SPLITTER

SPLITTER

Sie war eine junge arme Kassierin in einem „Tschecherl“.

Sie hatte nur eine Leidenschaft, vielmehr eine Sehnsucht — — — edle Zigaretten.

Ich schenkte ihr welche.

Eines Tages küßte ich sie, berührte sie zärtlich.

Sie ließ es sich gefallen.

Dann sagte sie: „Schade, jetzt schmecken mir diese feinen Zigaretten nicht mehr so gut. Bisher habe ich sie umsonst gehabt!“

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Als die süße junge Mathilda Sch., Kaffeeköchin, entlassen wurde, sagte ich zu ihr: „Ich will mich einer mir liebsten Sache entäußern dir zuliebe, die ich besitze!“ Und schenkte ihr meinen Weidenreisekorb, wasserdicht gefüttert, mit zwei Nickelschlössern, der meine einzige Reise, nach Venedig, miterlebt hatte. Später erst erinnerte ich mich, daß die Schlösser michnervös gemacht hatten und nicht schließen. So ist es fast mit allen Schenkungen. Nur erinnern sich die anderenvorher!

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Frau Vallière, die mich zu einer achttägigen Autofahrt durch das „Val Sugana“ eingeladen hatte, sagte mir beim Abschiede in Mestre, aus dem Waggonfenster heraus: „Sagen Sie mir, bitte, etwas Liebes, das ich mir mitnehmen kann in meine Tage!“

„Gnädige Frau, ich habe acht Tage lang es nicht gespürt, daß ich in Gesellschaft einer fremden Dame reise!“

„Danke!“

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Es gibt keine noch so anständigeganzinnerlich ausgefüllte,ganzzufriedene Frau. Sie hat immer noch ein Plätzchen in ihrem Herzen für einen, der alleshergibtund nichtsbekommt!

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Angenehme Kritik.

Das „Prager Tagblatt“ schrieb: „Das Buch ‚Semmering 1912‘ ist vordreiMonaten erschienen. Es hatbereitsdrei Auflagen. Bereits?! Es solltebereitshundert haben!“

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Jede Frau ist eineperfid-absichtliche oderperfid-unabsichtliche Zerstörerin der Welt, die man sich mit einer anderen mühselig-zärtlich aufgebaut hat! Mit einer einzigengeschickt-ungeschicktenBemerkung, nur so hingesagt, kann sie wie ein 38-cm-Geschütz alles in Trümmer legen und vernichten, was man jahrelang zum Schutze seiner Seele aufgebaut hatte für eineAndere! Es gibt einige wenige Frauen, diekeineGiftzähne haben, das sind Seelengenies. Z. B. die Paula, die Dora. Sie sind hilflos,alsosüße Kindchen! Die, die sich wehren können, sind Kreuzotterngleichzuachten, schleichenden Reptilien.Zertrittsie!

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An eine Vierzehnjährige:

„Wenn du michverläßt— — — wirst duwiederkommen!Getreulicherals wenn du mich nieverlassenhättest!DeineErfahrung war dir dann wichtiger alsmeineLehre! Und dennoch hätte dir diese vielersparenkönnen! Aber du hattest ja Zeit — — — von vierzehn bis neunzehn! Und ersparen tun sich Frauen nichts gern, besonders von den süßen, den süß-bitteren Erfahrungen!“

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Wenn mein Stubenmädchen einmal mein hübsches Zimmerchen nicht aufräumt und ich ihr Vorwürfe mache, sagt sie: „Jessas, wann ma amal vergißt, der Stall wird sich noch halten bis morgen!“ Sage ich aber nichts, sondern blicke nur stumm und ernst, so hat sie zwar Gewissensbisse, erbleicht, aber räumt nicht auf. „Wann also räumt sie denn dann doch auf?!“ Wenn ich eine Krone bezahle! „Das ist eine Gemeinheit!“ Keineswegs, von selbst zahle ich ja nicht, erst bis Staub auffliegt!

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Wenn meine Geliebte nicht da ist, sehne ich mich nicht nach ihr, wenn sie da ist, schon gar nicht, wann also sehne ich mich nach ihr?!

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„Abgesehen vom Talent, könnte ich alle dieselben Sachen schreiben wie dieser Peter Altenberg. Wenn ich nämlichebensounverschämt wäre und dieses ununterbrochene und überflüssigeBedürfnishätte, die Menschen über irgend etwasaufzuklären! Ich bindirekt froh, daß sie ‚irre gehen‘. Wer hat dennmichaufgeklärt?! Etsch!“

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Meine Mama sagte immer zu mir noch in den sogenanntgutenZeiten: „Wenn wir die 20000 Kronen wirklichhätten, die wir jährlichausgeben, so hättest du ein Recht, uns Vorwürfe zu machen, daß wir sieganzausgeben! Da wir sie abernichthaben unddennochausgeben, ist es eine Taktlosigkeit von dir!“

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Die „Anständigkeit“ einer Frau hängtausschließlichvon ihrem „Akt“ ab. Ist dieservollkommen, dannmußsie immer „unanständig“ bleiben!Nurdas Bewußtsein, nichtallenzu gefallen, bringt sie dazu, sich einemeinzigenanzuhängen!

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Nur das Gefühl, demnächst „aus dem Leim zu gehen“, erzeugt bei der Frau eine Art vonTalmitreue!

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Wenn die schöne Frau keinePhantasiehätte! Dann könnte sie sich es nichtvorstellen, wie es wäre, wenn siedenoderjenenerhören würde! So aber — — — hat sie Phantasie!

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An eine schöne Frauglauben, ist dasselbe, wie es glauben, daß der Kuckuck im Sommerwaldenurfürunsseinen bezaubernden Ruf erschallen lasse!

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„Vous me déshabillez tout-à-fait sous mes vêtements, avec vos yeux!“ sagte eine Süße zu mir.


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