"Gut ist Peeedro schon. Sicher, Peeedro ist seeehr guuut. Aber wir leeeben hier ja nicht im Määärchenland. Nein, Peeedro wollte den Hund erleeedigen."
"Aber wäre das nicht Mord?", fragte ich.
"Neeennen sie es, was sie wollen, Mister Caldwell! War nicht gerade einEeengel, was ich da erschooossen hääätte."
"Gibt es hier den keinen Sheriff, kein Gesetz?"
"Uuuh, sind sie aber neugiiierig, Mister. Weiss gar nicht ob Peeedro ihnen trauen soll?"
"Wundert mich ja nur, falls ich mal in diese Situation komme."
"Naaa, Mister. Der Sheriff ist nicht hier, der Deputy ist besoffen, undPeeedro hat genügend Freunde hier die ausgesagt hääätten, dass Biiillyzuerst gezogen hätte. Waaas wooollen sie, Mister, Geseeetz oderGereeechtigkeit."
"Schon gut, schon gut. Ich bin sowieso todmüde. Geh jetzt ins Bett.Wünsche euch eine gute Nacht."
Sie verabschiedeten sich auch und ich ging auf mein Zimmer und legte mich ins Bett ohne mich auszuziehen. Ich schlief gleich ein.
Ich wachte einmal auf. Dachte wiehern zu hören. Schlief aber gleich wieder ein. Doch dann gegen morgen, wurde ich wieder geweckt, diesmal von einem tosenden Brausen. Es kam von der Zimmertüre her. Ich begab mich schläfrig zur Türe. Ich wollte sehen was denn so einen Krach machte. Ich öffnete sie. Flammen schlugen gegen mich. Ich schlug sie wieder zu. Jetzt war ich hellwach. Der Saloon brannte!!!
Da gab es kein Entweichen durch die Tür mehr. Wahrscheinlich loderte schon der ganze Saloon. Jetzt war die Zimmertür schon fast durchgebrannt. Plötzlich wurde es unerträglich heiss. Ich musste raus. Ich packte meinen Sattel, der all meinen Besitz enthielt und sprang aus dem Fenster, das aufs Dach hinausführte. Dort liess ich den Sattel fallen. Vom Dach kletterte ich auf das Dach des Ganges zum Aussenabort und von dort auf den Boden. Ich holte meinen Sattel.
Die Hinterwand stand noch und schützte vor der Hitze des Brandes. Michim Schatten der Wand vorwärtstastend, fühlte ich plötzlich warme Haut."Laaassen sie ihre Stiiinkhände von meinem Gesicht. Hab shon genugKuuummer, wie es ist."
Es war Pedro. Er war also auch entkommen. "Pedro, wo sind die andern?Der Wirt? Wo ist der Wirt und der Koch?"
"Pedro haaat noch niemanden gefuuunden. Ist schon zweimal um den Saloooon gerannt. Hat noch niemand gefunden. Vorne ist der Saloooon total abgebrannt. Da hat keine Ratte überleeebt."
Wir gingen zur Vorderseite. Die war nur noch eine glühende Masse. Hie und da, wie geisterhaft, loderten die Flammen erneut aus der Glut.
Es war kein schönes Bild. Alles war abgebrannt. Obwohl mein Zimmer auf der Hinterseite war konnte ich jetzt von vorne hineinsehen. Nur die Hälfte des Zimmers stand noch. Wie ich herausfand, war Pedros Zimmer gerade neben meinem gewesen. Wir waren die einzigen Überlebenden.
Der Wirt war tot, der Koch auch. Schade um sie. Sie waren gute Leute gewesen. Glücklicherweise war es ein schneller Tod gewesen. Man fand kaum Überreste. Mehrere Gäste waren auch gestorben, doch man fand kaum Leichen. Alles war total verbrannt. Wie schnell doch das Leben enden kann. Wir Menschen sind so zerbrechlich.
Die Stimmung war bedrückt. Pedro schien besonders traurig, hatte er nicht nur seine Freunde verloren, sondern auch ein Quelle von Verdienst.
Wie froh war ich, dass ich meine Familie aus dem Haus gehohlt hatte. Sie hätten es nicht überlebt. So ein Holzschuppen, wie der "Whiskey Barrel" Saloon gewesen war, brannte zu schnell.
Ich vermutete, das es Brandstiftung war. Der Wirt war zu vorsichtig, als dass es aus Nachlässigkeit geschehen wäre. War es Billy Kane gewesen?
Ich schaute nach, wie es meinem Pferd "Flake" ging. Ich nannte ihn so, da er wie graue Flocken auf dem Fell hatte. Er war ja ein Apfelschimmel, hatte aber kein weiss, nur grau.
Er war unbeschert. Ich sah aber auch, dass die Pferde meiner Familie nicht mehr da waren. Ich schaute nochmal, und nochmal. Ging dem ganzen Corrals entlang. Sie waren weg.
Jetzt erinnerte ich mich an das Wiehern, das ich in der Nacht gehört hatte. Sie oder jemand anders hatten die Pferde geholt. Ich musste herausfinden, wo sie waren. Es war schon fast hell. Sobald es hell war, würde ich reiten.
Ich ging zur Vorderseite des Saloons zurück, wo Pedro immer noch stand und starrte. "Pedro, falls es die Zeit erlaubt, würde ich gern ein paar Stunden von ihnen nehmen, Senor. Ich bin nicht schnell genug."
"Kaaanst du schooon, Mister. Peeedro ist froh für jeden Pfeeeenig."
"Wo wohnen sie denn?"
"Am Eeende der Stadt. Im letzten Haus. Gegen Norden. Frag die Leute.Peeedro Escobaar ist bekaaannt", sagte er traurig.
"Gut. Adios Amigo." Ich ritt davon.
Ich fragte jede Person die ich finden konnte über Julia, Jack, Sara und Lisa, aber niemand hatte sie gesehen. Ich fragte unter dem Vorwand, dass ich ihnen etwas zurückgeben musste, was auch wahr war, denn ich hatte Lisas Halstuch immer noch. Ich roch hie und da daran. Es enthielt ein leichtes Perfum, das mich an sie erinnerte. Ich liebte sie, meine kleine Lisa. Oh wie gerne hätte ich sie in meinen Armen gehalten, mein Kleinstes. Oh wie gerne.
Dann am Ende der Stadt, im anderen Saloon, da war ein alter Mann, der sie gesehen hatte. Sie waren nordwärts geritten.
"Waren sie allein?", fragte ich.
"Nein die waren alle zusammen." bekam ich als dumme Antwort.
"Ich meine, war da noch jemand?"
"Hab nicht so genau geschaut, aber so viel ich mich erinnern kann—nein, ich glaube nicht."
"Vielen Dank, Mister".
Das war gute Nachricht. Sie hatten es also geschafft. So schien es auf jeden Fall. Ich musste ihnen nicht gleich nach. Ich würde sie leicht einholen.
So ging ich zu Pedro und nahm Stunden. Ich lernte viel. Ich wusste nicht, wie wenig ich wusste. Pedro war ein guter Lehrer, sehr geduldig. Er lehrte mich eines nach dem andern. Gab mir nie zuviel auf einmal. Sagte kein entmutigendes Wort. Sah nur immer meine guten Seiten. Wenn ich müde war, hörte er auf zu lehren. In ein paar Tagen machte ich Riesenfortschritte. Ich wohnte in Pedros Haus. Das war billiger als der Saloon.
Ich verliess die Stadt, als ich hörte, dass die Gebrüder Black in die Stadt geritten waren. Sie hatten sich nach einem Narbenkopf erkundigt. So hatte mir Pedro erzählt. Er würde mich nicht verraten, aber es gab mir trotzdem einen Schock. Zuviele hatten mich gesehen. Es würde leicht sein, mich zu finden. So, die Blacks, die BBs, waren also schon so weit gekommen. Wie weit würden sie mir folgen? Etwa bis zur kanadischen Grenze?
Ich verabshiedete mich von Pedro. Er war ein guter Mann. Ich hoffte ich würde ihn wiedersehen. Dann machte ich mich aus dem Staub im Geheimen. Ich ritt hinter meinen Geliebten her.
Ich musste mich in Taos erkundigen in welche Richtung sie gegangen waren, und fand heraus dass sie gegen Osten gezogen waren und dass ein Mann bei ihnen war. Das machte mir Sorgen. Erstens der Mann, und zweitens die Route die sie gewählt hatten. Ich wusste, dass Julia durch die Berge wollte. Warum gingen sie jetzt gegen die Prärie. Natürlich waren da immer noch Berge, wenigstens bis zum Raton Pass. Doch fand ich das Ganze beunruhigend.
Soweit hatte ich nichts mehr von den Black Brothers gehört, aber sicher konnten sie nicht weit sein. Da ich mich in Taos erkundigen musste, sahen mich viele Leute. Doch eines wussten sie nicht. In welcher Richtung ich Taso verlassen hatte, denn ich verliess die Stadt in der Nacht.
Auch von Billy Kane hatte ich nichts mehr gehört oder gesehen. Doch unsere Pfade sollten sich noch einmal kreuzen.
Ich holte meine Familie kurz vor dem Raton Pass ein.
Kapitel 4
Ich, Julia Custer, hatte eine Entscheidung zu fällen. Sollte ich kämpfen oder fliehen. Würde mich der Wirt beschützen, wie er mich heute Nachmittag beschützt hatte? Würde er fähig sein mich zu beschützen? Ja, da war noch dieses Narbengesicht an der Bar, der schien auch einige Kämpfe hinter sich zu haben, und man konnte seinem Gesicht ablesen, dass ihm nicht gefiehl, was vor sich ging. Auch lachte er nicht mit den andern. Aber viel hatte er auch nicht getan.
Oder sollte ich mit dieser blinden Frau fliehen. Ich musste schnell entscheiden. Ich wollte diesem Billy Kane nicht in die Hände fallen.
"Kommen sie schon, hier sind sie nicht sicher." sagte die blindeIndianerfrau.
"Warum sind sie überhaupt gekommen. Wie wussten sie, dass wir hier sind.Hat sie etwa Billy Kane selber geschickt um uns in seine Hände zu locken?"
"Nein, nein, Missis. Ein sehr netter Mann hat mich geschickt. Er hat gesehen wie Billy Kane mit mehreren Burschen zurückgekehrt ist und wie er das Haus umzingelt hat. Da wurde er sehr besorgt und hat mich gefragt ob ich einen Ausweg wusste. Dann hat er mir zehn Silverdollar bezahlt um euch rauszuholen, denn er ging in den Saloon um dem Wirt zu helfen."
"Wie sah er aus, dieser nette Mann?"
"Das weiss ich nicht, Missis, ich bin doch blind."
"Oh, Entschuldigung. Also gehen wir. Jack, Sara, Lisa, seid ihr bereit?Vergisst nichts!"
"Ich kann mein Halstuch nicht finden!"
"Ist nicht so wichtig, Lisa. Komm schon!"
"Aber Dad gab es mir. Es ist ein Andenken an ihn."
"Komm Lisa—beeil dich!"
Wir gingen langsam durch den Gang und kamen zum Abort. Es hing ein Geruch in der Luft, wie in einem alten Stall. Die Frau führte uns durch die Tür hinaus in die frische Luft. Wir schlichen uns hinaus in die Wiese und bogen dann ab zurück zur Stadt. Zwei Häuser weiter unten kamen wir wieder auf die Hauptstrasse, die auch am Saloon vorbeiführte.
"Auf Wiedersehn—alles Gute. Weiter kann ich nicht." sagte dieIndianerfrau.
"Vielen Dank—ihnen auch alles Gute—auf Wiedersehn."
Hoffentlich hatte uns niemand gesehen. Jetzt waren wir ganz auf uns selber angewiesen. Sollten wir die Pferde holen? Nein, besser morgen. Wir konnten irgendwo draussen übernachten und sie am frühen Morgen holen. Bezahlt hatten wir unsere Zimmer schon und auch das heisse Bad das wir alle genossen hatten.
Dann erschallten plötzlich Pferdehufe hinter mir.
"Wohin denn, Missis, so allein? Stuart McGee, mein Name."
Ich erschrak ganz schön. Jemand war uns also gefolgt. Wo kam dieser Mann überhaupt her. Hatte er auf uns gewartet. Er schien kein Halunke zu sein. War er ein guter Mann? War er vielleicht derjenige, der die Indianerfrau bezahlt hatte? Wie dem auch sei, ich wäre lieber allein geblieben.
"Julia Carter." Ich verriet meinen wirklichen Namen niemand. "Freut mich", log ich. "Wer sind Sie?".
"Durchreisender, Missis! Nach Denver, Colorado. Ich hab gehört, was imSaloon geschah. Hat mir gar nicht gefallen. Aber wissen sie, eineehrenhafte Frau, wie sie, hat in diesen Gegenden auch nichts zu suchen.Wenigsten nicht ohne Schutz. Möchten sie nicht, dass ich sie begleite?Gehen sie überhaupt in meine Richtung?"
"Und warum soll ich IHNEN trauen, Mister McGee. Könnten Sie nicht einer der Billy Kane Leute sein."
"Bin ich aber nicht. Ich will Sie ja auch zu nichts zwingen. War nur einVorschlag."
"Gut. Danke, Mister. Wir brauchen ihre Hilfe nicht. Wir möchten allein gelassen werden, wenn es ihnen nichts ausmacht." Obwohl das nicht ganz wahr war, dass wir seine Hilfe nicht hätten gebrauchen können, wollte ich ihn testen. Wenn er jetzt aufdringlich würde, wusste ich, dass er kein Gentleman war.
"Auch gut, Missis. Falls sich unsere Wege wieder kreuzen sollten, und Sie ihre Meinung geändert haben, sagen Sie's. Übrigens nennen sie mich Stuart! Also, gute Reise." Damit ritt er davon, schaute sich aber ein oder zweimal nach uns um.
"Er scheint ein netter Mann zu sein", sagte Lisa und auch Jack fügte hinzu: "Mom, er könnte uns den Weg zeigen." Aber Sara wandte ein: "Nur weil er nett aussieht, kann man ihm noch lange nicht trauen. Vielleicht will er sogar bezahlt werden."
Als er fast in der Dunkelheit verschwunden war, rief ich : "Stuart!—Stuart!"
"Ja, Madam. Ist was nicht in Ordnung. Kann ich etwas für Sie tun."
"Wollte nur wissen ob Sie es waren, der die Indianerfrau geschickt hatte."
"Welche Indianerfrau? Oh jetzt versteh ich, jaah. Die also hat euch rausgeholt. Nein, ich hatte nichts damit zu tun. Ich hatte euch erst gesehen, als ihr schon auf der Strasse wart. Nein—aber ich sah sie mit jenem Narbengesicht reden. Vielleicht habt ihr den auch gesehen im Saloon."
"Also der wars. Dachte, er wäre ein anständiger Mensch. Wo waren Sie denn—Entschuldigung—wo warst du denn im Saloon."
"Oh ich bin erst vor einer Stunde in die Stadt gekommen. Mir wurde alles nur erzählt".
"Willst du uns immer noch begleiten, Stuart? Wir können dich zwar dafür nicht bezahlen, abes es wäre gut wenn uns jemand den Weg zeigte."
"Oh ich würde auch nichts nehmen, Madam. Wie können Sie nur so etwas denken. Aber ich begleite sie gern. Gibt mir auch ein Bisschen Gesellschaft."
"Sind Sie denn Alleinstehend?" Ich hoffte, er würde sagen, dass er Frau und Kinder hat, das hätte die Situation einfacher gemacht.
"Ich bin Witwer, Madam. Meine vier Kinder sind aufgewachsen. Ich bin zosusagen ganz mutterseelenallein. Aber zum Praktischen : Habt ihr Pferde."
"Sie sind noch im Saloon. Werde sie morgen holen."
"Ja, die Dinge werden sich hoffentlich beruhigt haben bis dann. Ich ladeSie ein, im Saloon am andern Ende der Stadt zu übernachten—auf meineRechnung."
"Danke, ich will keinen Saloon mehr sehen, so lange ich lebe. Können wir nicht draussen schlafen."
"Können wir schon. Ich kenn da eine Stelle. Bin schon vorher hier durch geritten."
Es war ein ebener, sandiger Platz zwischen Felsen. Auf dem Weg dorthin hatten wir uns alle kennengelernt. Auch die Kinder schienen Stuart zu mögen. Er wollte von allen Stuart genannt werden. Mir ging alles ein Bisschen zu schnell. Es war schon, als ob er zur Familie gehörte. Es schien fremdartig in einem Tag von Billy Kane und dann diesem Gentleman umworben zu werden. Aber ich war froh, einen Mann nahe zu haben. Ich fühlte mich wohler und beschützt.
"Nehmen wir die Frauen in die Mitte, Jack. Ich bin müde. Hoffentlich habt ihr nichts dagegen, wenn ich gleich einschlafe."
Wir legten uns gleich nieder und starrten für eine Weile in denSternenhimmel. Stuart lag am Aussenende, ich nebem ihm, dann Lisa, dannSara und am andern Ende, Jack. Stuart schnarchte schon.
Ich wachte einmal auf und fand dass ich meinen Kopf auf Stuarts Brust gelegt hatte. Ich zog mich schnell zurück. Es zeigte, wie sehr ich einen Mann vermisst hatte. Es war zu tröstend, an einer starken Männerbrust zu verweilen, bei einem Mann, der nicht nur eins von Frauen wollte.
Ich erwachte bei Tagesanbruch. Stuart war schon auf. Er hatte unserePferde geholt. Er war ein guter Mann. Wir ritten los—gegen Norden.
In Taos wäre ich lieber gegen die Berge geritten, doch das würde einen Umweg für Stuart bedeuten. Ich wollte nicht ohne ihn gehen, denn wir hatten uns alle an ihn gewöhnt, sogar sein Schnarchen. So ritten wir gegen den Raton Pass.
* * *
Es war kurz vor dem Raton Pass dass wir eine schöne Campstelle fanden, und obwohl es erst Mittag war, machten wir Rast.
Jack versuchte Gold zu finden, ein Traum seit seiner Kindheit. Ein kleiner Fluss schlängelte sich bei unserem Camp vorbei. Er arbeitete hart um wenigstens Staub zu finden. Stuart zeigte ihm, wie man die Pfanne gebraucht.
"Nur Geduld, Junge. Immer ein bisschen Wasser, dann wieder schwenken um den Dreck wegzuwaschen. Gold ist schwerer, es sinkt an den Boden. Nur nicht das Gold auswaschen, sondern den Sand und die Steine obendrauf. Die grössten Steine kannst du von Hand oben ablesen, dabei aber immer gut achten, dass du kein Nugget fortwirfst. Ist schon passiert. Der ganze Dreck muss schön nass bleiben. Nicht zu stark schwenken! So ist's gut."
"Stuart, Stuart, ich seh was blinken. Schau, ist das Gold. Hier, diese kleinen Körner in diesem schwarzen Dreck." Er zeigte auf den kleinen Überrest, der sich nach all dem Auswaschen in der Pfanne befand.
"Ja, Junge das ist's. Echtes Gold. Hier ich hab eine kleine Flasche für dich, da kannst du es reinstecken. Den schwarzen Dreck auch, denn der enthält viel Goldstaub, das man mit der Hilfe von Quecksilber ausscheiden kann."
Jack war überglücklich. Er arbeitete den ganzen Nachmittag. Stuart und Sara und Lisa spielten Karten. Stuart lehrte sie, wie man Poker spielt. Dabei hatte er seine Mühe, denn die Mädchen waren weniger am Pokerspiel interessiert als an der Aufmerksamkeit, die Stuart ihnen schenkte. Wie er es so lange mit ihnen aushielt, weiss ich nicht. Er schien sich grossartig zu amusieren. Auch die Mädchen hatte ich seit langen nicht in so guter Laune gesehen. Letzten Endes waren es dann aber doch die Mädchen, die genug davon bekamen.
Hie und da gingen Reiter vorbei. Der Campplatz war etwa eine viertel Meile vom Pfad abgelegen. Dann sah ich vier Reiter kommen. Sie gingen nicht vorbei, sondern kamen auf unsern Platz zu.
Ah das konnte nicht sein—nein—das war doch nicht. Doch ja, zu meinemSchreck stellte ich fest, es war Billy Kane mit drei anderen.
"Es ist Billy Kane", flüsterte ich Stuart zu. Ich hoffte, er würde alle vier augenblicklich niederschiessen. Das konnte man doch von einem Mann wie Stuart erwarten, nicht? Er wollte uns ja beschützen. Doch dann dachte ich, nein, das ist doch ein Bisschen viel verlangt von einem einzigen Mann, sogar wenn ihm Jack geholfen hätte. Doch der war noch am Fluss. Sowieso, Stuart konnte doch nicht einfach auf diese Männer losschiessen, sie hatten ja niemand umgebracht, nur eine Dame belästigt.
Als Billy mich sah, schien er ebenfalls zu erschrecken. Das war sonderbar, er war doch kein Mann der leicht erschrak, und besonders nicht vor mir.
"Aah, schönes Tägchen. Treffen wir uns wieder. Die wunderhübschenDämchen und so ganz alleine."
So ganz alleine sind wir nicht, dachte ich, hat denn dieser Idiot keine Augen im Kopf. Ich sagte nichts. Oh hätte ich ihn doch selbst erschiessen können.
"Habt wohl nichts dagegen, wenn wir uns hier mit euch niederlassen. Diese schöne Campstelle hat ja genug Platz für uns alle, nicht?"—"Hab noch nicht die Ehre gehabt, Mister?" fügte er dann mit ärgerlicher Stimme hinzu.
"Stuart, Stuart O'Connor." antwortete Stuart mit seinem natürlich guten Gemüt. Man musste diesen Halunken so wenig Information geben wie möglich. Vielleicht war das der Grund gewesen, warum Stuart nur beim Vornamen genannt werden wollte. Villeicht war Stuart McGee auch nicht sein wirklicher Name.
"Um euch so wenig als möglich zu stören, gehen wir dort auf die andereSeite dieser Bäumlein. Also bis später."
Ich hoffte nicht. Von mir aus hätte er sich die andere Seite der Welt verziehen können. Sie campierten etwa hundert Yard weg von uns, suchten Holz, zündeten ein Feuer an und fingen an zu kochen. Mir war es unbehaglich. Wir kochten unseren Reis und unsere Bohnen und assen, doch ohne Appetit. Die Stimmung war betrübt. Aber es gab keine Störung von Seiten Billy's. Alles war still. Ich dachte, dass es wegen Stuart war. Alles was ich sah, war ein ziemlich grosses Feuer dort drüben. Sie schienen viel Holz gesammelt zu haben. Sassen ums Feuer und lachten. Sie waren nicht mal besonders laut.
Ich war etwas beruhigt. Vielleicht hatte Billy etwas gelernt vom letztenMal. Ich wusste zwar nicht was sich im Saloon später abgespielt hatte."Stuart…", fragte ich, "…was passierte damals im Saloon als wirflüchteten. Du weisst, als du uns das erste Mal trafst."
"Ich weiss nicht, ich kam gerade angeritten, schaute mich ein Bisschen um beim Saloon—da sah ich euch. Ich wollte zum andern Saloon. Ist viel billiger. Ich erfuhr was geschehen war, schon als ich in die Stadt kam. Ich wurde gewarnt, dass es im "Whiskey Barrel" wahrscheinlich Kummer geben würde."
"Ich geh zu Bett." Ich rollte mich in meine Decke und versuchte zu schlafen. Aber ich fand keinen Schlaf.
"Mama, sollten wir nicht von hier weg?" fragte Sara besorgt.
"Liebes, wohin sollen wir? Falls Billy etwas von uns will, kann er uns sowieso nachschleichen. Er hat uns ja jetzt schon aufgespürt. Aber beruhige dich, Stuart ist ja hier."
"Zählst du mich überhaupt nicht?" sagte Jack mit betrübter Stimme.
"Jack, was hast du vor. Du weisst wie schnell diese Burschen sind. Ohne Übung im Schiessen hast du da keine Chance. Oh ich wünschte, dass ich dich hätte Stunden nehmen lassen. Aber zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass es niemand im Dorf gab, der dich hätte lehren können. Nicht einmal die Kings konnten schiessen, ausgenommen aus dem Hinterhalt." sagte ich bitter.
"Ich nehm meinen Colt zu Bett", sagte Jack. "Gib mir auch einen!" fügteLisa hinzu.
"Hört auf! Ihr schiesst euch sonst noch in den Fuss. Jack du gibst Lisa keinen Revolver! Und falls du mit einem schlafen willst, sichere ihn! Du weisst wie schnell etwas passiert mit Feuerwaffen. Hast du gehört Jack?"
"Ja, Mam, ich hab ihn schon gesichert." erwiderte Jack.
"Dann hau ich ihn von Hand um", kam es da prompt von Lisa. "Ich bin stark. Wollt ihr meine Muskeln sehen?" Dabei rollte sie den Ärmel zurück und zeigte ihren Bizeps, schmunzelnd. Es war lächerlich. Ihr kleiner, dünner Muskel hätte wohl einer Maus Ehre gemacht, aber gegen Billy Kane war das wie ein Tropfen auf einen heissen Stein. Alle lachten.
"Oh Jack, ich wünschte dass Josh dich hätte lehren können. Er war ein guter Schütze, aber nicht besonders schnell. Er war auch nicht der Killer Typ. Er war zu lieb und sanft." Bei diesen Worten ging ein warmes Gefühl durch meine Brust. Ich hatte Josh geliebt. Oh ich hatte Josh geliebt und wie ich ihn vermisste. Er war so sanft, so gütig, so geduldig. Er war sanft wie ein Lamm.
"Kannst du schiessen, Stuart?" Er trug zwar zwei Colts, aber ich hatte ihn noch nie schiessen gesehen.
"Na sicher, Madam. Ist auch ganz einfach. Man nimmt den Colt, entsichert ihn, drückt den Abzug und weg die Kugel geht. Es gibt nichts Einfachers in der Welt."
"Ich meine kannst du treffen, ziehen?" lächelte ich.
"Bin kein Held—zugegeben. So unterer Durchschnitt. Aber jetzt hau ich mich in die Decken, bin müde. Gute Nacht."
Erst als alle anderen sich auch niederlegten, fand ich innere Ruhe, und schlief dann auch bald ein.
Dann mitten in der Nacht—ein Schrei. Männer kämpften. Aber es war schon zu spät. Zwei der Halunken hatten Stuart im Schlaf gefesselt, und zwei hatten Jack gefesselt. Jetzt waren sie gerade dabei ihren Mund mit je einem Halstuch zu stopfen. Dann liessen sie die hilflosen Männer auf den Boden fallen.
"Ich sage, wir sollten sie erschiessen", sagte einer.
"Können wir später noch. Billy will nicht die ganze Nachbarschaft alarmieren.", sagte Billy.
Na, Stuart war ja eine schöne Hilfe gewesen, dachte ich. Sein lautes Schnarcheln hatte wohl verhindert, dass wir die Burschen hatten hören kommen. Was jetzt. Ich zitterte vor Angst. Billy hatte seinen Colt auf mich gerichtet.
"Na kommt schon, ihr feinen Dämchen. Wollt uns doch nicht unter unseren Deckelein allein lassen. Ist doch schön einander ein Bisschen zu wärmen. Ihr habt ja nichts zu fürchten. Ist eine Freude, solch näheren Kontakt zu pflegen. Ihr braucht auch nichts mitzunehmen. Ihr habt ja alles was ihr braucht." Dabei kicherten sie alle. Dann wurde er ungeduldig und schlug mich mit dem Colt über das Schulterblatt. "Ein Bisschen schneller, heh. Beweg dich schon!"
Wir eilten gegen ihr Camp. Sie gleich hinter uns. Sara stolperte und fiel.
"Na auf junges Mädchen, beweg deine schlanken Beinchen. Na los schon." dabei gab er ihr einen harten Klaps auf den Hintern, so dass sie aufschrie. Dann legte er einen Arm um ihre Hüfte. Sie versuchte sich loszureissen. "Na so ein feuriges Füllen. Das ist mir ja gerade recht. Komm schon, wir sind ja gleich da."
Wir standen in ihrem Camp und schlotterten vor Furcht. Sie zündeten ein neues Campfeuer an, das bald hell loderte. Sie wollten uns also auch mit den Augen geniessen.
Ich stellte meinen Kopf ab. Ich durfte mir nicht vorstellen, was kommen würde. Ich würde wahnsinnig werden. Es durfte nicht sein. Ich konnte es überleben, aber Sara und Lisa. Sie würden für ihr Leben verwundet sein. Sie würden nie mehr fähig sein einen Mann normal zu lieben. In meiner Verzweiflung sagte ich leise vor mich hin: "Josh, helf uns. Josh, helf uns." Dann sah ich ein, wie töricht das war. Nein ich sollte besser beten. Und ich betete wie noch nie. Ich war froh, dass ich auch in guten Zeiten betete. Sonst wär es mir jetzt vorgekommen als ob ich Gott nur wollte, wenn ich dringend Hilfe brauchte.
War da nichts das wir selber tun konnten. Ich wünschte fast, dass Lisa mit dem Colt geschlafen hätte. Doch was hätte das schon genützt. Wer allein konnte sich dieser Burschen erwehren. Es gab keine Hoffnung. Ich musste mich auf das Schlimmste gefasst machen.
"Na zieht euch mal aus—seid nur nicht scheu. Oder soll ich euch Beine machen." Dabei drohte Billy mit seinem scharfen Bowiemesser.
Lisa zog ihre Jacke aus fing an zu weinen. "Mam, was sollen wir tun?" fragte sie leise.
Da—ein Schuss—Billy fiel nieder—getroffen. Noch drei Schüsse. Einer nach dem andern fielen sie nieder und stöhnten. Dann noch vier Schüsse. Die Gnadenschüsse. In den Kopf. Das Blut spritzte nur so. Alle waren sie tot.
So schnell hatte ich nicht Hilfe erwartet. Was war denn los. Die Schüsse waren aus dem Dunkeln gekommen, aus den Bäumen, schien es. Aber jetzt war es totenstill. Wir standen nur da und starrten einander an. Ungläubig. War das nur ein Traum gewesen. Doch nein. War Stuart seinen Fesseln entkommen?
Ich dankte Gott und fasste mich. "Kommt!" Wir eilten zurück zu unsermCamp, stolperten über jeden Busch, so voller Angst waren wir noch. Als obwir vor einem Gespenst wegrannten. Da lagen beide noch. Wir lösten dieFesseln.
"Was ist geschehen" fragte Stuart. "Habt ihr sie…" fragte Jack und machte ein Zeichen mit seinem Finger über die Kehle.
"Wir nicht—jemand hat sie aus dem Dunkeln erschossen. Weiss nicht wer.Hast du eine Ahnung, Stuart?"
"Keinen blassen Dunst, Julia. Du scheinst ja noch andere Beschützer zu haben. Und gut ist das. Ich hab ja schön versagt. Tud mir leid, Julia."
"Schon gut, Stuart." Wer könnte dieser gute Geist gewesen sein. War es ein guter Geist, oder nur jemand anders der hinter mir her war? Aber dann hätte er ja Stuart auch erschiessen können. Sicher hatte er über Stuart gewusst. Er musste ja schon früher näher geschlichen sein.
Könnte es Josh gewesen sein? Aber der war wahrscheinlich schon in Kanada.Zudem könnte es nicht Josch sein, sonst würde er sich doch zu erkennengeben. War es der Narbenkopf, der auch die Indianerfrau geschickt hatte?Oh wie gerne hätte ich gewusst.
Trotz diesen Zweifeln fühlte ich mich, wie wenn da jemand wäre, der für mich Ausschau hielt, der für mich sorgte. Mein ganzes Wesen fühlte sich erleichtert. Ich hätte lachen können. Es war so ein gutes Gefühl. Es war ein wunderbares Gefühl.
Wir begruben sie am nächsten Tag. Stuart wollte die wertvollen Sachen mit sich nehmen und in Denver verkaufen. So nahmen wir alle Pferde, Sättel und Revolver mit. Ein Pferd fehlte aber und wir konnten es nicht finden. Geld hatten sie nicht viel. Vielleicht hatten sie auch unser Geld gewollt, nicht nur unsere Körper.
Wir ritten weiter. Ich war voller Hoffnung und wusste nicht warum.
* * *
Wir ritten in Richtung Denver, wo Stuart uns verlassen würde. Ich würde ihn vermissen. Darum freute ich mich nicht auf Denver, und versuchte unsere Reise so lang als möglich auszuzögern. Stuart war ein guter Freund und er war männliche Gesellschaft.
Ich mochte Stuart, aber Stuart war kein Held. Nicht das, was ich mir als Mann wünschen würde. Er sah sehr gut aus, war gross und stark. Aber sicher und beschützt fühlte ich mich in seiner Nähe nicht. Ich wunderte mich, wie ich Josh jetzt einschätzen würde, nach allem was passiert war.
Wäre er mir jetzt zu sanft. Hätte ich jetzt lieber einen Mann wie den Wirt im Saloon, der aggressiver war und der für mich aufstand. Doch nein, ich liebte Josh, sein gutes Herz, seine zurückhaltende Höflichkeit. Aber gut wäre es, wenn Josh mich auch in allen Situationen beschützen könnte. Wenn er genau so hart sein könnte, wie er sanft sein konnte. Vielleicht war Josh ein Bisschen verhätschelt worden als Kind. Nicht verwöhnt, das nicht. Doch sein Vater wie seine Mutter waren starke Persönlichkeiten gewesen und hatten gut für Josh gesorgt. Zu gut.
In dieser Richtung wollte ich Josh wachsen sehen, dass er sein sanftes Herz bewahrte, aber unter einer rauhen Schale, die hart war wie Stein und an die man sich klammern konnte wie an einen Fels in der tobenden See.
Ob Josh wohl auch ein Verlangen hätte, mich wachsen zu sehen—und in welcher Richtung. Ich war immer sehr eigensinnig gewesen. Wusste genau was ich wollte, und liess mir von niemand etwas sagen. Traute auch niemandem, ausser mir selbst. Letzthin hatte ich gelernt, wie zerbrechlich ich wirklich war und wie sehr ich andere Leute brauchte. Vielleicht müsste ich lernen, anderen mehr zu vertrauen. Vielleicht wollte Josh das ich lernte, ihm mehr zu vertrauen.
Aber was nützte all dieses Nachdenken, ich wusste ja nicht einmal ob Josh noch am Leben war. Bei diesem Gedanken wurde es mir kalt ums Herz. Er musste. Er musste einfach noch am Leben sein. Ich brauchte ihn noch. Ich wollte ihn noch einmal sehen, ihm alles erzählen, was geschehen war.
Wir waren an einen reissenden Fluss gekommen. Gespiesen von den Bergen, schäumten die gewaltigen Wasser an den riesigen Steinen vorbei.
"Machen wir doch einmal halt für einen Tag. Ich sollte unsere Kleider waschen. Da im Fluss wäre es geeignet. Oh da—da—an dieser kleinen Bucht."
Stuart nickte schweigend. Jack's Gesicht hellte auf: "Oh dann können Stuart und ich jagen gehen. Immer Reis und Bohnen ist mir schon längstens verleidet. Vielleicht erwischen wir ein Präriehuhn oder eine Ente oder gar eine Antilope."
"Könnten ja auch fischen gehen da im Fluss." sagte Stuart schnell. Er war mehr für leichtere Arbeiten. Fischen brauchte sehr viel weniger körperlichen Aufwand als die Jagd.
"Oh Stuart, komm jagen. Fischen können wir morgen. Hab sowieso nur ein paar Haken."
"Ich hab genug Haken. Trotzdem, wenn du jagen willst, gehen wir halt.Nur hetzte mich nicht. Immer schön langsam."
Es war mir recht, dass die Männer sich verzogen, denn wir Mädchen brauchten dringend ein Bad. Je mehr wir badeten, desto sparsamer konnten wir mit unserem Perfum umgehen. Wir hätten zwar keine grossen Hemmungen gehabt, so oder so zu baden, aber ich wollte Stuart keine Ideen geben, denn ich war nicht bereit Josh untreu zu werden, obwohl ich nicht wusste ob er lebte oder tot war. Jack und Stuart konnten jederzeit ein Bad nehmen.
"Also wir sind auf der Pirsch! Wir werden ein paar Stunden vorSonnenuntergang zurück sein. Viel Spass beim Waschen." rief Stuart.
"Oh ihr Männer, warum zieht ihr nicht aus, was ihr nicht unbedingt braucht. Dann kann ich das gerade auch noch erledigen. Eine Schnur brauch ich auch zum Aufhängen!"
Jack spannte eine Schnur von Ast zu Ast mit Sara's Hilfe, zog sein Hemd und Unterhemd aus und stapfte weg. Stuart nahm einen ganzen Bündel schmutziger Wäsche aus seiner Satteltasche.
"Hast du das aufbewahrt?", fragte ich lachend.
"Waschen ist nicht so meine Lieblingsbeschäftigung", knurrte er und stapfte hinter Jack her. Sie gingen zu Fuss.
Sara und Lisa hobbelten die Pferde, die sich auf das grüne Grass hier amFluss freuten.
"Sollen wir zuerst Waschen oder Baden?" fragte ich.
"Baden, Mammi, du bist wohl verrückt", sagte Lisa. "Ist doch viel zu kalt."
"Du willst doch nicht noch mehr stinken, du Ferkel", sagte Sara.
"Stink ich?", fragte Lisa und hielt dabei die Nase unter ihre Achselhöhle.
Sara hielt die Nase zu und sagte: "Hilft nichts, auch so riech ich dich noch und es ist kein Veilchenduft. Mir wirds schlecht."
"Das sind nur meine Kleider, ich zieh sie gleich alle aus und ziehe frische an. Ich geh mal zum Packpferd."
"Bring mir auch frische Kleider. Baden wirst du aber, du kleinesSchweinchen!" sagte ich.
"Also baden wir zuerst, dann können wir frische Kleider anziehen und die alten waschen. Ist ja logisch, nicht?" sagte Sara mit ihrer zarten Stimme.
Das Wasser war frisch aber nicht zu kalt. Es war sowieso ein sehr heisser Tag und das Bad tat gut. Was für ein Genuss das war in dieser herrlichen Bergwelt ein Bad zu nehmen. Umweht vom würzigen Duft der wilden Blumen, umgeben von all den kleinen Lichtern, wiedergespiegelt von den im Wind spielenden Blättern der Silbererlen. Dann die rauschende Macht des glasklaren Wassers, und die heilende Wirkung der Sonne und der würzigen trockenen Luft. Wir konnten kaum Genug bekommen.
In der kleinen Bucht war das Wasser nicht so tief und es gab kaum Platz für alle drei. Sara, die Mutigste, wagte sich ins tiefere Wasser.
"Vorsichtig Sara", sagte ich "Komm zurück!" Ich wusste, die Kinder konnten nicht schwimmen. Sie hatten nie die Gelegenheit gehabt auf der Ranch, den da gabs nur genug Wasser, um die Rinder zu tränken.
"Sara, ich hab mal von einer Schulklasse gelesen, die in einem Sturm den Fluss hinuntergeschwemmt wurden und alle…." sagte Lisa und hielt plötzlich mit offenem Mund inne. "Mam, Mama", schrie sie und zeigte mit dem Finger auf den Platz wo Sara gleich noch gewesen war.
Ich sprang auf den nächsten grossen Steinbrocken und sah Saras Arme schwenken. Sie kämpfte, um an der Oberfläche zu bleiben. Der Fluss war gnadenlos. Er riss Sara mit sich in atemberaubendem Tempo.
"Lisa hol mir das Pferd! Schnell!" Sie rannte und ich zog Hose und Bluse an. Da war sie schon mit dem Pferd. "Bleib hier!"
Ich ritt los wie wütend. Ich versuchte an den Fluss heranzukommen, doch da waren zuviele Bäume und Gestrüppe. Ich ging aussen herum. Ich konnte Sara nicht sehen. Ich musste einen Vorsprung erreichen. Ich galoppierte. Ich würde hier aussen reiten, weg von den Bäumen. Später konnte ich dann wieder zum Flussufer einbiegen.
Ich durfte nicht ungeduldig werden. Ich musste weit genug reiten, um sicher zu sein, dass ich Sara eingeholt hatte. Erst dann konnte ich zum Flussufer. Mir war Angst und Bange. Hätte ich Zeit gehabt, darüber nachzudenken, wäre es mir wohl schlecht geworden.
Jetzt. Ich würde es versuchen. Ich bog zum Flussufer ein, sprang ab und rannte durch die Bäume. Ich strauchelte, sprang wieder auf. Da—ich war am Ufer. Da war sie auch schon. Schon weit an mir vorbei. "Sara—Sara?!" Sie kämpfte immer noch. Sie war noch am Leben. "Gib nicht auf!" Sie verschwand von meiner Sicht. Ich war nicht weit genug geritten.
Ich rannte zum Pferd zurück. Ich musste es noch einmal versuchen. Ich nahm einen Satz aufs Pferd. Reiten konnte ich wie niemand sonst. Ich galoppierte los. Ich musste sie einholen…
Jetzt hatte ich lange genug galoppiert. Ich bog nochmals zum Fluss ab, rannte zum Ufer. Ich war bereit hineinzuspringen, sobald sie kam. Doch sie kam nicht. War sie schon vorbei? Oder schlimmer, war sie ertrunken? Ich wartete. Ich durfte nicht zu lange warten oder ich würde sie nie mehr einholen, falls sie schon vorbei war. Aber ich wusste ja nicht. Was sollte ich tun. Ich shrie: "Sara, Sara, Sara!"
Ich hatte lange genug gewartet. Sie müsste jetzt hier sein. Also war sie schon vorbei. Ich musste sie verpasst haben. Ich musste es noch einmal versuchen. Wie weit mochte sie schon sein.
Ich sprang nochmals aufs Pferd und ritt und ritt. Ich trieb mein Pferd gnadenlos an. Es ging mir durch den Kopf, dass ich mein Pferd besser behandeln sollte. Es war auch gefährlich so schnell zu reiten, denn es gab viele Steine und viele Löcher. Mein Pferd strauchelte ein oder zwei Mal. Fing sich aber auf. Es ging mir nicht schnell genug. Ich war durchdrungen von Panik und Selbstvorwürfen.
Jetzt—nochmals zum Ufer. Ich sprang ab und rannte durch die Bäume, dann die Büsche, die hier dichter waren. Ich kam nur schwer ans Ufer. Hier gab es eine lehmige Böschung, überwachsen und ungeeignet um an das Wasser heranzukommen. Ich musste weiter nach unter, dem Fluss entlang. Da, da gab es einen grossen Stein auf den ich von der Böschung springen konnte. Ich sprang und schürfte mein Bein an der scharfen Steinkante. Doch ich beachtete es nicht. Nur zum Fluss wollte ich. Da, ich glitt auf dem besprühten Stein. Fast wäre ich in den Fluss gerutscht. Ich klingte an den Stein mit meinen Fingernägeln. Ich schaute den Fluss hinauf, den Fluss hinunter. Nichts. Zurück, ich muss ein Bisschen zurück, auf den trockenen Teil des Steinbrockens. Jetzt konnte ich Atmen holen. Ich war auf allen Vieren und keuchte.
Ich sah nichts, ich wartete und wartete. Sie kam nicht. Ich schrie "Sara, Sara, Sara!" aus lauter Verzweiflung. Das Getöse des Flusses übertönte meine Stimme. Ich sprang auf die Böschung zurück setzte mich und heulte. Ich war fertig. Ich fühlte mich so machtlos, so klein, so ungenügend. Oh hätte ich sie doch nicht ins Tiefe gehen lassen. Oh hätten wir doch nicht bei diesem reissenden Fluss gehalten. Stuart hätte besser wissen sollen. Oh hätte ich doch… oh hätte ich doch… Kaum war sie von Billy Kane beschützt worden, musste dies geschehen. Es war alles so sinnlos. Warum hatte sie niemand vor diesem Unglück beschützen können. Ich konnte nur weinen.
Kapitel 5
Ich, Griz Custer, fand sie wieder in der Nähe des Raton Passes. Sie waren nicht zu übersehen. Etwa eine viertel Meile vom Pfad entfernt, da sah ich sie auch sitzen. Ich konnte das blonde Haar der beiden Mädchen klar erkennen. Und da war Julia. Obwohl sie Männerkleider trug, war ihre weibliche Form doch deutlich erkennbar. Sie hatten ein schönes Camp gewählt. Steine natürlicherweise in einem Kreis angeordnet, bildeten wie ein Sofa und Höcker und ein grosser Stein in der Mitte konnte als Tisch benutzt werden.
Überhaupt war dies eine prächtige Gegend. Im Nordosten, die Prärie, im Westen die Berge. Gut bewässert, grün bis in den Herbst hinein, verziert mit den zarten Silbererlen, die hier überall an den Berghängen wuchsen. Es war zauberhaft hier. Die Natur war noch unberührt. Aber, kaum zu glauben, nur dreizehn Jahre später würde hier schon das eiserne Pferd, wie es die Indianer nannten, durchpusten. Die Eisenbahnlinie über den Raton Pass wurde 1878 vollendet. Auch dann blieb die Gegend noch eine Weile unzivilisiert, doch die Dinge änderten sich schnell, hier im Westen.
Der Mann, der mit ihnen ritt, wie ich in Taos erfahren hatte, sass bei denMädchen. Es schien ein friedliches Bild. Der Mann war also ein guterBegleiter. Diese Sorge konnte ich aus dem Kopf lassen. Er schien keineGefahr für meine Familie zu sein.
Doch da packte mich ein anderer Kummer. Was wäre, wenn Julia sich in ihn verliebt hätte. Ich würde es ihr nicht übelnehmen. Eine Frau so ganz allein und ein gut aussehender, netter Mann, da könnte es eben passieren. Ich hätte auch nichts dagegen, falls sie sich ein Bisschen verliebt hätte. Aber ich hoffte, es würde bei Liebe bleiben. Die beiden küssen zu sehen, könnte ich nicht ertragen. Dann würde ich vielleicht davon reiten, um sie nie wieder zu sehen. Aber das waren ja allzu negative Gedanken. Ich war froh, dass sie alle da waren. Jack zwar hatte ich noch nicht gesehen.
Der Pfad verlief erhöht gegenüber ihrem Camp und ich konnte meilenweit über ihr Camp hinaussehen. Trotz dieser guten Sicht über meine Geliebten wollte ich mich weiter nähern. Dann konnte ich sie genauer sehen und ihnen auch zuhören. Ich wollte aber nicht dass sie mich sahen.
Es gab da einen langen, niedrigen Hügel der sich vom Pfad bis nördlich von ihrem Camp streckte. Dieser Hügel war zwischen den Felsen und Steinen mit Gras bewachsen, doch Bäume gab es keine. Das war gut. Es würde das Reiten einfacher machen. Der Hügel endete an einem kleinen Fluss. Die Ufer dieses Flusses waren dicht mit Silbererlen bewaldet. Der Fluss und dieser Wald zog sich bis ganz in die Nähe ihres Camps. Ich würde mein Pferd beim Hügel lassen und mich dann durch den Wald in ihre Nähe schleichen. Wenigstens ein Weilchen würde ich dort verbringen und mich dann zum Pferd zurückbegeben um selber eine geeignete Campstelle am Flüsschen zu finden. Doch es kam anders, als ich mir vorstellte.
Ich ritt sehr langsam weiter, um alles genau beobachten zu können. Ich musste mir die Landschaft genau einprägen. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick. Es gab da noch ein Stück Wald das vom Fluss abwich und ein Wald-Halbinsel bildete. Vielleicht wäre ich dort noch näher zu ihnen.
Jetzt ging der Pfad den kleinen Hägel hinauf um ihn zu überqueren. Ich warf noch einen letzten Blick auf sie und sah nun auch Jack. Jetzt gings die Hügelseite hinunter, die fünf verschwanden aus meinem Blickfeld. Ich verliess den Pfad.
Jetzt konnte ich, ohne dass sie mich sehen würden, auf der Schattenseite des Hügels entlangreiten bis zum kleinen Fluss. Es war schwieriges Gelände mit viel Steinen und Löchern zwischen den Steinen. Ich wollte nicht, dass Flake ein Bein bräche und so stieg ich ab und führte ihn.
Beim Fluss angelangt, tränkte ich ihn erst einmal ausgiebig. Er war sehr durstig und ich auch. Wir ergötzten uns an dem klaren Bergwasser und ich füllte meine Wasserflasche. Dann nahm ich ihm den Sattel ab. Ich band Flake am Stamm einer Silbererle fest. Ich tat das mit meinem Lasso und machte es so lang wie möglich, so dass er in diesem sommerlichen, noch grünen Gras, weiden konnte. Solch gutes Futter hatte er schon lange nicht mehr gehabt.
Ich liess meinen Hut und andere unnötige Dinge beim Sattel, nahm nur meine zwei Colts und machte mich auf. Ich konnte kaum warten um sie von nah zu sehen.
Ich schlich durch den Wald aber nicht besonders sorgfältig. Hier konnten sie mich sowieso noch nicht sehen. Um so überraschter war ich als ich plötzlich vor mir eine laute Männerstimme hörte : "Komm wir brauchen noch mehr, das soll ein rechtes Feuerlein werden."
Ich zuckte zusammen. Ich sah vier Männer beim Holzsuchen. Das hatte ich nicht erwartet und hatte sie auch erst zu meiner Linken gesehen, als ich sie gleichzeitig hörte. Sie waren etwa achtzig Yard entfernt, nur der eine war näher. Wie konnte ich nur so tollpatschig sein. Das sollte mir eine Lehre sein.
Hatte ich diese Stimme nicht schon gehört. Ich duckte instinktiv. Sie hatten mich nicht gesehen. Ich blickte durch die Wurzeln eines vom Blitz gefällten Baumes. Ich traute meinen Augen nicht. Das war doch—ja das war doch Billy Kane. Was suchte der denn hier. War er etwa meiner Frau wieder auf der Spur. Oder wusste er überhaupt, dass sie sich in der Nähe befand. Meine Frage sollte gleich beantwortet werden.
"Wir wollen doch ein kleines Festfeuerchen für die feinen Damen machen.Die sollen doch bei uns auf Besuch kommen."
"Die kommen doch nicht auf Besuch, Billy, auf jeden Fall nicht freiwillig", sagte ein anderer.
"Da hast du recht mein Junge. Dann zwingen wir sie halt. Was sagst du, wir gehen in der Mitte der Nacht mal rüber, sobald die zwei Männer dort eingeschlafen sind?" fragte Billy.
"Willst du sie im Schlaf erschiessen, Billy?".
"Nein, das könnte jemand hören. Ich sag, wir sollten sie fesseln. Aus dem Wegchen schaffen können wir sie immer noch", erwiderte Billy. Dann kicherte er: "Kommt, mehr Holz, mehr Holz, ich will was von den feinen Dämchen sehen."
Ich war ja gerade zur rechten Zeit gekommen. Dieser Billy führte nichts Gutes im Schilde. Ich fragte mich, ob er je etwas Gutes getan hatte. Ich möchte es nicht mit meinem Leben bezeugen, aber ich denke nicht. Sie schienen nicht den geringsten Respekt vor diesem Mann, der Julia begleitete, zu haben. Sie schienen dem Gelingen ihrer Absichten gewiss. Oh hätten die gewusst, dass ich mich hier versteckt hielt. Die würden mich gleich zu einem Brei geschossen haben.
Zwei hatten sich an einem grossen Ast zu schaffen gemacht, Billy hatte mir den Rücken zugekehrt und ging mit einem Bündel in Richtung Camp, wie ich vermutete, denn ich hatte ihr Camp noch nicht gesehen. Der vierte aber kamm genau in meine Richtung.
Sollte ich mich zurückziehen, jetzt wo er noch etwa vierzig Yard entfernt war. Vielleicht konnte ich es noch unbemerkt schaffen. Oder sollte ich warten. Vielleicht würde er gar nicht so weit kommen. Nein ich musste weg. Er hatte wohl diesen gefällten Baum im Auge. Ich schlich mich weg wie eine Schlange, auf Ellbogen und Bauch. Sehr langsam nur, denn er durfte mich nicht hören. Jeden trockenen Zweig schob ich leise beiseite. Er kam sehr schnell näher. Ich konnte ihn hören. Ich schaffte es gerade noch hinter einen grossen Stein zu kommen. Er war schon beim toten Baum angelangt. Würde er weiter gehen? Ich hielt meinen Atem an. Nein, ich hatte Glück gehabt. Er fing an, Äste abzuhacken und nach einem Weilchen, nahm er das Bündel und verschwand. Ich atmete erleichtert auf.
Auch ich verschwand. Ich war hier viel zu nahe. Ich ging zurück zum Pferd und ritt eine Meile weiter dem Fluss entlang. Dort liess ich das Pferd, und zurück ging es zu Fuss, diesmal vorsichtiger. Die Sonne stand gerade noch über dem Gipfel des nähesten Berges. Bald würde sie hinter den Berg sinken. Es würde noch etwa eine gute Stunde hell bleiben.
Ich kam beim gleichen Ort verbei. Hörte nichts. Doch jetzt! Ich konnte ich sie in ihrem Camp vernehmen. Sie waren nicht gerade die leisesten Burschen. Ich schlich an den Waldrand. Da war es, ihr Camp. Sie waren gerade beim Kochen.
In der Ferne, etwa hundert Yard hinter ihnen sah ich Julia, die andern waren verdeckt von den Bäumen, die hinter Billys Camp in die kleine Ebene hinauswuchsen. Ich ging in den Wald zurück und schlich mich vom Fluss her in die kleine Wald-Halbinsel hinein, die zwischen Billys Camp und Julias Camp lag. Jetzt war ich nur etwa fünfzig Yard von Billys Camp entfernt. Ich musste vorsichtig sein.
Ich war auch etwa fünfzig Yard von Julia. Ich wollte näher sein. So kroch ich näher. Bis etwa zehn Yard. Jetzt sah ich ihre Gesichter und konnte ihnen zuhören. Wie schön das war. Es wäre noch schöner gewesen, wäre ich nicht so nahe einem Ameisenhaufen zu liegen gekommen. Die kleinen Biester krochen über mich und verzehrten mich lebendig. Sie stachen mich am ganzen Körper. Ich musste meine Position ändern. Das brauchte eine schöne Weile und jetzt war es schon fast dunkel.
Falls ich einen Zweig knacken sollte war es hier nicht so gefährlich, daBilly denken würde es käme von Julias Camp und Julia denken würde, derLärm käme von Billys Camp. Doch es war besser, Acht zu geben. Sobrauchte jede Bewegung seine Zeit.
Jetzt konnte ich mich entspannen und zuhören. Es war schon dunkel. Ichwürde die Nacht hier verbringen müssen. Ja, Liebe verlangt ihre Opfer.Gegessen hatte ich auch nichts, und die Düfte von Reis und Bohnen die vonJulias Camp wehten, waren verführerisch.
"Ich hab keinen grossen Hunger, Mam", klagte Lisa. Ich schon, dachte ich.Ihr könnt ja das Essen in meine Richtung senden.
"Ich glaube uns ist allen der Appetit vergangen, ausser natürlich Jack, der kann immer essen", sagte Julia mit trauriger Stimme.
"Mom, was Gutes würde es tun, nicht zu essen?" fragte Jack, der sich verletzt fühlte, so als ob er sich nicht um das Wohl der Familie sorgte.
"Schon gut Jack. Trotzdem hätte ich gedacht, dass dir das Wohl derFamilie vielleicht ein Bisschen Sorge machen würde."
"Ich muss mich stärken, falls etwas mit diesem Billy passieren sollte.", entschuldigte sich Jack. Die Stimmung schien gespannt. Sie schienen alle etwas genervt. Kein Wunder auch, dieser Billy Kane war nicht zu unterschätzen, auf jeden Fall nicht, wo es Böses und Lasterhaftes auszudenken gab.
"Mom, glaubst du, wir haben diesen Billy zu fürchten, mit Stuart hier?", fragte Sara. Das war eine geladene Frage. Julia könnte mit der Antwort verraten, ob sie Stuart vertraute. Nun wusste ich endlich auch den Namen dieses Mannes. So Stuart also—der Name gefiel mir.
"Es sind vier gegen einen", erwiderte Julia klug. "Glaubst du den vier gewachsen zu sein?" wendete sie sich dann an Stuart.
"Mich zählt wohl niemand", brummte Jack.
"Jack, du bist noch jung. Du kannst zwar schiessen, aber du hast nie gelernt zu Ziehen. Verstehst du", sagte Julia in freundlichem Ton.
"Mam, ich muss lernen, ich muss lernen. Wie kann ich dich sonst beschützen. Von wem kann ich es nur lernen?"
"Jack du hast noch Zeit. Die Gelegenheit wird sich schon bieten.Vielleicht kann Stuart dich lehren."
"Ja, Jack beeil dich nur, sonst gehts dir wie mir. Ich hab's immer für unwichtig gehalten, schiessen zu lernen. Bin lieber Fischen gegangen. Von mir kannst du wenig lernen, Jack. Ich vertrau mehr auf mein Glück. Bis jetzt hab ich ja immer überlebt. Ist auch wichtig die richtigen Leute zu kennen. Mit genug Geld kann man sich immer den nötigen Schutz kaufen."
"Was nützt jetzt Geld", sagte Julia verzweifelt. Ich hatte meine Antwort, sie traute also Stuart nicht. Dann konnte sie ihn auch nicht lieben. Ich war jedoch zu früh selbstsicher, denn sie fügte hinzu: "Entschuldigung, Stuart, ich weiss dass nicht jeder ein Coltswinger sein kann. Wäre auch nicht so wichtig, wären wir nicht gerade in dieser Situation."
Wären wir nicht in dieser Situation? Was meinte sie mit dem "wir". War da schon eine Familiarität zwischen den beiden. Ich sorgte mich ein Bisschen. Oh, Julia, werde mir nicht untreu, dachte ich, ich bin ja hier! Liebst du mich noch? Du bist ja immer noch so hübsch. Meine Knie werden immer noch weich, wenn ich dich sehe. Ich hab so ein komisches Gefühl in meiner Magengegend. Oder waren das die Ameisenstiche?
Nein, sie war wirklich noch wunderschön, so furchteinflössend. Sie hatte solche Macht über mich. So ist es mit der Liebe. Was für eine Macht eine Person, die man liebt, über einen hat. Was man nicht alles für sie tut. Sich mitten in der Nacht in einen Ameisenhaufen legen, nur so dass man ihre Stimme hören kann. Oh wie demütig ein Liebender doch wird, wie dienend, wie weich. Ja welche Macht die Liebe. Was ist ein Königreich, was ist die ganze Welt. Würd ich Julia dafür tauschen? Doch nie!
"Mom, ich wünschte Dad wäre hier. Glaubst du, er könnte uns verteidigen.", sagte Lisa. Oh danke, Lisa, dachte ich, das bringt ja alles gleich auf den Tisch.
"Lisa, wir wissen ja nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Eins weiss ich zwar, er würde alles tun um uns zu verteidigen", sagte Julia mit warmer Stimme. Oh vielleicht war da doch noch ein Bisschen Gefühl für mich übrig, dachte ich. Aber es gefiel mir nicht, dass sie nicht daran glaubte, dass ich noch am Leben war.
"Ich glaube, dass er noch am Leben ist", sagte Sara herausfordernd. Oh es war schön Saras helle Stimme zu hören. Ihre Stimme war so süss.
"Ich hoffe es, ich hoffe es auch", sagte Julia. "Ich geh zu Bett. GuteNacht ihr alle."
Oh wie gern hätte ich ihnen ein Zeichen gegeben, dass ich noch am Leben war. Doch das wäre nicht gut. Gerade jetzt war ich froh, dass ich es nie getan hatte. Denn jetzt konnte ich sie besser beschützen, als ich es sonst je hätte können. Sie gingen alle langsam in die Federn und ich kroch langsam gegen Billys Camp um zwischen den beiden Camps zu sein, so dass ich sehen konnte was in beiden vorging. Da ich im Wald nicht gut schiessen konnte—die Kugeln würden sicher von einem Ast oder Aestlein abgelenkt, es brauchte nicht viel—kroch ich an den Waldrand zwischen den beiden Camps. Von dieser Position müsste ich nur noch ein Bisschen in die Ebene hinausgehen und konnte auf beide Camps schiessen.
Ich schlief ein und wurde erst mitten in der Nacht geweckt, als Billy und seine Burschen haarnahe an mir vorbeitrampten. Sie gingen so leise, wie sie konnten und hätten doch eine Büffelherde aufgeweckt. Dazu wachte ich beim kleinsten Geräusch, was seine Vorteile und Nachteile hatte. Im Saloon zum Beispiel, schlief ich nie besonders gut.
Ich ging langsam und sehr leise hinter ihnen her. Als sie Jack und Stuart fesselten, liess ich sie gewähren. Julia sollte wissen, dass Stuart kein Beschützer war, und Jack sollte lernen, vorsichtiger zu sein. Ich brauchte die beiden nicht. Ich konnte mich dieser Burschen erwehren. Ich war schneller geworden. Sollten sie jedoch Jack und Stuart erschiessen wollen, war ich bereit.
Jetzt kamen sie schon mit Julia, Lisa und Sara. Ich konnte mitfühlen, wie es ihnen zumute sein musste. Sie fühlten sich ausgeliefert, hilflos und innerlich wütend und zornig über ihre Hilflosigkeit. Die Burschen waren jetzt alles andere als leise. Es war leicht für mich, mich wieder in den Wald hinein zu stehlen, bis sie an mir vorbei waren. Dann trat ich wieder auf die Ebene hinaus und folgte hinterher.
Als einer Sara einen Klaps gab, konnte ich mich kaum beherrschen. Ich hätte ihn am liebsten gleich erschossen. Sie eilten zu ihrem Camp und waren mir zwanzig Yard voraus.
Ich war jetzt fast bis zehn Yard an ihr Camp herangekommen. Ich musste mich nur aus dem Schein des Feuers halten, dass sie sicher bald anzünden würden. Ich trat hinter einen Baumstamm, der mich ganz deckte. Es war ein Baum am Rand und da waren keine anderen Bäume mehr zwischen mir und dem Camp. Ich konnte jetzt gut schiessen. Im Schein des Feuers würden sie wie sitzende Enten für mich sein. Sie konnten nicht zurückschiessen, denn geblendet vom Feuer, würden sie mich nicht sehen. Nur eines hoffte ich, dass meine Frau und Kinder nicht zwischen uns zu stehen kamen.
Jetzt ging das ganze Theater los. Die Burschen beschäftigten sich mit dem Feuer, um es so gross wie möglich zu machen. Sie packten Bündel von dünnen Zweigen, drückten sie zusammen und warfen sie aufs Feuer. Das Feuer loderte hoch und warf einen hellen Schein auf das Camp. Das Feuer würde nicht lange so hell sein. Sie mussten sich beeilen und sie wollten sich ja die Damen ansehen, wie sie gesagt hatten.
Trotz der Wärme des Feuers standen Julia, Lisa und Sara schlotternd da. Ich durfte nicht zu lange warten. Ich hatte keine grossen Sympathiegefühle für Billy und seine Burschen. Trotzdem wollte ich sie nicht einfach niederknallen, ohne dass das Geringste geschehen war. Natürlich hatte Billy schon einiges auf dem Gewissen, möglicherweise auch den Brand des Saloons in Santa Fe.
Jetzt schupste Billy die drei Frauen vorwärts, um zu sehen, wo er das beste Licht vom Feuer bekäme. Jetzt traf ein, was ich befürchtet hatte. Sie kamen gerade zwischen mich und die Burschen zu stehen. Doch glücklicherweise war er noch nicht zufrieden und schupste sie weiter. Er schien, noch immer nicht zufrieden zu sein und spornte seine Burschen an, noch mehr Holz aufs Feuer zu werfen.
Ungeduldig, wie ein Kind das nicht auf seinen Zuckerstengel warten will, war er aber nicht bereit, länger auf das Feuer zu warten und befiel: "Na zieht euch mal aus—seid nur nicht scheu. Oder soll ich euch Beine machen?" Dabei drohte Billy mit seinem scharfen Bowiemesser.
Julia, Sara und Lisa fingen an, sich auszuziehen. Das durfte nicht sein. Das wollte ich ihnen ersparen. Sie waren zwar nicht prudisch, waren nie erzogen worden, ihre Körper zu verabscheuen. Es machte ihnen nichts aus, nackt gesehen zu werden. Doch dies war anders.
Billy war weit genug gegangen. Jetzt war die Zeit gekommen, ihn zu stoppen. Ich würde keine Gewissensbisse haben, wie früher. Das Gesetz war nicht im Stande, Gerechtigkeit auszuüben und Leuten wie Billy das Handwerk zu legen. Das Gesetz aber war hinter Unschuldigen, wie mich, her.
Es gab sicher Leute, die es nicht richtig fänden, dass ich das Gesetz in die eigene Hand nahm, ohne eine Untersuchung, ohne einen Prozess, ohne eine Gerichtsverhandlung. Doch welche Gerichte, Prozesse, Gerichtsverhandlungen suchten die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Ging es nicht vielmehr um Geld und Ansehen. Strebten die Anwälte nicht mehr nach Geld und Ansehen als Gerechtigkeit. Konnten die guten Anwälte nicht den Entscheid zu ihren Gunsten beieinflussen. Und wer konnte die besten Anwälte erhalten, doch der, mit dem meisten Geld. So der mit dem meisten Geld konnte das Gericht beeinflussen. Die Gerichte waren nicht unparteiisch und darum nicht gerecht.
Nahm aber jemand wie ich die Gerechtigkeit in die eigenen Hände, weil das gerichtliche System versagte, dann würde er vom Gesetz gefahndet. Das nur, weil den Gesetzleuten das Gesetz wichtiger war, als die Gerechtigkeit.
Es hatte ein Weilchen gedauert, bis Billy von der Gerechtigkeit eingeholt worden war. Doch die Gerechtigkeit kommt. Früher oder später. Meiner Frau wäre viel Kummer erspart geblieben, hätte die Gerechtigkeit früher eingeschlagen. Doch alles hat seinen Zweck. Meine Frau würde ohne Kummer nicht wachsen. Ich wollte aber, dass sie wuchs, dass sie lernte, mir mehr zu vertrauen. Noch wusste sie nicht, wer ihr Beschützer war, vielleicht ahnte sie es. Doch eines Tages würde sie es wissen und es würde unsere Beziehung noch viel besser machen. So wie ich Gott trauen lernte, der mich beschützte, so würde sie mir trauen lernen, der ich sie beschützte.
Ich schoss mit beiden Colts. Ich schoss sie in die Stelle, die sie bereit waren, an meiner Frau und Kindern zu gebrauchen. Ob ich so genau traf, weiss ich nicht. Doch irgendwo traf ich sie alle, denn alle fielen auf die Knie und stöhnten, doch nicht für lange. Ich wollte nichts riskieren. Sie könnten versuchen, auf meine Frau und Kinder zu schiessen. Ich wollte sie auch nicht quälen. Der erste Schuss war nur zu zeigen, worum es ging. Ich schoss sie alle in den Kopf.
Es war vorbei. Ich stand still. Ganz still. Julia, Sara und Lisa standen auch still. Sie standen da mit ihrem Mund offen und wussten nicht, was sagen. Sara war die Erste, die sich bewegte und ihre Jacke anzog. Keiner schrie in den Wald, in meine Richtung, in die Richtung von der die Schüsse gekommen waren, wie ich erwartet hatte. Nur Julia sagte mit freudiger Stimme : "Kommt." Dann eilten sie alle zu ihrem Camp. Sie rannten an meinem Baum vorbei so nah, ich hätte sie berühren können und wie gern hätte ich sie in meine Arme geschlossen. Ich begab mich in ihre Nähe, und schlief in ihrer Nähe im Wald, bis zum Morgengrauen. Dann schlich ich zu Billys Camp zurück. Ich brauchte ein Packpferd. Das nahm ich mir auch und ritt zurück zu meinem Pferd Flake und kochte Frühstück.
Ich hatte Weizen und eine kleine Handmühle. So hatte ich immer frischesMehl. Ich kochte mein Flachbrot in der Pfanne und legte mich hin zumEssen.
Ja, ich war schneller geworden. Ich hatte es geschafft gegen Billy Kane. Ich konnte Stolz darauf sein. Doch es liess einen bitteren Geschmack im Munde. Töten war kein schönes Geschäft. Doch ich sollte die gute Seite sehen. Sehr wahrscheinlich hatte ich das Leben von Stuart und Jack gerettet.
* * *
Ich folgte dicht hinter ihnen her. Immer hielt ich eine Distanz, von der ich sie gerade noch sehen konnte, ihnen aber durch meine Anwesenheit nicht auffiel. Sie sollten sich nicht gefolgt fühlen. Sie reisten weiter gegen Denver, schienen es nicht eilig zu haben.
Am nächsten Tag sah ich sie in der Ferne vom Pfad rechts abbiegen. Wohin wollten sie? Es war ja erst Morgen. Es war noch nicht Zeit zum Campieren. Als ich näher kam, sah ich den reissenden, sprudelnden Fluss. Sie wollten wohl ein Bad nehmen. Sie hatten es also gar nicht eilig. Mir war's nicht ums Anhalten. Ich wäre gerne weitergeritten. Immerhin waren die Black Brothers irgendwo hinter mir her. Doch ich wollte sie nicht allein lassen.
So ritt ich auf dem Pfad bis zum Fluss. Erstaunlicherweise gab es da eine Furt. Der Fluss rann hier über eine flache Stelle im Gelände und breitete sich weit aus, war aber nur noch knöcheltief. Grosse Steine lagen inmitten des Flusses. Um einige musste man herumreiten. So kam ich auf die andere Seite des Flusses und suchte einen Weg dem Fluss entlang. So sollte ich meiner Familie gegenüber kommen, mit nur dem Fluss zwischen uns.
Es gab wirklich einen kleinen Pfad dem Fluss entlang, ausgetreten von den Reisenden die hier am Fluss halt machten. Ich führte mein Pferd, denn ich wollte langsam gehen und wenn möglich nicht gesehen werden. Allerdings wäre es nicht so aussergewöhnlich, dass ein anderer Reisender hier am Fluss Halt machte.
Als ich in die Nähe kam, wo Julia und die Kinder waren, bog ich vom kleinen Pfad ab, um einen Platz für meine Pferde zu finden. Es gab grasige Stellen zwischen den Bäumen und ich band Flake und mein Packpferd an, in solcher Weise, dass sie grasen konnte. Dann ging ich wieder zum Fluss zurück und hier aus dem Dickicht konnte ich sie gut sehen, ohne gesehen zu werden. Sie waren ein Bisschen flussabwärts von mir.
Ich machte mich bequem und schaute ihnen zu. Wegen des Getöses des Flusses konnte ich ihre Gespräche nicht hören. Nach einer Weile verschwanden Stuart und Jack. Sie gingen wohl jagen. Ich sah dass sie ihre Revolver bereit hielten. Hasen gab es hier genug, vielleicht könnten sie einen erwischen, oder noch ein besseres Gourmet Essen wäre ein wildes Huhn, oder eine Ente. Wie gerne wäre ich mit Jack jagen gegangen. Ich könnte ihm ein oder zwei Tricke zeigen. Ich wusste viel über Wild. Oh könnte ich es doch an ihn weitergeben. Er schien interessiert zu sein. Hatte das Jagdfieber wohl von mir geerbt. Ich konnte das Leuchten in seinen Augen fast sehen, vorstellen konnte ich es mir auf jeden Fall, denn ich war genau so, wenn es ums Jagen ging. Dabei liess es mich kalt, ob ich etwas erwischte oder nicht, aber ich liebte die Pirsch.
Als die Männer weg waren, nahmen die Mädchen ein Bad. Ich freute mich, Julia zuzusehen. Ich hatte sie schon lange nicht mehr so gesehen, und ich staunte, wie gut sie noch beisammen war. Mit ihr ein Bad zu nehmen war aber nicht mein Traum, den ich hatte Wasser nur zum trinken gern. Ich hatte zwar ein Bad nötig, aber ein paar Tage konnte das noch warten.
Es war gut zu wissen, dass sie gewartet hatten bis Stuart verschwunden war. So vertraulich waren sie also noch nicht. Ich war froh. Es fiel mir ein Stein vom Herzen.
Sara war mir am nächsten, ich konnte sie gut sehen. Sie war so dünn und trotzdem attraktiv. Sie war hochgewachsen und war eine junge Frau geworden. Wie schön sie war und was für einen hässlichen Vater sie jetzt hatte. Wir würden gar nicht mehr zueinander passen, ausser als Schöne und Biest.
Lisa die immer aktiv war, hatte einen Stein gefunden, von dem sie ins Wasser springen konnte. Sie wurde nicht müde es wieder und wieder zu tun. Es war schön sie alle so unbekümmert zu sehen, so wie sie Gott geschaffen hatte, eins mit der Schöpfung, als wären sie noch in Eden. Gesund, schlank und kräftig waren sie alle, sicher gab es auf der ganzen weiten Welt nichts schöneres zu sehen.
Ich lag hier im Gestrüpp so gemütlich und nach einem Weilchen wäre ich fast eingenickt. Doch dann sah ich etwas, dass mich sofort auf die Kniee brachte.
Plötzlich wurde Sara weggeschwemmt. Es sah fast so aus, als ob sie selbst ins tiefe Wasser geplumst wäre, um zu schwimmen. Ich konnte aber schnell sehen, dass sie nicht schwimmen konnte. Sie schwenkte ihre dünnen Arme wie wild in der Luft. Sie schrie nicht, schien aber zu kämpfen, um an der Oberfläche zu bleiben. Das Wasser trug sie mit atemberaubender Geschwindigkeit.
Sie wurde vom tiefen Wasser um die grössten Steine herumgeschwemmt, an die sie sich anzuklammern versuchte. Doch ohne Erfolg, den sie waren schlüpfrig und die Kraft des Wassers viel zu gross. Es war nur ein schwacher und wahrscheinlich instinktiver Aufwand, denn sie bewegte sich so schnell, dass jeder Versuch sich anzuklammern, nutzlos schien. Die kleineren Felsbrocken, über die das Wasser floss, waren viel gefährlicher. Das Wasser schlug ihre Beine gegen diese Steinbrocken. Falls sie unter ging, könnte auch ihr Kopf gegen diese schlagen, sie würde bewusstlos geschlagen und ertrinken.
Ich musste schnell handeln. Es war zu spät hineinzuspringen, denn ich müsste erst eine Stelle finden, wo ich ins Wasser konnte. Hier war alles von undurchdringlichem Gestrüpp überwachsen. Sie war jetzt schon etwa fünfzehn Yard weg von mir, und das Wasser ging schnell. Weiter unten im Fluss verlangsamte sich das Wasser ein Bisschen, wie ich sehen konnte. Dort musste ich hin.
Ich stürzte vorwärts zu meinem Pferd. Ich nahm mein Lasso vom Sattel und sprang auf das Pferd—ohne Sattel. Ich ritt langsam zum Pfad zurück durch die Bäume. Flake schien die Eile zu spüren. Er ging so schnell er konnte, ich brauchte ihn nicht anzuspornen. Ich hatte das Mundstück rausgenommen, so dass er grasen konnte. Ich führte ihn jetzt nur mit den Sporen. Das war nur mit einem guten Pferd, wie Flake, möglich. Flake war Gold wert.
Wir waren zum kleinen Pfad gekommen. Jetzt konnten wir galoppieren. Es war unebenes Gelände und gefährlich. Aber wir mussten uns beeilen. Ich spornte Flake an. Wenn es darauf an käme, würde ich lieber Flake verlieren, als Sara.