DIE FLIEGE

DIE FLIEGE

Also, habe ich mir dieses Hundeleben, pardon, Fliegenleben, vielleicht verlangt?! Meine Eltern haben mich, nur ihrer eigenen Lust frönend, in die Welt gebracht, uneingedenk der schrecklichen Gefahren, denen ihr geliebtes Kindchen doch dadurch ausgesetzt werde! Ich will nicht von den Schwalben sprechen, diesen heimtückischen Meuchelmördern, die mit offenem Schnabel in rasendem Fluge daherstürmen und uns hinunterschlucken, schwapp! Denn sie ersparen uns wenigstens die Todesqualen, ihre scharfe Magensäure löst uns augenblicklich auf. Und schließlich, wenn wirselbstSchwalben wären und die anderen die Fliegen?! Wärenwirrücksichtsvoller?! Keineswegs. Aber die Menschen, die Menschen! Ohne irgendeine Geschicklichkeit im Fliegen oder sonstwie, fangen sie uns ab an gekauften und an Lüstern mitten im Zimmer aufgehängten Leimbändern, die, um uns zu betören, noch mit Zucker bestrichen sind! Feig undfaul liegt so ein junges hübsches Mädchen des Morgens im Bette, blickt ungerührt auf uns Unglückliche, die seit Sonnenaufgang, von dem lieblichen Dufte des Menschenleibes angezaubert, nun an dem Leimbande kleben, dem langsamen Martertode preisgegeben! Und ihre Verehrer träumen unterdessen: „Sie könnte keiner Fliege etwas zuleide tun!“ Ja, Schnecken! Rache, Rache! Die Ärzte haben erklärt: „Der Stich einer Mücke, die auf Aas gesessen ist, kann tödlich wirken!“ Brüder, Schwestern, auf Aas!


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