Hulagu's Aufbruch.
Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen,Abaka, und den dritten,Juschmut, mit sich, trug dem zweiten,Dschumkur, im Lager des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem BruderTemkjan[147]in seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten ihn noch sein jüngster BruderSuntai, der neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse DschagataiTekuder[148], der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der EnkelBulghai[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, der Sohn seines ErstgeborenenOrda, und der UrenkelKotur, der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten SohnesTewel; endlichBuka Timur, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder vonKubak ChatunundOldschai Chatun, der zwei Gemahlinnen Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse FrauTokus Chatun, dannJisut Chatun, die Mutter des erstgeborenen Abaka undOldschai, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich:Hulagu, seine SöhneAbakaundJuschmut, sein BruderSuntai, sein StiefschwagerBuka Timur, der NeffeTekuder; die Vettern:Bulghai,KuliundKotar. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen.Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen Gränze, erst vonDür Nujanund hernach vom TatarenSali Nujangegen Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der NaimaneKeitbuka, vormals Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige Tagreisen später über denArungu, der in den SeeKisilbasch, d. i. Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über diesen Marsch abgestattete Bericht[150]Pfuhlenennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcherHeftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;[151]durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet sich der Weg nachAlmaligh, einer Stadt voll fliessender Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai, welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihmMesud, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene vonKjanigül, d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.
Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.
Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des PrinzenSuntai, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der StadtKesch[152]vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen vonSchehr Sebs, d. i. der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärtenumgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat,Schemseddin Mohammed Kert, der Gründer der seinen Namen führenden und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden DynastieKert, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der DschelaireIluke, dessen VaterKadan, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155]Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave warArghun. Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannteIltschidai, welcher vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die Missionäre alsErgutaikennen, und der, nachdem sein Sohn in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden.Arghun, durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's Thronbesteigung zumBaskaken, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward. Vater zahlreicher Söhne[156], von denenNewrusundLegsiin der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die BrüderIseddinundRokneddin, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von Fars,Saad, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres 1256 unserer Zeitrechnung.
Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.
Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste)10. Januar 1256.wurde südwestlich von Balch ausser der StadtScheburghan[157]gelagert, deren District bei den morgenländischen Geschichtschreibern unter dem Namen der LandschaftDschusdschanoderDschusdschananbekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich bewässerten Gärten sind vorzüglichfruchtbar an Wassermelonen, welche getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten; ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar, in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen SohnKerrai MelikundAlaeddin Athamülk Dschuweinials Staatssekretär zum Dienste Hulagu's zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft, sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die arabisirte Aussprache vonKuwan[159], einem Distrikte der StadtNischaburin Chorasan, dessen HauptortAsadwar, auchDschuweingenannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt worden. Sie waren die Söhne des ImamsAbdulmelik Dschuweini, aus einer seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog,I. J. 588/1192bewillkommte ihn Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im GefolgeDschelaleddin Mankburni's, als dieser vor den Mongolen floh.617/1220Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus,630/1232undDschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und Masenderan;633/1235drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, welche den TitelDschihanguscha, d. i. die Welteröffnende, führt[160], die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den Hof des Kaan's versahAthamülkbei Hulagu die wichtige Stelle des Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.
Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.
Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufgebrochenund mit fünftausend Fussgängern inKuhistan, d. i. im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des SchlossesGirdkjuh, d. i. Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt.Girdkjuh, auchDerikunbed, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente im eigentlichsten Sinne den NamenKreisberg. Da das Schloss festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164]und im türkischen Hadschi[165]Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die SchlösserMehrin, vor dem er Wurfmaschinen aufstellte,Schahdis, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bisTarimundRudbar, die er verwüstete, an den Fuss von Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die vonSchirkjuhmachten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten[166].Die beiden SchlösserSchirundSirkjuh[167]wurden berennt,Mehringenommen; die Besatzung vonGirdkjuhhatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben müssen;Schaaban 651/Nov. 1255da sandte der Grossmeister zwei seiner Hauptleute[168]mit hundert zehn Tapferen, jeden mit dreiMennHenna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169]durch die nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet.letzten Schaaban 653/Dec. 1255Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der DichterSchemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein Gedicht, woraus die Verse:
Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.
Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.
Die Städte Tun und Tus.
Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170]des SchlossesSertacht, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte Ethik nach dessen Namen dieNassirische Moral[171]betitelte, rühmlich fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun.Tun, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne vonKain[172], zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nachSawaundChawwaf[174]vorgerückt, erlitt einigen Verlust;Kuli IlkaiundKeitbuka[175]wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten, und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen wardie Stadt erobert,7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256und sie kehrten sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[176]durch die Grabstätte des Chalifen Harun Reschid[177]nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen ethischen DichtersFirdewsi[178], als der GeburtsortGhasali'sdes grossen Philosophen,Nassireddin'sdes grossen Astronomen undHamdallah Mestufi'sdes grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht. Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer Verwüstung von Tus, dem SohneNuser's, wieder aufgebaut, von ihm den Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im Dorfe des DistriktsSebanabad[179], der um dasselbe angebauten Stadt den heutigen NamenMeschhedgegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen, welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben einWasserbecken. Die grosse Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut, im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser herrliche Hof heisstSsahn, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II. angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181]
Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.
Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene vonRadgjan, wohin vonMerw,JesrudundDehistanWein und Lebensmittel imUeberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu bauen, und dem WesirSeifeddindie Leitung und Oberaufsicht des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt worden,29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben.10. Schaaban/2. Sept.Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach[186]gestorbenen grossen mystischen Scheichs Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem NamenMussannifek, d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191]an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und sandte abermals vier Botschafter[194]mit dem Begehren, dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen Schlössern, wieMeimundis,LemsirundAlamut, Zinnen, Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195]und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegenFiruskjuh, d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zuergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger vonGirdkjuhundKuhistan, sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.
Demawend, Fall von Meimundis.
Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. DiesesFest heisst das Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu denSchemseddin Kileginach Girdkjuh (demTigado Haithon's), um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen Knaben,17. Ramasan 654/8. Oct. 1256welchen ihm aber Hulagu mit der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine Huldigung darzubringen.1. Schewwal 654/26. Oct.Nach vier Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegenThalkan[200]gewendet,10. Scheww./31. Octobereiner Stadt der LandschaftTocharistan, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den NamenTocharenerhielten, der noch in dem der MongolenTsacharenfortlebt. Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach,19. Scheww./8. Novemberals sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, obdie Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach, Sonntags den 19. November,19. Nov. 1256kam Chuarschah selbst, um den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:
O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!
O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!
Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nurGirdkjuhundLemsir, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zuMeimundis[201]aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vorAlamut, d. i. das Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet.26. Silhidsche 654/15. DecemberDie Mongolen drangen ein, zerbrachen die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.
Schlösser der Assassinen.
Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär AthamülkDschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel:Begebenheiten unsers Herrn und Meisters[202]führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seinerWelteröffnenden Geschichtedie verlässlichsten Nachrichten über denselben gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte.Alamut, d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als unbezwingbar ins Auge springen.[204]Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der FlussSchahrud, d. i. der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisstRudbar, d. i. das Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches derSendrud, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List bemächtigt,483/1090dann sich vom seldschukischen SultanBerkjarokdas in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten, und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege gelegene feste Schloss vonLembeser[205]. Nebst Alamut, d. i. dem Geyerneste,Girdkjuh, d. i. dem Gürtelberg, undLembeser, d. i.Ruh' im Kopf, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen der StädteTunundKain) in Kuhistan: das vonMeimundis, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, undMuminabad, d. i. derBau der Gläubigen, welches seinen Namen und seine Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den Beinamen desneuen Musulmanführte, dankt, dessen Name in der heutigen Verstümmelung vonMeiomend[206]kaum zu erkennen, und dessen ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so auch die des am BergeDemawendgelegenenFiruskjuh, d. i. Glücksberg, und das SchlossDschenabdaroderKebajed, welches aber nicht erstvon den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen HeldenGudersbefestigt worden sein soll.[208]
Kaswin.
Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager,16. Silhidsche 654/4. Jan. 1257wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur Uebergabe vonMeimundisbeigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seinerauserwählten Geschichtedieses Besuchs als einer der merkwürdigstenEpochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211]hier eine Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben:an kesch win, d. i.jenen Winkel schau, und nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort der NamenKeschwin, d. i.Winkel schau, blieb, das heutigeKaswin. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte eine dritte Stadt hinzu,Mubarekabad, d. i. der gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche den NamenReschidabaderhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212]. Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach ihmSsahibabadgenannten Viertels. Hierauf[213]vom Dilemiten Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch[215]gebaute das besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert später[216]die nach seinem Namen genannte Moschee;eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen heisst:Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des Paradieses[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu wählen; Musiker ausChorasan, Geschäftsmänner ausIssfahan, Krieger ausTebrisund Gesellschafter ausKaswin[219]. Zur Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden SekretäreKaswini, der Verfasser derWunder der Geschöpfe[220]und dereinzigen Perle der Seltenheiten[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, undHamdallah Mestufi, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222]und der bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichenKaswin.