Antyllos.

Was die letztere anlangt, so gewähren folgende Beispiele Einblick. Das Opium ist kalt im vierten Grade, es bringt daher im Körper eine sehr bedeutende Kälte hervor, deshalb muß es mit erhitzenden Mitteln verbunden werden, die seine Wirkung mäßigen, z. B. mit Castoreum. Rosenöl ist kühlend im ersten Grade, denn es besteht aus Rosensaft (kalt im zweiten Grade) und indifferenten Oel, in welchem jede der vier Elementarqualitäten in gleicher Intensität vorhanden ist (der zweite Grad wird also um eine Stufe vermindert). Beruht z. B. eine Krankheit auf übermäßiger Steigerung des Warmen, so wird ein kalt machendes Medikament, und zwar in dem nach dem Grade der Alteration sich richtenden Intensitätsgrade verordnet.

Was die letztere anlangt, so gewähren folgende Beispiele Einblick. Das Opium ist kalt im vierten Grade, es bringt daher im Körper eine sehr bedeutende Kälte hervor, deshalb muß es mit erhitzenden Mitteln verbunden werden, die seine Wirkung mäßigen, z. B. mit Castoreum. Rosenöl ist kühlend im ersten Grade, denn es besteht aus Rosensaft (kalt im zweiten Grade) und indifferenten Oel, in welchem jede der vier Elementarqualitäten in gleicher Intensität vorhanden ist (der zweite Grad wird also um eine Stufe vermindert). Beruht z. B. eine Krankheit auf übermäßiger Steigerung des Warmen, so wird ein kalt machendes Medikament, und zwar in dem nach dem Grade der Alteration sich richtenden Intensitätsgrade verordnet.

Gegenüber der Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten stehen diechirurgischen Fächerbei Galen zurück. Als Gladiatorenarzt in der Heimat hatte er ja Gelegenheit, reiche Erfahrung zu sammeln, in Rom aber scheint er (entsprechend dem Spezialistentum), abgesehen von der Konsiliarpraxis und von Ausnahmsfällen, nicht als Chirurg tätig gewesen zu sein. Theoretisch hat er sich jedenfalls um die Chirurgie sehr bekümmert und vieles Wertvolle in seinen Schriften hinterlassen (z. B. über Verbandlehre, Wundbehandlung, Blutstillung, Naht, verschiedene Operationen). Beim Unterrichte bediente er sich zu Demonstrationszwecken kleiner Modelle (z. B. der Hippokratischen Bank, Streckapparat). Die Abhandlung über Augenheilkunde ist leider verloren gegangen. Am dürftigsten ist die Geburtshilfe in seinen Werken vertreten.

Die Chirurgie wird außer in den Kommentaren zu den einschlägigen hippokratischen Schriften abgehandelt in den Werken: De tumoribus praeter naturam, de locis affectis, Methodus medendi, de anatomicis administrationibus.Die galenischeChirurgiearbeitete bereits mit einer großen Zahl von Instrumenten. Dahin gehörten verschiedene Sonden, Pinzetten, Messer von verschiedener Art und Größe, Lanzetten, Haken, Nadeln, Glüheisen, Meißel, Hammer, Trepane, Schabeisen, Bohrer, Knochenzange, Klistier-, Mutterspritze, Röhren, Katheter, Steinzange u. a. Für die Behandlung der Wunden und Geschwüre (ἑλκος bedeutet beides) werden unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes des Patienten sorgfältige Vorschriften erteilt (z. B. Anlegung der Naht; unter gewissen Umständen nur partielle Naht; Vermeidung der Taschenbildung und Drainage des tiefsten Punktes; Zerstörung wuchernder Granulationen). Die Blutstillung erfolgt durch Kälte, Adstringentien, Naht,Ligatur,Torsionoder gänzliche Durchschneidung (angeschnittener) Gefäße, Glüheisen; als Ligaturmaterial dienten Seidenfäden oder Darmsaiten. Unter den Verletzungen sind ausführlich Verletzungen der Gefäße (traumatische Aneurysmen), der Nerven, penetrierende Brust- und Bauchwunden besprochen, wobei je nach dem Falle besondere Maßnahmen angegeben sind. Die Lehre von den Frakturen und Luxationen und deren Behandlung zeigt manche Fortschritte gegenüber den Hippokratikern (Klassifizierung der Schädelbrüche, ausführliche Beschreibung der Trepanation). Die Amputation gangränöser Teile ist nur gelegentlich erwähnt, der Resektionen hingegen wird häufiger gedacht. Berühmt ist der Fall vonResektion des Sternums(De anatomicis administrationibus Lib. VII, cap. 13), wobei das Herz freigelegt wurde, ferner beschreibt Galen die Rippenresektion bei Empyem (im Tierexperiment zu physiologischen Zwecken führte er die subperiostale Resektion eines Rippenstückes aus). Bei Defekten an Nasen, Ohren, Lippen kamen plastische Operationen zur Anwendung. Gut ist die Darstellung der Behandlung der Lymphdrüsenschwellung, der Varices und Fisteln. In einigen pseudogalenischen Schriften sind mehrere, hier nicht berücksichtigte chirurgische Fragen dargestellt; z. B. in den Definitiones medicae Blasenkrankheiten, Phimosis, Paraphimosis, Hypospadie, Atresia urethrae, Kryptorchismus, Hydro-, Sarko-, Varikocele; in der Introductio seu medicus ist unter vielem anderen eine eingehende Erörterung des Steinschnittes enthalten.DieGeburtshilfeist bei Galen nicht ausführlich dargestellt, jedenfalls ging er auf diesem Gebiete über die Vorgänger nicht hinaus; charakteristischerweise hielt er Nichtschädellagen für sehr selten. Besser scheint er in derGynäkologiebewandert gewesen zu sein; er beschreibt die Gebärmutterentzündung, Uteruskarzinom, Lageveränderungen des Uterus, Scheidenfluß, Mastitis, Mammakarzinom (Radikaloperation); die Ursachen der Sterilität werden eingehend erörtert.Hinsichtlich derAugenheilkunde, über welche sich in den noch vorhandenen Schriften nur verstreut Bemerkungen finden — seine „Diagnostik der Augenkrankheiten“ ging verloren —, wäre anzuführen, daß Galen in überraschender Weise dieFunktionsstörungenphysiologisch darlegt, dieKontagiositätgewisser Augenentzündungeu kennt; aus den Angaben über den Star, welcher teils in die Linse, teils ins Kammerwasser verlegt wird, kann entnommen werden, daß man in der Regel bloß die Verlagerung und Depression machte, daß jedoch einzelne Aerzte es auch versuchten, nach dem Einschnitt den Star herauszubefördern.Otologie: Galen hinterließ eine Masse von Rezepten gegen verschiedene Ohrleiden (Ohrenfluß, Abszeß, Ansammlung oder Mangel von Cerumen, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Taubheit). Die Erklärung der Symptome stützt sich zumeist auf Spekulationen, z. B. dominiert die Lehre vom aer ingenitus oder complantatus, der eingepflanzten Luft (aristotelische Hypothese vom ἀὴρ συμφυής). Rationell sind dagegen die Methoden zur Entfernung der Fremdkörper (Beschreibung feiner Häkchen,Zangen, Sonden) und manche Verfahren bei chirurgischen Affektionen (Quetschung, Anschwellung, Bruch des Ohrknorpels).Von scharfer Beobachtungsgabe zeugt die Schrift „Wie Simulanten zu entlarven sind“. Hier gibt Galen eine Reihe von physischen und psychischen Kennzeichen an, welche es dem Arzte ermöglichen, Simulation von wirklichen Krankheitszuständen zu unterscheiden. Einige Beispiele aus der eigenen ärztlichen Erfahrung illustrieren die mitgeteilten Kriterien in treffender, anschaulicher Weise.

Die Chirurgie wird außer in den Kommentaren zu den einschlägigen hippokratischen Schriften abgehandelt in den Werken: De tumoribus praeter naturam, de locis affectis, Methodus medendi, de anatomicis administrationibus.

Die galenischeChirurgiearbeitete bereits mit einer großen Zahl von Instrumenten. Dahin gehörten verschiedene Sonden, Pinzetten, Messer von verschiedener Art und Größe, Lanzetten, Haken, Nadeln, Glüheisen, Meißel, Hammer, Trepane, Schabeisen, Bohrer, Knochenzange, Klistier-, Mutterspritze, Röhren, Katheter, Steinzange u. a. Für die Behandlung der Wunden und Geschwüre (ἑλκος bedeutet beides) werden unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes des Patienten sorgfältige Vorschriften erteilt (z. B. Anlegung der Naht; unter gewissen Umständen nur partielle Naht; Vermeidung der Taschenbildung und Drainage des tiefsten Punktes; Zerstörung wuchernder Granulationen). Die Blutstillung erfolgt durch Kälte, Adstringentien, Naht,Ligatur,Torsionoder gänzliche Durchschneidung (angeschnittener) Gefäße, Glüheisen; als Ligaturmaterial dienten Seidenfäden oder Darmsaiten. Unter den Verletzungen sind ausführlich Verletzungen der Gefäße (traumatische Aneurysmen), der Nerven, penetrierende Brust- und Bauchwunden besprochen, wobei je nach dem Falle besondere Maßnahmen angegeben sind. Die Lehre von den Frakturen und Luxationen und deren Behandlung zeigt manche Fortschritte gegenüber den Hippokratikern (Klassifizierung der Schädelbrüche, ausführliche Beschreibung der Trepanation). Die Amputation gangränöser Teile ist nur gelegentlich erwähnt, der Resektionen hingegen wird häufiger gedacht. Berühmt ist der Fall vonResektion des Sternums(De anatomicis administrationibus Lib. VII, cap. 13), wobei das Herz freigelegt wurde, ferner beschreibt Galen die Rippenresektion bei Empyem (im Tierexperiment zu physiologischen Zwecken führte er die subperiostale Resektion eines Rippenstückes aus). Bei Defekten an Nasen, Ohren, Lippen kamen plastische Operationen zur Anwendung. Gut ist die Darstellung der Behandlung der Lymphdrüsenschwellung, der Varices und Fisteln. In einigen pseudogalenischen Schriften sind mehrere, hier nicht berücksichtigte chirurgische Fragen dargestellt; z. B. in den Definitiones medicae Blasenkrankheiten, Phimosis, Paraphimosis, Hypospadie, Atresia urethrae, Kryptorchismus, Hydro-, Sarko-, Varikocele; in der Introductio seu medicus ist unter vielem anderen eine eingehende Erörterung des Steinschnittes enthalten.

DieGeburtshilfeist bei Galen nicht ausführlich dargestellt, jedenfalls ging er auf diesem Gebiete über die Vorgänger nicht hinaus; charakteristischerweise hielt er Nichtschädellagen für sehr selten. Besser scheint er in derGynäkologiebewandert gewesen zu sein; er beschreibt die Gebärmutterentzündung, Uteruskarzinom, Lageveränderungen des Uterus, Scheidenfluß, Mastitis, Mammakarzinom (Radikaloperation); die Ursachen der Sterilität werden eingehend erörtert.

Hinsichtlich derAugenheilkunde, über welche sich in den noch vorhandenen Schriften nur verstreut Bemerkungen finden — seine „Diagnostik der Augenkrankheiten“ ging verloren —, wäre anzuführen, daß Galen in überraschender Weise dieFunktionsstörungenphysiologisch darlegt, dieKontagiositätgewisser Augenentzündungeu kennt; aus den Angaben über den Star, welcher teils in die Linse, teils ins Kammerwasser verlegt wird, kann entnommen werden, daß man in der Regel bloß die Verlagerung und Depression machte, daß jedoch einzelne Aerzte es auch versuchten, nach dem Einschnitt den Star herauszubefördern.

Otologie: Galen hinterließ eine Masse von Rezepten gegen verschiedene Ohrleiden (Ohrenfluß, Abszeß, Ansammlung oder Mangel von Cerumen, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Taubheit). Die Erklärung der Symptome stützt sich zumeist auf Spekulationen, z. B. dominiert die Lehre vom aer ingenitus oder complantatus, der eingepflanzten Luft (aristotelische Hypothese vom ἀὴρ συμφυής). Rationell sind dagegen die Methoden zur Entfernung der Fremdkörper (Beschreibung feiner Häkchen,Zangen, Sonden) und manche Verfahren bei chirurgischen Affektionen (Quetschung, Anschwellung, Bruch des Ohrknorpels).

Von scharfer Beobachtungsgabe zeugt die Schrift „Wie Simulanten zu entlarven sind“. Hier gibt Galen eine Reihe von physischen und psychischen Kennzeichen an, welche es dem Arzte ermöglichen, Simulation von wirklichen Krankheitszuständen zu unterscheiden. Einige Beispiele aus der eigenen ärztlichen Erfahrung illustrieren die mitgeteilten Kriterien in treffender, anschaulicher Weise.

Rühmlich schließt sich an die medizinischen Leistungen, was Galen anhygienischenVorschriften hinterlassen hat — hierin jeder Zoll ein echter Hippokratiker! Das ganze Gebiet meisterhaft beherrschend, auf alle Verhältnisse eingehend, schildert er für jede Lebensstufe bis in die kleinsten Einzelheiten, was zur Erhaltung und Bewahrung der Gesundheit dienlich ist. Ernährungsweise, Einflüsse des Wassers und der Luft, Bädergebrauch, Massage, Leibesbewegungen, Spiele u. a. werden von Galen in den Kreis der Betrachtung gezogen, und viele seiner auf scharfer Beobachtung fußenden Ausführungen besitzen unvergänglichen Wert, weil sie in dem Gedanken gipfeln, welcher die ganze harmonische Schönheit der klassischen Antike zum Ausdruck bringt, in dem Gedanken: Μηδὲν ἄγαν.

Die Bücher de alimentorum facultatibus, in welchen die einzelnen Nahrungsmittel (Brotarten, Hülsenfrüchte, Fleischsorten, Früchte u. s. w.) nach ihrem Nährwert und mit Vorschriften über Zubereitungsweise abgehandelt werden, bildeten lange die Quelle für alle späteren diätetischen Schriftsteller. In dem Werke de sanitate tuenda werden die hygienischen Faktoren eingehend besprochen. Von den Spielen erklärte er diejenigen für die besten, welche KörperundGeist erfreuen. Ueber die Wirkungsweise der Bäder und die Modifikationen ihrer Anwendungsweise findet sich in de sanitate tuenda geradezu ein Kompendium. Mit größter Schärfe wendet er sich dagegen, daß man Neugeborene in kaltem Wasser bade; man berief sich darauf, daß die heldenstarken Deutschen diese Sitte üben. „Ich habe,“ sagt Galen, „mein Buch nicht für Deutsche, auch nicht für Bären und wilde Schweine geschrieben, sondern für Griechen oder wenigstens für solche Menschen, die griechische Denkweise haben. War es jemals erhört, das kleine, noch von der Gebärmutter warme Kind in kaltes Wasser zu werfen, als ob es glühendes Eisen wäre? Kommt das Kind mit dem Leben davon, so mag es denn sein, daß dadurch seine natürliche Stärke geprüft und noch durch die Berührung des kalten Wassers vermehrt worden ist. Aber welche vernünftige Mutter, welche nicht ganz eine Skythin ist, wird an ihrem Kinde einen Versuch wagen, der, wenn er nicht gelingt, nichts weniger als den Tod zur Folge hat, um so viel mehr, da aus diesem Versuche gar kein Vorteil entstehen kann. Für einen Esel oder ein anderes lasttragendes Vieh mag es ein Vorteil sein, so einen steinharten Rücken zu haben, der gegen Kälte und Schmerz gefühllos ist, aber was nützt dies dem Menschen?“ Ebenso wendet sich Galen gegen die Athletik.

Die Bücher de alimentorum facultatibus, in welchen die einzelnen Nahrungsmittel (Brotarten, Hülsenfrüchte, Fleischsorten, Früchte u. s. w.) nach ihrem Nährwert und mit Vorschriften über Zubereitungsweise abgehandelt werden, bildeten lange die Quelle für alle späteren diätetischen Schriftsteller. In dem Werke de sanitate tuenda werden die hygienischen Faktoren eingehend besprochen. Von den Spielen erklärte er diejenigen für die besten, welche KörperundGeist erfreuen. Ueber die Wirkungsweise der Bäder und die Modifikationen ihrer Anwendungsweise findet sich in de sanitate tuenda geradezu ein Kompendium. Mit größter Schärfe wendet er sich dagegen, daß man Neugeborene in kaltem Wasser bade; man berief sich darauf, daß die heldenstarken Deutschen diese Sitte üben. „Ich habe,“ sagt Galen, „mein Buch nicht für Deutsche, auch nicht für Bären und wilde Schweine geschrieben, sondern für Griechen oder wenigstens für solche Menschen, die griechische Denkweise haben. War es jemals erhört, das kleine, noch von der Gebärmutter warme Kind in kaltes Wasser zu werfen, als ob es glühendes Eisen wäre? Kommt das Kind mit dem Leben davon, so mag es denn sein, daß dadurch seine natürliche Stärke geprüft und noch durch die Berührung des kalten Wassers vermehrt worden ist. Aber welche vernünftige Mutter, welche nicht ganz eine Skythin ist, wird an ihrem Kinde einen Versuch wagen, der, wenn er nicht gelingt, nichts weniger als den Tod zur Folge hat, um so viel mehr, da aus diesem Versuche gar kein Vorteil entstehen kann. Für einen Esel oder ein anderes lasttragendes Vieh mag es ein Vorteil sein, so einen steinharten Rücken zu haben, der gegen Kälte und Schmerz gefühllos ist, aber was nützt dies dem Menschen?“ Ebenso wendet sich Galen gegen die Athletik.

Was in der Zusammenfassung und geistigen Durchdringung des medizinischen Wissens damals möglich war, hat Galenos geleistet, und wenn auch mehr blendende Fiktionen als solide nüchterne Wahrheiten die Grundlage bilden, es gibt doch für die Leistungsfähigkeit der medizinischenSynthese der Alten keinen besseren Gradmesser als das gewaltige, durch philosophische Reflexion vollkommen geschlossene, alle Hauptrichtungen vereinigende System des Pergameners! In stolzem Selbstgefühl rühmt sich sein Schöpfer, er habe die Bahn, welche Hippokrates gebrochen, erst geebnet und gangbar gemacht — ähnlich wie Trajan die Heeresstraßen im römischen Reiche; selbstzufrieden und im Glauben, den Abschluß der Forschung gebracht zu haben, ruft er aus: „Wenn jemand gleichfalls durch Taten, nicht durch kunstvolle Reden berühmt werden will, so braucht er nur mühelos in sich aufzunehmen, was von mir in eifriger Forschung während meines ganzen Lebens festgestellt worden ist.“

Solche Ueberschätzung wiederholte sich oftmals im Laufe der Geschichte, niemals aber sollte das medizinische Lehrsystem eines einzelnen eine so lange, ungebrochene, tyrannische Macht über die Geister ausüben wie das galenische, hierin nur der geozentrischen Theorie des Ptolemaios gleichkommend! Widersinnig wäre es, wollte man Galen selbst für den Geistesdruck von weit mehr als tausendjähriger Dauer verantwortlich machen, statt diejenigen zu beschuldigen, welche bar jedweder Schaffenskraft den ausgetretenen Bahnen folgten oder gar die freie Forschung in Fesseln schlugen. Umsomehr als in der Forschungsweise Galens so viele Keime lagen, welche nur der Entfaltung harrten, wie namentlich seine Experimentalmethodik! Statt an die rationellen Ideen anzuknüpfen, statt die empirischen Leistungen weiter zu führen, begnügte man sich leider bald, die Aussprüche des Pergameners auf allen Gebieten der Medizin als Dogmen hinzunehmen und entfernte sich damit immer weiter von dem echten Hippokratismus. Darin hatte Galen leider das Beispiel gegeben. Denn, nennt er auch den göttlichen Greis von Kos πάντων ἀγαθῶν εὑρετής, gerade dadurch, daß er die Erfahrungstatsachen der hippokratischen Schriften mit Hilfe der noch viel zu unentwickelten Hilfszweige wissenschaftlich zu begründen unternahm, daß er die ursprüngliche Lehre mit philosophischen Doktrinen verquickte, ja schon dadurch allein, daß er ein System errichtete, verdarb er vielfach die Reinheit des köstlichsten Gutes, welches die hellenische Medizin hinterlassen hatte, entzog er durch den Schatten seiner imponierenden Persönlichkeit gerade den echten Hippokratismus den Blicken der kommenden Geschlechter. Darum mußte, als die unbefangene Forschung wieder ihr Haupt erhob, das galenische System als bloß temporäre Form gänzlich zusammenstürzen, während das Ideenwerk des Hippokrates über alle Zeiten hinweg stets den Mutterboden der Heilkunst bilden wird!

Solche Ueberschätzung wiederholte sich oftmals im Laufe der Geschichte, niemals aber sollte das medizinische Lehrsystem eines einzelnen eine so lange, ungebrochene, tyrannische Macht über die Geister ausüben wie das galenische, hierin nur der geozentrischen Theorie des Ptolemaios gleichkommend! Widersinnig wäre es, wollte man Galen selbst für den Geistesdruck von weit mehr als tausendjähriger Dauer verantwortlich machen, statt diejenigen zu beschuldigen, welche bar jedweder Schaffenskraft den ausgetretenen Bahnen folgten oder gar die freie Forschung in Fesseln schlugen. Umsomehr als in der Forschungsweise Galens so viele Keime lagen, welche nur der Entfaltung harrten, wie namentlich seine Experimentalmethodik! Statt an die rationellen Ideen anzuknüpfen, statt die empirischen Leistungen weiter zu führen, begnügte man sich leider bald, die Aussprüche des Pergameners auf allen Gebieten der Medizin als Dogmen hinzunehmen und entfernte sich damit immer weiter von dem echten Hippokratismus. Darin hatte Galen leider das Beispiel gegeben. Denn, nennt er auch den göttlichen Greis von Kos πάντων ἀγαθῶν εὑρετής, gerade dadurch, daß er die Erfahrungstatsachen der hippokratischen Schriften mit Hilfe der noch viel zu unentwickelten Hilfszweige wissenschaftlich zu begründen unternahm, daß er die ursprüngliche Lehre mit philosophischen Doktrinen verquickte, ja schon dadurch allein, daß er ein System errichtete, verdarb er vielfach die Reinheit des köstlichsten Gutes, welches die hellenische Medizin hinterlassen hatte, entzog er durch den Schatten seiner imponierenden Persönlichkeit gerade den echten Hippokratismus den Blicken der kommenden Geschlechter. Darum mußte, als die unbefangene Forschung wieder ihr Haupt erhob, das galenische System als bloß temporäre Form gänzlich zusammenstürzen, während das Ideenwerk des Hippokrates über alle Zeiten hinweg stets den Mutterboden der Heilkunst bilden wird!

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Galens imposantes Lehrsystem bildet den Höhepunkt der wissenschaftlichen Bestrebungen der antiken Medizin; in den chirurgischen Fächern war es dagegen dem Pergamener nicht gegönnt, durch eigene Leistungen über diejenigen der Vorgänger hinauszudringen, hier wurde er durch einen auch sonst sehr bedeutenden Arzt, an dessen Namen sich der Ruhm der antiken Chirurgie in besonderem Grade knüpft, übertroffen, durch —Antyllos.

Ueber das Leben des Antyllos ist fast nichts bekannt, von seinen Werken haben sich nur wertvolle Fragmente in der nachfolgenden Literatur erhalten, doch schon das Wenige, was über der Zeiten Strom hinübergerettet worden, läßt die ganze Größe des Mannes und dieüberraschend hohe Entwicklungsstufe der antiken Chirurgieerkennen.

Die Schriften des Antyllos betrafen nicht nur die Chirurgie, sondern in einem Hauptwerke über die Heilmittel (4 Bücher) auch die gesamte übrige Heilkunde. Die erhaltenen spärlichen Bruchstücke wurden wiederholt gesammelt herausgegeben, am besten von A. Lewy und Landsberg in Janus, Zeitschr. f. Gesch. u. Literatur d. Medizin, Breslau 1847, Bd. II. Da es durch neuere Forschungen erwiesen ist, daß Galen den Antyllos benützt hat, dieser aber in einer Stelle seiner Schriften den Archigenes zitiert, so können wir die Lebenszeit in dieerste Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr.verlegen. Antyllos hielt sich vorwiegend an die Grundsätze der pneumatischen Schule, welche dem späten Altertum die vornehmsten Aerzte und namentlich die besten Chirurgen schenkte und folgte den großen Traditionen einesArchigenes,HeliodorosundLeonides(vergl. Seite 335).In den vorhandenen Fragmenten sind folgende Themen behandelt: Einflüsse der Luft und der Bodenverhältnisse auf Gesundheit und Krankheit, Wohnungshygiene, Diätetik, Gymnastik, Balneologie, Krankenpflege. Es finden sich darin bewundernswerte Vorschriften, allerdings durchsetzt mit theoretischen Argumenten, die der Subtilität der pneumatischen Schule entstammen. Antyllos achtete bei der Krankenpflege auf Temperatur und Belichtung der Wohnung und auf die Lagerung des Patienten. (Bei Kopfleiden soll eine zurückgeneigte, bei Brustkranken eine hohe, bei Unterleibsaffektionen eine zurückgebogene Lage eingenommen werden, bei Gonorrhöe und Nierenleiden die Seitenlage, bei Leberleiden nach rechts gewendete Seitenlage.) Ebenso regelte er peinlich genau die Krankenkost. Bei Fieberhitze erlaubte er den Genuß von kaltem Wasser. Ausführlich verbreitete er sich über die Bäderanwendung (künstliche und natürliche, mineralische und aromatische Bäder) und bestimmte ihre Indikationen (als Schwitzmittel, als tonisierende, antispastische, antineuralgische Mittel u. s. w.). Die salz-, eisen-, schwefel-, salpeterhaltigen etc. Bäder benützte er inchronischen Krankheiten, z. B. Solbäder gegen Wassersucht, Kopf- und Brust- und Magenleiden; Schwefelbäder gegen Nervenleiden; Eisenbäder gegen Milz- und Magenaffektionen; Seebäder gegen Hydrops, Dermatosen, Phthisis, rheumatische Leiden. Ungemein eingehend erörtert er die therapeutischen Zwecke und die Dosierung, die Indikationen und Kontraindikationen des Spazierengehens, Laufens, Reitens, Schwimmens, der gymnastischen Uebungen und Spiele („Schleuderspiel“, „Schattenfechterei“, Faustkampf, Sprungübungen, Ballspiel, Kugelwurf, Reifschlagen, Schaukeln).

Die Schriften des Antyllos betrafen nicht nur die Chirurgie, sondern in einem Hauptwerke über die Heilmittel (4 Bücher) auch die gesamte übrige Heilkunde. Die erhaltenen spärlichen Bruchstücke wurden wiederholt gesammelt herausgegeben, am besten von A. Lewy und Landsberg in Janus, Zeitschr. f. Gesch. u. Literatur d. Medizin, Breslau 1847, Bd. II. Da es durch neuere Forschungen erwiesen ist, daß Galen den Antyllos benützt hat, dieser aber in einer Stelle seiner Schriften den Archigenes zitiert, so können wir die Lebenszeit in dieerste Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr.verlegen. Antyllos hielt sich vorwiegend an die Grundsätze der pneumatischen Schule, welche dem späten Altertum die vornehmsten Aerzte und namentlich die besten Chirurgen schenkte und folgte den großen Traditionen einesArchigenes,HeliodorosundLeonides(vergl. Seite 335).

In den vorhandenen Fragmenten sind folgende Themen behandelt: Einflüsse der Luft und der Bodenverhältnisse auf Gesundheit und Krankheit, Wohnungshygiene, Diätetik, Gymnastik, Balneologie, Krankenpflege. Es finden sich darin bewundernswerte Vorschriften, allerdings durchsetzt mit theoretischen Argumenten, die der Subtilität der pneumatischen Schule entstammen. Antyllos achtete bei der Krankenpflege auf Temperatur und Belichtung der Wohnung und auf die Lagerung des Patienten. (Bei Kopfleiden soll eine zurückgeneigte, bei Brustkranken eine hohe, bei Unterleibsaffektionen eine zurückgebogene Lage eingenommen werden, bei Gonorrhöe und Nierenleiden die Seitenlage, bei Leberleiden nach rechts gewendete Seitenlage.) Ebenso regelte er peinlich genau die Krankenkost. Bei Fieberhitze erlaubte er den Genuß von kaltem Wasser. Ausführlich verbreitete er sich über die Bäderanwendung (künstliche und natürliche, mineralische und aromatische Bäder) und bestimmte ihre Indikationen (als Schwitzmittel, als tonisierende, antispastische, antineuralgische Mittel u. s. w.). Die salz-, eisen-, schwefel-, salpeterhaltigen etc. Bäder benützte er inchronischen Krankheiten, z. B. Solbäder gegen Wassersucht, Kopf- und Brust- und Magenleiden; Schwefelbäder gegen Nervenleiden; Eisenbäder gegen Milz- und Magenaffektionen; Seebäder gegen Hydrops, Dermatosen, Phthisis, rheumatische Leiden. Ungemein eingehend erörtert er die therapeutischen Zwecke und die Dosierung, die Indikationen und Kontraindikationen des Spazierengehens, Laufens, Reitens, Schwimmens, der gymnastischen Uebungen und Spiele („Schleuderspiel“, „Schattenfechterei“, Faustkampf, Sprungübungen, Ballspiel, Kugelwurf, Reifschlagen, Schaukeln).

Antyllos gab für die einzelnen chirurgischen Eingriffe nicht nur allgemeine Vorschriften, sondern er erörterte die Technik bis in die feinsten Einzelheiten mit einer Genauigkeit, unter Berücksichtigung aller eintretenden Möglichkeiten, wie es nur ein Meister der Praxis vermag. Schon über die Methoden der Blutentziehung gibt er ungemein sorgfältige Anweisungen, er gedenkt derArteriotomie(an den Nackenarterien), der Schröpfköpfe (gläserne, bronzene, hörnerne), mit und ohne Skarifikation, der Blutegel, der „Bdellotomie“ (Blutegelschnitt) und sondert die Hämostatika in solche, welche durch Kälte, Zusammenziehung, Verstopfung, Austrocknung oder Aetzung wirken.

Applikationsstellen für die Venäsektion waren: Stirne in der Nähe des Scheitelbeins, die Stelle oberhalb des inneren Augenwinkels, hinter den Ohren, unter der Zunge, zwischen Mittel- und kleinem Finger, Kniekehle, innerer Knöchel, Ellenbeuge (obere, mittlere, untere Vene). Je nach dem Leiden kommt die eine oder andere Vene in Betracht, die Länge des Eröffnungsschnittes hängt von verschiedenen Umständen ab, die Schnürbinde darf nicht zu fest gebunden sein. Ueber die Anwendung der Schröpfköpfe — silberne werden verworfen — handelte ein eigenes Kapitel. Der Blutegelschnitt bestand im folgenden: „Wenn man genötigt ist, die Blutegel anzuwenden, nachdem sie schon gesogen haben, oder wenn man nur wenige zur Verfügung hat, oder wenn nur wenige angefaßt haben, muß man ihnen, wenn sie vollgesogen sind, den Schwanz mit der Schere abschneiden. Nachdem das Blut ausgeflossen ist, ziehen sie wieder an und hören nicht eher auf, als bis wir ihre Saugöffnung mit Salz, Soda oder Asche bestreuen.“ — Hämostatika waren: kaltes Wasser, Essig, Galläpfel, Akaziensaft, Grünspan, Gips, Bleiweiß, Kupferblumen etc. und das Glüheisen.

Applikationsstellen für die Venäsektion waren: Stirne in der Nähe des Scheitelbeins, die Stelle oberhalb des inneren Augenwinkels, hinter den Ohren, unter der Zunge, zwischen Mittel- und kleinem Finger, Kniekehle, innerer Knöchel, Ellenbeuge (obere, mittlere, untere Vene). Je nach dem Leiden kommt die eine oder andere Vene in Betracht, die Länge des Eröffnungsschnittes hängt von verschiedenen Umständen ab, die Schnürbinde darf nicht zu fest gebunden sein. Ueber die Anwendung der Schröpfköpfe — silberne werden verworfen — handelte ein eigenes Kapitel. Der Blutegelschnitt bestand im folgenden: „Wenn man genötigt ist, die Blutegel anzuwenden, nachdem sie schon gesogen haben, oder wenn man nur wenige zur Verfügung hat, oder wenn nur wenige angefaßt haben, muß man ihnen, wenn sie vollgesogen sind, den Schwanz mit der Schere abschneiden. Nachdem das Blut ausgeflossen ist, ziehen sie wieder an und hören nicht eher auf, als bis wir ihre Saugöffnung mit Salz, Soda oder Asche bestreuen.“ — Hämostatika waren: kaltes Wasser, Essig, Galläpfel, Akaziensaft, Grünspan, Gips, Bleiweiß, Kupferblumen etc. und das Glüheisen.

Vortrefflich sind die Mitteilungen über die Chirurgie derAbszesse(Vorschrift über die Richtung der Inzisionen), derFisteln(Mastdarm-, Bauch-, Brust-, Trachealfisteln), derPhimose, derHypospadie, derNarbenkontrakturen(Exstirpation) und derGeschwülste(Lipome, Atherome, Ganglien). Antyllos beschreibt denLuftröhrenschnittsehr genau, verwirft ihn aber in Fällen, wo die Luftröhrenverzweigungen und die Lungen bereits affiziert sind (bei seiner Methode handelt es sich merkwürdigerweise um einen queren Schnitt zwischen den Ringen der Trachea); er schildert dieplastische Operationvon „Kolobomen“ (Defekte, besonders der Augenlider, der Stirn, Nase, Ohren und Wangen). Dauernden Nachruhm sichert ihm endlich seine Therapie derAneurysmen(wahre und traumatische, Verfahren derdoppelten Unterbindung und Spaltung) und die Extraktionsmethode bei Catarakta (Starausziehung).

„Es gibtzweiArten von Aneurysmen, die eine derselben entsteht durch eineörtliche Erweiterungder Arterie, woher auch der Name Aneurysma kommt, bei der zweiten ist die Arterieverletztund ergießt ihr Blut in die umgebenden Weichteile. Die durch Erweiterung der Arterie entstandenen Aneurysmen sind länglicher, die aus Ruptur hervorgegangenen rundlicher; die ersteren haben eine dickere Bedeckung, bei den letzteren vernimmt man beim Druck mit den Fingern ein Schwirren, wogegen bei der anderen Art von Aneurysmen kein Geräusch wahrnehmbar ist. Die Behandlung eines jeden Aneurysmas zu verweigern, wie es die alten Chirurgen wollten, ist unrecht; gefährlich aber ist es auch, sie alle operieren zu wollen. Wir werden dies bei denen in der Achselhöhle, Schenkelbeuge und am Halse von uns weisen wegen der Größe der Gefäße und der Unmöglichkeit und Gefährlichkeit ihrer Freimachung und Unterbindung; wir verweigern ferner die Operation bei solchen von übermäßiger Größe, selbst wenn sie an einem anderen Orte sich befinden. Dagegen werden wir die an den Enden der Extremitäten, an den Gliedern und dem Kopfe befindlichen auf folgende Weise operieren: Wenn es sich um ein Erweiterungsaneurysma handelt, führen wir durch die Haut einen geraden Schnitt in der Längsrichtung des Gefäßes, lassen darauf die Wundränder mit Haken auseinanderziehen, trennen vorsichtig alle zwischen der Haut und der Arterie gelegenen Membranen, und indem wir mit stumpfen Haken die neben der Arterie gelegene Vene zur Seite ziehen, legen wir den erweiterten Teil der Arterie von allen Seiten frei; nachdem wir darauf den Knopf einer Sonde unter die Arterie geführt und dieselbe damit emporgehoben haben, leiten wir neben dem Sondenknopfe eineNadel mit doppeltem Fadenunter der Arterie fort, durchschneiden mit der Schere denselben am Ende der Nadel, so daß daraus zwei Fäden mit vier Enden entstehen, nehmen sodann die zwei Enden eines der Fäden, führen sie behutsam nach dem einen Ende des Aneurysmas und knüpfen sie sorgfältig zusammen. In gleicher Weise wird der andere Faden nach dem entgegengesetzten Ende des Aneurysmas geführt und daselbst die Arterie unterbunden, so daß das ganze Aneurysmamitten zwischen den beiden Ligaturensich befindet. Hierauföffnenwir das Aneurysma in seiner Mitte mit einem kleinen Schnitt; dadurch wird dessen ganzer Inhaltentleert, die Gefahr einer Blutung aber ist nicht vorhanden. Diejenigen, welche, wie wir, die Arterie jederseits unterbinden, den in der Mitte gelegenen erweiterten Teil derselben aber exstirpieren, setzen sich einer Gefahr aus, denn von der Gewalt und der Spannung des Pneuma werden oft die Fäden abgestoßen.“Daß sich Antyllos mit der Augenheilkunde eifrig beschäftigte, beweisen die erhaltenen Vorschriften über die Bereitung von Kollyrien.

„Es gibtzweiArten von Aneurysmen, die eine derselben entsteht durch eineörtliche Erweiterungder Arterie, woher auch der Name Aneurysma kommt, bei der zweiten ist die Arterieverletztund ergießt ihr Blut in die umgebenden Weichteile. Die durch Erweiterung der Arterie entstandenen Aneurysmen sind länglicher, die aus Ruptur hervorgegangenen rundlicher; die ersteren haben eine dickere Bedeckung, bei den letzteren vernimmt man beim Druck mit den Fingern ein Schwirren, wogegen bei der anderen Art von Aneurysmen kein Geräusch wahrnehmbar ist. Die Behandlung eines jeden Aneurysmas zu verweigern, wie es die alten Chirurgen wollten, ist unrecht; gefährlich aber ist es auch, sie alle operieren zu wollen. Wir werden dies bei denen in der Achselhöhle, Schenkelbeuge und am Halse von uns weisen wegen der Größe der Gefäße und der Unmöglichkeit und Gefährlichkeit ihrer Freimachung und Unterbindung; wir verweigern ferner die Operation bei solchen von übermäßiger Größe, selbst wenn sie an einem anderen Orte sich befinden. Dagegen werden wir die an den Enden der Extremitäten, an den Gliedern und dem Kopfe befindlichen auf folgende Weise operieren: Wenn es sich um ein Erweiterungsaneurysma handelt, führen wir durch die Haut einen geraden Schnitt in der Längsrichtung des Gefäßes, lassen darauf die Wundränder mit Haken auseinanderziehen, trennen vorsichtig alle zwischen der Haut und der Arterie gelegenen Membranen, und indem wir mit stumpfen Haken die neben der Arterie gelegene Vene zur Seite ziehen, legen wir den erweiterten Teil der Arterie von allen Seiten frei; nachdem wir darauf den Knopf einer Sonde unter die Arterie geführt und dieselbe damit emporgehoben haben, leiten wir neben dem Sondenknopfe eineNadel mit doppeltem Fadenunter der Arterie fort, durchschneiden mit der Schere denselben am Ende der Nadel, so daß daraus zwei Fäden mit vier Enden entstehen, nehmen sodann die zwei Enden eines der Fäden, führen sie behutsam nach dem einen Ende des Aneurysmas und knüpfen sie sorgfältig zusammen. In gleicher Weise wird der andere Faden nach dem entgegengesetzten Ende des Aneurysmas geführt und daselbst die Arterie unterbunden, so daß das ganze Aneurysmamitten zwischen den beiden Ligaturensich befindet. Hierauföffnenwir das Aneurysma in seiner Mitte mit einem kleinen Schnitt; dadurch wird dessen ganzer Inhaltentleert, die Gefahr einer Blutung aber ist nicht vorhanden. Diejenigen, welche, wie wir, die Arterie jederseits unterbinden, den in der Mitte gelegenen erweiterten Teil derselben aber exstirpieren, setzen sich einer Gefahr aus, denn von der Gewalt und der Spannung des Pneuma werden oft die Fäden abgestoßen.“

Daß sich Antyllos mit der Augenheilkunde eifrig beschäftigte, beweisen die erhaltenen Vorschriften über die Bereitung von Kollyrien.

[1]Aussatz,Filaria medinensis,Bubonenpest.[2]Ἡρόφιλος δὲ ἐν τῷ Διαιτητικῷ καὶ σοφίαν φησίν ἀνεπίδεικτον καὶ τέχνην ἄδηλον καὶ ἰσχὺν ὰναγώνιστον καὶ πλοῦτον ἄχρειον καὶ λόγον ἀδύνατον ὑγεἰας ἀπούσης.[3]Vergl. Hippokratiker; sizil. Schule (Philistion); Chrysippos; Diokles; Praxagoras.[4]Die Stoiker nahmenin ihrer grobmaterialistischen Physikdas alles durchdringende Pneuma als Urstoff und als zweckmäßig, jedoch mit Naturnotwendigkeit wirkende Urkraft (Weltseele) an; auch leugneten sie die Möglichkeit der Existenz eines leeren Raumes.[5]Vergl. S. 268. Uebrigens findet die Solidarpathologie auch schon in den hippokratischen Schriften ihre Vertretung, namentlich in der (knidischen) Schrift de locis in homine.[6]Vergl. S. 161.[7]Demosthenes schrieb auch eine Pulslehre. Aus seiner Augenheilkunde haben alle Nachfolger geschöpft, noch im Mittelalter erfreute sich sein liber ophthalmicus großer Beliebtheit.[8]Die Frage, ob zwischen der etruskischen und der orientalischen Kultur ein Zusammenhang besteht, ist noch ungelöst. Nach der Sage entsendete der lydische Stamm der Tyrrhener wegen einer Hungersnot eine Kolonie über das Meer, welche bis nach Italien anlangte und den Adel Etruriens bildete; dieser beherrschte die italische Urbevölkerung und verbreitete asiatische Sitten und Religionsanschauungen.[9]Hinsichtlich der Etrusker wissen wir (abgesehen von dem Mystizismus), daß ihr Land durch seinen Reichtum an Heilpflanzen berühmt war (in ihrem Heilschatze spielten Asarum, Anagallis, Weißdorn, Parthenia und Lappa minor eine Rolle), und daß sie die Technik des Zahnersatzes (Befestigung der Ersatzkronen durch Goldspangen und Goldnieten an den Nachbarzähnen) auf eine gewisse Höhe gebracht haben.[10]In der anatomischen Terminologie haben sich viele, aus alten Zeiten stammende echt-lateinische Ausdrücke erhalten, z. B. humerus, radius, scapula, clavis, femur, tibis, calcaneus, costa, coxa, ilia, vertebra, coronalis, parietalis, temporalis, articulatio ... pupilla, supercilium, intestinum, duodenum, jejunum, ileum, coecum, rectum, virga, vagina, vulva, testis, testiculi, inguina, matrix, scrotum, renes, vena. Daraus ist zu ersehen, daß sich das anatomische Wissen bis zu einer gewissen Höhe unabhängig von griechischen Einflüssen auf italischem Boden entwickelt hat. Dagegen ist das Lateinische arm an Bezeichnungen für pathologische Zustände — hier macht sich der Mangel an einer medizinischen Eigenentwicklung in hohem Grade geltend; die lateinischen Worte beziehen sich vorwiegend auf äußere Affektionen, z. B. fractura, luxatio, verruca, varix, fistula, furunculus, pustula, struma, hernia oder grob sinnliche Symptome, wie convulsio, tussis u. a. Schon bei Ennius, Plautus, ja selbst bei Cato finden sich griechische Krankheitsnamen, z. B. carcinoma, dyspepsia, glaucoma, morb. hepatarius, ischiacus, pituita, podager, stranguria.[11]Im Gegensatz zu den griechischen Freistaaten.[12]Der Luft schrieben sie noch eine höhere Bedeutung als der Nahrung zu, weil ihre feinen Atome leichter in die Poren eindringen.[13]Unter den Formen derselben sind besonders bemerkenswert die Collyria (κολλύρια = Brötchen). Es waren dies Gemische von Heilmitteln, die eine teigartige Masse bildeten, welche für den Gebrauch verflüssigt wurden.[14]Freilich hatte die metrische Form auch den Zweck, das Gedächtnis zu unterstützen.[15]Die Kosmetik desKritonenthielt unter anderem Mittel zur Beförderung des Haarwuchses, gegen das Grauwerden, Salben und Pflaster für den Teint, Augenschminken, Zahnputzmittel, Pillen gegen den Geruch aus dem Munde, Salben gegen den Schweiß in der Achselhöhle, Laugen gegen dunkle Flecke am Halse, Glanzseifen für die Hände, aromatische Tinkturen für Gewänder, Sprengmittel für Schlafzimmer etc.[16]In römischer Zeit erlangten z. B. folgende hellenische Asiaten Ansehen: Asklepiades (Prusa), Magnos, Rhuphos, Soranos (Ephesos), Thessalos (Tralleis), Olympikos (Miletos), Athenaios (Attaleia), Dioskurides (Anazarba), Heras, Aretaios (Kappadokien), Archigenes (Apameia), Themison (Laodikeia) u. a.[17]In tiefgründlicher Weise hat Galen besonders in den Schriften de sectis und de optima secta den Empirismus und Methodismus bekämpft; die Methodiker befehdete er viel schärfer und bei jeder Gelegenheit, nicht selten auch ungerecht.[18]Da einzelne Nerven in ihrem Verlauf ihre Konsistenz ändern, so sind manche Gehirnnerven motorisch (weil sie hart werden), manche Rückenmarksnerven sensibel (weil sie gegen die Peripherie zu weich werden).[19]κοιλία αιματική.[20]κοιλία πνεῦματική.[21]In den Lungen findet eine Reinigung, πέψις (Kochung), der Luft statt.[22]Z. B. bezüglich der Fragen über die Austreibung der Speisen aus dem Magen und über die Harnabsonderung durch die Nieren.[23]Die Wahlanziehung, die spezifische Ernährung der einzelnen Körpergebilde kommt durch die spezifische Attraktion zu stande, vermöge welcher jeder Teil aus dem vorbeiströmenden Nahrungssaft das Passende anzieht. Die Verteilung der resorbierten Stoffe im ganzen Körper erfolgt aber mechanisch durch den Horror vacui (Erasistratos) und die vis a tergo (Druck und Druckdifferenz). Der ganze Organismus, sagt Galen, ist von Spalten durchzogen, welche, gleich Kanälen, den Nahrungssaft verteilen; die anliegenden Teile ziehen das Nährmaterial an sich und geben den Ueberschuß wieder ab.[24]Bei Hippokrates wird kein Unterschied zwischen beiden gemacht, συνάγχη oder κυνάγχη ist Angina, d. h. eine Entzündung des Larynx, des Pharynx oder der benachbarten Teile, welche durch das aus dem Kopfe in die Halsvenen strömende Sekret erzeugt wird; ist das Sekret von kaltem schleimigen Charakter, so entsteht Verstopfung der Blutgefäße und Atemwege (Rötung, Schwellung, Schmerz), ist es von heißer, salziger Beschaffenheit, so entstehen (ohne Entzündung) Geschwüre auch in der Luftröhre. Letztere Form sei viel gefährlicher und führe oft plötzlich den Tod herbei. Nach Aretaios wäre Kynanche eine Entzündung der Atemwerkzeuge, Mandeln, der Epiglottis, des Pharynx, des Kehlkopfes, Zäpfchens und der Mundhöhle, Synanche dagegen ein Leiden des Pneuma, welches mit großem Angstgefühl und Affektionen der inneren Organe verbunden sei.[25]Es sei hier darauf verwiesen, daß sichin der nichtärztlichen Literatur des Altertums weit früher und deutlicher als in den medizinischen Schriften Kenntnisse über die Ansteckungsfähigkeit gewisser Affektionenvorfinden (die Aerzte legten das Hauptgewicht auf das „Miasma“, d. h. auf die atmosphärischen Verhältnisse). So wird z. B. in den pseudoaristotelischen Problemen (VII, § 8) die Frage erörtert: „Weshalb werden von derLungenschwindsuchtund derAugenentzündungund von derKrätzediejenigen, welche sich (den Kranken) nähern, befallen?“[26]Ein ausgezeichnetes Beispiel einer neurologischen Lokaldiagnose ist folgendes: Ein gewisser Pausanias, welcher bei einem Falle aus dem Wagen einen heftigen Stoß zwischen den Schultern erlitten hatte, wurde von einer Sensibilitätsstörung an dem 4. und 5. Finger, sowie an der Hälfte des Mittelfingers befallen. Vergebens wendeten die Aerzte örtliche Mittel an den Fingern selbst an. Gemäß seiner Erkenntnis, daß die Empfindungsnerven der Hand aus dem Rückenmark stammen, applizierte Galen sein Heilmittel an der entsprechenden Stelle der Wirbelsäule.[27]„Man muß auf die Natur des Kranken achten, denn für jeden Menschen besteht eine besondere Therapie“.... „Derjenige wäre wohl der beste Arzt, der eine Methode schaffen könnte, die ihn befähigte, die Naturen zu erkennen und die einer jeden eigentümlichen Heilmittel zu treffen. Ich glaube, wenn ich die Natur eines jeden genau zu ergründen wüßte, wie es meiner Ansicht nach Asklepios konnte, so wäre ich wohl das Ideal eines Arztes. Da dies jedoch unmöglich ist, so habe ich mir vorgenommen, mich darin zu üben, diesem Ideal so weit nahe zu kommen, als es eben menschenmöglich ist, und ich rate dies auch den anderen an.“[28]Denn wie ein Arzneimittel so wird auch die Luft, indem sie von außen her auf die Körper trifft, der Therapie hinderlich, wenn sie übermäßig warm oder kalt ist. Es müssen also die Heilmittel zu dem, was bei der Luft im Uebermaß vorhanden ist (d. h. der Qualität, Mischung nach), im umgekehrten Verhältnis stehen. Deshalb gebraucht auch Hippokrates in den heißen Stunden an Wirkung kühlere Mittel, wärmere dagegen in den kalten Stunden.[29]Vergl. S. 212.

[1]Aussatz,Filaria medinensis,Bubonenpest.

[2]Ἡρόφιλος δὲ ἐν τῷ Διαιτητικῷ καὶ σοφίαν φησίν ἀνεπίδεικτον καὶ τέχνην ἄδηλον καὶ ἰσχὺν ὰναγώνιστον καὶ πλοῦτον ἄχρειον καὶ λόγον ἀδύνατον ὑγεἰας ἀπούσης.

[3]Vergl. Hippokratiker; sizil. Schule (Philistion); Chrysippos; Diokles; Praxagoras.

[4]Die Stoiker nahmenin ihrer grobmaterialistischen Physikdas alles durchdringende Pneuma als Urstoff und als zweckmäßig, jedoch mit Naturnotwendigkeit wirkende Urkraft (Weltseele) an; auch leugneten sie die Möglichkeit der Existenz eines leeren Raumes.

[5]Vergl. S. 268. Uebrigens findet die Solidarpathologie auch schon in den hippokratischen Schriften ihre Vertretung, namentlich in der (knidischen) Schrift de locis in homine.

[6]Vergl. S. 161.

[7]Demosthenes schrieb auch eine Pulslehre. Aus seiner Augenheilkunde haben alle Nachfolger geschöpft, noch im Mittelalter erfreute sich sein liber ophthalmicus großer Beliebtheit.

[8]Die Frage, ob zwischen der etruskischen und der orientalischen Kultur ein Zusammenhang besteht, ist noch ungelöst. Nach der Sage entsendete der lydische Stamm der Tyrrhener wegen einer Hungersnot eine Kolonie über das Meer, welche bis nach Italien anlangte und den Adel Etruriens bildete; dieser beherrschte die italische Urbevölkerung und verbreitete asiatische Sitten und Religionsanschauungen.

[9]Hinsichtlich der Etrusker wissen wir (abgesehen von dem Mystizismus), daß ihr Land durch seinen Reichtum an Heilpflanzen berühmt war (in ihrem Heilschatze spielten Asarum, Anagallis, Weißdorn, Parthenia und Lappa minor eine Rolle), und daß sie die Technik des Zahnersatzes (Befestigung der Ersatzkronen durch Goldspangen und Goldnieten an den Nachbarzähnen) auf eine gewisse Höhe gebracht haben.

[10]In der anatomischen Terminologie haben sich viele, aus alten Zeiten stammende echt-lateinische Ausdrücke erhalten, z. B. humerus, radius, scapula, clavis, femur, tibis, calcaneus, costa, coxa, ilia, vertebra, coronalis, parietalis, temporalis, articulatio ... pupilla, supercilium, intestinum, duodenum, jejunum, ileum, coecum, rectum, virga, vagina, vulva, testis, testiculi, inguina, matrix, scrotum, renes, vena. Daraus ist zu ersehen, daß sich das anatomische Wissen bis zu einer gewissen Höhe unabhängig von griechischen Einflüssen auf italischem Boden entwickelt hat. Dagegen ist das Lateinische arm an Bezeichnungen für pathologische Zustände — hier macht sich der Mangel an einer medizinischen Eigenentwicklung in hohem Grade geltend; die lateinischen Worte beziehen sich vorwiegend auf äußere Affektionen, z. B. fractura, luxatio, verruca, varix, fistula, furunculus, pustula, struma, hernia oder grob sinnliche Symptome, wie convulsio, tussis u. a. Schon bei Ennius, Plautus, ja selbst bei Cato finden sich griechische Krankheitsnamen, z. B. carcinoma, dyspepsia, glaucoma, morb. hepatarius, ischiacus, pituita, podager, stranguria.

[11]Im Gegensatz zu den griechischen Freistaaten.

[12]Der Luft schrieben sie noch eine höhere Bedeutung als der Nahrung zu, weil ihre feinen Atome leichter in die Poren eindringen.

[13]Unter den Formen derselben sind besonders bemerkenswert die Collyria (κολλύρια = Brötchen). Es waren dies Gemische von Heilmitteln, die eine teigartige Masse bildeten, welche für den Gebrauch verflüssigt wurden.

[14]Freilich hatte die metrische Form auch den Zweck, das Gedächtnis zu unterstützen.

[15]Die Kosmetik desKritonenthielt unter anderem Mittel zur Beförderung des Haarwuchses, gegen das Grauwerden, Salben und Pflaster für den Teint, Augenschminken, Zahnputzmittel, Pillen gegen den Geruch aus dem Munde, Salben gegen den Schweiß in der Achselhöhle, Laugen gegen dunkle Flecke am Halse, Glanzseifen für die Hände, aromatische Tinkturen für Gewänder, Sprengmittel für Schlafzimmer etc.

[16]In römischer Zeit erlangten z. B. folgende hellenische Asiaten Ansehen: Asklepiades (Prusa), Magnos, Rhuphos, Soranos (Ephesos), Thessalos (Tralleis), Olympikos (Miletos), Athenaios (Attaleia), Dioskurides (Anazarba), Heras, Aretaios (Kappadokien), Archigenes (Apameia), Themison (Laodikeia) u. a.

[17]In tiefgründlicher Weise hat Galen besonders in den Schriften de sectis und de optima secta den Empirismus und Methodismus bekämpft; die Methodiker befehdete er viel schärfer und bei jeder Gelegenheit, nicht selten auch ungerecht.

[18]Da einzelne Nerven in ihrem Verlauf ihre Konsistenz ändern, so sind manche Gehirnnerven motorisch (weil sie hart werden), manche Rückenmarksnerven sensibel (weil sie gegen die Peripherie zu weich werden).

[19]κοιλία αιματική.

[20]κοιλία πνεῦματική.

[21]In den Lungen findet eine Reinigung, πέψις (Kochung), der Luft statt.

[22]Z. B. bezüglich der Fragen über die Austreibung der Speisen aus dem Magen und über die Harnabsonderung durch die Nieren.

[23]Die Wahlanziehung, die spezifische Ernährung der einzelnen Körpergebilde kommt durch die spezifische Attraktion zu stande, vermöge welcher jeder Teil aus dem vorbeiströmenden Nahrungssaft das Passende anzieht. Die Verteilung der resorbierten Stoffe im ganzen Körper erfolgt aber mechanisch durch den Horror vacui (Erasistratos) und die vis a tergo (Druck und Druckdifferenz). Der ganze Organismus, sagt Galen, ist von Spalten durchzogen, welche, gleich Kanälen, den Nahrungssaft verteilen; die anliegenden Teile ziehen das Nährmaterial an sich und geben den Ueberschuß wieder ab.

[24]Bei Hippokrates wird kein Unterschied zwischen beiden gemacht, συνάγχη oder κυνάγχη ist Angina, d. h. eine Entzündung des Larynx, des Pharynx oder der benachbarten Teile, welche durch das aus dem Kopfe in die Halsvenen strömende Sekret erzeugt wird; ist das Sekret von kaltem schleimigen Charakter, so entsteht Verstopfung der Blutgefäße und Atemwege (Rötung, Schwellung, Schmerz), ist es von heißer, salziger Beschaffenheit, so entstehen (ohne Entzündung) Geschwüre auch in der Luftröhre. Letztere Form sei viel gefährlicher und führe oft plötzlich den Tod herbei. Nach Aretaios wäre Kynanche eine Entzündung der Atemwerkzeuge, Mandeln, der Epiglottis, des Pharynx, des Kehlkopfes, Zäpfchens und der Mundhöhle, Synanche dagegen ein Leiden des Pneuma, welches mit großem Angstgefühl und Affektionen der inneren Organe verbunden sei.

[25]Es sei hier darauf verwiesen, daß sichin der nichtärztlichen Literatur des Altertums weit früher und deutlicher als in den medizinischen Schriften Kenntnisse über die Ansteckungsfähigkeit gewisser Affektionenvorfinden (die Aerzte legten das Hauptgewicht auf das „Miasma“, d. h. auf die atmosphärischen Verhältnisse). So wird z. B. in den pseudoaristotelischen Problemen (VII, § 8) die Frage erörtert: „Weshalb werden von derLungenschwindsuchtund derAugenentzündungund von derKrätzediejenigen, welche sich (den Kranken) nähern, befallen?“

[26]Ein ausgezeichnetes Beispiel einer neurologischen Lokaldiagnose ist folgendes: Ein gewisser Pausanias, welcher bei einem Falle aus dem Wagen einen heftigen Stoß zwischen den Schultern erlitten hatte, wurde von einer Sensibilitätsstörung an dem 4. und 5. Finger, sowie an der Hälfte des Mittelfingers befallen. Vergebens wendeten die Aerzte örtliche Mittel an den Fingern selbst an. Gemäß seiner Erkenntnis, daß die Empfindungsnerven der Hand aus dem Rückenmark stammen, applizierte Galen sein Heilmittel an der entsprechenden Stelle der Wirbelsäule.

[27]„Man muß auf die Natur des Kranken achten, denn für jeden Menschen besteht eine besondere Therapie“.... „Derjenige wäre wohl der beste Arzt, der eine Methode schaffen könnte, die ihn befähigte, die Naturen zu erkennen und die einer jeden eigentümlichen Heilmittel zu treffen. Ich glaube, wenn ich die Natur eines jeden genau zu ergründen wüßte, wie es meiner Ansicht nach Asklepios konnte, so wäre ich wohl das Ideal eines Arztes. Da dies jedoch unmöglich ist, so habe ich mir vorgenommen, mich darin zu üben, diesem Ideal so weit nahe zu kommen, als es eben menschenmöglich ist, und ich rate dies auch den anderen an.“

[28]Denn wie ein Arzneimittel so wird auch die Luft, indem sie von außen her auf die Körper trifft, der Therapie hinderlich, wenn sie übermäßig warm oder kalt ist. Es müssen also die Heilmittel zu dem, was bei der Luft im Uebermaß vorhanden ist (d. h. der Qualität, Mischung nach), im umgekehrten Verhältnis stehen. Deshalb gebraucht auch Hippokrates in den heißen Stunden an Wirkung kühlere Mittel, wärmere dagegen in den kalten Stunden.

[29]Vergl. S. 212.

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ABCDEFGHJKLMNOPQRSTVWXZA.Abas162.Agathinos332.333.Aglaïas324.Agrippa277.Aigimios244.Ailianos d. J.350.Ailios Promotos281.324.Aineos169.Ainisidemos277.Aischrion355.Akron159.171ff.277.Alexandros von Aphrodisias386.— Philalethes274.Alkamenes162.Alkmaion155.156.162.171.172.177.244.Ammonios281.Amyntas281.Anaxagoras153.159.161.Anaximenes153.Andreas von Karystos274.326.Andromachos der Aeltere323.— der Jüngere323.Andron282.Anonymus Londinensis161.179.184.204.— Parisinus304.Antiochos309.Antipatros309.Antonius Musa302.323.333.Antyllos335.403.Apemantos275.Apollodor282.Apollonides von Kos169.— von Kypros309.Apollonios von Antiochia, Vater und Sohn280.— von Kition280.— von Memphis275.349.— Mys274.— von Pergamon335.— von Kos184.237.Apollophanes275.Aratos282.Archagathos291.Archelaos160.Archidamos241.243.Archigenes333ff.338.342.Aretaios337ff.Aristogenes240.282.Aristoteles156.163.178.246ff.254.328.349.Aristoxenos275.Artemidoros275.Artorius Marcus302.Asiaticus309.Asklepiades von Bithynien294ff.333.346.352.— von Pharmakion324.Asklepios136ff.Athenaios337ff.332.Athenion275.Athotis42.Attalos III.283.Aufidius Titus302.B.Bakcheios274.Bassus323.Bolos173.C.Caelius Aurelianus343.346.Camelius302.Caraka73ff.78.85.90.Carus Lucretius296.Castor Antonius320.Cato292.293.Celsus311ff.Cicero310.Charidemos275.Charmis333.Cho-chiyu-kei94.Chrysippos von Knidos240.262.300.— Asklepiadeer302.— Erasistrateer275.Chrysermos274.Clodius302.D.Demetrios274.344.Demokedes144.155.Demokritos154.160.161.184.Demosthenes Philalethes275.Dexippos184.237.Diagoras von Kypros282.— von Melos173.Dieuches244.331.Diogenes von Apollonia153.161.164.172.223.328.Diokles241ff.288.331.Dionysios309.Dioskurides Pedanios282.325.326.— Phakas274.Drakon184.E.Empedokles148.153.154.157.158.164.171.172.Epicharmos156.Epikuros296.Erasistratos167.266ff.298.300.304.328.Erotianos176.Eudemos252.— der Themisonianer309.Eudoxos240.Euelpistos281.Euenor145.Euryphon167.168.185.F.Figulus Nigidius321.323.G.Gaius275.Galenos147.164.165.185.222.270.333.350.351ff.Gallus Marcus302.Gellius310.311.Glaukias277.278.Gorgias281.H.Hanaoka-Shin120.Hegetor274.Heliodoros335.Hen-jaku93.Herakleianos350.355.Herakleides von Taras279.— von Erythrai274.Herakleitos153.178.328.Heras280.323.Hermogenes275.Herodikos von Knidos162.184.— von Selymbria150.168.184.Herodotos333.Heron281.Herophilos262ff.344.Hikesios275.Hippasos155.Hippokrates169.171.174ff.183ff.202ff.221ff.236ff.314.337.Hippon155.160.161.Honma Gencho120.J.Ikkos von Tarent150.Julianos309.350.355.K.Kagawa Shigen149.Kallianax274.Kalliphon155.Kallisthenes252.Kassios, Iatrosophist336.Klearchos252.Kleopatra283.Kleophantos281.300.Kointos350.Krateuas282.326.Krisos169.Kriton334.Ktesias167.168.Kydias274.L.Lenaeus283.321.323.Leonides309.335.Leukippos154.Lykos350.Lysimachos282.M.Macer Aemilius323.Maenius Rufus323.Magnos von Ephesos332.Mantias274.Marinos349.374.Markellos von Side336.Martianos275.Medios240.Meges281.309.Menekrates323.Menemachos309.Menodoros275.Menodotos277.279.280.Menokritos145.331.Menon162.179.184.252.Meton173.Metrodoros240.Miltiades302.Mithradates283.Mnaseas309.Mnesitheos244.Moschion343.N.Nagata Tokuhon118.Nebros169.Neileos281.282.335.Nikandros282.Nikeratos323.Niketas281.Nikomachos246.Nikomedes283.Nikon302.Ninyas162.Numenios244.Numisianos350.355.Nymphodoros281.282.O.Olympikos309.Onasilos145.Ophion282.P.Pamphilos324.Parmenides153.156.159.178.Pausanias157.159.164.171.Pelops350.355.Petronas237.Petronios Diodotos323.Phaeitas162.Phanias252.Philinos277.278.Philippos334.Philistion164.171.173.239.240.243.331.Philolaos155.156.161.Philon323.Philonides302.Philotimos244.Philoxenos281.335.Philumenos309.Platon156.238.239.243.244.247.328.Pleistonikos244.Plinius319.320.326.Polybos178.184.185.222.Polyeides282.Polykritos168.Poseidonios280.Praxagoras185.243.262.264.Proklos309.Protarchos281.Ptolemaios275.Pythagoras148.153.154.Q.Quintus videKointos.R.Rhuphos341ff.348.S.Satyros350.355.Scribonius Largus324.Seneca310.Serapion277.278.280.Servilius Damokrates323.Sextius Niger321.323.326.Sextus Empiricus277.281.Soranos309.343ff.349.Sostratos281.282.Straton von Lampsakos252.268.— Erasistrateer275.Stratonikos355.Sugita Gempaku120.Susruta78ff.78.85.90.Syennesis161.223.T.Thales153.170.Themison301.303ff.Theodas281.Theodoros332.Theophrastos252.326.Thessalos184.185.Thessalos von Tralles306ff.Thrasymachos162.Timotheos162.Tryphon281.Tschang-ki94.V.Vagbhata73.90.Valgius Rufus323.Varro311.321.Vettius Valens309.Vitruvius310.W.Wang-schu-scho94.X.Xenokrates323.Xenophanes153.Xenophon von Kos244.349.Z.Zenon, Herophileer274.Zeuxis der Aeltere280.— der Jüngere274.Zopyros280.

ABCDEFGHJKLMNOPQRSTVWXZ


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