Alfric Bata.Als nachfolger Alfric’s istAlfric Bataoder Putta, erzbischof von York, zu nennen. Er ist der verfasser von zwei hirtenbriefen, welche zuerst in lateinischer sprache geschrieben waren, aber auf den wunsch Wulfstan’s, welcher bis 1023 erzbischof von York war, in das Angelsächsische übersetzt wurden, damit ihr nutzen ein allgemeiner würde. Ein zuerst von Alfric Grammaticus verfasstes colloquium, so wie wahrscheinlich auch dessen grammatik und glossarium, wurde von Alfric Bata von neuem herausgegeben. Der tod Alfric’s erfolgte im jahre 1051.101
Cynewulf.Wright (Biog. Brit. liter. A. S. Period. Seite 501 ff.) erwähnt einen angelsächsischen dichterCynewulf, von welchem aus der vercellihandschrift und aus der exeterhandschrift drei religiöse gedichte, welche diesen namen in runen eingefügt enthalten, beigegeben sind. Ob dieser Cynewulf aber derselbe sei, den lateinische schriftsteller Kenulfus nennen, und welcher abt von Peterborough um das jahr 992 war und später im jahre 1006 bischof von Winchester wurde, ist unsicher und zweifelhaft. Der tod des letzteren erfolgte im jahre 1008.
Wulfstan.Endlich verdient nochWulfstan, erzbischof von York und bischof von Worcester von 1003 bis 1023, in welchem jahre er starb, erwähnt zu werden. Er war der freund beider Alfric’s, von denen der jüngere für ihn die beiden hirtenbriefe in das Angelsächsische übersetzte. Wulfstan selbst schrieb einen hirtenbrief an das volk seiner kirchenprovinz, welcher erhalten und auf uns gekommen ist. Ausserdem schrieb er eine anzahl angelsächsischer predigten, welche unter dem namen des Lupus Episcopus bekannt sind. Die merkwürdigste dieser homilien ist im jahre 1012, vier jahre vor dem tode Athelred’s verfasst und trägt im manuscript die überschrift: Sermo Lupi ad Anglos, quando Dani maxime persecuti sunt eos.103
Predigten machen einen hauptbestandtheil der angelsächsischen literatur aus, wovon die grosse anzahl handschriften mit homilien, welche Wanley in seinem cataloge verzeichnet hat, den besten beweis liefert. Gedruckt ist das wenigste davon.
Apollonius von Tyrus.Die übersetzung der geschichte des Apollonius von Tyrus104von einem unbekannten Verfasser ist das einzige angelsächsische werk der romantischen prosa, welches sich im ganzen mittelalter beliebt erhielt und zuletzt in dem Shakespeare zugeschriebenen Play of Pericles eine dramatische verwandlung erfuhr.
Astronomie.Einen schatz wissenschaftlicher werke besitzt die angelsächsische literatur nicht, da die lateinische sprache die wissenschaft im engeren sinne beherrschte. Indessen verdienen doch zwei bücher, ein populär-astronomisches und ein medicinisches, beide in angelsächsischer spräche vorhanden, erwähnt zu werden. Beide mögen aus dem zehnten jahrhundert herrühren. Das erstere ist in mehreren exemplaren auf uns gekommen, woraus auf dessen verbreitung geschlossen werden kann.105Es beschreibt und erklärt die himmelserscheinungen in einfacher sprache, von welcher folgendes eine probe ist:
Medicin.Das oben erwähnte medicinische buch findet sich in der königlichen bibliothek des brittischen museums in einer prachtvollen handschrift, welche wahrscheinlich einmal das eigenthum eines angesehenen arztes war. Das werk handelt in zwei theilen von der behandlung äusserer und innerer übel und den mitteln zu ihrer heilung. Wunden, augenübel, schlangenbisse, vergiftungen müssen in jener zeit, aus welcher die handschrift herrührt, besonders häufig gewesen sein, da viele mittel dagegen angegeben werden. Die heilmittel wurden gewöhnlich aus dem pflanzenreiche entlehnt. Folgendes sind proben dieser recepte.
Die Sachsenchronik.Den schluss der angelsächsischen, und zugleich den übergang zu der nächstfolgenden sogenannten halbsächsischen (Semi-Saxon), oder normännischen periode der englischenliteratur bildet dieSachsen-chronik.107Die gewöhnliche annahme ist, dass der aufang von diesem, nächst Beda’s kirchengeschichte, wichtigsten quellenwerke der angelsächsischen geschichte zur zeit des königs Alfred gemacht worden sei, als der geschmack an historischen gegenständen durch Alfred’s eigene arbeiten geweckt und verbreitet wurde. Man will dieses auch aus dem umstande schliessen, dass die älteste handschrift, das „Benet Ms.,“ nicht nur bis zur geschichte des Jahres 891 von einer und derselben hand geschrieben ist, sondern auch bruchstücke aus Beda’s kirchengeschichte nach Alfred’s übersetzung enthält, wozu der umstand tritt, dass das werk bis über die mitte des neunten jahrhunderts hinaus unverkennbare spuren einer späteren abfassung zeigt. Erst mit Alfred’s regierung fangen die eigentlichen annalen an, welche bis zu 925, dem todesjahre Eduard’s, fortgesetzt sind. Mit diesem jahre werden die aufzeichnungen kürzer und abgebrochener, bis sie mit dem jahre 1001 in dürftige notizen übergehen, welche bis zum jahre 1070 fortgesetzt werden. Zum schluss der handschrift folgt eine lateinische lebensbeschreibung Lanfranc’s. Andere handschriften führen den abgebrochenen faden der geschichte weiter bis zum tode Stephan’s, welcher im jahre 1154 erfolgte. Gegen das ende des ganzen werkes, wie es uns in einer einzigen zusammenstellung der verschiedenen handschriften vorliegt, finden sich schon viele vernachlässigungen der grammatik, so wie auf den letzten seiten sogar französische Wörter. Peterborough, wo die letzten aufzeichnungen der in der angelsächsischen chronik zusammengestellten handschriften erfolgt sein mögen, bliebauch nach der eroberung England’s durch die Normannen ein sächsisches kloster, in welchem die sprache des unterliegenden volkes eine letzte zufluchtsstätte fand. An mehreren stellen athmet das werk den unwillen der besiegten über den übermuth der normannischen sieger.
Als Verfasser des ältesten theiles der sachsenchronik, welcher aus mündlichen überlieferungen und älteren chroniken, besonders aber beinahe wörtlich aus Beda’s kirchengeschichte und dessen Chronicon sive liber de sex ætatibus mundi geschöpft ist, wird nach blossen vermuthungen Plegmund angegeben, welcher ein freund Alfred’s war und gerade um jene zeit erzbischof von Canterbury (von 890 bis 923) wurde, wo die älteste handschrift des ältesten manuscriptes schliesst. Erzbischof Plegmund ist zwar bereits in alten zeiten als angelsächsischer schriftsteller aufgeführt worden, allein ohne dass man ihm bis jetzt irgend ein werk mit einiger sicherheit zuschreiben könnte. Die übrigen alten handschriften, welche zur zusammenstellung des gegenwärtig unter dem namen der angelsächsischen chronik bekannten buches gedient haben, enthalten, mehr oder minder durch interpolationen und aus früher nicht benützten quellen geschöpfte zusätze erweitert, dieselbe älteste, wahrscheinlich aus Alfred’s zeit stammende recension und verfolgen dann ihren eigenen weg, indem in ihnen selbstständige aufzeichnungen von begebenheiten niedergelegt sind. Eine sorgfältige kritische sichtung und würdigung der einzelnen haudschriften ist noch nicht erfolgt, da es den englischen herausgebern weniger darauf, als auf eine möglichst vollständige zusammenstellung des historischen stoffes angekommen ist.
Alter der angelsächsischen Sprache.Wie alt eigentlich die in den angelsächsischen handschriften erhaltene sprache nach ihrem inneren und äusseren wesen, nach ihrer bildung, rechtschreibung, mithin auch nach ihrer aussprache sei, lässt sich nicht mehr mit sicherheit bestimmen. Das gemeinsame loos beinahe aller schriftlichen werke des mittelalters war es, modernisirt und verändert zu werden, wenn sie von einer person abgeschrieben und vervielfältigt wurden, welche die sprache redete,in der sie abgefasst waren. Nur die unwissenheit des abschreibers sicherte vor absichtlichen änderungen; die unvermeidlichen und unfreiwilligen fehler eines solchen abschreibers108können von der kritik viel leichter erkannt und verbessert werden, als die eigenwilligen verbesserungen eines der sprache kundigen schreibers, welcher gewöhnlich nur fürdensinn, nicht für die worte und deren construction, noch viel weniger aber für die orthographie des autors sorge trug, und die sprache und schreibart eines manuscripts in die sprache und rechtschreibung seiner zeit und seines ortes verwandelte. Auf diese weise drängt sich die frage nach der sprache eines autors gewöhnlich in die frage nach der zeit und dem orte zusammen, wann und wo das manuscript entstanden sei, wie sich dieses mit bezug auf das Angelsächsische aus parallelstellen unzweifelhaft herausstellt (Bosworth’s A. S. Diction. vorrede LVII). Das älteste angelsächsische manuscript109wird von Wanley aus inneren gründen auf das jahr 737 zurückgeführt, wahrscheinlich aber ist es kurz vor Alfred’s zeit entstanden.Caedmon’s Sprache.Dasselbe enthält einige dem Caedmon als dessen erstlinge zugeschriebene verse, welche von Beda (IV, cap. 24) in das Lateinische übersetzt werden. Dieselben verse befinden sich in Alfred’s angelsächsischer übersetzung des Beda, jedoch in modernisirter sprache, wie sie der herausgeber Caedmon’sThorpe (Pref. Caedm. XXII) in einer zu Oxford aufbewahrten, dem zehnten jahrhundert angehörenden handschrift fand.
Hierzu finden sich noch nach Bosworth’s A. S. Dictionary p. LVII, wo beide stücke110mitgetheilt werden, folgende verschiedene lesarten: 1) dryctin. 2) foldum. 3) herigean. 4) geþanc. 5) fehlt. 6) drihten. 7) ord. 8) astealde. 9) gescop. 10) rofe. 11) drihtne. Ausserdem ist a) uerc entweder ein druckfehler, oder ein versehen des herausgebers für uere, was bei der ähnlichkeit der buchstaben c und e leichtgeschehen konnte. Wäre die lesart uerc, oder weorc wie Sharon Turner in seiner History of the A. S. (vol. III. Book IX. chap. 1) liest, die richtige, dann würde „herrlicherwerkevater“ zu übersetzen sein. Ebenso scheint anstatt b) elda die richtige lesart erda zu sein. Ein anderes beispiel noch weit bedeutender abweichungen ist Caedmon’s paraphrase des gesanges der drei männer im feurigen ofen, welche ausser im oxforder manuscript, auch noch in der exeterhandschrift (Codex Exoniensis, seite 185-197), in letzterer aber nicht bloss mit verschiedenen lesarten, sondern gegen das ende in wesentlichen erweiterungen und einer ganz anderen form erhalten ist. Vergleiche Bouterwek’s Caedmon, I. seite 143 ff., wo eine genaue vergleichung der beiden handschriftlichen redactionen dieses dem Caedmon beigelegten gesanges angestellt ist. Welches nun die wirkliche Sprache Caedmon’s, der um 680 starb, gewesen sei, lässt sich durch nichts bestimmen.
Dem zehnten jahrhundert verdanken wir die ältesten und besten der erhaltenen handsehriften in angelsächsischer sprache, weshalb der schluss wohl kein falscher sein dürfte, dass diejenige sprache, welche wir reines Angelsächsisch nennen, die sprache der gebildeten Westsachsen von dem jahre 900 bis 1000 war und sich vielleicht ein jahrhundert hindurch unverfälscht und wenig verändert erhalten hat.
Verschiedene Dialekte.Ausserdem muss bemerkt werden, dass die verschiedenen stämme der Sachsen und Angeln fortwährend ihre dialektverschiedenheit in sprache und schreibart bewahrten, welche so tief gewurzelt ist, dass sie sich bis auf den heutigen tag in den provinziellen sprachsonderungen des englischen volkes verfolgen lässt. Die sprache des von den Angeln besetzten nördlichen theiles von England pflegte man früher den sächsisch-dänischen dialekt zu nennen, zumal hier die Dänen die hauptsitze ihrer langjährigen eroberung hatten. Besser und richtiger ist es aber wohl, ihn den nordanglischen, oder geradezu den anglischen im gegensatze des angelsächsischen (der eigentlich nie existirt hat), westsächsischen, oder sächsischen dialektes zu nennen, zumal die sprache der Dänen und Nordangeln damals noch sehr wenigverschieden sein mochte. Die bewohner von Yorkshire, Northumberland und der schottischen Niederlande unterscheiden sich durch ihre härtere und rauhere sprache noch heut von den Südengländern.
Verlust von Handschriften.Während der beständigen einfälle der Dänen gingen viele angelsächsiche bücher verloren, indem im neunten und zehnten Jahrhundert mehrere klöster mit ihren bücherschätzen von ihnen verbrannt wurden. Nach der normännischen eroberung wurden die besiegten und damit auch ihre sprache und bücher von den siegern verachtet, so dass sie nur noch in denjenigen klöstern und geistlichen stiften, welche in den händen der Sachsen verblieben, gelesen, in den andern aber von staub und feuchtigkeit verzehrt wurden. Im anfange des dreizehnten jahrhunderts war die volkssprache durch das eindringen des französischen idioms bereits so verdorben, dass die angelsächsischen bücher selbst von den nachkommen der alten Sachsen nicht mehr leicht verstanden werden konnten. Von nun ab wurden die angelsächsischen manuscripte nicht bloss vernachlässigt, sondern oft als unnütz beseitigt, oder anderweitig um ihres materiales willen verbraucht. So finden sich in einem im jahre 1248 angefertigten cataloge der in der bibliothek zu Glastonbury aufbewahrten bücher folgende worte:
Item, duo Anglica, vetusta et inutilia.Item, Sermones Anglici, vetusti, inutiles.Passionale Sanctorum Anglice scriptum, vetustum, inutile.
Wenn die mönche pergament brauchten, so pflegten sie wohl jene alten und unnützen angelsächsischen handschriften zu nehmen, die für sie unleserlichen, oder unverständlichen worte abzukratzen und ein für sie wichtigeres, neues werk auf das pergament zu schreiben. Eines dieser palimpseste befindet sich in der bibliothek des Jesus-College zu Cambridge, auf welchem eine prächtige handschrift der homilien Alfric’s lateinischen dekretalen hat platz machen müssen. Hier und da, vorzüglich am rande, sind die ursprünglichen angelsächsischen worte noch zu erkennen. Zuweilen brauchten die mönche auch einbände für ihre mess- und chorbücher; dann nahmen sie einige blätter jener alten,unnützen pergamente und klebten sie zusammen. So fand Sir Thomas Phillipps stücke einer angelsächsischen handschrift in den deckeln eines in der kathedrale zu Worcester aufbewahrten buches.111Auf diese und ähnliche weise mögen viele angelsächsische handschriften vernichtet worden sein. Zuweilen sind nur dadurch werthvolle angelsächsische manuscripte erhalten worden, dass sie sich zufällig in demselben bande mit lateinischen werken befanden, welche der aufbewahrung würdig erachtet wurden. Vielleicht lasen auch noch einzelne mönche die angelsächsischen handschriften, soweit sie dieselben etwa mit Alfric’s grammatik und glossarium bemeistern konnten. Der letzte und grösste verlust angelsächsischer schriften erfolgte zur zeit der reformation, als bei der aufhebung der englischen klöster die handschriftlichen bibliotheken derselben nach allen richtungen zerstreut wurden. Die trümmer derselben sind noch in und an alten englischen büchereinbänden wahrzunehmen; denn obgleich die reformatoren gerade die kirchlichen schriften der Angelsachsen begierig aufsuchten, so sind doch viele andere angelsächsische manuscripte im sechszehnten Jahrhundert zu büchereinbänden benützt worden.
M. Parker. R. Cotton.Die beiden hauptsammler angelsächsischer handschriften im sechszehnten jahrhundert waren MatthewParker, erzbischof von Canterbury, und Sir RobertCotton. Durch seine hohe geistliche stellung wurde es dem erzbischofe Parker leicht, die in den klöstern und kirchen gefundenen alten handschriften seiner eigenen sammlung einzuverleiben. Eben so glücklich war Cotton bei der sammlung der in den klöstern an angelsächsischen handschriften gemachten beute, welche in die hände der antiquare oder einzelner privatpersonen übergegangen war. Matthew Parker’s bibliothek wird jetzt im Corpus Christi College zu Cambridge, die bibliothek Robert Cotton’s im brittischen museum zu London aufbewahrt. Ausserdem befindet sich eine anzahl handschriftlicher schätze in angelsächsischer sprache in der berühmtenBodleyana zu Oxford, in der Universitätsbibliothek zu Cambridge, in den büchersammlungen einiger Colleges zu Oxford und Cambridge und einigen privatbibliotheken England’s; auf dem festlande existiren einzelne angelsächsische handschriften in Brüssel, Paris und Vercelli.
Erst zur zeit der englischen reformation wurde die öffentliche aufmerksamkeit auf die im staube der bibliotheken ruhenden, oder von curiositätensammlern aufbewahrten angelsächsischen handschriften gelenkt, weil in ihnen waffen zur bekämpfung der römischen lehren gesucht und gefunden wurden, denn die alten angelsächsischen theologen predigten gegen dieselben als damals neu entstehende irrthümer. Auch hatten die Angelsachsen die heilige schrift theilweise in die landessprache übersetzt, was die reformatoren begierig benützten und nachahmten.
J. Foxe. W. L’Isle.Der berühmte JohnFoxedruckte im jahre 1571 die angelsächsischen evangelien mit einer englischen übersetzung, nachdem er bereits früher einige auszüge aus Alfric und dessen ganze homilie gegen die Transsubstantiation herausgegeben hatte. Im jahre 1623 druckte WilliamL’IsleAlfric’s angelsächsische abhandlung über das alte und neue testament und dessen „Sermon of the Paschall Lambe,“ welche schrift für so wichtig erachtet wurde, dass fünfzehn englische bischöfe und erzbischöfe deren ächtheit mit ihrer unterschrift beglaubigt hatten.112Darunter befand sich auch die des erzbischofs Parker, des grossen beschützers angelsächsischer literatur. In der vorrede zu der ersten dieser abhandlungen beklagt sich L’Isle bitter über die vernachlässigung, mit welcher die angelsächsischen schriften behandelt worden seien; „having,“ sagt er, „in our libraries so goodly monuments of reverend antiquitie, divine handwritings, in so faire and large character that a man running may read them: we do not make them known to the world, but let them lie still like a treasure hid to no use, and even till they be almost forgotten of ourselves.“
Hickes. Wheloc. Junius. Spelman. Wanley. Somner. Gibson.L’Isle’s bericht von dem umwege, auf welchem er seine kenntniss des Angelsächsischen erlangt hatte, zeigt uns deutlich, wie wenig bis zu seiner zeit geschehen war, um das Angelsächsische der vergessenheit zu entreissen. Er erzählt uns, dass er sich zuerst etwas mit dem Hoch- und Niederdeutschen bekannt machte. Dann las er zu seiner erholung alles Altenglische, dessen er habhaft werden konnte, und bemerkte, dass er dem Angelsächsischen um so näher kam, je älter das Englische war, aber er fand auch, dass das Angelsächsische je älter, desto grössere schwierigkeiten bot. Nach einiger zeit las er die übersetzung Virgil’s von Gawin Douglas und setzte sich so allmälig in den stand, die alten denkmäler der angelsächsischen sprache zu lesen und zu verstehen. Man sieht aus L’Isle’s geständnissen, mit welchen mühseligkeiten im anfange des siebzehnten jahrhunderts derjenige zu kämpfen hatte, welcher die verborgenen schätze der angelsächsischen literatur heben wollte. Doch war der anstoss einmal gegeben, und dasselbe jahrhundert wurde noch fruchtbar für die angelsächsische sprache.Hickes’s Thesaurus (3 vols. fol. Oxon. 1705) und Institutiones Gram. A. S. (4 Oxon. 1689) werden stets denkmäler des fleisses und der gelehrsamkeit ihres autors bleiben, so viele fehler diese werke auch enthalten;Whelocveranstaltete eine ausgabe von Alfred’s übersetzung des Beda (fol. Cantab. 1644) und der angelsächsischen gesetze (fol. Camb. 1644), welche 1568 zu London vonLambardzum ersten male veröffentlicht worden waren;Juniusgab den Caedmon zum ersten male heraus;Spelmanveröffentlichte die angelsächsischen kirchengesetze;Wanleybearbeitete einen catalog der damals bekannten angelsächsischen handschriften (catalogus librorum septentrionalium);Somnermachte den ersten versuch eines angelsächsischen wörterbuchs;Gibsonliess die angelsächsische chronik drucken.
Wilkins. Barrington. Manning. Rask. Grimm.Während des achtzehnten jahrhunderts kam das studium des Angelsächsischen etwas in verfall, obwohl MissElstobin den ersten jahren desselben die angelsächsische homilienliteratur pflegte und förderte, auch eine grammatik schrieb, undWilkinseine neue und vermehrte auflage (fol. Lond. 1721) der angelsächsischen gesetze veranstaltete, auch die alfred’schen schriften inBarringtonundManninggegen ende dieses jahrhunderts bearbeiter fanden. Im neunzehnten jahrhundert wurde die sprache der Angelsachsen auf dem wege der comparativen grammatik und der geschichtlichen sprachforschung von dem DänenRaskund dem deutschen sprachgelehrten JacobGrimmuntersucht und damit der grund zu weiterer wissenschaftlicher bearbeitung des Angelsächsischen gelegt, auf dem seit den letzten zwanzig jahren englische und deutsche gelehrte eifrig und erfolgreich weiter gebaut haben. Rask verglich in seiner grammatik das Angelsächsische mit dem Isländischen, welches freilich nicht gerade der am nächsten verwandte dialekt ist, weshalb manche irrthümer unvermeidlich waren.Englische und deutsche Bearbeiter.Trotzdem brach dieses buch dem Studium des Angelsächsischen in England eine neue bahn. Mehr noch als Rask’s grammatik bewirkte das lehrgebäude der germanischen sprachen von J. Grimm, welcher eine vergleichung sämmtlicher deutschen dialekte mit philologischer schärfe und philosophischem sinne durchführte. Erst diesem buche ist die verhältnissmässig grössere sicherheit und gründlichkeit des urtheiles über den organismus der angelsächsischen sprache zu verdanken, welche man bei den neuesten deutschen und englischen bearbeitern des angelsächsischen sprachschatzes vorfindet, wie selbst letztere mit anerkennungswerther offenheit eingestehen. Die auf Rask’s und Grimm’s arbeiten bauenden sprachforscher in England nennen sich daher mit recht die „new school“ angelsächsischer philologen. Die anwendung der comparativen grammatik ist bei der angelsächsischen spräche um so nothwendiger, als die aus verschiedenen zeiten herrührenden handschriften mit ihrer verschiedenen rechtschreibung113undbehandlung der sprache durchaus keinen sichern halt gewähren. Um nur einen fall anzuführen, sind die accente, welche offenbar die langen vokale bezeichnen sollen, in den handschriften theils weggelassen, theils bei einem und demselben worte verschieden gesetzt, so dass in dieser beziehung die handschriften oft irre leiten, während die vergleichung der verwandten sprachen gewöhnlich zu begründeten resultaten führt. Im übrigen muss bemerkt werden, dass die angelsächsischen philologen England’s, denen eine grosse anzahl handschriften zu gebote stehen, ihren hauptfleiss auf die förderung des sprachschatzes verwenden und in der neuesten zeit die in England aufbewahrten manuscripte mit grösserer genauigkeit als in früherer zeit benützen, während deutsche philologen das von den Engländern zu tage geförderte erz kritisch sichten und einzelnes zu reinem metall verarbeitet haben. Wenn indessen die englischen ausgaben angelsächsischer werke im besten falle das zu grunde gelegte manuscript getreulich wiedergeben, weshalb bei der sehr verschiedenen orthographie und grammatik der einzelnen handschriften beinahe jedes in England aufgelegte angelsächsische buch von den andern in diesen beiden principien jeder sprache abweicht, haben dagegen die Deutschen, auf Grimm’schen grundsätzen fussend, eine angelsächsische sprache in ihren ausgaben geschaffen, wie sie in keinem manuscripte zu finden ist.
Thorpe. Kemble. Ingram. Wright. Halliwell.Das wiederaufleben des studiums der angelsächsischen sprache machte zu derselben zeit auch den mangel gedruckter bücher fühlbar, da es nur wenigen vergönnt sein konnte, die reichen, aber in bibliotheken zerstreuten handschriften selbst einzusehen, noch viel weniger aber, sie zu benützen. Die Society of Antiquaries beschloss daher zu anfang des jahres 1831, um diesem mangel abzuhelfen, die veröffentlichung der überreste der angelsächsischen und ältesten englischen literatur, welche nur handschriftlich vorhanden,oder unvollständig herausgegeben, oder äusserst selten geworden waren. Bereits im folgenden jahre erschien eine vorzügliche ausgabe Caedmon’s mit einer wörtlichen englischen übersetzung von BenjaminThorpe, der sich schon durch seine übersetzung von Rask’s angelsächsischer grammatik vortheilhaft bekannt gemacht hatte. Von demselben sprachforscher erschien im jahre 1842 eine gute ausgabe der unter dem namen Codex Exoniensis bekannten exeterhandschrift mit einer übersetzung, nachdem er kurz vorher die angelsächsische evangelienübersetzung (Ða halgan godspel, on Englisc), nach den handschriften revidirt, herausgegeben hatte. Der lang vernachlässigte Beowulf wurde vonKemblebearbeitet und der zweiten auflage desselben ein zweiter band mit einem guten glossarium, einer wörtlichen übersetzung des gedichtes und einigen anmerkungen beigegeben. Bald nach der ersten auflage Beowulf’s erschienen Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica, eine sammlung bisher ungenau, oder noch nicht herausgegebener prosaischer und poetischer stücke angelsächsischer literatur mit einem vollständigen glossarium; demselben gelehrten verdanken wir auch eine ausgabe der angelsächsischen übersetzung des Apollonius von Tyrus aus einem in Cambridge aufbewahrten manuscripte, welcher eine englische übersetzung und ein glossarium beigefügt sind. Im jahre 1823 erschien eine neue ausgabe der angelsächsischen chronik mit einer englischen übersetzung und kritischen und erklärenden anmerkungen von J.Ingram. In neuerer zeit hat sich auf dem gebiete der angelsächsischen literatur ThomasWrightbesonders ausgezeichnet. Seine Essays on subjects connected with the literature, popular superstitions and history of England in the middle ages erschienen 1846, die Biographia Britannica literaria (Anglo-Saxon-Period) 1842, welchem werke eine auch besonders erschienene abhandlung, Introductory Essay on the state of Literature and learning under the Anglo-Saxons, vorangeht. Die Reliquiæ Antiquæ oder Scraps from ancient Manuscripts, welche ebenfalls einiges interessante aus der angelsächsischen literatur enthalten, sind von Wright in gemeinschaft mit J. O.Halliwellherausgegeben worden.Grammatiken. Lesebücher. Bosworth’s Wörterbuch.Das studium des Angelsächsischen ist auch durch herausgabe mehrerer hilfsbücher erleichtert worden. Ausser der Übersetzung von Rask’s grammatik erschienen: An Introduction to Anglo-Saxon Reading, comprising Aelfric’s Homily on the Birthday of St. Gregory, with a copious Glossary etc. By L. Langley, und ein Guide to the Anglo-Saxon Tongue, on the basis of Professor Rask’s Grammar, to which are added extracts in verse and prose, with notes for the use of learners. By E. J. Vernon. The Elements of Anglo-Saxon Grammar, with a Praxis and Vocabulary. 12. Leeds, 1819. By J. L. Sisson. The Elements of Anglo-Saxon Grammar with copious notes, illustrating the structure of the Saxon and the formation of the English language. 8. London, 1823. By J. Bosworth. Von demselben: A compendious grammar of the primitive English or Anglo-Saxon language. 8. London, 1826. Rudiments of a grammar of the Anglo-Saxon tongue. 8. London, 1829. By J. Gwilt. An Anglo-Saxon grammar and Derivatives. By W. Hunter. 8. London, 1832. In Deutschland gab im jahre 1838 H.Leoin Halle altsächsische und angelsächsische sprachproben heraus, mit einer freilich ungeordneten und unvollständigen erklärung der angelsächsischen wörter versehen. In diesem buche ist überall eine gleichmässige orthographie nach den von Grimm aufgestellten grundsätzen der lautveränderung eingeführt worden. Unter den Deutschen haben sich besonders beideGrimm,Mone,EttmüllerundBouterwekdurch kritische und wissenschaftliche behandlung der von den Engländern an das tageslicht geförderten schätze der angelsächsischen literatur ausgezeichnet. Ihr streben ist nicht ohne rückwirkung auf die englischen forscher geblieben, unter denen sich Kemble offen als schüler Grimm’s bekennt, dem (J. Grimm) er auch seinen Beowulf gewidmet hat. Von J.Bosworthist ein reichhaltiges, obwohl nicht vollständiges und kritisch gesichtetes wörterbuch, A dictionary of the Anglo-Saxon language. 8. London 1838, mit einer ausführlichen einleitung veröffentlicht worden, so dass seit dieser zeit das studium dieser reichen sprache jedem leicht zugänglich gemacht ist.Zu hoffen bleibt, dass Kemble englischen fleiss und deutsche gründlichkeit zur bearbeitung eines angelsächsischen „sprachschatzes“ verwende.114
Die angelsächsischen Beugungsformen.Das Angelsächsische hat, wie das Deutsche, drei sprachliche geschlechter, und eine deklination des artikels, der pronomina, adjectiva und substantiva, welche den casus zugleich mit dem geschlechte bezeichnen. Die pronomina der ersten und zweiten person besitzen ausser dem singular und plural auch eine dualform. Die deklination der nomina zerfällt in eine starke und schwache, wie die conjugation der verba, welche neben dem indicativ auch eine form für den conjunctiv besitzt. Als anhaltspunkte für die vergleichung der ausartenden formen in der späteren halbsächsischen und englischen sprache folgen hier die wesentlichen eigenthümlichkeiten der angelsächsischen sprachbildung nach J. Grimm’s deutscher grammatik: