Chapter 12

Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.

Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.

Abaka's Thronbesteigung.

Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473];daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward anAbaka, den durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan, abgefertigt, und zugleichArghun, welcher bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im Winterquartiere vonArran, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück;19. Dschem. ewwel 663/9. März 1265Abaka aber stieg im Lager vonTschaghantu(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen undIlkai, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden[474].SundschakNujan, welchem Hulagu seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, undArghunbezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger AnordnungAbakazum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters.3. Ramasan 663/19. Juni 1265Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. „Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung amTschaghan Nur, d. i. am weissen See, im DistrikteFerahan, statt;Ferahanist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernteDolfabad, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten EmirsEbu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.

Verleihung der Befehlshaberschaften.

Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft alsChan,Ilchan,SchahundPadischah, d. i. als Herr, Landesfürst, König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit derNachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften des Reichs. Dem BruderJaschmutwurde mit wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem BruderTuktindie Huth der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. DerBitekdschi(Staatssekretär)Tughu, der Sohn Ilkai Nujan's, undTudan, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden EmirsTschoban), wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den EmirenSemagharundKehurkaiabgelöset wurden.DutaiNujan wurde nach Diarbekr undDijar Rebiaaan die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht Georgiens demSchiramun, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars demSundschakNujan übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhieltBaltadschuAga und die der Pachten[477]Arghunaga. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurdeSchemseddin Mohammedvon Dschuwein und zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein BruderAlaeddin Atamülk, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin,Chodscha Behaeddin, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung vonChorasanwurde dem ChodschaIseddin Tahirund nach ihm seinem Sohne ChodschaWedschiheddinzugewandt;Farswurde im Namen der AtabeginAbischverwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte dortTasikuauf sich. Die Herrschaft vonKermanwurde der Prinzessin Turkjan Chatun, die vonNimrusdemMelik Schemseddin Mohammed Kertund vonGeorgiendemAbdund seinem SohneSsadren, dieArmeniensdem KönigHethumbestätigt.Diarbekrwurde dem Dschelaleddin Tarsi,Dijar RebiaademMosaffer Fachreddin Kara Arslan,Kaswinund ein Theil Iraks demIftichareddin Kaswini, Tebris demSsadreddinzur Verwaltung anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: inSchirwanundChorasan, inGeorgien,Kleinasien, inFarsund im arabischenIrak, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zuTebris,BagdadundIssfahan, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: inChorasan,Diarbekr,Dijar Rebiaa, zuKaswinundTebrisund endlich die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten vonKerman,Nimrus,Georgien,ArmenienundFars; zählen wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen vonGross-undKlein-Luristanund vonJesd, die noch zuMardinherrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zuHossnkeifaus der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen vonHimss,HamaundKerekgehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter der Güter.

Schemseddin's Familie.

Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete Männer hervor als „die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen“;der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph seiner Zeit,Nassireddinvon Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der WesirSchemseddin Dschuweini, der dritte der TonkünstlerSsafijeddin Abdolmumin El Ormewiund der vierte der SchönschreiberDschemaleddin Jakut. Von den beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse auf. „Unter seiner Regierung“, sagt Wassaf, „begehrten die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner Glückesschrift aufgezeichnet.“ Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentlicheSicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:

„Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].“

„Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].“

Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:

„Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.“

„Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.“

und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:

„Wein, der unter'm Schleier[481]spricht,Durch die Rosen im Gesicht.“

„Wein, der unter'm Schleier[481]spricht,Durch die Rosen im Gesicht.“

Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen BruderHarun, der es ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete dergrosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzwegSsafijeddinanredete, entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben, indem er sagte:Harun, der den Namen des grössten der Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines BrudersAtamülk, des Verfassers derWelterobernden Geschichte.

Abaka's Familie.

Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die FrauJesundschinaus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die FrauOldschai Chatun, welche mitTokusChatun den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dannTokiniChatun, die Base der grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau denBaghtak, d. i. den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die StelleDurdschi Chatun'salsgrosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die TatarinNukdan, die Mutter seines SohnesKendschatu, welche aber jung starb. Ihr folgteIltürmischChatun, die Tochter Timurgurgan's, die SchwesterTurka Gurgan's, des Konghuraten. Hierauf nahm er die PrinzessinPadischahChatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter,Jesundschin, setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen FrauenMertaiundKuti Chatun, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin,TudaiChatun, die Konghuratin, und nach ihrBulghanChatun, die Verwandte des OberstrichtersNokai[die Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range sowohl derMertaials derDespina, d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte warMaria, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der FrauTokus, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom TodeHulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihmKaitmisch Ikadschiden SohnArghun, dannKewkebi Ikadschidie TochterToghandschuk, hieraufBuludschin Ikadschidie beiden TöchterIlkotloghundOldschatai; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen geboren, nämlichJulkotloghundTaghaiaus der FrauTudai, dannNudschinaus der FrauMertaiund endlichMelikeaus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; soJulkotloghan denIldschitai Kuschdschivon der Leibwache, Toghandschuk an den EmirNewrus, den Sohn Arghunaga's, Melike anTaghai Buka, den Sohn des Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die griechische PrinzessinMaria, die karachitaische PrinzessinPadischah Chatunund vor allenBulghan Chatun, eine gewiss eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.

Schlacht mit Nokai.

Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über denKorgezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des FlussesAkssu[485],3. Schewwal 663/19. Juli 1265den die MongolenTschaghan Murannennen (das eine und andere heisstWeisswasser). Der Verlust war von beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über denKor, aber wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, vonDelai Norbis an die Wüste der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu.665/1266Während dieses Winters erschienMesudbeg, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass Mesud als KundschafterBorrak's, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aberdie Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach Masenderan. ZuKebuddschame, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's,TekschinundTekuder, und mit dem Enkel desselben,Dschuschkab, dem Sohne Dschumkur's,Badu, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den MongolenTonlik, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte den Winter zuTschanganlu(in der Gegend von Meragha), den Sommer in den Weiden vonAlataghan den Quellen des Euphrats und zuSiahkuh(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der LandschaftArran.

Armenische und ägyptische Verhältnisse.

Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den Kreuzfahrern die StädteCäsarea,Arssuf,Ssafed,Jafa,Schakif, die SchlösserHaifa,Arka,Kaliat,Meluhat,Dschebeleentrissen[487]und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn Hethum's, den Pass vonIskenderun(Alexandriette) besetzthielt, ward er von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen; sein BruderTorosund einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatteSir, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der ägyptische FeldherrKilawun(der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des ägyptischen GeneralsSchemseddin Sonkar el-Aschkar, d. i. Sonne der Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte.Juni 1267Der Friede wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek, Merseban[488]wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489]. Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen.1269Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unterdem Namen Makarius in's Kloster vonTrazarghzurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: „und wenn du in die Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir nicht entfliehen“. Beibars antwortete: „Es ist wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen Länder denselben wieder zurückzuerobern.“ Abaka war nicht im Stande, seinen Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu, dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach Reschideddin erzählen.

Kaidu's und Borrak's Vertrag.

Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von Kubilaizum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter Turkistan's,Mogholtai, Streit begann. Dieser sandte den EmirTekmisch, jener den EmirKuwindschimit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der Steppe vonKatwanin der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen, begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone. Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten sich im Frühjahre667/1269in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an derdes Uluses Dschudschi's in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen. Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: „Sie besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen“[494]. Eine Zeit lang genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den Zustand desselben besser zu erkunden.

Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.

Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die MongolenTughanenennen, in deren Schaft die geheime Depesche verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf.668/1270Abaka liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden,als sein Vater, Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: „Du bist der Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.“ Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die PrinzenAhmed Ben Buri[497],Balighu[498]undNikpei Aghul[499], dass sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten;Tschabad, der Sohn Huku's[500],Mobarekschah[501]undKipdschak, der Sohn Kaidu's[502], erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter hinauf solltenKokadschu[503]der grosse undBanialbei Chiwa,Kokadschuder kleine aber beiMingkkischlagh, welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den Befehl der Verheerung zurück.

Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.

Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und kleine][504],MeraghulundDschelertai[505]. Mit diesem Heere eroberte Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch) bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom Vater die Herrschaft über das Gebiet vonBadghis, östlich von Herat, eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden.Badghis, was nur verderbte Aussprache vonBadchis, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde rege, hiess vormalsPasinund war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das unbezwingliche SchlossNertku[506], dasAornosChorasan's, auf einem tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault, der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach trägt[507]. Nach der FelsenburgNertkuistKiasisein geschichtlich merkwürdiger Ort des Gebietes vonBadghis, weil es die GrabstätteMokannaa's, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem Brunnen vonNachschebeinen Mond aufsteigen liess (vermuthlichvon bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen. Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinemAka, d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der Tausender NamensSidschektu, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: „Hat je ein Karadschu, d. i. ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.“ – „Wenn ich ein Hund bin“, antwortete Dschelartai, „bin ich der Hund Borrak's und nicht der deine.“ – „Ich werde dich entzwei hauen,“rief Kipdschak, „ohne dass meinAkaes mir verarge.“ – „Und ich,“ entgegnete Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, „wenn du nahest, dir den Bauch spalten.“ Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen, Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich fortanOrtak, d. i. Genossen, hiessen.

Held Merghaul, Dschebat's Flucht.

Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren,Dschelartaider Dschelaire undMerghaul, jener ein Bogenschütze, wieAresch, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul war vorzüglich in der Kunde desDschade, d. i. des Wetter- und Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst: „Ich binde den Gaul zuKonghus Alanikan und reite nicht faul den Falben[511]bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken werde.“Purbaha Dschami, der persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:


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