Drittes Buch.

Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.

Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.

Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar zu Hulagu.4. Ssafer/10. Febr.Dieser empfing ihn ohne Merkmal des Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach begann die allgemeine Plünderung.7. Ssafer/13. Febr.Alle Paläste und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich ausgenommene Häuser vonArkaunen, das ist nestorianischen Priestern und Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen FrauTokus, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mitGlockengeläute gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen aufhielten.

Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.

Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand. Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl, es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar; doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein UrgrossvaterNassirso oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht damit ganz füllen, sein VaterMostanssir, dass er dieselbe trotz seiner verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen. Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, dieGrabmäler von Rossafa, wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum.14. Ssafer/20. Febr.Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum Wesir: Was ist zu thun? „Unser Bart ist lang“, antwortete dieser in bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: „Der Wesir hat einen langen Bart“ (auf das arabische Sprichwort hindeutend:langer Bart und kurzer Verstand). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren Anfang:

Wir wachten auf in einem Freudenhorte,Voll Paradieseslust und Pracht;Der Abend findet uns an einem Orte,Woran wir gestern nicht gedacht.

Wir wachten auf in einem Freudenhorte,Voll Paradieseslust und Pracht;Der Abend findet uns an einem Orte,Woran wir gestern nicht gedacht.

Am selben Tage, wo Hulagu sein Lager von Bagdad zurückzog,14. Ssafer/20. Febr.wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und seine fünf Begleiter wurden im DorfeWakfhingerichtet, und am folgenden Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren, getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddinvon Demaghan in die Stadt gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den schönen BeinamenMeliki rast, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; demIbnol Alkamiaber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats, und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die Inschrift zu lesen:Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol Alkami[303].

Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.

Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der Vorsteher derselben,Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus(das erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisstGlaubensruhm, das letztePfauensohn) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen folgte auf dem FusseBuka Timur, der Bruder der Frau Oldschai, um sich Hille's,Wasith's und Kufa's zu bemächtigen.10. Ssafer/16. Febr.Die Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt. Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der StadtSchusterzur Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück.19. Rebiulewwel/26. MärzEin Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen Schreiben zurückgefertigt; es lautete: „Wir haben gelagert vor Bagdad im Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!“11. Rebiulachir/17. AprilHulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils wieder bei seinem schweren Gepäcke[306]zu Hamadan, wo er seine Gesundheit pflegte, da er unwohl.16. Rebiul. II./22. AprilFünf Tage später erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach starb Moejeddin Ibnol Alkami,2. Dschem. II./6. Juniwelcher wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte; nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name Ibnol Alkami'snichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht, als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser desSittenspiegels der Herrschaft[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess, beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass, deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte vor den Augen der Nachwelt.Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste.

Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein; die Sternwarte von Meragha.

Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu denOroktu Nujanzur Eroberung Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308]verstorbenen turkmanischen FürstenKewkebusi Ben Ebul Hasan Alidamals eine der blühendsten Städte des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen doppelten EhrennamenMelik Moaasem Mosaffereddin, d. i. des grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai, in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch ausserdem mit Reisegeld versehen wurden,ein Kloster, eine Medrese, an welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten. Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt. Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil wohl den Namendes durch die Religion siegreichen, grossmächtigen Königs[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht. Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der sie ihm auchsandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten, weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und welche ein Steiermärker die persischeRiegersburgnennen würde[310]. Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf;7. Schaaban 654/9. August 1258ebendaAtabeg Saad, der Salghure, Herr von Fars, und die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet:Ich kam als Welteroberer und nicht als Welterhalter[311]; Hulagu antwortete: Ich bin,Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha, deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung vollendet ward. Vier Astronomen[312]von Damaskus, Kaswin, Achlath und Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen Nassireddin's von Tus.

Herrscher Gross- und Klein-Luristan's

Von den Fürsten, welche dem neuenIlchanoder Landesherrn nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabersdes Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Dieauserwählte Geschichte[315]rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlafgepflogen und dass er viertausend juridische, nach den Grundsätzen des RitusSchafiientschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft Klein-Luristan's seine SöhneDschemaleddin Bedr(Schönheit der Religion, Vollmond) undNassireddin OmermitTadscheddin Schah, dem Sohne des in der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's,Tadscheddin, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden Söhne Bedreddin Mesud's, demFelekeddin HasanundIseddin Husein, zugesprochen ward.

Könige Gross- und Klein-Armenien's.

Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die AraberHatim, die KreuzfahrerHaithonnennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317],verdächtigt auch die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus der FamilieAwakanzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss seiner FeindeSewindschundScherefeddineingekerkert, welche Arghun's Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322].657/1259Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien,dem cilicischen Reiche, erhielten sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen FrauTokus, welche eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die StadtAin; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend Kirchen[324]; die Residenz des zweiten,Sis, in Cilicien an einem kleinen Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des Erleuchteten aus dem Kloster beiKaghseman[325], das zwischen Karss und Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von Norevanch schenkte[326].Hethum, schon durch die Lage seines Königreichs ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten derKreuzfahrer durch Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der Mamluken, sowie hernachPurthel, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der PagratideHethumin den Geschichten der Araber als ein zweiterHatim(das arabische Muster von Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen in's mongolische Hoflager figurirt.

Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.

Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.

Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen Dynastien.

Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des Tigris war der Herrschaft desIlchan'sunterworfen, aber hierdurch der Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von demhohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von Aegypten trennt,MiafarakainundHossnkeif, bis nachDamaskusundKarak; inmitten derselben die vonHaleb,HamaundHimss. Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre. Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der Familieneinigkeitsich lockerten, begannen auch die Thronen der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.

Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.

Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die vonHaleb, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zuKerek, herrschten AbkömmlingeMelikol-aadil's(d. i. des gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zuHamadie NachkommenSchehinschah's, des Bruders Ssalaheddin's undMelikol-aadil's, und zuHimssdieSchirkuh's, des Oheims der drei Brüder.Melik Nassir Jusuf, der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters,Melikol-asis, Tode schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, die FrauSsaffije, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss,Manssur Ibrahim, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's.646/1248Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's,Melikol-eschref Musa, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss vonTell baschirgegeben. Im folgenden Jahre hatteer wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb.647/1249Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein.648/1250Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst beiAbbasa, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain herrschteMelikol-kjamil, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der vonHossnkeifwarMelikol Mowwahid, der Ururenkel Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von demselbenJerlighundPaise, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlichunterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.

Aufbruch von Tebris.

Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt vonAserbeidschan(dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umherPaitachti Hulagu, d. i. der Fuss des Thrones Hulagu's.Tebris, d. i. daswarm Rieselnde, hat seinen Namen, der gleichbedeutend mitTepliz, von seinen warmen Quellen; es liegt auf der Westseite des BergesSehendmitten unter üppigen Gärten, vom FlusseSurchab, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dassTebrisnur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommendenGabris; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse FrauSobeide.175 (791)Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert245 (857)und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in Schutt gelegt.434 (1042)Der AstronomAbu Tahirvon Schiras hatte das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung, aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; „und wirklich“, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber Geographe, „haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung fürchtet“. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furchtverschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine FlussMehranrudvertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs mit den Zauberthälern vonSoghd,Damaskus,Schaabbewwanund mit der Ebene vonMamschanrudbei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen, Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische Viervers gang und gäbe:

Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.

Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.

Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:

Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.

Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.

Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte: Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der Stadt, zu sprechen der Ort sein[327].

Marsch Hulagu's bis Roha.

Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften September gegen Syrien auf.22. Ramasan 657/12. September 1259Vor seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm,Dſchelaleddin. Seinen FeldherrenBaidſchuundSchikturübertrug er den Befehl des rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich vonHasan Kalaa, erhebt sich das GebirgeAlatagh, d. i. der bunte Berg, in welchem herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich die desMuradſsuji, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328]. Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden vonAlatagh, dass er denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er sich südwärts nachAchlath, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan, gegenüber des SchneegebirgsSiban, gelegenen Stadt, die eine uralte, schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel, deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben.626/1228Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätteund noch das Stadtviertel der Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des StammesHakkjari, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333], Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335]und Suntai Nujan wurden die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte sich nachRoha, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab;HarranundNiſsibinwurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner vonSerudsch, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen, Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: „Nicht dich haben wir begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm“. König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen imStande[336]. Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's mittelländische Meer.20. Juli 1259Von hier aus wurde ein Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt:

„Gott, der Ernährer der Himmel und Erden“, so kündet der siegreiche König: „Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen,Seifeddin(das Schwert des Glaubens),Ihn JaghmurundAlaeddin El-Koscheimriund die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet. Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wirerbarmen uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende:was erwerben eure Hände. Wer voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der Erniedrigung und Verachtung.Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung, weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster. Er wird die kennen,die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.[338]Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten, und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken, ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei der Hand, und Niemand lösche den Brand;weisst du, was das sei, flammender Brand?ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens auch mit den Worten des Korans ruft:Ist einer von ihnen zu finden, ist von ihnen zu hören der geringste Laut.[339]Wir sind billig gewesen, indem Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura:Nachl[340], und das Ende der Sura:Ssad[341]. Wir haben Perlen des Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu Theil dem, der verdient Heil.“

Antwort.

„Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es wird gegeben das Reich, wem er will; es hat uns seine Vorsehung geleitet, Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch. So sagt der Koran: „O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet an!“ Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben, und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? – Wir halten fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmendas Schädliche nicht an und legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen.


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