KAROLINE
„Hochverehrter Meister!
Glauben Sie meiner Freundin, der Karoline, kein Wort! Sie hat sich alles zusammengestellt, um Ihr edles Dichterherz zu täuschen! Sie ist gar nicht beim ‚Roten Kreuz‘ als Abwaschmadl. Das will sie Ihnen nur patzig vormachen! Auch weiß sie daher gar nicht, ob die verwundeten Soldaten sich nach vielen Zigaretten sehnen. Das ist gemacht, um Ihnen, verehrter Meister, Zigarettengeld herauszulocken! Wohin das Geld marschieren wird, kann man sich denken. Bitte mir dieses Schreiben nicht übelzunehmen. Aber einen Dichter wie Sie so anzuschmieren! Da ließe ich mir eher die Hände abhacken.
Ergebenst Theresia.
p. s. können mir Herr Dichter bis übermorgen 5 Kronen borgen?!“
Kaum hatte ich diesen Brief gelesen, so erschien Karoline und erzählte mir von ihrer Stellung als Abwaschmadl und von den nach Zigaretten schmachtenden verwundeten Soldaten.
Ich schenkte ihr neun Kronen für dreihundert Sportzigaretten.
Dann zeigte ich ihr den Brief der Freundin.
Sie sagte: „So a Mistviech! Gönnt mir nicht die warme Jacken, jetzt wo der Winter anfangt! Sagen’s aufrichtig, is dös nicht auch ein gutes Werk?!“
„Gewiß!“ erwiderte ich unenttäuscht.