Chapter 9

Wann sich spaltet der Himmel,Wann die Sterne sich zerstreuen,Wann sich mischet der Meere Getümmel,Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]

Wann sich spaltet der Himmel,Wann die Sterne sich zerstreuen,Wann sich mischet der Meere Getümmel,Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]

Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen; Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust; Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine Stunde[344]. Ihr sagt: „Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand“. Den Fleischer die Menge der Schafe nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand gesteckt. WerdenWir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen? Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer glückselig:Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?[345]Nach dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes, des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen, genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die Phantasien, die leeren. – Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen:Ihr habt eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen.[346]Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen, und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, von dem derSprechende spricht:Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten, aber es fliehen dich der Dinge Gestalten.Du hast geschrieben den Text:Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.[347]Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort:Gottes Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht, der KönigNassirundJaghmurundAlaeddin Koscheimriund die übrigen Emire Syriens achten nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letztenSsaferund Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand. Heil!“

Marsch bis Haleb.

Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zuMalatia,Kalaatol Rum,BireundKirkesia, alle vier als Uebergänge des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte bekannt.Malatia, das alte Melitene,Kalaatol Rum, d. i. das Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband,Bire, das alte Birtha, undKirkesia, ganz unverändert das alteKirkesion. Das erste Blutbad hatte zuMenbedsch, dem alten Hierapolis, statt, dessen heutigerName aus dem altenBambyceverstümmelt; die beiden alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt, die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte Thürme erhoben, Thürme, die heuteMinarete, d. i. Leuchtthürme, genannt, ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit Besatzungen versehen, nämlich: die SchlösserNedschm,RakkaundDschaaber.Nedschmheisst das Sternschloss;Rakkahat in der römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium schönen Sieg verkündenden Namen,Dschaaberaber in der osmanischen die grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349]streiften ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem, der Sohn Nassir's, der Urenkel[350]des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres rückten vorMaarretnaaman,HamaundHimss, welche sich ergaben; die Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auchMelik Nassir, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien, nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbstlagerte vor dem westlichen Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude heisst, ist ein grosser[351]alter Stein, bei welchem Juden und Christen schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's, dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende entstanden aus der Verstümmelung des alten NamensChalyboninHaleb, was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen, Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber dieTochter des Gedächtnisses[353]nennt, weil sie gegessen das Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch das kleine Indien genannt.

Eroberung von Haleb und Harim.

Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's, an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei, unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten. Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei derenVertheidigung Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden, aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch, der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359]hatte die Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward.11. Rebiulachir 659/6. April 1261Die Emire der ägyptischen Mamluken, welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulaguernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter dem NamenHarimaus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, dasser trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama, dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah, der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der Christen zuHossnol Ekrades nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein übriges Erbe verschonend[365].

Miafarakain.

Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen.Miafarakain, das südlich demselben gelegeneHossnkeifund das noch südlichere, am BergeDschudioderMasiusgelegeneMardin, das alteMerde, drei der festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenischNefrgerd, auf griechisch dieStadt der Martyrergeheissen, ist vielleicht das alteCarcatiocerta, welche die HauptstadtSophiene's, wie Miafarakain die Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss heisst[367]und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die QuelleBekr'sheisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen Namen hat; es ist das GrabmalSeifeddewlet's, d. i. des Reichsschwerts, des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des StammesBekr Ben Wail, dann der Könige vonKinde, aus welchenAmrolkai's, einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers, zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet. Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien derBeni MerwanundBeni Ortok, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den beiden ihm untergebenen Feldherren,Ilkai NujanundSuntai, zur Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters, der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad, dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369]und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen.

Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.

Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: „Die Lebensmittel sind ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.“ Der Prinz sandte den Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden verstümmelte Männer,die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb, Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst, aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's beigesetzt.7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260Der Scheich Schihabeddin, als Dichter unter dem NamenAbu Schama, d. i. Vater des Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet, woraus die Verse:

Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,Womit auch dasHusein'sward gefahren;Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;Im Leben und im Tode gleich Verfahren.

Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,Womit auch dasHusein'sward gefahren;Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;Im Leben und im Tode gleich Verfahren.

Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in Aegypten, der Herr des festen Schlosses vonHossnkeif, welches zur selben Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen getödtet ward.HossnkeifoderHissnkeifa, von den Byzantinerndas Schloss desKiphasgenannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen; bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei den ArabernRasol Ghul, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfallsDämonenhauptnennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglichHasan Keifagelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln; die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit:Hasan Keifa!d. i. Hasan Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem alten persischenSchlosse der Vergessenheit, worin Prinzen und andere Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf persischGilgerd[374]genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mitGirdkjuh, demTigadoHethum's[375], das länger als alle anderen aushielt[376].

Mardin's Belagerung.

Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zuAmid und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen Stammes der Marden, welche der persische KönigArsacestheils hierher, theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377]und deren Nachkommen, im Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der BergMasius, sogenannt von seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemalsIzale, dann von den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii, katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten, die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss derMagyarenund den Pass derSabiren, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus dem Lande zwischen der Wolgaund dem Dniepr sich südlich nach Persien wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: „Ich hatte den Sinn, mich euch zu unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt, hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.“ Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht; endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastieder Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren GründerKara Juluk, d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als Vasallen der Mongolen zuHossnkeifundHimssgeduldet, während die Dynastien der beiden anderen vonMiafarakainundHalebmit ihren Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage vonAindschaluterzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.

Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.

Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382]Greis, der vierzigjährige Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen, aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich, nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's,Dschewad; hierauf die festen StädteNissibinundDaraden Händen der Chuaresmier, den Sohn Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend.637/1239Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und Huldigung gegen Hulagu ist schon obenErwähnung geschehen. Nach seinem Tode wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern vonMossul,SindscharundDschesiret Ben Omarbelehnt. Ssalih wurde in's Lager gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von Mongolen besetzt; er verweilte zuDschewsak, wo ihn die mongolische Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer,Beidakder Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen geschossen, der Brief demSenedarghun Nujangebracht. Er legte sich in Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis dieSonne in ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite an Hulagu. Senedarghun[385]verhiess und gewährte beides, aber nur der Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder in die Stadt zurück.5. Schaaban 660/27. Januar 1262Hulagu war über Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde, das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault, abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's, welchem sein Volk den EhrennamenSsain Adschu, d. i. der Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für dasHemd[386]des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur als Oberkleider[387]angesehen wurden.

Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.

Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zumKaanundMoilchanausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe erHaleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im zauberischen Thale vonGhutagelagert, welches durch die üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen vonObollaan der Mündung des Euphrats, das ZauberthalSchaab Bewwanin Fars und die Ebene vonSoghdim Lande jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal vonTebris[388], das vonMamschanrud zu Hamadan, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zuSebusi[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich das desBosporos, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des türkischen DichtersMelhemidie Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka Gesandte der Franken, welche ihm den PrinzenSahir, den Bruder Jusuf Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft vonSsarchad[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den BergenGarazinundTobal, welche die Kibla der Samaritaner, gelegeneSichem[392], und die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen.Die Mongolen kehrten das grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus.Panias[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nachKerekund von da nachBelkabegab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der belagernd vorAdschalun'sMauern stand. Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit seinem BruderSahir, mitSsalih, dem Sohne des Sultans von Himss, und mitAsis, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.

Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.

Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's, welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, erschlagenhatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen, ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397]. Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten,Mois Seifeddin Kotos, erhielt, in dessen Gefolge sichMelik el Manssur, der Sultan von Hama, mit seinem EnkelEfdhal, dem Vater Abulfeda's, des grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nichtgewährte.Kotos, der erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den Händen der FrauSchedschreteddurr, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des TurkmanenIseddin Aibek Dschaschnegir, d. i. Glaubensehre, Mondfürst, Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen selbst als Sultan Aegyptens einnahm.


Back to IndexNext