Am 9. März 1500 ging das Geschwader von Lissabon aus unter Segel. In der Nähe der Capverden wurde Luis Varez durch Sturm von den übrigen getrennt und kehrte nach Portugal zurück. Von der Guineaküste ab wurde gegen S.-W. gesteuert, um den Windstillen und widrigen Meeresströmungen auszuweichen. Vasco da Gama’s Segelvorschrift lautete, man solle in grade südlichem Cours bis zur Höhe des Caplandes segeln und dann mit günstigen Westwinden das gefürchtete Südende Afrikas zu umschiffen suchen. So kam es, daß die Schiffe durch den Aequatorialstrom weiter als beabsichtigt war, gegen Südwesten geführt wurden, wo sie am 21. oder 24. April etwa unter dem 18° s. Br. unvermuthet auf eine gebirgige Küste stießen, welche nach der Schätzung der Steuerleute etwa 450 Leguas von der afrikanischen Küste entfernt lag. Es war das Gestade Brasiliens, wohin eine günstige Meeresströmung sie durch Zufall getragen hatte. Daß bereits drei Monate früher Vicente Yañez Pinzon, einer der Begleiter des Columbus auf seiner ersten Fahrt, etwa 10 Grad weiter nördlich dieselbe Küste berührt hatte, war auf der portugiesischen Flotte noch nicht bekannt. Es wird aber aus den durch die Meeresverhältnisse geleiteten Fahrlinien der Portugiesen klar, daß die neue Welt von ihrem südlichen Halbcontinente aus über kurz oder lang von den Indienfahrern gefunden werden mußte, auch wenn der kühne Plan eines Columbus keine Unterstützung gefunden hätte und nicht zur Ausführung gelangt wäre. Der Gang der Ereignisse brachte diese Entdeckung von selbst mit sich.
Cabral segelte mehrere Tage an dem Ufer des waldigen Landes hin, besuchte die Bucht des Porto-Seguro und verkehrte wiederholt mit den braunen Eingebornen, die fast unbekleidet, ohne Metallwaffen, unter leichten Strohdächern in Netzen aus Baumwollschnüren schliefen. Am 3. Mai, dem Tage der Kreuzes-Erfindung nahm Cabral von dem Lande Abschied, dem er den Namen Terra de Sa. Cruz beilegte, eine Benennung, die sich aber bald änderte, nachdem man den Reichthum an Farbeholz (Rothholz) entdeckt hatte. Dieses Holz nannten die Portugiesen Brazil (nach der Farbe glühender Kohlen) und daher bekam jene Küste bald den Namen Terra de Brazil, Brasilland,Brasilien.[94]Der Capitän Gaspar de Lemos erhielt den Auftrag, mit der Meldung der neuen Entdeckung nach Portugal zurückzukehren und unterwegs so viel als möglich von der weiter nördlich verlaufenden Küste aufzunehmen.[95]Cabral segelte quer über den südatlantischen Ocean nach dem Caplande zu. In einem schweren Unwetter, welches zwanzig Tage dauerte, wurden am 23. Mai in der Nähe des Cap der guten Hoffnung vier Schiffe gekentert und gingen zu Grunde, darunter auch das Schiff des Bartolomeu Dias. Als ein eigenthümliches Verhängniß, daß der Entdecker des Cap hier sein Grab in den stürmischen Wogen finden sollte, sieht es auch Camoēns an, der den Genius des Sturmcaps also reden läßt:
Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser ReiseDir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, —Die soll als Feinde hier in meinem KreiseBedrohen jeder Sturm, der sie befiel;Die Flotte, welche unerlaubter WeiseZuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)
Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser ReiseDir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, —Die soll als Feinde hier in meinem KreiseBedrohen jeder Sturm, der sie befiel;Die Flotte, welche unerlaubter WeiseZuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)
Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser ReiseDir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, —Die soll als Feinde hier in meinem KreiseBedrohen jeder Sturm, der sie befiel;Die Flotte, welche unerlaubter WeiseZuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.
Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser Reise
Dir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, —
Die soll als Feinde hier in meinem Kreise
Bedrohen jeder Sturm, der sie befiel;
Die Flotte, welche unerlaubter Weise
Zuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,
Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,
Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.
Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.
Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)
Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.
(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)
(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)
Außerdem wurde auch das Schiff des Diogo Dias vollständig von den übrigen verschlagen und gelangte auf die Ostseite von Madagascar. Erst am Nordende bemerkte Dias, daß er eine Insel entdeckt habe. Von der stattlichen Flotte Cabrals waren somit nur noch sechs Fahrzeuge vorhanden, die sich auf der Rhede von Sofala am 16. Juli wieder zusammenfanden.
Die Schiffe hatten furchtbar gelitten, mußten aber doch noch den Weg bis Mosambik zurücklegen, ehe man Gelegenheit fand, sie für die Fortsetzung der Reise wieder seetüchtig zu machen. Der ganze Küstenstrich von Sofala bis Sansibar stand unter der Botmäßigkeit des Scheich von Kiloa. Nach diesem Mittelpunkte der arabischen Niederlassungen gelangte Cabral von Mosambik mittelst einheimischer Lotsen, hatte aber dort wenig Erfolg, als er Handelsbeziehungen anknüpfen wollte; denn der Scheich erklärte ihm ziemlich unumwunden, er könne die ihm vorgelegten portugiesischen Waaren nicht gebrauchen. Auch die Bekehrungsversuche der Geistlichen an Bord trugen keine Früchte. Am 2. August erschien die Flotte vor Melinde. Mit dem dortigen Oberherrn wurden die Freundschaftsbezeugungen erneuert. Hier ließ man auch zwei portugiesische Sträflinge zurück, João Machado und Luis de Moira,mit dem Auftrage, bis ins Land des Priesterkönigs nach Abessinien vorzudringen; ein Unternehmen, das damals ebenso fehl schlug als im 17. Jahrhundert, wo mehremal portugiesische Missionare, unter ihnen Lobo, um 1626, sich abmühten, das Gebiet der Galla zu durchbrechen. Der Scheich von Melinde gab den Portugiesen wiederum zwei Steuerleute mit, welche die Schiffe glücklich in sechzehn Tagen nach Indien hinübergeleiteten. Schon am 23. August wurden die Andjediven wieder erreicht. Dort gönnte man sich vierzehn Tage Rast, die Schiffe wurden wieder kalfatert und mit Wasser versorgt, denn man mußte mit einer wohl in Stand gesetzten Flotte vor Kalikut auftreten. Wenn auch die Seemacht auf die Hälfte reducirt war, war sie immerhin doppelt so stark an Zahl der Schiffe, als das kleine Geschwader Gama’s und mußte wohl den Verdacht eines Korsarenwesens zurückdrängen. Der Samudrin bekundete seine friedliche Gesinnung dadurch, daß er die Fremden sofort nach ihrem Eintreffen durch zwei Nair und einen angesehenen Kaufmann aus Gudjerat begrüßen ließ. Cabral schickte die vier Indier, welche Gama mitgenommen, wieder ans Land und ließ den Fürsten ersuchen, ihm Geißeln als Bürgen eines friedlichen Geschäftsverkehrs zu senden. Der Brief des Königs Manuel enthielt denselben Wunsch, sprach aber daneben, unüberlegter Weise, viel von Bekehrungsplänen, wodurch die religiösen Gegensätze und Antipathien in Indien von neuem aufgeregt werden mußten.
Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn. So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik der Maurensteckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen, fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung: er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin, dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden. Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag, in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe. Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen Schifferlügen erzählte.
Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von statten.Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben. Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat.
Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu vertreiben.
Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 wieder ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des GaliciersJoão da Novaab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo Barbosa, hatten portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes hatte der Florentiner Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des Francesco Vinetti gestellt; denn der portugiesische König gestattete den Kaufherren, welche auf ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den Capitän zu ernennen. Das vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes.
Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova, unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão (Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später, wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel), wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigenportugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein. Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn keiner Antwort.
In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle. Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich, hier angelangt, für gerettet und geborgen.
Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte.
Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren, welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten drang aber doch die Ueberzeugung durch, daßman mit Hilfe der in Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann — was als eine nicht geringe Pflicht angesehen wurde — den Heiden das Christenthum zu bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel.
Ursprünglich war Cabral dazu ausersehen, diese große Expedition zu leiten, doch trat er noch vor ihrem Beginn zurück; sei es nun, daß, wie Correa erzählt, Gama beim König selbst Einwände dagegen erhoben und sich auf sein verbrieftes Recht berufen hatte, wonach ihm der König die Flottenführung zugesagt, um ihm Gelegenheit zu bieten, sich an dem Samudrin wegen seiner Gefangennahme zu rächen; sei es, daß Cabral, nach Barros’ Bericht, sich dadurch verletzt gefühlt, daß man dem Vicente Sodre eine fast selbständige Leitung der kleinen Schiffe zugesagt, welche zum Schutze der Factorei in Indien bleiben sollten, und daß er in Folge dessen das Obercommando abgelehnt habe.
Vasco da Gama.Aus dem Manuscript von Pedro Barretto de Resenda.(In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)
Vasco da Gama.
Aus dem Manuscript von Pedro Barretto de Resenda.(In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)
Gama trat an die Spitze einer stattlichen Flotte von zwanzig Segeln, und unter ihm behielt Sodre den Befehl über die Kriegsabtheilung mit 800 Soldaten. Doch lief das ganze Geschwader nicht auf einmal aus, Gama brach mit fünfzehn Schiffen am 10. Februar 1502 auf,worauf sein Neffe, Estevão da Gama mit fünf Schiffen erst am 1. April nachfolgte. Beide Abtheilungen erreichten indeß ziemlich zu gleicher Zeit das Ziel. Vasco da Gama landete zuerst in Porto Dale bei C. Verde und verweilte dort sechs Tage, um Wasser einzunehmen. An der Guineaküste hatten sie unter Windstillen zu leiden und verloren in der ungesunden Gegend manchen Mann.
Nur Correa erwähnt, daß diese Flottenabtheilung die Küste von Brasilien berührt habe und bis zum C. Agostinho daran hingesegelt sei, ehe sie nach der Südspitze Afrikas hinübersteuerten. In jener Meeresgegend, wo Cabral durch Unwetter mehrere Schiffe verloren hatte, wurde auch Gama von einem Sturm überfallen, welcher sechs Tage währte und das Geschwader dermaßen zerstreute, daß nur zwei größere Schiffe und zwei Caravelen bei dem Admiral blieben. Am Cap Corrientes brach ein neuer Sturm los, welcher eins der Schiffe, die Sa. Elena auf die Sofalabank trieb, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Die meisten Schiffe fanden sich auf dem verabredeten Sammelplatz bei Mosambik wieder zusammen, wo aus dem baufertig mitgenommenen Material in zwölf Tagen eine Caravele zusammengesetzt wurde, welche den Namen Pomposa erhielt und in Mosambik zur Deckung der dort errichteten Factorei und zur Einleitung von Handelsverbindungen mit Sofala stationirt blieb.
Gama blieb vier Tage dort und schloß mit dem Scheich von Mosambik einen Freundschaftsvertrag. Auch erhielt er von demselben — es war nicht mehr der nämliche Herrscher, wie bei der ersten Reise — Briefe von J. da Nova, welche ihm über die Zustände in Indien Mittheilungen machten, und ließ wiederum für seinen nachfolgenden Neffen und die beiden im Sturm am Cap Corrientes abgetriebenen Schiffe Instructionen zurück.
Ueber den von Mosambik aus unternommenen Zug des Pero Affonso d’Aguiar nach Sofala unter Führung zweier einheimischer Lotsen gibt Correa interessante Einzelheiten, welche wegen ihrer originellen Färbung hier eingefügt werden mögen. Affonso hatte bei dem Scheich von Sofala, der über Mosambik bereits von den Portugiesen gehört hatte, eine Audienz und sagte ihm, er komme, um im Auftrage des portugiesischen Königs auf ewige Zeiten Friede und Freundschaft mit ihm zu schließen. Der schwarze Fürst erklärte darauf, er habe bereits früher den Portugiesen versichert, alle in friedlicher Absicht kommenden Kaufleute seien ihm willkommen. Als dann Pero Affonso noch einmal die Friedensliebe des portugiesischen Königs betont hatte, war der Negerkönig sichtlich davon befriedigt und schwur bei der Sonne und dem Himmel, bei seinem Haupte und seinem Bauche, daß er ihnen ihre Waare abkaufen wolle. Als ein Unterpfand seiner Treue zog er dann von seinem Daumen einen goldenen Ring, reichte ihn dem portugiesischen Capitän und verehrte ihm zugleich und dem Könige von Portugal mehre Schnüre von aufgereihten kleinen Goldperlen als Zeichen immerwährender Brüderschaft. Und zum Beweise seiner Aufrichtigkeit und Treue faßte er die Hände der Umstehenden, denn sie pflegten nicht zu schreiben. Pero Affonso aberließ alles niederschreiben und unterzeichnete es mit sechs Leuten. Dann wurde das Schriftstück verlesen und von dem Dolmetscher erklärt, worüber der Scheich sammt seinem Volke höchlichst erstaunte, denn sie hatten noch nie schreiben sehen (!) und meinten, das Papier spräche durch Zauberkünste. Als dann der Portugiese zu seinem Schiffe zurückgekehrt war, sandte ihm der Herr des Landes Hühner, Eier, Yams und was es sonst an Nahrungsmitteln zu Lande gab.
Pero Affonso wandte sich dann nach Mosambik zurück, traf aber den Admiral nicht mehr an, da derselbe bereits nach Melinde weiter gesteuert war. Gama wandte sich zunächst nach Kiloa. Diese Stadt lag auf einer Insel an der Küste, doch war das Wasser auf der Landseite nur knietief. Mit Mauern und Thürmen umgeben, zählte der Ort 12,000 Einwohner und besaß gute Steinhäuser mit Terrassen und aufgesetztem Holzbau. Sie lag in einem Hain von Citronen-, Limonen- und Orangenbäumen. Zuckerrohr, Feigen und Granatäpfel gediehen in den Gärten. Hier herrschte ein Araber, dem aber nur das Weichbild der Stadt unterthänig war.
Da der Scheich sich bei der ersten Ankunft der Portugiesen verrätherisch benommen hatte, so rückte der Admiral mit seiner ganzen Flotte vor die Stadt, setzte dieselbe durch blinde Kanonensalven in Schrecken, umzingelte sie und erzwang so die Unterwerfung des Scheichs, der nach vielem Sträuben sich endlich darein ergeben mußte, einen jährlichen Tribut von 500 Mithikals in Gold (= 584 Cruzados) zu zahlen, wofür er dann ein Patent als Schutzbefohlener des Königs von Portugal zur Sicherheit für sich und die Kaufleute seiner Stadt erhielt. Auch mußte er zulassen, daß auf dem Thurme seines Palastes die portugiesische Flagge aufgehißt wurde. Später wurde zur Befestigung der portugiesischen Macht sogar eine Citadelle gebaut.
Dann brach das Geschwader nach Melinde auf. Es mußte dem Admiral daran gelegen sein, dem Fürsten dieser Stadt, der sich ihm auf der ersten Fahrt nach Kalikut allein freundlich und fördernd erwiesen hatte, seine stattliche Flotte zu zeigen und durch die Entfaltung seiner Macht in der Freundschaft zu befestigen. Es erscheint danach nicht recht glaubhaft, daß Gama sich, wie Osorio und Barros erzählen, von dem Besuch durch widrige Winde habe abhalten lassen und mehre Meilen von der Stadt vor Anker gegangen sei, um Lebensmittel einzunehmen. Correa dagegen schildert eingehend den Aufenthalt in Melinde und beschreibt mit allen Einzelheiten das große Fest, welches die Portugiesen dem Scheich auf ihren Schiffen gaben. Auch Castanheda bestätigt diesen Besuch.
Auf der Weiterfahrt trafen sie, im August, mit drei Schiffen Estevão da Gama’s zusammen, während die beiden übrigen sich erst an der Westküste Indiens bei den Andjediven wieder einfanden.
Bei Dabul (17° 43′ n. Br.) erreichten sie das Gestade des Gewürzlandes und gingen in eine Bai nahe bei Goa vor Anker. Die Küstenstädte sollten dort bald erfahren, daß Gama nicht in friedlicher Absicht erschien, daß ihm vielmehr daran lag, die auf der ersten Reise erlittenen Demüthigungen zurächen. Zur Gewaltthat geneigt, unverrückt sein Ziel im Auge behaltend, den Gewürzhandel für die Portugiesen zu monopolisiren, sah er alle Schiffe, auf die er stieß, als gute Beute an.
Bei den Andjediven traf er dicht am Ufer drei Fusten. Diese flüchteten in den Fluß Onor (14° 13′ n. Br.). Estevão da Gama verfolgte sie bis ins Flußwasser hinein, stieß dort auf Verschanzungen, von denen aus er mit Kanonenkugeln und Pfeilen empfangen wurde, und steckte nun alle erreichbaren indischen Schiffe in Brand.
Dann rückte die ganze Flotte weiter nach Baticala (13° 59′ n. Br.), welches zum Königreiche von Bisnaga gehörte. Gama verlangte Unterwerfung, begnügte sich dann aber auch mit einer Abgabe von Reis für seine Mannschaften.
Auf dem weitern Wege nach Kananor fiel ihm ein großes Schiff in die Hände, das mit Waaren und Pilgern aus Mekka nach Indien zurückkehrte. Das Schiff wurde ohne Gegenwehr genommen, geplündert und in Brand gesteckt. Zu spät setzten sich die Asiaten zur Wehr, wurden dann aber bis auf wenige gerettete Frauen und Kinder niedergemetzelt. Noch im Wasser wurde an denen, die über Bord gesprungen waren, das Morden fortgesetzt. Wahrscheinlich gehörte das Schiff dem Sultan von Aegypten oder einem seiner Unterthanen, denn bald danach beschwerte sich jener beim Papst darüber, daß die Portugiesen in den indischen Meeren Seeraub trieben.
Dann ging die Flotte im befreundeten Hafen Kananor vor Anker. Gama hatte bei dem Fürsten mit großem Gefolge eine feierliche Audienz und erklärte ihm, er werde in Zukunft keinen Handelsverkehr nach dem rothen Meere dulden. Auch verlangte er, die Stadt solle ihre Handelsbeziehungen mit Kalikut abbrechen. Nur die Schiffe von Kananor, Kotschin und Kollam wollte er schonen und durchlassen. Auch der Preis der Waaren wurde festgestellt, desgleichen, wie hoch die mitgebrachten portugiesischen Artikel berechnet werden sollten. Auch dies setzte der Admiral durch, obwohl man die fremden abendländischen Erzeugnisse in Kananor eigentlich nicht verwerthen konnte.
Als sich darauf Gama gegen Kalikut bewegte, schickte ihm der Samudrin zu wiederholten Malen Botschafter entgegen, um ihm einen friedlichen Ausgleich anzutragen. Aber der portugiesische Befehlshaber stellte seine Forderungen derart, daß der indische Fürst nicht darauf eingehen konnte. Gama forderte nämlich erstens das Eigenthum zurück, das vom Stadtvolk bei dem Morde des portugiesischen Handelsfactoren geraubt worden war, und zweitens, daß allen Mauren, die vom rothen Meere kämen, der Hafen verboten würde. Gegen die erste Forderung bemerkt der Samudrin, daß durch die Plünderung des Mekkaschiffes der Schaden in der Factorei mehr als gedeckt sei. Zum andern aber könne er unmöglich mehr als viertausend Familien von Arabern aus Kairo und Mekka (man ersieht daraus, wie stark die arabische Colonie und wie groß ihr Einfluß in Kalikut war), die in der Stadt ansässig seien, vertreiben, zumal da Stadt und Land aus diesem Handel bedeutenden Vortheil zögen.
Gama hielt diese Gründe keiner Widerlegung werth. Er wollte die Antwort persönlich überbringen und rückte vor die Stadt. Den Versuch des Samudrin, sich wegen der Plünderung der Factorei durch eine bedeutende Geldsumme abzufinden, lehnte der Portugiese mit dem Bemerken ab: angethane Schmach lasse sich nicht mit Gold decken. In seiner Erbitterung scheute Gama keine Mittel, um seine Feinde einzuschüchtern. Wenn auch die Berichte über die einzelnen Acte einer barbarischen Kriegsführung von einander abweichen, so kehren doch die Angaben über die raffinirtesten Schlächtereien aufgegriffener malabarischer Schiffer, oder über scheußliche Verstümmlungen, die an den armen Opfern verübt wurden, immer wieder und müssen historisch begründet sein. Einen eigenthümlich sagenhaften Zug erwähnt Correa, und man erkennt daraus mit Befriedigung, daß diese ausgesuchten Grausamkeiten selbst unter den Portugiesen Bedenken erregten. Unter den unglücklichen Seeleuten, welche der Rache des Admirals zum Opfer fielen, befand sich eine Anzahl von der Coromandelküste, welche baten, man möge sie zu Thomaschristen machen, wie es solche in ihrem Lande gäbe. Gama erwiderte hart, taufen könnten sie sich lassen, aber gehängt würden sie doch. Sie fanden nur in sofern Gnade, als sie — es waren ihrer drei — nicht an den Beinen aufgehängt wurden, um dann den Bogenschützen zur Zielscheibe zu dienen, sondern am Halse gehängt wurden, so daß sie also die auf sie gerichteten Pfeilschüsse nicht mehr fühlten. Aber dabei geschah ein Wunder. Kein Schuß verletzte auch nur die Haut dieser Martyrer, welche durch die Taufe gefeiet waren. Gama ließ ihnen dann wenigstens noch ein christliches Begräbniß zu Theil werden und die eingesargten Leichen unter christlichen Gebeten ins Meer senken.
Zweimal ließ der Admiral die Stadt Kalikut beschießen und einen Theil der Häuser vernichten. Er wollte keinen Frieden, sondern verlangte Unterwerfung. Nun aber rüstete man sich auch im ganzen Reiche Kalikut zu einem allgemeinen Rachekriege; an allen Flüssen wurden große und kleine Kriegsschiffe gebaut, um dem grausamen Feinde die Stirne zu bieten. Während Vicente Sodre an der Küste kreuzte, um alle indischen Fahrzeuge abzufangen, wandte sich Gama selbst mit einer Flotte von fünf großen und sechs kleinen Schiffen nach Kotschin, um mit dem Fürsten dieser wichtigen Handelsstadt einen Vertrag zu schließen. Man kam dahin überein, daß die Portugiesen Pfeffer, Gewürznelken und Benzoin mit Geld bezahlen sollten, während sie andere Artikel wie Zimmt, Weihrauch und dergl. gegen ihre europäischen Waaren eintauschen konnten.
Kaum war dieses friedliche Abkommen getroffen, so erschien eine Gesandtschaft vor der Mutter des Radscha von Kollam, dessen Gebiet die Südspitze der indischen Halbinsel umfaßte und zu dessen Einkünften der reiche Pacht von den Perlenfischereien gehörte. Die Verhandlungen hier boten um deswillen Schwierigkeiten, weil Gama nur im Einverständnisse mit seinem ersten Bundesgenossen in Kotschin handeln wollte und diesem natürlich wenigdaran liegen konnte, in Kollam einen neuen Concurrenten zu erhalten. Aber Gama löste diese Differenz mit großem Geschick und gutem Erfolge. Zwei seiner Schiffe nahmen in Kollam eine Fracht von Pfeffer ein und stellten dann den dortigen Handelsfahrzeugen Geleitsbriefe aus, wie denen von Kotschin und Kananor.
Unterdessen waren die Rüstungen des Samudrin soweit gediehen, daß er unter Anwendung indischer List sich seines wüthenden Gegners mit einem Schlage zu entledigen hoffte. Ein Brahmine erschien als Abgesandter auf der Flotte und gab vor, er wolle nach Europa gehen, um das Christenthum kennen zu lernen und mit dem portugiesischen Könige selbst zu verhandeln, da man den jährlich wechselnden Schiffscapitänen nicht traue. Als nun Gama erwiderte, er habe Vollmacht, erklärte ihm der Brahmine, sein Fürst wünsche Frieden, und überredete nun den Admiral, mit ihm nach Kalikut zu gehen. Er segelte mit seinem Schiffe allein ab in der Erwartung, das Geschwader Sodre’s vor der Stadt zu finden. Aber dieser war durch Ausstreuung von allerlei Gerüchten nach Norden gelockt, sodaß Gama sich isolirt sah. In der Nacht wurde sein Schiff umzingelt und von allen Seiten angegriffen; aber die überlegene Seetüchtigkeit rettete ihn aus dieser drohenden Gefahr. Der Brahmine wurde zur Strafe für seinen Verrath mit dem Tode bestraft und an der Raae aufgeknüpft, oder es wurden ihm, wie Correa berichtet, die Lügenlippen abgeschnitten und statt der abgehaunen Ohren Hundsohren angenäht und er so verstümmelt ans Land geschickt.
Nachdem dann ein großer Theil der Schiffe ihre Fracht in Kotschin eingenommen, segelte die ganze Flotte im Anfang Februar 1503 nach Kananor. Noch einmal wagten die Schiffe von Kalikut einen Angriff, wurden aber durch Kanonen zurückgetrieben. Doch fiel der Capitän Vasco Tinoco im Kampfe. In Kananor ließ Gama die Factorei mit Kanonen besetzen. Sodre blieb mit fünf größeren Schiffen und zwei Caravelen in den indischen Gewässern zurück, um den Samudrin in Schach zu halten und die Bundesgenossen zu schützen. Dann wandte sich Gama zur Heimkehr und ließ im September 1503 vor Lissabon den Anker fallen.
Vicomte Sodre blieb als erster Capitão do mar in den indischen Gewässern mit einer kleinen Flotte von sieben oder acht Schiffen zurück. Der Samudrin beschloß diese Zeit, während die Hauptmacht der Portugiesen abwesend war, zu einem Kriegszuge gegen den Fürsten von Kotschin zu benutzen. Aber dieser glaubte nicht, daß die Rüstungen, die gegen ihn im Werke waren, in der stillen Zeit des Verkehrs beendigt werden könnten, und hatte dem portugiesischen Capitän, in zu großer Sorglosigkeit, freigestellt, inzwischen noch einen Auftrag auszuführen, welcher ihn an den Eingang des rothen Meeres führte, um den arabischen Handel zu sperren. So sah sich denn der Radscha von Kotschin plötzlich zu Lande von einem überlegenen Feinde angegriffen, dem er sogar seine Hauptstadt überlassen mußte. Er flüchtete sich nach einer kleinen Insel und brachte dort die Wintermonate in hartbedrängter Lage zu.
Sodre war nordwärts nach Gudjerat gesegelt und von da nach der Küste Südarabiens hinübergegangen. Hier wurde er von einem furchtbaren Sturme überfallen und ging mit mehreren Schiffen bei den Kuria-Muria-Inseln sammt der Mannschaft zu Grunde, wahrscheinlich im Juli oder August des Jahres 1503.
Der Rest des Geschwaders wandte sich nach Indien zurück und wartete bei den Andjediven auf neuen Zuzug aus der Heimat, da sie ohne denselben sich nicht stark genug fühlten, irgend etwas zum Schutz ihrer Bundesgenossen zu unternehmen. Die erwartete Hilfe ließ auch nicht lange auf sich warten, denn schon im April 1503 waren wieder sechs Schiffe segelfertig, um von Tejo auszulaufen und im Mai sollten noch andere folgen. Am 6. April brachen Alfons und sein Vetter Francisco d’Albuquerque mit je drei Schiffen auf.Affonso d’Albuquerque, den portugiesische Geschichtschreiber den „Großen“ nennen, unzweifelhaft der bedeutendere der beiden Verwandten, betrat hier zuerst den Schauplatz, auf dem er sich unsterblich machen sollte, denn in ihm haben wir den eigentlichen Begründer der portugiesischen Macht in Indien vor uns. Er war im Jahre 1453 in der kleinen Stadt Alhandra am Tejo sechs Leguas oberhalb Lissabon, als zweiter Sohn des Gonçalo d’Albuquerque, des Herrn von Villaverde und der Donna Leonor da Menezes geboren. Im königlichen Palaste erzogen, hatte er sich zuerst 1480 bei Otranto im Kampfe gegen die Türken ausgezeichnet.
Affonso stand im fünfzigsten Lebensjahre, als er die erste kleine Flotille von drei Segeln nach Indien führte.
Einer seiner Landsleute hat ihn folgendermaßen geschildert: „Affonso d’Albuquerque war von mittlerer Größe und von angenehmem Aeußern. Das längliche Gesicht von frischer Farbe und mit einer Adlernase zierte später ein mächtiger bis über den Gürtel reichender weißer Bart, der ihm ein sehr würdiges Ansehn gab. Er war mit dem Lateinischen vollkommen vertraut und ebenso vorsichtig in seinen Worten wie in seinen Schriften. Er war geliebt und gefürchtet, ohne daß sein Wohlwollen in Parteilichkeit, oder sein Tadel in Härte überging. Er war ein Mann von Wort, ein Feind der Lüge, ein gewissenhafter Richter. Zu Lande und zu Wasser hat er viele Wunden davon getragen und mit seinem Blute bezeugt, daß er keiner Gefahr aus dem Wege gehe. Er war verschwenderisch freigebig und überließ seinen Capitänen die ganze Siegesbeute, da er stets mehr auf Ruhm als auf Reichthum bedacht war.“
Alfons von Albuquerque.Nach dem Manuscript des Pedro Barretto de Resenda.(In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)
Alfons von Albuquerque.
Nach dem Manuscript des Pedro Barretto de Resenda.(In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)
Diesen Helden begleitete ein anderer kühner Capitän,Duarte Pacheco Pereira, dem später eine Aufgabe, ähnlich der des Spartanerköniges Leonidas, zufallen sollte. In dem Gefolge des Francisco d’Albuquerque befand sich Nicolao Coelho, welcher sich schon auf der ersten Fahrt Gama’s hervorgethan hatte. Am 6. April 1503 waren beide Abtheilungen von Lissabon abgesegelt. Im August erreichten sie die Küste von Malabar. Francisco langte zuerst an, hatte aber unterwegs ein Schiff eingebüßt. Dafürfand er die Schiffe von Sodre’s Geschwader vor und segelte damit südwärts nach Kananor und Kotschin. Als auch Affonso bald danach eintraf, hatten die Portugiesen wieder die Uebermacht, verdrängten ihre Gegner aus dem befreundeten Hafen und führten den Radscha von Kotschin in sein Gebiet zurück. Im Gefühl der Nothwendigkeit und Erkenntlichkeit willigte dieser sodann in die Anlage einer festen Citadelle. Die Capitäne stellten dem Fürsten vor, daß alle Drangsale seines Reiches nur daher rührten, daß sie aus Mangel an eigner Sicherheit ihren Bundesgenossen weniger helfen könnten. So entstand also in Kotschin die erste portugiesische Festung, welche bereits in Portugal geplant war und durch die Sendung der beiden Albuquerque ins Werk gesetzt werden sollte. Um die Citadelle rasch zu vollenden, theilten sich beide Capitäne in die Arbeit, und so entstand ein Holzbau mit Pallisaden. Bei der Besetzung der Commandantenstelle traten zwischen den portugiesischen Führern bereits Eifersüchteleien zu Tage. Jeder gab dem Bollwerk einen besonderen Namen; aber da Affonso nach dem Befehl seines Königs zuerst in Kollam Gewürzfracht einnehmen sollte, mußte er vorläufig seinem Vetter das Feld überlassen. In Kollam wurde Antonio de Sa als Factor eingesetzt. In den ersten Tagen des Jahres 1504 hatte Affonso seine Aufgabe gelöst und wollte, wie die Vorschrift lautete, gemeinschaftlich mit Francisco den Rückweg antreten. Aber dieser zögerte mit dem Einkauf der Frachten, sodaß Affonso Ende Januar sich veranlaßt sah, um die günstige Fahrzeit nicht zu versäumen, allein aufzubrechen. Mit einem geschickten Piloten steuerteer zum erstenmal, statt den Umweg über Melinde zu machen, direct auf Mosambik, umschiffte am 1. Mai bei schönem Wetter das Cap der guten Hoffnung, wurde zwar an der Guineaküste eine Zeitlang von verderblichen Windstillen aufgehalten, erreichte aber glücklich die Capverden, wo er in dem Hafen von Sa. Maria die Fahrzeuge ausbessern ließ, und langte am 3. September wohlbehalten vor Lissabon an. In seiner Begleitung befand sich ein Venetianer Bonavito d’Alban, der vor zweiundzwanzig Jahren über Aegypten nach Indien gegangen und sich lange Zeit in Malaka aufgehalten hatte. Von ihm erhielt Albuquerque manche wichtige Nachrichten über die entfernten Gewürzländer und über Malaka besonders, was für die späteren Unternehmungen von großem Einfluß war.
Francisco d’Albuquerque war erst am 5. Februar von Indien aufgebrochen, wurde aber an der Ostküste Afrikas von Stürmen überfallen und ging sammt Nicolao Coelho unter. Von einem anderen Schiffe, welches früher zum Geschwader Sodre’s gehört hatte, rettete sich nur die Mannschaft. In Indien blieb vorläufig Duarte Pacheco mit einigen Schiffen zurück.
Bald nach der Abfahrt der beiden Albuquerque von Lissabon war ihnen im Mai 1503 der Castilier Antonio de Saldanha mit drei Schiffen gefolgt, um an Stelle Sodre’s vor dem rothen Meere zu kreuzen. Schon im Golfe von Guinea wurden die drei Fahrzeuge von einander getrennt, das erste Schiff, welches sich verlor, segelte allein um Afrika und hielt sich länger bei der Insel Sokotra auf, welche die Portugiesen bei dieser Gelegenheit zuerst betraten. Ein zweites Schiff unter Ruy Lourenço Ravasco kam vor dem Sturmcap abhanden, ging ebenfalls auf die Ostküste Afrikas und trieb schamlose Piraterie; alle Kauffahrer, die man antraf, wurden geplündert. Bei Sansibar, dessen Herrscher im Namen des Königs Manuel auch besteuert wurde, ließ er in zwei Monaten mehr als 20 Sambuken anhalten. Nur das einzige Verdienstliche that Ravasco, daß er dem befreundeten Scheich von Melinde gegen seine eifersüchtigen Nachbarn in Mombas erfolgreichen Beistand leistete. Darüber verging der Sommer, ehe Saldanha sich einfand. Dieser war noch nördlich vom Sturmcap ans Land gegangen, in dem Glauben das gefährliche Cap bereits hinter sich zu haben und hatte dort eine Bucht und einen Wasserplatz, Aguada da Saldanha, entdeckt. Dann hatte er, nach Besteigung des Tafelberges (Meza da Cabo), sich wieder auf den Weg gemacht, hatte die Südspitze Afrikas glücklich überwunden, an der Ostküste ebenfalls dem Seeraub obgelegen und endlich vor Melinde seine Genossen gefunden. In der Nähe des rothen Meeres hatten sich alle drei Schiffe wieder vereinigt und waren nach der arabischen Küste herübergesteuert, um dort zu überwintern, hatten aber, bei der Feindseligkeit der Bewohner, Wassermangel gelitten und waren dann nach den Andjediven gesegelt, wo sie von der großen Flotte des Lopo Soarez eingeholt wurden, welcher fast ein Jahr später von Portugal aufgebrochen war, um mit dreizehn Segeln direct nach Indien zu fahren, wo er Ende August 1504 anlangte. Auf Vasco da Gama’s Rath hatteman die Kräfte nicht zersplittert, sondern eine imposante Armada mit vielem Kriegsgeräth und 1200 Mann Besatzung entsendet. Der Krieg mit den Moslemin sollte mit Nachdruck geführt werden. In Kananor erfuhr Soarez, wie in der Zwischenzeit, seit die Albuquerques zurückgekehrt, die Angelegenheiten verlaufen waren.
Pacheco hatte alle Angriffe des Samudrin glänzend zurückgeschlagen. Der ganze Kampf, bei welchem der Beherrscher von Kalikut 60,000 Mann sollte aufgeboten haben, drehte sich hauptsächlich um die Vertheidigung einer Furt, über welche der Weg von Norden her nach Kotschin führte. Diese Furt hatte Pacheco mit Pallisaden verschanzen und mit Kanonen besetzen lassen. Nichts zeigte deutlicher die unentwickelte Kriegskunst der Eingebornen, als ihre vergeblichen Anstrengungen, diese Verschanzungen zu nehmen. Duarte Pacheco hatte seine kleine Schaar von hundertundsechzig Portugiesen auf seine Schiffe, auf die Citadelle in Kotschin und an der Furt vertheilt; es standen ihm also an jedem Orte nur etwa fünfzig Mann zur Verfügung, und doch schlug er, obwohl er sich auf seine indischen Bundesgenossen wenig verlassen konnte, mit geringen Verlusten alle Angriffe ab und machte selbst den abenteuerlichen Plan der Inder, seine Schiffe mit großen hölzernen, auf je zwei Prauen errichteten Holzthürmen zu erobern, gründlich zu schanden. Der Samudrin sah sich endlich genöthigt, nachdem auch seine Vasallen fahnenflüchtig geworden waren und da Krankheiten seine Mannschaft decimirten, seinen Feldzug aufzugeben und nach Kalikut zurückzugehen; denn die stille Jahreszeit ging vorüber und ein neues Geschwader feindlicher Schiffe war mit dem Eintreten des günstigen Fahrwindes von der afrikanischen Küste her zu erwarten.
Soarez hatte den gewöhnlichen Weg an der Ostseite Afrikas eingeschlagen, in Melinde die wenigen aus dem Schiffbruche des Francisco d’Albuquerque geretteten Mannschaften an Bord genommen und war dann von den Andjediven aus gegen Kalikut vorgerückt, wo er Anfang September erschien. Hier forderte er die Auslieferung von zwei zu den Feinden übergelaufenen Geschützgießern (aus Mailand oder Slavonien) und beschoß, als dieselbe verweigert wurde, zwei Tage lang die Stadt, wobei ein Theil des königlichen Palastes zerstört wurde. Zur Vergeltung dafür wurden in der Stadt die portugiesischen Gefangenen getödtet.
Soarez wandte sich dann nach Kotschin, wo er durch die Fürsorge Duarte Pacheco’s eine bedeutende Pfefferfracht aufgespeichert fand und einnehmen konnte. Nachdem er dann die wahrscheinlich unter dem Schutze der Citadelle von Trampatão (Dharmapatam) im Gebiete von Kananor versammelte mohammedanische Handelsflotte zum Theil erobert und verbrannt hatte, trat er zu Anfang des Jahres 1505 mit reicher Ladung den Rückweg an. Daß die Macht des Samudrin durch dieses rücksichtslose und immer siegreiche Auftreten der Portugiesen mehr und mehr erschüttert wurde, beweist auch der Abfall eines seiner Vasallen, des Radscha von Tanor, welcher zu seinen abendländischen Feinden überging. Im indischen Meere blieb der CapitänManuel Tellez Barreto mit fünf Schiffen und 300 Mann zurück, um an der Küste zu kreuzen, während 280 andere Soldaten als Besatzung in Kotschin, Kananor und Kollam stationirt wurden.
Im Juli 1505 erreichte Soarez den Hafen von Lissabon, wo man vor allem die Verdienste Duarte Pacheco’s, welcher mit der Flotte zurückgekehrt war, würdigte. Als Belohnung erhielt dieser ausgezeichnete Mann die Verwaltung der Niederlassungen an der Guineaküste, er wurde aber bald in Folge von Verleumdungen angeklagt und in Ketten nach Portugal transportirt, wo er später, ohne wieder Anerkennung zu finden, in der bittersten Armuth starb. Camoens geißelt in seinen Lusiaden (X, 22–25) den Undank des Königs mit harten Worten. Indem er Duarte Pacheco mit Belisar vergleicht, wirft er dem Könige Ungerechtigkeit und Geiz vor.
Werfen wir, ehe wir die weiteren Unternehmungen der Portugiesen verfolgen, einen Blick auf dieHandelslinienundgroßen Lagerplätze des indischen Gewürzhandels. Im fernen Osten lag Malaka inmitten der reichsten Pfefferländer, zugleich ein Hauptstapel für die Gewürze der Molukken und der Droguen der Sundawelt. Mit diesem Handelsplatze stand Kalikut in unmittelbarer Verbindung. Von hier aus boten sich aber zwei Straßen nach dem persischen und nach dem rothen Meere. Dort galt als Mittelpunkt des Seeverkehrs die Inselstadt Ormuz, welche Albuquerque bald bezwingen sollte, und hier vor der Enge des rothen Meeres Aden. Von Ormuz führte der Weg über Basra durch Mesopotamien nordwärts. Die Karawanen gingen entweder über Armenien nach dem nördlichen Asien und Europa, oder wandten sich am Fuß des Hochlandes, auf welchem Euphrat und Tigris entspringen, gegen Westen nach Syrien und erreichten in Beirut das Gestade des mittelländischen Meeres. Die Schiffe, die nach Aden gegangen, steuerten dann durch das rothe Meer weiter nach Tor an der Südspitze der Halbinsel des Sinai und von da nach Sues. Von hier wurden die Waaren zu Lande über Kairo nach Alexandrien befördert.
Damals beherrschte der Sultan von Aegypten auch die syrischen Häfen; es ging demnach fast der ganze indische Handel durch sein Gebiet und sicherte ihm namhafte Einkünfte. Jede Veränderung oder Störung dieser Handelslinien und Handelsbewegungen berührte die Macht des ägyptischen Sultans auf das empfindlichste; aber auch das Interesse für den Glauben spielte hinein.
Mohammedanische Dynastien saßen auch auf der Westküste Vorder-Indiens. Sie alle hatten gleiches Interesse an dem Fortbestehen des Gewürzhandels auf den bisherigen Seewegen. Der Sultan von Aegypten empfand gar bald die Verluste in seinen Einnahmen, nachdem die portugiesischen Schiffe die Straße nach dem rothen Meere gesperrt hatten. Als aber die Kaufleute von Kalikut als seine Glaubensgenossen in ihrer Bedrängniß sich an ihn gleichsam als an ihren Schirmherrn wendeten, beschloß er sich vorerst bei dem Papstzu beschweren und von dem geistlichen Oberhaupte der Christenheit Abhilfe zu fordern, inzwischen aber sich auf einen entscheidenden Kampf vorzubereiten und eine Flotte auszurüsten, welche im Verein mit dem Geschwader der indischen Bundesgenossen den Portugiesen die Spitze bieten könne. Mit seiner Sendung an den Papst Julius II. betraute er den Pater Mauro, Prior des Klosters am Sinai. In seinem Briefe beschwerte sich der ägyptische Sultan über die Grausamkeiten, welche König Ferdinand von Aragonien gegen die Mauren in Spanien verübt hatte, sowie über die Schädigungen, welche König Manuel von Portugal seinen Glaubensgenossen und Unterthanen in Indien zufüge. Der Islam war seit zwanzig Jahren hart ins Gedränge gekommen und erlag im äußersten Westen und Osten den Schlägen der christlichen Fürsten. In Spanien waren die Mauren aus mehr als siebenhundertjährigem Besitze vollständig verdrängt; nun erschienen die Glaubensfeinde sogar in den indischen Meeren. Wenn die Fürsten der spanischen Halbinsel, erklärte der Sultan, von ihrem Wüthen gegen den Islam nicht abließen, werde er selbst zu ähnlichen Maßregeln gegen die Christen in seinen Landen sich genöthigt sehen. Er werde das heilige Grab vernichten und den christlichen Namen im Orient austilgen. Er werde aber auch mit seinen Flotten die Gestade des Mittelmeeres heimsuchen und den Christen gleiches mit gleichem vergelten, wenn der Papst nicht dem König Manuel verbiete, fernerhin seine Schiffe nach Indien zu senden.
Mit Abschriften dieses Drohbriefes entsandte der heilige Vater den Prior Mauro an die Höfe nach Spanien und Portugal und erbat sich eine Antwort darauf für den Beherrscher Aegyptens. König Manuel erwiderte: Der Sultan drohe nur mit Worten, weil ihm die Mittel zu Thaten fehlten. „Als wir beschlossen,“ schreibt er, „mit unseren Flotten einen Weg nach Indien zu bahnen und die unseren Vorfahren unbekannten Länder zu erforschen, war unser Vorsatz, der mohammedanischen Sekte, von welcher mit Satans Hilfe so viele Leiden über den Erdkreis gebracht sind, das Haupt zu zertreten, und wo möglich das Grab Mohammeds vom Erdboden zu vertilgen. Wir bedauern, daß wir dies Ziel noch nicht erreicht haben. Der Sultan wird sich wohl hüten, die Christen in seinem Lande zu vertreiben, da er aus den Abgaben der Pilger, welche das heilige Grab besuchen, so bedeutende Einnahmen erzielt. Und sollte er je wagen, die Küsten des Mittelmeeres zu plündern, so würde die jetzt uneinige Christenheit sich alsobald zur Abwehr und zu gemeinsamem Angriff zusammenschaaren. Eine solche Gefahr für sich und sein Land wird aber der Sultan schwerlich heraufbeschwören.“ Der König Manuel meinte ferner, die beste Antwort auf die Drohungen des Aegypters bestehe darin, daß der Papst die gesammte Christenheit zu einem neuen Kreuzzuge aufrufe. Er wolle sich zwar nicht erkühnen, Sr. Heiligkeit und dem ehrwürdigen Cardinalscollegium die Antwort vorzuschreiben, welche dem Sultan zu ertheilen sei; aber seinen Willen und seine Meinung wolle er doch dahin aussprechen, daß er sich durch keine Drohung, keine Schwierigkeit von seinemZiele abhalten lassen werde, den Uebermuth des Glaubensfeindes zu demüthigen und zu brechen.
Damit ging Mauro zunächst nach Rom und dann nach Aegypten zurück. Ein friedlicher Ausgleich war unmöglich; die Waffen mußten entscheiden. In den indischen Gewässern hatte der Sultan Bundesgenossen und nureinenFeind; am Mittelmeer stand er fast allein und hatte die gesammte Christenheit gegen sich. Darum wählte er zum Kampfplatz den Orient und beschloß eine bedeutende Flotte nach Indien zu senden. Aber auch dieser Plan wurde schon im Entstehen theilweise vereitelt. Es war nämlich eine Flotte von fünfundzwanzig Schiffen nach der kleinasiatischen Küste geschickt, um von dort das Bauholz nach Aegypten und weiter ans rothe Meer zu schaffen. Dieses Transportgeschwader wurde aber von den Johannitern auf Rhodos angegriffen, welche elf Schiffe vernichteten, so daß, als noch vier andere im Sturme untergegangen waren, nur zehn Fahrzeuge mit Bauholz glücklich ihr Ziel erreichten. Somit konnten nur sechs größere und vier kleinere Schiffe erbaut werden, über welche dann der Kurde Hussein Almuschrif 1506 den Oberbefehl erhielt.
Die Portugiesen hatten von diesen Vorfällen und Plänen aber bereits 1505 Kunde erhalten und konnten danach ihre Maßregeln treffen. Die bisherige Kriegsführung, welcher eine einheitliche Leitung fehlte, mußte abgeändert werden. Es war vor allem nöthig, dem Oberbefehl eine größere Continuität zu geben und ihn auf mehrere Jahre auszudehnen. So entstand das Institut des Vicekönigthums, dem Portugal thatsächlich den indischen Besitz verdankt. Die Unternehmungen des Sultans von Aegypten trugen also wesentlich dazu bei, die portugiesische Macht im Orient zu befestigen.
Zum ersten Vicekönig wurdeFrancisco d’Almeidabestellt, ein Mann von ausgezeichneter Tapferkeit, welcher sich schon im Kampfe der Spanier gegen Granada ausgezeichnet hatte. Es wurde die Bestimmung getroffen, daß in Zukunft nur die Lastschiffe aus Indien zurückkehren sollten, während die Kriegsschiffe daselbst stationirt blieben. Eine stattliche Flotte sollte die neue Aera einleiten. Die Zahl der Schiffe steht nicht ganz fest, nach der geringsten Angabe waren es zwanzig. Auf den Kriegsschiffen wurden 1500 Mann Soldaten befördert, welche sich verpflichtet hatten, wenigstens drei Jahre im Orient zu dienen. Unter den Capitänen treffen wir João da Nova und João Serãro; auch Ferdinand Magalhães nahm an dem Zuge theil. Ein besonderes Interesse gewinnt aber gerade diese Expedition dadurch für uns, daß sich an dem indischen Handel zum ersten Male auch deutsche Kaufleute von Augsburg, namentlich die Welser, Vöhlin u. a. betheiligten; daneben aber auch Genuesen und Florentiner. Nur die Venetianer hielten sich grollend fern; denn es war ihnen, wie der Chronist E. Sender schreibt, „fast wider“, daß die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzländern mit wachsendem Erfolg betraten und ihnen so gefährliche Concurrenz machten.
Die Welser hatten schon 1503 einen thätigen Agenten Namens Simon Seitz nach Lissabon entsendet, welcher mit König Manuel über die Gründung einer deutschen Handelsgesellschaft einen Vertrag abschloß, wonach die Augsburger Kaufherren in Portugal gebaute und mit Portugiesen bemannte Schiffe entsenden konnten, um Spezereien und Brasilholz einzuhandeln. Zu gleicher Zeit diente der deutsche Buchdrucker Valentin Ferdinand, welcher sich wahrscheinlich schon seit 1494 in Lissabon aufhielt, als Mäkler (corretor) und war seinen neuangekommenen unternehmenden Landsleuten durch seine Kenntniß der portugiesischen Sprache sehr nützlich.[96]
Auf Simon Seitz folgte alsbald ein zweiter Vertreter der WelserLucas Rem, welcher von 1503 bis 1508 in Portugal weilte.[97]Ihm lag die schwere Arbeit ob, drei Schiffe auszurüsten und ihre Ladung zu besorgen; denn die deutsche Handelscompagnie betheiligte sich mit 21,000 Cruzados (à 2,75 Mark). „Die on mas enxtig mie, überflisig arbait, gros widerwertigkait mir damit gegnet, ist unerschreibenlich.“ So lauten die Worte seines Tagebuches.
Aber nicht blos deutsches Capital war bei dieser Fahrt eingesetzt; es machten auch zwei Deutsche im Auftrage der Compagnie die Reise nach Indien mit, und C. Peutinger schrieb voll Stolz und Freude darüber: „es ist uns Augsburgern ein großes Lob als für dieerstenDeutschen, die India suchen“. (B. Greif a. a. O. 85). Der eine von ihnen,Balthasar Sprenger, hat seine Reise beschrieben unter dem Titel: „Die Merfart von erfarung nüver Schiffung und Wege zu vile onerkanten Inseln vnd Kunigreichen, von dem großmechtigen Portugalischen Kunig Emanuel Erforscht, funden, bestritten vnnd Ingenomen, auch wunderbarliche Streyt, ordnung, leben wesen handlung und wunderwerke des volcks und Thyrer dar inne wonende, findestu in diessem buchlyn warhaftiglich beschryben vnn abkunterfeyt, wie ich Balthasar Sprenger sollichs selbs: in kurtz verschynn zeiten gesehen vnn erfaren habe etc. Gedruckt Anno MDIX.“ Der Berichterstatter nennt sich darin einen „der Geschickten des Großmechtigen Kunigs zu Portugal: Emanuel genannt: und der Furtreffen kaufherren der Fucker, Welszer, Hochstetter, Hyrßfogel, deren im Hofe (Imhof) und anderer yrer Gesellschaften.“[98]Der zweite,Hans Mayr, welcher sich Factoreischreiber auf dem Schiffe Raphael nennt, hat ebenfalls einen, noch handschriftlich erhaltenen Bericht überliefert.[99]
Die drei auf Kosten der Deutschen ausgerüsteten Schiffe hießen: San Raffael, San Jeronimo und Lionarda.
Das ganze Geschwader ging am 25. März 1505 von Lissabon ab. Eins der Schiffe sank unterwegs in Folge eines Leckes; die übrigen steuerten glücklichum das Cap der guten Hoffnung und langten größtentheils am 18. Juli vor Mosambik an. Von hier wandte sich die Armada zunächst nach Kiloa und eroberte die Stadt. An Stelle des vertriebenen Scheich wurde ein den Portugiesen willfähriges Oberhaupt eingesetzt und zum Schutze der Handelsinteressen eine Citadelle St. Jago erbaut, in welcher man eine stärkere Besatzung nebst „Artegleria“ zurückließ. Vor Mombas wurde die Expedition am 13. August ebenfalls feindlich empfangen und aus den Kanonen beschossen, welche der Fürst der Stadt einem gescheiterten portugiesischen Schiffe entnommen hatte.[100]Darum mußte auch diese Hafenstadt mit Verlust von vier Todten und siebenzig Verwundeten am 15. August erstürmt werden. Dann wurde die Stadt geplündert und niedergebrannt. Von dem befreundeten Melinde, in dessen Hafen sich vierzehn der schnellsegelnden Fahrzeuge eingefunden hatten, steuerte man dann in sechzehn Tagen, resp. neunzehn Tagen nach den Andjediven hinüber. Diese Inseln, welche als günstiger Sammelplatz der Indienfahrer erkannt worden waren und daher von den Portugiesen besetzt wurden, erhielten, auf der größten der fünf Eilande, nach dem Befehle des Königs gleichfalls eine Citadelle nebst Besatzung. Panischer Schrecken ergriff das Handelsvolk von Kalikut, als sie die Ankunft Almeida’s vernahmen; denn die Portugiesen machten unverweilt auf alle Handelsschiffe Jagd. Im Hafen von Onor wurden alle Fahrzeuge, die vor Anker lagen, verbrannt und dabei ging ein Theil der leichtgebauten Stadt in Flammen auf. Bei seiner Ankunft in Kananor nahm gegen Ende October Almeida den Titel Vicekönig an, den ihm der König Manuel beigelegt hatte. In dieser Stadt wurde die dritte Citadelle, S. Angelo, angelegt und mit hundertundfünfzig Mann besetzt. Der Hafen hatte gleichfalls für die Portugiesen eine besondere Wichtigkeit, denn „do pflegen,“ wie Sprenger berichtet, „die Schiff allweg vor irem Abschied Speis und Wasser zu nehmen“. Inzwischen lief die traurige Nachricht ein, in Kollam sei der Factor Antonio de Sa sammt seinen Leuten ermordet und die Factorei geplündert. Es waren nämlich zwanzig maurische Schiffe dort eingelaufen und hatten den Kampf begonnen. Der Factor war mit sechzehn Portugiesen in eine Kirche geflüchtet; aber der Fürst von Kollam ließ dieselbe anzünden und die Fremden darin verbrennen. Der Sohn des Vicekönigs, Lourenço d’Almeida, erhielt den Auftrag, diese Unthat zu rächen, er rückte mit acht Schiffen vor den Hafen und zerstörte die ganze maurische Flotte.
Francisco d’Almeida selbst begab sich nach Kotschin und krönte den dortigen Fürsten und Bundesgenossen im Namen des Königs Manuel mit einer goldenen Krone, welche als Geschenk mitgebracht war, und verehrte dem Königsvasallen zugleich einen goldenen Becher mit sechshundert Cruzados, eine gleiche Summe wurde für alle Jahre zugesagt. Dafür erzielte Almeida die Erlaubniß zum Bau einer Steinburg.
Dann erhielten sechs Frachtschiffe ihre Ladung in Gewürz und gingen Ende December und Anfang Januar 1506 von Kananor zurück nach Portugal. Zwei andere Handelsschiffe folgten im Frühjahr nach. Einige von der ersten Abtheilung wurden auf der Rückfahrt über den indischen Ocean durch Sturm aus der gewohnten Bahn getrieben und segelten an der Ostseite Madagascars hin, darunter auch zwei von den deutschen Schiffen, und fanden so einen kürzeren Seeweg. Sie waren die ersten, welche den südlichen Theil jener größten afrikanischen Insel entdeckten, die damals S. Lourenço genannt wurde.
Vier Schiffe, darunter auch San Raffael und San Jeronimo, ließen bereits am 22. Mai 1506 im Hafen von Lissabon die Anker fallen. Sprenger langte mit seinem Fahrzeuge erst im November daselbst an. Dies glückliche Ereigniß für die deutsche Unternehmung erwähnt auch Lucas Rem:[101]„Adj.22. Mayo1506 (Rem schreibt irrthümlich 1505) kamen Sct. Jeronimo, Sct. Raffael undadj.24. Nof. die Lionarda. Da meret sich erst mie, anxt undt arbait. Sonder erhuben sich on mas fil große und schwere Recht, den Ich aus wartet ob 3 Jar“. Die berührten Rechtshändel beziehen sich wahrscheinlich darauf, daß die Deutschen einen Antheil an der bei der Erstürmung von Kiloa und Mombas gemachten Beute forderten, deren Werth auf 22,000 Cruzados geschätzt wurde. Aber auch ohne dies war der Reingewinn bedeutend. Zwar erhielt dem Vertrage gemäß die portugiesische Krone 40% vom Gewinn und hatten die fremden Kaufherren nicht direct, sondern durch Vermittelung der portugiesischen Factoren die Gewürze in Indien einkaufen müssen, theils um nicht etwa die Preise zu steigern, theils aber und vor allem, um das Monopol der Entdecker des Seewegs nicht in Frage zu stellen; trotz alledem betrug nach Rems Angabe die „nutzung dieser armazion bey 150pro Cento“.
Darum betheiligten sich die Deutschen auch sofort bei der Ausrüstung der nächsten Handelsflotte, die unter Tristão da Cunha 1506 nach Indien segelte. Leider gingen zwei Schiffe dabei zu Grunde; da aber Geld und Gut gerettet wurden, war der Verlust gering. Doch wurde das Interesse geschwächt, weil man in Folge des Schiffbruches einen längeren Rechtsstreit mit dem König führen mußte. Als aber die Pfefferpreise von Jahr zu Jahr aufschlugen — im Jahre 1505 kostete der Centner Pfeffer in Lissabon 20 Cruzados, 1520 dagegen schon 34¼ C., — da verloren die Deutschen allmählich die Lust, sich an dem Handel direct zu betheiligen.
Nach der Abfahrt Almeida’s von Portugal waren wiederum acht Schiffe entsendet worden, welche unter Leitung Pero’s d’Anhaya die Ostküste Afrikas ansegeln und in Sofala eine Befestigung anlegen sollten. Aus Mangel an Steinmaterial wurde dieselbe aus Holz aufgeführt. Aber das höchst ungesunde Klima der Niederung raffte viel Mannschaft hin; auch der Capitän Pero d’Anhaya erlag demselben. Zu seinem Nachfolger wurde später Nuno VazPereira bestimmt; bemerkenswerth ist, daß unter ihm der berühmte Fernão de Magalhães diente.
In Indien war inzwischen, nach Abfertigung der ersten Lastschiffe, der Vicekönig seinem Auftrag gemäß zum Angriff auf die maurischen Flotten übergegangen. Sein Sohn Lourenço d’Almeida erfocht am 17. und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg vor dem Hafen von Kananor über zweihundert Segel (Prauen), welche der Beherrscher von Kalikut ausgerüstet hatte. In Kananor, wo der Sieger einlief, kam der Venetianer Ludovico di Varthema zu ihm aufs Schiff. Derselbe war 1502 von seiner Vaterstadt in den Orient gewandert, hatte Aegypten, Syrien, Arabien und Persien besucht, dann in den wichtigsten Hafenplätzen der westlichen Küste Vorder-Indiens geweilt, am bengalischen Meerbusen die Landschaften Bengalen und Pegu gesehen und endlich sogar Malaka und die Gewürzinseln erreicht. Von Java war er dann nach Kalikut und Kananor zurückgekehrt und hatte so, unter der Maske eines Mohammedaners, den ganzen Sunda-Archipel durchstreift.[102]Was er nun über die indischen Zustände und über den fernen Osten berichten konnte, war den Portugiesen von hohem Werthe und gab wahrscheinlich auch die Veranlassung, daß die Regierung in Portugal ihrem indischen Vicekönig den Auftrag ertheilte, einige Schiffe zur Erforschung des Gewürzmarktes von Malaka auszusenden. Allein Almeida konnte und wollte, da er in Vorder-Indien selbst vollauf beschäftigt war und seine Macht nicht zersplittern mochte, vor der Hand noch nicht darauf eingehen. Es war offenbar, daß die mohammedanischen Schiffe, um zu den Gewürzhäfen zu gelangen, andere Wege als bisher einschlugen. Statt die durch die Portugiesen unsicher gemachten malabarischen Plätze anzulaufen, gingen die Kauffahrer über die Malediven nach Ceylon, um dort die aus den östlichen Productionsländern herbeigeführten Waaren in Empfang zu nehmen.
Als der Vicekönig dies in Erfahrung gebracht, schickte er seinen tapfern Sohn zum zweiten Male mit Schiffen aus, um bei den Malediven den Feinden auch diese Straße zu verlegen. Aber Lourenço verfehlte sein Ziel vollständig und gelangte schließlich, statt nach den Malediven, nach Ceylon. Es scheint, daß er sich hier durch eine List der Mauren täuschen ließ und unverrichteter Sache wieder zurückkehren mußte. Dem Oberbefehlshaber war es jedenfalls lieb, daß sein Sohn sich in Ceylon nicht auch in blutige Conflicte eingelassen hatte; denn die mohammedanische Stellung auf der großen Insel galt als bedeutend, und ein blutiger Zusammenstoß hätte die Schaar seiner Gegner unnöthigerweise vermehrt. Darum waren ihm auch die Unternehmungen Affonso’s d’Albuquerque inArabien durchaus zuwider; selbst die kriegerischen Streifzüge an der Ostküste Afrikas hielt er für nutzlos, weil sie die für Indien nothwendigen Streitkräfte zersplitterten. Er wollte alle Macht und alle kriegerische Tapferkeit nur daran gesetzt sehen, den werthvollsten Theil der indischen Küste dem portugiesischen Handel und Staate tributpflichtig zu machen.
Aber in Portugal dachte man anders und meinte, alle Küsten des indischen Oceans, soweit die Glaubensfeinde auftauchten, angreifen und auch bezwingen zu können.
So gingen also im Frühjahr 1506 wieder fünfzehn Schiffe von Lissabon ab: die zehn Lastschiffe, von denen wieder einige durch Deutsche und Italiener ausgerüstet waren, sollten unterTristão da Cunhadirect nach Indien segeln, während Alfons d’Albuquerque mit fünf Kriegsschiffen und 1300 Mann Soldaten nach der arabischen Küste beordert wurde, um die Eingänge in das rothe Meer und den persischen Golf zu bewachen. In Sokotra sollte er überdies eine Festung anlegen, weil hier an dieser Insel die mohammedanischen Schiffe Wasser einzunehmen pflegten.
Unterwegs entdeckte Tristão da Cunha, als er vom Cap Agostinho in Brasilien nach dem Caplande hinübersteuerte und seine Flotte durch Sturm zerstreut sah, die nach ihm genannte einsame Felseninsel im südlichen atlantischen Ocean unter 39° s. Br.; indeß fanden sich die meisten Fahrzeuge bei Mosambik wieder zusammen. Nur Ruy Pereira wurde auch noch im indischen Meere verschlagen und gerieth in den Hafen Matatane auf Madagascar. Dort, glaubte er aus den Mittheilungen der Eingebornen schließen zu dürfen, sei ein Reichthum an Silber, Pfeffer, Ingwer u. a. einzuernten, ohne auf solche Handelsschwierigkeiten zu stoßen wie in Indien.
Auf diese Kunde hin machte sich Tristão da Cunha selbst nach dem vielversprechenden Lande auf und erreichte im December 1506 die Bai Angra da Concepção am nördlichen Ende der Insel. Aber hier traf er noch Mauren. Wenn auch nicht eben wohlwollend empfangen, hütete sich Tristão doch, sich in blutige Händel zu verwickeln, sondern er zog nur sorgfältige Erkundigungen ein, aus denen leider hervorging, daß die verlockenden Angaben Pereira’s auf Mißverständniß beruhten. Den Plan, die ganze Insel zu umschiffen, gab er auf, nachdem er bei diesem Versuch ein Schiff eingebüßt hatte, und kehrte an die afrikanische Küste zurück. Südlich von Magadoscho (Makdischu) lag die feindliche Stadt Brava (Barawa); dieselbe wurde nach heftiger Gegenwehr erstürmt und geplündert. Die Portugiesen sollen dabei in der Schatzkammer des Fürsten die reiche Beute von 2000 Centner (!) Silber gemacht haben.
Dann steuerte die vereinigte Flotte nach Sokotra, wo Christen abessinischer Abkunft, von den Portugiesen Jakobiten genannt, ansäßig waren, aber seit 1480 in die Abhängigkeit von dem südarabischen Fürsten von Fartach gerathen waren, welcher bei dem Hafen Soko (Tamarida) eine Citadelle erbaute und mit hundert Mann besetzte. Diese Festung wurde natürlich alsbaldmit Sturm genommen, wieder ausgebaut, St. Miguel getauft und mit portugiesischer Mannschaft belegt.
Durch solche Nebenoperationen wurde viel Zeit vergeudet, ohne dem eigentlichen Zwecke wesentliche Förderung zu bieten; denn man verfeindete sich dadurch nur noch mehr mit dem Beherrscher Aegyptens und war gleichwohl nicht im Stande, von Sokotra aus den Handelsverkehr nach dem rothen Meere überwachen oder abschneiden zu können.
Da Tristão da Cunha so lange ausblieb, gerieth Almeida in große Verlegenheit, weil er sich bei unzulänglichen Mitteln in seinen Unternehmungen gehemmt sah. Sein Sohn Lourenço verfolgte indessen im kleinen Kriege alle fremden Handelsschiffe, welche sich der indischen Küste näherten.
Inzwischen starb aber auch der den Portugiesen befreundete Fürst in Kananor, und sein Nachfolger verbündete sich wieder mit dem Samudrin, weil der portugiesische Capitän Gonçalo Vaz da Goar ein kananorisches Schiff, trotz seines portugiesischen Geleitsbriefes, hatte versenken und die Mannschaft hatte ertränken lassen, angeblich, weil man es für ein kalikutisches Schiff gehalten habe.
Die neuangelegte Festung in Kananor wurde vier Monate belagert und mehrere Male bestürmt; aber der tapfere Commandant Lourenço de Brito hielt sich, bis Tristão da Cunha endlich gegen Ende August erschien und ihn befreite. Die Festung wurde nun dauernder aus Stein erbaut. Da der Vicekönig bereits genug Waaren hatte aufspeichern lassen, so konnten Tristão’s Handelsschiffe rasch beladen und schon im December nach Europa zurückgeschickt werden.
Dann begab sich Lourenço d’Almeida mit einer Anzahl von Schiffen nordwärts, um im Hafen vonTschaul, südlich von Bombay, Gewürze einzunehmen. Nisam Schah, der Fürst von Tschaul, hatte sein kleines Gebiet, welches gegen Norden an Gudjerat grenzte, von Dekhan unabhängig gemacht und sich den Portugiesen angeschlossen. Inzwischen rückte die ägyptische Macht unter Hussein heran. Der Admiral des Schahs von Gudjerat, Melek Aias oder Aß, (angeblich ein Russe von Geburt, dessen ursprünglicher Name Jakob, in der russischen Koseform Jascha, von den Orientalen in Eias oder Aß verwandelt wurde,) kam den Aegyptern mit vierzigFusten(s.Abbildung auf Seite 155) zu Hilfe. Als Statthalter von Diu hatte er diesen Hafen zu einer blühenden Handelsstadt erhoben und trat zunächst scheinbar für die Sache des Islam ein, wußte sich aber bald auf schlaue Weise seines Bundesgenossen wieder zu entledigen. Lourenço lag noch mit seinen Schiffen im Flusse vor Tschaul, als die vereinigte feindliche Flotte herannahte. Da er die ägyptischen Schiffe aber für das Geschwader des von Ormuz her erwarteten Albuquerque hielt, blieb er ruhig liegen. So sah er sich genöthigt, im Flusse den Kampf aufzunehmen.
Am ersten Kampfestage erfolgte noch keine Entscheidung. Trotz der feindlichen Uebermacht wollte aber Lourenço nicht bei Nacht auf die See zurückweichen, weil er den Vorwurf seines spartanisch gesinnten Vaters fürchtete, der bei einer früheren Gelegenheit seine zu große Vorsicht getadelt hatte. So entspann sich am folgenden Morgen das Seegefecht von neuem.Das Schiff des portugiesischen Capitäns erhielt durch einen Kugelschuß einen bedenklichen Leck und mußte versuchen, sich durch ein anderes Schiff aus dem Flusse herausschleppen zu lassen. Dabei gerieth es in das von den Fischern behufs des Fischfanges angebrachte Pfahlwerk und blieb, indem ein Pfahl in den Leck eindrang, wie angespießt, darauf hängen. Das Bugsirtau riß und Lourenço war den feindlichen Angriffen wehrlos preisgegeben. Trotz der verzweifelten Lage blieb er standhaft. Seine Tapferkeit war für alle ein leuchtendes Vorbild. Hatte er doch noch bei dem Kampfe von Panane im Handgemenge einem maurischen Hauptmanne mit seinem Schlachtschwerte den Kopf bis auf die Brust von einander gespalten. Da verwundete ihn eine Stückkugel am Schenkel; er ließ sich verbinden, auf einen Stuhl neben den großen Mast setzen und commandirte weiter, bis ihn eine zweite Kugel tödtete. Erst nachdem fast die ganze Mannschaft gefallen oder verwundet auf Deck lag, wurde das Schiff genommen, sank aber auch alsbald unter und blieb nicht als Trophäe in den Händen der Sieger. Die übrigen Fahrzeuge kamen glücklich nach Kotschin zurück, wo damals der Vicekönig lag. Dieser empfing die Todesnachricht seines tapferen Sohnes ernst und gefaßt, aber er schwur an den Mohammedanern Rache zu nehmen, zumal da diese an den ersten Sieg große Hoffnungen knüpften.