I. Beilage.

Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.

Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung Arghun's erfahren.12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284Einen Monat hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formelmongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt.28. Ramasan 683/8. Dec. 1284Während dieser feierlichen, zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine,Katibe, in der Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere,Kachta, dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bisAjasvor, schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten, deren einer,Buscarell, einKuridschi, d. i. von seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen;der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen SohnOldschaitu, welchen die Mutter (Urukchan) getauft und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die PrinzessinIlkotlogh[731], die er zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die PrinzenGhasanundChatai Aghul[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England,die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate todt.

Kendschatu's Thronbesteigung.

Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan anGhasan, den ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad anBaidu, den Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum anKendschatu[734], den Bruder Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch denBaiduals den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren:Taghadschar,Semaghar,Kundschukbal,Tokal,Schiktur,Tughan,Timurbuka,Tekne,Ildschidai,ToghdaiundDoladai;der letzte wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten.8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete: Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden Seaadeddewlet. Einige[736]gingen nach Rum, um sich an Kendschatu anzuschliessen.Kundschukbalentfloh,Tokalverliess sich auf einen Haufen Georgier,Tughanbrütete Aufruhr in Irak, der PrinzSuka(der jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den EmirenTschoban, dem Suldusen, undKurmischi, der Sohn Alinak's, führten auf Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem Kendschatu entgegen. Die FrauUruk, die Wittwe Arghun's, die Mutter zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. Die Emire[737]welche dem Baidu zuKökbuldagh[738], d. i. am blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn.Ildschitai Kuschdschi,Kundschukbal,Timurbuka,Tschobangingen zu Kendschatu über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihmChatai Aghul, der jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen.Taghadschar,das Haupt der ParteiBaidu's, wurde sogleich in Empfang genommen;Tughan, welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht;4. Redscheb 690/23. Julidoch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg in der Stadt Achlath den Thron.

Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.

Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sichSchiktur,Taghadschar,Kundschukbal,Semaghar,Tekneund Andere schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die FrauUrukchanfeind waren, wurden die SöhneDschuschi'sundOrdu Kaja'smit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als Akbuka den SöhnenDchuschi'sundOrdu Kaja'sdie Blutrache der Väter überliess.6. Schewwal 690/5. Oct. 1291Taghadschar und Kundschukbal wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am Ufer desKor, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzendem Namen Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von demKamenertheilte Formel,Irindschin Durdschi[740]beigesetzt.Senbu, der BruderSuka's, der zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der PrinzEnbardschi, der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig, sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann demSchikturinsgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit.Schiktursandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken anEnbardschizurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die ZelteTaghadschar'sund behielt ihn undSsadreddinbis zur Rückkehr Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete, sandte er sie ineinem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bisErsenrumentgegen.12. Redscheb 691/30. Juni 1292Als Kendschatu zuAlataghankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen waren: 1.Aische, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2.Dundi, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3.Iltürmisch, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4.Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5.Bulughanund 6.Uruk. Ausser diesen hatte er die SöhneAlafrengundIranschahaus der FrauDundiundDschinkpuladaus der FrauBulughan, drei Töchter aus der FrauAischeund eine vierte aus der BeischläferinAbisch, der Tochter desBiklimisch, des BrudersAudschan's, des Erlaten.

Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars.

Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durchBuraldschin Ikadschi, den Günstling Kendschatu's, undScherefeddin Semnani, welcher beim Emir Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman von Truppen.6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein VornameSsadreddin, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den vonSsadri dschihan, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein BruderKutbeddin, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung seines Namens inKutbi dschihan, d. i. Pol der Welt; ihrOheimKawameddin, d. i. die Feste der Religion, erhielt die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen vonKawamolmülk, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter Hulagu den beiden BrüdernDschuweiniund dem Sohne des Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber vonSchiras. Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde demFachreddin Aidadschibestätigt[744]; dieser aber bat um Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess.Efrasiabvon Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheimeund Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt getödtet.8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's vonLur[746]; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des AtabegenTekele, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747]wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden hingerichtet.

Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.

Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere.8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt[749].1. Redscheb 691/26. JuniKalaaterrum, das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750]liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun.TekiaoderTetkaulstarb in dem Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet.3. Dsch. ewwel 692/11. April 1293Von Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen von Freiheit und Eintracht,7. Schaaban 692/13. Juli 1293und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein.17. Schaaban 692/23. Juli 1293Kerrai Aghul, der Sohn MengkuTimur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück.12. Ramasan 692/16. Aug. 1293Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu Bire gefeiert.5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der PrinzKalintai. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen,8. Rebiulachir/8. März 1294nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den NamenKotlogh Baligh, d. i. der guten Balley, erhielt.2. Dschem. ewwel 693/31. Mai 1294Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab,7. Redscheb 693/3. Juni 1294und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen;16. Redscheb 693/12. Juni 1294er ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolischTschawheisst. Vergebens stellteSchiktur Nujanvor, dass diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das Papiergeld einzuführen;19. Schaaban 693/15. Juli 1294sie kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe setzte.10. Ramasan 693/12. Sept. 1294Dieser den Bewohnern von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine Woche lang ward dasselbedurch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward alsgebenedeites Papiergeld[752]zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel:Irdschin Turdschin, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753].Iseddin Mosaffer, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher.

Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.

Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des GünstlingsBurekdschin Ikadschivorgekommen, beklagte er sich über solche Behandlung bei den Emiren, und als von diesenTudadschu, der OberrichterDschidschek Gurgan Legsi, der Sohn Arghun's (des Statthalters) undIltimur, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich mit ihnen zum Aufstandewider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei verwaltete, zu tödten[754].Ghurantai Gurgan, der Eidam Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die EmireDoladai Ordadschi, d. i. Kellermeister,Kundschukbal(welchem Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed früherTaghai, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen),Tukal(der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's),IldschidaiundBukdai, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie gebunden nach Tebris[755].HasanundTaidschu, die beiden mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aberTaghadschar, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, denTukalausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort den Baidu ergreife. Als die Gesandten nachIrbilgekommen, vernahmen sie, dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten also schnell zurück, umdiesen Unfall dem Herrn zu berichten.28. Rebiulachir 694/17. März 1295Hierauf wurden die Emire Akbuka und Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt.Taitakführte den Vortrab von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen.3. Dschemasiulewwel 694/21. März 1295Der Chan selbst brach mit einem Heere vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].

Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.

Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich dortTaitakundToghruldschemitBaschmak AghulundKaradscha, dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte.6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer Baidu's geschlagen.6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295Von den Günstlingen Kendschatu's wurdenItogthuundItpukimit ihm zugleich hingerichtet[757].Itkuli, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan[758].8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295Die Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu von Ghasan am FlusseHeschtrudgeschlagen ward, hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und desDschaghantu, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu'sin Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295und erliess in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: „Da Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen Willens.“ Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen[760]. Die EmireKundschukbal,Tukal,Tudadschu,Legsi Gurganwurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad und die Umgegend demTudadschu; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten demTaghadschar Nujan; die Gebiete vonIrakundLurdemToladai Aidadschi; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare verlieh er demKundschukbal; demDschemaleddinwurden die Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der PrinzessinKurdudschindie Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur achtMonate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden Buche verwebt wird.

Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.

Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.

Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.

KurzDschudschistarb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's von den Brüdern getrennt, nachKipdschakgegangen, von dort aber wieder zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward, und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aberHafis Ebrusetzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung Chuaresm's zwischenDschudschi,OgotaiundDschaghataivorgefallenen Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen denIrtisch, wo sich dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzterhellte, dass er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein, wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's wardreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denenBatuihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die folgenden: 1)Orda, 2)Batu, 3)Berke, 4)Berketschiter, 5)Jetukami?, 6)Scheiban, 7)Tangkut, 8)Juden(Tuden?), 9)Tschilaun, 10)Sikur, 11)Dschemi, 12)Udur, 13)Boka Timur, 14)Schikum.

Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von Reschideddin vorUduraufgeführteMohammed; dafür fehlt bei ReschideddinJetukami, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der Handschrift Reschideddin's auf der kais. HofbibliothekBerktschapar, was jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai'sBerketschitergenennet wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung vonBerke kitschikter, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hierJudenoder vielmehrTudengenannt, heisst bei ReschideddinTewal; der folgende bei demselben richtigerTschilaikunstattTschilaun, was daraus zusammengezogen. Der hierDschemigenannte heisst bei ReschideddinDschintimaiund ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem BruderBatunennt, und welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom vorletzten,Boka Timur, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B. 96 der Textausgabe)Tokai Timurheisst, dassBoka Timurim Dschihanguscha im GeleiteBatu'sbei der Thronbesteigung Ogotai's erscheint, während nach Abul GhasiTokai Timurals Regent in Kipdschak zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der weissen Horde: 1)Menkai, 2)Sasi Boka, 3)Eideren Ben Sasi, 4)Tschitschai, SohnEideren's, 5)Urus Chan, SohnTschitschai's, 6)Tokatmisch Chan. ImMunedschimbaschi(auf der kais. Hofbibliothek Bl. 397) heisst 1)Sasi Bokader SohnTuli's, des SohnesOrda's; ihm folgt, 2)Ebrsan, der Eideren Haider's, 3)Mubarek Chodscha, 4)Schintai, derTschitschaiHaider's, 5)Urus Chan. Hierüber ist zu bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowieTulinach der Munedschinbaschi's, der VaterSasi Boka'sgewesen sein soll; nach Reschideddin warSasi Bokader SohnPajan's, des SohnesKubindschi's, des SohnesSertaktai's, des SohnesOrda's, so dass er der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des SohnesTukkul's, des SohnesSaritsche's, des SohnesUs Timur's, des Sohnes Tokai Timur's, des Sohnes Dschudschi's.

Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's.

Erwähnung der Länder Dschudschi's.

Erwähnung der Länder Dschudschi's.

Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben, welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm sieben Söhne[762]zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern zusammengesetzt.Hordu,Batu,Berestai,Schekut,Berke,Berkedschar,Buka Timur. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's,Gesek,Esan,Osek,Alghui, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, untergab er der Aufsicht seines älteren BrudersHordu; der Sammelplatz der Heere Batu's waren die Distrikte amItil(Wolga). Er unternahm den Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte erSerai.

Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen Secten hin, und war weitdavon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse declamirten:


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