Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.
Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum Grabmale des ScheichsEbu Jesid, während Ahmed Teguder seinerseits am Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak. Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657]und Legsi, kamen nach der Ebene von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu beklagen.28. Ssafer 683/13. Mai 1284Teguder verwies die Gesandten an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun,indem diese Streifzüge die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich zugemessene regelmässige Fütterung. „Diese Gedanken des Inhabers des Diwans“, sagt Wassaf, „brachten demselben kein Heil und das Reich ward schnell dem Verderben zu Theil.“ Alle Entschuldigungen, welche die Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen.SsadreddinundAssileddin, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus, welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie. Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi, d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die PrinzenToghatimur(den vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im Interesse ihres Bruders Teguder, undSuke, den dritten Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass er zuCharkanihre Ankunft abwarten wolle.14. Rebiulewwel 683/1. Juni 1284Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt, welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstättedes ScheichsEbul Hasan Charkaniberühmt[659].20. Rebiulewwel/7. Juni 1284Der EmirDschirkudai, sein BruderJesuderundBulughan, der Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660];28. Rebiulewwel/15. Junier selbst lagerte acht Tage hernach zuKalpuschund drei Tage später zuKebud Dschame, d. i.Blaukleid, einem zum Gebiete vonDehistan(dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai, zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit ihnen trafen die EmireNewrusundBuralighials Gesandte Arghun's ein. Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter Dinge zurück.3. RebiulachirDrei Tage hernach ward von Kalpusch aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's, brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun zugethan.
Arghun zu Kelat; ergibt sich.
Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle.Otbi[664], der Verfasser desJemini, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck berühmten Geschichte Mahmud's,des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, malt die Höhe desselben durch das Distichon:
Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.
Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.
Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein Gehör;Legsi, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich betheilte. Alinak war indessen vorKelat angekommen und hatte den Arghun beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu folgen.13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284Ahmed umarmte ihn, küsste ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte, sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen. Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's,Sischi Bachschi,Kadan,Buralighfest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem Arghun ergeben, hinzurichten.16. Rebiul. II./2. JuliEr wollte eben aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr, die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak, den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten Nacht „sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem Morgen gebären, auf das glücklichste ausging“.
Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.
Buka, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669]zu einer Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670]nahmen es auf sich, desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671]kamen, rief sie eine Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward.18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284In derselben Nacht wurden Boten an Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und den Emiren Akbuka und Legsi, als er dieNachricht erhielt, dass alle seine Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak.19. Rebiul. II./5. JuliDie Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl des Chans.24. Rebiul. II./10. JuliBuka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont.27. Rebiul. II./13. JuliAhmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend entfliehen; aberSchikturundKarabukasandtenBotschaft an Kutui Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die Hände aus und schrie:Mordio![672]; er ward sogleich getödtet. Die von Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut Konghuratai's zu büssen;26. Dschem. achir 683/10. August 1284das Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehntenAugust vollzogen durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].
Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.
Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zuKamsiun, welches zwischenHeschtrudundKurban schire, statt. Drei Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren,acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: 1. Die FrauKotlogh, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein doppelterGurgan, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's Schwiegervater. 2.Oldschatai, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die FrauUruk, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die FrauSeldschuk, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache seines Vaters nahm er 5. die FrauBulughan, die Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die FrauBulughan, die Tochter Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die FrauMertaidie Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8.Tudai Chatun, die Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9.Kultak Ikadschi, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei BrüderJesu Timur,Oldschaitu(beide aus der Frau Uruk) undChatai Aghulaus der Frau Kotlogh; dann vier Töchter,Oldschatai,Oldschai Timur,Kotlogh Timur(alle drei Töchter der Frau Uruk) undDilendschi,Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebtenBulughai.
Schemseddin Dschuweini zu Kum.
Nach dem HerrscherArghunund seinem WesireBuka[677], der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, wie von den früheren Herrschern Persiens, denSeldschukenundBujiden, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der DynastieSsafewiund der regierenden derKatscharen, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678]das Halsbandund den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch dieheiligeheisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter Mirsa Abul Hasan. „Die Stadt ist heute“, sagt Morier, „nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen“; denn der Umfang der Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, als die von Kaswin[679].Kumward im Beginn des achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den NamenKumasch, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das benachbarteKaschandurch sein Fayence und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, desVerfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne(der Geschichte Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683]FethAlischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.
Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und angestellt.
Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, undDschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:
Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,Der schirmt das Diadem der Majestät,
Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,Der schirmt das Diadem der Majestät,
dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden.10. Redscheb 683/21. Sept. 1284Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zuKurban Schireein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zweiUntergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.
Schemseddin's Hinrichtung.
Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde! ZuMinia, in der Nähe vonEbher, der nördlich von Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: „Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen:Die da sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden.Da Gott der Allmächtigediesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den MewlanaMohijeddin, den MewlanaEfdhaleddin, den MewlanaSchemseddin, den MewlanaHemameddinund den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle;denn Gott verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig!Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!“ Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: „Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung“; und das Todesurtheil ward vollstreckt.4. Schaaban 683/16. Oct. 1284Vier seiner Söhne:Jahja,Ferruchschah,MesudundAtabeg, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne:EdibundAhmed, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen im ViertelDscherendab, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:
ODscherendab, wo zu Tebris sein Grab,Der erste Regen ström' auf dich herab!Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.Hier hat die Sonne[688]höchsten Punkt[689]erreicht,Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.Es weinen über sie die sieben Sterne,In ihrem Licht und ihrer finstern FerneDie sieben Himmel und die Erden, sieben,Der Meere und der Wochentage Sieben.Feredschullah,Jahja,Mesud,Harun(Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)Den Vater Mohammed so hoch geehrt,Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.Mich hat der Schmerz desAtabegsverzehrtWie Flamme, welche in die Höhe fährt;Und obAtaul Melikgekränket theils,Er, derSsahib, der Herr der Stadt des Heils,Es saget über dieser Gräber Stätte,Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.
ODscherendab, wo zu Tebris sein Grab,Der erste Regen ström' auf dich herab!Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.Hier hat die Sonne[688]höchsten Punkt[689]erreicht,Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.Es weinen über sie die sieben Sterne,In ihrem Licht und ihrer finstern FerneDie sieben Himmel und die Erden, sieben,Der Meere und der Wochentage Sieben.Feredschullah,Jahja,Mesud,Harun(Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)Den Vater Mohammed so hoch geehrt,Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.Mich hat der Schmerz desAtabegsverzehrtWie Flamme, welche in die Höhe fährt;Und obAtaul Melikgekränket theils,Er, derSsahib, der Herr der Stadt des Heils,Es saget über dieser Gräber Stätte,Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.
Statthalterschaft von Fars.
Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück.11. Redscheb 683/23. Sept. 1284Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris zurück;20. Redscheb/2. Octoberdann wurde das Winterquartier in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen StatthalterschaftBulughan's(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um die Ruhe wieder herzustellen, warTaschmenkuzu seinem Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm erschienen, zusammen.Taschmenkusprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden GeschäftsführernKawameddinundSeifeddinnach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der imNamen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten Formel blosAhmedagaschrieb, was wider allen mongolischen Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die Statthalterschaft der FrauAbisch, der gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen FrauOldschai, der Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der PrinzessinAbisch, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers:Ein gutes Land, ein gnädiger Herr, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie ihren VerwandtenDschelaleddin Arkan[691]und die Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem ChodschaNisameddin Ebubekr, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.
Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von Fars.
Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag, sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom imverlangten Sinne. Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war „die Schliessung und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid anheimgestellt“. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der Finanz betrautworden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmtenSeid, und als dieser von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald derSeidzu Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien.22. Ramasan 683/2. Dec. 1284Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693]. Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause. Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten Streichender Mamluken.21. Schewwal/31. Dec. 1284Der Kopf wurde abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung preisgegeben.