Zielstrebigkeit, die in unserem Denk- und Handlungsverlauf herrscht, sobald ein bestimmter Willensentschluß gefaßt worden ist, ist derart, daß man nicht recht glauben mag, sie könne durch die konstellierende Kraft einer Obervorstellung (Liepmann) bewirkt werden. Es muß eine ordnende Kraft in den Ausführungen unserer Entschlüsse herrschen. Es ist aber nicht erwiesen, daß dies eine neuartige, von der Zielvorstellung ausgehende Tendenz sei. Denn die Leistungen, die insbesondere dieser Tendenz zugeschrieben werden, lassen sich auch durch die bekannten Reproduktionstendenzen verständlich machen. Die Aufgabe bildet nämlich als antizipierendes Schema (S. 173) ein Reproduktionsmotiv für das Erscheinen der determinierten Vorstellungen, und die oft unvermittelt und ohne Erinnerung an die Aufgabe erscheinende richtige Lösung findet ihre Parallele bei offenkundigen Reproduktionsvorgängen, die keiner Aufgabe entsprungen sind.

Anderseits ist die Willkürhandlung doch nicht rein assoziativ bedingt. Sie müßte sonst ebenso leicht entgleisen wie ausschließlich assoziativ geleitete Reproduktionen. Den „Einfällen“, die uns die Assoziationen liefern, ist es ja charakteristisch, daß sie sehr wenig vom Sinn beherrscht sind und „vom Hundertsten ins Tausendste“ führen. Vor allem aber muß dem in den Willensexperimenten beobachteten Erlebnis des „ich will“ seine Stelle und Bedeutung in dem ganzen Vorgang werden. Wir müssen uns da freilich noch mit Hypothesenbegnügen und denken uns den einfachen Willensvorgang folgendermaßen. Die Vp habe sich in der Vorperiode dazu entschlossen, beim Erscheinen eines bestimmten Reizes den niedergedrückten Taster loszulassen. Der Reiz erscheint, die Vp erkennt ihn als das vereinbarte Zeichen und erblickt angesichts der Gesamtlage in dem Loslassen des Tasters ein zu wollendes Ziel. Jetzt erfolge der eigentliche Willensakt: die Vp will das Loslassen. Nehmen wir nun an, der Vp sei dabei neben anderen Vorstellungen auch die zum Loslassen des Tasters erforderliche Bewegungsvorstellung gegenwärtig, so ist zu erklären, warum von den verschiedenen ihr gegenwärtigen Vorstellungen nur diejenige zum Ausgangspunkt einer Reproduktion wird, die sich auf das Loslassen des Tasters bezieht. Der Assoziationspsychologe behauptet hier: der aufgetauchte Reiz reproduziert den in der Vorperiode gefaßten Vorsatz und damit die Vorstellung des Loslassens, und so wird diese verstärkt und vor allen anderen zum Reproduktionsmotiv. Wir bestreiten nun durchaus nicht, daß ein solcher assoziativ bedingter Vorgang stattfindet und in gewissen Fällen sogar die Bewegung herbeiführen kann. Aber das gilt doch nur für jene Fälle, wo die Zielvorstellung auf diese Weise hinreichend intensiv gemacht werden kann. Es erklärt aber nicht die Zielstrebigkeit unserer Vorstellungen und Bewegungen, wie sie sich etwa auf einem Geschäftsgang mitten durch die lebhaftesten Eindrücke einer Großstadt, und zwar bei nahezu völligem Zurücktreten des Zielgedankens, zeigt. Ferner wird so nicht verständlich, warum alle unsere Willenshandlungen von einerBedeutungbeherrscht sind, und endlich wäre der tatsächlich vorhandene Willensakt in dieser Auffassung höchst überflüssig. Wir nehmen darum an, das „ich will loslassen“ sei eine Hinwendung zu der Bewegungsvorstellung und verstärke durch diese Hinwendung unmittelbar diese Vorstellung, so daß sie zu einem wirksamen Reproduktionsmotiv für die weiterhin notwendigen Bewegungsvorstellungen werden kann. Die gleiche Leistung, die unter anderen Bedingungen die assoziative Konstellation vollbringt, schreiben wir also dem Willensakt zu. Wir stützen uns für diese Annahmeauf eine Reihe von Beobachtungen (vonStumpf, G. E.Mülleru. a.), nach denen die willkürliche Beachtung einer Empfindung oder Vorstellung diese verstärkt.

Beizusammengesetzten Willenshandlungenwird der Beginn auf die nämliche Weise von statten gehen. Ist dann eine gewisse Reihe von Vorstellungen abgelaufen, so stockt die Willenshandlung. Rein reproduktiv taucht nun wieder die Aufgabe bzw. der Vorsatz auf und reproduziert dadurch eine weitere Reihe von Vorstellungen, denen gegenüber sich der Willensakt wie bei der einfachen Willenshandlung wiederholt. Geschieht dies nicht oder wird die Zielvorstellung nicht aufs neue lebendig, so kommt es zu den merkwürdigen, rein assoziativ bedingten Fehlhandlungen, oder man fragt sich verwundert: Was wollte ich doch? Ein Akt des Besinnens leitet dann zur alten Fährte zurück. Der Wille verhütet also, daß unsere Handlungen nicht einzig von der zufälligen Intensität der Vorstellungen abhängen. Er befreit uns darum aus dem Banne der Assoziationen. Er sorgt auch dafür, daß unsere Willenshandlungen nicht beständigen Stockungen unterliegen, wie das Aufsagen eines schlecht gelernten Gedichtes. Das Perseverieren der Aufgabe oder ihre öftere Zurückführung ins Bewußtsein ermöglicht uns sodann, durch einen Vergleich unserer Handlungsweise mit dem vorgesteckten Ziele deren Richtigkeit zu kontrollieren.

Beizusammengesetzten Willenshandlungenwird der Beginn auf die nämliche Weise von statten gehen. Ist dann eine gewisse Reihe von Vorstellungen abgelaufen, so stockt die Willenshandlung. Rein reproduktiv taucht nun wieder die Aufgabe bzw. der Vorsatz auf und reproduziert dadurch eine weitere Reihe von Vorstellungen, denen gegenüber sich der Willensakt wie bei der einfachen Willenshandlung wiederholt. Geschieht dies nicht oder wird die Zielvorstellung nicht aufs neue lebendig, so kommt es zu den merkwürdigen, rein assoziativ bedingten Fehlhandlungen, oder man fragt sich verwundert: Was wollte ich doch? Ein Akt des Besinnens leitet dann zur alten Fährte zurück. Der Wille verhütet also, daß unsere Handlungen nicht einzig von der zufälligen Intensität der Vorstellungen abhängen. Er befreit uns darum aus dem Banne der Assoziationen. Er sorgt auch dafür, daß unsere Willenshandlungen nicht beständigen Stockungen unterliegen, wie das Aufsagen eines schlecht gelernten Gedichtes. Das Perseverieren der Aufgabe oder ihre öftere Zurückführung ins Bewußtsein ermöglicht uns sodann, durch einen Vergleich unserer Handlungsweise mit dem vorgesteckten Ziele deren Richtigkeit zu kontrollieren.

War den VpnAchsdie Aufgabe gestellt, mit einer beliebigen Silbe zu reagieren, so benötigten sie dazu in der Regel mehr Zeit, als wenn sie eine Silbe auszusprechen hatten, die noch gewissen Bedingungen genügen mußte; auf die dargebotene sinnlose Silbe mit einer Reimsilbe zu antworten, war leichter, als irgendeine sinnlose Silbe auszusprechen.Achfaßte diese Tatsachen in dem Gesetz der speziellen Determination zusammen: Je spezieller die Determination, desto rascher und sicherer wird die Verwirklichung erreicht.

Gegen dieses Gesetz hat man den einleuchtenden Einwand erhoben: es ist zweifellos leichter, irgendeine Stadt Deutschlands zu nennen, als eine Stadt mit 85300 Einwohnern. Anderseits schien sich die BeobachtungAchsbei den verschiedensten Versuchen immer wieder zu bestätigen. Eine genauere Betrachtung der betreffenden Versuchserlebnisse dürfte indes Klarheit schaffen. DaAchin den det. T. eigenartige Vorgänge erblickte, trug er kein Bedenken, so verschiedene Tätigkeiten, wie das Aussprechen irgendeiner sinnlosen Silbe und das Reimen zu einer schon gegebenen Silbe, unmittelbar miteinander zuvergleichen. Wir erkennen die Eigenart der det. T. nicht an, müssen darum auf die verschiedenen Erlebnisse selbst eingehen. Da finden wir nun, daß die genannten zwei Reaktionsweisen sehr verschiedene Erlebnisse sind: in dem einen Falle ist reproduktiv eine ganze Silbe herbeizuschaffen, in dem andern braucht nur ein einziger Konsonant gefunden zu werden, der, als Anfangskonsonant in die schon gebotene sinnlose Silbe eingesetzt, unmittelbar die geforderte Reimsilbe liefert. Es ist somit nicht zu verwundern, wenn diese speziellere Aufgabe rascher und sicherer gelöst wird als die allgemeinere, mit irgendeiner Silbe zu antworten. Es können also nur gleichartige Aufgaben miteinander verglichen werden, etwa die Aufgabe zu reproduzieren. Hier bewährt sich nun das Achsche Gesetz sehr deutlich, während anderseits der obige Einwand in voller Kraft bestehen bleibt. Beide Umstände lassen sich nun folgendermaßen in Einklang bringen, und zwar ohne Verwertung von det. Tendenzen. Jede Aufgabe kann als antizipierendes Schema für einen geforderten Reproduktionsprozeß gelten, muß ja doch wenigstens eine bestimmte Verhaltungsweise reproduziert werden. Je spezieller nun eine Aufgabe ist, um so reichhaltiger ist das antizipierende Schema, ein um so wirksameres Reproduktionsmotiv gewährt es für die Ausführung der Aufgabe. Allerdings stellt auch jene besondere Seite der Aufgabe eine Bedingung, der die Lösung genügen muß, und diese Bedingungen sind nicht immer gleich leicht zu erfüllen.

Gegen dieses Gesetz hat man den einleuchtenden Einwand erhoben: es ist zweifellos leichter, irgendeine Stadt Deutschlands zu nennen, als eine Stadt mit 85300 Einwohnern. Anderseits schien sich die BeobachtungAchsbei den verschiedensten Versuchen immer wieder zu bestätigen. Eine genauere Betrachtung der betreffenden Versuchserlebnisse dürfte indes Klarheit schaffen. DaAchin den det. T. eigenartige Vorgänge erblickte, trug er kein Bedenken, so verschiedene Tätigkeiten, wie das Aussprechen irgendeiner sinnlosen Silbe und das Reimen zu einer schon gegebenen Silbe, unmittelbar miteinander zuvergleichen. Wir erkennen die Eigenart der det. T. nicht an, müssen darum auf die verschiedenen Erlebnisse selbst eingehen. Da finden wir nun, daß die genannten zwei Reaktionsweisen sehr verschiedene Erlebnisse sind: in dem einen Falle ist reproduktiv eine ganze Silbe herbeizuschaffen, in dem andern braucht nur ein einziger Konsonant gefunden zu werden, der, als Anfangskonsonant in die schon gebotene sinnlose Silbe eingesetzt, unmittelbar die geforderte Reimsilbe liefert. Es ist somit nicht zu verwundern, wenn diese speziellere Aufgabe rascher und sicherer gelöst wird als die allgemeinere, mit irgendeiner Silbe zu antworten. Es können also nur gleichartige Aufgaben miteinander verglichen werden, etwa die Aufgabe zu reproduzieren. Hier bewährt sich nun das Achsche Gesetz sehr deutlich, während anderseits der obige Einwand in voller Kraft bestehen bleibt. Beide Umstände lassen sich nun folgendermaßen in Einklang bringen, und zwar ohne Verwertung von det. Tendenzen. Jede Aufgabe kann als antizipierendes Schema für einen geforderten Reproduktionsprozeß gelten, muß ja doch wenigstens eine bestimmte Verhaltungsweise reproduziert werden. Je spezieller nun eine Aufgabe ist, um so reichhaltiger ist das antizipierende Schema, ein um so wirksameres Reproduktionsmotiv gewährt es für die Ausführung der Aufgabe. Allerdings stellt auch jene besondere Seite der Aufgabe eine Bedingung, der die Lösung genügen muß, und diese Bedingungen sind nicht immer gleich leicht zu erfüllen.

Berücksichtigt man alle diese Umstände, so läßt sich das Gesetz der speziellen Determination folgendermaßen aussprechen: Die spezielle Determination wird schneller und sicherer verwirklicht, insofern sie induktionskräftige, konvergierende Reproduktionsmotive bietet und nicht geläufigere Reproduktionen ausschließt. Es ist also im Grunde ein Reproduktionsgesetz, nicht ein Willensgesetz. Da es aber namentlich für die Willensleitung von besonderem Werte ist, findet es in dem Kapitel über den Willen eine passende Stelle.

Achhatte den fruchtbaren Gedanken, der Verwirklichung einer Absicht Hindernisse in den Weg zu legen und an der Überwindung dieser Hindernisse die Willenskraft zu messen. Hat eine Vp ein Paar sinnloser Silben fest eingeprägt, so geht von der ersten der erlernten Silben eine starke Reproduktionstendenz zur zweiten. So oft die Vp die ersteSilbe hört oder ausspricht, ist sie versucht, auch die zweite auszusprechen. Hat sie nun die Aufgabe übernommen, auf die zugerufene Silbe mit einem Reim oder mit einer gänzlich neuen Silbe zu antworten, so werden, meinteAch, zwei Tendenzen miteinander in Widerstreit geraten. Die Reproduktionstendenz sucht die hinzugelernte Silbe herbeizuführen, die aus der Aufgabe stammende det. Tendenz hingegen sucht die Lösung der Aufgabe zu bewirken. Die stärkere Tendenz von beiden wird siegen. Da man nun die Reproduktionstendenz durch Häufung der Wiederholungen des einzuprägenden Silbenpaares in beliebiger Stärke herstellen kann, so wird sich ein Stärkegrad schaffen lassen, demgegenüber auch das energischste Wollen versagt und die Aufgabe durch die obsiegende Reproduktion vereitelt wird: das assoziative Äquivalent der Determination bzw. der Willenskraft ist erreicht, ein Maß für die Willenskraft ist somit gefunden. — Der überaus einleuchtende GedankengangAchsschien durch die Ergebnisse der Versuche bestätigt zu werden: in der Regel ließ sich durch die Verstärkung der Assoziation eine so kräftige Reproduktionstendenz erzeugen, daß der redlichste Vorsatz der Vpn an ihr zuschanden ward. Nur einige wenige Vpn verstanden es, trotz stärkster Reproduktionstendenzen ihren Willen durchzusetzen, und zwar merkwürdigerweise ohne besonders energische Willensanstrengung.

Konnten wir schon dieAchsche Voraussetzung zur Messung der Willensstärke, nämlich die Eigenart der det. Tendenz, nicht anerkennen, so muß der zuletzt erwähnte Umstand uns erst recht skeptisch machen. Prüft man darum das Verhalten der Vpn näher, so ergibt sich, daß man es in beiden Fällen mit einem ganz verschiedenen Benehmen zu tun hat: die Vpn, bei denen das assoziative Äquivalent erreicht wird, fassen in der Vorperiode des Versuches ihren Vorsatz, bemühen sich dann aber nicht, ihn im Bewußtsein zu halten, sondern überlassen sich dann ganz dem Eindruck der Versuchssituation und den von ihr geweckten Reproduktionstendenzen; andere hingegen halten ihren Entschluß, wenn auch noch so schwach, bewußt und können darum dieauftauchenden Reproduktionstendenzen leicht unterdrücken. Wie neuere Untersuchungen (Lewin,Sigmar) gelehrt haben, kommen diese Reproduktionstendenzen trotz des Vorsatzes überhaupt nicht auf, wenn es gelingt, die Vp abzulenken. Es mißt also das assoziative Äquivalent gar nicht die Willenskraft, sondern höchstens das Stärkeverhältnis zweier Reproduktionstendenzen, nämlich der von der Einprägung bedingten und der von dem Vorsatz in derselben assoziativen Weise grundgelegten Reproduktionstendenz.

Selzhat den VersuchenAchsgegenüber gemeint, die Willenskraft sei überhaupt auf einem ganz anderen Gebiet zu erproben als auf dem der Ausführung eines Vorsatzes: die erstmalige Setzung eines Entschlusses sei der Ort, wo sich die Willenskraft bewähre. In der Tat scheint es einen stärkeren Willen zu erfordern, sich zu einer Arbeit oder gar zu einem Leiden zu entschließen, als zu einem Vergnügen. Der erste Eindruck spricht allerdings dafür, daß in jenen Fällen eine größere Willensintensität wirksam werde. Sieht man aber genauer zu, so rührt dieser Eindruck zum Teil daher, daß man bei der Übernahme unlustvoller Dinge gern äußere Ausdrucksbewegungen von größerer Intensität zuhilfe nimmt, wie krampfhafte Muskelbewegungen. Sie können gewiß den inneren Willensakt nicht zu einem intensiveren gestalten und werden auch von rechten Künstlern des Wollens lieber vermieden. Zum andern Teil rührt der Eindruck daher, daß nach dem einmaligen Entschluß zum Opfer sich die unangenehme Seite immer wieder von neuem aufdrängt und zur Zurücknahme des Entschlusses bewegen möchte, wie man sich auch umgekehrt einen solchen Entschluß erleichtern kann, wenn man den Blick unverwandt auf den für das Opfer sprechenden Beweggrund richtet. Auf jeden Fall läßt sich auf die besagte Weise ein gewaltsamer Willensakt umgehen. Versuche des Verfassers über den Entschluß zum Unliebsamen sprechen entschieden gegen das Vorhandensein und die Bedeutung intensiver Willensakte. Unser Wollen scheint somit nicht einem kräftigen Hammerschlag, sondern einer sicheren Weichenstellung oder einer Einschaltung eines Kontaktes vergleichbar zu sein, wozu auch keine besondere Kraft benötigt wird. Die gesamte Willensstärke dürfte in der Bereitstellung kräftiger Beweggründe und in einer geschickten Lenkung der Aufmerksamkeit beruhen. Damit lassen sich manche Tatsachen befriedigend erklären. So der Umstand, daß die Willensstärke keinem Alter oder Geschlecht allein vorbehalten bleibt, oder die andere, daß Menschen, die auf einem Gebiet sehr willensstark sind, auf anderen völlig versagen: nicht die vorhandene oder mangelnde Willensstärke, sondern die bereitstehenden oder fehlenden Motive geben den Schlüssel zum Verständnis solch widerspruchsvollen Verhaltens.

Selzhat den VersuchenAchsgegenüber gemeint, die Willenskraft sei überhaupt auf einem ganz anderen Gebiet zu erproben als auf dem der Ausführung eines Vorsatzes: die erstmalige Setzung eines Entschlusses sei der Ort, wo sich die Willenskraft bewähre. In der Tat scheint es einen stärkeren Willen zu erfordern, sich zu einer Arbeit oder gar zu einem Leiden zu entschließen, als zu einem Vergnügen. Der erste Eindruck spricht allerdings dafür, daß in jenen Fällen eine größere Willensintensität wirksam werde. Sieht man aber genauer zu, so rührt dieser Eindruck zum Teil daher, daß man bei der Übernahme unlustvoller Dinge gern äußere Ausdrucksbewegungen von größerer Intensität zuhilfe nimmt, wie krampfhafte Muskelbewegungen. Sie können gewiß den inneren Willensakt nicht zu einem intensiveren gestalten und werden auch von rechten Künstlern des Wollens lieber vermieden. Zum andern Teil rührt der Eindruck daher, daß nach dem einmaligen Entschluß zum Opfer sich die unangenehme Seite immer wieder von neuem aufdrängt und zur Zurücknahme des Entschlusses bewegen möchte, wie man sich auch umgekehrt einen solchen Entschluß erleichtern kann, wenn man den Blick unverwandt auf den für das Opfer sprechenden Beweggrund richtet. Auf jeden Fall läßt sich auf die besagte Weise ein gewaltsamer Willensakt umgehen. Versuche des Verfassers über den Entschluß zum Unliebsamen sprechen entschieden gegen das Vorhandensein und die Bedeutung intensiver Willensakte. Unser Wollen scheint somit nicht einem kräftigen Hammerschlag, sondern einer sicheren Weichenstellung oder einer Einschaltung eines Kontaktes vergleichbar zu sein, wozu auch keine besondere Kraft benötigt wird. Die gesamte Willensstärke dürfte in der Bereitstellung kräftiger Beweggründe und in einer geschickten Lenkung der Aufmerksamkeit beruhen. Damit lassen sich manche Tatsachen befriedigend erklären. So der Umstand, daß die Willensstärke keinem Alter oder Geschlecht allein vorbehalten bleibt, oder die andere, daß Menschen, die auf einem Gebiet sehr willensstark sind, auf anderen völlig versagen: nicht die vorhandene oder mangelnde Willensstärke, sondern die bereitstehenden oder fehlenden Motive geben den Schlüssel zum Verständnis solch widerspruchsvollen Verhaltens.


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