Chapter 32

Tafel 55.Der Lachs (Trutta salar). Oben das Weibchen, unten das Männchen.(Nach Prof. B. Hofer, Die Süßwasserfische Mitteleuropas.)⇒GRÖSSERES BILD

Tafel 55.

Der Lachs (Trutta salar). Oben das Weibchen, unten das Männchen.(Nach Prof. B. Hofer, Die Süßwasserfische Mitteleuropas.)

⇒GRÖSSERES BILD

Tafel 56.Der Hecht (Esox lucius).

Tafel 56.

Der Hecht (Esox lucius).

Der Flußbarsch (Perca fluviatilis).(Unretuschierte Naturaufnahmen von W. B. Johnson.)

Der Flußbarsch (Perca fluviatilis).(Unretuschierte Naturaufnahmen von W. B. Johnson.)

Tafel 57.Der Aal (Anguilla vulgaris).(Unretuschierte Naturaufnahme von W. B. und S. C. Johnson.)

Tafel 57.

Der Aal (Anguilla vulgaris).(Unretuschierte Naturaufnahme von W. B. und S. C. Johnson.)

Der Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi), ein beliebter Zierfisch unserer Aquarien.(Aus den Blättern für Aquarien- und Terrarienkunde.)

Der Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi), ein beliebter Zierfisch unserer Aquarien.(Aus den Blättern für Aquarien- und Terrarienkunde.)

Tafel 58.Der Stör (Accipenser sturio).

Tafel 58.

Der Stör (Accipenser sturio).

Der Spiegelkarpfen (Cyprinus carpio).

Der Spiegelkarpfen (Cyprinus carpio).

Abfischen eines künstlich angelegten Karpfenteiches in Böhmen.Im Herbst werden die seichten Gewässer abgelassen, so daß die Karpfen gezwungen sind, sich an der tiefsten Stelle zu sammeln. Dort können sie leicht gefangen werden. Die großen werden als Speisefische verkauft, die kleinen in sogenannten Hälterteichen überwintert.

Abfischen eines künstlich angelegten Karpfenteiches in Böhmen.Im Herbst werden die seichten Gewässer abgelassen, so daß die Karpfen gezwungen sind, sich an der tiefsten Stelle zu sammeln. Dort können sie leicht gefangen werden. Die großen werden als Speisefische verkauft, die kleinen in sogenannten Hälterteichen überwintert.

Bei uns und in den Gewässern Nordamerikas, wie auch anderer Kulturländer, in denen sich Europäer in größerer Zahl niederließen, wird der Karpfen heute als einer der beliebtesten Speisefische in großer Menge gezüchtet. Da man erkannt hat, daß er um so wohlschmeckender ist, je rascher er wächst, so haben die Fischzüchter, nach dem Vorgange des Schlesiers Dubisch, ein Verfahren gefunden, nach welchemdie Karpfen in kürzester Zeit den höchsten Nutzungswert erreichen. Dabei wird die Karpfenbrut schon eine Woche nach dem Ausschlüpfen aus den Eiern mit feinen Gazenetzen aus dem sogenannten Streichteich herausgefischt und in besondere Teiche gebracht, die Streckteiche heißen. In ihnen gibt man etwa 25000 der winzigen Fischchen auf einen Hektar Wasserfläche. Schon nach vier Wochen werden die Fische aus diesem Wasser herausgenommen und in geringerer Zahl — etwa 1000 Stück pro Hektar — in andere Teiche übertragen, in denen sie bis zum folgenden Frühjahr bleiben, um dann wieder umgesetzt zu werden, und zwar 500 Stück pro Hektar. Nachdem sie hier ein ganzes Jahr verblieben sind, kommen sie in den letzten Teich, den Abwachsteich, in welchem man nur 200 Stück auf den Hektar rechnet. Aus diesem Teiche werden sie im Herbst als marktfähige Ware herausgefischt, und zwar wiegen sie dann durchschnittlich 1kgund darüber. Sie bringen also einen ziemlichen Ertrag, da der Preis für sie etwa 2 Mark prokgbeträgt. Durch die fortgesetzte Züchtung sind verschiedene Spielarten des Fisches entstanden, so der Lederkarpfen, der gar keine Schuppen mehr trägt, der Spiegelkarpfen, der an jeder Körperseite nur eine Reihe sehr großer Schuppen besitzt, dann der durch einen rötlichen Schimmer und lachsfarbenes Fleisch ausgezeichnete Goldkarpfen, der Blaukarpfen u. a. In den Gewässern von Schwaben, Bayern und Böhmen wird mit Vorliebe die als Karpfenkönigin bezeichnete Abart, im Donaugebiet und den ungarischen Seen dagegen der Spitzkarpfen gezogen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Karpfen auch in Australien angesiedelt. Schon längst ist er dagegen ist in Ostasien heimisch, und zwar als uraltes einheimisches Zuchtprodukt der Chinesen, von dem, wie von der Karausche, mehrere buntfarbige Kulturrassen existieren. Die Fischzucht in Teichen ist in China uralt und wird schon im Schi-king, d. h. dem Buch der Lieder, einer von Konfutse (550–478 v. Chr.) veranstalteten Sammlung von Liedern, die teilweise in das 18. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, erwähnt. Genauere Aufzeichnungen über die Art der Fischzucht sind allerdings auch in den Annalen dieses uralten Kulturvolkes erst späteren Datums. So wird uns als der älteste Fischzüchter Tao-tsu-kung genannt. Dieser lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. und verfuhr dabei folgendermaßen. Er grub einen Teich, der die Größe eines Morgens (gegen 30 Ar) besaß und neun kleine Eilande umfaßte. Darein setzte er 20 Karpfenweibchen von 3 Fuß Länge und 4 Karpfenmännchen gleicher Größeaus, und zwar im März. Ein Jahr darauf waren schon 5000 Fische von einem, 10000 von zwei und 15000 von drei Fuß Länge im Teiche. Im dritten Jahre hatte sich ihre Zahl bereits verzehn- und verzwanzigfacht. Die neun Inselchen, die der Fischzüchter Tao-tsu-kung im Teiche gebaut hatte, sollten den Fischen vortäuschen, sie befänden sich in einem großen Meere und schwämmen an Festländern vorbei. Noch heute werden Karpfen und andere Süßwasserfische in Menge in China gezüchtet. Man füttert die Brut mit Eidotter, feingestoßener Kleie und pulverisierten Bohnen. Wenn die Fische eine bestimmte Größe erreicht haben, werden sie in flache Teiche gesetzt, deren Ufer von ganz bestimmten Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden. So glaubt man beispielsweise, daß der am Morgen nach kühler Nacht von den Blättern der Platane in den Teich tropfende Tau von heilsamer Wirkung für das Fischvolk sei. Mancher Europäer, der im Innern und besonders im Süden Chinas einen idyllisch gelegenen und von prächtigen Bäumen und Sträuchern eingefaßten Fischteich bewundert, spendet dem Schönheitssinn der naturfrohen Chinesen unwillkürlich Lob, ohne zu wissen, daß die reizvolle Umgebung des Teiches nur abergläubischen Gründen ihre Entstehung verdankt.

Ebenso alt oder vielleicht noch älter als der Teichkarpfen ist in China dieTeichkarausche, die man als hochgezüchteten Zierfisch auch bei uns unter dem NamenGold-oderSilberfisch(Carassius auratus) eingeführt hat. Für die Deutschen gab zuerst Kämpfer in seiner 1777 herausgegebenen Beschreibung Japans eine Schilderung dieses von den Japanern King-jo genannten, meist roten, am Schwanze aber leuchtend goldgelben Zierfisches, der in Japan und China viel in Teichen gehalten und gewissermaßen als Haustier betrachtet wird. Er ist aber nicht in Japan, sondern in dem viel früher zu hoher Kulturblüte emporgestiegenen China zum Kulturfisch erhoben und nicht nur in bunten Farben, sondern auch in den bizarrsten Formen mit gedrängtem Körper, dickem Kopf, weit hervorquellenden großen Glotzaugen und stark verlängerten und verbreiterten Flossen gezüchtet worden. Meist wird die Provinz Tsche-Kiang am östlichsten Zipfel Chinas, südlich vom Jang-tse-kiang und der Stadt Schang-hai, als Ursprungsgebiet der chinesischen Karauschenzucht angesehen, seitdem der Holländer Nieuhof in seiner 1665 in Amsterdam publizierten beschryving von Sina bei Gelegenheit der Gesandtschaft an den Kaiser von China, an der er teilnahm, solche Behauptung aufgestellt hat. Doch ist dies keineswegs sicher. Wir wissen nur, daß sie am frühesten im eigentlichen HerzenChinas gezüchtet wurden; und zwar finden wir sie nach chinesischen Quellen zuerst im Jahre 540 n. Chr. erwähnt. Ums Jahr 960 war ihre Zucht im ganzen Reiche der Mitte verbreitet und gelangte dank den regen Kulturbeziehungen frühe auch nach dem Sonnenaufgangslande Nippon, d. h. Japan, wo sie bald ebenso populär als in ihrer ursprünglichen Heimat wurde. Die schätzenswerte Eigenschaft der Karauschen, in sehr kleinen Wasserbecken gut zu gedeihen und darin sogar zur Fortpflanzung zu schreiten, begünstigte ganz wesentlich ihre rasche Ausbreitung und ihre Haltung in den von den Japanern so geliebten Miniaturgärtchen in vielfach geradezu winzigen Wasserbehältern.

Nach Brehm gelangte der Goldfisch aus China wahrscheinlich zuerst nach Portugal und verbreitete sich, nachdem er hier eingebürgert war, allmählich weiter über Europa. Das Jahr der Einführung desselben wird von den Schriftstellern verschieden angegeben. Einzelne nennen 1611, andere 1691, wieder andere 1728. Diese Zahlen wären sehr wohl möglich, da sich die Portugiesen schon um 1522 um Makao festsetzten und in regen Tauschverkehr mit den Chinesen traten. Da lag es ja sehr nahe, diesen leicht in kleinen Behältern in wenig durchlüftetem Wasser zu haltenden Zierfisch auf ihren Schiffen weithin zu befördern. Eduard Hahn aber ist in seinem Haustierbuche anderer Meinung. Er hält die von Markus Bloch in seiner 1782 erschienenen Naturgeschichte der Fische Deutschlands angegebene Jahreszahl 1611 als Termin der Einführung nach Europa für einen Druckfehler, statt des richtigeren 1691. Die Zahl 1611 sei auch viel zu früh für die Ankunft des Goldfisches in Europa; denn bei der langsamen und mühseligen Schiffahrt, wie sie damals bestand, sei wohl an einen Transport von China bis Europa ohne Zwischenstation nicht zu denken. Als eine solche Zwischenstation ergebe sich naturgemäß Batavia, dessen reiche chinesische Kaufleute es ebenso wie die Holländer, die sich 1594 nach Verdrängung der seit 1579 dort ansässig gewordenen Portugiesen auf Java festsetzten, allerdings erst 1677 bedeutende Gebiete des Landes eroberten und schließlich die ganze Insel unter ihre Botmäßigkeit brachten, liebten, sich mit dem Glanze und Luxus ihrer einheimischen Kultur zu umgeben. In seinem 1726 in Dordrecht erschienenen Buche über Niederländisch Indien erwähnt Valentijn den Fisch als in Batavia gezogen. Die nächsten Stationen von dort her auf dem Wege nach Europa seien wohl Mauritius und dann St. Helena gewesen. Von hier seien dann nach Pennant die ersten Goldfische 1691 nach England gekommen; doch scheinen sie sich hier nicht fortgepflanzt zu haben.Nachher kamen sie von dorther öfter nach England, so nach Petiverius mehrfach zwischen 1711 und 1718. Die ersten Goldfische, die zur Fortpflanzung zu bringen waren, gelangten 1728 nach London, wohin sie eines der Schiffe des damaligen Lordmajors, Sir Decker, brachte. Auch von diesen Fischen wird ausdrücklich bezeugt, sie seien von St. Helena gekommen. Diese Goldfische scheinen dann den ersten Grundstock des englischen und später auch des allgemein europäischen Bestandes abgegeben zu haben.

Die Goldfische, die in der Folge durch Decker in England verteilt wurden, dann durch seine Vermittlung auch nach seiner Heimat Holland, z. B. in den berühmten Cliffordschen Garten in der Universitätsstadt Leiden, an dem einst Karl von Linné seine ersten botanischen Studien gemacht hatte, gelangten, schritten an ihrem neuen Wohnorte ganz ausnahmsweise zur Fortpflanzung. Nur diejenigen, die ein naturkundiger Arzt in Harlem bekommen hatte, pflanzten sich anfangs spärlich, dann aber reichlicher fort. Von ihm erhielt Baster in Harlem 1758 junge Goldfische, die er mit großer Sorgfalt großzog. Als er 1775 starb, verkaufte die Witwe den Bestand um einen hohen Preis; denn diese Tiere waren damals noch sehr selten und kaum bei Privatleuten zu finden. Deshalb glaubte auch die französisch-ostindische Handelsgesellschaft ein wertvolles Geschenk zu machen, als sie der allmächtigen Maitresse Ludwigs XV. von Frankreich, der Marquise de Pompadour, um 1760 einige Goldfische überreichen ließ. Diese Fische scheinen aus dem botanischen Garten gekommen zu sein, den die Compagnie in ihrem Hafenplatz Lorient im Departement Morbihan in der Bretagne besaß. Allmählich verbreiteten sich ihre Nachkommen über Frankreich und die angrenzenden Länder des europäischen Kontinents.

Nach der wissenschaftlichen Beschreibung, die Linné von ihnen gab, scheinen die ersten Goldfische, die nach Leiden gelangten, sogenannte Straußschwänze gewesen zu sein. Auch die Fische Basters gehörten zu dieser Rasse, die in der Folge bald in ganz Holland Mode wurde. Um 1750 sagt der Engländer Edwards in seiner Geschichte der Vögel, daß alle aus St. Helena nach Europa fahrenden Schiffe Goldfische mit sich führen. 1749 bezog die schwedisch-ostindische Compagnie eine Sendung lebender Goldfische aus Kanton. Damals waren sie nicht nur in Schweden, sondern selbst in England noch eine solche Neuigkeit, daß Naturforscher, wie Gilbert White, der Verfasser einer sehr guten Naturgeschichte, stundenlang vor sie hinsitzen konnten, um sie zu beobachten. Noch John Bell of Antermony hatte sie, als er 1763seinen Reisebericht in Glasgow publizierte, nur in China gesehen, wo er 1720 gewesen war. 1808 sah sie der französische Naturforscher Bory de St. Vincent bei Gelegenheit der Besetzung Spaniens durch die Franzosen in einem Teiche des Schlosses Alcazar bei Sevilla. Sonst sind keine Nachrichten über diesen Zierfisch aus früherer Zeit aus jenem Lande auf uns gekommen.

Gegenwärtig hat sich der Goldfisch über die ganze Erde verbreitet, soweit sie von gebildeten Menschen bewohnt wird. Überall ist er in den warmen Teilen der gemäßigten Zone wirklich heimisch geworden und an vielen Orten verwildert, besonders auf Inseln, auf denen ihm nur eine schwache Konkurrenz an Süßwasserfischen gegenüberstand. So bildet er heute den wichtigsten Süßwasserfisch auf den Azoren und belebt in großer Zahl die Gewässer von Madeira, Réunion und Mauritius; dann ist er auch in Algerien, Portugal, auf Java, den Philippinen und Hawaii verwildert. Hier ist er überall mehr oder weniger goldig gefärbt geblieben; nur in Chile, wo er ebenfalls verwilderte, ist er in die braune Urform zurückgeschlagen.

In ihrer Heimat China ist der Goldfisch durchaus nicht bloß Zierfisch, sondern vor allem auch Nutzfisch, der eine respektable Größe erreicht und sehr wohlschmeckendes Fleisch aufweist. So berichtet der Franzose Courcy in seinem 1867 in Paris erschienenen Buche: „Das Reich der Mitte“ von bis 10 Pfund schweren Goldfischen. Bei uns werden sie in größeren Teichen nur 25–30, höchstens 40cmlang, während sie in kleinen Behältern ganz winzig bleiben. Sie werden in letzteren mit Semmelkrumen oder Oblatenstücken und zerriebenen Ameisenpuppen gefüttert, doch darf die Menge derselben nur ganz gering sein, da ein Übermaß von Futter einen selbst diesen genügsamen Fischen unerträglichen Schleim erzeugt. Bei sorgfältiger Pflege gewöhnen sie sich bald an den Menschen und sind schließlich so weit zu bringen wie in ihrer Heimat China, wo sie gelegentlich das vorgehaltene Futter aus der Hand nehmen.

Der Stammvater des Goldfisches ist diechinesische Karausche, ein dem nahe verwandten Karpfen ähnelnder Fisch von dunkelbrauner Farbe. Diese ihre Abstammung bekunden sämtliche Varietäten des Goldfisches, indem sie stets als Reminiscenz an die Färbung der Ahnen in der Jugend dunkelbraun gefärbt sind und erst später die durch Zucht erzielte definitive Färbung erlangen, die bald goldgelb und metallisch glänzend, bald schön rot, bald schwarz und gelb oder schwarz und rot, auch rot und silberweiß gescheckt, manchmal auch ganz silberweiß oder schwarz ist. Die Goldfarbe entspricht einer der Stufen zwischen dem Leucismus und Melanismus und kommt durch Zuchtauslese außer beim Goldfisch auch bei andern Fischen vor, so bei Schleie und Orfe, die dann als Goldschleie und Goldorfe unterschieden werden. Letztere sind nun allerdings als erst kürzlich in Zucht genommene Varietäten lange nicht so schön gefärbt wie der Goldfisch; doch wird letzterer einst, als die Chinesen begannen ihn in Zucht zu nehmen, auch nicht schöner gefärbt gewesen sein.

Auch der bedeutendste Fischkenner unserer Zeit,Dr.Günther in London, ist der Ansicht, daß der Goldfisch eine durch Zucht fixierte Farbenvarietät der chinesischen Karausche ist, die von unserereuropäischen Karausche(Carassius carassius) kaum verschieden ist. Solche goldfarbige Varietäten kommen auch bei unserer Karausche vor, die von Europa über ganz Mittel- und Nordasien verbreitet ist. Der deutsch-russische Reisende Pallas erwähnt eine solche goldfarbige Varietät aus der Steppe am Ural. Wahrscheinlich würde also auch aus unserer Karausche, deren Farbe oft wechselt und häufig sehr bunt ist, sich mit der Zeit eine ganze Reihe hübscher Abarten ziehen lassen, wenn man sich darauf verlegen wollte. Bei uns begnügt man sich eben mit ihrer Zucht als Speisefisch, da sie außerordentlich genügsam ist und auch noch in moderigem Wasser gedeiht, wo die Karpfenzucht ganz unmöglich ist, weil das Fleisch des Karpfens dadurch fast ungenießbar wird. Solches Wasser schadet dem Geschmack des Fleisches der Karausche durchaus nicht.

Die Karausche liebt schon im Wildzustand stehendes Wasser, namentlich Seen mit versumpften Ufern und Altwässer, wie man die vom aktiven Strom abgetrennten Flußarme nennt. Sie kommt aber auch in Teichen, Sümpfen und Mooren vor, ist überhaupt befähigt, in dem verschiedenartigsten und unreinsten Wasser auszuhalten und bei der schmutzigsten, schlammigsten Nahrung zu gedeihen. Sie nährt sich wie der Karpfen hauptsächlich von Würmern, Larven, faulenden Pflanzenstoffen und Schlamm, hält sich dementsprechend fast stets am Grunde auf, verweilt hier auch während der kalten Jahreszeit in Erstarrung, kann sogar in Eis einfrieren und wieder aufleben. Sie hat überhaupt ein sehr zähes Leben, kann stundenlang außer Wasser leben und läßt sich, in Schnee oder feuchtes Laub verpackt, in jeder Jahreszeit weithin versenden. Nur während der Laichzeit, die in Südeuropa in den Juni, in Nordeuropa dagegen in den Juli fällt, erscheint sie öfter an der Oberfläche des Wassers, insbesondere an seichten, mitPflanzen bewachsenen Stellen, tummelt sich hier in Scharen umher und spielt, mit den Lippen schmatzend, an der Oberfläche, bis das Eierlegen beginnt. Obschon das Weibchen nur gegen 100000 Eier legt, vermehrt sich die Karausche stark und wird mit Erfolg nicht nur in moderigen Teichen, sondern auch in Forellenteichen gezüchtet, in denen sie als Futter für diese Raubfische dient. Sehr geschätzt ist die Karausche besonders in Rußland, wo sie alle Steppengewässer in großer Menge bevölkert und von den Umwohnern als willkommene Speise genossen wird. Sie läßt sich mit dem Karpfen kreuzen und liefert dann dieKarpfkarausche(Cyprinus kollari), die aber keine besonderen Vorzüge vor den Stammeltern hat und deshalb nur selten gezogen wird.

Wie der Karpfen ist auch die ihm verwandte kleinschuppigeSchleie(Tinca tinca), die eine Länge von 70cmund ein Gewicht von 3–4, in seltenen Fällen wohl auch 5–6kgerreicht, ihres zarten, wohlschmeckenden Fleisches wegen als Speisefisch sehr geschätzt. Sie gehört unter den europäischen Karpfenarten zu den verbreitetsten und bewohnt den größten Teil Europas, überall zu den gemeinsten Teichfischen gehörend. Auch sie ist mehr ein Fisch der Ebenen, obschon sie bis zu 1000mHöhe emporsteigt. Sie liebt Flüsse weniger als stehende Gewässer und unter diesen Seen, Teiche und Sümpfe mit schlammigem oder lehmigem Grund mit spärlichem Röhricht. In den Flüssen zieht sie sich stets nach solchen Stellen zurück, in denen das Wasser langsam fließt und ziemlich viel Schlamm abgesetzt hat; denn aus ihm bezieht sie ihre Nahrung. Ganz besonders soll sie in abgebauten und mit Wasser angefüllten Lehmgruben gedeihen. Träge hält sie sich fast beständig nahe dem Boden auf und steigt bloß bei sehr gutem Wetter und während der Fortpflanzungszeit an die Oberfläche herauf. Wie der Schlammbeißer findet sie sich noch in Gewässern wohl, in denen andere Fische und selbst Karpfen absterben, weil ihr Sauerstoffbedarf außerordentlich gering ist. Sie liebt wie alle andern Karpfenarten warmes Wasser und frißt wie diese allerlei Gewürm und vermodernde Pflanzenstoffe mit der darin lebenden Kleintierwelt. Ihre Laichzeit fällt von Mai bis Juli, wobei ein etwa 2kgschweres Weibchen 300000 Eier legt. Die Vermehrung ist also eine sehr starke. Die Jungen wachsen ziemlich schnell heran, doch vergehen immerhin meist 4 Jahre, bevor sie fortpflanzungsfähig werden. Ihr Fleisch erzielt kaum einen höheren Preis als dasjenige der Karausche, übertrifft aber das der letzteren unzweifelhaft an Güte. Weil nun die Schleie, die sich während des Winters nach Art anderer Familienverwandten inden Schlamm einwühlt, um die kalte Jahreszeit in einem halb bewußtlosen Zustande zu verbringen zu den anspruchslosesten Fischen des Erdballs zählt, eignet sie sich — abgesehen vom Aal — wie kein anderer Fisch zur Besetzung sumpfiger, sonst höchstens der geringwertigen Karausche preisgegebener Gewässer. Schon aus diesem Grunde verdient ihre Zucht die wärmste Empfehlung. Von ihr züchtet man in einzelnen Gegenden, besonders in Böhmen und Oberschlesien, eine prachtvolle Spielart, die unbedingt zu den schönsten aller europäischen Fische gezählt werden muß. Es ist dies die vorhin erwähnte Goldschleie.

Außer der Schleie eignet sich unter den Karpfenarten vor allem auch dieBarbe(Barbus vulgaris), die das Gebiet aller deutschen Ströme bevölkert, insofern zur Teichwirtschaft, als sie den Hecht im Karpfenteich ersetzt, d. h. die trägen Karpfen aufrüttelt und durch den dadurch bei ihnen angeregten Stoffwechsel günstig auf deren Entwicklung wirkt. Sie erreicht eine Länge von 60–70cmund ein Gewicht von 4–5kg, ist gestreckt gebaut und durch die vier als Tastorgane dienenden Bartfäden an der oberen Kinnlade des unterständigen Maules ausgezeichnet. Sie meidet stehendes Wasser, sucht dagegen strömendes Wasser mit sandigem oder kiesigem Untergrund auf. Während des Sommers hält sie sich gern zwischen Wasserpflanzen auf, am Tage mehr ruhend, nachts dagegen Futter suchend, das aus Würmern, kleinen Fischen, Schlamm und winzigen Tieren aller Art besteht. Sobald die Wasserpflanzen im Herbste absterben, an denen sie ihr Futter sucht, begibt sie sich an tiefere Stellen im Flusse und sucht sich hier Zufluchtsorte unter und an Steinen, in Höhlungen und dergleichen, wühlt sich auch wohl am Uferrande ein. Hier hält sie, oft haufenweise angesammelt, eine Art Winterschlaf. Zur Zeit der Fortpflanzung, die in die Monate Mai und Juni fällt, bilden die Barben Züge von hundert und mehr Stück, die in langer Reihe hintereinander herschwimmen, so daß die alten Weibchen den Zug eröffnen, die alten Männchen ihnen folgen, minder alte sich ihnen anreihen und die Jungen den Schluß bilden.

Durch ihre Massenversammlungen zur Laichzeit gibt auch dieNase(Chondrostoma nasus) Veranlassung zu reichem Fang. Sie bevölkert im Donau- und Rheingebiet fast alle Seen, lebt meist gesellig und hält sich fast stets am Grunde auf, sich von Pflanzen, namentlich Wasseralgen aller Art, ernährend, die sie mit den harten Kieferrändern leicht von der Unterlage abzulösen vermag. Um sich fortzupflanzen, zieht sieim April und Mai in Scharen vom Hauptstrom in die Nebenflüsse und von diesen in die Bäche. Hier legt sie die Eier an kiesigen Stellen ab, über die das Wasser rasch hinwegströmt. Ihr Fleisch ist seines Grätenreichtums wegen nicht sonderlich geschätzt.

Einer unserer häufigsten Flußfische ist derBarsch(Perca fluviatilis), dessen gedrungener, seitlich zusammengedrückter, gelber bis grünlicher Leib mit 5–9 vom Rücken gegen den Bauch verlaufenden dunkeln Querbinden versehen ist. Seine Länge übersteigt bei uns selten 25cm, das Gewicht 1kg; doch kommen in manchen Seen Stücke von 1,5 bis 2kgGewicht vor. Er ist überall im Norden der Alten Welt verbreitet und gedeiht am besten in Seen mit klarem Wasser; doch fehlt er auch Flüssen und tiefen Bächen nicht, geht auch ins Brackwasser und selbst in schwach salzige Meeresteile, wie beispielsweise die Ostsee. In den Flüssen zieht er die Uferseiten und die Stellen mit geringerem Strome der Mitte und dem lebhaften Strome vor, ist auch fähig, in den Seen in größere Tiefen, von etwa 80–100m, hinabzusteigen und dort zu leben, so daß ihm, mit dem Netz von dort heraufgezogen, infolge des verminderten Luftdrucks durch Ausdehnung der Schwimmblase der umgestülpte Magen blasenförmig zum Munde hervorquillt. Mit Vorliebe jagt er zu kleinen Trupps vereinigt, lauert auch gern in Höhlungen des Ufers auf seine Beute. Seine Freßgier ist so groß, daß er nach jedem Köder schnappt und, auch gefangen, bald das Futter aus der Hand seines Pflegers nimmt. Er läßt sich sehr leicht fangen, dauert auch außerhalb des Wassers längere Zeit aus, läßt sich daher weit versenden, wenn er nur unterwegs von Zeit zu Zeit zur Erfrischung in Wasser getaucht wird. Auch hält er sich Tage und Wochen im engen Fischkasten, was ein weiterer Vorzug ist. Aus der Haut der zum Essen nicht geschätzten jüngeren Fische wird ein der Hausenblase ähnlicher, sehr haltbarer Leim bereitet; die älteren Fische dagegen dienen als wohlschmeckende Speise. Seine Laichzeit fällt von März bis Mai. Im dritten Lebensjahre, wenn er eine Länge von etwa 15cmerreicht hat, ist er bereits fortpflanzungsfähig und legt bis zu 300000 Eier. Doch vermehrt er sich gleichwohl nicht in größerer Zahl, da Fische und Wasservögel zahlreiche Eier fressen, auch die jungen Fische zahlreichen Feinden ausgesetzt sind.

Den Barsch übertrifft an Wohlgeschmack bedeutend sein Verwandter, der durch ein köstliches schneeweißes Fleisch ausgezeichneteZander(Lucioperca sandra), der die Ströme und größeren Flüsse Nordost- und Mitteleuropas, in Norddeutschland die Elbe-, Oder- undWeichselgebiete und benachbarten Seen, in Mitteleuropa das Donaugebiet bewohnt, dagegen dem Rhein- und Wesergebiet, ebenso ganz Westeuropa fehlt, auch innerhalb seines Verbreitungsgebietes alle schnellfließenden Flüßchen meidet. Er liebt langsamfließende Gewässer, in deren Tiefe er sich für gewöhnlich aufhält, und erscheint nur während der zwischen die Monate April und Juni fallenden Laichzeit an seichteren, mit Wasserpflanzen bewachsenen Uferstellen, um hier seine Eier zu legen. Als ein außerordentlich raubgieriger Fisch, der alle kleineren Fische auffrißt und seine eigene Brut nicht verschont, wächst er ungemein schnell und erreicht im ersten Jahre bereits ein Gewicht von 0,75, im zweiten ein solches von 1kg. Auch seine Vermehrung ist eine bedeutende. Sein Fleisch ist wie bei allen Fischen am besten und fettesten vor der Laichzeit, also im Herbst und Winter, muß aber frisch zubereitet werden, da es geräuchert oder gesalzen sehr an Schmackhaftigkeit verliert. An der unteren Elbe wird es demjenigen des Lachses gleichgeschätzt und ist fast eben so teuer. Im Rhein- und Wesergebiet, wo er, wie gesagt, ursprünglich nicht heimisch war, ist er in den letzten Jahren mit so gutem Erfolge eingesetzt worden, daß der Zanderfang für die dortigen Fischer heute schon ein bedeutender Faktor geworden ist. In größeren, an schlecht schmeckenden Weißfischen, Plötzen, Rotaugen, Stinten, Gründlingen und anderen minderwertigen Fischen, die ihm zur Nahrung dienen könnten, reichen Gewässern, kleineren Seen oder Teichen würde sich die auf die Zucht gerade dieses Fisches verwandte Mühe reichlich lohnen.

Ebenfalls sehr empfehlenswert für die Teichwirtschaft ist der den beiden vorigen verwandte, nur 25cmlang und 250gschwer werdendeKaulbarsch(Acerina cernua), der überall in Deutschland gefunden wird, nur im Oberrheingebiet fehlt, weil er den Rheinfall von Schaffhausen nicht zu überwinden vermag. Seine Lebensweise ähnelt derjenigen des Flußbarsches. Er zieht klare, tiefe Seen seichteren Gewässern vor, besucht aber letztere während der Laichzeit im April und Mai und wandert dann gewöhnlich truppweise, während er sich sonst mehr einzeln hält. In den Flüssen und Bächen verweilt er bis gegen den Herbst hin; zum Aufenthalt im Winter aber wählt er sich tiefere Gewässer und kehrt deshalb wieder zu den Seen zurück. Seine Nahrung besteht aus kleinen Fischen, Würmern und Kerfen. Der Laich wird auf Steinen abgesetzt. Seinen Fang betreibt man mit der durch einen Regenwurm geköderten Angel oder mit feinmaschigen Netzen. Sein Fleisch wird als sehr schmackhaft geschätzt.

Ihres köstlichen Fleisches wegen wird, wie die verschiedenen Karpfenarten, auch dieSchmerleoderBartgrundel(Nemachilus barbatulus) in manchen Gegenden, so besonders in Böhmen, in kleinen, reichlich mit Schafmist zur Entwicklung von ihr zur Nahrung dienenden Kerbtierlarven beschickten Teichen gezüchtet. Sie lebt darin lange Zeit und zeichnet sich durch ungeheure Gefräßigkeit aus. Ihr Wohngebiet ist Mitteleuropa nördlich der Alpen und reicht im Osten bis zum Ural. In Schweden wurde sie durch Friedrich I., der von 1751 bis 1771 regierte, aus Deutschland eingeführt. Sie hält sich besonders in Flüssen und Bächen mit raschfließendem Wasser auf und verbirgt sich tagsüber unter hohlliegenden Steinen. Erst gegen Sonnenuntergang beginnt ihre die ganze Nacht hindurch währende Jagdzeit. Ihre Laichzeit fällt in die ersten Frühlingsmonate. Das Männchen gräbt mit dem Schwanz ein Loch in den Sand, in welches das Weibchen die Eier legt; dann hält es bis zum Ausschlüpfen der Jungen Wacht am Neste.

Häufiger als die Schmerle findet man in Fischteichen denHecht(Esox lucius) angesiedelt, der nicht mit Unrecht der „Hai der Binnengewässer“ genannt wird, da er der gefürchtetste Räuber der europäischen Seen und Flüsse ist. Er scheint sich in seichtem, sumpfigem Gewässer ebenso wohl zu fühlen wie in einem tiefen, klaren See und erreicht gelegentlich eine Länge von 2mund ein Gewicht bis zu 35kg. Wie ein Pfeil schießt er durch das Wasser auf seine Beute zu, sobald er sie mit seinen scharfen Augen erspäht hat. Seine Gefräßigkeit übertrifft die aller anderen Süßwasserfische. Dabei ist ihm alles recht, von dem er glaubt, daß er es bewältigen könne, bis hinauf zu größeren Vögeln und Säugetieren. Bei solcher Unersättlichkeit ist es kein Wunder, daß das Wachstum dieser Tiere ungemein rasch ist und sie im ersten Jahr 1kg, im folgenden 2kg, bei genügender Nahrung sogar 4 und 5kgan Gewicht erreichen. Ihre Laichzeit fällt in den März und April. Die Eier werden auf seichten, mit allerlei Wasserpflanzen bewachsenen Stellen abgelegt und sind schon nach wenigen Tagen gezeitigt. Von den Jungen findet ein großer Teil im Magen älterer Hechte sein Grab, ein anderer, kaum geringerer, fällt den Geschwistern zum Opfer, die um so rascher heranwachsen, je mehr sie Nahrung finden.

Im Altertum stand das Fleisch der Hechte bei Römern und Griechen nur in geringem Ansehen. Nördlich der Alpen jedoch wurde es von jeher vom Menschen sehr geschätzt und galt besonders in England für teilweisenoch besser als dasjenige des Lachses. Auch heute noch ist er als Braten geschätzt und wird schon aus diesem Grunde, nicht nur des Schadens wegen, den er anrichtet, eifrig verfolgt. Außer Netz und Reuse wird besonders die Schmeißangel zu seinem Fange benutzt. Zur Teichwirtschaft eignet er sich vorzüglich, vorausgesetzt, daß man ihn da unterbringt, wo er nicht schaden kann, oder ihm genügenden Vorrat an Fischen gewährt. Er verträgt hartes wie weiches Wasser, darf aber nicht während der Laichzeit eingesetzt werden, weil er zu dieser Zeit leicht absteht. Um die trägen Karpfen in Bewegung zu erhalten, wird er in kleinen Exemplaren, die weiter nicht schaden, auch in Karpfenteichen gehalten.

Bild 51. Ägypter mit dem Landungsnetz fischend.Auf einem Grabgemälde in Theben. (Nach Wilkinson.)

Bild 51. Ägypter mit dem Landungsnetz fischend.Auf einem Grabgemälde in Theben. (Nach Wilkinson.)

Nicht in der Teichwirtschaft verwendet, aber gleichwohl meist gern gegessen wird dieBrachse(Abramis brama), die 50–70cmLänge und ein Gewicht von 4–6kgerreicht. Nördlich der Alpen wird sie überall in den tieferen Süßwasseransammlungen, meist in starken Gesellschaften, gefunden, wo sie den Sommer über im Schlamme nach Nahrung wühlt. Um zu laichen, was stets zur Nachtzeit an seichten, grasreichen Stellen in der Nähe des Ufers geschieht, vereinigt sie sich im Frühjahr zu großen Zügen und wird dann in Menge gefangen. Wenige Tage nach dem Abzuge der Fische wimmeln die seichten Uferstellen von Millionen ausgeschlüpfter Jungen, die sich noch eine Zeitlang auf der Stätte ihrer Geburt umhertreiben und dann ihren Eltern in die Tiefe der Gewässer folgen.

Von den ihres minderwertigen Fleisches wegen nicht besonders geschätzten Süßwasserfischen soll hier nicht die Rede sein. Nur dieLauben-oderWeißfische(Alburnus) mögen noch genannt werden, da man sie regelmäßig fängt, um sie als Köder für andere Fische zu benutzen, und aus ihren feinzerstoßenen Schuppen eine Masse gewinnt, die Glasperlen täuschend das Aussehen echter Perlen zu geben vermag. Die letztere Erfindung wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts von einem französischen Rosenkranzverfertiger gemacht und lange geheimgehalten. Der ölartig dicke Saft kam alsEssence d’Orientin den Handel und wurde zum Bestreichen des Innern von Glaskügelchen benutzt, die dann vollkommenen Perlglanz aufweisen. Zur Gewinnung von 500gSilberglanz sollen gegen 20000 Weißfische nötig sein. Wegen ihrer unermüdlichen Regsamkeit und unterhaltenden Spiellust eignen sich diese Fischchen vorzüglich, wie die Goldfische in engerem Gewahrsam gehalten zu werden.

Bild 52. Fischer im alten Ägypten 1. mit der Grundangel, 2. mit der Angelrute fischend. (Nach Wilkinson.) Der hier gefangene Fisch heißtshilbehoderarabrab.

Bild 52. Fischer im alten Ägypten 1. mit der Grundangel, 2. mit der Angelrute fischend. (Nach Wilkinson.) Der hier gefangene Fisch heißtshilbehoderarabrab.

Hierzu verwendet man neuerdings bei uns mit Vorliebe die von den Chinesen zur Kulturrasse erhobenenGroßflosser(Polyacanthus viridi-auratus), die von europäischen Liebhabern auch alsParadiesfischebezeichnet werden. Es ist dies eine Art Vieldorner mit gestrecktem und seitlich zusammengedrücktem Leib mit sehr großer, halbmondförmiger, zweilappiger Schwanzflosse. Besonders die Männchen sind bunt mit farbigen Querbinden geziert. Die Länge beträgt bloß 8–9cm. Über das Freileben dieses Zierfischchens fehlt jede Kunde. Wir wissen nur, daß es in China schon recht lange gezähmt worden sein muß und die Chinesen durch sein munteres Wesen erfreute. Deshalb wird es inChina allgemein gefangengehalten und wie der Goldfisch behandelt, nur pflanzt es sich auch in engem Raume viel leichter als letzterer fort und ist zudem durch seine Brutpflege interessant. Das Männchen errichtet nämlich mit dem Mund aus von Schleim überzogenen Luftblasen ein Nest, in das es die vom Weibchen gelegten Eier trägt und sorgsam bewacht. Auch nach dem Ausschlüpfen der Jungen hütet es dieselben mit derselben aufopfernden Fürsorge wie das Stichlingsmännchen, das eine analoge Brutpflege in einem Nest aus Pflanzenfasern ausübt. Erst wenn die Jungen seiner Hülfe nicht mehr bedürfen, überläßt es dieselben ihrem Schicksal und frißt sie auch gelegentlich, wie es das Weibchen zu tun pflegt, auf. Die Jungen ernähren sich anfänglich vom Schleim des Schaumnestes, später von kleinen Aufgußtierchen, dann von allerlei winzigem und zuletzt größerem Gewürm wie die Eltern. Ein einziges Paar dieser Fische soll in einem Sommer nicht weniger als sechsmal gelaicht und dabei jedesmal 400 bis 600 Junge erzielt, also zusammen 3000 Nachkommen ins Leben gesetzt haben. Ihr überaus zierliches Wesen, ihre große Fruchtbarkeit und ihre leichte Fortpflanzung in noch so kleinen Behältern empfehlen sie allen Aquarienfreunden aufs wärmste, so daß sie berufen sind, zum großen Teile, wenn nicht ganz, die viel langweiligeren Goldfische zu verdrängen.

Von China kamen die Großflosser schon zu Ende des 18. Jahrhunderts in Spiritus nach Europa. Erst 1867 werden die ersten lebenden Exemplare in Berlin erwähnt, doch wird nicht mitgeteilt, ob sie sich dort auch schon fortpflanzten. Im Jahre 1869 erhielt Dumeril eine Sendung dieser Zierfische, die der französische Konsul Simon in Ningpo mit Sorgfalt ausgesucht und gesandt hatte. Diese pflanzten sich anstandslos fort und auf sie dürfte wohl die größte Zahl unserer europäischen Großflosser zurückzuführen sein.

Zum Schlusse seien noch einige Bemerkungen über die Fischerei der alten Deutschen beigefügt. Zunächst konnte jedermann da fischen, wo es ihm beliebte, bis mit der Ausbildung des Privateigentums an Grund und Boden auch das Recht der Fischerei, wie der Jagd, immer mehr unter Bann getan wurde. Wer in solchen Banngewässern fischen wollte, mußte eine Erlaubnis dazu vom betreffenden Besitzer haben. Der Fischfang geschah vorzugsweise mit Reusen und Netzen verschiedener Art, von welch letzteren die größtesagina, kleinerebarsaundtegumhießen, daneben auch mit Angeln, die im Mittelalter bei uns Hamen genannt wurden. Man errichtete mit Pfählen und Rutengeflecht dazwischen sogenannte Vennen (lat.venna), in denen sich die Fische beim Stromaufwärtsschwimmen verfingen und keinen Ausweg mehr fanden. Da die Errichtung und Unterhaltung solcher Vennen viel Holzwerk erheischte, wurde bei Verleihung derselben durch Könige meist auch ein Wäldchen geschenkt, so vom Frankenkönig Arnulf, dem Sohne Karlmanns (regierte 887–899) an ein Kloster. Vor ihm erlaubte Karl der Große 777 dem Kloster Lorch zu ihrer Venne auf dem Rhein aus einem Walde, der keine Fruchtbäume hatte, das nötige Holz zur Unterhaltung und Ausbesserung derselben zu holen.

Außer der Fischerei wurde schon bei den alten Franken auch eine Teichwirtschaft getrieben, indem vor allem die Klöster in Nachahmung der römischen Vivarien ebenso genannte Fischteiche errichteten. Karl der Große befahl seinen Verwaltern auf allen Höfen (villa) Fischteiche zu halten und Fische für den Bedarf des Hofhaltes in Holzkästen bereit zu halten. Nur was nicht gebraucht wurde, durfte verkauft werden.

Bild 53. Fischer mit Netz und Reusen.(Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann 1539–1591).

Bild 53. Fischer mit Netz und Reusen.(Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann 1539–1591).

Als mit der Zunahme der geistlichen Stiftungen die Zahl der zu den kirchlichen Fasten eine Menge von Fischen gebrauchenden Mönche wuchs, wurden von den Hörigen, die Fischfang trieben, die Abgaben in Gestalt von Fischen gefordert; diese wurden meist frisch, seltener eingesalzen oder geräuchert gegessen. Erst später wurden die Abgaben an Fischen teilweise in Geld verwandelt. Mit der fortschreitenden Einschränkung der natürlichen Freiheit gehörte der Fischfang im Mittelalter den jeweiligen Grundbesitzern, die das Recht dazu gegen Entschädigung verleihen oder verbieten konnten. Mit Vorliebe wurde von den Königen und Fürsten das Recht des Fischens an Laien und Klöster verliehen; solche Fischenzen oder Fischereien kommen in den Urkundenhäufig vor. Den Stadtbürgern wurde erlaubt, in dem zur Stadt gehörenden Wasser zu ihrer eigenen Speise, aber nicht zum Verkaufe, mit einem Hamen, ausnahmsweise auch mit Netzen, zu fischen. Unbefugte Fischerei wurde sehr streng bestraft. Fische aus einem Teiche stehlen, war ein größeres Verbrechen, als wenn solches aus gemeinem Wasser geschah; denn solche Fische gehörten nach altem Rechte zum Besitzstand, weil Arbeit darangewendet worden war. Nach dem berühmtesten Rechtsbuch des Mittelalters, dem ums Jahr 1230 aufgezeichneten Sachsenrecht, dem „Sachsenspiegel“, gab derjenige, der in gegrabenen Teichen fischte, 30 Solidi oder Goldschillinge im Goldwerte von etwa 10 Mark (tatsächlich aber viel mehr) Strafe, d. h. zehnmal mehr als in gemeinem Wasser, und ward zudem gepfändet, wenn man ihn in „handhafter Tat ergriff“.


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