Chapter 26

Das Inkathor bei Cuzco.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Das Inkathor bei Cuzco.

❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Werfen wir zunächst einen Blick auf den mächtigen und ausgedehnten Staat, welchen der spanische Abenteurer, nur von wenigen Genossen unterstützt, zu zertrümmern und zu unterwerfen trachtete.

Auf dem Rücken der Cordilleren, des längsten Kettengebirges der Erde, im Westen von den Fluten der Südsee bespült und nach Osten sich in den Schatten unermeßlicher Urwälder verlierend, dehnte sich der Staat der Peruaner von Neu-Granada oder Columbia bis nach Chile aus. Die herrschenden Stämme waren die Quechuá und Aymará. Die Küste der Südsee zeigt wenig Gliederung, besonders in den südlicheren Theilen, aber während sie im Norden, von Panama bis über den Aequator hinaus, unter der Wirkung reichlicher Regengüsse mit feuchten Urwäldern bedeckt ist, über welchen in weiterer Ferne die majestätischen Ketten der Anden sichtbar werden, nimmt an der Nordgrenze des heutigen Staates Peru das Gestade einen andern Charakter an und verläuft mit zunehmender Dürre ungegliedert gegen Südosten. „Dürftig und düster ist die Natur, die den Reisenden bei dem Anblick des Landes der Sonne und dem Reiche der Inka’s empfängt, des Landes abschreckende Unfruchtbarkeit scheint sich schon aus dem einförmigen zwischen Braun und Grau liegenden Colorit zu ergeben. Ein flaches Land, das nur langsam nach dem Innern zu sich erhebt, wird durch einen weißlichen Sandstreifen des Gestades begrenzt. So weit das Auge trägt, ergrünt kein Baum auf den öden, steinigen Flächen. In größerer Entfernung erheben sich in dem Gewande einer Dürre, welche diejenige des Vordergrundes noch übertrifft, die niedrigen Felsberge, welche die ehemalige Grenze des Oceans bezeichnen.“[433]Eine trübe, schwere Wolkenbank hängt fast beständig über dem Lande, so daß man selten den Anblick der Cordilleren genießt. Zerreißt der Flor, dann haben diese Berge, in Stufen einer hinter dem andern aufsteigend, durch die Oeffnungen der Wolken gesehen, ein sehr großartiges Ansehen.[434]

Im Küstenlande, zwischen den Cordilleren und dem Ocean, wo der Regen fast völlig unbekannt ist, ziehen sich, durch sandige Einöden von einander geschieden, fruchtbare Thäler an den kurzen Gebirgsbächen von den Höhenkämmen bis an die See hernieder. Das Land zwischen den parallelen Hochgebirgsketten bezeichnet der Spanier mit dem Namen Sierra; dasselbe besteht aus weitgedehnten Hochebenen und Weideländern, welche von reichen, warmen Thälern und Schluchten durchzogen sind, deren wasserreiche Ströme sämmtlich zum Gebiet des Amazonas gehören. Inmitten dieses großartigen Gebirgslandes lag die alte nationale Hauptstadt Cuzco, für die Inkaperuaner der „Nabel“, d. h. der Mittelpunkt der Welt. Noch weiter im Süden lagert sich in malerischer Gliederung und im Osten von den Riesen des Hochgebirgesüberragt, in einer Höhe von mehr als 3800 Meter der sagenreiche Titicacasee, welcher an Ausdehnung fast die Größe des Königreichs Sachsen erreicht. Uebersteigt man von diesen Hochebenen aus die östlichen Ketten der Anden, dann gelangt man in die Region der tropischen Urwälder, die bis auf unsere Tage noch wenig erforscht und fast unbekannt geblieben sind.

Das peruanische Reich war durch stete Kriege vergrößert und umfaßte zahlreiche und verschiedene einheimische Stämme. DieAymará, deren Sitze sich um den Titicacasee gruppirten, waren wohl das ältere Kulturvolk, wie die Tolteken in Mexiko. Daher lag auch das alte nationale Heiligthum auf einer Insel im See. Die merkwürdigsten Bauwerke der älteren Kulturepoche erhoben sich in der Nähe des Sees. Die Fürsten der Quechua führten den Titel Inka, als Begründer ihrer Dynastie gilt Manco Capac, um 1000 n. Chr. Cuzco machte er zu seiner Residenz, aber auch am heiligen Titicaca erhob sich ein fürstliches Schloß, Tiahuanaco.

Die frühere Geschichte des Inkareichs ist sagenhaft, ein helleres Licht fällt erst auf das letzte Jahrhundert vor der Eroberung. Der große Eroberer Huayna-Capac regirte von 1475 bis 1525, unter ihm erweiterte sich das Reich besonders nach Norden. Aber gerade von hier, wo die neu erworbenen Gebietstheile noch nicht fest mit dem Hauptlande verbunden waren, erfolgte der Angriff der Spanier. Die Zustände waren ähnlich wie in Mexiko bei dem Einmarsche des Cortes; aber Pizarro gewann um so leichter das Feld, weil er zu einer Zeit erschien, in welcher die Söhne Huayna-Capacs, von denenHuascarin Cuzco undAtahuallpain Quito residirte, mit einander in einen Bruderkrieg verwickelt waren. Atahuallpa war der Sohn der früheren Fürstin von Quito, welches von Huayna-Capac unterworfen worden, und mußte daher dem legitimen Thronfolger Huascar nachstehen. Er hatte trotzdem eine Partei für sich gewonnen, war gegen seinen Bruder im Felde siegreich gewesen und befand sich auf der Heimkehr, als die Spanier ihn in Cajamarca erreichten. Seinen Bruder hatte er gefangen genommen und behauptete augenblicklich die unumschränkte Obergewalt.

Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.

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Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen Thorbauten.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen Thorbauten.

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Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga; ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers. Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden. Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen,selbst Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung. Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt. Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein, die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser öffnete, um das Herz herauszureißen.

Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken.

Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung, jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel, mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus- und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen. In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen.

Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger, legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben.

Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von Ancon.Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet sind. — Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere Ornamente. — Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. — Die Kette besteht aus starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.

Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von Ancon.

Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet sind. — Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere Ornamente. — Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. — Die Kette besteht aus starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.

Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das Eisen zu kennen — denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder Stein — verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen, lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall, selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima, bewiesen.[435]

Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas. Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzteauf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck.

Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen von Cuzconach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“[436]Auf diesen Straßen besorgten Schnellläufer (Chasquis), ähnlich wie in Mexiko, den Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten Reiche auf das schleunigste in Kenntniß.

Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten. Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen.

Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon.

❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Ausschnitte aus der obenstehenden Abbildung:

Ausschnitte aus der obenstehenden Abbildung:

1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18cmbreit.2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln, darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur. Das Körbchen ist ca. 38cmlang.3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33cmlang.4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu einem knollenartigen Stile des Federbusches.5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt; oberer Durchmesser 15cm.6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes geschützt eingeschlagen war; 94cmlang.7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer Durchmesser 9–10cm.8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten Ornamenten; 7cmhoch.9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½cmhoch.10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck, ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der Verstorbenen? 32cmhoch.11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen; 148cmlang.12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115cmlang.13. Keulenartiger Stab; 105cmlang.14. Schleuder mit einem zur Unterlage des zu werfenden Steines dienenden Geflecht; am linken Ende die Fingerschleife. Die Schleudern wurden meist aus den Fasern der Agave, und aus Wolle und Baumwolle gemacht, doch auch aus Menschenhaaren; 192cmlang.15. Schleuder, zum Theil aus Menschenhaaren gefertigt, mit steifem Mittelstück, zur Aufnahme des Steines; 140cmlang. (Die Schleudern wurden häufig auch als Kopfbinden benutzt.)16. Bruchstück eines Trinkkruges, aus feinem Thone gefertigt (schwarz), eine wassertragende Indianerin darstellend. Dieselbe trägt als Schutz gegen die Sonne ein Tuch über dem Kopf; größte Höhe 21cm.17. Krug aus Thon mit konischem Boden, tief angesetzten Henkeln und oben zum Durchziehen von Schnuren eingebohrten Löchern; 21cmhoch.18. Rothes kannenartiges Thongefäß mit weißer Bemalung; 145mmDurchmesser.19. Flasche aus rothem Thon. Am Halse nach beiden Seiten hin ein menschliches Gesicht; auf der Wandung ein katzenartiges Thier, über ihm ein ausgezacktes Bogenornament; 165mmhoch.20. Hellfarbiges Thongefäß den Körper eines sitzenden Indianers nachbildend; die Arme und die im Knie stark gebogenen Beine sind roh angedeutet. Der Kopf bildet den Hals des Gefäßes. Der Indianer trägt auf dem Rücken ein Lama, dessen Kopf in unserer Ansicht über der Schulter sichtbar ist; 225mmhoch.21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in violetter Farbe aufgetragen; 25½cmhoch.22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen gestützt wird; 18cmDurchmesser.23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (nichtaus Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz desDr.Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen altperuanischer Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der Deckelfigur 28cm.

1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18cmbreit.

2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln, darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur. Das Körbchen ist ca. 38cmlang.

3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33cmlang.

4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu einem knollenartigen Stile des Federbusches.

5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt; oberer Durchmesser 15cm.

6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes geschützt eingeschlagen war; 94cmlang.

7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer Durchmesser 9–10cm.

8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten Ornamenten; 7cmhoch.

9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½cmhoch.

10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck, ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der Verstorbenen? 32cmhoch.

11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen; 148cmlang.

12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115cmlang.

13. Keulenartiger Stab; 105cmlang.

14. Schleuder mit einem zur Unterlage des zu werfenden Steines dienenden Geflecht; am linken Ende die Fingerschleife. Die Schleudern wurden meist aus den Fasern der Agave, und aus Wolle und Baumwolle gemacht, doch auch aus Menschenhaaren; 192cmlang.

15. Schleuder, zum Theil aus Menschenhaaren gefertigt, mit steifem Mittelstück, zur Aufnahme des Steines; 140cmlang. (Die Schleudern wurden häufig auch als Kopfbinden benutzt.)

16. Bruchstück eines Trinkkruges, aus feinem Thone gefertigt (schwarz), eine wassertragende Indianerin darstellend. Dieselbe trägt als Schutz gegen die Sonne ein Tuch über dem Kopf; größte Höhe 21cm.

17. Krug aus Thon mit konischem Boden, tief angesetzten Henkeln und oben zum Durchziehen von Schnuren eingebohrten Löchern; 21cmhoch.

18. Rothes kannenartiges Thongefäß mit weißer Bemalung; 145mmDurchmesser.

19. Flasche aus rothem Thon. Am Halse nach beiden Seiten hin ein menschliches Gesicht; auf der Wandung ein katzenartiges Thier, über ihm ein ausgezacktes Bogenornament; 165mmhoch.

20. Hellfarbiges Thongefäß den Körper eines sitzenden Indianers nachbildend; die Arme und die im Knie stark gebogenen Beine sind roh angedeutet. Der Kopf bildet den Hals des Gefäßes. Der Indianer trägt auf dem Rücken ein Lama, dessen Kopf in unserer Ansicht über der Schulter sichtbar ist; 225mmhoch.

21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in violetter Farbe aufgetragen; 25½cmhoch.

22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen gestützt wird; 18cmDurchmesser.

23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (nichtaus Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz desDr.Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen altperuanischer Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der Deckelfigur 28cm.

Das Kriegswesen war ebenso fest und streng geregelt, wie das bürgerliche Leben. Die Bewaffnung bestand aus Kupferkeulen und bronzenen Streitäxten, Spieße und Pfeile waren mit Kupferspitzen versehen. Auch Schleuder und Stein gehörten einer besondern Waffengattung an. Als Schutzwaffen bediente man sich baumwollner Panzer und mit Baumwolle gefütterter hölzerner Helme, welche mit Metall und Edelsteinen bei den Vornehmen geziert waren, während die gemeinen Soldaten eine Art Turban trugen. Trommeln und Hörner bildeten die Kriegsmusik. Im Felde lagerten die Truppen unterbaumwollenen Zelten. Die Schleuderer bildeten das Vortreffen, die Keulenmänner und Axtträger standen im Mitteltreffen. Die Heere waren nach der Kopfzahl in bestimmte Abtheilungen gegliedert und zählten in großen Kriegen bis zu 200,000 Mann.

Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien; im Todtenfelde von Ancon.

Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien; im Todtenfelde von Ancon.

In keinem Lande der neuen Welt haben die spanischen Eroberer die alte Kultur in so rücksichtsloser Weise von dem Erdboden vertilgt, wie in Peru. Fast nur dasjenige, was die Altperuaner zu ihren Todten unter die Erde gebettet haben, ist uns erhalten, um uns von den gewerblichen Leistungen und dem Kulturgrade derselben Zeugniß zu geben. Aber das Kostbarste ist auch hier schon längst durch die habgierigen Hände der nach Schätzen suchenden und grabenden Conquistadoren vernichtet. Die Mumien der Könige, welche im Sonnentempel zu Cuzco auf goldenen Stühlen saßen, sind ihres Schmucks beraubt und zerstört, die steinernen Erbbegräbnisse der Vornehmen, deren Leichen ebenfalls balsamirt waren, sind erbrochen und ausgeplündert. Um so willkommner ist die in vierteljähriger Arbeit durchgeführte Aufdeckung des Todtenfeldes von Ancon durch Reiß und Stübel, welche uns am besten das bürgerliche Leben in alter Zeit vergegenwärtigt. Wenn der spanische Historiker Gomara uns berichtet, daß schon in dem ersten Decennium nach der Eroberung gegen anderthalb Millionen Indianer ums Leben gekommen seien, dann darf man wohl mit Recht auf eine früher viel dichtere Bevölkerung des Landes schließen. Darauf weist auch die ausgedehnte Nekropole von Ancon hin, welche ein Quadratkilometer Flächenraum an dem völlig öden Strande besetzt und trotz dieser Ausdehnung — sie war mit einer Steinmauer abgeschlossen — auch außerhalb dieser Umfriedigung stundenweit noch von Grabreihen umgeben war. In den bis zu sechs Meter tiefen Grabstätten waren bisweilen mehrere Todte in eine gemeinschaftliche Gruft gebettet. Der Leichnam wurde in hockender oder kauernder Lage eng zusammengeschnürt und ineinen Sack von grobem Webstoff fest eingenäht, die Vornehmen waren in farbenprächtige Gewandstücke oder Tücher und Decken eingehüllt, welche von der Kunst und dem Geschmack der Bewohner zeugen und ihre Leistungen weit über den Begriff einfacher Naturvölker erheben. Allerlei Hausrath, wie er täglich in Gebrauch kam, wurde den Todten mitgegeben, seien es Waffen, Hals- und Arm-Schmuck, verzierte und bemalte Thongefäße, oder seien es die verschiedensten zum Spinnen und Weben erforderlichen Geräthschaften und Stoffe, wie buntfarbige Spindeln und gesponnene Wolle oder Baumwolle oder endlich allerlei Kinderspielzeuge; alles dieses läßt uns die Anschauung und Begabung des alten Inkavolkes erkennen; und um so tiefer ist es zu beklagen, daß diese vielversprechenden Keime einer höheren Gesittung in schonungsloser Weise zertreten wurden.

Francisco Pizarro, welcher wie (S. 424) erwähnt ist, die Pläne Andagoya’s aufnahm, suchte, da es ihm selbst an Mitteln fehlte, Genossen, welche ihn einerseits durch Geldmittel, andererseits durch ihren kräftigen Arm unterstützten. Erstere fand er durch Vermittlung eines klugen und gewandten Geistlichen,Fernando de Luquein Panama, welcher ihm auch die Bewilligung des Statthalters für seine Pläne erwirkte, letzteren bot ihmDiego de Almagro, ein Mann von dunkler Herkunft, der als Kind an einer Kirchenthür ausgesetzt gefunden worden sein soll.[437]In der Heimat hatte er nichts zu erwarten, in der neuen Welt hoffte er sich eine Stellung zu erringen. Er war ein vortrefflicher Soldat und ein so ausgezeichneter Fußgänger, daß er im dichtesten Bergwalde die Spur eines Indianers verfolgen und denselben einholen konnte, wenn derselbe auch eine Meile Vorsprung hatte.[438]Tapfer und graden Herzens war er ein Feind aller Schleichwege und Intriguen, doch wußte er seine Leidenschaftlichkeit nicht immer zu beherrschen. Pizarro rüstete zwei Schiffe zu 40 und 70 Tonnen Gehalt nebst einer kleinen Brigantine aus, und Almagro warb als Mannschaft 112 Spanier. Es war die Verabredung getroffen, daß Pizarro vorausgehen und Almagro ihm folgen solle, während de Luque durch sein Amt an der Kirche (clerigo presbitero, vicario de la santa iglesia) in Panama zurückgehalten wurde und von hier aus die Unternehmung zu fördern hatte.

Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon.Mumien, Bild 1

Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon.

Mumien, Bilder 2 und 3

1. Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.Allem Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst, wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten Knochen desselben. Der Mumienballen, dessenVorderansicht unsere Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt und seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert. Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s. Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter; ihre größte Höhe 76 Centimeter.2. Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.Die mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang 280 Centimeter.3. Durchschnitt einer einfachen Mumie.Diese Abbildung zeigt, wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt worden ist.

1. Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.Allem Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst, wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten Knochen desselben. Der Mumienballen, dessenVorderansicht unsere Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt und seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert. Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s. Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter; ihre größte Höhe 76 Centimeter.

2. Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.Die mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang 280 Centimeter.

3. Durchschnitt einer einfachen Mumie.Diese Abbildung zeigt, wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.

In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt worden ist.

Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eineFahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte, ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war.

In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme (20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro, welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag.

So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des PilotenBartolomeo Ruizaus Moguer bei Palos und mit 160 Mann ein zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der Mündung des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr Leute zu werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach Panama zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb.

Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus; berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator. Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.) zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die schön gewebten Stoffe,die farbigen Muster prüfen konnte und genauere Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte, sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama, das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel zurück.

Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war.

Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen: „Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen, dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit, noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen. Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, warder bedeutendste Ort im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft, und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben autorisire und ihn unterstütze.

Zur Entdeckung vonPERUdurch Pizarro

Zur Entdeckung vonPERUdurch Pizarro

Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten, deren Inhalt sich auf derWeltkarte Ribero’svom Jahre 1529 zum erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große Ausdehnung Peru’s zeigen zu können.

Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft wußte, in Freiheit gesetzt.

Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen.

Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben. Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus den Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von der Insel Gorgona wurden zu Edelleuten (hijosdalgo) erklärt. Die materielle Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen angedeihen ließ, bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, sowie in Pferden, welche von Jamaica entnommen werden sollten.

Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig.G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig.

G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.

❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:

Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffenund mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo begleiteten ihn.[439]Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden, zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide Theile zu einem tragischen Ausgange führte.

Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar 1531 von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte Ziel, Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai von San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, ein Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque eine ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des Raubes wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß des Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine namhafte Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.[440]Während sie sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, stieß auch bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten zu dem Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. Jago), wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen ließ und weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner lebten in Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter verdächtigten ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten ihm mit, die Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle Fremden zu vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die Häuptlinge der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches in folge dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine Niederlage bei. Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, welche ihmHernando de Soto, bestochen durch die Smaragden- und Goldsendungen, welche nach Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen zuführte. Dann ging Pizarro nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn sehr wichtigeNachricht, daß zwischen den Söhnen des letzten Inka Huayna-Capac ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und Huascar hatten von 1525–1530 friedlich neben einander regiert, jener in Quito, dieser in Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte Atahuallpa, welcher sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der Bai von Guayaquil gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. Br.) Anspruch erhob und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach Süden gedrungen, hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe bei Chontacaxas, nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen genommen, worauf seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und Chalcuchima sich der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling 1532, kurz vor Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen Inka war auf Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige waren dem Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem Heere bei Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt hatte in dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner ängstlich und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen ausgeschifft hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft des spanischen Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne Anstand geschehen ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht verstanden.

Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am 24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s. Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168 Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein. Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren, Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten.


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