Chapter 14

Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrh. mit Rohrsegeln und am Stern aufgehängtem hölzernen Anker.[103]

Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrh. mit Rohrsegeln und am Stern aufgehängtem hölzernen Anker.[103]

Alle Kriegsschiffe wurden zu diesem Rachezuge aufgeboten und in Stand gesetzt, besonders das größte, Flor de la mar, ein Schiff von vierhundert Tonnen; aber der Angriff verzögerte sich noch. Die ägyptische Flotte überwinterte indessen in Diu.

Mittlerweile wurden auch von Portugal wiederum zwei Geschwader ausgerüstet. Das eine bestand aus dreizehn Schiffen und sollte unter dem Befehle des Jorge d’Aguiar zuerst an den ostafrikanischen und arabischen Küsten kreuzen und dann nach Indien gehen, um für acht bei dieser Abtheilung befindliche Frachtschiffe Ladung einzunehmen. Auf dem Hauptschiffe San João sollte der Vicekönig nach Ablauf seines Amtes am Schluß des Jahres 1508 in die Heimat zurückkehren. Die andere Abtheilung unter Lopez de Sequeira ging mit vier Schiffen im April 1508 direct nach Indien. Aber die erste Flotte unter d’Aguiar wurde durch Sturm gänzlich zerstreut, die Schiffe fanden sich einzeln bei Mosambik wieder zusammen; nur das Hauptschiff blieb aus, es war mit Mann und Maus untergegangen, so daß außer dem Befehlshaber auch Tristão da Cunha sein Grab in den Wellen fand. Der Untergang dieses Schiffes sollte später die Rückkehr Francisco’s d’Almeida verzögern und ihm selbst verhängnißvoll werden.

Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta (s.Seite 153).

Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta (s.Seite 153).

Ehe wir aber den Vicekönig auf seinem letzten siegreichen Kriegszuge in Indien begleiten, müssen wir unsern Blick auf die kühnen UnternehmungenAlbuquerque’s richten. Am 20. August 1507 war derselbe mit siebenSegeln und vierhundert Mann von Sokotra aufgebrochen, um die Handelsplätze am Golf von Oman zu brandschatzen, und sich wenn möglich des wichtigsten Marktplatzes in jenem Gebiet, der Stadt Ormuz, zu bemächtigen. Auf der Ostküste Arabiens zwischen Ràs el Hadd und dem Ràs Mesandum erstreckt sich am Fuß des grünen Gebirges die Landschaft Oman. Gegen das Wüstengebiet des Binnenlandes durch das Gebirge gedeckt, mit vielen trefflichen Häfen und Ankerplätzen an der wichtigen Handelsstraße zwischen Indien und Mesopotamien gelegen, hatte dieses Gebiet seit Jahrhunderten sich an dem indischen Handel lebhaft betheiligt. Weniger eng an die Satzungen des Islam gebunden und im Verkehr mit Indien freiern Lebensanschauungen huldigend, hatten manche dieser Städte sich zu bedeutendem Handelsrufe und Wohlstand erhoben. Von Südosten gegen Nordosten waren die bemerkenswerthesten Hafenplätze Kuriat, Maskat, Burka, Sohar und Khorfakkan, an welche sich dann an der Meerenge des persischen Golfes die damals auf der kleinen, öden Felsinsel gelegene, aber durch den Reichthum der Bewohner in aller Welt bekannte Handelsstadt Ormuz anschloß.

Albuquerque hatte die Absicht, diese Städte der Reihe nach rücksichtslos die Ueberlegenheit der europäischen Waffen fühlen zu lassen. Kuriat wurde erstürmt und verbrannt, Maskat ebenfalls erobert. Sohar unterwarf sich ohne Widerstand, wurde daher auch nicht der Plünderung preisgegeben, sondern nur zur Zahlung eines Tributs angehalten. Khorfakkan (Orfacao), ein Hauptplatz für die Ausfuhr arabischer Pferde nach Indien, war von den Einwohnern aus Furcht vor den schrecklichen Feinden verlassen und wurde daher ausgeplündert. So rückte der Verwüstungszug näher an Ormuz heran. Die Zeitgenossen haben über Albuquerque’s barbarische Kriegführung kein abfälliges Urtheil ausgesprochen. Daß er hart und herzlos Gefangene verstümmeln ließ und Städte vom Erdboden vertilgte, fand das Zeitalter ganz natürlich; es galt ja dem Feinde der Christenheit. Man kämpfte für den heiligen Glauben und hatte Gott auf seiner Seite.

Ende September 1507 erschien die portugiesische Flotte vor Ormuz. Den Thron hatte damals ein zwölfjähriger Knabe, Seif-eddin (Seifadin) inne, der eigentliche Regent war Chodscheh Atar, von Geburt ein Bengale. Die Stadt lag, im Süden durch Felsen gedeckt, auf der flacheren Nordseite der Insel; zwischen ihr und der Felsenküste von Mogistan befand sich der Hafen. Die Besatzung bestand aus 30,000 Mann, darunter 4000 persische Bogenschützen als Bundesgenossen. Albuquerque begrüßte bei seiner Ankunft die Stadt durch Kanonensalven und segelte dann kühn in den Hafen hinein. Kurzer Hand forderte er Unterwerfung und Anerkennung der portugiesischen Oberhoheit, andernfalls drohte er mit Vernichtung. Aber der Regent war nicht gewillt, sich bei seiner bedeutenden Macht ohne weiteres in fremde Botmäßigkeit zu begeben, er lehnte die Forderung des Portugiesen ab. Als Antwort darauf ließ Albuquerque die Handelsschiffe im Hafen in den Grund bohren. Dabei wurden seine Schiffe von zweihundert mit Bogenschützenbemannten Böten angegriffen; aber die höher gebauten europäischen Fahrzeuge und namentlich das europäische Geschütz behielt den Sieg. Dann erst bequemte sich Chodscheh Atar, die Oberhoheit des Königs Manuel anzuerkennen und einen jährlichen Tribut von 15,000 Scherafinen (etwaà6 Mark) zu zahlen. Auch mußte er gestatten, daß die Portugiesen eine Festung anlegten. Schon im October begann der Bau, aber die portugiesischen Capitäne, welche unter Albuquerque dienten, halfen nur ungern; sie hätten lieber gewinnreiche Jagd auf Handelsschiffe gemacht oder wären nach Indien gesegelt, um Gewürze einzuhandeln. Sie vereinigten sich zu einem schriftlichen Protest, aber der Oberbefehlshaber zerriß denselben, ungelesen, unter dem Thor der neuen Citadelle. Dadurch gekränkt und beleidigt suchten die Capitäne nach einer Gelegenheit, sich von ihrem Führer zu trennen. Die Uneinigkeit unter seinen Feinden ermuthigte den Regenten der Stadt zu erneutem Widerstande. Die Gelegenheit dazu bot sich bald. Da fünf von der Flotte entlaufene und in die Stadt gelockte Portugiesen nicht sofort, wie Albuquerque verlangte, ausgeliefert wurden, so brach der Krieg von neuem aus. Derselbe mußte aber rasch abgebrochen werden, weil drei Capitäne mit ihren Schiffen auf eigene Verantwortung den Hafen verließen und nach Indien segelten, so daß Albuquerque, dadurch in seiner Macht geschwächt, allein den Kampf nicht fortführen konnte, sondern sich genöthigt sah, zur Ueberwinterung nach Sokotra zurückzuweichen. Doch schickte er den João da Nova den Flüchtigen nach, um sich beim Vicekönig über solche unerhörte Felonie zu beschweren.

In Sokotra fand er die Besatzung der kleinen Citadelle durch Krankheit und Hunger erschöpft. Von Melinde mußten Lebensmittel herbeigeschafft werden; statt Unterstützung zu finden, mußte Albuquerque Hilfe schaffen. Sein Aufenthalt an der afrikanischen Insel verzögerte sich bis in den Hochsommer, dann kam unter Vasco Gomez d’Abreu Verstärkung von Lissabon. Mit dieser vereinigte er den Rest seiner Macht, sah sich also wieder an der Spitze von 300 Mann und war kühn genug, mit dieser kleinen Schaar zum zweiten Male vor Ormuz zu rücken. Chodscheh Atar hatte nach dem Abzuge der Portugiesen, deren Mißerfolge er sich als Sieg anrechnete, im Vertrauen auf seine neubefestigte Stellung und die eigne Truppenmacht, (die persischen Bundesgenossen waren durch seinen Uebermuth verscheucht,) klugerweise die von den Portugiesen begonnene Festung ausgebaut[104]und mit Geschützen armirt, welche er durch europäische Ueberläufer hatte gießen lassen. Er war, wenn auch auf sich allein angewiesen, doch nicht so wehrlos dem Gegner preisgegeben als das erste Mal. Daher mußte sich Albuquerque vorläufig, als er im September 1508 wieder vor der Stadt erschien, auf die Blokade beschränken. Inzwischen erhielt aber Atar eine wesentliche Hilfe und Ermuthigung zum Widerstande von einer Seite, woher er sie wohl am wenigsten erwartete, vom VicekönigAlmeida selbst. Dieser hatte nämlich auf die Klage der drei Capitäne, welche sich vor Ormuz von Albuquerque getrennt hatten, im Mai 1508 eine Untersuchung der Angelegenheit befohlen und Gonçalo Fernandez damit beauftragt. Im Verlauf derselben war Almeida immer mehr zur Ueberzeugung gekommen, daß Albuquerque durch seine Gewaltthaten die Interessen der portugiesischen Krone mehr schädige als fördere. Ein von den Portugiesen aufgebrachtes Schiff von Ormuz hatte Almeida wieder freigegeben und mit Briefen an den Regenten von Ormuz gesandt. Almeida’s Schreiben[105]athmete Freundschaft für die reiche Handelsstadt, wenn er auch wünschte, der Fürst möge seinem König jährlich ein Geschenk senden. Er sprach seinen Unwillen über die verderbliche Kriegführung Albuquerque’s aus und sicherte, indem er sieben Geleitsbriefe mitsandte, jedem Handelsschiffe von Ormuz seinen Schutz zu. „Ich will,“ schrieb er, „an dem König von Portugal zum Verräther werden, wenn ich dulde, daß ihnen auch nur ein Haar gekrümmt werde.“

Eine Abschrift dieses Briefes ließ Chodscheh Atar an Albuquerque übermitteln. Albuquerque bestand aber auf der Zahlung des Tributs und erklärte die Briefe des Vicekönigs für untergeschoben, weil sie dessen Unterschrift nicht trügen. Atar erklärte dagegen, die Stadt werde bereit sein, in Friedenszeiten den auferlegten Tribut von 15,000 Scherafinen zu zahlen; wenn aber ihr Handel gelähmt werde, könne sie die Summe unmöglich aufbringen. Die Briefe seien echt, des Königs Siegel und des Vicekönigs Unterschrift bürgten dafür. — Man weiß, welche Achtung man im ganzen Orient dem Siegel und Namenszuge eines Mannes zollt. Albuquerque setzte darauf die Blokade noch eine zeitlang fort und beunruhigte die Stadt in kleinen Gefechten; da er aber die Gewißheit hatte, daß ihm von Indien her keine Unterstützung kommen werde, und da er sah, daß es seinen Schiffen immer schwieriger wurde, sich zu halten, weil sie leck geworden waren, so entschloß er sich endlich den Kampf abzubrechen und nach Indien zu gehen. Ohne Zwischenfälle erreichte er die Andjediven, machte dort drei Tage halt und segelte dann nach Kananor, wo er den Vicekönig fand (im Dec. 1508). Leider mußte er hier erfahren, daß Almeida zwei von seinen rebellischen Capitänen in Freiheit gesetzt, und den dritten, um sich zu rechtfertigen, nach Portugal entsendet hatte. Da er zum Nachfolger im Commando ernannt worden war, so verlangte er die Uebergabe des Oberbefehls; aber Almeida, augenblicklich in der Ausrüstung seines Zuges gegen Goa begriffen und begierig, noch vor Ablauf seines Regiments die vor Tschaul den portugiesischen Waffen zugefügte Niederlage und den Tod seines Sohnes zu rächen, erklärte, er werde sein Amt nicht vor dem Schluß des laufenden Jahres niederlegen, auch sei das Schiff, auf dem er, der von Portugal ergangenen Weisung gemäß, zurückkehren solle, noch nicht angelangt. Dieses Schiff aber war, wie bereits berichtet ist, an derostafrikanischen Küste gescheitert und untergegangen. Mißmuthig wartend zog sich Albuquerque nach Kotschin zurück.

Kurz darauf, am 12. December 1508 brach Almeida mit neunzehn Segeln gegen Norden auf; später stießen noch vier Schiffe zu ihm, so daß seine Flotte nun dreiundzwanzig Schiffe mit 1600 Mann Truppen zählte. Noch vor Ablauf des Jahres wurde die Stadt Dabul erstürmt und entsetzlich verwüstet, so daß die Zerstörung dieser Stadt im Orient noch lange mit Schaudern erzählt und sprichwörtlich wurde als ein Beispiel unerhörter Vernichtung.

Erst am 2. Februar 1509 kam das Geschwader vor Diu an. Im Hafen lagen die Flotten der Aegypter und des Statthalters von Diu, Melek Eias, vereinigt; auch der Samudrin hatte eine Anzahl bewaffneter Fusten zu Hilfe gesendet. Aber die drei Parteien trauten einander nicht, besonders Melek Eias spielte eine zweifelhafte Rolle. Am folgenden Tage drang Almeida in den Hafen ein und richtete seinen Angriff lediglich auf die ägyptischen Schiffe. Eins nach dem andern wurde geentert und versenkt, so daß der Flottenführer Hussein nur mit Noth dem allgemeinen Verderben entrinnen konnte. Er verließ heimlich sein Schiff, bestieg am Lande ein Pferd und jagte flüchtig nordwärts nach Kambaya. Als die Schiffe von Diu und Kalikut sahen, daß der Ausgang des Kampfes nicht mehr zweifelhaft blieb, und daß man sie vorläufig schonen wollte, zogen sie sich bei Zeiten zurück. Auch hatte sich Almeida dafür entschieden, Melek Eias vor Diu nicht anzugreifen, obwohl derselbe die Hauptursache gewesen, daß sein Sohn Lourenço gefallen war. Der Vicekönig mochte auch befürchten, durch einen Angriff auf Diu den Oberherrn des Landes, den König von Gudjerat, mit in den Krieg zu verwickeln. Ihm war vor allem darum zu thun, die mohammedanischen Aegypter aus den indischen Gewässern zu vertreiben; mit den einheimischen Fürsten hoffte er dann schon wieder in ein freundlicheres Verhältniß treten zu können. In diesem Bestreben kam ihm sogar das schlaue Verhalten Melek Eias entgegen, welcher sich nicht entblödete, den portugiesischen Sieger wegen seines Erfolges zu beglückwünschen und ihm seine Dienste anzubieten. Almeida begnügte sich daher auch, nur die Auslieferung der Portugiesen zu verlangen, die auf dem Schiffe seines Sohnes zu Gefangenen gemacht waren. Dieselben wurden auch alsbald durch Melek Eias zurückgesandt. Dann kehrte der Vicekönig nach Kotschin zurück. Hier erneuerte Albuquerque wiederum seine gerechte Forderung, ihm den Oberbefehl zu übergeben; aber Almeida zögerte immer wieder, weil das erwartete Schiff noch nicht angelangt sei. Erst als Fernão Coutinho im Oktober 1509 von Portugal mit vierzehn Schiffen in Kotschin einlief und bestimmten Befehl für den Wechsel des Obercommandos mitbrachte, trat Almeida von seinem Amte zurück und schiffte sich am 19. December ein. Aber er sollte die Heimat nicht wieder sehen. Das Schiff ging an der Westküste von Südafrika, in der Saldanhabai, vor Anker um Wasser einzunehmen. Dabei verwickelte sich die Mannschaft in einen Kampf mit den Hottentotten und 150 tapfere Streiter, darunter elf Hauptleute, welche in Indien Wunder derTapferkeit gethan, wurden sammt dem Vicekönig von den nackten Wilden überwältigt und erschlagen. „Nie,“ so klagt de Barros, „erlitten die portugiesischen Waffen ein größeres Unglück!“[106]

Almeida war ein tüchtiger Soldat, ein uneigennütziger, sittlich reiner Charakter und daher auch bei jedermann beliebt und hochgeachtet. Er sorgte väterlich für die Soldaten, aber er stellte auch an ihre Leistungen hohe Ansprüche. Ihre materielle Lage suchte er zu heben, denn ihr Sold war gering, und daher kamen häufig Desertionen vor. Der König war nur darüber unzufrieden, daß Almeida mit seinen Belohnungen nicht geizte. Dieser aber sah sich vielfach durch die von Portugal ergangenen Befehle in seinen Unternehmungen gekreuzt. Namentlich tadelte er das Verfahren der portugiesischen Verwaltung, ihm Höflinge zu senden, die nichts leisteten, aber in Indien alsbald höhere Stellen beanspruchten, ohne sie verdient zu haben. Dem König schrieb er: „Ich rathe Euch, dem Vicekönig, den Ihr sendet, mehr Vertrauen zu schenken, als mir zu Theil geworden ist, und keine Befehle zu erlassen, ehe Ihr Eure Rathgeber in Indien gehört habt.“

Er wollte alle Macht auf die Beherrschung des Meeres an der Westküste Indiens werfen und die Flotte nicht durch Operationen an der afrikanischen oder arabischen Küste zersplittert sehen. Daher seine Abneigung gegen Albuquerque, in welcher er durch die abtrünnigen Capitäne desselben bestärkt wurde. Als ihm der König befahl, Schiffe nach Malaka zu senden, erwiderte er, dazu habe er noch keine Zeit, in Indien gebe es noch genug zu thun.

So handelte er stets nach einem festen Plane und ließ sich selbst durch directe Befehle, die von Portugal an ihn ergingen, nicht davon abbringen. Daß sein System mit ihm fallen würde, sah er voraus; denn sein Nachfolger schlug ganz andere Bahnen ein und erweiterte den Kampfplatz über die ganze Breite des indischen Oceans. In trüber Stimmung, erhöht durch die Erinnerung an den herben Verlust seines tapferen Sohnes, verließ der erste Vicekönig Indien und fand auf afrikanischem Boden ein tragisches Ende.

Nachdem Almeida Indien verlassen hatte, traf Albuquerque in Gemeinschaft mit dem Marschall Coutinho seine Vorbereitungen, Kalikut anzugreifen und den Samudrin zu züchtigen; denn König Manuel hatte diesen Angriff dringlich befohlen. Fernão Coutinho ergriff diese Gelegenheit, sich in Indien mit Kriegslorbeeren zu schmücken, mit unverhohlener Freude. So wurde er des lästigen Commandos über die Handelsflotte ledig. „Seine Vorfahren hätten sich nicht mit Handel abgegeben, und er selbst habe auch keine Neigung für solches Gewerbe.“ Er war durch und durch Soldat und blickte mit Verachtung auf die Kriegsleistungen der Indier. Am Abend des 2. Januar 1510 erschien die vereinigte Flotte vor Kalikut, sie hatte, ungerechnet die indischenHilfstruppen, gegen 2000 portugiesische Soldaten am Bord. Der Samudrin selbst war wahrscheinlich auf einem Feldzuge gegen einen benachbarten Fürsten von seiner Hauptstadt fern, als die drohende Macht vor seiner Residenz erschien. In der Nähe der Stadt, nicht fern vom Meere, lag auf einer Anhöhe das Schloß des Fürsten, welches in der Zwischenzeit durch Erdwälle verschanzt und in eine Festung umgewandelt war. Hieher mußte sich der erste Angriff richten, wenn die unbefestigte Stadt selbst dauernd gewonnen werden sollte.

Coutinho forderte die Führung des ersten Treffens, er hoffte wohl allein mit der feindlichen Streitmacht fertig werden zu können. Albuquerque willigte nur ungern ein, weil er den Marschall als einen Hitzkopf kannte, der mit den indischen Kriegslisten noch zu wenig vertraut war und ohne viel Ueberlegung drauf los ging in der Erwartung, schon beim ersten Waffengange seine Gegner in alle Winde zu verjagen.

Als aber am Morgen des 3. Januar die Ausschiffung der Truppen begann, zeigten sich die Nair doch so zäh im Widerstande und überschütteten ihre Feinde mit einem solchen Hagel von Geschossen, daß die Portugiesen bei ihrem Angriff sich zu theilen beschlossen. So kam es, daß indem beide Feldherren verschiedene Landungsplätze wählten, Albuquerque seine Leute eher ans Land geworfen hatte und zum Sturm überging als sein Waffengefährte. Nach einem erbitterten Kampf um den Wall, bei welchem schon viele Streiter fielen, drang der Generalcapitän zuerst in die Schanzen ein, ließ Feuer in die königlichen Häuser werfen und vertrieb die Indier aus der festen Stellung. Coutinho sah sich dadurch um den ersehnten Ruhm betrogen und nannte, vor Zorn und Schmerz glühend, jenen ein um das andere Mal einen wortbrüchigen Menschen, der anderen keine Ehre und Auszeichnung gönne. Albuquerque blieb bei diesen Schmähungen kaltblütig und wies darauf hin, daß man oft im Kriege gegen den vorgefaßten Plan handeln müsse, wenn der günstige Augenblick es fordere. Auch sei mit diesem ersten Erfolg der Sieg noch keineswegs entschieden. Der Gegner sei zwar zurückgewiesen, aber seine Macht noch nicht gebrochen. Allein Coutinho achtete nicht darauf, in blinder Aufregung gebot er sofort den Angriff auf die Stadt. Hier wollte er der erste sein und die Brandfackel in den großen königlichen Palast schleudern. In einem entfernten Stadttheile lagen auf einem freien Platze, von Mauern umgeben, die weitläufigen Gebäude des Fürstensitzes. Trotz des Widerstandes drangen Coutinho und seine Schaar durch Thor und Mauerlücken ein und legten Feuer an, worauf die Indier zurückwichen. Albuquerque folgte, nachdem er vorsorglich einen Theil seiner Mannschaft am Ufer zur Bewachung der Böte zurückgelassen hatte, durch Kampf in den Straßen der Stadt aufgehalten, langsam nach. Coutinho glaubte schon, im Besitze des Palastes, sich des vollständigen Sieges erfreuen zu können, und gestattete sorglos seinen Soldaten sich zu zerstreuen und die königlichen Schätze zu plündern. Darauf hatten aber die Indier gewartet; sie sammelten sich von neuem und gingenwieder zum Angriff über. Sie umzingelten in hellen Haufen den Palast und drangen endlich trotz der hartnäckigen Gegenwehr des portugiesischen Hauptmanns, dem die Bewachung des einen Thores übergeben war, wieder in den Hof ein und fielen über die zerstreuten Portugiesen her. Albuquerque konnte nur mit Mühe bis in die Nähe des Kampfplatzes vordringen und sandte Boten über Boten an den Marschall, um ihn zu eiligem Rückzuge aufzufordern. Dieser aber verachtete immer noch die drohende Gefahr und erwiderte, der Generalcapitän möge nur ruhig den Abmarsch antreten, er selbst werde folgen, wenn seine Mannschaft sich wieder gesammelt hätte.

Selbst von allen Seiten umdrängt, wich Albuquerque langsam zurück. Der Rückzug ging durch einen Hohlweg, von dessen hohen Rändern aus die Indier mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen die Portugiesen überschütteten. Von Coutinho war er vollständig abgeschnitten und konnte nur auf sich selbst Bedacht nehmen, da seine Truppen sich weigerten, noch einmal den Versuch zu wagen, sich bis zu dem Marschall durchzuschlagen. Albuquerque wurde im Gewühl zuerst schwer am linken Arme verwundet, erhielt dann einen Pfeilschuß in den Nacken und mußte endlich, als ihn ein mächtiger Stein vor die Brust traf, besinnungslos fortgetragen werden. Der Marschall aber fiel mit 80 Kampfgefährten. So endigte, durch die Tollkühnheit Coutinho’s herbeiführt, dieser Angriff auf Kalikut als vollständige Niederlage; und hätte nicht Albuquerque am Ufer die Schiffe mit starker Mannschaft bewachen lassen und wäre die See nicht ruhig gewesen, so hätte der Ausgang des Tages für die Portugiesen dermaßen verhängnißvoll werden können, daß ihre ganze Machtstellung in Indien zweifelhaft geworden wäre.

Nach dem Fall Coutinho’s erhielt Albuquerque auch das Commando über dessen Schiffe und begab sich nach Kotschin. Kaum war er von seinen Wunden genesen, so sann er auf neue Kriegspläne. Ende Januar 1510 waren 21 Schiffe ausgerüstet und bemannt. Es schien, als wollte er, dem Befehl seines Königs gemäß, nach dem rothen Meere segeln, um dort einer neuen ägyptischen Flotte entgegenzutreten. Aber der Generalcapitän hatte seine wahren Absichten nur geheim gehalten, um desto erfolgreicher einen unerwarteten Schlag zu thun. Er hatte sein Absehen aufGoagerichtet, welches so ziemlich auf der Mitte der Westküste Vorder-Indiens und dazu in der Nähe der Andjediven gelegen, wohin die von Afrika herübersteuernden Schiffe meistens ihren Lauf richteten, besonders günstig erschien, um von hier aus das westliche Meer und die Straßen nach Ormuz und Aden zu beherrschen. Goa lag auf einer flachen, aber nicht feuchten Insel, welche durch die gemeinsame Arbeit mehrerer von den Westghats herabkommender Flüsse aus dem continentalen Ufersaume gleichsam herausgeschnitten war. Die Insel ist von Osten nach Westen ungefähr drei Meilen lang und von Norden nach Süden zwei Meilen breit. Das höhere, hügelige Land läuft gegen die See in eine Spitze aus. Die gegen das Meer bedeutend erweiterten Mündungen gestatteten den Zutritt der Flut um die ganze Insel. Die alte Stadt lag auf der Südseite, dieneue Stadt war ungefähr vierzig Jahre vor der Ankunft der Portugiesen in Indien von Mohammedanern gegründet, die von der etwa 18 Meilen weiter südlich gelegenen Stadt Onor hieher geflüchtet und sich unter der Führung Melek Husseins hier angesiedelt hatten. Die Canäle, welche die Insel und Stadt umziehen, sind voll von Krokodilen und durften daher, wenn sie zur Ebbezeit durchwatbar werden, nur mit Vorsicht durchschritten werden. Alt-Goa ist jetzt fast ganz verlassen, nur Geistliche und Mönche wohnen noch dort zwischen den großartigen Ruinen zahlreicher Kirchen und Klöster. Der Hafen der neuen Stadt ist wegen seiner wunderbaren landschaftlichen Schönheit hoch gepriesen.

Die Zeit zum Angriffe war von Albuquerque insofern sehr günstig gewählt, als der damalige Beherrscher Adil-Schah, der König von Bidjapur, nur wenig Truppen in der Stadt unterhielt. Die Bevölkerung des Hafenplatzes und die militärische Besatzung standen in ihren Interessen einander gegenüber. Als Albuquerque mit seiner Flotte vor der Einfahrt zum Hafen angelangt war, schickte er seinen Neffen Antonio de Noronha mit bewaffneten Böten voraus, um das Fahrwasser in den Canälen zu untersuchen. Bei einer Biegung des Flusses sahen sich die Portugiesen plötzlich der Citadelle von Pandjin gegenüber, welche nach der Seeseite die Stadt deckte. Unverweilt, ehe die Besatzung sich sammelte und die Kanonen bedienen konnte, gingen die Portugiesen zum Sturm über und drangen durch die Schießscharten und über den Wall in die Citadelle, welche, nachdem ihr Befehlshaber verwundet worden, von der Besatzung aufgegeben wurde. Der Generalcapitän hörte in der Ferne das Kampfgetöse und gab sofort Befehl, mit allen Truppen vorzugehen, fand aber bei seiner Ankunft den befestigten Platz bereits in den Händen der Seinigen. Die Truppen des Adil-Schah zogen sich auch aus der Stadt zurück, und ihr Anführer empfahl den Bürgern, sich ohne Gegenwehr zu ergeben, denn die abendländischen Feinde seien unwiderstehlich. So erschien schon am nächsten Tage eine Gesandtschaft von Bürgern vor Albuquerque und bot gegen Sicherheit des Lebens und Eigenthums die Unterwerfung an. Dieselbe wurde angenommen, doch wurde das vorhandene Kriegsmaterial als Beute erklärt, Albuquerque zog mit seinen Truppen in die Stadt und nahm den Palast des Statthalters in Besitz. Die eroberte Citadelle wurde verstärkt, und die Flotte ging im Hafen vor Anker. Die Schiffe wurden zum Theil sogar abgetakelt, damit während der Regenzeit das Tauwerk nicht zu sehr litte; denn Albuquerque gedachte längere Zeit in Goa zuzubringen.

Inzwischen aber sammelte der Fürst des Landes ein größeres Heer und rückte zum Entsatz heran. Die Portugiesen konnten die unbefestigte Stadt nicht behaupten, und zogen sich auf die Schiffe zurück; aber gedeckt durch die Kanonen der Citadelle blieb die Flotte noch im Hafen liegen.

Gegen Ende Mai trafen die Indier Vorkehrungen, dem Feinde den Rückzug abzuschneiden, sie versenkten Schiffe in dem unteren Theile des Canals, der zur See führte, und ließen brennende Flöße den Fluß hinabtreiben, umdie portugiesischen Fahrzeuge in Brand zu setzen. Bei dieser drohender werdenden Gefahr mußte sich Albuquerque entschließen, vorläufig das Errungene wieder aufzugeben. Aber auch der Rückzug war mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft. Einzeln mußten seine Schiffe zwischen den versenkten Fahrzeugen hindurch geführt werden und waren dabei unausgesetzt dem Feuer der Feinde preisgegeben, welche an beiden Seiten Schanzen aufgeworfen hatten. Diese mußten also erst erstürmt werden, um das Feuer der Gegner zum Schweigen zu bringen. Und selbst als dieses gelungen war, hemmte noch das seichte Wasser über der Barre das Auslaufen der Flotte in die See eine längere Zeit. Von allen Hilfsmitteln des Landes abgeschnitten, trat Mangel an Lebensmitteln und Wasser ein, der Mann bekam täglich nur noch vier Unzen Zwieback, und auf einigen Schiffen sah man sich sogar gezwungen, Jagd auf Ratten zu machen. Jeder Tropfen Wasser mußte mit Blut erkauft werden. Antonio de Noronha wurde durch einen Pfeilschuß verwundet und starb am dritten Tage, ein herber Verlust für Albuquerque, welcher seinen heldenmüthigen Verwandten sehr hoch schätzte. Zwar verrichteten noch manche Wunder der Tapferkeit und gewannen dadurch die Bewunderung ihrer Feinde; aber bei vielen griff Mißmuth und Verzagtheit dergestalt um sich, daß sie in ihrer Verzweiflung und von Durst und Hunger gequält, desertirten. Albuquerque bewies auch in dieser Noth seine Seelenstärke, feuerte seine Schaar durch Trostesworte immer von neuem an und theilte mit ihnen alle Entbehrungen und Gefahren. Erst im August gelang es ihm, über die Barre hinwegzukommen und die See zu gewinnen. Es war die zweite Niederlage, die er erlitten; aber sein Muth war nicht gebrochen und seine Absichten auf Goa behielt er im Auge. Vorläufig allerdings mußte er seinen Truppen Ruhe gönnen und wandte sich daher mit seiner Flotte südwärts zu dem befreundeten Hafen nach Kananor. Auf dem Wege dahin stießen vier Schiffe des Diogo Mendes de Vascogoncellos zu ihm, die von Portugal aus den Auftrag erhalten hatten, einen Streifzug nach dem berühmten Markte von Malaka zu unternehmen, weil man damals im Mutterlande noch nicht erfahren hatte, daß, wie wir später sehen werden, Lopez de Sequeira bereits jener Handelsstadt einen Besuch abgestattet hatte. In Kananor stieß dann noch ein zweites Geschwader zu ihm, welches unter der Führung des Capitän Gonçalo de Sequeira mit sieben Handelsschiffen und frischen Truppen im März von Lissabon ausgelaufen, aber ein Schiff an der afrikanischen Küste verloren hatte.

Dieser Zuwachs an Macht bestärkte den Generalcapitän, einen neuen Angriff auf Goa zu machen. Vascogoncellos erklärte sich bereit, an diesem Zuge theilzunehmen, da der ihm gewordene Auftrag bereits erledigt sei. Gonçalo de Sequeira dagegen glaubte die Theilnahme ablehnen zu müssen, weil einerseits die meisten Schiffe Privatrhedern gehörten, welche nur, um Handel zu treiben, gekommen wären, und anderseits ihre nächste Hilfe dem Fürsten von Kotschin gehöre, welcher von einem Nebenbuhler, den der Samudrinmit Truppen unterstützte, hart bedrängt werde. Um diesen zweiten Grund sofort zu erledigen, ging Albuquerque mit einigen Schiffen und Mannschaften nach Kotschin und stellte die Ruhe und gesetzmäßige Regierung in kurzer Frist wieder her. Dann berief er in dieselbe Stadt einen Kriegsrath sämmtlicher Hauptleute, um sie für seinen Plan zu gewinnen.

Dieser Rath trat am 12. October 1510 zusammen. Der Generalcapitän legte der Versammlung die Frage vor, ob sie nicht seinem Plane zustimmen wolle, während die Handelsschiffe in Kotschin ihre Gewürzfrucht einnähmen, alle verfügbare Mannschaft mit seinen Truppen zu vereinigen, um Goa von neuem zu erobern.

Diese Berathung ist in der späteren Zeit von außerordentlichen Folgen gewesen. Hier war es, woFernão de Magalhãessich entschieden für die Ansicht Sequeira’s aussprach und Albuquerque dadurch auf das empfindlichste verletzte:Vordem 8. November werde man bei den augenblicklich herrschenden Gegenwinden schwerlich mit der Flotte vor Goa erscheinen können (— Albuquerque kam in der That erst am 24. November dahin —); dann werde aber die Rückfahrt der Handelsschiffe dermaßen verzögert, daß man entweder der am Kriegszuge betheiligten Mannschaft später keine Zeit lassen könne, ihre eigenen Angelegenheiten zu betreiben, um sich zur beschleunigten Abreise einzurichten, oder es werde der günstige Monsun verpaßt.

Albuquerque erklärte dagegen aufs bestimmteste, er werde den nächsten Tag aufbrechen, er werde auch niemanden gegen seinen Wunsch zwingen mitzugehen, aber er wünsche deshalb diesen Zug so bald als möglich zu unternehmen, um mit der demnächst abzufertigenden Handelsflotte seinem Könige eine erfreuliche Botschaft aus Indien übersenden zu können.

So blieben dieAnsichtengetheilt und der Generalcapitän gewann nur einen Theil der Stimmen für sich. Der Widerspruch Magalhães legte den Grund zu dem ungünstigen Urtheile, welches Albuquerque in einem Berichte an den König über jenen fällte, und welches wohl die Ursache war — denn wir kennen keine andere — daß Manuel späterhin, als Magalhães um eine bescheidene Erhöhung seiner wohlverdienten Pension nachsuchte, die Gewährung dieser Bitte verweigerte, wodurch der Bittsteller sich so sehr verletzt und zurückgesetzt fühlte, daß er seinem Vaterlande den Rücken kehrte und auf spanischen Schiffen seine berühmte, ja die berühmteste aller Weltreisen unternahm. Magalhães scheint bald nach dem Conflicte mit Albuquerque Indien verlassen zu haben, denn hier sah er von da an sich aller Gelegenheit beraubt, Aufzeichnung und Ruhm zu gewinnen.

Die portugiesische Flotte, 23 Segel stark, erschien mit 1600 Mann Soldaten am 20. November vor Goa. Gaspar de Paiva hatte, mit drei Schiffen vorausgesandt, schon einige Zeit vor dem Hafen gekreuzt und kein Schiff weder hinein, noch heraus gelassen. In der Stadt war man auf einen heißen Kampf gefaßt. Ohne Zeitverlust ging Albuquerque zum Angriff über, schon am 25. November wurde die Citadelle erstürmt und die Inselbesetzt; aber gewarnt durch die schlimme Erfahrung von Kalikut duldete er nicht, daß die Soldaten sich zerstreuten. Dann wurde auch die Stadt selbst von zwei Seiten angegriffen und erobert. Viele Einwohner verließen die Stadt, aber bei ihrer hastigen Flucht sollen in den seichten Durchgängen der Canäle mehrere Tausende umgekommen sein. Alles was mohammedanisch war, wurde in dem eroberten Platze ohne Gnade niedergemacht: Männer, Weiber und Kinder. Eine Moschee, mit Gefangenen angefüllt, wurde den Flammen übergeben, so daß alle in dem Gotteshause Befindlichen ihren Tod fanden.

Dann ließ Albuquerque ein starkes steinernes Kastell erbauen und gab ihm, dem König zu Ehren, den Namen Manuel. Im Vertrauen auf die dadurch gebotene Sicherheit ließen sich bald, neben den befreundeten Indiern, welche nach dem Sturm zurückkehrten, auch Portugiesen dauernd an diesem Platze nieder, welcher von den Siegern zum Mittelpunkte der portugiesischen Macht in Indien erhoben wurde.

Der Fall Goa’s machte auf die Fürsten der Nachbarschaft einen bedeutenden Eindruck, weshalb sie sich beeilten, die Freundschaft der neuen Herren zu gewinnen. Der König von Kambaya gab den Neffen des Generalcapitäns Affonso de Noronha, der sich in seiner Gefangenschaft befand, nicht nur ohne Bedingung los, sondern erklärte sich auch bereit, den Bau einer Festung in Diu zu gestatten. Es erschienen Gesandtschaften von Gudjerat, von Kalikut, selbst aus dem Binnenlande von Bisnaga, alle bezeugten ihre Friedensliebe und wünschten bezüglich eines friedlichen Handelsverkehrs in Unterhandlung zu treten. Da indeß der Samudrin den geforderten Bau einer portugiesischen Citadelle nicht zugeben wollte, so zerschlug sich mit diesem Fürsten die Verhandlung. Emir Hussein, welcher damals in Kambaya sich befand, kehrte nach Kairo zurück, da er alle Hoffnung aufgegeben hatte, in Indien noch wieder zum Siege zu gelangen, und der Sultan von Aegypten ließ gleichfalls mit dem weiteren Bau einer Flotte innehalten.

So war die Wirkung der Eroberung Goa’s nach allen Seiten eine tiefgehende. Goa hatte nicht blos eine dauernde Besatzung von 400 Mann in der Burg, sondern wurde eine portugiesische Stadt, sie war Eigenthum ihres Königs, und die Fürsten Indiens mußten diesen staatlichen Besitz anerkennen. Und daß die Portugiesen die neuen Verhältnisse in Goa in ähnlicher Weise auffaßten, beweist die Thatsache, daß bald darauf eine Münzstätte in der Stadt errichtet wurde, wo nicht blos neues Geld geprägt, sondern auch alles indische Geld, wenn es allgemein gültig sein sollte im Verkehr, mit einem portugiesischen Stempel versehen wurde. Aber der portugiesische Feldherr war nicht gewillt, von Goa aus die friedliche Entwicklung seiner Macht zu leiten. Seine Blicke schweiften bereits über Vorder-Indien hinaus nach Malaka, welches als bedeutendster Gewürzmarkt Hinter-Indiens galt, und ohne dessen Besitz die Portugiesen nie das Monopol erwarben; denn von Malaka aus gingen die Handelsschiffe direct, mit Umgehung Vorder-Indiens, nach dem rothen Meere. Sollte also Goa gehoben und zum Mittelpunkte des Verkehrs in Vorder-Indien gemacht werden, dann konnte dies nur erreicht werden, wenn Malaka gleichfalls in portugiesischen Besitz übergegangen war.

Diogo Lopez de Sequeira war der erste gewesen, der jenen fernen Handelsplatz erreicht hatte. Er war 1508 von Portugal mit vier Schiffen abgegangen, hatte unterwegs Madagascar besucht und langte im Frühjahr 1509 in Kotschin an. Der Vicekönig Almeida gab ihm noch ein fünftes Schiff, auf welchem Francisco Serrão, dessen abenteuerliche Reise nach den Molukken uns später beschäftigen wird, und Fernão de Magelhães dienten. Am 8. September desselben Jahres war Sequeira wieder von Kotschin aufgebrochen, war an Ceylon und den Nikobaren vorüber nach Nordsumatra gesteuert, wo er die Landschaft Pedir besuchte, denn Sumatra lieferte schon damals am meisten Pfeffer, und war endlich glücklich in Malaka angelaufen. Die Mauren gaben sich auch hier sofort alle erdenkliche Mühe, die Ankömmlinge zu verdächtigen, trotzdem wurden die Portugiesen wohlwollend aufgenommen, wenn auch der Sultan Mahmud durch seine Grausamkeit berüchtigt war und nicht blos seinen Bruder, sondern sogar seine Gemahlin hatte hinrichten lassen.

Die Chinesen kamen den Portugiesen zuerst in freundlicher Weise entgegen. Es war das erstemal, daß man mit den Söhnen aus dem Reiche der Mitte zusammentraf. Die weiße Hautfarbe dieser Leute aus dem Osten, ihre unbefangene Art, sorglos zu den fremden Schiffen wie zu den asiatischen heranzurudern und den Kleinhandel zu eröffnen, selbst manche ihrer Sitten und ihre Tracht wollte mehr ans Abendland, als an den fernsten Osten gemahnen. Man darf nicht vergessen, daß die Chinesen damals noch keinen Zopf trugen. Damian de Goes (a. a. O. S. 300) fand eine Aehnlichkeit mit vlaamischen oder niederdeutschen Gewohnheiten, und ähnlich äußert sich auch Barros.[107]Man fand bei ihnen nicht den hemmenden Kastengeist, denn sie scheuten sich ja auch nicht, mit den Portugiesen auseinerSchüssel zu essen. So war es natürlich, daß Europäer und Chinesen, beide in der Stadt Fremdlinge, sich einander freundschaftlich näherten, und daß diese ihren neuen Geschäftsfreunden die Warnung zukommen ließen, den Malayen nicht zu sehr zu trauen. Darum ging auch der portugiesische Capitän nicht selbst zur Audienz, sondern entsendete den Jeronimo Texeira, welcher indeß eine gute Aufnahme fand und vom Sultan ein Lagerhaus angewiesen erhielt, um von da aus den Handel mit den einheimischen Kaufleuten zu eröffnen. Die Portugiesen gingen dann ungehindert in der Stadt umher, waren aber leider unbedachtsam genug, sich auch nach der Kriegsflotte des Sultans umzusehen, was die Mohammedaner, und unter ihnen namentlich der abgefeimte Schatzmeister, sofort zu ihrem Vortheile ausbeuteten, um die Fremden als Spione zu verdächtigen. Mit Einverständniß des Sultans wurde ein Plan entworfen, die Portugiesen zu vernichten. Zuerst hoffte man den Anführer und einige der vornehmerenOffiziere bei einem Gastmahl überfallen und ermorden zu können, aber Sequeira lehnte die Einladung ab und entschuldigte sich mit Krankheit. Dann wollte man die portugiesische Mannschaft in der Stadt, an verschiedenen Orten, wohin man sie gelockt, um ihnen Lebensmittel zu verkaufen, einzeln überfallen, inzwischen aber auch eine Anzahl von kleineren Schiffen bereithalten, um das Geschwader der Fremden anzugreifen, wenn es von Mannschaft halb entblößt sei. Glücklicherweise gelang der Verrath nur zum Theil. Die Wache auf den Schiffen machte, als sie die Unruhe in der Stadt gewahrte, rechtzeitig Lärm, sodaß die Mannschaft an Bord augenblicklich zur Vertheidigung bereit war. Aber etwa 30 Portugiesen, die sich am Hafen und in der Stadt befanden, wurden theils getödtet, theils gefangen. Francisco Serrão, welcher sich in der Nähe des Landungsplatzes aufhielt, konnte sich nur mit einigen Matrosen retten, die übrigen mußte man vorläufig ihrem Schicksale überlassen, denn Sequeira fühlte sich keineswegs stark genug, die volkreiche Stadt anzugreifen; er begnügte sich damit, einige feindliche Schiffe in den Grund zu bohren und kehrte dann nach Vorder-Indien zurück. Als das Gerücht von der zweiten Eroberung Goa’s auch bis nach Malaka gedrungen war, ließ der Hafenmeister (Schahbender) den neunzehn noch am Leben befindlichen gefangenen Portugiesen eine bessere Behandlung zutheilwerden; ihre Freiheit erhielten sie aber erst wieder, nachdem Albuquerque die Stadt erobert hatte.

An seinen Plan, gegen Malaka zu ziehen, wurde der Generalcapitän bald nach der Besitzergreifung von Goa in unangenehmer Weise erinnert, als der Capitän Mendes de Vascogoncellos, dessen kleines Geschwader ursprünglich nach Malaka bestimmt war, von dem Oberfeldherrn sich Urlaub erbat, um seinen Auftrag auszurichten. Albuquerque zögerte mit der Abfertigung, weil er entweder der Ueberzeugung war, daß ein so kleines Geschwader nicht die genügende Sicherheit auf Erfolg biete, oder weil er selbst erst noch mehr Mittel aufbieten wollte. Vascogoncellos wollte daher heimlich entweichen, ging bei Nacht mit seinen Schiffen über die Barre von Goa in See, wurde aber von einigen nachgesandten Böten eingeholt und sah sich genöthigt, dem strengen Befehl Albuquerque’s, zurückzukehren, Folge zu leisten. Er selbst blieb längere Zeit in Goa in Gefangenschaft, ein Steuermann aber und der Lotse wurden zur Strafe für diese Flucht an der Rae aufgeknüpft.

Der Generalcapitän wäre am liebsten selbst nach Malaka sofort aufgebrochen; allein dem stand ein Befehl Don Manuels entgegen, einen Zug nach dem rothen Meere zu unternehmen, um diesen Handelsweg endlich für die Mohammedaner zu schließen. Er lief auch wirklich mit 23 Schiffen aus, sah sich aber durch widrigen Monsun zuerst aufgehalten und dann ganz an die Küste zurückgetrieben, so daß er wieder in Goa einlaufen mußte. Derselbe Monsun aber, welcher die Fahrt nach NW. nicht gestattete, begünstigte eine Expedition nach SO. und so entschloß sich Albuquerque kurzer Hand mit der schlagfertigen Flotte vor Malaka zu ziehen und sie für ihren Verrathan Sequeira zu strafen. Es war noch im Frühjahr 1511, als die Flotte von neunzehn Segeln, mit 800 Portugiesen und 600 indischen Hilfstruppen von Kotschin nach Malaka abging. Den Feldherrn begleiteten Antonio d’Abreu und Francisco Serrão, die späteren Entdecker der Molukken und Fernão Peres d’Andrade, einer der ersten Chinafahrer.

Das Gebiet von Malaka war ursprünglich von Siam abhängig gewesen; die in früherer Zeit berühmte Hafenstadt Singapur war aber hinter Malaka zurückgetreten, seitdem sich im 15. Jahrhundert der Islam in diesem Gebiete verbreitet hatte, denn in Malaka herrschte der Glaube Mohammeds vor. Aber die ehemaligen Statthalter hatten sich seit fast 100 Jahren zu selbstständigen Herren aufgeworfen. Durch geschickte Begünstigung und Ausbeutung des Handels zu großem Reichthum gelangt, verwandte Mahmud seine bedeutenden Mittel auf die Gründung einer Kriegsflotte, welche ihm den Besitz des Hafens und die Herrschaft über die See sichern mußte. Nun dehnten sich die Handelsbeziehungen noch weiter aus, denn die Hauptnationen waren in freier Weise durch Berufsbeamte im Handel gedeckt. Diese Schahbender (Hafenmeister) vertraten China, Java, Kambaya und Bengalen. Die Handelsverbindungen reichten bis nach Japan, und der Platz wurde von allen umwohnenden Völkern besucht, nur nicht von den Siamesen, die sich immer noch mit dem Sultan auf Kriegsfuß befanden und ihren frühern Verlust nicht verschmerzen konnten. Das Königreich Malaka erstreckte sich etwa 100 Meilen an der Küste hin, reichte aber nirgends über 10 Meilen weit ins Binnenland.

Die Stadt liegt sehr günstig an der Grenze verschiedener Monsune, denn in den chinesischen Gewässern herrschen andere Winde als im bengalischen Meere, daher sich hier ein natürlicher Sammelplatz für Araber, Inder und Chinesen bot. Die Häuser des Handelsplatzes dehnten sich eine Meile am Wasser hin, — es ist der Canal, welcher die hinter-indische Halbinsel von Sumatra scheidet. Ein Fluß trennte die Häusermenge in zwei Theile, aber eine Brücke verband wiederum beide Hälften. Albuquerque, welcher denselben Weg eingeschlagen hatte wie Sequeira, langte am 1. Juli vor Malaka an, bereits in Pedir auf Sumatra waren acht Portugiesen, die noch in Malaka gefangen gewesen waren und die Flucht ergriffen hatten, zu ihm aufs Schiff gekommen. Von ihnen erfuhr er auch, daß der Hauptanstifter des Verrathes, der javanische Hafenmeister, eine Intrigue gegen den Fürsten angesponnen und seine Verschwörung mit dem Leben bezahlt hatte; er erfuhr ferner, daß Sultan Mahmud 8000 Geschütze besitze, um die lange, dem Meere zugekehrte Seite kräftig vertheidigen zu können, daß er 30,000 Mann Soldaten und selbst Kriegselephanten zu seiner Verfügung habe. Albuquerque ließ sich durch die großen Zahlen nicht schrecken, sondern forderte ohne Umschweife die Auslieferung der noch zurückbehaltenen Gefangenen. Eine sofortige Erledigung würde im Orient als Feigheit angesehen sein; der Sultan weigerte sich also, ohne weiteres darauf einzugehen. Als Antwort darauf ließ derportugiesische Admiral die Häuser am Strande und die Schiffe im Hafen in Brand stecken. Dann gab man die Gefangenen frei und unter ihnen auch den Handelsfactor Ruy d’Araujo, einen Freund Albuquerque’s.

Man war in der Stadt zu einem friedlichen Abkommen geneigt, aber die allzuhohen Forderungen der Portugiesen trieben zum Widerstande. Albuquerque verlangte nicht blos Schadenersatz für Sequeira, sondern auch noch 300,000 Cruzados Kriegskosten und überdies die Einwilligung in den Bau eines Kastelles.

Im Rathe des Fürsten von Malaka, des alten Mohammed, waren, als diese Forderungen bekannt wurden, die Meinungen getheilt. Diejenigen, welche besonders den Handel nicht geschädigt sehen wollten, empfahlen Frieden und Geldzahlung, die andern, welche fürchteten, durch Zugeständnisse das Ansehen des Fürsten zu erniedrigen, forderten bewaffneten Widerstand. Mahmud überließ die Leitung seinem Sohne, und dieser hoffte, gestützt auf eine Heeresmacht von 30,000 Mann, auf das zahlreiche Geschütz und seine Kriegselephanten, den Angriff abschlagen zu können. Aber auf die fremden Kaufleute in der Stadt war kein Verlaß, selbst der javanischen Truppen war man nicht ganz sicher. Es war vorauszusehen, daß der feindliche Admiral, sobald er die Lage der Stadt und ihre Gruppirung richtig erkannt habe, seine Angriffe auf den gefährlichsten Punkt, auf die Brücke richten werde, welche die beiden Stadttheile mit einander verbindet. Denn wer sich der Brücke bemeisterte, war leicht auch Herr in der Stadt. Diese Verbindungsbrücke wurde darum verschanzt und stark mit Kanonen besetzt; aber trotzdem richtete, nach dem Rathe des Ruy d’Araujo, welcher bei seinem längeren unfreiwilligen Aufenthalt die Wichtigkeit dieses Punktes erkannt hatte, Albuquerque grade hieher seine ersten Angriffe. In der Morgendämmerung des St. Jacobstages, 25. Juli, gingen die Portugiesen in zwei Abtheilungen gegen die Stadt vor. Albuquerque mit seiner Schaar stieg in der Nähe der Brücke ans Land, João de Lima mit der zweiten Truppe weiter östlich bei einer steinernen Moschee, welche nicht fern vom fürstlichen Palaste lag. Wenn ihm der Angriff gelänge, sollte er sich auch gegen die Brücke wenden. An beiden Orten ward mit großer Hartnäckigkeit gekämpft. Die Malayen bewiesen sich tapfer, schossen vergiftete Pfeile und brauchten im Nahkampf den Kries. Sie fochten in einzelnen Haufen unter Anführung eines Hauptmannes. Albuquerque stürmte die Brücke und trieb die Malayen mit gefällten Lanzen nach der Vorstadt zu. João de Lima hatte einen schweren Stand und konnte nicht so rasch vordringen, er sah sich sogar genöthigt, persönlich am Kampfe gegen die Kriegselephanten theilzunehmen, welche dann auch, durch Lanzenstiche verwundet, auf die eigenen Truppen zurückgetrieben wurden. Dann erst erreichte er die Brücke und vereinigte sich mit dem Oberfeldherrn. Von den Dächern der nächsten Häuser wurde aber der Kampf noch fortgesetzt, bis man die umliegenden Gebäude in Brand gesteckt hatte und so die Feinde vertrieb. Allein von der Waffenarbeit erschöpft und fortwährend, bei demVersuch, die Brücke durch Vertheidigungswerke zu sichern, durch erneute Angriffe der Malayen beunruhigt, sah Albuquerque bald die Unmöglichkeit, diesen wichtigen Platz auf die Dauer zu behaupten. Er gab also den Befehl zum Rückzug und zog sich auf die Flotte zurück. Einige seiner Hauptleute meinten nun zwar, nachdem der Sultan für die erste Verrätherei genügend gestraft sei, solle man mit günstigen Fahrwinden nach Vorder-Indien zurückkehren, denn an eine dauernde Besetzung dieses entfernten Platzes sei doch wohl nicht zu denken; allein sie wurden von der Mehrzahl überstimmt, welche sich für eine Fortsetzung des Kampfes entschied.

Während der Vorbereitungen zum zweiten Angriffe hatte Mahmud allerorten neue Verschanzungen aufwerfen und mit Kanonen besetzen lassen, in den Straßen waren Minen und Fußangeln gelegt, um die Feinde bei ihrem Einbruche in die Stadt aufzuhalten oder zu vernichten. Am 10. August griff Albuquerque die Brücke zum zweitenmale an und obwohl man dieselbe hartnäckig vertheidigte, wurde sie doch endlich erobert und die malayischen Truppen gegen die steinerne Moschee hin vertrieben, wo sich in Gegenwart des Sultans das letzte verzweifelte Handgemenge entspann. Das Quartier der Kaufleute, darunter zuerst die Peguaner, begab sich alsbald unter den Schutz des Eroberers, aber die östliche, höher gelegene Stadt wurde nur langsam von den Malayen geräumt. Neun Tage dauerte der kleine Kampf in den Straßen noch fort, bis diese endlich von den eingeborenen Truppen aufgegeben wurden. Den Mauren wurde kein Pardon gegeben, denn die Mohammedaner waren auch hier die erbittertsten Gegner gewesen. Als Lohn für ihre Arbeit gestattete Albuquerque seinen Leuten, die Stadt drei Tage lang zu plündern. Dreitausend Kanonen fielen dem Sieger in die Hände. Zum Bau einer steinernen Burg wurden die Steine der im Kampf theilweise zerstörten Moschee verwendet, und weiteres Baumaterial aus den in der Nähe gelegenen alten Fürstengräbern genommen. In der Burg erhob sich ein fünf Stockwerke hoher, mit Blei gedeckter Thurm. Albuquerque gab ihr den Namen Famosa. Auch eine Kirche wurde errichtet und das Dach dazu von einem königlichen Grabmal genommen.

Um den Handel wieder zu beleben und das Vertrauen in die neuen Verhältnisse zu wecken, wurden eingeborene Schahbender (Hafenmeister) ernannt, welche die handeltreibenden Nationen zu vertreten hatten. Um den Marktverkehr zu ordnen, ließ Albuquerque goldene und silberne Münzen prägen, denn unter den früheren Herrschern hatte es nur zinnerne Münzen gegeben. Die großen Silbermünzen hießen Malaquezes, die Goldmünzen, zu 1000 Realen, Catholicos. Durch diese zweckmäßigen Einrichtungen wurde der Handel bald wieder gehoben, und fremde Handelsschiffe liefen wieder in den Hafen ein.

Mit den großen Staaten Ostasiens suchte Albuquerque in friedliche, freundschaftliche Beziehungen zu treten. Durch die Vertreibung des mohammedanischen Herrschers war er nur an die Stelle eines fremden Eindringlings getreten,welcher sich die Freundschaft der fürstlichen Nachbaren nicht erworben hatte; er hoffte also mit Recht, nicht als Feind der eingeborenen Dynastien betrachtet zu werden. Nach allen Seiten wurden Botschafter abgeordnet. Auf einer chinesischen Dschunke, welche nach Siam ging, segelte Duarte Fernandez, welcher mit Ruy Araujo gefangen gewesen war und in Malaka malayisch gelernt hatte, mit nach Siam. Er war der erste Portugiese, welcher diesen mächtigen hinter-indischen Staat betrat. Er sollte dem Könige von Siam die Eroberung von Malaka melden und zugleich die officielle Erklärung abgeben, daß die Kaufleute des Landes sich des besonderen Schutzes der Portugiesen erfreuen sollten und in Malaka’s Hafen willkommen sein würden. Fernandez wurde am siamesischen Fürstenhofe zu Ajuthia[108]wohlwollend aufgenommen, man zeigte ihm unter anderen Merkwürdigkeiten auch einen weißen Elephanten. Dann wurde er mit einem siamesischen Gesandten wieder zurückgeschickt, welcher außer Briefen an den König Manuel als Geschenke eine Krone, ein Schwert von Gold und einen kostbaren Rubinring überreichen sollte.

Zur Erwiderung gingen mit demselben Gesandten reiche Geschenke wieder an den König von Siam zurück. Die Ueberbringer derselben, Antonio de Miranda d’Azevedo und Duarte Coelho, reisten zu Lande über Tenasserim nach Siam. Eine andere Gesandtschaft ging unter Ruy da Cunha nach Pegu, um auch mit diesem Reiche einen Vertrag zu schließen. Malayische Fürsten von Sumatra und Java beeilten sich ihre freundschaftliche Gesinnung für die Portugiesen ebenfalls durch Geschenke zu bethätigen. Nur mit Arakan, dessen Hafenstadt von João da Silveira angegriffen war, und mit dem Königreiche Atschin in Nord-Sumatra blieb man auf feindlichem Fuße. Das letztere Reich, in nächster Nachbarschaft von Malaka gelegen, unterstützte in der Folgezeit mehrfach die immer wiederholten Angriffe der vertriebenen Mauren auf die Stadt und suchte Jahrzehnte lang den Handel zu beeinträchtigen.

Da die Chinesen schon bei dem ersten Besuche Sequeira’s in Malaka sich durchaus freundlichgesinnt bewiesen, so suchte Albuquerque auch mit China freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Doch unterblieb die Absendung einer Gesandtschaft noch in den nächsten Jahren. Dagegen ist gewiß, daß bereits 1515 das Reich der Mitte von portugiesischen Handelsschiffen aufgesucht wurde, welche zwar ihre Waaren absetzen durften, aber für ihre Mannschaft nicht die Erlaubniß erhielten, das Land zu betreten.

Der Eindruck, den die Kunde von der Eroberung Malaka’s in Europa machte, war ein außerordentlicher. Derselbe wurde noch gesteigert durch eine pomphafte Gesandtschaft, welche König Manuel 1513 unter Tristão da Cunha mit großem Gefolge an den Papst Leo X. entsendete. Außer reichen mit Gold und Edelsteinen geschmückten kirchlichen Ornaten und schweren goldenen Gefäßen wurde bei dem prächtigen Einzuge der Gesandtschaft in Rom, am 12. März 1514, dem erstaunten Volke auch die gewaltige Thierwelt Indiens in Gestalt eines riesigen Elephanten, den man seit dem Alterthum in Italien nicht mehr gesehen hatte, eines Jagdleoparden, der auf einem reich aufgezäumten persischen Rosse saß — es war ein Geschenk des Königs von Ormuz — vorgeführt. Ein Herold mit den portugiesischen Abzeichen schritt in dem festlichen Zuge, der eine Huldigung des Orients vor dem Haupte der Christenheit vorstellen sollte, dem Gesandten voraus. Die Menschenmenge, welche um dieses Schauspiel zu sehen, herbeigeströmt war, hatte Kopf an Kopf alle Straßen dermaßen besetzt, daß der Zug kaum hindurchdringen konnte.

Als derselbe endlich die Engelsburg erreicht, wurde mit allen Kanonen geschossen, daß der Donner der Geschütze und dichter Pulverdampf weithin über die Stadt rollten. Dann erschien der Papst an einem Fenster und nahm den Zug in Augenschein. Der riesige Elephant mußte vor Seiner Heiligkeit dreimal die Knie beugen, zu nicht geringer Verwunderung der Zuschauer.[109]Am folgenden Tage wurden die Geschenke in feierlicher Audienz überreicht durch den portugiesischen Abgesandten Diogo Pacheco, welcher bei dieser Gelegenheit eine glänzende Rede über die Waffenthaten seiner Landsleute in Indien hielt und dabei einen Brief seines Königs überreichte, in welchem gleichfalls die Siege Albuquerque’s verherrlicht waren. Nach der deutschen Uebersetzung (Die New Welt der Landschafften u. s. w. Straßburg 1534. Fol. 57) lautet der Anfang dieses Briefes folgendermaßen:

Ein sendbrieff des mechtigsten vnd vnuberwintlichsten Emanuels des Königs jnn Portugal, vnd Algarbien von den sygen, die er gehabt hat jnn India vnd Malacha, zu dem Heyligsten jnn Gott vatter, vnd vnserm Herrn, Herrn Leoni dem zehenden des namens Babst zu Rom.

„Wie vast wir vns mit Gott dem Herrn vnd dir frewen sollen, Allerheyligster vatter das erscheynet aus der bottschaft, die vnser Indische schiffrüstung bracht hat. Dweyl vnder dir Römischem Bischoff, und presidenten der Römischen vnd Christlichen Kirchen so wunderbarliche Ding, zu lob vnd eher dem Allmechtigen nach wunsch ergangen seind, das man dir billich zum lob und eher rechnet. Darumb hat vns fur billich angesehen, was in India sich verloffen hat, mit der Hilff Gots, vnd vnsern waffen zu deiner Heyligkeyt als zu eym Haupt der gmeynen Christenheyt vnd richtschyt aller Christlichen Religion kurtz vnd summarien weys zubeschreyben, das alle Ding nachjhrem werd geschetzt werden, vnd Gott dem Herren darumb gedanckt. Auch dz wir hoffen mögen tägliche merung deines lobs sambt zunemung des Christlichen glaubens vnd leren.“

Es wurden also auch die indischen Siege als Glaubenssiege aufgefaßt; aber der Schauplatz dieser Kreuzzüge lag viel weiter im Osten, „am güldenen Chersoneso, in den auswendigsten Morgenländern“, wo durch die portugiesischen Waffen auch das Christenthum verbreitet werden sollte. Albuquerque’s Verdienst wurde mit höchster Anerkennung gepriesen. Der Generalcapitän Indiens stand damals auf der Höhe seines Ruhmes. In Asien und Afrika erscholl sein Name mit Schrecken, in Europa mit Bewunderung.

Noch von Malaka aus wurden drei Schiffe am Schluß des Jahres 1511 abgesendet, um das letzte Ziel der Portugiesen, dieGewürzinseln oder Molukken aufzusuchen. Das kleine Geschwader stand unter der Führung desAntonio d’Abreu. Derselbe hatte sich beim zweiten Sturm auf Malaka ausgezeichnet, war dabei durch einen Schuß in die Backe, welcher ihm mehrere Zähne und einen Theil der Zunge nahm, verwundet, hatte aber trotzdem nach Anlegung eines Verbandes sich am Kampfe wieder betheiligt. Wie diese erste Kundschaft nach den Molukken verlief, werden wir später im Zusammenhange mit den folgenden Vorfällen auf den Gewürzinseln zu schildern haben.

Die Angelegenheiten zu Malaka ordnete Albuquerque der Art, daß er Ruy d’Araujo zum Richter und Factor (alcaide mór e feitor), Ruy de Brito Patalim zum Commandanten der Festung einsetzte. Die Besatzung belief sich auf 300 Mann, ebenso stark war die Mannschaft auf der dort stationirten Flotte von zehn Segeln, welche unter dem Befehle des Fernão Peres d’Andrade zurückblieb. Diese beträchtliche Macht war erforderlich, um Malaka gegen Angriffe von der Land- und Seeseite vertheidigen zu können. Und solche Angriffe waren um so mehr zu erwarten, als die Macht des früheren Herrschers keineswegs gebrochen war; denn Mahmud hatte sich auf Bintang, südöstlich von der alten Residenz Singapur, und sein Sohn Alaeddin in Dschohor festgesetzt, so daß sie von da aus die Straße nach den Gewürzinseln und nach China nicht nur beherrschten, sondern die Portugiesen in Malaka beständig beunruhigen konnten.

Im Januar 1512 ging Albuquerque mit drei Schiffen nach Indien zurück. Auch nahm er eine Anzahl (gegen 60) javanischer Zimmerleute sammt ihren Familien mit, welche ihm beim Schiffbau dienlich sein sollten. An der gefährlichen Küste von Sumatra ging Albuquerque’s Schiff, Flor de la mar, auf einer Sandbank zu Grunde. Er selbst verlor alle Beute und Siegeszeichen in diesem Schiffbruche sammt den Manuscripten, in denen er seine Thaten aufgezeichnet hatte. Die Mannschaft rettete sich zwar auf das folgende portugiesische Schiff, aber die malayischen Zimmerleute benutzten die Gelegenheit zu einer Meuterei, bemächtigten sich des Fahrzeuges, auf dem sie segelten, mit Gewalt und gingen an der Küste von Sumatra ans Land. Albuquerque selbst erreichte in den ersten Tagen des Februar den Hafen von Kotschin.

In Goa waren unterdessen, während der Abwesenheit des Oberbefehlshabers, die Portugiesen belagert worden und arg bedrängt. Die verhältnißmäßig kleine Besatzung von 450 Portugiesen und 1250 indischen Hilfstruppen wurde fortwährend beunruhigt und durch kleine Gefechte ermüdet. Sie verlor sogar zwei ihrer besten Hauptleute und sah sich genöthigt, den noch gefangen gehaltenen Diogo Mendes de Vascogoncellos seiner Bande zu entledigen und an die Spitze zu stellen. Die Feinde hatten der Stadt gegenüber eine starke Burg in Benestarim errichtet und drohten von da aus, die Fremdlinge zu vertreiben. Zum Glück kamen im Sommer 1512 nacheinander mehrere Schiffe mit Mannschaft und Lebensmitteln zu Hilfe, und als im August sogar eine größere Flotte von dreizehn Schiffen mit 1800 Soldaten einlief, gewann man allen Muth wieder und ging selbst zum Angriff über. Albuquerque durfte es daher wagen, seine Ankunft zu verzögern, um vorher die Handelsflotte nach Europa abzufertigen, und ging erst am 16. September mit sechzehn Segeln nach Goa.

Sein Erscheinen änderte die Lage vollständig. Aus den bisher Bedrängten wurden wieder Bedränger und siegesgewisse Angreifer. Benestarim wurde erobert. Den portugiesischen Ueberläufern in der Festung hatte Albuquerque das Leben gesichert, aber er ließ ihnen zur Strafe, anderen zur Warnung, Ohren und Nase abschneiden, die rechte Hand, sowie den linken Daumen abhauen und schickte die Verstümmelten nach Portugal zurück. Benestarim wurde noch stärker befestigt und Goa bei dem folgenden Friedensschlusse an Portugal abgetreten. Der verhältnißmäßig leichte Sieg ist zum Theil auch der steten Eifersucht der dekhanischen Fürsten untereinander zuzuschreiben, die einerseits nie gemeinschaftliche Sache gegen die Abendländer machten, andererseits sich im Geheimen um die Freundschaft der Portugiesen bewarben. Dann wurde durch eine an der Küste kreuzende Flotte der Hafen von Kalikut gesperrt und dadurch der Fürst auch zur Nachgiebigkeit gezwungen. Dagegen begann Goa als Handelsplatz aufzublühen. Albuquerque hatte dafür gesorgt, daß nur nach Goa die Pferde aus Persien eingeführt werden durften. Die einheimischen Kriege wurden damals in Indien aber hauptsächlich durch Reiterei entschieden. Die indischen Fürsten waren also dadurch, daß Goa allein der Einfuhrhafen für Pferde wurde, auf den guten Willen und die Freundschaft der Portugiesen angewiesen, wenn sie ihre Reiterei verstärken wollten.

In Portugal selbst erkannte man die Bedeutung Goa’s noch nicht, oder wurde durch falsche Berichte, die möglicherweise absichtlich von den Gegnern Albuquerque’s verbreitet wurden, über die wahre Sachlage getäuscht. Nur so erklärt es sich, daß Manuel in einem Schreiben an den Oberbefehlshaber anordnen konnte, Albuquerque möge mit seinen Hauptleuten wohl überlegen, ob Goa behauptet werden solle oder nicht. Goa sei ein ungesunder Ort und seine Behauptung koste unnützes Geld.[110]Man werde dadurch in immer erneuteKriege mit den nächsten Landesherren verwickelt und es werde sehr fraglich sein, ob jemals die Abgaben vom festen Lande eingezogen werden könnten, welche der Generalcapitän als nicht unbeträchtlich bezeichnet hatte. Albuquerque aber legte auf die Wiedereroberung Goa’s das größte Gewicht. Er schrieb dem Könige, daß dieser Sieg in Indien mehr gewirkt habe für die Macht des Königs, als alle Flotten, die seit fünfzehn Jahren dahin abgeschickt worden seien. Der Bund der feindlichen Fürsten sei dadurch gesprengt. Die Räthe des Königs wüßten die indischen Angelegenheiten nicht richtig zu beurtheilen. Ohne feste Stütze auf dem Lande sei in Indien die portugiesische Macht ohne Dauer. Alle Citadellen in Kotschin, Kananor und anderen Orten hielten in Werth und Bedeutung keinen Vergleich mit Goa aus. Er wisse wohl, daß er in Portugal Feinde habe; aber der König möge nicht auf sie hören; denn wenn Goa wieder aufgegeben würde, dürfte auch die portugiesische Herrschaft in Indien ihrem Ende nahe sein. Er verdiene mehr Dank vom Könige dafür, daß er Goa gegen Portugiesen vertheidige, als dafür, daß er es zweimal den Feinden abgenommen.[111]

Osorio stellt bei dieser Gelegenheit folgenden interessanten Vergleich zwischen der Politik Almeida’s und Albuquerque’s an:[112]das Ziel beider Feldherrn ging auf die Verherrlichung und den Ruhm ihres Königs und der portugiesischen Waffen, sowie auf die Verbreitung des Christenthums in Indien; aber sie schlugen verschiedene Wege ein. Almeida wollte sich mit einem Stützpunkt am Lande begnügen und dagegen mit stets vereinigten Flotten die See beherrschen. Seine Truppen wollte er nicht in einzelnen Besatzungen zersplittern, welche von großen feindlichen Mächten leicht überwältigt werden könnten. Albuquerque aber strebte vor allem danach, Herr des Landes zu werden, in der festen Ueberzeugung, daß er dann auch über die See gebiete. Sein Blick ging dabei über das Nächstliegende hinaus. Er wollte nicht blos dafür sorgen, für die Gegenwart alljährlich kostbare Gewürzfrachten heimzusenden, er wollte diesen Handel auch für die Zukunft sichern. Dazu brauchte er eine imponirende Stellung auf dem Lande und damit verbunden eine vollkommene Beherrschung der wichtigsten Handelsplätze. Eine große Flotte, meinte er, könne in einem Sturme untergehen, eine feste Stellung auf indischem Boden sei sicherer. Ein solcher Platz sei aber nicht sicher, wenn er blos an sich fest sei, sondern erst dann, wenn man demselben auf verschiedenen Wegen Hilfe bringen könne. Solche Stützpunkte aber verminderten nicht, sondern stärkten auch die Machtstellung auf der See.

Wie richtig Albuquerque’s Urtheil in Bezug auf Goa war, erwies sich in der Folgezeit, als Soliman von Aegypten Diu angriff und durch eine von Goa kommende Flotte zum Rückzug genöthigt wurde; ebenso als der Beherrscher von Kambaya mit türkischer Hilfe noch einmal Diu bedrohte. Der damaligeBefehlshaber in Goa, João Castre, konnte seine Gegner um so leichter bezwingen, als er in Goa sofort neue Truppen ausheben und auf den Werften konnte Schiffe bauen lassen, und als er mit allem Kriegsmaterial wohl versehen war. Der Ausgang des Kampfes wäre zweifelhaft gewesen oder wenigstens verzögert worden, wenn man auf die entfernte Hilfe vom Mutterlande her hätte warten müssen. Dazu hatte Albuquerque aus Goa eine portugiesische Stadt zu machen verstanden, in welcher die Soldaten Heiraten mit Hindumädchen eingingen.

Die große Bedeutung der Besetzung Goa’s hebt auch Barros[113]hervor. Dieses Jahr, sagt er, war eines der glücklichsten für die portugiesischen Angelegenheiten. Es kamen nicht blos reiche Flotten mit Spezereien nach Portugal, sondern auch die Nachrichten von der Eroberung Malaka’s und Goa’s, es kamen Gesandte vom Priester Johannes (dem Könige von Habesch), von Siam und Pegu, sogar der Samudrin bequemte sich in der Folgezeit endlich dazu, den Bau einer Citadelle in Kalikut zu gestatten. Viele andere malabarische Fürsten von Kambaya, von Narsinga u. a. wünschten Frieden und Freundschaft mit den Portugiesen zu schließen.

In Indien war Portugals Macht thatsächlich befestigt, die einheimischen Fürsten erkannten, wenn auch widerstrebend, die Herrschaft der neuen Seemacht an; aber sie wurden von Aegypten aus immer wieder von neuem aufgeregt und mit Schiffen und Mannschaft zu neuen Erhebungen aufgemuntert. Aegypten verlor durch die völlige Verdrängung vom indischen Markte zu viel an Einkünften, als daß es sich nicht immer wieder veranlaßt fühlen sollte, mit Hilfe indischer Bundesgenossen die verhaßten Christen zu befehden. König Manuel drängte darum mit Recht wiederholt auf einen Zug nach dem rothen Meere, um womöglich diese wichtigste Straße des mohammedanisch-indischen Handels zu schließen. So rüstete sich Albuquerque denn im Beginn des Jahres 1513 zu einem Feldzuge nach jenen arabischen Gewässern. Es klingt fast wie eine Entschuldigung oder Ablehnung der Verantwortlichkeit für die Folgen dieses Unternehmens, wenn Albuquerque seinen Capitänen erklärte, der König habe schon zu wiederholten Malen ihm diesen Zug geboten und habe nun in seinem letzten Briefe ausdrücklich befohlen, unverzüglich aufzubrechen.[114]

Am 18. Februar 1513 ging er mit 20 Schiffen, 1700 Portugiesen und 800 indischen Soldaten nach dem rothen Meere ab. Im Hafen von Soko auf Sokotra wurde Wasser eingenommen; die Festung daselbst war im vorhergehenden Jahre bereits aufgehoben. Von hier aus mußte die Fahrt mit äußerster Vorsicht geschehen, da man das Fahrwasser nicht kannte. Seit dem Alterthum war kein den Europäern gehöriges Schiff auf diesen Gewässern erschienen. Albuquerque war wieder der erste, welcher in dieses zwei Erdtheile scheidende Binnenmeer eindrang. Glücklicherweise wurde ein Schiff,das von Tschaul kam, aufgebracht, der Lotse desselben wurde gezwungen, den Führer zu machen. Die nächste Aufgabe war, sich Adens zu bemächtigen. Es war schon damals wie noch heute der Schlüssel des rothen Meeres. Die Stadt blühte rasch auf, weil es in Folge der neuen Verhältnisse zum Stapel für die Gewürze geworden war; denn die arabischen Händler wagten sich aus Furcht vor den Portugiesen nicht mehr ins indische Meer, sondern nahmen in Aden die Waaren in Empfang, welche auf malabarischen Schiffen ihnen zugeführt werden durften. Aden liegt auf einer landfest gewordenen Insel, also auf einer Halbinsel, auf durchaus vulkanischem Boden, eigentlich im Innern eines erloschenen Kraters, dessen nackte Wände die Stadt in einem Halbkreise umgeben. Wasser fehlte damals und mußte von weit hergeleitet werden. Jetzt versorgen gewaltige Cisternen die Bewohner mit dem nöthigen Wasser. Die an sich schon feste Lage war durch starke Mauern und Thürme noch mehr gesichert. Albuquerque forderte die Uebergabe der Stadt, welche im Besitz des Amir Ibn-abd-el-wahhab war; aber dieselbe wurde abgelehnt. So entschloß sich der portugiesische Befehlshaber rasch zum Sturm, setzte 1400 Portugiesen und 400 Indier ans Land, um auf Sturmleitern die Mauern zu erklimmen. Voll Ehrgeiz und Kampfbegier drängten sich die Angreifer auf die allzubreiten Leitern, so daß die Stufen unter dem Gewicht von mehr als zwanzig Menschen, die zu gleicher Zeit hinaufstrebten, zusammenbrachen. Vierzig Portugiesen befanden sich schon auf der Mauer. Garcia de Sousa bemächtigte sich sogar eines Thores. Da er aber von den Arabern gedrängt, sich nicht an einem Stricke von der Mauer herablassen wollte, so stürzte er lieber mitten unter die Feinde und opferte sich, tapfer kämpfend, auf, um seinen Gefährten Zeit zu verschaffen, sich zu retten.

Albuquerque mußte erkennen, daß seine Macht zu schwach sei und brach daher nach vier Stunden den Kampf ab. Einen späteren Angriff behielt er zwar im Auge, wollte aber vorher einige wichtige Inseln im rothen Meere besetzen. Mit äußerster Vorsicht mußte vorgegangen werden, weil überall Klippen und Korallenbänke ungeahnte Gefahr drohten. Dazu traute Albuquerque dem gezwungenen Lotsen nicht, suchte mit dem Senkblei in der Hand das Fahrwasser auf und ließ alle Abende beilegen. So gelangte er bis zur flachen, felsigen InselKamaran(15° 51′ n. Br. 42° 32′ ö. L. v. Greenwich). Dieselbe liegt hart an der arabischen Küste, in der Nähe der Stadt Lohaja. Obwohl sich die Höhen nur 16 Meter über den Meeresspiegel erheben, ist die Insel doch reich an Brunnen und besitzt einen sehr guten Hafen auf der Ostseite. Sie war den Küstenfahrern längst als guter Ankerplatz bekannt, wo man sich auch mit Wasser und Früchten, namentlich Datteln versorgen könnte. So erhielten denn auch die Europäer frühzeitig davon Kunde und lernten den Platz schätzen. Carsten Niebuhr hebt hervor: Fast alle Nachrichten der Europäer von dem arabischen Meerbusen erwähnen dieser Insel.[115]Ihrer wichtigen Lage wegenist sie gegenwärtig im Besitze der britischen Macht, welche von der Insel Perim aus auch den Ausgang des rothen Meeres beherrscht. Es zeugt aber sicher von dem Scharfblicke Albuquerque’s, daß er sofort beim ersten Betreten dieses Meeres die Bedeutung jener wasserreichen Insel erkannte. Aber viel weiter sollte er nicht gelangen. Mehrere Versuche nordwärts zu dringen, wurden durch Unwetter abgeschlagen. Er sah sich längere Zeit an die Insel gefesselt, da die günstigen Monsune zur Rückfahrt nach Indien noch nicht eingesetzt hatten, er verlor in dem verrufenen heißen Klima viele Leute und konnte erst am 15. Juli nach Aden zurückkehren. Ohne diese Stadt noch einmal zu bedrohen, segelte er weiter und langte schon am 4. August wieder in Diu an. Hier zeigte sich nun Melek Eias so weit nachgiebig, daß er die Errichtung einer Factorei den Portugiesen gestattete, und als auch Kalikut sich endlich zu einem ähnlichen Zugeständniß bereit erklärte, wurden den mohammedanischen Schiffen Pässe ertheilt, und das Aufbringen der im Gewürzhandel beschäftigten Kauffahrteischiffe hörte an den Küsten Indiens auf. Der Handel begann sich wieder zu beleben und zu befestigen.

Im nächsten Jahre wurde Pero d’Albuquerque, der Neffe des Generalcapitäns, mit einem Geschwader nach Ormuz entsandt, um den fälligen Tribut einzuziehen, während Jorge d’Albuquerque mit frischen Truppen nach Malaka steuerte, um hier die Vertheidigung der viel umstrittenen Stellung zu übernehmen.

Die nächste Zeit war Albuquerque selbst mit den indischen Angelegenheiten: mit der Befestigung der Citadellen in den Handelsstädten und Abfertigung der Transportflotten beschäftigt, außerdem plante er einen neuen Zug gegen Aden. Während der Vorbereitung dazu erhielt er aber die königliche Weisung, zunächst womöglich nach Ormuz zu gehen. Albuquerque konnte um so mehr diesem Befehle zustimmen, als er inzwischen in Erfahrung gebracht, daß der Sultan von Aegypten nicht weiter rüste, daß also von Seiten dieses Gegners keine Gefahr drohe und das rothe Meer ruhig bleiben werde. Am 21. Februar 1515 ging der Generalcapitän von Goa aus mit 27 Schiffen (14 großen Schiffen, 7 Karavelen und 6 Ruderschiffen) in See. Es sollte sein letzter Zug sein. Die Besatzung bestand aus 1500 Portugiesen und 700 Indiern (Kanaresen und Malabaren). In Ormuz führte damals Rais Ahmed, ein ehrgeiziger Perser, im Namen seines alten und schwachen Oheims das Regiment. Die Portugiesen hatten über ihn gehört, daß er mit dem Plane umgehe, sich unter die Oberhoheit des persischen Schah zu stellen, um sich der Verpflichtungen des lästigen Tributs an Portugal zu entledigen.


Back to IndexNext