Vorwort zur dritten Auflage
Ein doppeltes Ziel hatte sich diese Arbeit gesteckt: kurz und verlässig zu berichten, was bisher über das Seelenleben des Erwachsenen erforscht war, und die in diesem Bilde noch klaffenden Lücken sei es durch eigene Untersuchungen, sei es durch Hypothesenbildung auszufüllen. Die günstige Aufnahme, die das Buch gefunden — auch die zweite Auflage war vor Ablauf eines Jahres vergriffen —, dürfte beweisen, daß jenes Doppelziel im wesentlichen erreicht wurde.
In der dritten Auflage wurden die inzwischen gezeitigten Forschungsergebnisse verwertet, insoweit sie dem Plane des Buches entsprechen und eine gewisse Abgeschlossenheit erlangt haben.
Zwei Wünsche, die mir von geschätzter Seite vorgetragen wurden, konnte ich nicht erfüllen. Zunächst durfte ich ob des beschränkten Raumes nicht mit solcher Breite schreiben, daß das Buchmühelosvon jedem Gebildeten gelesen werden könnte. Wer es als Leitfaden neben den Vorlesungen benützt — und für Hochschüler ist die „Philosophische Handbibliothek“ in erster Linie gedacht — wird keine Schwierigkeiten beim Studium finden. Andere Leser dürften bei etwas besinnlicher Lektüre den Inhalt gleichfalls bewältigen und dann um so größeren Gewinn davontragen. Zweitens wurde ein Abriß der Methoden, etwa als Anhang gewünscht. Allein, was an Methodik für das Verständnis der Tatsachen notwendig ist, wird stets an seinem Ort mitgeteilt. Im übrigen möchte ich nicht der Täuschung Vorschub leisten, die Befähigung zu psychologischer Forschungsarbeit lasse sich leichthin erwerben. Wer eine genauere Einführung in die Anfangsgründe der Methodik wünscht, sei auf das gediegene Werk von R.Pauli, „Psychologisches Praktikum“ 3. Aufl. 1923, verwiesen, das sich u. a. auch durch ausgedehnte Literaturnachweise auszeichnet. Noch weiter führende Literaturangabenfinden sich bei J.Fröbes, „Lehrbuch der experimentellen Psychologie“ 2. Aufl. 1922/23. — Der S. 90 zitierte Aufsatz ist zwar schon seit geraumer Zeit gedruckt, wird aber vielleicht erst im nächsten Jahr erscheinen.
Köln, im September 1923.
Johannes LindworskyS. J.
Druckfehlerberichtigung:
S. 104 Zeile 2 von unten lies: „objektiven“ statt „subjektiven“.