Chapter 25

Rüstung von Ferdinand Cortes (Madrid, Waffenmuseum).

Rüstung von Ferdinand Cortes (Madrid, Waffenmuseum).

Cortes war von hoher kräftiger Gestalt, der Ausdruck seines bleichen Gesichtes war gewöhnlich ernst; er trug einen dünnen, schwarzen Bart, den er in späteren Jahren, als er ergraute, zu färben liebte. Er war ein vorzüglicher Reiter und in jeder Kampfesart, zu Fuß oder zu Roß, sehr gewandt. Als junger Mann soll er auf Hispaniola manchen Liebeshandel mit Frauen und manchen Degenkampf mit Männern bestanden haben. Bei einer solchen Gelegenheit war er im Gesicht verwundet und trug davon am Kinn eine Narbe, welche der Bart nicht ganz verdeckte. Karten- und Würfelspiel liebte er auch noch im Lager, aber er blieb dabei stets, auch wenn er verlor, guter Laune. Seine äußere Erscheinung, seine Haltung, sein Gang, sein Benehmen verriethen den Mann von hohem Stande. Er kleidete sich einfach und trug als einzigen Schmuck immer dieselbe zierliche Goldkette mit dem Bilde der Mutter Gottes. Auf der Universität hatte er sich den Grad eines Baccalaureus der Rechte erworben, und durch diese seine wissenschaftliche Bildung überragte er alle seine Kriegsgenossen und sämmtliche Conquistadoren, welche sich in der neuen Welt als Heerführer einen Namen erwarben. Mit gelehrten Leuten verstand er Lateinisch zu reden. Er schrieb fließend und gewandt und pflegte seine Briefe mit lateinischen Citaten zu schmücken. Seine ausführlichen Berichte an den König Karl, in denen er eine klare Darstellung seiner Kriegsthaten gegeben, gehören zu den werthvollsten Urkunden der Geschichte der spanischen Eroberungen, sie fesseln durch die Schlichtheit und Natürlichkeit, welche den Stempel der Wahrheit an sich trägt. Sie zeigen uns den ganzen Mann, klar und entschieden in seinem Wollen, umsichtig in seinen Plänen, rastlos thätig, immer bemüht zu schaffen, zu ordnen. Denn er war Feldherr und Staatsmann zugleich und besaß einen weiten politischen Blick.

Als Heerführer im Kampfe war er kühn, fast tollkühn. In der Schlacht zeigte er sich stets allen voran und gerieth dabei mehrfach in höchste Lebensgefahr. Bei seinen kriegerischen Unternehmungen war er unbeugsam, es mochte kosten was es wollte, und er ließ trotz aller gutgemeinten, aber ängstlichen Rathschläge nicht ab, bis er sein Ziel erreicht. Manches Beispiel seiner treffenden Reden, mit denen er in gefährlicher Lage sein Kriegsvolk zu ermuntern pflegte, hat uns Bernal Diaz aufbewahrt. Wenn seine Soldaten unruhig und mismuthig wurden und ihn durch ihre Reden in Zorn brachten, dann schwoll ihm eine Ader am Hals und an der Stirn, er warf wohl auch in der Aufregung den Mantel von sich, aber nie ließ er ein Schimpfwort hören. Redete ihn jemand ungebührlich an, so rief er, ohne heftig zu werden. „Schweigt!“ oder „Geht in Gottes Namen und besinnt Euch eines Besseren, daß Eure Rede Euch nicht bösen Lohn bringt.“ Sein gewöhnlicher Schwur war: „Auf mein Gewissen!“ Schlagfertig in seinenAntworten, setzte er unter die Spottverse, welche man nach der Eroberung Mexiko’s, enttäuscht über die geringe Beute an Gold, in der Nähe von Cortes’ Wohnung an die Wand geschrieben hatte, sofort seine Erwiderung in Versen und brachte dadurch die Murrenden zum Schweigen. Im Dienste war er sehr pünktlich und inspicirte die Wachen selbst bei Nacht persönlich. Wo er Unordnung fand, nannte er die Leute räudige Schafe, denen die eigne Wolle zur Last sei.

Im Beginn seines Feldzuges gegen Mexiko war es ein staatskluger Schritt von der höchsten Wichtigkeit, daß er nach mehreren Siegen das tapfere Volk der Tlascalaner für seine Partei zu gewinnen wußte. Aber der romantische Zug, welcher der ganzen spanische Ritterschaft jener Zeit im hohen Grade eigen war, ließ ihn auch nach der Eroberung des aztekischen Reiches noch nicht zur Ruhe kommen. Der Gedanke einer mittelamerikanischen Meerenge, welche sein Neuspanien unmittelbar an die Hauptstraße des beginnenden Weltverkehrs verlegen sollte, trieb ihn nach Honduras und Californien. Und erst als ihm die Weiterführung dieser, wie wir jetzt erkennen, fruchtlosen Unternehmungen versagt wurde, zog er sich von dem Schauplatze seiner Thätigkeit zurück. Die Anerkennung aber seiner Verdienste um die spanische Krone findet ihren charakteristischen Ausdruck in dem Wappen, welches ihm Kaiser Karl am 7. März 1525 verlieh. Das Wappenschild (escudo de armas) des Marques de Valle umfaßt vier Mittelfelder, rechts oben den kaiserlichen, doppelköpfigen schwarzen Adler, darunter rechts unten einen goldenen Löwen in rothem Felde, um den Löwenmuth des Cortes anzudeuten. Links oben zeigten sich drei goldene Kronen auf schwarzem Grunde, sie stellten die drei mexikanischen Könige vor. Im letzten Felde, links unten, erschien die Stadt Mexiko. Rings um den vierfeldigen Mittelschild standen die Köpfe der sieben bezwungenen Fürsten im goldenen Felde, durch eine goldene Fessel an einander gekettet. So waren seine Thaten auf dem Wappenschild verherrlicht. Wenn ihm in späteren Jahren die Verwaltung von Neuspanien entzogen wurde und nur das Heer untergeben blieb, so liegt die Ursache dieser für Cortes demüthigenden Maßregel der Regierung wohl weniger in dem Einfluß der Verleumdungen und Intriguen seiner Feinde, als in der Erwägung, daß Cortes sich durch einen ungesetzmäßigen Schritt von dem Statthalter von Cuba losgerissen hatte, und daß man für die Folgezeit den Act der Felonie nicht sanctioniren wollte. Dessen ungeachtet bleibt Cortes eine der anziehendsten Gestalten in der Geschichte der spanischen Eroberungen.

Im weiten Umkreise des mexikanischen Golfes hatten die nördlichen Gestade längere Zeit weniger Beachtung gefunden und die Eroberungslust der Spanier nicht gereizt. Nach dem ersten Versuche Juan Ponçe’s (s.S. 355) im Jahre1513 war die Aufmerksamkeit der Eroberer mehr nach den im Südwesten der Antillen gelegenen Regionen gerichtet, als nach Nordosten und Norden, bis in den Jahren 1519 und 1520 kurz nach einander mehrere Expeditionen ausliefen, um in jenen Gebieten festen Fuß zu fassen oder Menschenjagden anzustellen.Juan Ponçeversuchte 1520 noch einmal mit 200 Mann sich auf Florida festzusetzen, wurde aber von den kriegerischen Einwohnern, welche ausgezeichnete Bogenschützen waren, so energisch abgewiesen, daß er, selbst schwer verwundet, seinen Plan aufgeben und nach Cuba zurückweichen mußte, wo er seinen Wunden erlag.

Fast um dieselbe Zeit schickte der LicentiatLucas Vasquez Ayllonvon Haiti aus zwei Schiffe an die Ostküste von Florida, um Indianer einzufangen, welche auf den Antillen als Arbeiter verwendet werden sollten. Der Küstenstrich am atlantischen Ocean etwa zwischen 32 und 34° n. Br. hieß bei den Eingebornen Chicora und Gualdape. Man benannte dort die S. Helenabai[414]und den Jordanfluß, welcher, nach Vergleich der älteren Seekarten, mit dem Flusse von Charleston identisch zu sein scheint. Das Land machte einen so günstigen Eindruck, daß Ayllon, dem Bericht seines ausgesandten Piloten trauend, sich in dem Land festzusetzen beschloß und sich mit dem indischen Amte in Spanien in Verbindung setzte, worauf er von diesem unter dem Titel eines Adelantado die Ermächtigung erhielt, jene Länder zu erobern. Er verpflichtete sich zu gleicher Zeit, die Küsten weiterhin zu erforschen und namentlich nach einer Meeresstraße auszuspähen, welche den östlichen und westlichen Ocean verbinden sollte.

Im Jahre 1526 segelte er mit sechs Schiffen und 500 Mann nach dem Jordanflusse; bei der Einfahrt in denselben ging sein Hauptschiff sammt allen Vorräthen unter. Die indianischen Dolmetscher, welche man zur Verständigung mit den Eingeborenen mitgebracht hatte, entflohen und ließen die Spanier rathlos am Strande, dessen niedriger, unfruchtbarer Boden ihren Erwartungen keineswegs entsprach. Man versuchte etwa 40 Meilen weiter nordwärts bessere, günstigere Verhältnisse zu finden, ging dahin unter Segel und lief in einen seichten Fluß ein, dessen Barre nur mittelst der Flut zu passiren war. Das Land war fruchtbarer, aber auch ungesund. Viele der neuen Ankömmlinge starben noch in demselben Sommer; im Herbst (18. October) 1526 erlag auch Ayllon, und nun hielt sich die auf 150 Mann zusammengeschmolzene Schar nicht weiter verpflichtet, sondern verließ den ungastlichen Strand und kehrte nach Westindien zurück. Lange Zeit noch heißt diese Gegend auf den Karten Ayllon’s Land, aber weitere Colonisationsversuche wurden nicht gemacht.

Die Nordküste des mexikanischen Golfes enthüllt zu haben, ist das Verdienst des Statthalters von Jamaica,Francisco de Garay, welcher bereitsdie zweite Fahrt des Columbus mitgemacht hatte und nun von dessen Sohne mit der Verwaltung von Jamaica betraut war. Garay entsandte den tüchtigen CapitänAlonso Alvarez de Pinedamit vier Schiffen, um einen größeren Golf oder eine Meeresstraße in dem Festlande zu entdecken.[415]Pineda begann seine Küstenaufnahme am Nordende der Halbinsel Florida bei der Apallacheebucht und verwendete, alle Krümmen der Küste genau vermessend, 8 bis 9 Monate darauf, ehe er an die Grenzdistrikte von Mexiko gelangte. Das Land war anmuthig, die Indianer, welche mit den Seefahrern friedlich verkehrten, nannten es Amichel. Man berührte eine größere Anzahl indianischer Ortschaften, glaubte auch in den Flüssen Spuren von Gold zu entdecken, war entzückt, dieses Metall bei den Eingeborenen vielfach als Schmuck verwendet zu finden und lief auch mehrere Meilen weit in einen mächtigen Strom hinein, dem der Name Rio del Espiritu santo ertheilt wurde. Ohne Zweifel haben wir in diesem „Heiligengeist-Flusse“ den Mississippi vor uns. Dort blieb die Flotille 40 Tage. Daß die Entdecker in der Freude über ihren Fund die Natur des Landes zu günstig beurtheilten, oder in Bezug auf das Vorkommen von Gold sich angenehmen Selbsttäuschungen hingaben, hat sich zu oft wiederholt, um besonders aufzufallen; allein wenn sogar auch die einheimischen Menschenstämme in Giganten und Zwerge zerfallen sollten, so wären solche Berichte wohl geeignet gewesen, besonneneres Urtheil und ruhige Erwägung zu veranlassen, sofern es sich um weitere Ausdehnung der Eroberungspläne handelte; allein grade das Wunderbare in diesen Berichten lockte an und reizte die Habgier der Spanier.

Pineda fuhr vom Mississippi bis in die Gegend von Vera Cruz, wo bei einer Landung ein Theil seiner Leute dem Cortes in die Hände fiel. Hier mußte bald eine bestimmte Grenze zwischen dem Garay-Lande und Cortes-Lande (Mexiko) gezogen werden. Die Krone Spaniens entschied, daß der Rio Panuco (Tampico) die Gebiete der beiden Eroberer scheiden solle. Im Jahre 1523 ging nun Garay selbst mit elf Schiffen und bedeutender Mannschaft nach dem Palmenflusse, nördlich von Panuco, um dort eine Niederlassung in der Nähe von Mexiko zu gründen. Aber kaum waren die Truppen gelandet, so lief bereits ein Theil zu Cortes über, unter dessen Fahnen mehr Beute in Aussicht stand. Garay selbst mußte sich seinem glücklichen Rivalen ebenfalls ergeben, blieb im Lande und starb in Mexiko. Nach seinem Tode verlieh der König von Spanien die nördliche Golfküste an Narvaez.

Pamfilo de Narvaezfaßte 1528 die Eroberung dieses Gebietes von neuem ins Auge. Cortes gegenüber hatte er zwar eine empfindliche Schlappe erlitten und in dem nächtlichen Kampf ein Auge verloren; allein sein Unternehmungsgeist erwachte wieder. Sein Name hatte immer noch Klang genug, um Mannschaften, welche das Abenteurerleben nach der neuenWelt hinübergeführt hatte, unter seiner Fahne zu sammeln. Er ging mit 400 Mann und 80 Pferden in vier Schiffen nach dem Hafen Sa. Cruz in Florida, wahrscheinlich an der Tampa-Bai, 28° n. Br., hinüber, landete mit 300 Mann und zog, während die Schiffe an der Küste folgen sollten, parallel dem Meeresstrande nordwärts und ins Innere. Am 26. Juni erreichte er die Indianerstadt Apalachee (der Name haftet vielleicht noch an der Apalacheebai im Norden von Florida), rastete dort fast vier Wochen und zog von da weiter nachAute. Nachdem sie von hier aus mehrere Tagereisen weite Streifzüge nach Westen unternommen hatten, ohne dabei Gold oder Anzeichen dieses begierig gesuchten Metalles entdeckt zu haben, wandten sie sich der See zu, in der Hoffnung, ihre Schiffe zu finden; aber diese hatten fast ein ganzes Jahr lang an der Küste weiter westlich nach dem ins Binnenland eingedrungenen Heere gesucht und waren dann unverrichteter Sache zum Theil nach Cuba zurückgekehrt. Einige Schiffe gingen unter. Nach langem, vergeblichem Harren, von Krankheiten und Noth bedrängt, mußte man sich entschließen, fünf Böte zu bauen, auf denen man, gegen Westen am Land hinschiffend, endlich zu spanischen Niederlassungen zu kommen hoffte. Die Schar war bereits auf 250 Mann zusammengeschmolzen. Sieben Tage ging die Fahrt am Gestade hin, man kam an der Mündung eines bedeutenden Flusses vorbei. Dann wurden vier Böte bei heftig bewegter See ans Land geworfen, während das fünfte, in dem sich der Capitän Narvaez befand, aufs Meer hinausgetrieben wurde und dort für immer verschwand. Nur ein Theil der Gestrandeten entrann dem Tode im Meer, rettete zwar augenblicklich das Leben, gerieth aber, von einander getrennt und den feindlichen Indianern gegenüber hilflos geworden, in Gefangenschaft, aus welcher nach jahrelanger Drangsal nur vereinzelte befreit wurden. Das merkwürdigste Schicksal hatte Alvar Nuñez Cabeça de Vaca, dessen Boot zunächst an eine flache Küsteninsel trieb, welche den Namen Malhado (Unglücksinsel) erhielt. Von hier rettete er sich aufs Festland, verlor noch mehrere von seinen Begleitern, bis ihm nur noch drei Genossen: Andres Dorantes, Alonso del Castillo Maldonado und ein Mohr, Namens Estebanico erhalten blieben. Es gelang ihnen durch einige glückliche Krankenheilungen das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, so daß sie von der Küste sich ins Binnenland retten konnten, wahrscheinlich nach dem Norden Alabama’s. Von da zogen sie gegen Westen, setzten über einen großen Fluß,[416]den Mississippi, gingen über den Arkansas, überschritten den Canadian oberhalb des großen Cañon (vielleicht in derselben Gegend, wo später die Expedition Coronado’s auf dem Marsche nach Quivira ihn berührte) und kam endlich nach langem Umherirren durch das heutige Neumexiko und Arizona nach Culiacan, in der Nähe des californischen Golfes, wo sie endlich im Jahre 1536 anlangten, von Melchior Diaz, welcher in dem seit 1532 von den Spaniern besetztenGebiete als Befehlshaber stand, aufgenommen wurden und sich unter dem Schutz und der Pflege ihrer Landsleute von ihrer mühseligen Wanderung erholen konnten.

So unglücklich auch der ganze Zug des Narvaez verlaufen war, so fand er doch wenige Jahre, nachdem die geringen Trümmer seiner Schar den Boden Neuspaniens erreicht hatten, einen Nachfolger, der seinen Plan wieder aufnahm, und zwar inHernando de Sotoaus Barcarroto in Estremadura, südlich von Badajoz. Dieser ausgezeichnete Ritter hatte sich in Goldcastilien und Nicaragua hervorgethan, war dann mit Pizarro (s. unten, Cap. 29) nach Peru gezogen, war von diesem zum Generallieutenant (Teniente de Capitan general) erhoben, hatte dann aber, in folge des unerquicklichen Streits zwischen Pizarro und Almagro, das südamerikanische Goldland verlassen und war nach Spanien zurückgekehrt.

Sobald er dort mit dem Plane hervortrat, eine Expedition nach Florida zu unternehmen, lockte der glänzende Ruf seines ritterlichen Charakters so viele tüchtige Kräfte, selbst zahlreiche Hijosdalgo und Priester herbei, daß er sich bald an der Spitze eines Heeres von tausend Mann sah. Mit ihnen ging er am 6. April 1538 auf zehn Schiffen von San Lucar nach Cuba ab, vervollständigte in Habana seine Ausrüstung und landete am 31. Mai 1539 mit 900 Soldaten und 350 Pferden in der Bai von Espiritu santo auf Florida. Zufällig trafen seine Begleiter einen Landsmann, Juan Ortiz, welcher, durch die Frau des Caziken gerettet, allein von dem Heere des Narvaez noch am Leben war. Aber über das Land vermochte er nur wenig Auskunft zu geben, er hatte nur gehört, daß das Binnenland wegen seiner Fruchtbarkeit sehr gerühmt werde. Indes konnte Ortiz doch als Dolmetscher sehr nützlich werden.

Nachdem Soto zur Bewachung der Schiffe 40 Mann zu Pferde und 80 Mann zu Fuß zurückgelassen hatte, zog er mit seinen Truppen gegen Nordnordwesten ins Innere des Landes. Man stieß auf Ortschaften mit mehr als 600 Hütten, mußte auf rasch geschlagenen Brücken sich den Weg über Flüsse und Sümpfe bahnen und hatte mehrfach feindselige Begegnungen mit den Indianern, welche verpallisadirte Hügel besetzt hielten. An die Flotte ging der Befehl zurück, zunächst nach Apalachee zu segeln und von da aus 100 Meilen gegen Westen alle Buchten und Häfen sorgfältig aufzunehmen. Soto bezog seine Winterquartiere in der Landschaft Apalachee, wo man Lebensmittel genug fand. Im Frühjahr 1540 rückte er gegen Norden; seinen Truppen schickte er stets gewandte Botschafter voraus, welche von den Eingebornen nur friedlichen Durchzug zu fordern hatten. Einer der Häuptlinge, durch dessen Gebiet man zog, der Cazike von Cofachi (Cofaqui), führte als Waffe ein mächtiges, zweihändiges Holzschwert. Wiederum ging es über große und kleine Flüsse nordwärts und nordostwärts. Als man an den Xuala gelangte, hielten die Seeleute, welche an dem Zuge theilnahmen, denselben für den nämlichen, dessen Mündung an der Ostküste Ayllon mit demNamen Santa Elena belegt hatte,[417]weiter nordwärts kam man in die Nähe von Kupferminen.[418]Dann scheint der Marsch mitten durch Alabama nach Westen gegangen zu sein. In der dichtbewohnten, fruchtbaren Landschaft Coça (Cossa) machten sie eine zwölftägige Rast und rückten weiter nach dem befestigten Talisse im Gebiete des Tascaluço. Dieser Häuptling war ein Riese von Gestalt. Er erbot sich, das spanische Heer eine Zeitlang zu begleiten, und bat deshalb um ein Pferd. Soto gab ihm eines von seinen Lastpferden. Als er darauf saß, reichten seine Füße fast bis auf die Erde.[419]Tascaluço führte seine Gäste verrätherischer Weise zu einer starken indianischen Festung, Mavila (Mobile), um sie dort zu überfallen. In den 80 casernenartig großen Häusern der Festung sollen sich je 1000 Krieger befunden haben. Die Spanier waren arglos in den Ort eingerückt, zogen sich aber, als sie die drohende Gefahr bemerkten, zurück und griffen von außen die Pallisadenverschanzung an, schlugen die Holzpforten mit Beilen ein und legten Feuer an die Häuser. Soto wurde im Kampfe verwundet, blieb aber im Gefecht, um seine Leute nicht zu entmuthigen. Selbst die indianischen Weiber nahmen am Kampfe theil; als aber das Feuer mehr um sich griff, sprangen die Vertheidiger von den Wällen herab und suchten sich durch die Flucht zu retten. Der Kampf dauerte neun Stunden. Die Spanier verloren 83 Mann, theils im Gefecht, theils an den Wunden, da es an jeglicher Pflege fehlte. Dazu büßte man 45 Pferde ein. Der Verlust, den die Indianer erlitten, wird auf 11,000 Mann angegeben. Mehr als 3000 Todte zählte man in den Straßen der Festung, über 4000 sollen im Feuer umgekommen sein. Den Körper des Verräthers Tascaluço fand man nicht, man nahm für gewiß an, daß er den verdienten Tod in den Flammen gefunden habe und mit verbrannt sei.

Der bedeutende Verlust, den die Spanier erlitten hatten, machte sie muthlos. Da man kein Gold fand und überall von einer feindseligen Bevölkerung bedroht war, wollte man lieber heimkehren. Soto aber wollte seinen Feldzugsplan noch nicht aufgeben, er gönnte seinen Truppen eine vierzehntägige Rast und zog dann weiter ins Land der Chikasa. Am Grenzflusse wehrten ihm die Indianer den Uebergang, aber Soto ließ zwei große Böte bauen, bemannte sie mit je 40 Schützen und 10 Reitern, ging in der Morgendämmerung über das Wasser und vertrieb die Gegner, so daß der Haupttheil seines Heeres unbelästigt folgen konnte. In dem Hauptorte der Landschaft, welchen man in vier Tagen erreichte und welcher in günstiger Lage, reichlich mit Vorräthen versehen, sich für einen längern Aufenthalt eignete, schlugen die Spanier wieder ihre Winterquartiere auf; aber allzu sorglos hatten sie versäumt, Wachen auszustellen. So wurden sie im Spätherbste von den Indianern bei Nacht überrumpelt, welche ihnen die Strohdächer der Hütten über dem Kopfeanzündeten. Soto, welcher stets in Waffen schlief, war zuerst auf dem Platze; aber er verlor in dem nächtlichen Kampfe wiederum 40 Soldaten und büßte 50 Pferde ein, von denen 20 verbrannten. Man mußte die Quartiere eine Meile weiter nach dem auch für die Pferde sichereren Orte Chicacolla verlegen. Wenn auch hier unablässig von den Eingebornen beunruhigt, behauptete sich Soto doch bis Ende März. Unter steten Kämpfen zog er weiter, bald nach Südwesten, bald nach Westen. Sein Marsch ging, wie es scheint, über den oberen Alabama und am mittleren Tennessee hinab, welcher an Größe dem Guadalquibir bei Sevilla glich, und führte ihn endlich an den Mississippi. In Verbindung mit einem Caziken machte das Heer, welches bereits auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, einen Kriegszug auf 80 Canoes den Strom hinab gegen einen feindlichen Nachbarn, dessen Hauptstadt erobert und vernichtet wurde. In diesen Kämpfen wird auch zuerst der blutigen Sitte der Indianer, Skalpe zu erbeuten, Erwähnung gethan. Dann ging Soto über den Strom, fand auch jenseits noch fruchtbares Land und zahlreiche Ortschaften. Aber in der Landschaft Quigualtangui wurde der Feldherr, welcher bisher unermüdlich ausgeharrt hatte, vom Fieber ergriffen und starb am 21. Mai 1541 in seinem 42. Jahre. Auf seinem Sterbelager hatte er in Gegenwart sämmtlicher Hauptleute denLuis de Moscoso de Alvaradozu seinem Nachfolger ernannt.

Soto war sehr beliebt gewesen bei seinen Soldaten, mit denen er alle Mühseligkeiten ertragen hatte. Er wurde bei Nacht bestattet, damit die Kunde seines Todes sich unter den Indianern nicht verbreite. Der Sarg wurde in einen 19 Ellen tiefen Seitencanal des Stromes versenkt.

Am 5. Juli rückten die Truppen in großen Tagemärschen nach Westen, 100 Meilen weit durch unfruchtbares Steppenland, dann durch Wüsteneien, in denen sich selbst die indianischen Führer verirrten. Da die Lebensmittel ausgingen und der neue Heerführer die ermatteten Soldaten nicht der äußersten Gefahr in den menschenleeren Wildnissen aussetzen wollte, so ordnete er im Angesicht der hohen Gebirge (man hatte also den östlichen Fuß der Felsengebirge erreicht) den Rückzug an, um den großen Strom wieder zu erreichen. Viele Soldaten fielen auf dem Marsche, der Winter kam heran, die Lebensmittel mußten mit Blut erkämpft werden. In den Niederungen des Mississippi mußten sie mehreremale, weil sie nachts keine geeigneten Lagerplätze fanden, die Reiter zu Pferde bleibend, die übrigen Soldaten, bis an die Knie im Wasser stehend, den Morgen erwarten. Barfuß und in Thierfelle gehüllt, — denn die europäische Kleidung war zerfetzt und zerfallen, — erreichten die Trümmer des Heeres im Winter, Ende November, den großen Strom wieder, etwa 16 Meilen oberhalb der Stelle, wo sie ihn im Sommer überschritten hatten. Man setzte sich an einem von tiefen Wassergräben umzogenen Orte mit Gewalt fest und behauptete sich dort für den Winter. Eine Musterung ergab nur noch 320 Mann Infanterie und 70 Pferde; aber in folge der entsetzlichen Strapazen starben während des Winters nochmanche, unter ihnen auch Juan Ortiz, dem es nicht vergönnt sein sollte, nachdem er so vielen Gefahren und jahrelangen Mühen entronnen war, die Heimat wieder zu sehen. Von einem benachbarten Häuptlinge mit Lebensmitteln und Decken versorgt, brachte man so den letzten traurigen Winter zu, nur noch belebt durch die Hoffnung, auf dem Wasserwege ans Meer und wieder zu spanischen Colonien zurückgelangen zu können. Im März und April bauten sie sieben feste Böte, welche vorn und hinten gedeckt waren. Aber die gewaltigen Frühjahrsfluten des Riesenstromes verzögerten noch wochenlang die Abfahrt. Das Wasser begann am 10. März zu steigen und überschwemmte vom 20. April an das ganze, weite Flußthal, so daß noch am 20. Mai die Straßen des Ortes nicht gangbar waren. Erst am Johannistage waren die Böte mit Vorräthen hinlänglich versorgt, und in den letzten Tagen des Juni konnte man sich einschiffen. In jedem Boote befanden sich etwa fünfzig Spanier und vier Indianer (Männer und Weiber), welche freiwillig die Fahrt mitmachten. Die Vorbereitungen waren den südlichen Anwohnern des Stromes nicht entgangen, sie beschlossen den Fremden den Durchzug zu wehren. Mit 1000 Kriegscanoes, darunter manche mit 25 Rudern an jeder Seite, versperrten sie den Spaniern die Wasserstraße. Die Krieger waren meist schwarz und blau bemalt, und die Canoes trugen die entsprechende Farbe. Die spanischen Böte mußten sich mitten durch die übermächtige feindliche Flotte den Weg bahnen, Verfolgung und Kampf dauerte zehn Tage lang, wobei mancher Spanier noch das Leben einbüßte. Dann erst konnten sie ungehemmt weiter segeln. Der Strom wurde so breit, daß man von der Mitte aus kaum die niedrigen Ufer sehen konnte. Am 19. Tage der Fahrt erreichten sie das Meer und beschlossen nun, ohne Compaß und ohne Karten, am Gestade nach Westen steuernd, zu versuchen, ob sie Neuspanien fänden. Einen Tag lang war das Meer von den Fluten des Mississippi noch mit süßem Wasser bedeckt. Dreiundfünfzig Tage segelten sie am Lande hin, ergänzten ihre Vorräthe durch ergiebigen Fischfang und nahmen von Zeit zu Zeit an der Küste frisches Wasser ein. Gegen das Ende der im allgemeinen äußerst günstigen Fahrt wurde die Flottille von Sturm und heftigen Regengüssen überfallen, welche die Böte zu füllen und zu versenken drohten. Ohne Schlaf und Speise mußten die Seefahrer 26 Stunden bei ununterbrochner Arbeit ausharren, ehe es ihnen gelang, einen Landungsplatz zu finden. Da sie hofften, nun endlich bald in das Gebiet von Neuspanien zu gelangen, so verließen sie ihre Schiffe und marschirten am Strande gegen Süden. Nach einer Wanderung von 13 oder 14 Meilen war die ganze Schar von Entbehrungen und Hunger so erschöpft, daß man sich lagern mußte. Fast am Ziel und doch, wie es schien, noch dem Untergange geweiht. Da erbot sich Gonzalo Quadrado Xaramillo mit noch einem Genossen, nur mit Schwert und Schild bewaffnet, barfuß, nachts die Gegend zu durchstreifen, während die übrigen sich der Ruhe hingaben. Bald traf er Indianer an, von denen er erfuhr, daß sie nicht fern von Panuco, alsobereits auf neuspanischem Boden sich befänden. Der Gouverneur nahm die halbnackten, in Thierfelle gekleideten Landsleute, welche mit ihren verwilderten Bärten mehr den Wilden als civilisirten Menschen glichen, freundlich auf und schickte eine Botschaft an den Vicekönig Mendoza, welcher sie sofort mit allem Bedarf an Kleidung, Lebensmitteln und Arznei versehen ließ.

Manche von den Abenteurern kehrten nach Spanien zurück, für immer von ihrem Entdeckungsfieber geheilt, andere blieben in Mexiko, wieder andere ließen sich für Peru anwerben, einzelne traten in einen geistlichen Orden ein. So lösten sich die Trümmer des stattlichen Heeres, welches Soto einst hinausgeführt hatte, wieder auf und trugen durch ihre abschreckenden Berichte dazu bei, daß das Mississippigebiet nicht wieder zum Ziel spanischer Eroberungsgelüste ausersehen wurde.

Nach der Eroberung Mexiko’s blieben die Blicke noch jahrzehntelang auf das unbekannte Gebirgsland im Norden gerichtet. Die Fahrten, welche im westlichen Meere schon von Cortes selbst angeregt waren, hatten eine unendlich weite Erstreckung des Festlandes mit bedeutenden Gebirgszügen im Norden nachgewiesen. Im Binnenlande rückte man in die öderen Striche des neuspanischen Vicekönigreichs nur langsam nach Norden vor. Es bedurfte besonderer, lockender Aussichten, um die dort beginnenden Wüsteneien zu durchbrechen. Der Präsident des königlichen Gerichtshofes in Mexiko, welcher von 1528–31 die Civilverwaltung des reichen Pflanzlandes leitete, Nuño de Guzman, hatte schon im Jahre 1530 von einem Indianer Mittheilungen erhalten über ein im Norden liegendes Land Tejos (Texas?), wo er sieben Städte wollte besucht haben, jede so groß wie Mexiko, in denen ganze Straßen mit Juwelierläden besetzt seien. Der Weg dahin führe 40 Tage durch eine Wüste. Guzman beschloß mit 400 Spaniern und 2000 Indianern sich dahin einen Weg zu bahnen; aber er fand, indem er sich vornehmlich an den westlichen Terrassen des Hochlandes nordwärts bewegte, schon in Culiacan, südlich von 25° n. Br., so bedeutende Schwierigkeiten, daß er von seiner Unternehmung abstand und sich dabei begnügte,Culiacanzu colonisiren. Dieser Ort bildete in der Folgezeit den Ausgangspunkt mehrerer Expeditionen in die nördlichen Regionen. Die Fabel von den goldreichen Städten tauchte 1536 von neuem auf, als die letzten Ueberbleibsel der Expedition des verunglückten Narvaez, Nuñez Cabeça, Dorantes, Maldonado und der Mohr Estebanico sich nach Neuspanien zurückgefunden hatten. Sie behaupteten, es gäbe im Norden Städte, deren Häuser sechs bis sieben Stockwerke hätten, und die Thürgewände seien mit kostbaren Steinen geschmückt.

Im Auftrage des Vicekönigs Antonio Mendoza (1535–57) schickte Coronado, welcher damals Commandant in Culiacan war, den PriesterMarcos de Nizanebst einem Franciskaner Fray Onorato und Estebanicoim Frühling 1539 nach Norden.[420]Onorato blieb schon in Sonora wegen Krankheit zurück. Die andern zogen mit einigen Indianern weiter. Der Mohr wurde auf Kundschaft vorausgeschickt. Je weiter man nach Norden durch die sporadischen Ansiedlungen der Indianer vorwärts drang, um so bestimmter lauteten die Angaben über eine große Stadt Cibola. Bald aber erhielt Marcos de Niza die Trauerbotschaft, Estebanico sei bei seinem Eintritt in die Stadt getödtet worden; wie sich später herausstellte, war er als ein Opfer seiner Lüsternheit und Habgier gefallen. Marcos konnte seine indianische Begleitung nur durch Geschenke bewegen, ihm so weit zu folgen, bis er die Wunderstadt mit eignen Augen, wenn auch nur aus der Ferne, sähe.

Es gelang ihm in der That, so weit vorzudringen. Er sah die Stadt in einer Ebene, am Abhange eines runden Hügels. Ob er sich selbst täuschte oder ob der Eindruck aus der Ferne ein größerer wurde: Marcos hielt die Stadt für ansehnlicher und größer als Mexiko. Gern hätte er die Stadt selbst besucht, allein bedenkend, daß, wenn er getödtet werde, alle Kunde seiner Entdeckung verloren ginge, stand er davon ab. Auf der Höhe, wo er stand, thürmte er einen Steinhaufen auf, errichtete darüber ein kleines Kreuz und nahm im Namen des Vicekönigs von dem Lande Besitz. Dann kehrte er zurück und stattete noch im September desselben Jahres dem Vicekönig in Mexiko Bericht ab. Coronado, mit welchem Marcos in Guadalajara zusammengetroffen war, schickte noch im Herbst den Capitän Melchior Diaz ab, weil ihm die Erzählung des Priesters nicht hinreichend beglaubigt schien. Aber Diaz konnte wegen der eintretenden Winterkälte in den wenig bewohnten Regionen nicht ans Ziel gelangen, sondern mußte sich in seinem Bericht, den er am 20. März 1540 an Coronado abgehen ließ, auf die unterwegs gemachten Erkundigungen stützen. Wenn nun auch dadurch die überschwenglichen Schilderungen des Pater Marcos etwas gedämpft wurden, so mußte er doch die Existenz von sieben merkwürdigen Städten, deren vornehmste Cibola war, bestätigen.

KARTEzu CORONADOS EXPEDITION nachCIBOLA und QUIVIRA❏GRÖSSERE BILDANSICHT

KARTEzu CORONADOS EXPEDITION nachCIBOLA und QUIVIRA

❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:

Diese Thatsachen bestimmten sodann den Vicekönig, ein ansehnliches Heer unterCoronado[421]zur Erweiterung seiner Herrschaft nach Norden zu entsenden. Dieser brach im Frühjahr 1540 mit einem Heere, welches an Spaniern und Indianern über 1000 Mann zählte, von Mexiko auf und ging über Compostella nach Culiacan. Da von hier aus der Weg beschwerlicher wurde, so mußte eine kleine Schar immer vorausgesandt werden, um die Gegend zu erforschen. Auch begleiteten zwei Schiffe unterPedro de Alarcondie Expedition, indem sie möglichst nahe sich an der Küste hielten.Der Marsch ging von Culiacan im allgemeinen nach Nordwesten bis etwa zum 30° n. Br. und richtete sich dann nach Norden und später nach Nordosten. Man durchschnitt das Thal von Sonora und wandte sich vom Rio de S. Ignacio nordöstlich ins Gebirge, um den oberen Lauf des Rio Sa. Cruz (Nexpa) zu erreichen, an dessen Ufer man zwei Tage abwärts und später über die öden Flächen zum Rio Gila gelangte, welcher, weil man auf Flößen übersetzte, den Namen Rio de las balsas erhielt. Dem südwestlichen Steilabfall des Coloradoplateaus ausweichend, führte der Weg in östlicher Richtung über einen mit Fichten bestandenen Berg. Ueber grasige Ebenen, Schluchten und ödes Bergland ging es weiter nach Nordosten, bis man Cibola erreichte. Die Truppen hatten den Weg sämmtlich zu Fuß gemacht, jeder Mann trug seinen Bedarf an Lebensmitteln selbst, auch die Pferde waren beladen. Vierzehn Tage nach Ankunft der Vortruppen langte auch das Hauptcorps an; aber das erreichte Ziel, Cibola, brachte große Enttäuschungen, man verwünschte die übertriebenen, lockenden Schilderungen des Marcos de Niza und erklärte spöttisch, manche Farm in Neuspanien mache einen stattlicheren Eindruck als dieser Ort, der aus Stein und Lehm auf einen Felsen gebaut, höchstens 200 Krieger bergen könne. Mit leichter Mühe wurde der Ort gestürmt und die Indianer verjagt. Das Land war kalt und hoch gelegen, der Boden sandig und nur spärlich mit Grün bedeckt. Die Indianer waren in baumwollne Tücher oder in Thierfelle ärmlich gekleidet. Schätze durfte man hier nicht erwarten und die herrlichen sieben Städte, von denen gefabelt war, bestanden in kleinen Ortschaften (pueblozuelos), die in einem Umkreise von etwa sechs Meilen den Hauptplatz umgaben.

Wo lag Cibola, dessen Namen wir auf modernen Karten vergeblich suchen? Zahlreiche nordamerikanische Gelehrte und Reisende haben sich mit der Frage beschäftigt.[422]Cibola ist das heutige Zuñi am Zuñiriver, welcher sich durch den kleinen Colorado in den Colorado del Occidente ergießt. Es liegt im Territorium von Neu-Mexiko nahe der Grenze von Arizona unter 35° n. Br. Nach der Angabe von Simpson (p.324) erscheint Zuñi aus einer Entfernung von drei Meilen als ein niedriger brauner Felsrücken in baumloser Umgebung. Das Flußbette ist 150 Yards breit, aber das Wasser nur sechs Fuß breit und einige Zoll tief. Die Stadt ist terrassenartig gebaut, jedes Stockwerk der Häuser — in der Regel sind es drei — tritt nach oben weiter zurück und läßt für eine Plattform Raum. Die aufsteigenden Gassen sind sehr enge. In der Umgebung von Zuñi finden sich noch, am Rio Vermejo, die Ruinen von sechs Pueblos, alle dicht zusammen. Daß Zuñi und Cibola identisch sind, geht auch aus dem Ausspruche Antonio’s de Espejo hervor, welcher 1583 das Gebiet besuchte und erklärt, die Spanier unter Coronadohätten dem von den Indianern Zuñi benannten Orte den Namen Cibola gegeben.[423]

Während das Hauptheer nach Cibola marschirte, hatte Coronado schon vom Sonoraflusse aus den CapitänMelchior Diazmit 25 Mann ans Meer hinabgesandt, um die Schiffe Alarcon’s aufzusuchen und ihm, womöglich, Verhaltungsmaßregeln für seine weitere Fahrt zu geben. Diaz zog an dem östlichen Strande des californischen Meerbusens gegen Norden, bis er an das Ende des Golfes kam. Da er aber von den Schiffen nirgends eine Spur fand, ging er an dem dort mündenden Strom weiter, bis er einen mächtigen Baum fand, in dessen Rinde die Nachricht eingegraben war, daß Alarcon bis dahin mit seinen Schiffen gekommen sei und am Fuß des Baumes einen Brief niedergelegt habe. Der Inhalt des Schreibens ergab, daß Alarcon hier längere Zeit gewartet und dann, da er mit seinen Schiffen nicht weiter vordringen, also nicht mehr in der Nähe Coronado’s bleiben konnte, den Rückweg angetreten habe.Alarconwar am 9. Mai 1540 vom Hafen Natividad ausgesegelt, hatte von Jalisco aus noch einen Transport mit Vorräthen für die Truppen mitgenommen und war im August an das Nordende des Meerbusens gelangt. Mit Böten war er noch 85 Meilen weit den Colorado, welchen er Rio de buena guia nannte, hinaufgegangen und hatte alles versucht, um sich mit Coronado in Verbindung zu setzen, aber vergeblich. Er sah sich zur Umkehr genöthigt. Sein Pilot Domingo del Castillo entwarf eine Karte[424]von den Küsten des Golfes und bewies damit, daß das westliche Land, Niedercalifornien, eine Halbinsel sei. Später hat allerdings lange und bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus die falsche Vorstellung geherrscht, als sei Californien eine Insel.

In der Nähe des Colorado kam Diaz durch einen unglücklichen Zufall ums Leben und seine Mannschaft kehrte nach Mexiko zurück.

Inzwischen hatte Coronado von Cibola aus, wo er vorläufig sein Standquartier nahm, zunächst die umliegenden Ortschaften unterwerfen lassen und dann nach verschiedenen Richtungen einzelne Truppentheile in entfernte Regionen zur Erforschung der Länder entsendet. In der Landschaft Tuzan oder Tuçaya hörten die Spanier von einem großen Flusse im Norden. Diesen Strom aufzusuchen zogGarcia Lopez de Cardenasaus. Er ging mit seiner kleinen Schar über das Coloradoplateau und trat dann, bestürzt über den wilden Abgrund, an den Rand des großen Colorado-Cañons. Eine Welt in Trümmern, ein von klaffenden Spalten zerrissener Felsboden, auf dessen Grunde allein das spülende und grabende Wasser arbeitet, zeigte sich hier den erstaunten Blicken, wie sie in solcher Großartigkeit in keinem Erdtheil wieder auftritt.[425]Die Spanier unter Cardenas meinten, die Stromschluchtenseien drei bis vier Meilen tief, neuere Messungen haben die Tiefe des großen Cañons auf etwa 100 Meter bestimmt. Drei Tage lang irrten sie am Plateaurande umher, nach einem Passe ausspähend, der sie zum Wasser hinunterführe, umsonst. Einige Wagehälse versuchten zwischen dem zerklüfteten Gestein hinabzuklettern, mußten aber unverrichteter Sache zurücksteigen. Sie versicherten, daß einige Felsen, die von oben gesehen etwa Mannesgröße gezeigt hätten, in der That höher als die Cathedrale von Sevilla gewesen seien. Cardenas trat vor dieser unbezwinglichen Naturschranke den Rückweg an. Er hatte zuerst den großartigsten Theil des mittleren Colorado gesehen.

Ansicht des großen Colorado-Cañon.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Ansicht des großen Colorado-Cañon.

❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Eine andere Schar ging unterHernando d’Alvaradovon Cibola nach Osten; jenseits der Zuñigebirge trafen sie wieder auf mehrere indianische Ortschaften, welche in ähnlicher Weise, wie Cibola angelegt waren. Unter diesen war namentlich Acuco (jetzt Acoma)[426]durch seine Lage auf einem zerklüfteten Sandsteinfelsen merkwürdig. Auf der Nordseite hat der Wind den Sand so hoch angehäuft, daß man auf demselben fast bis zur Höhe hinaufsteigen kann. Dann bleibt aber noch der nackte Fels zu erklimmen; in einer engen Spalte windet sich der Pfad hinauf, den die Indianer durch eingezwängte Holzstufen bequemer gemacht haben. Alvarado mußte mit seinen Leuten auf Händen und Füßen den Felsen erklettern. Diese Felsendörfer lagen in der Nähe eines Flusses, der gegen Südosten floß und sich bald mit einem größeren nach Süden ziehenden Strome vereinigte. Bis nach Cibola hin hatten alle Stromrinnen vorwiegend eine westliche Richtung gezeigt. Die Bedeutung dieser hydrographischen Verhältnisse entging dem Scharfblick des Capitän Jaramillo nicht. Treffend bemerkt er in seinem Bericht: „Alle Gewässer, Flüsse und Bäche, welche wir bis Cibola oder noch ein paar Tagereisen weiter antrafen, laufen zum Südmeere (d. h. zum großen Ocean), von da ab aber zum Nordmeere (d. h. zum mexikanischen Golfe).“[427]Mit der größten Sicherheit erkennen wir daraus, daß die Expedition die Wasserscheide zwischen dem Colorado del Occidente und dem Rio grande del Norte überschrittenhatte und sich nun im Gebiet des letzteren befand. Auch dieser Strom wurde überschritten und in der Landschaft Tiguex vereinigte sich Coronado wieder mit dem vorausgegangenen Alvarado. Weiterhin wurde der östliche Nebenfluß des Rio grande, der Rio Pecos, erreicht; denn der Häuptling, welcher hier in einer festen Stadt, Namens Cicuyé, hauste, sollte begehrenswerthe Schätze besitzen. Auf diesen waren die Spanier durch einen Indianer aufmerksam gemacht, welcher viel von gold- und silberreichen Städten zu erzählen wußte. Dort, berichtete er, halte ein Fürst seine Siesta unter einem mächtigen, großen Baume, dessen Zweige mit goldenen Glöckchen behängt seien, damit sie, wenn er entschlummere, im Luftzuge leise erklängen. Er selbst habe einige von diesen Schellen besessen, aber der Fürst von Cicuyé[428]habe sie ihm abgenommen. Alvarado rückte nach Cicuyé, um die Glocken zu holen, fand aber keine Spur von Gold, und die Einwohner erklärten jenen Indianer für einen unverschämten Lügner. Dann nahm er zwar den Häuptling gefangen und brachte ihn zu Coronado, der ihn sechs Monate in Haft hielt, aber damit nur erzielte, daß die Indianer allenthalben sich gegen die Spanier erhoben, welche sich unter steter Unruhe den Winter über in Tiguex behaupteten. Im Mai des Jahres 1541 sollte das vielversprechende Quivira aufgesucht werden; über den Pecosfluß nach Nordosten, und am Gebirge hin über die Steppen ziehend, traf man hier mit Jagdindianern zusammen, welche ohne feste Wohnsitze (sin casas) in Lederzelten lebten und alle wichtigen Lebensbedürfnisse von der Beute an erlegten Büffeln bestritten, Nahrung, Kleidung und Schuhwerk.[429]Weiterhin begegnete man einem Indianer, welcher durch Zeichen zu verstehen gab, daß er schon Spanier gesehen habe. Offenbar bezog sich diese Andeutung auf Cabeça de Vaca und seine Genossen.

Nachdem man, wenn auch in kurzen Tagemärschen, einen Monat lang nach Nordosten gezogen war, erreichte man einen großen Fluß, dem man nach dem Tage der Entdeckung den Namen Rio de San Pedro y San Pablo (Arkansas) beilegte. Jenseits desselben stieß man wieder auf jagende Indianer, deren Wohnungen drei oder vier Tagereisen weiter hinab ins Land gegen Osten lagen. Diese Ortschaften gehörten bereits zu Quivira. Ziemlich einstimmig erklären die ältern Geschichtsschreiber, Coronado sei etwa bis zum 40° n. Br. vorgedrungen. Wenn nun Theilnehmer des Zuges, wie Jaramillo, erfreut über das frischgrüne Ansehen der Landschaft, Quivira ein prachtvolles Land nennen, wie es nicht besser in Spanien, Frankreich oder Italien zu finden, und meinen, es sei für alle Arten von Kulturen geeignet, denn man finde an einigen Bächen sogar Trauben von ziemlich gutem Geschmack, und wenn ferner dieses Land nicht mehr als gebirgig, sondern nur als hügelig und eben, von Strömen getränkt, geschildert wird, und wenn der Zug über denPeter-Paulsfluß hinaus zu einem noch größeren Strome gelangte, an welchem die Ortschaften sich mehrten und die einheimische, in Strohhütten lebende Bevölkerung wuchs; so darf aus allen diesen Angaben mit ziemlicher Sicherheit geschlossen werden, daß Coronado im nordöstlichen Kansas bis an den Missouri gelangte. Den Marsch noch weiter auszudehnen, versprach wenig Erfolg, denn von den edlen Metallen hatten die Indianer gar keine Kenntniß; selbst die Häuptlinge trugen nur Kupfer als Schmuck. Man nannte zwar den nachforschenden Fremdlingen noch eine fernere Landschaft Harahey; aber auch diese bot nichts Verlockendes. Dazu war bereits der Augustmonat herangekommen, man sah sich also, um nicht etwa von dem einbrechenden Winter auf den öden Hochsteppen überrascht zu werden, genöthigt, den Rückmarsch anzutreten.[430]Zum Zeichen, wie weit man gekommen sei, errichteten die Soldaten ein Kreuz und schnitten den Namen ihres Feldherrn Francisco Vasquez de Coronado in das Holz des Stammes. Den Rückweg nahm man in mehr südlicher Richtung und gerieth in noch sterilere Regionen, in denen auf den Salzsümpfen 4–5 Zoll starke Salzplatten schwammen. Nachdem man den nördlichen Theil des Llano estacado passirt, erreichte man den Pecosfluß etwa 30 Meilen südlich von der Stelle, wo man ihn auf dem Hinwege überschritten hatte. Während Coronado in Quivira weilte, waren von der Landschaft Tiguex aus Streifzüge nach Norden und Süden, flußauf und flußab gemacht. Immer traf man wieder auf die nämliche Form der Oasendörfer. Am weitesten drang man am Rio grande abwärts und fand, nachdem man vier größere Ortschaften entdeckt, schließlich eine Stelle, wo der Strom im Boden zu verschwinden schien. Vermuthlich ist damit die Gegend bezeichnet, wo unter 31° 39′ n. Br. der „große Fluß“ in seinen tiefen und unpassirbaren Cañon eintritt. Hier entzog sich derselbe ihren Blicken; doch sollte er, nach Angabe der Indianer, weiter unten im Lande noch wasserreicher wieder hervorbrechen.

Coronado hatte die Absicht, nach der Ueberwinterung in Tiguex im nächsten Frühling zeitiger einen zweiten Zug nach Quivira zu unternehmen, um womöglich noch weiter in das fruchtbare Land vorzudringen. Allein ein Unfall, welcher ihn im Turnier mit Pedro Maldonado traf — er wurde im Ringrennen aus dem Sattel geworfen und schwer verletzt — nöthigte ihn, von weiteren Plänen abzustehen. So brach er im April 1542 auf und kehrte über Cibola nach Culiacan zurück. Die theure Expedition war ohne Gewinn verlaufen, ohne Schuld Coronado’s; aber der Vicekönig empfing den berichterstattenden Heerführer in der Hauptstadt sehr ungnädig und nahm ihm die Oberleitung in dem nördlichen Theil seines Vicekönigreichs, welches man mit dem Namen Neu-Galicien bezeichnete.

Die weite, scheinbar unbegrenzte Erstreckung der Landschaften, welcheman betreten hatte, gegen Norden, der Abschluß des californischen Golfes, hinter welchem das Land ins Unendliche nach Nordwesten verlief, gab zu eigenthümlichen Vorstellungen von der Vertheilung und Gruppirung der Landmassen, sowie zu seltsamen Vermuthungen über die Bewohner Anlaß. So vermuthete der Capitän Castañeda, die Indianer von Quivira müßten aus Großindien stammen, weil ihre Sitten und Lebensformen so gänzlich von den bisher beobachteten Erscheinungen indianischen Lebens abwichen. Nach Uebersteigung der Gebirge, meinte er, seien sie dem Laufe der Flüsse, wie z. B. des Rio grande, nach Süden gefolgt. Es müsse in dem Lande, von wo die Indianer eingewandert seien, große Reichthümer geben; dieses Land müsse theils im äußersten Gebiete von Ostindien liegen, theils in jenem weiten Binnenlande zu suchen sein, welches sich fast von China bis Norwegen erstrecke.

Nach diesen Vorstellungen setzte sich also die Westküste Amerika’s mit Asien in Verbindung, während der Ostrand der neuen Welt über Florida und Grönland nach Norwegen liefe. Uebrigens waren derartige Anschauungen nicht etwa dem müssigen Kopfe eines ungebildeten Kriegsmannes entsprungen, sie wurden auch in Europa getheilt, und so findet sich ein klares Bild dieser tellurischen Träume auch in der 1562 zu Venedig erschienenenGeographia Claudii Ptolemaeiauf derCarta marina nuova tavola.

Wie lange solche trügerische Vorstellungen selbst unter den Gebildeten sich noch erhalten konnten, dafür gibt den sichersten Beleg ein Ausspruch Lorenzana’s, des Erzbischofs von Mexiko, welcher noch 1770 darüber im Dunkeln ist, ob nicht Mexiko einerseits mit China, andererseits mit Grönland zusammenhänge.[431]

Ueber die Beziehungen zur asiatischen Küste brachte auch die ExpeditionJuan Rodriguez Cabrillo’s keine weitere Aufklärung. Derselbe wurde bald nach der Rückkehr Coronado’s mit mehreren Schiffen auf die Westseite der Halbinsel Californien gesendet, und kam im Sommer 1542 an der Cedros-Insel (28° n. Br.) vorbei, wahrscheinlich bis zu den südlichen Ausläufern der Sierra nevada, denn er sah, angeblich unter 40° n. Br., hohe schneebedeckte Gebirge. Nachdem Cabrillo während der Ueberwinterung im Hafen bei der Insel Posesion an den Folgen eines unglücklichen Sturzes das Leben verloren hatte, versuchte sein Nachfolger, der Pilot mayor Bartolomé Ferrel, noch einige Breitengrade weiter vorzudringen und behauptete, bis zum 43° n. Br. gekommen zu sein. Doch sind diese Angaben sehr zweifelhaft und die Configuration der Festlandsküste blieb in jenen Breiten durchaus unklar.

Man suchte hier im Norden nach einer Straße, welche zum atlantischen Ocean hinüberführen und etwa bei Neufundland ausmünden sollte. Denn es war eine weitverbreitete Ansicht, daß, der eingebildeten Gleichförmigkeit wegen, im Norden eine ähnliche Wasserverbindung bestehen müsse, wie sie im Süden durch Magalhães aufgefunden sei. Dieser postulirten Straße, welche zwischen 1560 und 1570 den NamenAnianstraßeerhielt, schrieb man militärische Wichtigkeit für Spanien zu und noch im Jahre 1602 schickte Philipp III. von Spanien Schiffe aus, um dieselbe zu besetzen, damit nicht ungebetene Gäste, Engländer oder Franzosen, auf diesem Wege den Westküsten der neuen Welt unliebsame Besuche abstatten könnten; aber die Straße wurde nicht gefunden und der spanische Entdeckungseifer erlahmte an den Küsten Californiens etwa unter dem 43° n. Br. Den weitern Verlauf der Küsten aufzuhellen, blieb einer späteren Zeit und anderen Seemächten überlassen, denn die allgemeine Aufmerksamkeit hatte sich schon nach dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts fast ausschließlich den Entdeckungen und Vorgängen in Südamerika zugewandt.

Der Name Peru wurde zum erstenmale vernommen, als unter der Verwaltung des Pedrarias de Avila der Generalaufseher der Indier Andagoya im Jahre 1522 vom Michaelsgolfe aus an der Landenge von Panama einen Entdeckungszug an den Küsten nach Süden unternahm und dabei in eine kleine Landschaft Biru gelangte, von welcher das weiter südlich gelegene mächtige Inkareich seinen Namen Peru bei den Europäern erhielt.[432]Er traf in dem dicht bewohnten Lande eine kriegerische Bevölkerung, drang aber doch in das Land ein und konnte manche werthvolle Nachricht über den weitern Süden und den dortigen mächtigen Staat sammeln. Ein Fall aus dem Boot ins Meer, wobei er fast ertrunken wäre, machte ihn unfähig, seine Entdeckungen weiter südwärts auszudehnen. Er legte daher die Fortführung der Unternehmung in die Hände Pizarro’s; allein es verging noch ein Jahr, ehe dieser die Mittel fand, seine Pläne ins Werk zu setzen. Aber seit dieser Zeit bezeichnete man alle Fahrten nach Süden mit dem Ausdruck „Expeditionen nach Biru“, und je weiter sich vor den unermüdlichen Entdeckern die Küste nach Süden erstreckte, um so größere Ländermassen faßte man unter dem Namen „Peru“ zusammen.


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