Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,Ich sah ihn als des Henkers Spiel und TandUnd jedes Glied in eines And'ren Hand.
Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,Ich sah ihn als des Henkers Spiel und TandUnd jedes Glied in eines And'ren Hand.
Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:
Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als einmal erwähnte DichterPur Beha Dschamisagte, als die Hände ankamen:
Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung die Verse:
Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].
Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].
Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.
Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.
Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und andere Ausgabendes Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte, was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet, konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war; es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an Schemseddin[628], aber „ohne dadurch“, wie er sagt, „den leicht zu lösenden Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren“. Wiewohl Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so umständlich einverleibt hat.678/1279Zu Ende der Regierung Abaka's war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannteer einen derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den ChodschaNisameddin, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum Richter der Richter ernannte er denEbu Mohammed Jahja Imadeddin, wiewohl der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrtenSeid Abdallah, den Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern, deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten. Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan, welcher öffentlich die Partei der Intendentenwider Taghadschar ergriffen hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei Schemseddin rein zu waschen bemüht war.
Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:
„Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es wurde von Uns ein gebenedeitesKurultaiversammelt, diess ist die Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr Wort stimmtedarin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere: die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls. Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben, nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol der Religion und desVolks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen, denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wegezu sichern und zu ebnen die Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit aufden Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen, welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September 1282).“
Antwort.
„Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed;Er, den Gott über Alles, wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit und Ergebenheit vom ImamHakim biemrillah, demEmirolmuminin, dem Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der Ueberlieferungen, welche überlieferteMoslim[629], wurden die Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfelder Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen in der Versammlung desKuriltai, wo die Menge zusammengeflockt und der Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine Minaret aufgerichtet, dem fehltes nicht an freien Bewohnern an jedem Orte und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden,Kemaleddin Abderrahman(Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (Kutbeddin) und des Atabegs (Behaeddin), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen undgute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten Müh' mitWasundNeinundWie. Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutesEinvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden. Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die Berufung auf das Wort Gottes betrifft:Wir senden keine Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks (Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen:Sage, werfet mir Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum Glauben geleitet[631], und mündlich trug er vor, dass Gottder Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir: Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nunKonghurataidermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen, Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich treffenund schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:
Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt.Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt.Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.“
Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.
Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf.4. Reb. II. 681/12. Juli 1282Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte.19. Reb. II. 681/27. JuliAhmed war von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, demschon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte, zur Seite gesetzt wurden[633].19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634]erschienen vor Arghun, bei demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er demWedschiheddin Sengi, dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften. Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort zu überwintern.23. Dschem. II./28. Sept.Zu Rei empfing er den Melik Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad gekommen, forderte er von NedschmeddinAssfer, dem Stellvertreter Alaeddin Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe Harun[635].4. Silhidsche 681/5. März 1283Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: „eine Art von Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen“, sich angeeignet. Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.
Konguratai getödtet.
Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigungder dem Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren[637]wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen vonErgenekunder Chan mit seinem ganzenHofe der Schmiedung von Eisenmassen beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben zu bringen.26. Schewwal 682/17. Jan. 1284Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639]und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's.18. Moharrem 682/6. April 1284Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften Tochter Hulagu's.Gurganwar der Ehrentitel aller Eidame und mit dem regierenden Hause verschwägerten Emire.
Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.
Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmendas Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres.9. Silkide 682/29. Jan. 1284Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle vonAlinak,Baisar AghulundTaghai Kokoltaschgegen Kaswin, wo dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe:Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten Summenüberschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb das Wort:siegreichmit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan.8. Ssafer 683/27. April 1284Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjanzurückgelassen.18. Ssafer/7. MaiArghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend Mann das Land. ZuChiel büsürgstiessen die Vorposten der beiden Heere auf einander und in der Ebene vonAk Chodschain der Nähe von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligtenJula TimurundAmakadschi, den linkenBulughan; das MitteltreffenTaulai. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligteBasaraghulund den rechtenAlinak. Arghun, wiewohl ihm der Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos das Land und verbrannten Demaghan.
Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, Demaghan und Bostam.
Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wieFiruskjuh, d. i. der Glücksberg, undGirdkjuh, d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt istDemawend, gleichen Namen mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642]. Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte vonSchahrud,Semnan,Demaghan,Bostam, wovon der erste nach dem Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten.Semnan, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643], kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen ScheichAlaeddewlet Semnaniberühmt[644]. „In dieser alten Stadt“, sagt Fraser, „herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuservon sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.“ Das Bad der Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der DynastieSsafewian[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage[648].Demaghan, deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des altenHekatompylos, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in dessen Nähe der FlussStiboetesaus einer schönen Felsenhöhle entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern gerühmteChosrewi, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den berühmtesten Scheichen der Ssofi istEbu Dschaafer Demaghaninach derStadt genannt[653]. Von den Scheichen vonDemaghanund den vonSemnangeht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid vonBostam, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens der DerwischeBostami; auch als Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner, wie der ScheichEbu JesidoderBajesid, von dem die Antworten auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth[656].