Die TrennungMerghaulverheert Geduld mit Schwert,Wie jüngstBorrakmit seinem Heer das Land verheert[513].
Die TrennungMerghaulverheert Geduld mit Schwert,Wie jüngstBorrakmit seinem Heer das Land verheert[513].
Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der beiden PrinzenKipdschakundDschebat, welche er ihm zu Hilfe gesandt und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken (Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: „Könntest du,“ fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir der Tadschiken), „mit fünfhundert Reitern denselben nicht abwehren?“ – Tasik antwortete: „Ich binKaradschu, d. i. Unterthan, und Dschebat istUrugh, d. i. vom Herrscherhause, wie kann sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?“ – Da sass Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die Brücke vonTschirameghanzerstört; dreissig Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der Zukunft. Merghaulwurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat bestimmt.6. Ramasan 668/30. April 1269Da stellte ihm Kotlogh Timur vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im SchlosseChaisartrafen sie zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das östlich von Herat gelegene SchlossChaisarzurück; hier erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten voraussehend[514].
Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.
Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf.4. Ramasan 668/28. April 1269Als er nach dem zwischenSendschanundEbhergelegenen DistriktSchirgis[515]gekommen (wo später die StadtSultanieerbaut ward), welchen die MongolenKungurulangnennen, wartete ihm der von Kubilai an ihn geschickte GesandteTekadschekauf, welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten,demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zuKumis, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nachBachers, dem zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der Literaturgeschichte durchBachersi, den Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer geadelt. GegenFarab, nicht zu verwechseln mit Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der Tonkunst,Farabi, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug er den Befehl des rechten Flügels, denObotaiNujan behielt er bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nachBeldschaghran, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriegeausgezogen; wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben. Borrak fragte den AstrologenDschelal; dieser rieth, einen Monat zu warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse eines Berges eine grosse Ebene, vom FlusseKarasudurchschnitten. Drei hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: „Heut' ist der Tag, uns dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.“ Nach dreimaligem Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart.Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.
Ende Borrak's.
Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: „Als ich,“ sagte er, „vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis einKarawine(ein Naphtafeuerwerker), NamensSali, vom Pferde stieg, mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm reichte.“ Er sandte den Bruder Jesar[517]an Kaidu, um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unterdem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatteNauldarden PrinzenAhmed BuriundBalighuden PrinzenNikpeiverfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am folgenden Tage erschienen die PrinzenMubarekschah(der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana),KajanundDschobai, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der FrauTukai, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen:Peik Timur,Tewaburi,TehuundUladai; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's, die beiden obgenannten,DschobaiundKijan; des dem Kaidu gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus.671/1272Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter demBefehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere;7. Redscheb 671/20. Jan. 1273sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des TurkmanenOkbal[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.
Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.
Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande.1. Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270Am achtzehnten October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zuDschaghantudie zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt,20. Rebiulewwel/6. Novemberindem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der Herrschaft alsIlchan und Padischah in Iranmit dem Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen derKaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha,2. Ssafer 669/20. Sept.war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer derAidadschi, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden PrinzenJaschmutundTekschin, die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt.8. Silhidsche 669/18. Juli 1271Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen ward[520]. So erbte derBesitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der AssassinenGirdkjuh,6. Rebiulachir 669/15. Dec. 1270welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn Jahre[521]ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte.Girdkjuh, das letzte blutige Nest der Assassinen, vielleicht dasGilgerdder Byzantiner, das Schloss der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.
Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.
Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von Chusistan, das GebirgeKilujeund die beiden StädteFirusanundDscherbadakan; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan gelegen, ward vonFirus, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auchDerbajekanoderGüljadkjangenannt, ist eine zwischen Kerdsch und Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen (dieParisatis der Griechen), baute undSamerenannte[523]. Jusufschah begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen, den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan schlugen sich indessen die FeldherrenNikpei Behdiund der TurkmaneAkbegwider die dschagataischen PrinzenDschobaundKapan, den Sohn Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zuKökdsche denis, d. i. am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte SekretärDschenglaun Bachschiund der Feldherr Emir Arghun, der Sohn Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme im Erdbeben ein.671/1272In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser,Mewlana Dschelaleddin'sRumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft, während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und in Fars,blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche Dichter, in Fars noch durchSaadi, den wahren König der persischen Dichter seiner Zeit, wiewohlHemker Farsidas Amt des Dichterkönigs am Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, obSaadi, obImamiaus Herat oderHemker Farsi(der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie kleideten diese Frage in Versen ein[525]und sandten dieselben zur Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete bescheiden und wahr:
Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,So läuftImamimir undSaadiab den Rang.
Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,So läuftImamimir undSaadiab den Rang.
Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff, wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, erhellen.
Schemseddin Kert.
Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn vonHerat,Sebsewar,GhurundGhardschistanbestätiget hatte, war ein unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. „Er war,“ sagt Wassaf, „ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren von denFingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel durchmass.
Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.“
Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.“
Sein Vater,Kert, war zur Zeit der SultaneGhurseiner ihrer Emire und gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von demselben mit dem Lande Ghur[526]mit dem tiefeingeschnittenen Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch Hulaguhatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon im Jahre nach der Eroberung Bagdads658/1259(bei welcher er nicht im Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken. Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward, warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er schlagfertig: „damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie jetzt an mich.“ Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des PrinzenTebsin, in dessen Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem Statthalter von Issfahan, zu überlassen.
Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und Dschuweini)
Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die folgenden Verse:
Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?Ist nichtNimrusdas Vaterland vonPurdestan[528],Von dessen Schwerte und von dessen StiereskeuleDas Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?
Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?Ist nichtNimrusdas Vaterland vonPurdestan[528],Von dessen Schwerte und von dessen StiereskeuleDas Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?
Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben, halb in Versen, halb in Prose:
„Reichsglanz, o KönigSchemseddin Mohammed Kert,In dem der König und der Engel[529]sich bewährt.Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.
„Reichsglanz, o KönigSchemseddin Mohammed Kert,In dem der König und der Engel[529]sich bewährt.Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.
Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden.
Weltenbrauch ist's einmal nun,Stäts das Gegentheil zu thun;Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,Hätte Welt dieselbe uns gewährt.
Weltenbrauch ist's einmal nun,Stäts das Gegentheil zu thun;Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,Hätte Welt dieselbe uns gewährt.
O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.
O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.
Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und entzücket worden, unddieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele blieb nur das Ergebniss des Spruchs:Der Gierige bleibt beraubt zurück:
Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.
Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.
Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht. Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach Osten steht.“
Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:
„Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber
Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.
Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.
Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und lasterhafte Barbaren. (Hemistich)
Was dir gefällt, gefällt mir nicht.
Was dir gefällt, gefällt mir nicht.
Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des Freunds der Gnaden.
Besser ist's, dass Weiser einsam streife,Dass nach Winkeln er als Festen greife,Dass er trinke, küsse und ausschweife,Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.
Besser ist's, dass Weiser einsam streife,Dass nach Winkeln er als Festen greife,Dass er trinke, küsse und ausschweife,Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.
In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott will, der Allgeehrte.“
Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.
Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt, sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beidenSonnen der Religionaufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen, wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste, eine Antwort anSiadeddin, das istGlanz der Religion, den König von Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. Jener schrieb ihm:
Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher JungeNicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;Du bist dieSonn', ichGlanz; ein Jeder weiss,Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.
Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher JungeNicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;Du bist dieSonn', ichGlanz; ein Jeder weiss,Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.
Schemseddin Kert entgegnete hierauf:
Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?Ich bin dieSonneund du bist derGlanz,Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?
Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?Ich bin dieSonneund du bist derGlanz,Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?
Die zweiten Verse sind zum Lobe desGrünenim Gegensatze mit demRothen, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins, sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere Belehrung hierüber würde das folgende Lob desGrünenundRotheneinem Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer diegrüneundblauePartei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt jener den Schwarzen nicht dieWeissen, sondern nur dieRothenentgegen; so ist Mohammed der an dieRothenundSchwarzen, d. i. an alle Rassen der Menschen, gesandte Prophet; dieRothensind jenen die blutigen Säbel und der gewaltsame Tod, dieSchwarzendie giftgeschwollenen Schlangen und der Tod durch die Pest; demSchwarzensteht dasGrünentgegen; demschwarzen Korn, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust entnommen ward, ist entgegengesetzt dasgrüneKorn der Mystiker, welches, durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Dasgrüne Kornin rein sinnlicher Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des darausbereiteten Opiats als Berauschungsmittel, im Gegensatze desRothen, d. i. des Weins. Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die folgenden Verse:
Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531],Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532].Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,Besteige ich des Himmels grünen Gaul;MitGrüneness' ichGrünesin demGrün,Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.
Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531],Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532].Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,Besteige ich des Himmels grünen Gaul;MitGrüneness' ichGrünesin demGrün,Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.
Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe desRothen:
RotheRose,rotherWein undrotheWangen;Trink', so lang noch frisch undrothist das Verlangen;Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, dennblauist Himmel,Wenn auchschwarzundweissdes Tags, der Nacht Gewimmel.
RotheRose,rotherWein undrotheWangen;Trink', so lang noch frisch undrothist das Verlangen;Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, dennblauist Himmel,Wenn auchschwarzundweissdes Tags, der Nacht Gewimmel.
Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst, durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse, sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen heisstFal, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischenFall[534].
Schewwal 676/März 1278
Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,Da schlug in dem Koran das Schicksal auf alsFalDem Leu'n des Islams, der genanntMohammed Kert,Den Vers:Verfinstert ward die Sonne allzumal.
Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,Da schlug in dem Koran das Schicksal auf alsFalDem Leu'n des Islams, der genanntMohammed Kert,Den Vers:Verfinstert ward die Sonne allzumal.
Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde Wassaf's.
Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im DistrikteKorbalein und schlugen das persische Heer zuTeng Schikem, wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nurBulghtuwanhieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank.17. Ramasan 677/1. Febr. 1278Korbal wurde geplündert, dreitausend verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben weggeschleppt. Drei Jahre später680/1281überschwemmten die mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen. Wassaf setzt derSchilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:
„Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die StämmeSiraaundKaraund von den vier persischen Dynastien die berühmtesten vier Schützen, nämlich:Aresch Schefatir[536],Isfendiar Rujinten[537],Koresch Aschghan[538]undBehramgur[539], deren Bogenkunde das Buch von denGraden der Reiterso umständlich ausführt und commentirt; wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen:Was thut Saturnus Noth, wenn du die Sonne schaust!Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle,so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit desHahns, die Milde desHuhns, das Herz desLöwen, den Anfall desSchweins, die Geduld desHundesin Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit desKranichs, die List desFuchses, die Vorsicht derRaben, die Raubsucht desWolfsund die Ruhe derKatze. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt und ausser Zweifel gesetzt.“