Zweites Buch.

Dynastien im Osten Asiens.

China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der DynastieJuan, d. i. der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich von Dehli, dessen grosse StadtLahurnoch unter Gujuk's Regierung von den Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach demindischenGränzreiche, nachChorasan, d. i. dem Ostlande, dem persischen Oesterreich und dem daran stossendenKuhistan; im SüdengegenKermanundJesd, dann nach Persien im engsten Sinne, nachFars, dem persischenIrakund den beiden dazu gehörigenLuristan; im Westen nach demarabischen Irak, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der Seldschuken inRum; im Norden nachGilan,GeorgienundArmenien; endlich nach dem entferntenSyrienundAegyptenund dembyzantinischenReiche:

I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie derChuldschen, d. i. die fünfte derGhur, nachdem die drei früheren dieses Namens zuGhasna,BamianundKabulerloschen, während die vierte, nämlich die derUlugschahe, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der zweiten tatarischen Dynastie, unter welcherFerischte, der grosse Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam Tschengischan's, NamensCholdsch, abstammen; aber keiner der Eidame Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben warenCholdscheoderChalladsche(das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des Namens derChalladschoderKaladsch), welche, wiewohl Türken von Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser DynastieDschelaleddin Firus, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in einem besonderen:die Eroberung der Eroberungen[123]betitelten Werke beschrieben, und dessen SohneAlaeddinein anderes seiner Werke, nämlichdie Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne[124], gewidmet. Chosrew von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes JahrhundertspäterWassaf, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane,ChodabendeundEbu Said. II. InChorasanwar erst vor einigen Jahren zu Herat die Dynastie derKertdurch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt, Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder,Alaeddin Mohammed Gurschah, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet, entsank.

Dynastien im Süden Persiens.

IV.Kerman, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt, und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der KämmererBorrak, zum Islam bekehrt, vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem EhrentitelKotlogh Sultan, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in derwelteröffnenden GeschichteDschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan'sRukneddinerhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman, Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, durchden Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der Belehnung einen Gesandten an Rukneddin,650/1252der, als er beim Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später erfolgten Tode behielt.658/1258Fast noch weniger als die Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom DilemitenEbu Dschaafer Mohammed Kakujeab, dessen Namen die Araber inKakeweih, so wie den derBujeinBoweih, und den derFaslujeinFasleweihverstümmeln; er war der OheimSide Chatun's, der Mutter Medschdeddewlets des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein SohnEbu Manssur Firamurshatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von Jesd erhalten;443/1052ihm war in derselben sein SohnEmir Ali Ben Firamursgefolgt,536/1142welcher im Kriege wider die Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken, verlieh die Herrschaft von Jesd demSam Ben Wirdan,515/1122einem Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die Herrschaft seinem BruderIseddin Beschker,590/1194welcher, ein tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb;604/1208ihm folgte sein BruderWirdansordurch zwölf Jahre, und dann dessen BruderEbu Manssur, beigenannt Kutbeddin der Choldsche,gest. 616/1219nach ihm dessen SohnMahmuddurch dreizehn Jahre, und nach diesem dessen SohnSalghurschah,621/1231der Erbauer der nachihm genannten StadtSalghurabad, und dann dessen SohnToghanschah, der neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125], welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren Herrschern (Alaeddewlet und dessen BruderJusufschah), zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den Einkünften des Diwans einverleibt ward.

Die Dynastien in Fars.

In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras, insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126]aus der FamilieFasluje. VI. Die VorfahrenFasl Ben Emir Fasluje'swaren ursprünglich die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemeinFasluje Ben Hasujegenannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras,Tasch Ferrasch Schebankjare, das Land mit einem Heere,430/1038und zu dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzigMillionen Dirhem; da er sich wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli derChuansalar, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd, dessen langer NamenNisameddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm folgte sein SohnMobariseddin, dann dessen SohnNisameddin II., dann der BruderMosaffer Mohammed,624/1227welcher, ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle den VornamenMosaffereddin, d. i.die mit dem Siege der Religion Betheilten, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des letztenEbubekr Ben Saad'sschon durchSaadi's Gülistanallein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten SalghurenSonkar Ben Mewdudin der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der Seldschuken, verwaltet worden. Der ersteFasluje Schebankjare, dessen schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem die Dichter, auf dessen NamenFasl, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:

Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,Den Uebermuth des Aufruhrs hieltFasluizurück.

Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,Den Uebermuth des Aufruhrs hieltFasluizurück.

Der zweiteRokneddewlet, d. i. die ReichssäuleChumar Tegin, ertrank; der dritteDschelaleddin Dschanliverheerte das Gebiet der Dynastie Schebankjare; der vierteKaradschubaute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan erschlagen; der fünfteMengubersbaute eine Medrese, an der er begraben liegt, dessgleichen seine GemahlinSahidedie MedreseIssmetizu Schiras; der sechsteBosabeward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsam getödtet,543/1148und der siebenteMelekschahhielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchemSonkar Ben Mewdud, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.

Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.

Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die sogenanntengrossen Faslujenicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern,LoroderLur, welche dort Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert, sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten StämmeAliund dessen SohnMohammedden Atabegen Salghuren, undAbu Tahir, der Sohn Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum unabhängigen Fürsten und Atabegen.550/1155Bei dieser Gelegenheit siedeltensich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben dieScholenoderSchulen, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren ältesterHesarsifin beständigem Kriege mitTikledem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog. Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als die der Atabege von Gross-Luristan.Schudschaaeddin Chorschid, d. i.der Tapfere der Religion, die Sonne, eroberte das Land, nahm, der erste, den TitelAtabegan, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert Jahre alt;580/1184ihm folgte sein NeffeRustem, ein gerechter aber strenger Fürst, den sein BruderScherefeddin Ebubekrermordete; dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein BruderIseddin Kerschasifnahm den Thron ein und die FrauMelike, seines Bruders Gemahlin, die Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen.640/1242Die Wittwe Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (Schudschaaeddin Chorschid,Ssafeddin RustemundNureddin Mohammed) zu ihrem BruderSuleimanschah, der mit Hosameddin den Kriegso erbittert führte, dass sie sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward, während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele Wortspiele:

Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128];EinDiw, begehrte er das Reich von Suleiman,Zuletzt imDiwanSalomoni's abgethan.

Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128];EinDiw, begehrte er das Reich von Suleiman,Zuletzt imDiwanSalomoni's abgethan.

Die Herrschaft kam an den obengenanntenBedreddin Mesud, den Bruder Iseddin Kerschasif's.

Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.

Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter diesem Namen berühmt, waren die vonDamaskus,Haleb,AserbeidschanundIrbilbereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon erwähnten persischen der Atabege vonJesd,Darabscherd,Schiras,Gross- und Klein-Luristan, und die nun zu erwähnenden vonMossul,DschesireundSindschar. XI. Zu Mossul herrschten seit einem Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren Thron vom Chalifen Bagdad's demBedreddin Lulu, Obersthofmeister der beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege vonSindschar, deren Herrschaft vor einemJahrhunderte[129]begonnen, hatte nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben, Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig Jahren[130]XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre StelleModschahid, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. ZuMardinherrschte ein Zweig derBeni Ortok, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig Jahren[131]erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132]Fürsten, deren Dynastie erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erlosch.[133]Ilghasi, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war sein SohnHosameddin Timurtaschund sein SohnNedschmeddin, diesen die beiden SöhneHosameddin II.undNassireddinund diesem der SohnMelik Saidgefolgt, welcher der sechste Herrscher dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's war diese Stadt im BesitzeKjamil'sdes Ejubiden. XV. Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die vonKairo,Damaskus,Haleb,Hama,Himss,Kerek,Baalbek,HossnkeifundJemen); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die vonMiafarakainundHossnkeif, und in Syrien die vier vonHaleb,Hama,HimssundKerek. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu Miafarakain; seine VorfahrenMelikol-aadil, der Bruder Ssalaheddin's, dannMelik el-eschref,Melik el-ewhad,Melik el-mosaffer, die drei SöhneMelik el-aadil's; der Sohn des letzten warMelik Kjamil, der Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte. XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem SohneMelik Mowahid, der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. ZuHamaMelik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete. Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, sein Sohn NachfolgerMelik Manssur I.ob seiner wider die Kreuzfahrer erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen Begleiter auf allen FeldzügenMelik Nassireddin Mohammeddes Vaters Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne desselbenMelikModschahid Schirkuh, zog aber das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein SohnManssur Ibrahim, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet, und nach ihm sein SohnMelik Eschref Mosafereddin Musa, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unterMelik Aadil Seifeddin Ebubekr, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab er Kerek seinem SohneMelik Moaasem Isa, welchem der Sohn Melik Nassir Daud und diesemMelik Moghis Fetheddin Omarfolgte, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI. Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien derBeni Ochaissar,Musa saniundBeni Haschimseit einem halben Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte HerrscherEbu Nemi Mohammeddurch sieben und vierzig Jahre gefüllt.

Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u. Kleinasiens.

Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des fünften die zwei DynastienBawendije, auf einander folgend, geherrscht; aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[135]erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein Zweig derselben in der DynastieDschelawije. Das Stillschweigen der Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136]beweiset, dass Taberistanwährend dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan herrschten XXII. die BeniBadusianschon seit dem vierzigsten Jahre der Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der GründerBadusian[137]war ein Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138]Sie führten den besonderen TitelAstandar, welches in der bisher ganz unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mitScheichol Dschebal, d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess, welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der vonAlamutund der vonRustemdar, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein BruderIsfendiar Kerkud, nach ihm sein NeffeSerin Kemer, d. i. Goldgürtel, der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139]sein SohnBisutun, diesem nach zehnjähriger Regierung der SohnFachreddewlet, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der SohnHosameddewlet Ardeschirund diesem der BruderIskendergefolgt. Sein NachfolgerIsfendiar Schehrahim, der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem NachfolgerOldschaitu, dem achten Ilchane Persiens, versucht.XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre, während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist XXIV. die Königin von Georgien,Russuldan, die Tochter derTamar, nach deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David Narin und ihrem SohneDavid Ssosslan, getheilet ward. Dieser erhielt das obere Georgien, d. i.Karthli,Kachethi,Achal-zicheundSchewar; der andere Niedergeorgien, d. i.Imerethi,Mingrelien,Sswanethi,DschikhethiundAbchasethi; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben,Iseddin Keikawus II., erst allein, dann mit seinen BrüdernRukneddin Kilidscharslan IV.undAlaeddin Keikobad II., von welchen der vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen Gesandte sich mit denenInnocenz IV.am Hofe Mengukaan's zusammenfanden.[140]Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des mächtigstenHerrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden, erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft.

Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- und Klein-Armenien's.

Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- und Klein-Armenien's.

Hulagu.

Hulaguoder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen,Chulaguwar der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode) Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden gefeierteKurultaider Familie zu halten, bei welchem alle Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch derFetteinschmierung[141], welcher darin besteht, denJünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142]aus dem Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen FrauTokus, und vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der KonghuratineKutuiChatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als fürihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem Schleier bedeckten mongolischen KopfschmuckBaghtak, dessen Namen die europäischen Reisenden inBotta, die Venezianer inBaiutaverstümmelt haben.[143]

Die Gemahlinnen Hulagu's.

Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], warTokus Chatun, d. i. die FrauNeun, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugenSijurkukteni, ihrer Tante, mehr an die Hand, alsins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre SchwesterTukinizur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die TöchterEttiko's, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme derUirat, nämlichKubakoderKojuk Chatun, die Mutter seines zweiten SohnesDschumkur, und ihre StiefschwesterOldschai, die Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des SohnesKutuke's, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine TochterDschidscheganzur Frau gegeben, welche ihm den SohnBuka Timurgeboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden TöchterKubakundOldschai, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen:Kutui Chatun, aus deren Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die MutterTekschin's, seines vierten, undAhmed Tekudar's, seines siebenten Sohnes; undMertai Chatun, welche kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die FrauJisutoderJisuntschin, aus dem Stamme Suldus, die Mutter des KronprinzenAbaka. Wir mussten in diese Umständlichkeiten eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte,nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich dieKeraitund dieUirat, sowie der derKonghurat, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.

Die Söhne und Töchter Hulagu's.

Der ErstgeboreneAbakawar als der Aelteste schon bei des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden SöhneDschuschkubundKunkuschu, wird im Verlaufe dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden.Jaschmut, der dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten Sohnes,Tekschin, welcher an einem Blasenübel gestorben, und dessen GemahlinNulun, die Tochter Buka Timur's, des Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn,Tarakai, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen BeischläferinBorkdschin, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger durch seinen SohnBaidu, welcher einige Monate lang der sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nachAhmedTekudar, dem siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden wardTusin, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, geboren.Adschai, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die BeischläferinDschudsche Ikadschi, die Mutter des neunten Sohnes,Kuikurtai, war eine Sklavin aus dem Lager der FrauTokus; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die MutterJisudar's, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku Timur's[145]erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste,Kordotschin, aus der AtabeginAbisch, in der Geschichte nicht minder oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den EmirSatilmischund endlich an ihren VetterTaghai; die AtabeginAbisch, ihre MutterTurkan ChatunundKordotschin, die obgenannte Tochter der Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der derIlchane Persiens verflochten.Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die SklavinIlkadschi, aus dem Lager der Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem KopfschmuckeBaghtakzur Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die MutterScheibawedschi's, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten,Taghai Timur's, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der FrauKutui, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die ersteBulughan Aka, aus der FrauKobak; sie wurde mit ihrem OheimDschume Gurgan, dem Sohne des TatarenDschudschi, vermählt, dessen Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamigeDschidschegan, die TochterUtdschigin's, des jüngsten Bruders Tschengischan's;Dschume Gurganerhielt nach dem TodeBulughan Aka'sauch die Hand der NichteDschemi, der zweiten Tochter Hulagu's aus der FrauOldschai; die dritte Tochter,Mengelugan, ebenfalls aus der FrauOldschai, ward anDschakir Gurgan, den SohnBuka Timur'sden Uiraten, vermählt, welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte,Tutukasch, aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den UiratenTengkir Gurgan, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen SohnSulamischund endlich an dessen SohnDschidschek Gurganvermählt, so dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146]die fünfte,Tarakai, deren Mutter die BeischläferinIrtikan Ikadschi, ward dem Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter,Kutlukan, aus der BeischläferinMinklikadsch, wurde zuerst demJisubuka, aus dem StammeDurban, dann nach dessen Tode seinem SohneTokelangetraut; die Hand der siebenten,Baba, aus der FrauOldschai, erhieltLegsi Gurgan, der Sohn EmirArghun's, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Persiengesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime und Vettern vermählt.


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