Hie anhebet das vierde Buch, Vnd ist von der schieffarthe des kuniges von Castilia, von Inseln vnd landen in kurtze erfunden. Das lxxxiiij Capitel, wie der kunige von Hispania rüstet, oder beraythe zway schieffe, dem Christoffel Dawber[178]von Jenua zu faren gegem nidergang.DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein man̄e lang vnd gerade, was grosser vernunfft, hette ein lang angesicht, nachuolgte vnd anhienge lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von Hispania, an alle orthe vnd ende so sie hin raysten, begerthe, das sie ime solten helffen zurüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe, erbothe sich, er wölte finden gegen dem nidergange Inseln, anstossende an India, daselbstdann̄ die mennge der Edlen gestaynen, vnd Spezereyen, vnd auch des goldes, welches man leychtlich möchte vberkummen, der Kunig vnd Kunigin, vnd auch alle die vorgeensten in Hispania, hetten lange zeyte ein spyle, oder kurtzweyl an diesem furnemen dises Christoffels, vnd zu letzste nach siben jaren oder vber siben jare, vnd nach seynem manigualtigen begeren, bitten, vnd anlangen, wurden sie zu gefallen seynem willen, vnd rusten ime ein Naue, das ist, ein großses schieffe, vnd zway Grauele, mit welcher er hinweg fure von Hispania, vnd also anfienge sein rayse oder schieffarthe, vmb die ersten tage des Septeēber, das ist, des Herbstmondes, im MCCCCxCij Jare. —[179]
Hie anhebet das vierde Buch, Vnd ist von der schieffarthe des kuniges von Castilia, von Inseln vnd landen in kurtze erfunden. Das lxxxiiij Capitel, wie der kunige von Hispania rüstet, oder beraythe zway schieffe, dem Christoffel Dawber[178]von Jenua zu faren gegem nidergang.
DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein man̄e lang vnd gerade, was grosser vernunfft, hette ein lang angesicht, nachuolgte vnd anhienge lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von Hispania, an alle orthe vnd ende so sie hin raysten, begerthe, das sie ime solten helffen zurüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe, erbothe sich, er wölte finden gegen dem nidergange Inseln, anstossende an India, daselbstdann̄ die mennge der Edlen gestaynen, vnd Spezereyen, vnd auch des goldes, welches man leychtlich möchte vberkummen, der Kunig vnd Kunigin, vnd auch alle die vorgeensten in Hispania, hetten lange zeyte ein spyle, oder kurtzweyl an diesem furnemen dises Christoffels, vnd zu letzste nach siben jaren oder vber siben jare, vnd nach seynem manigualtigen begeren, bitten, vnd anlangen, wurden sie zu gefallen seynem willen, vnd rusten ime ein Naue, das ist, ein großses schieffe, vnd zway Grauele, mit welcher er hinweg fure von Hispania, vnd also anfienge sein rayse oder schieffarthe, vmb die ersten tage des Septeēber, das ist, des Herbstmondes, im MCCCCxCij Jare. —[179]
Am Schluß der originellen Uebersetzung steht: Also hat ein endte dieses Büchlein, welches auß wellischer sprach in die dewtschen gebrachte vnd gemachte ist worden, durch den wirdigē vnd hochgelarthen Herrn̄ Jobsten Ruchamer der freyen Künste, vnd artzenneien Doctorn̄ etc. Vnd durch mich Georgen Stüchßen zu Nüreinbergk, Gedrückte vnd volendte nach Christi vnsers lieben Herren geburdte. M.ccccc.viij Jare, am Mittwoch sancthi Mathei, desheiligen apostels abenthe, der do was der zweyntzigiste Tage des Monadts Septembris.
Columbus ging nach Südspanien. Hier gelang es ihm, einflußreiche Gönner zu finden, unter denen namentlich der Herzog von Medinaceli sich seiner annahm und ihn fast zwei Jahre lang als Gast in seinem Hause beherbergte, damit derselbe nicht, wie er beabsichtigte, nach Frankreich gehe, um dort dem Könige sein Project anzubieten.[180]
Angebliches Porträt von Christoph Columbus.(Madrid, Marine Ministerium.)
Angebliches Porträt von Christoph Columbus.
(Madrid, Marine Ministerium.)
Im Januar des Jahres 1486 erhielt er durch die Vermittlung des Cardinalbischofs Mendoza von Toledo bei der Königin Isabella Audienz, wurde, nachdem er seinen Plan vorgelegt, in das königliche Gefolge aufgenommen und erhielt dessen Freiheiten und Auslösung. Er war damit in den Dienst der spanischen Krone getreten. Aus den Jahren 1487 und 1488 haben sich mehrere Belege der kleinen Unterstützungen erhalten, welche Columbus aus der königlichen Kasse erhielt, und welche in den einzelnen Posten höchstens 10 Ducaten betrugen.[181]
Man hatte zwar von dem Vorhaben des Columbus im allgemeinen eine günstige Meinung, wollte aber zuvor das Urtheil der Gelehrten hören und wies ihn daher an die Universität von Salamanca. Hier hatte Columbus einen schlimmen Stand; denn er berief sich nicht blos auf seine kosmographischen Autoritäten, sondern glaubte vor dem Rath der gelehrten Geistlichen auch mit falschverstandenen Bibelsprüchen kämpfen zu können und legte von sich und seinem Beruf eine so eigenthümliche schwärmerische Meinung an den Tag, daß die Mehrzahl der Richter sich nicht für ihn erklären konnte.
Angebliches Porträt von Christoph Columbus.(Madrid, National-Bibliothek.)
Angebliches Porträt von Christoph Columbus.
(Madrid, National-Bibliothek.)
Die Art seines Auftretens läßt sich am besten aus den brieflichen Mittheilungen erkennen, welche Columbus später bei verschiedenen Gelegenheiten selbst gegeben hat.
„Ich habe mit wissenschaftlichen Männern, Geistlichen und Weltlichen, Lateinern und Griechen, Juden und Mauren und vielen anderen verkehrt. Dazu gab mir der Herr den Geist der Erkenntniß. In der Schifffahrtskunde gab er reiche Fülle; von der Sternkunde gab er mir, was ich brauchte und auch von der Geometrie und Arithmetik. In dieser Zeit habe ich alle Artenvon Schriften studirt: Geschichtswerke, Chroniken, Philosophie und andere Wissenschaften.“[182]
„Die heilige Trinität,“ schreibt Columbus bei einer andern Gelegenheit,[183]„bewog Ew. Maj. zu dem Unternehmen nach Indien und durch ihre unendliche Gnade wählte sie mich, um es Ihnen zu verkündigen. Deshalb kam ich als ihr (der Trinität) Botschafter zu Ew. Maj., wie zu den mächtigsten Fürsten der Christenheit, welche sich im Glauben übten und so viel für seine Verbreitung thaten. Trotz alles Ungemachs, welches mir widerfuhr, war ich gewiß, daß meine Unternehmung gelingen werde, und beharrte bei dieser Ansicht, weil alles vergehen wird, ausgenommen das Wort Gottes. Und in der That, Gott spricht so klar von diesen Gegenden durch den Mund des Jesaias an mehreren Stellen der heiligen Schrift, wenn er versichert, daß von Spanien aus sein heiliger Name solle verbreitet werden.“[184]
In der Colombinischen Bibliothek zu Sevilla wird noch die handschriftliche Correspondenz des Columbus mit dem Pater Gorricio, einem Karthäuser aus dem Kloster Sa. Maria de las Cuevas zu Sevilla aufbewahrt, welche eine Menge Texte des alten und neuen Testamentes enthält, die sich auf die Entdeckung der neuen Welt beziehen sollen, sowie verschiedene Aussprüche der Kirchenväter und Classiker. Diese letzteren sind aus Aristoteles, Plinius, Seneca u. a. von Gorricio excerpirt in der besondern Absicht, von Columbus verwendet zu werden.[185]Unter diesen ist besonders berühmt und viel genannt worden die prophetische Stelle aus der Tragödie Medea von Seneca:
Venient annis saecula seris,Quibus Oceanus vincula rerumLaxet et ingens pateat tellus,Thetysque novos detegat orbes,Nec sit terris ultima Thule.[186]
Venient annis saecula seris,Quibus Oceanus vincula rerumLaxet et ingens pateat tellus,Thetysque novos detegat orbes,Nec sit terris ultima Thule.[186]
Venient annis saecula seris,Quibus Oceanus vincula rerumLaxet et ingens pateat tellus,Thetysque novos detegat orbes,Nec sit terris ultima Thule.[186]
Venient annis saecula seris,
Quibus Oceanus vincula rerum
Laxet et ingens pateat tellus,
Thetysque novos detegat orbes,
Nec sit terris ultima Thule.[186]
Mit diesen Prophezeiungen, welche Columbus auf sich bezog und durch welche er um so fester von seiner göttlichen Sendung sich überzeugt hielt, ging Hand in Hand die von ihm gefaßte Idee, durch die schon von Toscanelli in Aussicht gestellten Schätze das heilige Grab zu erobern und denErzfeind aus dem Besitz der heiligen Stätten zu verdrängen. Diesen Gedanken legt er in dem Tagebuch seiner ersten Reise (vom 26. December 1492) nieder und wiederholt ihn in einem Briefe von 1503.
Aber er fühlt auch den Beruf in sich, alle Heiden vor dem nahen Weltuntergange zum Christenthume zu bekehren. „Der heilige Augustin lehrt uns,“ schreibt er 1503, „daß das Ende der Welt 7000 Jahre nach der Schöpfung stattfinden werde. Das ist auch die Meinung der heiligen Theologen und des Cardinals Pedro de Aliaco. Da nun nach der Berechnung des Königs Alfons von Portugal bereits 6845 Jahre verflossen sind, so ist die Frist bis zum Untergange nur noch eine sehr kurze.“
Man darf sich nicht wundern, daß selbst die Theologen von Salamanca sich mit diesen mystischen Combinationen, mit dieser wunderlichen Mischung einerseits von astronomisch-kosmographischen Berechnungen und Schlüssen, anderseits von classischen und biblischen Prophezeiungen und falschen Deutungen nicht einverstanden erklären konnten.
Man muß dazu auch die politische Lage der beiden verbundenen spanischen Monarchien erwägen, und daß Ferdinand und Isabella nicht blos schwere Kämpfe zur Befestigung der königlichen Autorität, sondern auch langwierige Kriege mit den Mauren zu führen hatten und durch diese Projecte leicht auch in neue Verwickelungen mit dem Nachbarstaate Portugal gebracht werden konnten.
„Glücklicherweise aber,“ sagt Humboldt,[187]„begünstigten die vorhandenen Irrthümer die Ausführung des Planes und flößten einen Muth ein, welchen genauere Kenntniß von den Dimensionen des Erdkörpers, der geographischen Länge von Catigara, Cathai und Zipangu, der bedeutenden Ausdehnung des zwischen liegenden Oceans und der geringen Masse des Festlandes wahrscheinlich erschüttert haben würden.“
Man hat das Urtheil der wissenschaftlichen Prüfung in Salamanca ebenso verdächtigt und verleumdet, als jenes abfällige Urtheil der Junta in Portugal. Aber alle die Gegengründe, welche vorgebracht sein sollen, klingen so lächerlich, daß sie als platte Erfindung erscheinen, welche später, nachdem der Erfolg sich für Columbus ausgesprochen, zu seiner Verherrlichung erdacht sind.
Im Collegium zu Salamanca fand sich nur Einer, Diego de Deza, der Lehrer des Prinzen Don Juan, später Erzbischof von Sevilla, welcher sich des kühnen Planes annahm; aber da sich Talavera, damals Prior von Prado und später Erzbischof von Granada entschieden dagegen erklärte, so wurde vorläufig die Entscheidung ausgesetzt und Columbus auf eine günstigere Zeit vertröstet. So lebte er, von Jahr zu Jahr auf Erfüllung hoffend, bald in Sevilla, bald in Cordoba, gleichsam von königlichem Gnadenbrote, wenig gekannt und wenig Freunde gewinnend.
Die ganze Angelegenheit rückte nicht vorwärts. Und als selbst noch im Jahre 1491 die entscheidende Commission erklärte, sie könne erst nach Beendigung des Krieges gegen Granada die Sache in genaue Erwägung ziehen und damit gleichsam in einer höflichen Form das Project ablehnte, so entschloß sich Columbus endlich, doch das Land zu verlassen, das ihn seit sieben Jahren in peinlicher Muße hingehalten hatte.
Auf seinem Wege nach Huelva, wo er sich einschiffen wollte, kam er, mit seinem Sohne Diego an der Hand, von Palos, am breiten Rio Tinto abwärts wandernd, zu Fuß nach dem alten Franziskanerklosterla Rabida. Dasselbe liegt nahe dem Meere auf einem dürren Hügel, dessen Anbau den Fleiß der Bearbeiter nur spärlich lohnt. Zwischen verfallenen Mauern und Dornhecken von Nopal und Aloë steigt man jetzt auf die beherrschende Höhe. Auf einer kleinen Plattform hinter den Klostergebäuden bezeichnet ein steineres Kreuz die Stelle, wo Columbus von Kummer gebeugt und von Hunger erschöpft niedersank[188]und für seinen Knaben und sich die Mönche um Brot und Wasser bat. Aber hier, wo er mit tiefem Seelenleiden seine Hoffnungen bereits zu Grabe getragen hatte, sollten sie neu belebt werden. Der seltsame Anblick der Bittenden, der fremde Dialect des Mannes erregten die Neugierde der barmherzigen Brüder, besonders des Juan Perez de Marchena, der den Titel eines Beichtvaters der Königin führte. Columbus wurde ins Kloster eingelassen und in die Wohnung des Priors geleitet. In dem hohen Saal, aus dessen Fenstern man einen prachtvollen Blick auf das Meer genießt und wo Columbus neugestärkt und belebt, im Angesicht des Oceans von seinen Plänen und Enttäuschungen erzählte, sind jetzt zur Erinnerung an diese denkwürdigen Stunden mehrere Gemälde zu sehen, welche die Geschichte dieser Ereignisse darstellen. Der Pater Juan Perez, welcher sich bald von der schwärmerischen Glut des Erzählers angezogen fühlte, ließ einen in der Astronomie und Kosmographie kundigen Physiker, Garcia Hernandez, aus dem nahen Orte Palos zu sich bitten, um mit ihm den Gehalt des vernommenen Berichts zu prüfen, denn er kannte den Genuesen zweifelsohne nicht einmal dem Namen nach. Auch mochte er anfänglich keine große Meinung von dem ärmlich und schlecht gekleideten Fremdlinge haben. Columbus war eben noch eine Persönlichkeit, welche kein Mensch kannte (por que ninguna persona conoscia el dicho almirante.[189]) Aber auch der junge Physiker aus Palos, welcher damals kaum das 30. Lebensjahr überschritten hatte,[190]horchte mit demselben Interesse wie der Pater Marchena. Beide glaubten der Königin einen großen Dienst zu leisten, wenn sie den merkwürdigen Mann zurückhielten. Juan Perez schrieb an die Königin Isabella einen Brief und sandte ihn durch die Hand des Piloten Sebastian Rodriguez an den spanischen Hof von Granada. Einstweilen blieb Columbus als Gast bei denKlosterbrüdern. Nach 14 Tagen kam ein Dankschreiben der Königin zurück, worin der Pater zur Königin berufen wurde. Derselbe reiste noch in derselben Nacht ab und erhielt von der Königin die Zusage, daß Columbus für seine Unternehmung drei Schiffe erhalten solle. Dann gab die Fürstin ihm noch 53 Ducaten mit für Columbus, damit derselbe sich besser kleiden und in anständiger Form zu Hofe reiten könnte.
So war also in Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes eingetreten und wenn auch noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein mochten, so war es doch nun entschieden, daß der kühne Gedanke, den Orient im Westen auszusuchen, seiner Verwirklichung nahe war.
Im Lager zu Santafé vor Granada erwartete man die baldige Uebergabe dieser letzten maurischen Stadt. Als dieselbe im Januar 1492 erfolgte, schien der Weg für Columbus geebnet, denn der maurische Krieg war beendigt. Aber zum letztenmale schien das ganze Unternehmen doch noch sich zerschlagen zu wollen, weil Columbus allzuhohe Forderungen stellte, Forderungen, welche weder mit seiner hilfsbedürftigen Lage, noch mit der Würde der Krone vereinbar schienen; denn er verlangte die höchsten Würden in Spanien und fast königliche Gewalt in den zu entdeckenden Ländern. Seine Bedingungen stellte er dahin, daß er Rang und Würde eines Admirals oder eines spanischen Almiranten für sich und seine Nachfolger erhalte, daß er und seine Familie in den Adelstand erhoben würden, daß er in den neuentdeckten Ländern zum Vicekönig ernannt werde mit dem Rechte, für alle hohen Verwaltungsstellen in jeder Insel, in jeder Provinz drei Männer vorzuschlagen, daß ihm ein Zehntel der königlichen Einkünfte aus dem Gewinn von Perlen, Edelsteinen, Gold, Silber, Spezereien und anderen Handelswaaren zufalle, daß er der einzige Richter sei in allen Processen, welche aus dem Verkehr zwischen jenen Ländern und Spanien entstehen könnten und daß er, wenn er den achten Theil der Ausrüstung von Schiffen bestreite, auch den achten Theil aus dem Gewinn erhalte. Diese Forderungen klangen geradezu unerhört. Eine Reihe von Conflicten war vorauszusehen, wenn man einem Fremden zugestand, was man nie einem Spanier von Geburt zugestanden haben würde. Die Königin, so willig sie sich gezeigt hatte, das Unternehmen doch noch zu fördern trotz aller Widerreden und Zweifel, schreckte vor solchen Forderungen zurück. Und Columbus wich in keinem Punkte von seinen Ansprüchen; so fest glaubte er selbst sowohl an seine Bestimmung, als auch an den großen materiellen Erfolg für Spanien. So zerschlug sich auch noch im Januar die Verhandlung, und Columbus wandte sich zum zweiten Male vom Hofe ab, um über Cordoba nordwärts nach Frankreich zu gehen, wo, wie er selbst behauptete, man ihm glänzende, sichere Versprechungen gemacht. Da versuchten noch einmal seine Gönner bei Hofe, namentlich der Cardinal Mendoza und der Schatzmeister Luis de Sant-Angel, die Königin zu dem Vertrage zu überreden. Sie stellten ihr vor, welche unermeßlichen Reichthümer nach erfolgreicher Fahrt durch die Unternehmungdes Genuesen nach Spanien fließen müßten, wie sie durch Zuwachs an Colonialbesitz und durch Ausbreitung des christlichen Glaubens an Ruhm gewinnen würde, und erreichten es, daß Isabella den Befehl ertheilte, Columbus zurückzurufen. Ein Eilbote traf ihn bereits unterwegs in Pinos Puente, eine Stunde von Santafé und rief ihn unter der Versicherung, daß die Königin auf seine Forderungen eingehe, zurück. Der Vertrag wurde am 17. April vollzogen; aber der Besitz der unerhörten Gewalt, die dem Entdecker verliehen, die plötzliche Erhebung in den höchsten Stand führten nur zu bald den Sturz des Mannes herbei, weil er nicht im Stande war, allen Ansprüchen seiner neuen Stellung zu entsprechen. Man kann Columbus nicht frei sprechen von der Schuld, die vielfachen bitteren Kränkungen und schweren Demüthigungen seiner letzten Lebensjahre sich durch das Uebermaß seiner Forderungen selbst heraufbeschworen zu haben.
Der im Bau begriffene Rumpf eines großen Seeschiffes vom Ende des 15. Jahrh.
Der im Bau begriffene Rumpf eines großen Seeschiffes vom Ende des 15. Jahrh.
Augenblicklich dachte er nur an die Ausrüstung seiner Schiffe. Der Staatsschatz war leer, Luis de Sant-Angel schoß der Königin 5300 Ducaten zur Fertigstellung der kleinen Flotte vor und Columbus begab sich sofort nach Palos, nahe bei dem ihm günstigen Kloster la Rabida, um hier seine Abfahrt mit allen Mitteln zu betreiben. Es war ein sehr günstiger Umstand, daß er in dem kleinen Hafenplatz am untern Lauf des Rio Tinto lebhafte Unterstützung durch die einflußreiche und wohlhabende Schifferfamilie der Pinzone fand, welche sich selbst in ihren Hauptträgern erbot, die kühne Fahrt mitzumachen. Ganz besonders machte sich Martin Alonso Pinzon um das Zustandekommen der Expedition verdient und trug sogar zur Bestreitung der Kosten bei. Es wurden drei kleine Schiffe ausgerüstet; nur das größere warvollständig gedeckt, die beiden andern hatten nur am Vorder- und Hintertheil erhöhte Verdecke, waren aber in der Mitte offen. Die Schiffsmannschaft recrutirte sich meist aus den umliegenden Hafenplätzen, aus Moguer, Huelva und aus Palos selbst. Das größte Schiff, die Santa Maria, stand unter dem Befehl des Columbus, auf der Pinta commandirte Martin Alonso Pinzon und außer ihm sein Bruder Francisco Martin als Steuermann, auf der Niña führte Vicente Yañez Pinzon das Commando. Die Mannschaft belief sich im Ganzen auf 120 Köpfe.
Es war ein denkwürdiger Tag, als am 3. August 1492, nachdem die Mannschaft vorher gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, die drei Schiffe den Hafen von Palos verließen und dem unbekannten Weltmeere zusteuerten. Columbus führte von Anfang an ein ausführliches Tagebuch, von welchem uns Las Casas den größten Theil, vielfach in wörtlichen Auszügen, erhalten hat. Die Einleitung erörtert die Beweggründe und Ziele der Fahrtund läßt einerseits die Abhängigkeit des Führers von den Angaben des Toscanelli, andererseits seine religiösen Empfindungen deutlich erkennen.
Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., halb vor dem Winde segelnd.
Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., halb vor dem Winde segelnd.
„Nachdem Ew. Majestäten in dem gegenwärtigen Jahre 1492 den maurischen Krieg beendigt haben in der sehr großen Stadt Granada, in welcher ich, am 2. Januar dieses Jahres, durch die Gewalt der Waffen die königlichen Banner auf den Thürmen der Alhambra aufpflanzen und den maurischen König sich ans Thor begeben und Ew. Maj. die Hände küssen sah, und nach den Erklärungen, welche ich Ew. Hoheiten von den Ländern Indiens und von einem Fürsten, welcher der Großchan, d. h. König der Könige genannt wird, gegeben habe, sowie darüber, daß derselbe wie auch seine Vorgänger nach Rom gesendet hatten, um sich Lehrer unseres heiligen Glaubens zu erbitten, und daß so viele Völker im Unglauben und Götzendienst verloren gingen, beschlossen Ew. Hoheiten als christliche Fürsten und Verbreiter des heiligen christlichen Glaubens und Feinde der Sekte Mohammeds und aller Ketzerei mich, Cristóbal Colon[191]zu den erwähnten Ländern Indiens auszusenden, um die erwähnten Fürsten und Völker und Länder, ihre Lage und ihren Zustand und die Art und Weise zu erforschen, wie man sie zu unserm heiligen Glauben bekehren könne. Sie befahlen mir, nicht zu Lande nach dem Osten zu gehen, wie man gewöhnlich gethan hat, sondern vielmehr den Weg nach Westen einzuschlagen, von dem wir bis jetzt nicht bestimmt wissen, ob er schon von jemand eingeschlagen ist.“ Weiter fügt Columbus hinzu, daß er beschlossen, ein genaues Tagebuch zu führen, genaue Segelanweisungen zu geben und dazu eine Reihe von gemalten Karten zu entwerfen in einem Netz von Breiten- und Längenlinien.
Dieses letztere Vorhaben hat aber der Admiral nicht ausgeführt, er war dazu auch kaum im Stande. Der Admiral steuerte gradenwegs nach den Canarischen Inseln, um unter dem Parallelkreis dieser spanischen Eilande westwärts über Antilia und Cipangu nach Indien zu segeln. Da aber bereits am vierten Tage das Steuer der Pinta beschädigt wurde, mußte man den Hafen in Gomera aufsuchen und sah sich dadurch vier Wochen auf den Canarischen Inseln festgehalten. Erst am 6. September setzte Columbus die Fahrt wieder fort und steuerte mit Nordostpassat nach Westen. Schon am dritten Tage, am 9. September entschloß er sich, eine zwiefache Berechnung der täglich zurückgelegten Meilenzahl zu führen, und in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal kleinere Ziffern aufzuführen, als er selbst die Entfernungen schätzte, um, wie er sagt, die Mannschaft nicht durch die Größe der zurückgelegten Meilenzahl zu erschrecken. Es ist dies wohl der einzige Fall, daß bei einer großen Entdeckungsfahrt ein solches Mittel der Täuschung zur Anwendung gekommen ist: „Am 10. September segelte er 60 Leguas, berechnete aber nur 48, um die Mannschaft nicht zu entmuthigen, wenn die Reise lange dauern sollte.“[192]
Am 13. September, bei Einbruch der Nacht, beobachtete Columbus zuerst dieDeclination der Magnetnadel, „ein denkwürdiger Zeitpunkt in den Jahrbüchern der nautischen Astronomie“.[193]Die Abweichung gegen NW. nahm am folgenden Tage noch zu. Drei Tage später machte er die Wahrnehmung, daß ein rascher Wechsel des Klimas eintrat.
Schon vom 16. September an, wo die Schiffe zuerst in das Sargassomeer eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe eines Landes oder von Inseln zu bemerken. Das Schiffstagebuch enthält darüber eine Reihe von Bemerkungen. Am 18. galt ein dunkler Horizont als Zeichen von großer Nähe des Landes; am 19. bildete sich ein Nebel ohne Wind, eine sichere Andeutung von Land. Auch die schwimmenden Tangmassen, welche häufig angetroffen wurden, galten als Beweis dafür. Dieses Tangmeer liegt zwischen 20° und 35° n. Br. und reicht gegen Westen bis an den Rand des Golfstroms. Das Kraut bedeckt die Oberfläche nicht in gleichmäßig dichten Massen, sondern treibt in langen Streifen in der Richtung des herrschenden Windes. Diese Streifen bestehen aus mehreren Reihen von Krautbüscheln, jedes einzelne höchstens einen Fuß lang; es sind vom Strande losgerissene Fragmente, welche absterben und allmählich untersinken, so daß von einer Behinderung der Fahrt eines Schiffes nicht die Rede sein kann.[194]
Der beständig günstige Fahrwind erregte in den Matrosen die Befürchtung, es werde wegen des herrschenden Ostwindes die Rückfahrt sehr erschwert, wo nicht unmöglich gemacht werden. Als am 23. September die Krautmassen wieder dichter die Oberfläche des Wassers bedeckten und das Meer so ruhig und glatt blieb, äußerte sich die Besorgniß des Schiffsvolkes laut: man werde in dieser Gegend niemals einen günstigen Wind zur Rückkehr nach Spanien treffen. Als dann aber das Meer sich erhob, ohne daß ein Wind wehte, und eine rauhe See entstand, waren alle höchlich erstaunt. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Columbus: „Diese hoch gehende See war mir ebenso nothwendig als den Juden zur Zeit da die Aegypter auszogen, um Moses zu verfolgen, welcher die Hebräer aus der Knechtschaft befreite.“ Am 25. September besprach sich der Admiral mit Martin Alonso Pinzon über eine Karte, welche er ihm vor 3 Tagen geschickt, und auf welcher in dieser Gegend einige Inseln eingetragen waren. Offenbar handelte es sich dabei um die Karte Toscanelli’s und die etwas südlich vom Schiffscours vermuthete Insel Antilia (vgl. den Globus Behaims). Martin Alonso glaubte diese Insel sogar zu sehen; auch Columbus theilte diese Ansicht und schätzte die Entfernung auf etwa 25 Meilen. In Folge dessen ließ der Admiral gegen West steuern, aber am folgenden Tage klärte sich der Irrthum auf, man war durch das dunkle Aussehen des Horizonts getäuscht worden. Daß aber die Insel Antilia in der Nähe liegen müsse, bezweifelte Columbus nicht. Am 3. October glaubte er diese Insel bereits hinter sich haben, denn Anzeichen von Land hatte er genug gehabt; aber er wollte seine Zeit nicht mit dem Aufsuchen verlieren, weil Indien sein Ziel war.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß, je länger die Fahrt dauerte, die Mannschaft immer lauter ihre Besorgniß aussprach, vielleicht auch sogar allerlei Drohungen gegen den fremden Führer, gegen den Liguren laut werden ließ, wenn auch die dramatische Ausschmückung dieser Stimmung, welche in der Erzählung von einem Vertrage gipfelt, den Columbus sollte eingegangen sein, einer späteren Zeit angehört. Dennoch sollte der Admiral sich dazu verstanden haben, nach drei Tagen umzukehren, wenn bis dahin das gesuchte Land noch nicht aufgefunden sei. Die Zeugnisse Peter Martyrs und des Columbus selbst sprechen zu deutlich von der schwierigen Haltung der Matrosen. „Die spanischen Begleiter,“ erzählt Martyr, „fingen erst heimlich an zu murren und traten dann offen zusammen. Sie drohten ihren Führer ins Meer werfen zu wollen; sie seien von dem ligurischen Menschen betrogen und ins Verderben gebracht.“[195]Diese Angaben über die bedenkliche Stimmung unter dem Schiffsvolke bestätigt Columbus in seinem Tagebuche, wenn er, am 14. Februar 1493, also auf dem Heimwege, berichtet, daß er schon auf der Hinfahrt viel von den Leuten zu leiden gehabt, weil alle einstimmig erklärt hätten, umkehren zu wollen, und daß sie sich zu Drohungen gegen ihn hätten hinreißen lassen.[196]Vom 7. October an beschloß Columbus, einen südwestlichen Cours beizubehalten. Er wurde dazu durch den Flug zahlreicher Vögel veranlaßt, welche nach dieser Richtung zogen; denn er wußte, daß die Portugiesen der Beobachtung des Flugs der Vögel die Entdeckung mancher Inseln verdankten. Auch am 10. October beklagten sich seine Leute wieder über die lange Dauer der Reise, aber der Admiral belebte ihre Hoffnung auf reichen Gewinn, der in sicherer Aussicht stehe. Uebrigens fügte er hinzu, ihre Klagen nützten nichts, da er unter allen Umständen mit Gottes Hilfe seinen Weg fortsetzen werde, bis er Indien erreicht habe.
So hätte er nicht sprechen können, wenn es wirklich zu einem Vertrage gekommen wäre, der ihn verpflichtet hätte, nach drei Tagen umzukehren.
Columbus war zu fest überzeugt, dem Ziel seiner Wünsche nahe zu sein und fand in den Pinzonen eine kräftige Stütze. Ohne Schwankung war er in den ersten Wochen westwärts gesteuert und wich nur in den letzten Tagen mit bewußter Absicht von dieser Richtung ab.
Sie waren bereits mehr als 750 Meilen von den Canarien entfernt.[197]Das Schiffsvolk spähte immer eifriger nach Land aus, denn dem Glücklichen, welcher zuerst dasselbe erblicken sollte, waren reiche Geschenke und eine jährliche Pension von 10,000 Maravedis (etwa 25 Ducaten) verheißen. Da in Folge dessen zu wiederholten Malen der Ruf: Land! erscholl, ohne daß die daran geknüpfte Erwartung sich erfüllte, so wurde bestimmt, daß derjenige, welcher die Gemüther auf solche Weise vergeblich in Aufregung versetzte, in Zukunft keinen Anspruch auf die ausgesetzte Belohnung haben solle.
Christoph Columbus’ Rüstung.(Madrid, Waffen-Museum im kgl. Palais.)
Christoph Columbus’ Rüstung.
(Madrid, Waffen-Museum im kgl. Palais.)
Aber trotzdem blieben aller Augen mit gespannter Aufmerksamkeit auf den fernen Horizont im Westen geheftet, zumal sich die echten Anzeichen von Land zu mehren schienen. Am Morgen des 7. October gab die Niña, welche vorausgesegelt war, durch einen Kanonenschuß das Signal, daß man Land sehe, aber man mußte wiederum eingestehen, daß man sich getäuscht habe. Die nun folgende Niedergeschlagenheit wurde aber bald wieder gehoben, am 9. October spürte man einen frischen Hauch der Luft, wie wenn er vonfernen Blütenbäumen herüberwehe. Am 11. October fischte man bei dem Admiralschiffe einen frischgrünen Zweig, bei der Pinta einen mit Feuer bearbeiteten Stab und einen Zweig mit rothen Beeren aus dem Wasser. Am späten Abend sah Columbus vom hohen Hintercastell seines Schiffes aus einen Lichtschein, der sich vorwärts zu bewegen schien, als ob jemand eine Fackel trage; auch andere, die er herbei rief, glaubten dasselbe zu erkennen. Man befand sich in der That in der Nähe des Landes. Wenige Stunden später, am 12. October, Morgens 2 Uhr, sah der Matrose Rodrigo von Triana auf der Pinta einen flachen, sandigen Strand im Mondschein leuchten; denn man hatte sich dem Lande von der Seite bereits bis auf 2 Seemeilen genähert.
Ein Kanonenschuß verkündete die glückliche Entdeckung den beiden nachfolgenden Schiffen, und so wie es Tag wurde, sahen sie eine anmuthig grüne Insel vor sich liegen. Die Ueberfahrt von den Canarischen Inseln hatte 32 Tage gedauert. Entzückt und mit Freudenthränen im Auge stimmte Columbus den LobgesangTe deum laudamusan, und alle seine Gefährten stimmten mit ein. Man umringte den noch vor kurzem geschmähten Führer und brachte dem Helden seine Huldigung dar. Leider gönnte der glückliche Entdecker dem Matrosen Rodrigo den verheißenen königlichen Lohn nicht; er erhob selbst Anspruch auf die ausgesetzte Jahresrente, weil er in der Nacht zuvor das Licht in der Ferne gesehen hatte und erhielt wirklich später das Geld ausgezahlt. War es Geiz oder Ehrgeiz? Fast muß man fürchten, daß der schlechtere Beweggrund ihn verleitete.
Die Befehlshaber der Schiffe landeten nun mit bewaffneten Böten. Unter fliegenden Fahnen, welche außer dem grünen Kreuz die Anfangsbuchstaben der katholischen Könige F. und I. zeigten, stiegen sie ans Land und warfen sich nieder, um den Boden zu küssen. Dieses erste Eiland, welches die Entdecker betraten, nannte Columbus San Salvador und weihete es dadurch zu einem Erstlingsopfer dem Heiland der Welt. Bei den Eingebornen hieß es Guanaham oderGuanahani.[198]
Die braunen Insulaner schaarten sich harmlos um die fremden, dem Meere entstiegenen Männer, und Columbus theilte, um sie zutraulich zu machen, kleine Geschenke unter sie aus: Glasperlen, Nadeln und kleine Schellen. Die Leute gingen vollständig nackt, nur einige Weiber trugen eine Art Schürze von Blättern oder Gras oder zu dem Zweck bearbeiteter Baumwolle. Metall war ihnen unbekannt, Waffen trugen sie nicht. Daß sie in der Hautfarbe den Bewohnern der Canarischen Inseln glichen, fand Columbus ganz natürlich, denn die entdeckte Insel lag unter derselben Breite mit Ferro. Und unter denselben Breiteparallelen, so lautete damals ein allgemein gültiger Lehrsatz, haben die Menschen gleiche Farbe, und zwar um so dunkler, je näher dem Aequator. Einige der Insulaner erschienen auch bemalt, schwarz,roth oder mit weißen Streifen im Gesicht oder am ganzen Leibe. Ihr Haar war schwarz und straff.
Facsimile des Titelholzschnittes einer zu Florenz im Jahre 1493 gedruckten italienischen Flugschrift, darstellend die Landung des Columbus. (London, British Museum.)
Facsimile des Titelholzschnittes einer zu Florenz im Jahre 1493 gedruckten italienischen Flugschrift, darstellend die Landung des Columbus. (London, British Museum.)
Bald eröffnete sich ein gewinnbringender Tauschhandel, denn man sah hie und da goldenen Nasenschmuck, den die Spanier für Kleinigkeiten einzuhandeln verstanden. Auf die Frage, woher das Gold stamme, wiesen die Indianer (Indios nannte Columbus sie bereits am vierten Tage) nach Südosten, woraus man also auf das Vorhandensein anderer Länder in der Nachbarschaft schließen konnte; denn wenn die Eingebornen auch Ruderkähne, aus einem Stamme gearbeitet, besaßen, mit denen sie erstaunlich schnell fuhren,so taugten diese Fahrzeuge doch nur zu einem Verkehr zwischen nahegelegenen Inseln oder größeren Landmassen, aber keineswegs zu weiteren Fahrten über den Ocean.
Die Vermuthung, daß noch andere Inseln in der Nähe lägen, wurde durch den weiteren Verkehr mit den Wilden bestätigt, woraus man mittelst der Gebärdensprache soviel verstehen konnte, daß manche unter ihnen im Kampfe mit den über See kommenden feindlichen Stämmen Wunden davongetragen hatten, deren Narben die Spanier an den Insulanern bemerkten.
Bevor wir den weiteren Verlauf der Entdeckungsfahrt schildern, müssen wir die Insel nachzuweisen suchen, welche Columbus zuerst betrat. Sicherlich umwebt ein historischer Glanz jene Stätte, wo die Menschheit der alten und neuen Welt sich zuerst einander entgegen trat, und doch muß man fast mit Beschämung gestehen, daß mit bindender Beweiskraft jene Insel nicht nachzuweisen ist. Nur eine größere oder geringere Wahrscheinlichkeit fällt ins Gewicht und läßt die Schale der Entscheidung sinken. Daß das Geschwader auf eine der flachen Koralleneilande gestoßen, welche als die dritte Gruppe der westindischen Inseln unter dem Namen der Bahama-Inseln am meisten bekannt ist, unterliegt keinem Zweifel; aber welche unter diesen den Ehrennamen S. Salvador verdient, ist streitig.
Die ENTDECKUNGEN des COLUMBUSauf seiner ersten Reise.Karte eine Theiles von Westindien, nach der englischen Admiralitätskarte No761.Gez. v. C. Riemer.G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Die ENTDECKUNGEN des COLUMBUSauf seiner ersten Reise.
Karte eine Theiles von Westindien, nach der englischen Admiralitätskarte No761.
Gez. v. C. Riemer.
G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.
❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:
Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:
Die Gruppe der Bahama besteht aus 12 größeren Inseln und über 600 Inselchen, ungerechnet die nach Tausenden zu zählenden Seeklippen. Dieselben sind auf einer Strecke von 150 deutschen Meilen in der Richtung von Südost nach Nordwest den großen Antillen vorgelagert und erstrecken sich von dem Norden Haitis bis gegen die Halbinsel Florida. Obwohl über einen so weiten Raum ausgedehnt, umfassen die meist in der Richtung des ganzen Zuges sich hinlagernden schmalen Inseln doch nur einen Flächenraum, welcher nicht ganz die Größe des Königreichs Sachsen erreicht. Sämmtliche Inseln bestehen aus Korallenbauten, welche sich auf submarinen Plateaus von Sandbänken oder Korallenkalk aufgesetzt haben. Ihre Höhe übersteigt nirgend 60m. Es sind also flache Eilande, meistens auch noch von Korallenriffen umschlossen und mit untiefen Korallenbänken untermischt, zwischen denen die Schifffahrt mit größter Vorsicht betrieben werden muß. Hie und da erheben sich am Strande niedere Kalkklippen. Viele der Inseln sind frisch grün, sogar bewaldet, aber es fehlt an frischen Quellen; die Teiche und Lagunen auf manchen dieser Eilande haben salziges oder brakisches Wasser, weil sie unterirdisch mit der See in Verbindung stehen. Wenn nun auch der Reichthum an Nutzhölzern immerhin erwähnenswerth ist, so konnte doch das Verlangen der Spanier nach Gold und Gewürzen auf den der See entstiegenen flachen Eilanden nicht befriedigt werden. Columbus hielt sich darum auch nur einige Tage an jeder der größeren Inseln auf und tastetean den Korallenbänken und Riffen hin, seinen Weg nach Südwesten, wohin ihn alle Indianer auf seine Fragen nach Gold wiesen. Denn alles Sinnen und Trachten des Entdeckers war auf das edle Metall gerichtet, sein Schiffstagebuch schreibt davon am 15. 16. 19. 22. und 27. October, am 4. 5. 6. 12. u. s. w. November; und grade diesem Verlangen konnten die Bahama-Inseln nicht entsprechen. Darum sind auch die späteren Entdeckungsfahrten nie wieder auf diese Korallengebilde gerichtet, dieselben wurden als gefährlich gemieden und höchstens aufgesucht, um Menschen zu fangen. Hierin haben wir auch einen Grund zu suchen, daß S. Salvador eigentlich verschollen ist. Der Hauptgrund aber, warum man die Insel nicht wieder findet, liegt in der mangelhaften astronomischen Bildung des Admirals. Er hatte sich zwar beim Beginn der Fahrt vorgenommen, neben einer genauen Segelanweisung auch eine Karte von den entdeckten Gebieten zu entwerfen, aber von einer Ausführung dieses Vorhabens ist nirgend mehr die Rede. „Im Tagebuche des Columbus findet sich während der ganzen Fahrt über den Ocean auch nicht eine einzige Breitenbestimmung, und die, welche er in Westindien angestellt haben will, sind so ungeheuerlich, daß sie schon seinerzeit Verdacht erregten; er gibt zum Beispiel an der Küste von Cuba eine Breite von 42° statt 21°. Es läßt sich nun einmal nicht abstreiten, daß Columbus einen sehr geringen Grad wissenschaftlich-nautischer Kenntnisse besaß.“[199]Und allein von diesen Thatsachen ausgehend, darf man behaupten, daß die von derVida del Almirantezuerst verbreitete Nachricht, Columbus habe in Pavia studirt (s. obenS. 220) auf Unwahrheit beruht; denn auf einer Universität wird man schwerlich gelehrt haben, was die roheste Empirie verräth, daß man die geographische Breite eines Ortes aus der Dauer des Tages abzuleiten habe. Und doch scheint aus dem Tagebuch hervorzugehen, daß Columbus auf diese Weise am 13. December 1492 rechnete. Es fehlt also in Beziehung auf die Lage von San Salvador jedweder Anhalt einer astronomischen Bestimmung; daher konnten die späteren Historiker bei ihren Vermuthungen drei volle Breitengrade von einander abweichen.
Man muß also auf anderem Wege die Lage der zuerst entdeckten Insel zu ermitteln suchen. Es liegt nahe, vor allem die ältesten Karten jener Inselwelt zu Rathe zu ziehen. Allein wir vermissen auf allen Darstellungen bis weit ins 17. Jahrhundert den Namen Salvador, sowie die folgenden von Columbus weiterhin ertheilten neuen Inselbenennungen. Schon die erste, von einem Begleiter des Entdeckers, um 1500 von dem Basken Juan de la Cosa entworfene Karte Amerikas (siehe die Beilage) führt nur die einheimischen Inselnamen und darunter auch Guanahani auf. Aber diese Karte ist hier so ungenau, daß Capitän Becher sie als ein altes Document bezeichnet, das den Namen einer „Karte“ nicht verdiene.[200]In gleichem Sinnehaben auch die späteren Kartographen die Bahama-Inseln sehr ungenau dargestellt, weil man sie für ziemlich werthlos hielt. War doch auch Peter Martyr der Ansicht, nachdem er die Antillen genau beschrieben, es sei überflüssig, diese Koralleninseln einer eingehenden Darstellung zu würdigen, weil die Spanier diese armen Inseln, wo man höchstens Fischfang und etwas Landbau treiben könne, aufgegeben hätten.[201]
Es scheint zwar noch einen andern Ausweg zu geben, das fragliche Guanahani zu ermitteln, indem man unter den Bewohnern des Archipels selbst sich erkundigte; denn da der Name von den Eingebornen ertheilt ist und die Sprache der Insulaner vermuthlich wenig Aenderung erlitten haben könnte, so müßte, sollte man meinen, auch der Name der Insel entweder sich noch erhalten haben oder doch noch in Erinnerung geblieben sein. Allein auch dieser Ausweg ist seit mehr als drittehalbhundert Jahren vollständig versperrt: die Urbevölkerung ist ausgestorben oder deutlicher gesagt, durch die Spanier vernichtet, und man darf nicht verhehlen, daß Columbus selbst den Anlaß dazu gegeben. Schon am 13. October schreibt er: „Diese gutartigen Menschen müssen ganz brauchbare Sklaven abgeben.“ Bei seiner Abfahrt entführt er von Salvador mehrere Insulaner mit Gewalt, „damit sie unsere Sprache lernen und uns Auskunft geben können über ihr Gebiet“. Als nun die Königin Isabella durch ein Edikt vom 30. October 1503[202]gestattete, die dem Christenthum und ihren neuen Unterthanen in Westindien feindlichen Canibalen wegzufangen und zu verkaufen, war damit dem Sklavenfang der Stempel der Berechtigung aufgedrückt; und fünf Jahre später erhielt eine spanische Gesellschaft die Erlaubniß, auch die Bahama-Insulaner einzufangen, angeblich um sie so leichter zum Christenthum bekehren zu können. Die ohnehin spärlich bewohnten Inseln waren bereits um 1525 dermaßen entvölkert, daß der fromme Pedro de Isla die letzten Bewohner, nur noch 11 Personen, zusammensuchen und nach Haiti bringen ließ, um sie vor seinen Landsleuten zu retten.[203]Damit war der Urstamm der dortigen Insulaner erloschen, und folglich aus ihrem Munde auch die Lage von Guanahani nicht mehr zu ermitteln.
Die neuern Historiker haben darum den einzigen noch möglichen Weg eingeschlagen, indem sie der von Columbus in seinem Tagebuche gegebenen Beschreibung seiner Fahrt, der Coursrichtung, den abgeschätzten Entfernungen von einer Insel zur andern, und der Schilderung einzelner Oertlichkeiten nachgingen. Die mancherlei Lücken des Berichts, die offenbaren Ungenauigkeiten, die aus falscher Schätzung der Verhältnisse entstanden, die Unklarheiten im Ausdruck haben diese kritische Spürarbeit erschwert und die abweichendenAnsichten verursacht. Die hauptsächlichen Meinungsverschiedenheiten sind auf der, einer englischen Admiralitätskarte entlehnten Darstellung jenes Inselgebiets, welche unserem Werke beigegeben ist (S. 249), zu ersehen.
Wenn wir diese Ansichten nicht historisch, sondern geographisch ordnen, so sehen wir, daß muthmaßlich der Schiffscours auf vier verschiedene Inseln gerichtet ist, welche von Nordwest nach Südost in folgender Ordnung sich aneinanderreihen: Cat Island, Watling Island, Mariguana (oder Mayaguana), Turk Islands.
Nach Cat Island führen den Entdecker W. Irving[204]und Alex. v. Humboldt,[205]nach Watling der treffliche spanische Geschichtsschreiber Muñoz[206]und Capitän Becher,[207]nach Mariguana läßt ihn Varnhagen[208]gelangen, nach den Turk-Inseln Navarrete.[209]Von diesen Erklärungsversuchen ist derjenige Navarretes mit Recht von den Neueren ganz aufgegeben, weil er dem Texte des Reiseberichtes weder nach der Beschreibung der zuerst betretenen Insel, noch in Bezug auf die später eingeschlagenen Course entspricht. Gegen Irving und Humboldt ist in erster Linie beizuwenden, daß Columbus nach dem Wortlaut seines Tagebuches die Insel Guanahani thatsächlich auf der Nordseite umsegelt hat, während nach der Vorstellung der beiden genannten Forscher San Salvador nur an seinem Südende berührt wurde. Ferner aber hat auch die im weitern Verlauf der Fahrt bis zur Nordküste Cubas gedachte Courslinie ihre großen Bedenken, weil dieselbe auf der Westküste von Long Island durch die ganze Breite der Bahamabank führen müßte, wo an manchen Stellen die Wassertiefe wenig über einen Faden mißt. Da Muñoz weiterhin bei der Erzählung der Fahrt zu den andern Inseln in der Bahamagruppe nur allgemein gehaltene Vermuthungen ausspricht über die Identität der von Columbus berührten Inseln, ohne sich eingehend mit der Prüfung der eingeschlagenen Richtungen und der berührten Oertlichkeiten einzulassen, so bleiben nur noch die Hypothesen Bechers und Varnhagens zu vergleichen. Beide haben auf das sorgsamste das Tagebuch des Columbus zu Rathe gezogen und alle darin enthaltenen Angaben für ihre Idee zu verwerthen gesucht. Es läßt sich nicht leugnen, daß für Varnhagen manche wichtige Momente sprechen, daß namentlich die fast rathlos erscheinenden Kreuzfahrten zwischen den nächst San Salvador besuchten Koralleninseln nach den Aufzeichnungen sehr geschickt erklärt sind und zu den angegebenen Courslinien der Schiffe passen. Allein zwei Momente von Bedeutung gestatten nicht, daß wir uns für Varnhagen erklären. Varnhagen hält nämlich Mariguana oder Mayaguana für San Salvador, und grade Mayaguana ist auf allen älterenKarten, von Juan de la Cosa an,neben, d. h. südöstlich von Guanahani eingetragen. Mögen nun auch die früheren Kartographen die Umrisse der einzelnen Inseln noch so ungenau und falsch gezeichnet haben, so ist doch bei allen die klare Ueberzeugung zu erkennen, daß sie Guanahani und Mayaguana als zwei verschiedene Inseln wollen betrachtet wissen. Sodann paßt auch die von Columbus gegebene Beschreibung der Insel nicht recht auf Mariguana. Und in dieser Beziehung trägt Bechers Ansicht entschieden den Sieg davon. Man muß dem englischen Capitän beipflichten, wenn er sagt: „Beides, Lage und Beschreibung dieser Insel (Watling Island) entspricht in jeder Weise dem Journal“ (des Columbus).[210]Man kann sogar behaupten, daß nur Watling auf die Beschreibung paßt, welche der Entdecker gegeben hat. „Diese Insel,“ sagt er, „ist ziemlich groß und ganz flach und hat sehr viel Bäume und viel Wasser und in der Mitte eine sehr große Lagune, aber keine Gebirge.“ Daß die Insel Süßwasserquellen besitzt, ist nicht gesagt.[211]Wir werden uns im Folgenden an die Auffassung von Becher halten, ohne indeß der Ansicht zu sein, daß die Untersuchung schon vollständig abgeschlossen sei.
Von S. Salvador steuerte Columbus nach Südwesten, berührte die kleine InselRum Cayund wandte sich von da nach dem Nordende vonLong Island, welche er S. Maria de la Concepcion nannte. Westlich davon fand er die dritte Insel,Groß Exumaund gab ihr den Namen Fernandina, zu Ehren des Königs. Widrige Winde hinderten ihn, dieses Eiland zu umsegeln, er kehrte nach Concepcion zurück und segelte, weil die Indianer Samaot oder Saomet als eine Localität nannten, wo man Gold finde, an der Ostseite von Long Island südwärts bis zum Cap Verde und suchte von hier aus, wobei die Schiffe getrennt ihren eigenen Cours gingen, ostwärts das Land Saomet auf. Nach drei Stunden Fahrt tauchte eine neue Insel auf: es war das gesuchte Saomet, jetztCrooked Insel, an deren Nordwestende die Schiffe sich wieder vereinigten. Sie erhielt den Namen Isabella, nach der Königin. Im Charakter glich dieselbe den übrigen, war schön bewaldet und etwas hügelig. Während die Schiffe an dieser Insel kreuzten, erhielt Columbus bestimmte Nachrichten von einer großen Insel gegen Süden. Die Indianer nannten sie Colba (Cuba), Columbus vermuthete, es sei Cipangu. So ging er am 24. October dahin unter Segel und wollte von da direct nach Quinsay fahren, um dem Großkaan die königlichen Briefe zu überreichen. Er war um so mehr überzeugt, daß er die Wunderinsel Cipangu vor sich habe, weildieselbe auf den Globen, die er gesehen, und auf den Weltkarten in dieser Gegend angegeben war.[212]
Zuerst ging die Fahrt nach Südwesten und dann, nachdem man am Abend des 26. October auf den Untiefen der Columbusbank vor Anker gegangen war, am folgenden Morgen südwärts. Bei Einbruch der Nacht wurde Land gesehen; da aber der Regen in Strömen fiel, konnte man sich demselben nur mit Vorsicht nähern. Am 28. October liefen die Schiffe in einen prachtvollen Fluß an der NordküsteCubasein, wahrscheinlich in Port Nipe. Columbus strebte unaufhaltsam vorwärts; und wenn er auch in begeisterten Worten die Pracht der entdeckten Inseln schildert, er will doch nicht eher anhalten, als bis er in genügender Menge Gold und Gewürze findet, um seine Schiffe damit zu befrachten, denn das ist der einzige Zweck seiner Unternehmung. Auf Cuba entzückten ihn die majestätischen Palmen, welche er von den afrikanischen verschieden fand. Von den Indianern wurde ihm gesagt, man brauche zwanzig Tage, um Cuba zu umschiffen. Es mußte demnach eine Insel sein. Als aber der Capitän der Pinta die abweichende Ansicht äußerte, unter Cuba müsse man eine Stadt verstehen, das vor ihnen liegende Land gehöre zu Asien und das weiter westlich gelegene Gebiet gehöre bereits zum Reiche des Großkaan, da ließ sich auch Columbus willig zu dieser Auffassung, welche seinen Wünschen und Zielen so sehr entgegen kam, bekehren und erklärte im Tagebuch bereits am 1. November: Cuba ist das feste Land von Asien, wir befinden uns vor Quinsay und Zaiton in einem Abstande von etwa 100 spanischen Meilen.[213]Martin Alonso, der Führer der Pinta, war aber zu seiner irrigen Annahme durch ein Wort der mitgenommenen Indianer verleitet, welche, als sie wiederholt die Fundstätten von Gold nachweisen sollten, den AusdruckCuba-nacāngebrauchten, was in ihrer Sprache soviel als die Mitte von Cuba bedeuten sollte, während die Spanier das Wort als „Kaan oder Can von Cuba“ deuteten. Später brachte Columbus auch den Ausdruck Caniba, mit dem die furchtsamen Stämme der kleinen Inseln ihre gefährlichen Nachbarn, welche die erschlagenen Feinde verzehrten, mehrfach bezeichneten, mit dem „Kaan“ in Zusammenhang und meinte, unter Canibalen seien die Unterthanen des Großkaan zu verstehen.
In welchem Theile des indischen Meeres er damals sich zu befinden glaubte, wird auch noch durch die befremdende Bemerkung des Tagebuches genauer bestimmt, daß er noch keineSirenengefunden habe. Es findet sich nämlich auf dem Behaim’schen Globus zwischen den Inseln, welche westlich von Cipangu gezeichnet sind, die Inschrift: „Hie findt man vil merwunder vonserenenund anderen Fischen.“ Man darf wohl annehmen, daß Behaim manche seiner Inschriften von anderen Karten, die ihm in Portugal bekannt geworden waren, entlehnt hat, und daß dergleichen Bemerkungen auf den Weltkarten zu lesen waren, welche der Entdecker eingesehen hatte oder bei sich führte.
Nach allen diesen merkwürdigen Trugschlüssen scheint es nun ganz natürlich, daß Columbus danach strebte, sich möglichst bald mit dem Großkaan in Verbindung zu setzen. Daher schickte er bereits am 2. November zwei Spanier ans Land: Rodrigo de Jerez und den gelehrten Juden Louis de Torres, der Hebräisch, Chaldäisch und sogar etwas Arabisch verstand. Zugleich sandte er mit ihnen zwei Indianer; gemeinschaftlich sollten sie das Land ausforschen, dem König die Briefe aus Spanien überreichen, und sich unterwegs nach Gewürzen erkundigen, zu welchem Zwecke ihnen sogar Proben der verschiedensten Spezereien mitgegeben wurden. An Stelle des Geldes erhielten sie Perlenschnüre, um sich Lebensmittel dafür einzutauschen.
Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten, sie seien 12 Meilen zu einem Orte von 50 Häusern und etwa 1000 Einwohnern gekommen. Man hatte sie nach Landessitte feierlich empfangen und in den besten Häusern untergebracht. Die Indianer küßten ihnen Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels hielten. Die Vornehmsten des Dorfes trugen sie auf ihren Armen zu dem größten Gebäude und ließen sie niedersitzen; auch die Frauen erschienen sodann und erwiesen ihnen gleiche Verehrung wie die Männer. Auf die Frage nach Gewürzen, von denen man den Eingebornen die Proben vorlegte, zeigten diese nach Süden, wo dergleichen Produkte gedeihen sollten. Bei ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die daraus gefertigten Rollen, welche man anzündete und deren Rauch man einsog,tabaco. Der Admiral fügte diesem Berichte die Hoffnung hinzu, daß die spanischen Majestäten bald Geistliche herübersenden würden, um die zahlreichen Völker zum rechten Glauben zu bekehren.
Am 12. November lichtete er die Anker, um seine Entdeckungsfahrt weiter fortzusetzen. Mit günstigem Fahrwind steuerte er an der Nordküste Cubas weiter gegen Nordwesten. Mit Entzücken spricht er von dem Reichthum an Gold, Perlen und Spezereien und hofft bald die großen Städte des Kaans zu erreichen. Da sich aber die Küste immer weiter gegen Nordwesten zog, und Columbus fürchtete, in den Winter hineinzukommen (denn nach einer ganz fehlerhaften Beobachtung glaubte er schon bis zur Breite von Spanien, bis zum 42° n. Br. vorgedrungen zu sein), und da ferner seine indianischen Begleiter wiederholt die Insel Babeque als besonders goldreich nannten und behaupteten, dieselbe liege weiter nach Osten, so ließ Columbus am 13. November die Schiffe wenden und wieder nach Osten steuern. Er war etwa bis zum 77½° westlich von Greenwich gelangt.[214]
Am folgenden Tage (am 14. Nov.) glaubte er in der Nähe der zahllosen Inseln sich zu befinden, welche auf den Weltkarten im äußersten Osten, Asien vorgelagert, gezeichnet sind. Diese phantastische Inselwelt fand sich also wahrscheinlich bei Toscanelli in ähnlicher Weise dargestellt, wie auf dem Globus Behaims. Von diesen Vorstellungen war Columbus ganz erfüllt und wie in einem Banne gefangen. Nie hat er sich von diesen Anschauungen losmachen können und schloß dann später daraus, daß, da er nach seiner Schätzung nicht so weit von den Canarien entfernt war, als man nach der Darstellung der ihm vorliegenden Karten erwarten konnte, die Erde einen geringeren Umfang besitze, als die Kosmographen auf die Autorität der Alten hin allgemein annahmen.
Mit widrigen Winden kämpfend ging Columbus an der Nordseite Cubas wieder zurück nach Osten. Als er am 21. November, nahe der östlichen Spitze der Insel, sich genöthigt sah, die Küste zu verlassen und gegen Nordosten weit ins Meer hinauszusteuern, so daß er bereits den halben Weg nach der Bahama-Insel Isabella zurückgelegt hatte, entfernte sich am Abend die Pinta heimlich von den andern Schiffen, um auf eigene Hand das goldreiche Babeque aufzusuchen. Der Admiral selbst wandte sich wieder nach Cuba zurück. Entzückt von der Schönheit dieses Theils der Insel schrieb er am 27. November, tausend Zeugen genügten nicht, alle die Herrlichkeiten zu preisen, und seine Hand sei nicht im Stand, die Wunder, die ihn umgäben, zu beschreiben. In dem milden, lieblichen Klima, welches von demjenigen an der Guineaküste durchaus verschieden sei, befände sich die ganze Mannschaft wohl, nicht ein Einziger sei krank. Aber, setzt er hinzu, die spanischen Majestäten dürften keinen Menschen, der nicht gut katholisch sei, gestatten, dies Paradies zu betreten. „Denn das ist das Ziel der Entdeckungen gewesen, die ich auf Befehl Ew. Maj. gemacht habe, und die nur unternommen sind, den christlichen Glauben zu verbreiten und zu verherrlichen.“
Am 5. December steuerte er von der Ostspitze Cubas, dem C. Maysi, dem er den Namen Alpha und Omega gab, weil er dasselbe für den äußersten Vorsprung Asiens hielt, nach Haiti hinüber und erreichte die Nordwestspitze dieser Insel am folgenden Tage. Wegen der Aehnlichkeit mit südspanischen Landschaften benannte der Entdecker sie Espagnola.[215]Sie schien noch herrlicher als Cuba. „Ihre Berge und Ebenen, ihre Auen und Fluren sind so schön und üppig. Hier könnte man alle Feldfrüchte bauen, alle Arten Vieh züchten,Städte und Dörfer gründen. Die Küste ist reich an Häfen; die Menge und Größe der Flüsse, von denen die meisten Gold in ihrem Sande mit sich führen, übertrifft alles.“ Acht Tage später glaubte er ganz nahe jener Gegend zu sein, wo die Erde die größten Reichthümer birgt, und er hoffte, daß Gott ihn bald in die ergiebigsten Goldfelder führen werde. Dieser lebhafte Wunsch wird zum täglichen Gebet und Stoßseufzer. Möge der Herr nach seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Die letzten Tage der Fahrt waren sehr mühevoll gewesen, Columbus hatte zwei Tage lang kein Auge zugethan. Da die See ruhig geworden, begab er sich am Abend des 24. December, erschöpft von Anstrengungen, in seine Cajüte, um auszuruhen. Er wußte das Steuer in sicherer Hand; aber auch der Pilot hatte das Bedürfniß nach Ruhe empfunden und unverantwortlicher Weise die Leitung des Fahrzeuges einem Schiffsjungen überlassen. So kam es, daß kurz vor Mitternacht die Santa Maria auf eine Untiefe gerieth und auf eine Sandbank stieß. Auf das Geschrei des unerfahrenen Steuermanns eilte der Admiral sofort herbei, allein das Schiff war nicht mehr zu retten. Die bestürzte Mannschaft wollte sich zum Theil auf die nicht weit entfernte Niña retten, fand aber, als sie mit dem Bote dort anlangte, mit Recht keine Aufnahme, denn das Meer war vollkommen ruhig. Als nun aber bei zunehmender Ebbe das Hauptschiff sich stark auf die Seite zu neigen begann, ließ Columbus den Hauptmast kappen, um das Fahrzeug zu erleichtern; aber umsonst, das Schiff neigte sich immer mehr und füllte sich mit Wasser. Da die Windstille glücklicherweise anhielt, wurde mit Hilfe des Capitäns der Niña, Vicente Yañez Pinzon, nicht nur die Mannschaft des gescheiterten Schiffes gerettet, sondern am nächsten Tage ein großer Theil der Ladung geborgen. Hierbei halfen auch zahlreiche Indianer, mit denen Columbus bereits in freundschaftlichen Verkehr getreten war, und deren Häuptling Guacanagari die geretteten Sachen bewachen ließ.
Der Admiral hielt den Schiffbruch für eine unmittelbare Fügung Gottes, der ihn dadurch gleichsam auf die in der Nähe befindlichen, sehr goldreichen Gebiete hinführen wolle.[216]In diesem Glauben wurde er noch besonders durch den Namen einer Landschaft in Haiti bestärkt, welche die Indianer Cibao nannten und welche Columbus, durch die Aehnlichkeit des Klanges getäuscht, für Cipangu hielt. Da nun das Volk sehr gutmüthig schien und viel Gold in der Nähe zu finden sein sollte — hatte man doch den Spaniern schon mancherlei goldenen Zierat und dünne Goldblättchen gegeben —, da ferner der Boden des Küstenlandes eine üppige Fruchtbarkeit zeigte, so beschloß Columbus hier eine Colonie anzulegen, um so mehr, als in dem einzigen kleinen Fahrzeuge, welches ihm noch geblieben war, die ganze Mannschaftnicht untergebracht und nach Spanien zurückgeführt werden konnte. In diesem Plane wurde er noch dadurch unterstützt, daß sich viele Matrosen freiwillig erboten, zurückzubleiben, die sich schmeichelten, durch einträglichen Tauschhandel ihre Goldgier in kurzer Frist befriedigen zu können. So wurde auch der Admiral über den Verlust seines Schiffes bald beruhigt und schrieb am zweiten Weihnachtstage: „Ich hoffe zu Gott, daß ich bei meiner Zurückkunft von Castilien hieher eine Tonne Goldes finden werde, welche die Hierbleibenden eingetauscht haben, und daß diese inzwischen die Goldminen selbst und die Spezereien in solcher Fülle entdeckt haben, daß, ehe drei Jahre vergehen, der König und die Königin die Eroberung Jerusalems in Angriff nehmen können. Denn das war — ich bezeugte es vor Ew. Maj. — mein Verlangen, durch meine Unternehmung die Mittel zur Eroberung Jerusalems zu schaffen. Ew. Maj. lachten darüber und sagten, daß ihnen das gefalle, daß sie aber auch ohne dies bereit seien, die Entdeckungsfahrt zu unterstützen.“ Dies sind, fügt Las Casas hinzu, die eigenen Worte des Columbus.[217]
In der neuen Colonie, welche den Namen Navidad (Weihnachten) erhielt, blieben 39 Spanier zurück. Am 4. Januar 1493 nahm Columbus Abschied und steuerte der Heimat zu. Zwei Tage darauf traf er zufällig wieder mit der Pinta zusammen, welche seit jener Zeit, wo sie im November sich getrennt, zuerst die Insel Groß-Inagua (nördl. von dem Canal, welcher Cuba von Haiti trennt) und dann die östlichen Theile von Haiti besucht hatte. Hier war sie dem Admiral zuvorgekommen und hatte viel Gold eingetauscht, für ein Stück Schnur hatte Pinzon schöne, zwei Finger lange, selbst handgroße Goldstufen erhalten.[218]Martin Alonso kam zum Admiral an Bord der Niña und entschuldigte sich wegen seiner Sonderfahrt, welche nur durch die ungünstigen Verhältnisse veranlaßt und gegen seinen Willen geschehen sei. Columbus glaubte ihm zwar nicht, aber er zeigte sich mit der Erklärung zufriedengestellt, „um den Lockungen des Satans nicht nachzugeben, welcher diese Reise von Anfang an zu hindern gesucht hatte“.
Von nun blieben beide Schiffe zusammen. Am 13. Januar fand der erste blutige Zusammenstoß mit Indianern statt, bei welchem zwei derselben schwer verwundet wurden. Am 16 Januar verließen sie bei dem Cap Samana (19° 18′ n. Br., 69° 8′ w. L. Gr.) die Insel Haiti und steuerten über denOcean zurück. Die Fahrt ging bis zum 12. Februar ohne Unfall von statten, aber in den folgenden Tagen überfiel sie ein heftiger Sturm. Auf der Niña gelobte Columbus eine Walfahrt nach Loreto und Guadelupe, je nachdem das Los einen von der Mannschaft dazu bestimmte; auch verpflichteten sich alle, am nächsten Lande, wohin sie sich retten würden, im Bußgewande eine Procession zu machen und der heiligen Mutter ihr Dankgebet darzubringen. Als in der Nacht vom 13. zum 14. Februar die Gefahr aufs höchste stieg, und die kleinen Fahrzeuge sich unter der Wuth der Elemente kaum noch über Wasser hielten, so daß Columbus das schlimmste fürchtete, traf er Vorkehrung, um womöglich wenigstens eine Kunde seiner Entdeckungen nach Europa gelangen zu lassen und ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise sorgfältig in Segeltuch einpacken und in einem wasserdichten Kistchen verwahrt über Bord werfen, in der Hoffnung, daß die Wellen und die Strömung die Botschaft irgendwohin ans Gestade tragen möchten. Am 15. Februar kam die südöstlichste der Açoren, Sa. Maria, in Sicht, aber erst am 17. konnten sie landen. Die Hälfte der Mannschaft zog in Procession zur Kapelle der Mutter Gottes, aber der portugiesische Gouverneur der Insel Juan da Castañeda ließ sie während der Andacht überfallen und gefangen nehmen. Erst nach Verlauf mehrerer Tage, während welcher das Unwetter von neuem losbrach und auf der unsichern Rhede die Schiffe von den Ankern riß, erhielt Columbus seine Leute zurück, nachdem er den Abgesandten des Statthalters seine königlichen Vollmachten vorgezeigt hatte, welche ihn zu seiner Reise autorisirten. Um sich weiteren Unannehmlichkeiten zu entziehen, ging der Admiral am 24. wieder unter Segel; aber am 3. März Abends brach ein so wüthender Orkan los, daß die Schiffe von einander getrennt und der Segel beraubt ein willenloser Spielball der aufgeregten Elemente wurden. Glücklicherweise beruhigte sich die See am andern Morgen, je näher sie dem Lande kamen und zu ihrem großen Entzücken erkannte die Mannschaft in der hochaufsteigenden Küste das Cintragebirge an der Mündung des Tajo. Das Schiff des Columbus gelangte glücklich in den Hafen von Lissabon, wo sich die Kunde von der staunenswerthen Reise, welche durch das Erscheinen der mitgenommenen Indianer beglaubigt wurde, rasch verbreitete und gewaltiges Aufsehen machte. Das portugiesische Wachtschiff verlangte, Columbus solle an Bord kommen und über sein Unternehmen Auskunft geben; dieser aber, im Bewußtsein seines hohen Ranges als castilischer Admiral lehnte die Forderung ab und sandte nur seine königlichen Vollmachten. Sofort wurde dem Könige Johann II., welcher sich in Valdeparaiso bei Santarem, oberhalb Lissabon am Tajo aufhielt, die Nachricht von dem großen Ereigniß überbracht, und dieser lud den glücklichen Entdecker ein, an den Hof zu kommen. In der am 9. März stattfindenden Audienz wurde Columbus freundlich empfangen, wenn auch der König äußerte, daß nach den wiederholten Schenkungen der Päpste und den Verträgen mit Castilien die neuentdeckten Länder von Rechtswegen ihm gehören müßten. Aus solchen Aeußerungen glaubten einigeHofleute entnehmen zu dürfen, daß sie ihrem Könige einen großen Gefallen erwiesen, wenn sie den Genuesen beseitigten. Sie erboten sich, mit demselben wie von ungefähr Händel anzufangen und ihn zu tödten, um so die Entdeckung für immer zu vernichten. Aber der König wies solches Ansinnen entschieden zurück und entließ seinen Gast unter Gnadenbezeugungen. — Columbus segelte am 13. März von Lissabon ab und langte nach zwei Tagen glücklich an der Barre von Saltes vor Palos an. An demselben Tage kam auch Alonso Pinzon mit seinem Schiffe dahin zurück. Er war nach der Nordwestküste Spaniens, nach Galicien verschlagen worden, hatte von dort aus die erste Kunde der glücklichen Heimkehr an den König von Spanien gelangen lassen und um Audienz gebeten, war aber dahin bedeutet worden, daß er nur im Gefolge seines Admirals zu erscheinen habe. Diese Zurücksetzung kränkte ihn so tief, daß er bald darauf starb. Unzweifelhaft war er der bedeutendste unter den Begleitern des Columbus, was schon daraus hervorgeht, daß er auf eigne Hand auf Entdeckungen ausging, indem er sich von Columbus trennte, wenn auch nicht geleugnet werden darf, daß er durch dieses eigenmächtige Verfahren den Erfolg der kühnen Unternehmung im ganzen in Frage stellte. Erst später hat die spanische Krone diese Verdienste anerkannt, indem sie die Nachkommen Alonso’s in den Adelsstand erhob.
Unter dem Jubel des Volkes zog Columbus in Palos ein und ging von da nach Sevilla. Durch Eilboten wurden die kgl. Majestäten, welche zu jener Zeit in Barcelona Hof hielten, von der glücklichen Heimkehr und dem glänzenden Erfolg der Expedition in Kenntniß gesetzt. Durch ein königliches Schreiben vom 30. März wurde der Entdecker eingeladen nach Barcelona zu kommen; zugleich wurde die Ausrüstung einer großen Flotte nach dem Wunsche des Admirals angeordnet und ihm selbst die Ertheilung der verheißenen Titel und Würden zugesagt. Mit allen Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten Indiens, welche er auf seiner Fahrt gesammelt hatte, und mit einigen der entführten Indier brach Columbus von Sevilla auf und zog wie im Triumphzuge durch ganz Spanien. Die Kunde von den unerhörten Entdeckungen flog durchs Land, überall strömte das Volk zusammen, um den Bezwinger des Oceans zu sehen und seine Wunderdinge anzustaunen. So zog er in der Mitte des April in Barcelona ein.[219]Bei Hofe wurden ihm die höchsten Ehren zu Theil, in öffentlicher Audienz lud man ihn ein sich zu setzen, was als die höchste königliche Gnadenbezeugung galt,[220]und von seiner Fahrtzu erzählen. Da Columbus gegen Ausgang und zum Schluß seiner Reise zwei ziemlich gleichlautende Berichte in Briefform über den Erfolg seiner Entdeckungsfahrt abgefaßt und dieselben, den einen „auf der Höhe der Canarischen Inseln,“ am 15. Februar 1493 unter der Adresse des Geheimsecretärs Luis de Sant-Angel[221]an den König und die Königin gerichtet und den andern von Lissabon aus am 14. März an den königlichen Schatzmeister Rafael Sanchez[222]gesandt hatte, und da in diesen Schreiben der Gesammtgewinn der Unternehmung zusammengestellt ist, so darf man wohl annehmen, daß der mündliche Bericht an die Majestäten in ähnlicher Weise, wenn vielleicht auch in glühenderen Farben und in wärmeren Worten erfolgt ist. Jedenfalls lernen wir aus jenen Schreiben die Anschauungen und Hoffnungen des Admirals deutlich erkennen. Daß er wirklich im indischen Meere gewesen, bezweifelt er keinen Augenblick. Wenn auch die volkreichen Städte und Seeplätze mit ihren Gewürzfrachten, die im äußersten Asien liegen, noch nicht gefunden sind, so haben doch die großen neuentdeckten Inseln so viele werthvolle Produkte, und verheißen in ihren goldführenden Flüssen eine so reiche Ernte des edelsten Metalles, daß das zweite Ziel und die zweite Aufgabe, welche der Entdecker sich gestellt hat, das heilige Land wieder zu gewinnen, bald wird in Angriff genommen werden können. So viel steht fest, daß die Zweifler und Spötter verstummen werden „denn Gott hat auf so wunderbare Weise alles bestätigt, was ich behauptet habe gegenüber den Meinungen hochgestellter, einflußreicher Persönlichkeiten, welche meinen Plan für Träumerei und mein Vorhaben für ein Hirngespinnst hielten“. „Aber daß dieses große Unternehmen so glänzend verlaufen, ist nicht mein Verdienst, sondern dasselbe gebührt dem heiligen katholischen Glauben und der Frömmigkeit unserer Monarchen, weil, was der menschliche Geist nicht zu fassen vermag, doch der göttliche Geist den Menschen gibt. Denn es erhört Gott die Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann, wenn sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen. So habe auch ich Erfolg gehabt in meinem Unternehmen, welches bis jetzt menschliche Kraft überstieg; denn wenn bisher einige über diese Inseln geschrieben oder gesprochen haben, so geschah es doch nur in der Form von Muthmaßungen, da noch niemand dieselben gesehen hatte, so daß das ganze fast für Fabel gehalten wurde. Deshalb mögen nun der König und die Königin, die Fürsten und ihre glücklichen Staaten, so wie alle anderenLänder der Christenheit, wir alle, dem Erlöser unserm Herrn Jesu Christo danken, daß er uns einen solchen Sieg verliehen hat. Es mögen Processionen begangen und heilige Feste gefeiert, die Tempel mit grünen Zweigen geschmückt werden. Christus mögen auf Erden jubeln, wie im Himmel, wenn er so vieler Völker bis hieher verlorene Seelen gerettet sieht. Auch wir wollen uns freuen über die Erhöhung unseres Glaubens, über den Zuwachs an weltlichen Gütern, an denen in Zukunft nicht blos Spanien, sondern die ganze Christenheit theilhaben wird.“