„Laß uns sachte gehen und gut Umschau halten,Sieh der Weg ist reich an lieblichen Gestalten.“
„Laß uns sachte gehen und gut Umschau halten,Sieh der Weg ist reich an lieblichen Gestalten.“
„Laß uns sachte gehen und gut Umschau halten,Sieh der Weg ist reich an lieblichen Gestalten.“
„Laß uns sachte gehen und gut Umschau halten,
Sieh der Weg ist reich an lieblichen Gestalten.“
Aber wer kann das in seiner Manneskraft? Du hast es nur eilig, um rasch durch dieses Land zu kommen, nach Schweden hinein.
Ist das ein wunderlicher Fluß! Alle großen Flüsse sonst haben sich im Laufe der Zeiten tiefe Täler gegraben. Der Klarafluß aber hat seinen Lauf geändert. In alten Zeiten floß er vom Fämundsee über den Drevsee geradewegs nach Schweden hinein, dann aber hat er seinen Sinn geändert und seinen Laufüber das graue, mit Renntiermoos bewachsene flache weite Gebirgsland mit seinen runden Höhen und Senken genommen.
Aus dem Fämundsee fließt die Glöta durch unwegsame Moränen aus großen Steinen in den Istersee und dann in den Galten. Daraus geht der Klarafluß hervor. Durch flaches Waldland, endlose Kiefernwälder — mit hohen, moosbewachsenen Bergen dazwischen — fließt er zumeist in allmählich fallenden Stromschnellen und stilleren Strecken, seltener in größeren Wasserfällen mit anschließenden tiefen, schwarzen Gumpen für die großen Fische.
Weiter draußen hat er eine größere Talentwicklung gefunden, erst das Elvtal und dann Trysil. Aber auch dieses ist nicht tief und eng und es ist ohne hohe Berge. Der höchste ist der Trysilberg.
So gleitet der Klarafluß hinein nach Schweden. Nicht alles was von Norwegen kommt, ist wohl alle Zeit so willkommen gewesen wie diese strömenden Wassermassen und ihre Tausende und Abertausende von Holzstämmen. Es ist ja dieses norwegische Wasser, das den größten See Schwedens, den Wenersee, mit bilden hilft, Schwedens größten Wasserfall und die größte Kraftstation, den Trollhätta, und dieses Bauholz!....
Herrgott, wenn wir zwei kleinen Völker doch immer einsehen könnten, um wieviel weiter wir kommen, wenn wir jederzeit bereit sind, Kraft voneinander zu empfangen! —
Wie herrlich erfrischt es, in diesem Flusse auf dem hellen Grund zu sitzen und die kühlen Wellen die Brust umrauschen zu lassen, während die Sonne ins Wasser scheint und unten mit den Füßen spielt. Man vernimmt das Jubeln des Pans in den stillen Wäldern.
Ich wollte zur Mißjöhöhe nördlich von den Sölenbergen hinüber; aber es war zu heiß, um am Tage zu gehen. Ich wartete lieber bis zum Abend und genoß inzwischen auf dieser Almwiese die Sonne und den Frieden und träumte den Traum des Waldes.
Große Pläne hatte man gehabt. Ich sollte jetzt eigentlich weit weg sein, unter der Tropensonne im Urwald, im Unbekannten, und war dann vom Krieg verhindert worden.
Weshalb aber so weit weg? Hier ist Sonne genug und blauer Himmel, und ewig jung ist die Natur, ewig neu — wahrhaftig genug zu entdecken — und dazu des Waldes große Einsamkeit und Schwermut.....
Im übrigen aber ist gerade hier der Wald jetzt nicht so dicht. Die Menschen sind schlimm mit ihm umgegangen. Sie haben diese weiten Kiefernheiden gelichtet, und es stehen keine großen Stämme mehr. Aber so ist es ja fast überall. Wo sind Norwegens Wälder, die einst Schutz gewährten?
Und trotzdem ist es doch der Wald, aus dem wir gekommen sind. Ostwärts, immer weiter nach Osten erstreckt er sich. Unter seiner ununterbrochenen Decke kannst du Monat für Monat wandern, Jahr für Jahr, durch Schweden, Finnland, durch Rußland, über den Ural, durch Sibirien, durch das Amurland, über Berge und Täler und endlose Waldebenen bis an den Stillen Ozean.
Da sind wir, da bleiben wir wir selbst. Und will sich einer ein Zukunftsheim erträumen, das er nie fand, dann ist es im Wald, das Waldesrauschen von Jahrtausenden über dem Hüttendach, Tautropfen im Farnkraut vor der Tür am Morgen, einenmurmelnden Waldbach und kühle kleine Gumpen über weißen rundgeschliffenen Steinen zwischen dem Moos, und dann ein blanker See in der Stille des Waldes, wo der Fisch abends plätschert und große Kreise stößt.
Wie dieses Leben die Menschen gesund und schön macht! Betrachte sie nur alle, denen wir hier begegnen. Diese Bergljot hier auf der Alm, hast du solch eine Königin je gesehen? So selten schön das Antlitz, diese Augen, dieses Lächeln, gütig und zart und doch vertrauensvoll und selbstsicher. Und dann dieser Körper, so wohlgebaut, so fest und kräftig, und diese Haltung, dieser freie leichte Gang.
Nein wahrhaftig, die Menschen waren nicht geschaffen, in Städten zu wohnen! Hier entfalten sie sich. Schicke sie in die Städte, und du findest wieder bleiche verwaschene Gesichter, hängende schlenkernde Körper, müden schleppenden Gang, falschen Staat und falsche Gefühle.
Daß sie hier oben so aussehen müssen, das verstehe ich; aber nicht verstehe ich, daß Bergljot noch nicht verheiratet ist und keine Kinder hat. Aber danach wagte ich sie nicht zu fragen.
Oberes Rental, 25. Juli.
Am Abend, als es kühler geworden war, zog ich weiter. Ich stieg den Waldhang nach Aursjövola hinauf, dann im kahlen Gebirge nach Nordwesten. Dort war es leichter zu gehen, und es war auch mehr Hoffnung auf einen Luftzug, der die Mücken und Bremsen etwas fernhalten konnte.
Aber oben unter dem Sölen war es auch auf den kahlenBergflächen schwer vorwärts zu kommen. Eine Moräne nach der andern kam, mit großen Steinen auf allen Seiten. Kämme, Rücken und Löcher, mit engen, tiefen, von Gletscherflüssen geschnittenen Rinnen durch die Moränen, als ob das Eis sie gestern verlassen hätte. Nur daß das Renntiermoos jetzt alles überwachsen hatte, und es war schwer, durch das tiefe Moos zwischen all diesen großen Steinen vorwärts zu stampfen.
So weit weg von den Menschen!
Aber auch bis hierher verfolgt einen der Lärm des Unwetters von dort draußen. Europa verblutet sich.....
Eine Kraftprobe, sagen sie. Kraft worin? In Machtgier? In Vorbereitungen, die andern niederzuschlagen und die Macht im günstigsten Zeitpunkt an sich zu reißen?..... Ist das die Kraftprobe?
Sind das die Eigenschaften, die die Zukunft aufbauen sollen?
Inzwischen verströmt Europas edelstes Blut. Wer bleibt übrig? Wie soll die Rasse werden, wenn gerade die tüchtigsten, die mutigsten Männer ausgerottet werden?
Und das Leiden, das große heilige Leiden der Völker..... wird es von Kräften verschuldet, die wir nicht meistern können, gleich denen, die diese Moränen aufgebaut haben? Nein,die Menschen selbst verschulden es! Wehe uns!.....
Aber welche Nacht! Dort unten der Wald mit den Mooren auf den Flächen bis hinab zum großen Sölensee, der sich weit nach Nordwesten erstreckt, mit waldigen Vorsprüngen, mit baumbestandenen Inseln gleich spähenden Kriegsschiffen — das erinnert unheimlich an die, die draußen in der Nordsee auf der Lauer liegen, um einander zu vernichten.
Die Wälder erstrecken sich weit hinaus, Rücken hinter Rücken, glitzernde Seen dazwischen. Jenseits der inselüberstreuten Fläche des Sölensees kommt der Galtensee, weiter draußen der Istersee und am fernsten, zwischen blauen Bergrücken, die Lücke des Fämundsees, der selbst nicht zu sehen ist. Über dem Steinrücken, auf dem ich stehe, erhebt sich das Gebirge bis zu den Sölenbergen mit Schluchten, Talkesseln und Schneefeldern.
Aber jenseits des Sölensees und der Waldflächen fern im Norden verschwimmen hohe Berge: Gloföiken, Elgepiggen, Gråhögda, in blauem Dunst unter dem Traum des Nachthimmels.
Wie die Bergweiten wogen! Sie steigen und sinken und steigen wieder immer höher hinauf — das ist Musik. Unwillkürlich erklingt im Herzen das Preislied.....
Das Preislied? Ist es denn möglich? Kann eine Kultur, die eine Welt geschaffen hat, so erhaben, so schön wie die Musik, eine Kultur, die im Preislied immer höher steigt, bis sie in strahlenden Schönheitsjubel ausbricht — kann diese Kultur dieselbe sein, die diese brutale Machtgier entfaltet, dieses Jagen nach äußerem Glanz?
Nein, und abermals nein! Das ist nicht die Kultur, das sind die alten Instinkte des wilden Tiers, die die Massen irregeführt und die sie durch die Macht der Suggestion auf Abwege mitgerissen haben. Sie haben Telegraph, Telephon, Presse in ihrem Dienst, um ihr Gift mit der Geschwindigkeit der Elektrizität zu verbreiten. Und der Haufe, der bei derzunehmenden Hast der Gegenwart die eigene Meinung und Urteilskraft verliert, unterliegt ihnen sofort.
Eine Wiedergeburtmußkommen — eine neue Zeit mit neuen Idealen, in der die geistigen Werte wieder das Ziel bilden und die materiellen nur Mittel werden — in der der Mob und die Mittelmäßigkeit nicht länger die Welt regieren, sondern die großen Geister die Menschen auf größere Höhen mit weitem Ausblick führen — in der jede geistige Entdeckung, jeder Sieg in der Welt des Geistes mit derselben Begeisterung begrüßt wird wie jetzt die materiellen Siege — in der die Menschen für ein größeres, schöneres, einfacheres Leben leben!
Aber die Hetzjagd des Alltags dort unten in den Städten, unter dem Alpdruck des Geldes, verflacht die Menschen. Aus der Wüste, aus der Einsamkeit, aus der einfachen Tiefe der Natur sind zu allen Zeiten die neuen Männer gekommen.
Welch starker Ernst in einer solchen Nacht! Es ist, als höre man das erhabene Lied des Weltraums selbst — so hoch, so weit, so ätherisch rein — so wunderbar frei für Herz und Sinn.....
Aus dieser Welt müssen die Männer der neuen Zeit geboren werden, mit den großen einfachen Linien — aus einem Guß — ohne die Zweideutigkeit der doppelten Moral.....
Aus dieser nachtstillen Größe müssen die Gedanken sprießen, die dem kommenden Geschlecht Gesundung bringen können.
Dekoration 3