Ein Abelsberger Heutrog.
Der Kreuzhäusel-Hans war arm daran, war Alles schuldig bis auf seine neun Kinder. Das Häusel und das Vieh waren ihm schon versteigert worden, und jetzt ging’s an den Stall.
Der Nachbar Türken-Sepp nahm’s zeitig wahr. „Du,“ sagte er zu seinem Schwager, dem Baumzapfer-Lenz „morgen wird zu Ober-Abelsberg der Kreuzhäusel-Stall versteigert; möcht’ gern dabei sein, muß aber morgen in’s G’reut hinüber; ist dort ein spottwohlfeiler Schimmel zu kaufen. Hab’ die Gutheit, Schwager, und geh’ zur Versteigerung, und wenn der Heutrog — ’s ist ein nagelneuer Trog, der mir just will passen — wenn der an die Reih’ kommt, so biete für mich mit. Gelt, ich kann mich verlassen?“
„Freilich, das ist gewiß,“ betheuert der Lenz, „recht gern, daß ich für Dich mitbiete.“
Aber auf dem Heimweg denkt sich der Lenz: ein spottwohlfeiler Schimmel wär’ zu haben drüben im G’reut? Ei, den geh’ ich mir holen morgen in aller Früh. Aber der Heutrog? — Da begegnet ihm sein Gevatter, der Spitzborsten-Toni. „He, Gevatter,“ ruft ihm der Lenz zu, „könntest mir einen großmächtigen Gefallen thun, morgen über Tags. Des Kreuzhäusel-Hans Stall wird versteigert; bist gewiß auch dabei. Ich möcht’ für einen guten Bekannten den Heutroghaben — ein nagelneuer Trog. Wolltest mir hübsch keck mitbieten darum!“
„Mein Gott, von Herzen gern, und das macht mir ja gar keine Müh’ und Plag’,“ meint der Toni; und der Lenz ist seiner Sorge enthoben und macht sich des andern Morgens zeitig auf den Weg in das G’reut, um, noch ehe der Türken-Sepp sich einfindet, den spottwohlfeilen Schimmel zu kaufen.
Mittlerweile aber hat der Türken-Sepp erfahren, der Schimmel sei nicht mehr zu haben. So kann er sich bei der Versteigerung ja leicht selber einstellen und braucht den Lenz nicht zu belästigen. Doch, nun sieht er’s, auf den Schwager ist kein Verlaß — gar keiner; der Baumzapfer-Lenz ist bei der Versteigerung gar nicht zu sehen. Dafür aber ist — als die Reihe an das bewußte Einrichtungsstück kommt — der Spitzborsten-Toni wie versessen auf den Trog. Der Toni hat das nagelneue Prachtstück bereits von drei auf sieben Gulden hinaufgetrieben.
„Achti!“ ruft der Türken-Sepp.
„Neuni!“ sagt der Spitzborsten-Toni.
Da beißt sich der Sepp in die Zunge. „Zehne!“ versetzt er bissig.
„Eilfi!“ ruft der Toni und denkt: Ich zahl’s ja nicht, der Trog kommt für meines Gevatters Bekannten.
Der Starrschädel! flucht der Sepp bei sich selber, den tauch ich noch nieder; der Türken-Sepp darf nicht zu Schanden werden. „Zwölfi!“ schreit er.
„Dreizehni!“ brüllt der Toni.
„Vierzehni!“ der Sepp. Beide sind in der Hitze — Fünfzehni! — sechzehni! — siebzehni! — Alles lacht über die beiden Trotzköpfe, die um den Heutrog kämpfen.
— Achtzehni! — neunzehni! —
„Zwanzig Gulden! Fixsaker einmal!“ schreit der Sepp.
„Einundzwanzig!“ stöhnt der Toni.
„Auch gut,“ denkt sich der Türken-Sepp, „bei dem laß’ ich ihn; jetzt sitzt er in der Wolle.“
„Einundzwanzig zum Ersten!“ ruft der Beamte, „zum Zweiten! — zum Drittenmal!“
Der Hammer fällt. Der Toni hat den Heutrog.
„Du Narr!“ lacht Alles, „der Klotz ist nicht fünf Gulden werth.“ Der Türken-Sepp kichert noch am meisten darüber, daß der Partner aus reiner Prahlsucht in die Falle gegangen.
Zur selben Stunde reitet der Baumzapfer-Lenz auf seinem erstandenen Schimmel herbei. — „Gevatter!“ ruft ihm der Toni zu, „ich hab’ keck mitgeboten, da ist der Heutrog.“
„Ist mir rechtschaffen lieb,“ sagt der Lenz, „komm, Schwager Sepp, bist ja auch da; gleichwohl ich selber hab’ in’s G’reut hinüber müssen, ist Dein Willen gethan worden; mein Gevatter, der Spitzborsten-Toni, hat die Gutheit gehabt, hat für Dich den Heutrog erboten.“
Da wird dem Türken-Sepp übel bis in die Leber hinein; jetzt hat er sich selber gesteigert, hat mehr denn vierzehn Gulden aus seinem eigenen Beutel herausgeschrieen.
„Mach Dir nichts d’raus!“ rief der Toni lachend, „Sepp, der Heutrog ist was für Dich, bigott, für Dich selber!“
Der Türken-Sepp fluchte hinein in den nagelneuen Trog. Die Leute lachten gewaltig. Der Kreuzhäusel-Hans, der arm’ Tropf, lachte noch am meisten.
Kapitelende