I.

Alle Rechte vorbehalten.Nachdruck verboten.

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I.

Kandidat Fröhlich erlebte heute eine unangenehme Ueberraschung, die ihm gleich um zehn Uhr zu teil wurde, als er pünktlich wie immer im Hause Roderich erschienen war, um den täglichen Unterricht bei seinem elfjährigen Zögling mit erneuertem Feuer zu beginnen. »Fräulein« war plötzlich krank geworden und lag im Bette, und so hatte er das Vergnügen, den Beruf eines Kindergärtners zu erfüllen, der ihm von der Gnädigen mit einer so süßlichen Bitte aufgetragen worden war, daß er nicht hatte widerstehen können. Er war auch gar nicht zum Nachdenken gekommen über die Berechtigung zu dieser von ihm verlangten neuen Probe seiner Begabung, denn die beiden kleinsten Roderichs hatten ihn gleich derartig als Gegenstand ihrer phantasievollen Neigungen in Anspruch genommen, daß er sich mit seinem glücklichen Humor, dem einzigen Erbteil seines Vaters, sofort in diesen Ausnahmefall gefunden hatte.

An den Fenstern strich ein lauer Mairegen hernieder und tropfte schwerfällig auf das hängende Grün der Edelbirke, das wie durchsichtiges helles Glas unter den verirrten Sonnenstrahlen glänzte. Hinten war der Garten in einen nassen Dunst gehüllt, in den der Himmel allmählich erst sein Lächeln warf. Diesem Regentage hatte Kandidat Fröhlich es zu verdanken, daß seine geteilte Aufmerksamkeit zwischen Schulzimmer und Spielstube von einem erfreulichen Erfolge begleitet war. Er pendelte zwischen beiden hin und her, wobei er streng darauf hielt, daß der dazwischenliegende Raum, der gewöhnlich zum Hausschneidern benutzt wurde, der neutrale Ort blieb, über dessen Schwelle er allein nur gehen durfte. Da aber seine Gedanken sozusagen stets zwischen offenen Türen schwebten, und zweibeinige Spielratten alles zu verstehen vermögen, nur das eine nicht, daß man bei der Unterhaltung mit Puppen, beim Bauen und Kegelschieben den Mund halten solle, so hatte er den mündlichen Unterricht heute ganz aufgesteckt und seinem bevorzugten Schüler das Thema zu einem deutschen Aufsatz gegeben, der in der großen Frage bestand: »Welchem Tiere gibst Du den Vorzug, dem Hunde oder der Katze?« Diese Aufgabe hatte er selbst einmal als Sextaner mit Nummer Eins bewältigt, und so war die Erinnerung daran an diesem sorgenvollen Vormittag ganz besonders in ihm lebendig geworden.

Walter hatte seinen Lehrer fragend angeblickt, noch im Zweifel darüber, ob diese Zumutung auch ernst gemeint sei, denn bisher war die vaterländische Geschichte immer bevorzugt worden. Dann war es ihm zaghaft über die Lippen gekommen: »Soll ich wirklich, Herr Kandidat?«

»Aber natürlich, mein Junge, wir treiben doch keinen Scherz.« Als er aber sah, wie leichte Röte in die blassen Züge des stets Verträumten zog, trug die offene Zuneigung wieder den Sieg davon, die er diesem von der Natur so stiefmütterlich behandelten Knaben stets entgegengebracht hatte.

Walter war ein sogenannter Zurückgebliebener, »das liebe Schreckenskind«, wie Frau Roderich ihn stets mit einem Seufzer nannte. Mit verwachsenen Schultern auf die Welt gekommen, hatten zehrende Kinderkrankheiten ihn viele Jahre zu einem körperlichen Schwächling gemacht, so daß man ihn wie eine zarte Treibhauspflanze gehegt und gepflegt hatte, bevor man daran dachte, ihn endlich, nachdem das schulpflichtige Alter längst verstrichen war, den geistigen Bedürfnissen seiner Zeit anzupassen. Stets besorgt darum, es könnte etwas an ihm zerbrochen werden, sobald man ihn in die Klasse sende, hatte man ihm seit zwei Jahren einen Hauslehrer gegeben, der ihm die nötige Vorbereitung für die höhere Schule geben sollte. Und das Wunder war geschehen: wie aus einer lange verschlossen gebliebenen Menschenblume strömte der Geistesduft heraus und machte sich von Tag zu Tag immer stärker bemerkbar, zur Freude des Kandidaten, der dieses Ringen und Ahnen frühzeitig erkannte.

»Wenn Du die Aufgabe richtig erfaßt, wird sie Dir nicht schwer werden,« half er dem Sinnen seines Zöglings wohlwollend nach. »Denke doch an Aeffi und Mausi und an all die Eigenschaften, die Du schon an ihnen entdeckt hast! Daraus wird sich dann das Resultat ergeben.«

Aeffi war der Familienschoßhund, ein kleiner Affenpinscher von zarter, hellbrauner Färbung, der, stets wohlfrisiert, den ganzen Tag über in einem gepolsterten Staatskörbchen zu Füßen der Gnädigen lag; und Mausi hieß die getigerte Küchenkatze, die die Köchin als junges Tierchen geschenkt bekommen hatte, und die seitdem zum wertvollen Bestande der Küche gehörte. Ihr Reich ging nur bis zum Ende des hinteren Korridors, da sie die Gewohnheit hatte, sich zu ihrer Toilette die verschiedensten Winkel auszusuchen, und sich dadurch die gründliche Abneigung der Gnädigen zugezogen hatte, die überhaupt diese Tiergattung nicht leiden konnte.

Ueber Walters blasses Gesicht zuckte ein heiterer Strahl. »Von Mausi weiß ich schon, wie sie ist; sie leckt ihren Napf sauber ab, und es klingt rührend, wenn sie miaut. Sie hat auch neulich eine Maus gefangen, es war ganz possierlich. Wissen Sie, es war in der Speisekammer, ehe der Maurer das Loch zumachte. Aber was ich über Aeffi schreiben soll, das weiß ich wirklich nicht, Herr Kandidat. Er ist eigentlich ein recht faules Tier, ich kann ihn gar nicht leiden. Wissen Sie, weshalb nicht? Weil Rudi mir einmal gesagt hat, er sei wertvoller als ich!« Sein Kopf, der fast direkt auf den Schultern saß, erhob sich in dem Lichtkreis des Fensters, und in den merkwürdig klugen Augen schwamm es, wie ein Hauch von Feuchtigkeit.

Fröhlich erriet seine Gedanken und machte den Versuch, ihn aus dieser Stimmung zu reißen. »Daraus mußt Du Dir nichts machen, was Dein Herr Bruder sagt. Redensarten, mein Junge, Redensarten! Wenn's hoch kommt, unüberlegte Narrheiten. Wer weise ist, lächelt darüber, und gewöhne Dir das beizeiten an! Ich bin gewiß, daß er über mich auch schon so manches gesagt hat, ich möchte es sogar beinahe behaupten. Und Du siehst, ich fasse mich immer in Geduld und bin stets freundlich und höflich zu ihm. So trifft man seine Gegner am besten. Schreibe also mutig darauf los!«

»So werde ich es also dem Aeffi gehörig besorgen und die Mausi weit über ihn stellen.« Er hatte mit der Spitze des Federhalters die Lippen gestrichen und machte nun mit ihm einen großen Schwung, vorläufig in der Luft, um sich allmählich zur Arbeit zu bequemen.

Aber Fröhlich verdarb ihm sofort gründlich diese Meinung. »Um Himmels willen, mein Junge! Diese Deutlichkeit laß nur, so ist das nicht gemeint. Ich könnte es für ewig mit Deiner Mama verderben. Du weißt, sie liest alle Deine Aufsätze, und wenn dann Aeffi, ihr lieber Aeffi —. Nein, das geht nicht.«

»Ich sehe ein, Herr Kandidat, das geht nicht,« stimmte ihm Walter altklug bei. Dann lachte er vergnügt, denn diese Aussicht hatte ihn heiter gestimmt.

Fröhlich begann, ihm das Allgemeine der Aufgabe auseinanderzusetzen, wobei er die fünf Finger der rechten Hand spielen ließ, um dadurch seine Belehrungen zu unterstützen. »Nicht um das Tier an und für sich handelt es sich, mein Junge, sondern um die Gattung. Ich wollte Dir nur durch den Hinweis auf Aeffi und Mausi den Kern Deiner Aufgabe ermitteln helfen, Dir sozusagen die Sache demonstrieren. Was demonstrieren heißt, das weißt Du. Wenn man vom Menschen an und für sich spricht, so denkt man nicht an Müller und Schulze, nein, mein Junge. Und so ist es auch mit den Tieren. Also: mach Dir die Sache leicht! Ungefähr so: Die Katze maust gern und schläft viel. Sie ist zwar ein nützliches Tier, überall dort, wo es Mäuse gibt, aber zugleich auch ein träges Tier. Der Hund ist der Gesellschafter des Menschen, der treue Wächter von Haus und Hof. Er ersetzt dem armen Mann das Pferd, gibt dem Jahrmarktskünstler sein Brot, undsoweiter, undsoweiter. Laß Deine Empfindung darüber ganz frei spielen!«

Walter hatte allmählich begriffen, nickte freudig und sann nach. Dann aber fuhr er wieder auf, denn fortwährend hatte ihn die Bemerkung Fröhlichs über den ältesten Bruder beschäftigt.

»Herr Kandidat, ich möchte Ihnen gerne etwas sagen, aber Sie dürfen es mir nicht übelnehmen. Nein? Am liebsten möchte ich einen Aufsatz über Sie und Fräulein schreiben. Dann wüßte ich gleich, wem ich den Vorzug zu geben hätte.« Und als Fröhlich lachend diesen Einfall im Zusammenhang mit der gegebenen Aufgabe etwas sonderbar fand, bekam er auch gleich die Aufklärung, die die Gedankengemeinschaft über diesen Fall im Kopfe des Aufgeweckten erklärlich machte.

»Es kam mir gerade so in den Sinn, Herr Kandidat, weil Rudi Sie beide im geheimen immer Aeffi und Mausi nennt. Sie sind der Aeffi, und Fräulein die Mausi. Fräulein schnurrte auch gerne, und Sie würden von Mama verhätschelt. Und das ist doch nicht einmal wahr. Sie bellten mich auch öfters gerne an. Auch eine Lüge! Und wissen Sie, weshalb der Vergleich am besten auf Sie paßte? Fräulein gehörte mehr zum Gesinde, und Sie gehörten schon mehr nach vorn. Aber bester, liebster Herr Kandidat — denken Sie nur nicht, daß ich's böswillig meine! Nur gut meine ich es. Rudi ist doch auch so häßlich zu mir, und Sie und ich — wir müssen doch zusammenhalten.«

Lebhaft, fast erregt hatte er diese Wendung hervorgebracht und sich dabei leicht von seinem Stuhl erhoben, weil ihm dünkte, seinem Lehrer Weh bereitet zu haben. Denn dieser hatte den Gang durch das Zimmer plötzlich eingestellt und stand nun in straffer Haltung vor seinem Schüler, so daß sich der Oberkörper förmlich aus der schmalen Taille des langen, schwarzen Rockes reckte. Ein Zucken ging um seinen Mund, das verschieden gedeutet werden konnte. Aber sofort wich es wieder einem Lächeln, das nur noch den Rest seiner inneren Empörung zeigte.

»Nein, nein, mein Junge, gegen Dich habe ich nichts, beruhige Dich nur! Und gegen Deinen Bruder noch weniger. Ich danke Dir, wie immer, für Deine Offenheit. Aber den Rat gebe ich Dir ein für allemal: gib nichts auf solche Redensarten! Es kommt immer darauf an,wieman alles sagt, und das zu erfassen bist Du noch nicht imstande. Nun arbeite ruhig, ich werde zu den Kindern gehen.«

In der Spielstube waren bereits Wünsche nach ihm laut geworden, die sich durch Lärmen und Poltern äußerten. Er hatte diese zarte Andeutung heute bereits wiederholt empfangen, und so kam er gerade zur rechten Zeit, um die Unruhigen zu besänftigen und den elfjährigen Grübler auf der andern Seite vor Störung zu bewahren. Zu diesem Zwecke schloß er die Türe hinter sich, um nun abgeschlossen im Reiche der phantastischen Kindervorstellungen zu wirken.

»Onkel Fröhlich, bist Du da?« vernahm er die Stimme des Fünfjährigen aus irgend einem Winkel. Sie klang wie aus der Tiefe, halb zerquetscht und gedämpft durch eine drückende Last. »Such mich doch, komm doch hier herunter! Hier brennt ein Weihnachtsbaum, und ich sitze auf dem Schaukelpferd. Hopp, hopp!« Und er klatschte mit den Händchen auf die Diele und schlug mit den Stiefelchen wild auf, was unstreitig sein »reiten« bedeuten sollte. Dann erging er sich weiter in seiner Einbildung. »Komm doch! Alle Lichter brennen. Hörst Du, wie ich Pfefferkuchen esse?« Er machte ein schmatzendes Geräusch, als hätte er den ganzen Mund voll des süßen Gebäckes.

Endlich entdeckte ihn der Kandidat unter dem alten Ledersofa, das auf seiner schwarzen Fläche deutliche Spuren eines Kinderturnplatzes zeigte. Die Vorstellung, er könnte ebenfalls unter dieses alte Möbelstück kriechen, um im schönen Monat Mai noch einmal das Weihnachtsfest zwischen Diele und Roßhaar zu erleben, stimmte den Kandidaten zu lauter Heiterkeit. O köstliche Einbildung einer Kinderseele, die Dinge entstehen läßt, die dem Weisen große Rätsel sind! Fröhlich behandelte die Sache völlig ernst, denn wie bei den großen Narren, war es auch bei den kleinen ratsam, immer mitzutun. »Reite nur hervor, Hänschen, und bringe den Weihnachtsbaum mit!«

Und der Junge tat aufs neue seinen Bauchritt, wieherte nun förmlich vor Freude und kroch allmählich ans Tageslicht. Ein geknickter Grashalm vom vergangenen Tage, den er in seiner Rechten hielt, war der »Christbaum«, den er nun neckisch dem Lehrer in die Hand drückte, wobei er immer noch mit den Füßen trampelte, um das wilde Pferd unter sich zu kennzeichnen. Dann aber markierte er den abgeworfenen Reiter, warf sich zu Boden, strampelte mit den Füßen in der Luft und rollte sich schließlich über den Teppich, wobei er ein Indianergeheul ausstieß.

Währenddessen saß das dreijährige Trudchen ruhig auf ihrem Korbstühlchen, eine riesige Puppe auf dem Schoß, der sie laut allerlei Vorwürfe machte und die sie ab und zu auf dem dafür bestimmten Körperteil strafte, als wäre das eine übernommene Pflicht, die sie zugleich mit diesem Geschenk erhalten hätte. »Du, du, du!« und Schlag auf Schlag folgte.

Hans hatte den schönen Traum unter dem Sofa schnell vergessen und bewies sich als verzogenes Jüngelchen, das die Lebhaftigkeit von der Mutter hatte, während das breite Gesicht mit dem kleinen Näschen entschieden ein Erbteil des Vaters war, nicht zu vergessen die zu groß geratenen Ohren. »Etsch, Onkel, Du mußt heute unser Fräulein spielen! Mama hat es gesagt, und Rudi hat schon gestern gesagt, Du sollst Dir eine Schürze umbinden. Und nachmittag mußt Du mit uns spazieren gehen.«

Kandidat Fröhlichs Stimmung schwebte zwischen Lachen und Aerger. Er sah sein Bild gerade in dem alten Mahagonispiegel, der in der Ecke ziemlich hoch als ein Stück des zusammengetragenen Hausrats in diesem Zimmer thronte, und so erwog er, wie er sich etwa, mit einer Schürze angetan, ausnehmen würde, womöglich mit einer recht auffällig gemusterten. Sein männlich offenes, bärtiges Gesicht mit den feinen Zügen sah ihn wie sprechend an, und als er jetzt auch die gesunden Zähne sah, war jeder Groll verflogen. Nein, dieser älteste Schlingel, dessen Haß er sich aus irgend einer ihm unbekannten Ursache zugezogen hatte, konnte ihn nicht beleidigen, mochte er immerhin seinen Spott zu den Geschwistern auslassen in der sicheren Erwartung, er werde sein Opfer so auf Umwegen treffen. Uebrigens hatte er wohl unbewußt das Richtige getroffen: auch Gärtner trugen Schürzen, und wenn er heute schon einmal Fräulein zu vertreten hatte, so wollte er diesen Scherz in Gnaden aufnehmen.

Ein neuer Vorstoß des Jungen gab ihm vollends seine gute Stimmung wieder. Hans fand es plötzlich nötig, die glänzend gewichsten Stiefel des Lehrers als Sockel für seine Schuhe zu benutzen, und wischte zugleich den Dielenstaub an Fröhlichs schwarzen Beinkleidern ab. Und so diesen mit der ganzen Kraft seiner fünf Jahre umschlungen haltend, legte er sich aufs Bitten. »Onkel Fröhlich, geh Du doch einmal mit uns in den Zo (das war eine Abkürzung für »Zoologischer Garten«), Du zeigst mir dann die Tiere, ja? Das muß schön sein. Auch wenn Fräulein wieder gesund ist. Dann kommt Rudi wieder und spricht mit ihr und schickt uns zu der Fischotter.«

»So, also Rudi spricht öfters mit Fräulein, das ist nett.« Kandidat Fröhlich war zwar anderer Meinung, und sicher hätte er gerne etwas Näheres über diese Gespräche erfahren, aber er war nicht der Mann, der Kinder aushorchte, die ihm anvertraut waren. Als er sich aber jetzt wieder unwillkürlich im Spiegel erblickte, glaubte er sein Gesicht bedeutend länger zu sehen, worüber er übrigens gar nicht erstaunt war. Er hatte sich in diesem Hause schon an soviel gewöhnen müssen, daß seine eigene Verwunderung über eine Neuigkeit keinen Eindruck mehr auf ihn machte. Um seinem Gemüt aber selbst Ruhe zu geben, beruhigte er zugleich den Jungen. »Das machen wir einmal, mein Söhnchen. Wenn erst die schönen Tage kommen ... Nun aber wisch Dir Deine Schuhe wo anders ab, spiele recht artig und laß Dein Schwesterchen zufrieden! Ich will einmal sehen, was Walter macht.«

Hans trampelte vor Freuden, dann aber ergriff er eine Kugel und schob die letzten Kegel um, die er hatte stehen lassen, bevor er die Entdeckungsreise unter dem Sofa vornahm. Und sofort stürzte er sich in eine neue Beschäftigung. Vor der breiten, kahlen Wand zwischen Ofen und Fenstern stand ein langer Tisch, auf dem all die Herrlichkeiten ausgebreitet waren, über die Kinder reicher Eltern in ihren Spielstunden zu verfügen haben: Puppenstube und Küche, Burgen, Baukasten und eine Eisenbahn, die wirklich ging, sobald man die Lokomotive aufgezogen hatte. Hans schwang sich auf das große Schaukelpferd, und von hier aus besorgte er seinen täglichen Kladderadatsch: er peitschte so lange auf die Eisenbahn, auf die Burgen und auf das frisch zusammengesetzte Steinhaus, bis alles drunter und drüber auf den Boden fiel. Trudchen schrie auf und flüchtete mit ihrer Puppe, die sie dann aufs neue bestrafte, als wäre sie mitschuldig an dem Skandal.

»Aber, mein Söhnchen, was soll der Unsinn! Das nennt man doch nicht spielen!« ermahnte der Kandidat. »Wenn ich zurückkomme, wirst Du alles wieder schön aufgebaut haben.«


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