Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.
Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin schrieb:
Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.
Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.
Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen einverleibt hat, dessen Beginn:
Eine Sonne ging im Staube unter,Die im Ost des Glückes aufging munter.Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.
Eine Sonne ging im Staube unter,Die im Ost des Glückes aufging munter.Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.
Nach dem Tode desSeid Imadeddinwurde sein Vetter, derSeid Dschemaleddin Mohammed, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher, als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe des Himmels für den Mord der beidenSeideangesehen. Mehr als hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei Richtern[694]ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam, führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn. Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zurZahlung von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht.685/1286Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern PrinzessinnenGardudschanundAlghardschi, der dritte ihren Mamluken und Freigelassenen, der vierte dem PrinzenTaidschu, dem Sohne Mengu Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.
Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; Hochzeit Tudai's.
Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit demDschingsangtitelfür Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum zweitenmale gefeiert.27. Silhidsche 684/6. März 1286Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, und vom DschelairenNurinagabefehligte Reiter wider die KurdenHakarigesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die FrauBulghanstarb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas übergeführt.10. Ssafer 685/7. April 1286Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet.23. Ssafer/20. AprilEnde Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk auf.12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286Hier wartete ihm während des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des BrudersArghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem auchJesu Gurgan(der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris.6. Schaaban 685/27. Sept. 1286Zwei Monate hernach28. Ramasan 685/17. Nov. 1286kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte, undWedschih, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet.20. Silkide 685/7. Jan. 1287Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der FrauTudai Chatun, der Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward[695].5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nachPil Suwar,19. Ssafer 686/5. April 1287nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh,24. Reb. achir 686/18. Juni 1287und im Herbste in's Winterquartier von Arran.2. Ramasan/11. Oct. 1287Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dassKinschu(der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien.15. Moharrem 687/20. Februar 1288Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der Söhne Arghun's.7. Ssafer 687/14. März 1288Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni'shoch verehrte Reliquie, welche sieScharilnennen, nämlich ein verknöchertes Menschenherz.7. Rebiulewwel 687/12. April 1288Nach ihrer Ueberlieferung warSchakamuni'sHerz nicht Fleisch, sondern Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach,30. Rebiulewwel 687/5. Mai 1288als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen[696].
Buka, der strenge Wesir.
Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem Titel einesDschingsangnoch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben schien. So ausserordentlicheMacht musste um so mehr den Neid der anderen Emire und der Günstlinge Arghun's[697]erwecken, als Buka, hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. „Er war“, sagt Wassaf, „ein fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals Tücke.“ Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen. Besonders waren ihm SultanAidadschiundTughan, Arghun's vertrauter Gesellschafter (Inak) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein BruderAruk, der Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einenHeller eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte.Ssadreddin Sendschani, der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines Einflusses beraubt.
Buka's Verschwörung und Sturz.
Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, derTemghadschi, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka, als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren Prinzen und Emiren[699]zur EntthronungArghun's, indem er den Thron dem Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen. Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager amKorihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits desKorin das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichtswider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: „An dem und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen und damit vorzudringen.“ Buka sprach: „Du irrest dich; ich habe gesagt: um was schwer vorzubringen.“ Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den Worten: „Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne“. Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, unter der Brücke Dschaghan aufgehangen.21. Silhidsche 687/17. Jan. 1289Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der Gesandte des Kaans, der BitekdschiNoghai, weil er wahres Wort geredet, und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben verschont. Unter den Hingerichteten war auch der AstronomImadeddin, der Christ Simon vonRumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem;Demitrius, König von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben.Drei Emire[703]wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines Waffenträgers? und der geforderte fiel.9. Moharrem 688/3. Febr. 1289Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704]übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen;Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem geschah.
Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.
Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705]mit Truppen nachgesendet, die ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt.15. Dschem. ewwel 688/6. Juni 1289Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenenNewrus, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur Folge, mit welchem sich die PrinzenHuladschu(der zwölfte Sohn Hulagu's) undKarabukai, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's) verbanden; sie wurden vonMuktil, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im DiensteKarabukai'sseinen Herrn verrieth, ergriffen und im SchlosseGirdkjuh,dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach hingerichtet.20. Ramasan 688/7. Oct. 1289Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel (wie vor ihmKonghurataiundTeguder);Karabukai, der zweite Neffe, der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den KronprinzenGhasanwider den AufrührerNewruszu verstärken. Arghunchan hatte das Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale denOrdu Kajaund den JudenSeaadempfangen, welche ihm Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatteDschelaleddin Semnani, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war.1. Dschem. II. 688/22. Juni 1289Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem JudenSeaadübertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen.Seaadeddewlet, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini, Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von Sughurluk gekommen,686/1287um sich bei den Wesiren über Seaad, durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnissewillen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin vonSemnanwurde zumMelik, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu dessenMoscherrif[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter derEmir(Befehlshaber der Truppen), derSchohneoder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, derMelik, d. i. Intendent der Finanzen, undMoscherrif, Gehülfe desselben; dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischenMunschi, die mongolischenBitekdschi, die türkischenBachschiheissen. Als Seaad zur Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden, herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].
Seaadeddewlet's Verwaltung.
Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's,nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins hinzurichten. Von diesen wurdenMesudundFeredschullahzu Tebris getödtet;3. Redscheb 688/23. Juli 1289dem EnkelMahmudrettete der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aberAli, welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich:AtabegundSekeria, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem Hause Buje den EhrennamenDewlet, d. i.ReichoderHof, bei; er nannte sichSeaadeddewlet, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen:Fachreddewlet, d. i. Reichsruhm,Mohesibeddewlet, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und dem Dschemaleddin vonDestadscherdübertrug er die Befehlshaberschaft von Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des AstronomenMontachabeddewlet, d. i. des Reichsauserwählten, als Statthalter nach Diarbekr seinen BruderEmineddewlet, d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem Neffen Ebu ManssurMohesibeddewlet(ein zweiter Reichsläuterer) dem Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter sich getheilt. Die EmireTaghadschar,Ordu KajaundDschuschi, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent verständigt, dassSeaadeddewletder Befehlshaber des Staatsschatzes sei, „und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jederZeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten“. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern dieMelik, wörtlichKönige, der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenenGhaselen,Kassidete,Makameund Lobreden enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete ihn an: „Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?“ Seaadeddewlet entschuldigte sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.
Verwaltung von Fars; Emir Tughan.
Da die grossen EmireTaghadschar,Semaghar,KundschukbalundTughanihm alle aufsässig, so suchte er sichwenigstens mit dreien zu befreunden, denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese warenOrdu Kaja, den er als Helfer zu sich nahm;Karadschar, dem er die Verwaltung von Arran anvertraute, undDschuschi, dem er die von Schiras übergab; dem letzten gab er noch zwei Beamte[711]und den Sohn Sundschak's alsSerwanoderTschausch, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände, binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen denDschelaleddin Serwistanigebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der Pachtdistrikte[712]und die Landschreiber[713]nicht Wort hielten, wurden die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, „war“, sagt Wassaf, „ein höchst scharfsinniger und feiner Kopf[715]an Urtheilskraft, durchdringendem Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter den Mongolen nicht seines Gleichen“; dazu war er ein gewandter Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzerKeschadschem, d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem Worte enthalten sind[716](Schreibkunst,Dichtkunst,Astronomie,Philologie und Musik), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als nach der Hinrichtung Buka's der EmirNewrusin Chorasan rebellirte, wurde Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt. Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:
Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].
Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].
Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, und er verband sich zum Sturze desselben mit dem EmirKundschukbalund Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder herzustellen[719], und seine Verbindungen mit denKönigen Armeniens und Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras, um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.
Feldzug gegen Derbend; Bauten.
In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen;4. Ramasan 688/21. Sept. 1289in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine übergegangen war.9. Rebiulewwel 689/24. März 1290Vier Tage nach vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze von Derbend meldeten.13. Rebiulewwel 689/28. März 1290Die Emire Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden Heere auf einander.1. Reb. achir 689/15. April 1290Das feindliche befehligteAbadschiundMengli, die beiden SöhneMengku Timur's, des Herrschers von Kipdschak, und der FeldherrNokai; das Arghun's: die EmireTaghadschar,Kundschukbal,ToghruldscheundTaidschu, der Sohn Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere Gefangene[720]. Hieraufwurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's Reich[721].17. Reb. achir 689/3. Mai 1290Da die Ruhe an der Gränze von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den Tod seines SohnesJesutumbetrübt;7. Dschem. ewwel/19. Juniauch waren der EmirSundschakund sein SohnSchadizu Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu TebrisMedschdeddin Muminan, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager vonAlataghein;2. Schaaban/12. Auguster kehrte über Wan und Wastan zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar.13. Schaaban/23. AugustDer Blick Arghun's fiel auf die StadtAmuria, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden, weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt waren:Emirschah,Fachreddinund den SohnHadschi Leila's, zu ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire:Akbuka,DoladaiundAldschiwaktan, aus Rum, von denen der erste dorthin zurückgesandt ward.5. Schewwal 689/13. Oct. 1290Das Fest des Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser Bauliebhaber,befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen, welcheSchemoderSchenbhiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zuScherujas, nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, den NamenSultanijeerhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zuAndscherud, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein Serai[723]. ZuLaroderLardschan[724], der gleichnamigen Hauptstadt der am Fusse von Hügeln gelegenen LandschaftLaristan, baute er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung, nämlich einemBadgirundSerdab[725], d. i. mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den NamenArghunije; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager, die südlichen Ebenen vonKongorolang, d. i. die Falkenweide,das Sommerlager, wo hernachSultaniagebaut ward; der Frühling und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.
Arghun's Krankheit.
Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine GeschäftsführerOrdu KajaundKadschanzu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nachArran, wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne nur durch Almosen geheilet werden; dieKamen, welche nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die PrinzessinTughandschak, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete NichteDschuschkab's, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt, mit diesem die TochterTughandschakaus dessen Beischläferin Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem HaremSchadi Gurgan'sin das Arghun's übergegangen, undTughandschakerscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten,gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches,4. Ssafer 690/5. Febr. 1291und sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seinerKrankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode.1. Rebiulewwel 690/4. März 1291Am selben Tage (es war das Geburtsfest des PrinzenChatai Aghul) wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran7. Rebiulewwel 690/10. März 1291und zwei Tage später wurde sein Leichnam nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].