The Project Gutenberg eBook ofGedichteThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: GedichteAuthor: Hugo von HofmannsthalRelease date: March 13, 2010 [eBook #31625]Language: GermanCredits: Produced by Jana Srna, Carlos Valiente, mcbax and theOnline Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net(This file was produced from images generously madeavailable by Bielefeld University.)*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: GedichteAuthor: Hugo von HofmannsthalRelease date: March 13, 2010 [eBook #31625]Language: GermanCredits: Produced by Jana Srna, Carlos Valiente, mcbax and theOnline Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net(This file was produced from images generously madeavailable by Bielefeld University.)
Title: Gedichte
Author: Hugo von Hofmannsthal
Author: Hugo von Hofmannsthal
Release date: March 13, 2010 [eBook #31625]
Language: German
Credits: Produced by Jana Srna, Carlos Valiente, mcbax and theOnline Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net(This file was produced from images generously madeavailable by Bielefeld University.)
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
Anmerkungen zur Transkription:Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.DasInhaltsverzeichniswurde vom Ende des Textes an den Anfang verschoben.
Anmerkungen zur Transkription:
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
DasInhaltsverzeichniswurde vom Ende des Textes an den Anfang verschoben.
HUGO VON HOFMANNSTHAL
1922IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
1922
IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
DIE GESAMMELTEN GEDICHTE
VORFRÜHLING
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.Er hat sich gewiegt,Wo Weinen war,Und hat sich geschmiegtIn zerrüttetes Haar.Er schüttelte niederAkazienblütenUnd kühlte die Glieder,Die atmend glühten.Lippen im LachenHat er berührt,Die weichen und wachenFluren durchspürt.Er glitt durch die FlöteAls schluchzender Schrei,An dämmernder RöteFlog er vorbei.Er flog mit SchweigenDurch flüsternde ZimmerUnd löschte im NeigenDer Ampel Schimmer.Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.Durch die glattenKahlen AlleenTreibt sein WehnBlasse SchattenUnd den Duft,Den er gebracht,Von wo er gekommenSeit gestern nacht.
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,Wo Weinen war,Und hat sich geschmiegtIn zerrüttetes Haar.
Er schüttelte niederAkazienblütenUnd kühlte die Glieder,Die atmend glühten.
Lippen im LachenHat er berührt,Die weichen und wachenFluren durchspürt.
Er glitt durch die FlöteAls schluchzender Schrei,An dämmernder RöteFlog er vorbei.
Er flog mit SchweigenDurch flüsternde ZimmerUnd löschte im NeigenDer Ampel Schimmer.
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.
Durch die glattenKahlen AlleenTreibt sein WehnBlasse Schatten
Und den Duft,Den er gebracht,Von wo er gekommenSeit gestern nacht.
ERLEBNIS
Mit silbergrauem Dufte war das TalDer Dämmerung erfüllt, wie wenn der MondDurch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.Mit silbergrauem Duft des dunklen TalesVerschwammen meine dämmernden Gedanken,Und still versank ich in dem webenden,Durchsichtgen Meere und verließ das Leben.Wie wunderbare Blumen waren da,Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,Durch das ein gelbrot Licht wie von TopasenIn warmen Strömen drang und glomm. Das GanzeWar angefüllt mit einem tiefen SchwellenSchwermütiger Musik. Und dieses wußt ich,Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es:Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,Verwandt der tiefsten Schwermut.Aber seltsam!Ein namenloses Heimweh weinte lautlosIn meiner Seele nach dem Leben, weinte,Wie einer weint, wenn er auf großem SeeschiffMit gelben Riesensegeln gegen AbendAuf dunkelblauem Wasser an der Stadt,Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht erDie Gassen, hört die Brunnen rauschen, riechtDen Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber.Ein Kind, am Ufer stehn, mit Kindesaugen,Die ängstlich sind und weinen wollen, siehtDurchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer –Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitendMit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.
Mit silbergrauem Dufte war das TalDer Dämmerung erfüllt, wie wenn der MondDurch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.Mit silbergrauem Duft des dunklen TalesVerschwammen meine dämmernden Gedanken,Und still versank ich in dem webenden,Durchsichtgen Meere und verließ das Leben.Wie wunderbare Blumen waren da,Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,Durch das ein gelbrot Licht wie von TopasenIn warmen Strömen drang und glomm. Das GanzeWar angefüllt mit einem tiefen SchwellenSchwermütiger Musik. Und dieses wußt ich,Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es:Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,Verwandt der tiefsten Schwermut.Aber seltsam!Ein namenloses Heimweh weinte lautlosIn meiner Seele nach dem Leben, weinte,Wie einer weint, wenn er auf großem SeeschiffMit gelben Riesensegeln gegen AbendAuf dunkelblauem Wasser an der Stadt,Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht erDie Gassen, hört die Brunnen rauschen, riechtDen Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber.Ein Kind, am Ufer stehn, mit Kindesaugen,Die ängstlich sind und weinen wollen, siehtDurchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer –Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitendMit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.
VOR TAG
Nun liegt und zuckt am fahlen HimmelsrandIn sich zusammgesunken das Gewitter.Nun denkt der Kranke: ›Tag! jetzt werd ich schlafen!‹Und drückt die heißen Lider zu. Nun strecktDie junge Kuh im Stall die starken NüsternNach kühlem Frühduft. Nun im stummen WaldHebt der Landstreicher ungewaschen sichAus weichem Bett vorjährigen Laubes aufUnd wirft mit frecher Hand den nächsten SteinNach einer Taube, die schlaftrunken fliegt,Und graust sich selber, wie der Stein so dumpfUnd schwer zur Erde fällt. Nun rennt das Wasser,Als wollte es der Nacht, der fortgeschlichnen, nachIns Dunkel stürzen, unteilnehmend, wildUnd kalten Hauches hin, indessen drobenDer Heiland und die Mutter leise, leiseSich unterreden auf dem Brücklein: leise.Und doch ist ihre kleine Rede ewigUnd unzerstörbar wie die Sterne droben.Er trägt sein Kreuz und sagt nur: ›Meine Mutter!‹Und sieht sie an, und: ›Ach, mein lieber Sohn!‹Sagt sie. – Nun hat der Himmel mit der ErdeEin stumm beklemmend Zwiegespräch. Dann gehtEin Schauer durch den schweren, alten Leib:Sie rüstet sich, den neuen Tag zu leben.Nun steigt das geisterhafte Frühlicht. NunSchleicht einer ohne Schuh von einem Frauenbett,Läuft wie ein Schatten, klettert wie ein DiebDurchs Fenster in sein eigenes Zimmer, siehtSich im Wandspiegel und hat plötzlich AngstVor diesem blassen, übernächtigen Fremden,Als hätte dieser selbe heute nachtDen guten Knaben, der er war, ermordetUnd käme jetzt, die Hände sich zu waschenIm Krüglein seines Opfers wie zum Hohn,Und darum sei der Himmel so beklommenUnd alles in der Luft so sonderbar.Nun geht die Stalltür. Und nun ist auch Tag.
Nun liegt und zuckt am fahlen HimmelsrandIn sich zusammgesunken das Gewitter.Nun denkt der Kranke: ›Tag! jetzt werd ich schlafen!‹Und drückt die heißen Lider zu. Nun strecktDie junge Kuh im Stall die starken NüsternNach kühlem Frühduft. Nun im stummen WaldHebt der Landstreicher ungewaschen sichAus weichem Bett vorjährigen Laubes aufUnd wirft mit frecher Hand den nächsten SteinNach einer Taube, die schlaftrunken fliegt,Und graust sich selber, wie der Stein so dumpfUnd schwer zur Erde fällt. Nun rennt das Wasser,Als wollte es der Nacht, der fortgeschlichnen, nachIns Dunkel stürzen, unteilnehmend, wildUnd kalten Hauches hin, indessen drobenDer Heiland und die Mutter leise, leiseSich unterreden auf dem Brücklein: leise.Und doch ist ihre kleine Rede ewigUnd unzerstörbar wie die Sterne droben.Er trägt sein Kreuz und sagt nur: ›Meine Mutter!‹Und sieht sie an, und: ›Ach, mein lieber Sohn!‹Sagt sie. – Nun hat der Himmel mit der ErdeEin stumm beklemmend Zwiegespräch. Dann gehtEin Schauer durch den schweren, alten Leib:Sie rüstet sich, den neuen Tag zu leben.Nun steigt das geisterhafte Frühlicht. NunSchleicht einer ohne Schuh von einem Frauenbett,Läuft wie ein Schatten, klettert wie ein DiebDurchs Fenster in sein eigenes Zimmer, siehtSich im Wandspiegel und hat plötzlich AngstVor diesem blassen, übernächtigen Fremden,Als hätte dieser selbe heute nachtDen guten Knaben, der er war, ermordetUnd käme jetzt, die Hände sich zu waschenIm Krüglein seines Opfers wie zum Hohn,Und darum sei der Himmel so beklommenUnd alles in der Luft so sonderbar.Nun geht die Stalltür. Und nun ist auch Tag.
REISELIED
Wasser stürzt, uns zu verschlingen,Rollt der Fels, uns zu erschlagen,Kommen schon auf starken SchwingenVögel her, uns fortzutragen.Aber unten liegt ein Land,Früchte spiegelnd ohne EndeIn den alterslosen Seen.Marmorstirn und BrunnenrandSteigt aus blumigem Gelände,Und die leichten Winde wehn.
Wasser stürzt, uns zu verschlingen,Rollt der Fels, uns zu erschlagen,Kommen schon auf starken SchwingenVögel her, uns fortzutragen.
Aber unten liegt ein Land,Früchte spiegelnd ohne EndeIn den alterslosen Seen.
Marmorstirn und BrunnenrandSteigt aus blumigem Gelände,Und die leichten Winde wehn.
DIE BEIDEN
Sie trug den Becher in der Hand– Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand –,So leicht und sicher war ihr Gang,Kein Tropfen aus dem Becher sprang.So leicht und fest war seine Hand:Er ritt auf einem jungen Pferde,Und mit nachlässiger GebärdeErzwang er, daß es zitternd stand.Jedoch, wenn er aus ihrer HandDen leichten Becher nehmen sollte,So war es beiden allzu schwer:Denn beide bebten sie so sehr,Daß keine Hand die andre fandUnd dunkler Wein am Boden rollte.
Sie trug den Becher in der Hand– Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand –,So leicht und sicher war ihr Gang,Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:Er ritt auf einem jungen Pferde,Und mit nachlässiger GebärdeErzwang er, daß es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer HandDen leichten Becher nehmen sollte,So war es beiden allzu schwer:Denn beide bebten sie so sehr,Daß keine Hand die andre fandUnd dunkler Wein am Boden rollte.
LEBENSLIED
Den Erben laß verschwendenAn Adler, Lamm und PfauDas Salböl aus den HändenDer toten alten Frau!Die Toten, die entgleiten,Die Wipfel in dem Weiten –Ihm sind sie wie das SchreitenDer Tänzerinnen wert!Er geht wie den kein WaltenVom Rücken her bedroht.Er lächelt, wenn die FaltenDes Lebens flüstern: Tod!Ihm bietet jede StelleGeheimnisvoll die Schwelle;Es gibt sich jeder WelleDer Heimatlose hin.Der Schwarm von wilden BienenNimmt seine Seele mit;Das Singen von DelphinenBeflügelt seinen Schritt:Ihn tragen alle ErdenMit mächtigen Gebärden.Der Flüsse DunkelwerdenBegrenzt den Hirtentag!Das Salböl aus den HändenDer toten alten FrauLaß lächelnd ihn verschwendenAn Adler, Lamm und Pfau:Er lächelt der Gefährten. –Die schwebend unbeschwertenAbgründe und die GärtenDes Lebens tragen ihn.
Den Erben laß verschwendenAn Adler, Lamm und PfauDas Salböl aus den HändenDer toten alten Frau!Die Toten, die entgleiten,Die Wipfel in dem Weiten –Ihm sind sie wie das SchreitenDer Tänzerinnen wert!
Er geht wie den kein WaltenVom Rücken her bedroht.Er lächelt, wenn die FaltenDes Lebens flüstern: Tod!Ihm bietet jede StelleGeheimnisvoll die Schwelle;Es gibt sich jeder WelleDer Heimatlose hin.
Der Schwarm von wilden BienenNimmt seine Seele mit;Das Singen von DelphinenBeflügelt seinen Schritt:Ihn tragen alle ErdenMit mächtigen Gebärden.Der Flüsse DunkelwerdenBegrenzt den Hirtentag!
Das Salböl aus den HändenDer toten alten FrauLaß lächelnd ihn verschwendenAn Adler, Lamm und Pfau:Er lächelt der Gefährten. –Die schwebend unbeschwertenAbgründe und die GärtenDes Lebens tragen ihn.
GUTE STUNDE
Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt,Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt!Die Wege der Menschen sind um mich her,Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer:Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt,Unwissend, daß jede mein Leben enthält.Sie bringen in Schwingen aus Binsen und GrasDie Früchte, von denen ich lange nicht aß:Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort,Doch lebte der lange vergessene fort!Und war mir das Leben, das schöne, entwandt,Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!
Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt,Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt!
Die Wege der Menschen sind um mich her,Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer:
Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt,Unwissend, daß jede mein Leben enthält.
Sie bringen in Schwingen aus Binsen und GrasDie Früchte, von denen ich lange nicht aß:
Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort,Doch lebte der lange vergessene fort!
Und war mir das Leben, das schöne, entwandt,Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!
DEIN ANTLITZ …
Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schonIn frühern Nächten völlig hingegebenDem Mond und dem zuviel geliebten Tal,Wo auf den leeren Hängen auseinanderDie magern Bäume standen und dazwischenDie niedern kleinen Nebelwolken gingenUnd durch die Stille hin die immer frischenUnd immer fremden silberweißen WasserDer Fluß hinrauschen ließ – wie stieg das auf!Wie stieg das auf! Denn allen diesen DingenUnd ihrer Schönheit – die unfruchtbar war –Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,Wie jetzt für das Anschaun von deinem HaarUnd zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schonIn frühern Nächten völlig hingegeben
Dem Mond und dem zuviel geliebten Tal,Wo auf den leeren Hängen auseinanderDie magern Bäume standen und dazwischenDie niedern kleinen Nebelwolken gingen
Und durch die Stille hin die immer frischenUnd immer fremden silberweißen WasserDer Fluß hinrauschen ließ – wie stieg das auf!
Wie stieg das auf! Denn allen diesen DingenUnd ihrer Schönheit – die unfruchtbar war –Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,Wie jetzt für das Anschaun von deinem HaarUnd zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
WELTGEHEIMNIS
Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst waren alle tief und stumm,Und alle wußten drum.Wie Zauberworte, nachgelalltUnd nicht begriffen in den Grund,So geht es jetzt von Mund zu Mund.Der tiefe Brunnen weiß es wohl;In den gebückt, begriffs ein Mann,Begriff es und verlor es dann.Und redet' irr und sang ein Lied –Auf dessen dunklen Spiegel bücktSich einst ein Kind und wird entrückt.Und wächst und weiß nichts von sich selbstUnd wird ein Weib, das einer liebtUnd – wunderbar wie Liebe gibt!Wie Liebe tiefe Kunde gibt! –Da wird an Dinge, dumpf geahnt,In ihren Küssen tief gemahnt …In unsern Worten liegt es drin,So tritt des Bettlers Fuß den Kies,Der eines Edelsteins Verlies.Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst aber wußten alle drum,Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.
Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst waren alle tief und stumm,Und alle wußten drum.
Wie Zauberworte, nachgelalltUnd nicht begriffen in den Grund,So geht es jetzt von Mund zu Mund.
Der tiefe Brunnen weiß es wohl;In den gebückt, begriffs ein Mann,Begriff es und verlor es dann.
Und redet' irr und sang ein Lied –Auf dessen dunklen Spiegel bücktSich einst ein Kind und wird entrückt.
Und wächst und weiß nichts von sich selbstUnd wird ein Weib, das einer liebtUnd – wunderbar wie Liebe gibt!
Wie Liebe tiefe Kunde gibt! –Da wird an Dinge, dumpf geahnt,In ihren Küssen tief gemahnt …
In unsern Worten liegt es drin,So tritt des Bettlers Fuß den Kies,Der eines Edelsteins Verlies.
Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst aber wußten alle drum,Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.
BALLADE DES ÄUSSEREN LEBENS
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,Und alle Menschen gehen ihre Wege.Und süße Früchte werden aus den herbenUnd fallen nachts wie tote Vögel niederUnd liegen wenig Tage und verderben.Und immer weht der Wind, und immer wiederVernehmen wir und reden viele WorteUnd spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.Und Straßen laufen durch das Gras, und OrteSind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,Und drohende, und totenhaft verdorrte …Wozu sind diese aufgebaut? und gleichenEinander nie? und sind unzählig viele?Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?Was frommt das alles uns und diese Spiele,Die wir doch groß und ewig einsam sindUnd wandernd nimmer suchen irgend Ziele?Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?Und dennoch sagt der viel, der ›Abend‹ sagt,Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinntWie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,Und alle Menschen gehen ihre Wege.
Und süße Früchte werden aus den herbenUnd fallen nachts wie tote Vögel niederUnd liegen wenig Tage und verderben.
Und immer weht der Wind, und immer wiederVernehmen wir und reden viele WorteUnd spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
Und Straßen laufen durch das Gras, und OrteSind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,Und drohende, und totenhaft verdorrte …
Wozu sind diese aufgebaut? und gleichenEinander nie? und sind unzählig viele?Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele,Die wir doch groß und ewig einsam sindUnd wandernd nimmer suchen irgend Ziele?
Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?Und dennoch sagt der viel, der ›Abend‹ sagt,Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
NOX PORTENTIS GRAVIDA
In hohen Bäumen ist ein Nebelspiel,Und drei der schönen Sterne funkeln nah:Die Hyazinthen an der dunkeln ErdeErinnern sich, daß hier geschehen werde,Was früher schon und öfter wohl geschah:Daß Hermes und die beiden Dioskuren,Funkelnd vor Übermut, die luftigen SpurenDer windgetragenen Grazien umstellenUnd spielend, mit der Grausamkeit der Jagd,Sie aus den Wipfeln scheuchen, ja die WellenDes Flusses nahe treiben, bis es tagt.Der Dichter hat woanders seinen Weg,Und mit den Augen der Meduse schauendSieht er das umgelegene fahle FeldSogleich entrückt und weiß nicht, wie es ist,Und fügt es andern solchen Orten zu,Wo seine Seele wie ein Kind verstellt,Ein Dasein hat von keiner sichern FristIn Adlersluft und abgestorbner Ruh.Dort streut er ihr die Schatten und die ScheineDer Erdendinge hin und Edelsteine.Den dritten Teil des Himmels aber nimmtDie Wolke ein von solcher Todesschwärze,Wie sie die Seele dessen anfällt, derDurch Nacht den Weg sich sucht mit einer Kerze:Die Wolke, die hinzog am nächsten Morgen,Mit Donnerschlag von tausenden GewitternUnd blauem Lichte stark wie nahe SonnenUnd schauerlichem Sturz von heißen Steinen,Die Insel heimzusuchen, wo das ZitternAufblühen ließ die wundervollsten Wonnen;Vor ungeheurer Angst erstorbenes WeinenDer Kaufpreis war: daß in verstörten Gärten,Die nie sich sahen, sich fürs Leben fandenUnd trunken sterbend, Rettung nicht begehrten;Daß Gott entsprang den Luft- und Erdenbanden,Verwaiste Kinder gleich Propheten glühtenUnd alle Seelen wie die Sterne blühten.
In hohen Bäumen ist ein Nebelspiel,Und drei der schönen Sterne funkeln nah:Die Hyazinthen an der dunkeln ErdeErinnern sich, daß hier geschehen werde,Was früher schon und öfter wohl geschah:Daß Hermes und die beiden Dioskuren,Funkelnd vor Übermut, die luftigen SpurenDer windgetragenen Grazien umstellenUnd spielend, mit der Grausamkeit der Jagd,Sie aus den Wipfeln scheuchen, ja die WellenDes Flusses nahe treiben, bis es tagt.
Der Dichter hat woanders seinen Weg,Und mit den Augen der Meduse schauendSieht er das umgelegene fahle FeldSogleich entrückt und weiß nicht, wie es ist,Und fügt es andern solchen Orten zu,Wo seine Seele wie ein Kind verstellt,Ein Dasein hat von keiner sichern FristIn Adlersluft und abgestorbner Ruh.Dort streut er ihr die Schatten und die ScheineDer Erdendinge hin und Edelsteine.
Den dritten Teil des Himmels aber nimmtDie Wolke ein von solcher Todesschwärze,Wie sie die Seele dessen anfällt, derDurch Nacht den Weg sich sucht mit einer Kerze:Die Wolke, die hinzog am nächsten Morgen,Mit Donnerschlag von tausenden GewitternUnd blauem Lichte stark wie nahe SonnenUnd schauerlichem Sturz von heißen Steinen,Die Insel heimzusuchen, wo das ZitternAufblühen ließ die wundervollsten Wonnen;Vor ungeheurer Angst erstorbenes WeinenDer Kaufpreis war: daß in verstörten Gärten,Die nie sich sahen, sich fürs Leben fandenUnd trunken sterbend, Rettung nicht begehrten;Daß Gott entsprang den Luft- und Erdenbanden,Verwaiste Kinder gleich Propheten glühtenUnd alle Seelen wie die Sterne blühten.
GLÜCKLICHES HAUS
Auf einem offenen Altane sangEin Greise orgelspielend gegen Himmel,Indes auf einer Tenne, ihm zu Füßen,Der schlanke mit dem bärtigen Enkel focht,Daß durch den reinen Schaft des OleandersEin Zittern aufwärtslief; allein ein VogelStill in der Krone blütevollem ScheinFloh nicht und äugte klugen Blicks herab.Auf dem behauenen Rand des Brunnens aberDie junge Frau gab ihrem Kind die Brust.Allein der Wanderer, dem die Straße sichEntlang der Tenne ums Gemäuer bog,Warf hinter sich den einen Blick des FremdenUnd trug in sich – gleich jener AbendwolkeEntschwebend, über stillem Fluß und Wald –Das wundervolle Bild des Friedens fort.
Auf einem offenen Altane sangEin Greise orgelspielend gegen Himmel,Indes auf einer Tenne, ihm zu Füßen,Der schlanke mit dem bärtigen Enkel focht,Daß durch den reinen Schaft des OleandersEin Zittern aufwärtslief; allein ein VogelStill in der Krone blütevollem ScheinFloh nicht und äugte klugen Blicks herab.Auf dem behauenen Rand des Brunnens aberDie junge Frau gab ihrem Kind die Brust.
Allein der Wanderer, dem die Straße sichEntlang der Tenne ums Gemäuer bog,Warf hinter sich den einen Blick des FremdenUnd trug in sich – gleich jener AbendwolkeEntschwebend, über stillem Fluß und Wald –Das wundervolle Bild des Friedens fort.
BOTSCHAFT
Ich habe mich bedacht, daß schönste TageNur jene heißen dürfen, da wir redendDie Landschaft uns vor Augen in ein ReichDer Seele wandelten; da hügelanDem Schatten zu wir stiegen in den Hain,Der uns umfing wie schon einmal Erlebtes,Da wir auf abgetrennten Wiesen stillDen Traum vom Leben niegeahnter Wesen,Ja ihres Gehns und Trinkens Spuren fandenUnd überm Teich ein gleitendes Gespräch,Noch tiefere Wölbung spiegelnd als der Himmel:Ich habe mich bedacht auf solche Tage,Und daß nächst diesen drei: gesund zu sein,Am eignen Leib und Leben sich zu freuen,Und an Gedanken, Flügeln junger Adler,Nur eines frommt: gesellig sein mit Freunden.So will ich, daß du kommst und mit mir trinkstAus jenen Krügen, die mein Erbe sind,Geschmückt mit Laubwerk und beschwingten Kindern,Und mit mir sitzest in dem Gartenturm:Zwei Jünglinge bewachen seine Tür,In deren Köpfen mit gedämpftem BlickHalbabgewandt ein ungeheueresGeschick dich steinern anschaut, daß du schweigstUnd meine Landschaft hingebreitet siehst:Daß dann vielleicht ein Vers von dir sie mirVeredelt künftig in der EinsamkeitUnd da und dort Erinnerung an dichEin Schatten nistet und zur DämmerungDie Straße zwischen dunklen Wipfeln rolltUnd schattenlose Wege in der LuftDahinrolln wie ein ferner goldner Donner.
Ich habe mich bedacht, daß schönste TageNur jene heißen dürfen, da wir redendDie Landschaft uns vor Augen in ein ReichDer Seele wandelten; da hügelanDem Schatten zu wir stiegen in den Hain,Der uns umfing wie schon einmal Erlebtes,Da wir auf abgetrennten Wiesen stillDen Traum vom Leben niegeahnter Wesen,Ja ihres Gehns und Trinkens Spuren fandenUnd überm Teich ein gleitendes Gespräch,Noch tiefere Wölbung spiegelnd als der Himmel:Ich habe mich bedacht auf solche Tage,Und daß nächst diesen drei: gesund zu sein,Am eignen Leib und Leben sich zu freuen,Und an Gedanken, Flügeln junger Adler,Nur eines frommt: gesellig sein mit Freunden.So will ich, daß du kommst und mit mir trinkstAus jenen Krügen, die mein Erbe sind,Geschmückt mit Laubwerk und beschwingten Kindern,Und mit mir sitzest in dem Gartenturm:Zwei Jünglinge bewachen seine Tür,In deren Köpfen mit gedämpftem BlickHalbabgewandt ein ungeheueresGeschick dich steinern anschaut, daß du schweigstUnd meine Landschaft hingebreitet siehst:Daß dann vielleicht ein Vers von dir sie mirVeredelt künftig in der EinsamkeitUnd da und dort Erinnerung an dichEin Schatten nistet und zur DämmerungDie Straße zwischen dunklen Wipfeln rolltUnd schattenlose Wege in der LuftDahinrolln wie ein ferner goldner Donner.
TERZINENÜBER VERGÄNGLICHKEIT
Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:Wie kann das sein, daß diese nahen TageFort sind, für immer fort, und ganz vergangen?Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:Daß alles gleitet und vorüberrinntUnd daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,Herüberglitt aus einem kleinen KindMir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.Dann: daß ich auch vor hundert Jahren warUnd meine Ahnen, die im Totenhemd,Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:Wie kann das sein, daß diese nahen TageFort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:Daß alles gleitet und vorüberrinnt
Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,Herüberglitt aus einem kleinen KindMir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
Dann: daß ich auch vor hundert Jahren warUnd meine Ahnen, die im Totenhemd,Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,
So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
Die Stunden! wo wir auf das helle BlauenDes Meeres starren und den Tod verstehn,So leicht und feierlich und ohne Grauen,Wie kleine Mädchen, die sehr blaß aussehn,Mit großen Augen, und die immer frieren,An einem Abend stumm vor sich hinsehnUnd wissen, daß das Leben jetzt aus ihrenSchlaftrunknen Gliedern still hinüberfließtIn Bäum' und Gras, und sich matt lächelnd zierenWie eine Heilige, die ihr Blut vergießt.
Die Stunden! wo wir auf das helle BlauenDes Meeres starren und den Tod verstehn,So leicht und feierlich und ohne Grauen,
Wie kleine Mädchen, die sehr blaß aussehn,Mit großen Augen, und die immer frieren,An einem Abend stumm vor sich hinsehn
Und wissen, daß das Leben jetzt aus ihrenSchlaftrunknen Gliedern still hinüberfließtIn Bäum' und Gras, und sich matt lächelnd zieren
Wie eine Heilige, die ihr Blut vergießt.
Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,Und Träume schlagen so die Augen aufWie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,Aus deren Krone den blaßgoldnen LaufDer Vollmond anhebt durch die große Nacht.… Nicht anders tauchen unsre Träume auf,Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,Nicht minder groß im Auf- und NiederschwebenAls Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.Das Innerste ist offen ihrem Weben,Wie Geisterhände in versperrtem RaumSind sie in uns und haben immer Leben.Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.
Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,Und Träume schlagen so die Augen aufWie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,
Aus deren Krone den blaßgoldnen LaufDer Vollmond anhebt durch die große Nacht.… Nicht anders tauchen unsre Träume auf,
Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,Nicht minder groß im Auf- und NiederschwebenAls Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.
Das Innerste ist offen ihrem Weben,Wie Geisterhände in versperrtem RaumSind sie in uns und haben immer Leben.
Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.
Zuweilen kommen niegeliebte FrauenIm Traum als kleine Mädchen uns entgegenUnd sind unsäglich rührend anzuschauen,Als wären sie mit uns auf fernen WegenEinmal an einem Abend lang gegangen,Indes die Wipfel atmend sich bewegenUnd Duft herunterfällt und Nacht und Bangen,Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln,Im Abendschein die stummen Weiher prangenUnd, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln,Und allen leisen Worten, allem SchwebenDer Abendluft und erstem SternefunkelnDie Seelen schwesterlich und tief erbebenUnd traurig sind und voll TriumphgeprängeVor tiefer Ahnung, die das große LebenBegreift und seine Herrlichkeit und Strenge.
Zuweilen kommen niegeliebte FrauenIm Traum als kleine Mädchen uns entgegenUnd sind unsäglich rührend anzuschauen,
Als wären sie mit uns auf fernen WegenEinmal an einem Abend lang gegangen,Indes die Wipfel atmend sich bewegen
Und Duft herunterfällt und Nacht und Bangen,Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln,Im Abendschein die stummen Weiher prangen
Und, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln,Und allen leisen Worten, allem SchwebenDer Abendluft und erstem Sternefunkeln
Die Seelen schwesterlich und tief erbebenUnd traurig sind und voll TriumphgeprängeVor tiefer Ahnung, die das große Leben
Begreift und seine Herrlichkeit und Strenge.
MANCHE FREILICH …
Manche freilich müssen drunten sterben,Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,Andre wohnen bei dem Steuer droben,Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.Manche liegen immer mit schweren GliedernBei den Wurzeln des verworrenen Lebens,Andern sind die Stühle gerichtetBei den Sibyllen, den Königinnen,Und da sitzen sie wie zu Hause,Leichten Hauptes und leichter Hände.Doch ein Schatten fällt von jenen LebenIn die anderen Leben hinüber,Und die leichten sind an die schwerenWie an Luft und Erde gebunden:Ganz vergessener Völker MüdigkeitenKann ich nicht abtun von meinen Lidern,Noch weghalten von der erschrockenen SeeleStummes Niederfallen ferner Sterne.Viele Geschicke weben neben dem meinen.Durcheinander spielt sie alle das Dasein.Und mein Teil ist mehr als dieses LebensSchlanke Flamme oder schmale Leier.
Manche freilich müssen drunten sterben,Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,Andre wohnen bei dem Steuer droben,Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.
Manche liegen immer mit schweren GliedernBei den Wurzeln des verworrenen Lebens,Andern sind die Stühle gerichtetBei den Sibyllen, den Königinnen,Und da sitzen sie wie zu Hause,Leichten Hauptes und leichter Hände.
Doch ein Schatten fällt von jenen LebenIn die anderen Leben hinüber,Und die leichten sind an die schwerenWie an Luft und Erde gebunden:
Ganz vergessener Völker MüdigkeitenKann ich nicht abtun von meinen Lidern,Noch weghalten von der erschrockenen SeeleStummes Niederfallen ferner Sterne.
Viele Geschicke weben neben dem meinen.Durcheinander spielt sie alle das Dasein.Und mein Teil ist mehr als dieses LebensSchlanke Flamme oder schmale Leier.
EIN TRAUM VON GROSSER MAGIE
Viel königlicher als ein PerlenbandUnd kühn wie junges Meer im Morgenduft,So war ein großer Traum – wie ich ihn fand.Durch offene Glastüren ging die Luft.Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde,Und durch vier offne Türen ging die Luft –Und früher liefen schon geschirrte PferdeHindurch und Hunde eine ganze ScharAn meinem Bett vorbei. Doch die GebärdeDes Magiers – des Ersten, Großen – warAuf einmal zwischen mir und einer Wand:Sein stolzes Nicken, königliches Haar.Und hinter ihm nicht Mauer: es entstandEin weiter Prunk von Abgrund, dunklem MeerUnd grünen Matten hinter seiner Hand.Er bückte sich und zog das Tiefe her.Er bückte sich, und seine Finger gingenIm Boden so, als ob es Wasser wär.Vom dünnen Quellenwasser aber fingenSich riesige Opale in den HändenUnd fielen tönend wieder ab in Ringen.Dann warf er sich mit leichtem Schwung der Lenden –Wie nur aus Stolz – der nächsten Klippe zu;An ihm sah ich die Macht der Schwere enden.In seinen Augen aber war die RuhVon schlafend- doch lebendgen Edelsteinen.Er setzte sich und sprach ein solches DuZu Tagen, die uns ganz vergangen scheinen,Daß sie herkamen trauervoll und groß:Das freute ihn zu lachen und zu weinen.Er fühlte traumhaft aller Menschen Los,So wie er seine eignen Glieder fühlte.Ihm war nichts nah und fern, nichts klein und groß.Und wie tief unten sich die Erde kühlte,Das Dunkel aus den Tiefen aufwärts drang,Die Nacht das Laue aus den Wipfeln wühlte,Genoß er allen Lebens großen GangSo sehr – daß er in großer TrunkenheitSo wie ein Löwe über Klippen sprang.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Cherub und hoher Herr ist unser Geist –Wohnt nicht in uns, und in die obern SterneSetzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist:Doch Er ist Feuer uns im tiefsten Kerne– So ahnte mir, da ich den Traum da fand –Und redet mit den Feuern jener FerneUnd lebt in mir wie ich in meiner Hand.
Viel königlicher als ein PerlenbandUnd kühn wie junges Meer im Morgenduft,So war ein großer Traum – wie ich ihn fand.
Durch offene Glastüren ging die Luft.Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde,Und durch vier offne Türen ging die Luft –
Und früher liefen schon geschirrte PferdeHindurch und Hunde eine ganze ScharAn meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde
Des Magiers – des Ersten, Großen – warAuf einmal zwischen mir und einer Wand:Sein stolzes Nicken, königliches Haar.
Und hinter ihm nicht Mauer: es entstandEin weiter Prunk von Abgrund, dunklem MeerUnd grünen Matten hinter seiner Hand.
Er bückte sich und zog das Tiefe her.Er bückte sich, und seine Finger gingenIm Boden so, als ob es Wasser wär.
Vom dünnen Quellenwasser aber fingenSich riesige Opale in den HändenUnd fielen tönend wieder ab in Ringen.
Dann warf er sich mit leichtem Schwung der Lenden –Wie nur aus Stolz – der nächsten Klippe zu;An ihm sah ich die Macht der Schwere enden.
In seinen Augen aber war die RuhVon schlafend- doch lebendgen Edelsteinen.Er setzte sich und sprach ein solches Du
Zu Tagen, die uns ganz vergangen scheinen,Daß sie herkamen trauervoll und groß:Das freute ihn zu lachen und zu weinen.
Er fühlte traumhaft aller Menschen Los,So wie er seine eignen Glieder fühlte.Ihm war nichts nah und fern, nichts klein und groß.
Und wie tief unten sich die Erde kühlte,Das Dunkel aus den Tiefen aufwärts drang,Die Nacht das Laue aus den Wipfeln wühlte,
Genoß er allen Lebens großen GangSo sehr – daß er in großer TrunkenheitSo wie ein Löwe über Klippen sprang.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Cherub und hoher Herr ist unser Geist –Wohnt nicht in uns, und in die obern SterneSetzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist:
Doch Er ist Feuer uns im tiefsten Kerne– So ahnte mir, da ich den Traum da fand –Und redet mit den Feuern jener Ferne
Und lebt in mir wie ich in meiner Hand.
IM GRÜNEN ZU SINGEN
Hörtest du denn nicht hinein,Daß Musik das Haus umschlich?Nacht war schwer und ohne Schein,Doch der sanft auf hartem SteinLag und spielte, das war ich.Was ich konnte, sprach ich aus:›Liebste du, mein Alles du!‹Östlich brach ein Licht heraus,Schwerer Tag trieb mich nach Haus,Und mein Mund ist wieder zu.
Hörtest du denn nicht hinein,Daß Musik das Haus umschlich?Nacht war schwer und ohne Schein,Doch der sanft auf hartem SteinLag und spielte, das war ich.
Was ich konnte, sprach ich aus:›Liebste du, mein Alles du!‹Östlich brach ein Licht heraus,Schwerer Tag trieb mich nach Haus,Und mein Mund ist wieder zu.
War der Himmel trüb und schwer,Waren einsam wir so sehr,Voneinander abgeschnitten!Aber das ist nun nicht mehr:Lüfte fließen hin und her;Und die ganze Welt inmittenGlänzt, als ob sie gläsern wär.Sterne kamen aufgegangen,Flimmern mein- und deinen Wangen,Und sie wissens auch:Stark und stärker wird ihr Prangen;Und wir atmen mit Verlangen,Liegen selig wie gefangen,Spüren eins des andern Hauch.
War der Himmel trüb und schwer,Waren einsam wir so sehr,Voneinander abgeschnitten!Aber das ist nun nicht mehr:Lüfte fließen hin und her;Und die ganze Welt inmittenGlänzt, als ob sie gläsern wär.
Sterne kamen aufgegangen,Flimmern mein- und deinen Wangen,Und sie wissens auch:Stark und stärker wird ihr Prangen;Und wir atmen mit Verlangen,Liegen selig wie gefangen,Spüren eins des andern Hauch.
III
Die Liebste sprach: ›Ich halt dich nicht,Du hast mir nichts geschworn.Die Menschen soll man halten nicht,Sind nicht zur Treu geborn.Zieh deine Straßen hin, mein Freund,Beschau dir Land um Land,In vielen Betten ruh dich aus,Viel Frauen nimm bei der Hand.Wo dir der Wein zu sauer ist,Da trink du Malvasier,Und wenn mein Mund dir süßer ist,So komm nur wieder zu mir!‹
Die Liebste sprach: ›Ich halt dich nicht,Du hast mir nichts geschworn.Die Menschen soll man halten nicht,Sind nicht zur Treu geborn.
Zieh deine Straßen hin, mein Freund,Beschau dir Land um Land,In vielen Betten ruh dich aus,Viel Frauen nimm bei der Hand.
Wo dir der Wein zu sauer ist,Da trink du Malvasier,Und wenn mein Mund dir süßer ist,So komm nur wieder zu mir!‹
LIEDCHEN DES HARLEKIN
Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen,Alle Lust und alle Qual,Alles kann ein Herz ertragenEinmal um das andere Mal.Aber weder Lust noch Schmerzen,Abgestorben auch der Pein,Das ist tödlich deinem Herzen,Und so darfst du mir nicht sein!Mußt dich aus dem Dunkel heben,Wär es auch um neue Qual,Leben mußt du, liebes Leben,Leben noch dies eine Mal!
Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen,Alle Lust und alle Qual,Alles kann ein Herz ertragenEinmal um das andere Mal.
Aber weder Lust noch Schmerzen,Abgestorben auch der Pein,Das ist tödlich deinem Herzen,Und so darfst du mir nicht sein!
Mußt dich aus dem Dunkel heben,Wär es auch um neue Qual,Leben mußt du, liebes Leben,Leben noch dies eine Mal!
ZERBINETTA
Noch glaub ich dem einen ganz mich gehörend,Noch mein' ich mir selber so sicher zu sein,Da mischt sich im Herzen leise betörendSchon einer nie gekosteten Freiheit,Schon einer neuen verstohlenen LiebeSchweifendes freches Gefühle sich ein!Noch bin ich wahr, und doch ist es gelogen,Ich halte mich treu und bin schon schlecht.Mit falschen Gewichten wird alles gewogen –Und halb mich wissend und halb im TaumelBetrüg ich ihn endlich und lieb ihn noch recht!Ja, halb mich wissend und halb im TaumelBetrüge ich endlich und liebe noch recht!So war es mit PagliazzoUnd mit Mezzetin!Dann war es Cavicchio,Dann Buratin,Dann Pasquariello!Ach, und zuweilen,Will es mir scheinen,Waren es zwei!Doch niemals Launen,Immer ein Müssen!Immer ein neuesBeklommenes Staunen.Daß ein Herz so gar sich selber,Gar sich selber nicht versteht!Als ein Gott kam jeder gegangen,Und sein Schritt schon machte mich stumm,Küßte er mir Stirn und Wangen,War ich von dem Gott gefangenUnd gewandelt um und um!
Noch glaub ich dem einen ganz mich gehörend,Noch mein' ich mir selber so sicher zu sein,Da mischt sich im Herzen leise betörendSchon einer nie gekosteten Freiheit,Schon einer neuen verstohlenen LiebeSchweifendes freches Gefühle sich ein!Noch bin ich wahr, und doch ist es gelogen,Ich halte mich treu und bin schon schlecht.Mit falschen Gewichten wird alles gewogen –Und halb mich wissend und halb im TaumelBetrüg ich ihn endlich und lieb ihn noch recht!Ja, halb mich wissend und halb im TaumelBetrüge ich endlich und liebe noch recht!So war es mit PagliazzoUnd mit Mezzetin!Dann war es Cavicchio,Dann Buratin,Dann Pasquariello!Ach, und zuweilen,Will es mir scheinen,Waren es zwei!Doch niemals Launen,Immer ein Müssen!Immer ein neuesBeklommenes Staunen.Daß ein Herz so gar sich selber,Gar sich selber nicht versteht!Als ein Gott kam jeder gegangen,Und sein Schritt schon machte mich stumm,Küßte er mir Stirn und Wangen,War ich von dem Gott gefangenUnd gewandelt um und um!
GESANG DER UNGEBORENEN
Vater, dir drohet nichts,Siehe, es schwindet schon,Mutter, das Ängstliche,Das dich beirrte!Wäre denn je ein Fest,Wären nicht insgeheimWir die Geladenen,Wir auch die Wirte?
Vater, dir drohet nichts,Siehe, es schwindet schon,Mutter, das Ängstliche,Das dich beirrte!Wäre denn je ein Fest,Wären nicht insgeheimWir die Geladenen,Wir auch die Wirte?
LIED DER WELT
Flieg hin, Zeit, du bist meine Magd,Schmück mich, wenn es nächtet, schmück mich, wenn es tagt,Flicht mir mein Haar, spiel mir um den Schuh,Ich bin die Frau, die Magd bist du.Heia!Doch einmal trittst du zornig herein,Die Sterne schießen schiefen Schein,Der Wind durchfährt den hohen Saal,Die Sonn geht aus, das Licht wird fahl,Der Boden gibt einen toten Schein,Da wirst du meine Herrin sein!O weh!Und ich deine Magd, schwach und verzagt,Gott sei's geklagt!Flieg hin, Zeit! Die Zeit ist noch weit!Heia!
Flieg hin, Zeit, du bist meine Magd,Schmück mich, wenn es nächtet, schmück mich, wenn es tagt,Flicht mir mein Haar, spiel mir um den Schuh,Ich bin die Frau, die Magd bist du.Heia!Doch einmal trittst du zornig herein,Die Sterne schießen schiefen Schein,Der Wind durchfährt den hohen Saal,Die Sonn geht aus, das Licht wird fahl,Der Boden gibt einen toten Schein,Da wirst du meine Herrin sein!O weh!Und ich deine Magd, schwach und verzagt,Gott sei's geklagt!Flieg hin, Zeit! Die Zeit ist noch weit!Heia!
GESTALTEN
EIN KNABE
Lang kannte er die Muscheln nicht für schön:Er war zu sehr aus einer Welt mit ihnen;Der Duft der Hyazinthen war ihm nichtsUnd nichts das Spiegelbild der eigenen Mienen.Doch alle seine Tage waren soGeöffnet wie ein leierförmig Tal,Darin er Herr zugleich und Knecht zugleichDes weißen Lebens war und ohne Wahl.Wie einer, der noch tut, was ihm nicht ziemt,Doch nicht für lange, ging er auf den Wegen:Der Heimkehr und unendlichem GesprächHob seine Seele ruhig sich entgegen.
Lang kannte er die Muscheln nicht für schön:Er war zu sehr aus einer Welt mit ihnen;Der Duft der Hyazinthen war ihm nichtsUnd nichts das Spiegelbild der eigenen Mienen.
Doch alle seine Tage waren soGeöffnet wie ein leierförmig Tal,Darin er Herr zugleich und Knecht zugleichDes weißen Lebens war und ohne Wahl.
Wie einer, der noch tut, was ihm nicht ziemt,Doch nicht für lange, ging er auf den Wegen:Der Heimkehr und unendlichem GesprächHob seine Seele ruhig sich entgegen.
Eh er gebändigt war für sein Geschick,Trank er viel Flut, die bitter war und schwer.Dann richtete er sonderbar sich aufUnd stand am Ufer seltsam leicht und leer.Zu seinen Füßen rollten Muscheln hin,Und Hyazinthen hatte er im Haar,Und ihre Schönheit wußte er, und auch,Daß dies der Trost des schönen Lebens war.Doch mit unsicherm Lächeln ließ er sieBald wieder fallen, denn ein großer BlickAuf diese schönen Kerker zeigte ihmDas eigne unbegreifliche Geschick.
Eh er gebändigt war für sein Geschick,Trank er viel Flut, die bitter war und schwer.Dann richtete er sonderbar sich aufUnd stand am Ufer seltsam leicht und leer.
Zu seinen Füßen rollten Muscheln hin,Und Hyazinthen hatte er im Haar,Und ihre Schönheit wußte er, und auch,Daß dies der Trost des schönen Lebens war.
Doch mit unsicherm Lächeln ließ er sieBald wieder fallen, denn ein großer BlickAuf diese schönen Kerker zeigte ihmDas eigne unbegreifliche Geschick.
DER JÜNGLING IN DER LANDSCHAFT
Die Gärtner legten ihre Beete frei,Und viele Bettler waren überallMit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken –Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.Die nackten Bäume ließen alles frei:Man sah den Fluß hinab und sah den Markt,Und viele Kinder spielten längs den Teichen.Durch diese Landschaft ging er langsam hinUnd fühlte ihre Macht und wußte – daßAuf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.Auf jene fremden Kinder ging er zuUnd war bereit, an unbekannter SchwelleEin neues Leben dienend hinzubringen.Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,Die frühern Wege und ErinnerungVerschlungner Finger und getauschter SeelenFür mehr als nichtigen Besitz zu achten.Der Duft der Blumen redete ihm nurVon fremder Schönheit – und die neue LuftNahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
Die Gärtner legten ihre Beete frei,Und viele Bettler waren überallMit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken –Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.
Die nackten Bäume ließen alles frei:Man sah den Fluß hinab und sah den Markt,Und viele Kinder spielten längs den Teichen.Durch diese Landschaft ging er langsam hinUnd fühlte ihre Macht und wußte – daßAuf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.
Auf jene fremden Kinder ging er zuUnd war bereit, an unbekannter SchwelleEin neues Leben dienend hinzubringen.Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,Die frühern Wege und ErinnerungVerschlungner Finger und getauschter SeelenFür mehr als nichtigen Besitz zu achten.
Der Duft der Blumen redete ihm nurVon fremder Schönheit – und die neue LuftNahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
DER SCHIFFSKOCH, EIN GEFANGENER, SINGT:
Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit vielen Wochen;Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen.Schöne purpurflossige Fische,Die sie mir lebendig brachten,Schauen aus gebrochenen Augen,Sanfte Tiere muß ich schlachten.Stille Tiere muß ich schlachten,Schöne Früchte muß ich schälenUnd für sie, die mich verachten,Feurige Gewürze wählen.Und wie ich gebeugt beim Licht inSüß- und scharfen Düften wühle,Steigen auf ins Herz der FreiheitUngeheuere Gefühle!Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit wieviel Wochen!Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen!
Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit vielen Wochen;Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen.
Schöne purpurflossige Fische,Die sie mir lebendig brachten,Schauen aus gebrochenen Augen,Sanfte Tiere muß ich schlachten.
Stille Tiere muß ich schlachten,Schöne Früchte muß ich schälenUnd für sie, die mich verachten,Feurige Gewürze wählen.
Und wie ich gebeugt beim Licht inSüß- und scharfen Düften wühle,Steigen auf ins Herz der FreiheitUngeheuere Gefühle!
Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit wieviel Wochen!Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen!
DES ALTEN MANNES SEHNSUCHT NACH DEM SOMMER
Wenn endlich Juli würde anstatt März,Nichts hielte mich, ich nähme einen Rand,Zu Pferd, zu Wagen oder mit der BahnKäm ich hinaus ins schöne Hügelland.Da stünden Gruppen großer Bäume nah,Platanen, Rüster, Ahorn oder Eiche:Wie lang ists, daß ich keine solchen sah!Da stiege ich vom Pferde oder riefeDem Kutscher: Halt! und ginge ohne ZielNach vorwärts in des Sommerlandes Tiefe.Und unter solchen Bäumen ruht ich aus;In deren Wipfel wäre Tag und NachtZugleich, und nicht so wie in diesem Haus,Wo Tage manchmal öd sind wie die NachtUnd Nächte fahl und lauernd wie der Tag.Dort wäre Alles Leben, Glanz und Pracht.Und aus dem Schatten in des AbendlichtsBeglückung tret ich, und ein Hauch weht hin,Doch nirgend flüsterts: ›Alles dies ist nichts.‹Das Tal wird dunkel, und wo Häuser sind,Sind Lichter, und das Dunkel weht mich an,Doch nicht vom Sterben spricht der nächtige Wind.Ich gehe übern Friedhof hin und seheNur Blumen sich im letzten Scheine wiegen,Von gar nichts anderm fühl ich eine Nähe.Und zwischen Haselsträuchern, die schon düstern,Fließt Wasser hin, und wie ein Kind, so lausch ichUnd höre kein ›Dies ist vergeblich‹ flüstern!Da ziehe ich mich hurtig aus und springeHinein, und wie ich dann den Kopf erhebe,Ist Mond, indes ich mit dem Bächlein ringe.Halb heb ich mich aus der eiskalten Welle,Und einen glatten Kieselstein ins LandWeit schleudernd steh ich in der Mondeshelle.Und auf das mondbeglänzte SommerlandFällt weit ein Schatten: dieser, der so traurigHier nickt, hier hinterm Kissen an der Wand?So trüb und traurig, der halb aufrecht kauertVor Tag und böse in das Frühlicht starrtUnd weiß, daß auf uns beide etwas lauert?Er, den der böse Wind in diesem MärzSo quält, daß er die Nächte nie sich legt,Gekrampft die schwarzen Hände auf sein Herz?Ach, wo ist Juli und das Sommerland!
Wenn endlich Juli würde anstatt März,
Nichts hielte mich, ich nähme einen Rand,Zu Pferd, zu Wagen oder mit der BahnKäm ich hinaus ins schöne Hügelland.
Da stünden Gruppen großer Bäume nah,Platanen, Rüster, Ahorn oder Eiche:Wie lang ists, daß ich keine solchen sah!
Da stiege ich vom Pferde oder riefeDem Kutscher: Halt! und ginge ohne ZielNach vorwärts in des Sommerlandes Tiefe.
Und unter solchen Bäumen ruht ich aus;In deren Wipfel wäre Tag und NachtZugleich, und nicht so wie in diesem Haus,
Wo Tage manchmal öd sind wie die NachtUnd Nächte fahl und lauernd wie der Tag.Dort wäre Alles Leben, Glanz und Pracht.
Und aus dem Schatten in des AbendlichtsBeglückung tret ich, und ein Hauch weht hin,Doch nirgend flüsterts: ›Alles dies ist nichts.‹
Das Tal wird dunkel, und wo Häuser sind,Sind Lichter, und das Dunkel weht mich an,Doch nicht vom Sterben spricht der nächtige Wind.
Ich gehe übern Friedhof hin und seheNur Blumen sich im letzten Scheine wiegen,Von gar nichts anderm fühl ich eine Nähe.
Und zwischen Haselsträuchern, die schon düstern,Fließt Wasser hin, und wie ein Kind, so lausch ichUnd höre kein ›Dies ist vergeblich‹ flüstern!
Da ziehe ich mich hurtig aus und springeHinein, und wie ich dann den Kopf erhebe,Ist Mond, indes ich mit dem Bächlein ringe.
Halb heb ich mich aus der eiskalten Welle,Und einen glatten Kieselstein ins LandWeit schleudernd steh ich in der Mondeshelle.
Und auf das mondbeglänzte SommerlandFällt weit ein Schatten: dieser, der so traurigHier nickt, hier hinterm Kissen an der Wand?
So trüb und traurig, der halb aufrecht kauertVor Tag und böse in das Frühlicht starrtUnd weiß, daß auf uns beide etwas lauert?
Er, den der böse Wind in diesem MärzSo quält, daß er die Nächte nie sich legt,Gekrampft die schwarzen Hände auf sein Herz?
Ach, wo ist Juli und das Sommerland!
VERSE AUF EIN KLEINES KIND
Dir wachsen die rosigen Füße,Die Sonnenländer zu suchen:Die Sonnenländer sind offen!An schweigenden Wipfeln blieb dortDie Luft der Jahrtausende hangen,Die unerschöpflichen MeereSind immer noch, immer noch da.Am Rande des ewigen WaldesWillst du aus der hölzernen SchaleDie Milch mit der Unke dann teilen?Das wird eine fröhliche Mahlzeit,Fast fallen die Sterne hinein!Am Rande des ewigen MeeresSchnell findest du einen Gespielen:Den freundlichen guten Delphin.Er springt dir ans Trockne entgegen,Und bleibt er auch manchmal aus,So stillen die ewigen WindeDir bald die aufquellenden Tränen.Es sind in den SonnenländernDie alten, erhabenen ZeitenFür immer noch, immer noch da!Die Sonne mit heimlicher Kraft,Sie formt dir die rosigen Füße,Ihr ewiges Land zu betreten.
Dir wachsen die rosigen Füße,Die Sonnenländer zu suchen:Die Sonnenländer sind offen!An schweigenden Wipfeln blieb dortDie Luft der Jahrtausende hangen,Die unerschöpflichen MeereSind immer noch, immer noch da.Am Rande des ewigen WaldesWillst du aus der hölzernen SchaleDie Milch mit der Unke dann teilen?Das wird eine fröhliche Mahlzeit,Fast fallen die Sterne hinein!Am Rande des ewigen MeeresSchnell findest du einen Gespielen:Den freundlichen guten Delphin.Er springt dir ans Trockne entgegen,Und bleibt er auch manchmal aus,So stillen die ewigen WindeDir bald die aufquellenden Tränen.Es sind in den SonnenländernDie alten, erhabenen ZeitenFür immer noch, immer noch da!Die Sonne mit heimlicher Kraft,Sie formt dir die rosigen Füße,Ihr ewiges Land zu betreten.
DER KAISER VON CHINA SPRICHT: