IV. Das Schaf.
Wohl bald nach der Ziege trat dasSchafin den Haustierstand des Menschen ein, überflügelte dann aber im Laufe der Zeit jene an wirtschaftlicher Bedeutung weit. Vielerorts ist es dem Gebirge, in dem seine Ahnen einst heimisch waren, getreu geblieben und erscheint dort meist in Gesellschaft der Ziege. Daneben hat es in der Gefolgschaft des Menschen in ungeheuren Scharen die trockenen Steppengebiete vornehmlich der Alten Welt bevölkert und ist hier zu einem eminenten Faktor im Haushalte des Menschen geworden, von dem sein Dasein in vielen Fällen geradezu abhängt. Daß der Erwerb dieses überaus genügsamen Haustieres schon in recht früher Vorzeit stattgefunden haben muß, dafür sprechen außer der weiten geographischen Verbreitung zu Beginn der historischen Periode die Spaltung in zahlreiche, stark voneinander abweichende Rassen und vor allem die völlige Umgestaltung des geistigen Charakters, die durch Vererbung so sehr gefestigt ist, daß keinerlei Rückschlag in die psychische Regsamkeit der wilden Ahnen möglich erscheint. So sehr hat es infolge der vielhundertjährigen Bevormundung durch den Menschen im Gegensatz zur Ziege alle eigene Initiative eingebüßt, daß es sein willenloses Werkzeug geworden ist. Wir begreifen daher, wenn Brehm seinen Charakter in folgender Weise schildert: „Das Hausschaf ist ein ruhiges, geduldiges, sanftmütiges, einfältiges, knechtisches, willenloses, furchtsames und feiges, kurzum ein langweiliges Geschöpf. Besondere Eigenschaften vermag man ihm kaum zuzusprechen; einen Charakter hat es nicht. Es begreift und lernt nichts, weiß sich deshalb auch allein nicht zu helfen. Nähme es der eigennützige Mensch nicht unter seinen ganz besonderen Schutz, es würde in kürzester Zeit aufhören zu sein. Seine Furchtsamkeit ist lächerlich, seine Feigheit erbärmlich. Jedes unbekannte Geräusch macht die ganze Herde stutzig, Blitz und Donner, Sturm undUnwetter überhaupt bringen sie gänzlich aus der Fassung und vereiteln nicht selten die größten Anstrengungen des Menschen.“
In den Steppen von Rußland und Asien haben die Hirten oft viel zu leiden. Bei Schneegestöber und Sturm zerstreuen sich die Herden, rennen wie unsinnig in die Steppe hinaus, stürzen sich in Gewässer, selbst in das Meer, bleiben dumm an einer und derselben Stelle stehen, lassen sich widerstandslos einschneien und erfrieren, ohne daß sie daran dächten, irgendwie vor dem Wetter sich zu sichern oder auch nur nach Nahrung umherzuspähen. Zuweilen gehen Tausende an einem Tage zugrunde. Auch in Rußland benutzt man die Ziege, um die Schafe zu führen; allein selbst sie ist nicht immer imstande, dem dummen Tiere die nötige Leitung angedeihen zu lassen. Beim Gewitter drängen sie sich dicht zusammen und sind nicht von der Stelle zu bringen. „Schlägt der Blitz in den Klumpen,“ sagt Lenz, „so werden gleich viele getötet; kommt Feuer im Stalle aus, so laufen die Schafe nicht hinaus und rennen wohl gar ins Feuer. Ich habe einmal einen großen, abgebrannten Stall voll von gebratenen Schafen gesehen; man hatte trotz aller Mühe nur wenige retten können.“ Das beste Mittel, Schafe aus ihrem brennenden Stalle zu retten, bleibt immer, sie durch die ihnen bekannten Schäferhunde herausjagen zu lassen.
In gewissem Grade bekundet freilich auch das Schaf geistige Befähigung. Es lernt seinen Pfleger kennen, folgt seinem Rufe und zeigt sich einigermaßen gehorsam gegen ihn, scheint Sinn für Musik zu haben, hört mindestens aufmerksam dem Gedudel des Hirten zu, empfindet und merkt auch Veränderungen der Witterung vorher. Diese Unselbständigkeit des Schafes hat auch zur Folge, daß es niemals, sich selbst überlassen, wie die Ziege verwildert, sondern stets hilflos zugrunde geht. Seine grenzenlose Dummheit trug auch schuld daran, daß früher, solange es auch bei uns welche gab, Wölfe so schlimm unter diesen Tieren hausten, wenn sie einmal eine Schafherde überfielen oder die Hürden durchbrachen. Diesen Stumpfsinn muß es schon vor 2000 Jahren besessen haben; denn Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Das Schafvieh ist ausgezeichnet dumm. Scheut sich die Herde irgendwohin zu gehen, so braucht man nur eins am Horne hinzuziehen, so folgen die andern alsbald nach.“
Das Schaf liebt trockene und hochgelegene Gegenden mehr als niedere und feuchte. Am besten gedeiht es, wenn es verschiedenerlei getrocknete Pflanzen haben kann. Getreidefütterung macht es zu fett und schadet der Güte der Wolle. Salz liebt es sehr, und frisches Trinkwasser ist ihm ein unentbehrliches Bedürfnis. Die alten Römer ließen ihre Schafe zwischen Mai und Juni zur Paarung; in unsern nördlicheren Breiten geschieht dies von September bis Oktober. Dann werden die Lämmer, weil das Schaf 144–150 Tage trächtig geht, in der zweiten Hälfte des Februar geworfen und bekommen bald gutes, frisches Futter. Gewöhnlich bringt das Mutterschaf nur ein einziges Lamm zur Welt; zwei Junge sind schon ziemlich, drei sehr selten. Anfangs müssen die kleinen Tiere sorgfältig gegen Witterungseinflüsse geschützt werden, später dürfen sie mit auf die Weide gehen. Im ersten Lebensmonat brechen die Milchzähne durch, im sechsten Monat stellt sich der erste bleibende Backenzahn ein, im zweiten Lebensjahre fallen die beiden Milchschneidezähne aus und werden durch bleibende ersetzt; erst im fünften Jahre werden die vorderen Milchbackenzähne gewechselt und ist damit das Zahnen beendet. Das Schaf kann 14 Jahre alt werden, doch fallen ihm schon im 9. oder 10. Jahre die meisten Zähne aus, wodurch es unbrauchbar wird, weshalb es dann so rasch als möglich gemästet und geschlachtet werden muß. Alle Schafrassen lassen sich leicht untereinander kreuzen und pflanzen sich ohne Schwierigkeit fort; deshalb läßt sich das Schaf leicht veredeln. Es ist Wollieferant, aber auch hervorragendes Fleischtier geworden, selbst als Milchtier hat es an manchen Orten eine gewisse Bedeutung erlangt; daneben wird es auch zum Tragen von Lasten benutzt. In einzelnen Kulturkreisen, besonders da, wo eine Abneigung gegen das Schwein vorhanden ist, wird es speziell auf Fett gezüchtet. In diese letzte Kategorie gehören die bei allen Nomaden Asiens und Afrikas so beliebten Fettschwanz- und Fettsteißschafe.
Erst neuerdings ist einige Klarheit in die Herkunft der verschiedenen Schafrassen gekommen, die aus vier Quellen, nämlich einer nordostafrikanischen, einer westasiatischen, einer zentralasiatischen und einer südeuropäischen hervorgingen. Der Bildungsherd der ganzen Schafgruppe, die sich in geologisch gesprochen erst neuerer Zeit vom Stamme der Antilopen abzweigte, liegt offenbar in Asien, von wo sich die einzelnen Glieder über die gebirgigen Teile von Asien, Europa und das westliche Nordamerika verbreiteten. Alle Wildschafe sind echte Gebirgstiere, die sich nur in bedeutenden Höhen wohlzufühlen scheinen und teilweise über die Schneegrenze emporsteigen. Als solche sind sie geistig begabt, sie schätzen die Gefahr ab und verteidigen sich mit Mut. Die meisten derselben lassen sich, jung eingefangen, ohne Mühe zähmen und behalten ihre Munterkeit wenigstens durch einige Geschlechter bei,pflanzen sich auch regelmäßig in der Gefangenschaft fort. An Leute, die sich viel mit ihnen abgeben, schließen sie sich innig an, folgen ihrem Rufe, nehmen gern Liebkosungen an und können einen so hohen Grad von Zähmung erlangen, daß sie mit andern Haustieren auf die Weide gesandt werden dürfen, ohne solch günstige Gelegenheit zur Erlangung ihrer Freiheit zu benützen. Ihr Haarkleid ist ein nicht sehr langes, etwas grobes Grannenhaar, unter welchem im Herbst zum Schutze gegen die Kälte ein Wollkleid hervorsproßt, das im Frühjahr in Fetzen und Flocken abgelöst und durch Schütteln des Tieres entfernt wird. Unter dem Einfluß der künstlichen Züchtung hat sich bei den Hausschafen ein dauerndes, vliesartiges Wollkleid entwickelt, das den Wildschafen, aber auch gelegentlich zahmen Schafen fehlt. Ihr Schädel erscheint an der Stirn abgeflacht und trägt ein im Querschnitt dreikantiges Gehörn, das spiralig verläuft und bei den Böcken stark, bei den Weibchen nur schwach oder gar nicht ausgebildet ist. Das Euter der letzteren ist vierzitzig.
In Mitteleuropa erscheint das Hausschaf bereits in neolithischer Zeit, und zwar in einer merkwürdig kleinen Art, mit einer Schädelbildung und Hörnern, die mehr ziegenartig sind und an unsere heutigen Halbschafe erinnern. Es ist dies dasTorfschaf(Ovis aries palustris), nach dem Finden seiner Überreste in den meist in vertorftes Gelände eingebetteten Pfahlbauüberresten so genannt. Schon L. Rütimeyer fiel es auf, daß seine Reste in den ältesten Pfahlbauten noch spärlich sind und erst später häufiger werden. Diese Tatsache konnte Th. Studer bestätigen. Erst mit der Bronzeperiode macht sich ein entschiedener Aufschwung der Schafzucht bemerkbar, indem damals zum erstenmal statt der althergebrachten Fell- und Pelzkleidung leichtere und angenehmer zu tragende Wollkleider bei den Bewohnern Mitteleuropas aufkamen, unter denen man allerdings ein grobgewebtes leinenes Hemd zu tragen pflegte.
Das Torfschaf der Neolithiker Mitteleuropas war ein kleines, fast zwergartiges Schaf mit feinen, schlanken Extremitäten, langgestrecktem, schmalem Schädel, wenig gewölbter Stirnfläche und zweikantigen ziegenartigen Hörnchen. Die Augenhöhlen traten verhältnismäßig wenig vor. Im Jahre 1862 machte dann L. Rütimeyer die überraschende Tatsache bekannt, daß das Torfschaf der Pfahlbauern noch nicht ganz erloschen sei, sondern in einem direkten und nur wenig abgeänderten, aber jetzt im Aussterben begriffenen Abkömmling in demBündner- oderNalpserschafweiterlebe. In dem vom Weltverkehrabgelegenen Bündner Oberlande hat sich dieses lebende Überbleibsel der schon längst abgelaufenen Pfahlbauzeit, nebst den Nachkommen des sonst überall verschwundenen Torfschweines der Neolithiker, bis auf unsere Tage erhalten. Die osteologische Übereinstimmung der Schädel beider Schafarten ist in der Tat eine höchst frappante. Die wichtigsten, wohl durch Domestikationsveränderungen zu erklärenden Abweichungen bestehen in einer ziemlich deutlichen Wölbung der Stirn und in einem weniger steilen Abfall des Hinterhauptes. Die knöchernen Hornzapfen sind bei beiden identisch, doch scheint das darauf gewachsene Gehörn beim Nalpserschaf etwas kleiner geworden zu sein. Die Ohren sind bei letzterem abstehend, verhältnismäßig klein, aber sehr beweglich. Das Wollkleid ist dicht, aber wenig lang, so daß der Wollertrag ungünstig ausfällt. Die vorherrschende Färbung desselben ist silbergrau, eisengrau, dunkelbraun bis ganz schwarz. Dunkle Exemplare haben häufig einen weißen Kopfstern und weiße Abzeichen an Schwanz und Füßen.
Der durch fortgesetzte planmäßige Zuchtwahl bei den übrigen moderneren Schafrassen erzielte Leucismus ist also bei diesem noch nicht erreicht worden. Das durchschnittliche Lebendgewicht desselben beträgt 28kg. Der geistige Charakter der Tiere nähert sich als überaus altertümliches Merkmal demjenigen der Ziege. An Lebhaftigkeit in den Bewegungen, an Zutraulichkeit und natürlicher Intelligenz übertrifft diese Rasse alle andern Schafrassen. Während Rütimeyer noch Herden derselben aus den Nalpser Alpen erwähnt, hatte C. Keller 40 Jahre später (im Sommer 1900) Mühe, in Disentis noch ein gutes Exemplar reiner Rasse aufzutreiben. Am meisten soll diese Rasse zurzeit noch in den Vriner Alpen angetroffen werden, geht aber auch dort ein, da sie nach den Mitteilungen des bündnerischen Alpinspektors Solèr in Vrin gegenwärtig stark mit Walliserschafen gekreuzt wird. Nur wenige Ställe wiesen 1902 noch reines Blut auf. Keller hat damals noch eine kleine Kolonie reinrassiger Tiere beziehen können, die gegenwärtig im Tierpark des Sihlwaldes bei Zürich angesiedelt sind. Eine zweite Kolonie dieser letzten Mohikaner hat man in Flims untergebracht, um auch in Bünden noch eine Zuchtfamilie zu erhalten. Übrigens sollen auch einzelne primitive Schafrassen Irlands Zusammenhänge mit dem alten Torfschaf aufweisen. Auch wäre es möglich, in den abgelegenen Bergen Albaniens noch Überreste dieser sonst überall als an Wolle quantitativ und qualitativ minderwertigen und deshalb abgeschafften Schafrasse zu finden, worauf hiermit etwaige Reisende aufmerksam gemacht werden sollen.
Tafel 21.Mähnenschaf im Tierpark Hellabrunn zu München.(Nach einer Photographie von M. Obergaßner.)
Tafel 21.
Mähnenschaf im Tierpark Hellabrunn zu München.(Nach einer Photographie von M. Obergaßner.)
(Copyright by M. Koch, Berlin.)Muflon.
(Copyright by M. Koch, Berlin.)Muflon.
(Copyright by M. Koch, Berlin.)
Tafel 22.Schieferplatte der vorhistorischen Negadazeit Ägyptens im Museum von Gizeh, oben mit Darstellungen eines bantengartigen Hausrindes, darunter von Eseln mit dem Schulterkreuz und zu unterst von sehr altertümlichen Hausschafen, die schon durch die noch vorhandene Halsmähne als Abkömmlinge des Mähnenschafes gekennzeichnet sind.⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 22.
Schieferplatte der vorhistorischen Negadazeit Ägyptens im Museum von Gizeh, oben mit Darstellungen eines bantengartigen Hausrindes, darunter von Eseln mit dem Schulterkreuz und zu unterst von sehr altertümlichen Hausschafen, die schon durch die noch vorhandene Halsmähne als Abkömmlinge des Mähnenschafes gekennzeichnet sind.
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 23.Altägyptische Darstellungen von Stieren und Widdern aus Sakkarah, 26. Dynastie, 663–526 v. Chr.⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 23.
Altägyptische Darstellungen von Stieren und Widdern aus Sakkarah, 26. Dynastie, 663–526 v. Chr.
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 24.Steppenschaf (Ovis arkal)(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tafel 24.
Steppenschaf (Ovis arkal)(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Mykenische Schafe auf einer Elfenbeinschnitzerei von Menidi.(Nach Perrot und Chippiez.)
Mykenische Schafe auf einer Elfenbeinschnitzerei von Menidi.(Nach Perrot und Chippiez.)
Schon Rütimeyer hatte die Abstammung des Torfschafes vom nordafrikanischenMähnenschaf(Ovis tragelaphus) vermutet, aber sein Material war noch zu dürftig, um diesen Beweis zu erbringen. Namentlich fehlten ihm die vermittelnden Glieder, die nun der Züricher Zoologe Prof. Konrad Keller so glücklich war, aufzufinden. Wir wissen nun, daß tatsächlich das Mähnenschaf der wichtigste Stammvater des neolithischen Torfschafes ist. Es verdient daher hier an erster Stelle besprochen zu werden. Es ist das äußerlich ziegenähnlichste Wildschaf, das über das ganze nordafrikanische Gebirge verbreitet zu sein scheint. Es ist ein stattliches Tier von oft über 90cmSchulterhöhe und mit trefflicher Schutzfärbung den gelblichen Kalkfelsen seiner Heimatberge angepaßt. Es hält sich hier immer an der der Wüste zugewandten Seite auf. Mehrere Tage kommt es ohne Wasser aus. Da es aber schließlich gezwungen ist, von Zeit zu Zeit zur Tränke zu gehen, alle Tränken jedoch von den Beduinen mit ihren Ziegenherden in Anspruch genommen werden, hat es, um zum Ziele zu kommen, die Kunst des Versteckens in ungewöhnlichem Grade ausgebildet. Die arabischen Beduinen, die es oft genug hören, ohne es zu sehen, nennen es Arni, wir dagegen gaben ihm den Namen Mähnenschaf, weil das sonst kurze, graugelbe, bei alten Böcken dunklere, schwärzlich gesprenkelte Fell vom Kinne ab sich zu einer im männlichen Geschlecht schließlich bis zur Erde herabwallenden, im weiblichen dagegen nur schwach ausgebildeten Vorderhalsmähne entwickelt. Verlängerte Haarbüschel hängen auch an den Vorderläufen vom Ellbogen herab. Daher der französische Namemouflon à manchettes. Die meisten von uns kennen dieses Tier aus den zoologischen Gärten, in denen es sich gut halten läßt und leicht fortpflanzt! Nicht nur das geradlinige Profil, das dunkelgefärbte, verhältnismäßig hochstrebende Gehörn und der gerade ausgestreckte, flache, unterseits nackte, oben büschelförmig behaarte Schwanz geben ihm, besonders im weiblichen Geschlecht, etwas Ziegenartiges, sondern es fehlen ihm auch wie bei diesen im Gegensatz zu den übrigen Schafen Tränengruben und Tränendrüsen.
Bereits im Jahre 1561 beschrieb Cajus Britannicus das Mähnenschaf, dessen Fell ihm aus Mauretanien gebracht worden war. Erst im 19. Jahrhundert erwähnten es wieder Pennaut und später Geoffroy. Letzterer fand es in der Nähe von Kairo im Gebirge auf; andere Forscher beobachteten es am oberen Nil und in Abessinien. Am häufigsten scheint es noch im Atlas aufzutreten. Der Franzose Buvey schreibt über dieses Tier: „Das Mähnenschaf wird im südlichen Algerienvon den Einheimischen im allgemeinen Arni genannt. Unzweifelhaft wird es in den höheren Teilen des Gebirges, im marokkanischen Atlas, noch häufiger sein als in Algerien, da Abgeschiedenheit vom menschlichen Verkehr, welche jenen Teil des Gebirges auszeichnet, einem Wiederkäuer nur zusagen kann.
Das Mähnenschaf liebt die höchsten Felsengrate der Gebirge, zu denen man bloß durch ein Wirrsal zerklüfteter Stein- und Geröllmassen gelangen kann; deshalb ist seine Jagd eine höchst mühselige, ja oft gefährliche. Dazu kommt, daß sie nicht viel Gewinn verspricht; denn es lebt meist einzeln, und nur zur Paarungszeit, welche in den November fällt, sammeln sich mehrere Schafe und dann auch die Böcke, halten einige Zeit zusammen und gehen hierauf wieder auseinander ihres Weges. Die Araber sind große Liebhaber des Fleisches dieser Wildschafe. Das Fleisch steht dem des Hirsches sehr nahe. Aus den Fellen bereiten die Araber Fußdecken; die Haut wird hier und da gegerbt und zu Saffian verwendet.
Obwohl das Mähnenschaf zu den selteneren Tieren gezählt werden muß, wird es doch manchmal jung von den Gebirgsbewohnern in Schlingen gefangen und dann gewöhnlich gegen eine geringe Summe an die Befehlshaber der zunächstliegenden Militärstationen abgegeben. Im Garten des Gesellschaftshauses zu Biskra befand sich ein solches junges Tier, das an einer 5mhohen Mauer, der Umzäunung seines Aufenthaltsortes, mit wenigen, fast senkrechten Sätzen emporsprang, als ob es auf ebener Erde dahinliefe, und sich dann auf dem kaum handbreiten First so sicher hielt, daß man glauben mußte, es sei völlig vertraut da oben.“
Irgendwo in Oberägypten muß in frühneolithischer Zeit dieses Mähnenschaf gezähmt und in den Haustierstand erhoben worden sein. Eine Schieferplatte des Museums von Gizeh aus der vorägyptischen Negadazeit aus der Mitte des vierten vorchristlichen Jahrtausends zeigt neben Rind und Esel starkgehörnte Hausschafe, die nach Keller wegen der noch vorhandenen Halsmähne ihrer Herkunft nach direkt auf das Mähnenschaf zurückweisen. Dieses Hausschaf der Negadazeit leitet direkt zum ältesten Hausschaf der Ägypter des Alten Reiches (2980 bis 2475 v. Chr.) über, das auch in späterer Zeit, so in Gräbern von Beni Hassan aus der 12. Dynastie (2000–1788 v. Chr.) mehrfach abgebildet wird. Damals, zur Zeit des Mittleren Reiches (2160–1788 v. Chr.) kommen bereits drei verschiedene Schläge dieser alten Rasse nebeneinander vor. Erst im Neuen Reich (1580–1205 v. Chr.), da an dieStelle der früheren Abgeschlossenheit infolge der wiederholten Feldzüge und ausgiebiger Handelsverbindungen eine regere Fühlung mit den vorderasiatischen Kulturreichen begann, wanderte eine neue asiatische Schafrasse in Ägypten ein, die nach und nach, wohl infolge der Gewinnung von mehr und besserer Wolle, die Oberhand gewann und die älteren Schafrassen von Mähnenschafabstammung verdrängte. Die damals mit großer Kunstfertigkeit in harten Stein gehauenen Widder, die in ganzen Reihen vor den Tempeln (z. B. von Karnak bei Theben) aufgestellt wurden und von beiden Seiten die Prozessionsstraße einfaßten, sind zweifellos diesen höher gezüchteten und deshalb höher geschätzten neuen asiatischen Abkömmlingen nachgebildet.
Bild 18. Altägyptisches Hausschaf des alten Reichs.(Nach Darstellungen in Beni Hassan.)
Bild 18. Altägyptisches Hausschaf des alten Reichs.(Nach Darstellungen in Beni Hassan.)
Von Ägypten aus kam teils durch Überfälle und damit verbundenem Raub, teils durch Tauschhandel das altägyptische Schaf von Mähnenschafabstammung nach dem Innern Arabiens, wo es heute noch bei den konservativen Beduinen wenig verändert alsNedjeschafgehalten wird, dann über Syrien und Kleinasien oder durch den regen Schiffsverkehr direkt zu den Vorläufern der Träger der alten Inselkultur des griechischen Archipels, den Mykenäern oder Minoern, die im zweiten vorchristlichen Jahrtausend eine sehr hohe, weitgehend von den Kulturen Vorderasiens und Ägyptens beeinflußte Kultur besaßen. Wir wissen heute aus verschiedenen Funden von Schafdarstellungen ausdieser mykenischen Zeit, daß die Träger der späteren Inselkultur ein dem Torfschaf der Mitteleuropäer sehr ähnliches Hausschaf mit ziegenartigem Gehörn besaßen und dieses dank ihren Handelsverbindungen sehr frühe an die verschiedenen Stämme Europas weitergaben. So ist in einer Zeit, die vielleicht vor diejenige des Alten Reiches in Ägypten fällt, das ziegenähnliche Hausschaf des Niltals bis zu den noch länger in der Steinzeit verharrenden Stämmen Mitteleuropas gelangt.
Auf einer mykenischen Elfenbeinschnitzerei, die 1879 in einem aus der Zeit jener alten Inselkultur stammenden Kuppelgrabe von Menidi in Attika gefunden wurde, sind sehr langköpfige zahme Schafe mit ziemlich langem Schwanz und ziegenartig zweikantigem, hinter dem Hals gebogenem, starkem Gehörn abgebildet, die durchaus afrikanische Mähnenschafabstammung verraten. Ganz dieselbe eigentümliche Bildung zeigen vier Schafköpfe, die in einen in Vaphio ausgegrabenen Amethyst aus mykenischer Zeit eingraviert sind. Es kann also durchaus kein Zweifel obwalten, daß die Schafrasse der Mykenäer vom Niltale, mit dem sie rege Handelsverbindungen unterhielten, stammte. Von dort gelangte diese zu den weiter nördlich wohnenden Stämmen, nachdem sie irgendwo mit Schafrassen asiatischer Abstammung gekreuzt war, was ja bei deren höherer Leistungsfähigkeit sehr nahelag.
Bild 19. Nach der Aussaat über den Acker getriebene Schafe im alten Ägypten. Diese sollten mit ihren Füßen die Samenkörner in den Boden treten.(Nach Wilkinson.)
Bild 19. Nach der Aussaat über den Acker getriebene Schafe im alten Ägypten. Diese sollten mit ihren Füßen die Samenkörner in den Boden treten.(Nach Wilkinson.)
Schon um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends wurde auch dieses Haustier neben dem andern Vieh in größeren Herden im gebirgigen Griechenland gehalten. In der Ilias spielen die Bergweiden mit den Scharen braunroter Rinder, weißer oder schwarzer Schafe und den „sich weit ausbreitenden Herden der meckernden Ziegen“ eine so wichtige Rolle, daß die Herrensöhne selbst als Oberaufseher dahin gesandt werden. Auf einer solchen Bergweide sprach Alexandros (Paris) den drei aufeinander eifersüchtigen Göttinnen das berühmte Urteil, dasseinem Volke so verderblich werden sollte. In der Verkleidung eines Herrensohnes, der die Herden des Vaters beaufsichtigt, tritt Athene dem heimkehrenden Odysseus entgegen. Auf der Bergweide weidet nach dem homerischen Epos das Vieh tagsüber von bewaffneten Hirten und starken Hunden bewacht. Mit einem Stabe, den er wirft, verhindert der Hirt, daß sich die Tiere zu sehr zerstreuen. Am Abend werden die Herden in feste Pferche oder Ställe eingetrieben. Dort werden wie die Kühe und Ziegen, auch die Schafe gemolken, und in der Höhle des Zyklopen ist nach der Beschreibung des Odyssee eine regelrechte Käserei eingerichtet, in der die Milch seiner Schafe verwertet wird. Außerdem ist an den Schafen das Fleisch und vor allem die Wolle wertvoll. Damals war der Löwe noch mehr als der Wolf der Feind der Viehzucht, mit dem manch harter Kampf ausgefochten wurde. Auch der schleichende Panther wurde den Herden gefährlich und mit Hilfe einer Hundemeute wurden auch auf ihn Treibjagden abgehalten.
Während das nordafrikanische Mähnenschaf, die Stammform der Rasse, ein stattliches Tier von 1,55mLänge darstellt, ist das im Bündnerschaf uns mehr oder weniger rein erhaltene Torfschaf der Neolithiker durchschnittlich nur 0,84mlang. Diese Verkleinerung der Rasse ist wohl Folge der schlechten Haltung und nicht in dem Sinne zu deuten, wie es Keller tut, der sagt: „Wir dürfen aber annehmen, daß die Auslese die kleinen Tiere begünstigte, weil sie für die Wanderung günstiger waren. Andere Schafrassen zeigen ja auch starke Größenunterschiede, asiatische und afrikanische Rinder weisen neben Riesenformen auch eigentliche Zwergformen auf.“
Der wichtigste Unterschied im Schädelbau des Mähnenschafes und des davon abzuleitenden Torf- beziehungsweise Bündnerschafes besteht darin, daß letzteres eine, wenn auch seichte Tränengrube besitzt, die ersterem völlig abgeht. Diese Eigentümlichkeit kann nur dadurch erklärt werden, daß das Torf- und das davon abstammende Bündnerschaf auf ihrem Wege vom Niltal nach Mitteleuropa etwas Blut der alsbald zu besprechenden Hausschafe von asiatischer Abstammung erhielt, die alle dadurch gekennzeichnet, daß sie wie ihr wilder Stammvater eine Tränengrube besitzen. Sonst steht die allgemeine Bildung des Schädels beim Torf- und Bündnerschaf wegen ihres ziegenartigen Charakters dem Mähnenschaf viel näher als irgend einem echten Wildschaf, nur die Stirnbeine sind beim Mähnenschaf flach, beim Torf- und Bündnerschaf dagegen gewölbt, was entweder Folge der Domestikation oder der Kreuzung mit asiatischen Schafrassen sein kann. Wie dasMähnenschaf das langgeschwänzteste Wildschaf ist, ist auch das Torf- wie das Bündnerschaf langschwänzig.
Von dem zum Teil hängeohrigen altägyptischen Hausschaf von Mähnenschafabstammung sind nur wenig veränderte Nachkommen im von den Nubierstämmen am oberen Nil, vorzugsweise den Dinkas, gehaltenenDinkaschafnoch am Leben. Dieses trägt noch als Reminiszenz an seinen Ahnen einen mähnenartig an Hals und Vorderbrust herabfallenden Haarmantel; der übrige Körper ist kurz behaart, wie auch der lange, dürre Schwanz. Sein Gehörn ist durchaus ziegenartig, indem die kurzen, kräftigen Hörnchen sich dem Hals entlang scharf nach hinten wenden, um eine halbmondförmige Krümmung zu beschreiben. Die Färbung ist meist rein weiß, teilweise auch rotbraun oder weiß und schwarz gefleckt. Georg Schweinfurth fand dieses Schaf außer bei den Dinkas auch bei den Nuër und Schilluknegern.
Ein anderer Abkömmling des altägyptischen Hausschafes ist das ebenfalls stark bemähnte und vorwiegend weiß gefärbteFezzan-oderlibysche Schaf. Dessen dürrer Schwanz trägt am Ende wie sein Ahnherr, das Mähnenschaf, eine an einen Kuhschwanz erinnernde große Quaste.
Ganz den Charakter des altägyptischen Schafes, wie es uns an den Wänden der Grabkammern und als hieroglyphisches Zeichen abgebildet entgegentritt, weist das in den Gegenden am oberen Lauf des Niger lebendeNigerschaf. Dieses ist hochbeinig, besitzt einen Kopf mit Hängeohren und kleinen Ziegenhörnern und trägt ebenfalls am Vorderkörper an die Mähne des Mähnenschafs und der davon abstammenden ältesten Hausschafe Ägyptens erinnernde verlängerte Haare. Abkömmlinge von ihm verbreiteten sich bis nach Senegambien und dem Golf von Guinea.
Zweifellos enthalten auch dieSenegalschafe, dann das hochbeinige, hängeohrigeGuineaschaf, dasKongoschafund das kropfigeAngolaschafoderZunuvorzugsweise Mähnenschafblut, das aber mehr oder weniger stark mit solchem vom Fettschwanzschaf asiatischer Abstammung gemischt ist.
Der Stammvater dieses Fettschwanzschafes, das jetzt durch ganz Nordafrika, von Ägypten bis Marokko, verbreitet ist und vom Niltal aus nach Abessinien und zu den Somalis gelangte, wie aller asiatischer Hausschafe überhaupt, ist das transkaspischeSteppenschafoder derArkal(Ovis arkal), der schon in sehr früher Zeit in Westasien zum Haustier erhoben wurde. Er ist kleiner als das Mähnenschaf, abergrößer als das alsbald zu besprechende südeuropäischeMuflon(Ovis musimon), von dem sich die Heidschnucken und Marschschafe ableiten. So sind denn die von jenem abstammenden langschwänzigen Hausschafe durchschnittlich größer als die von letzterem hervorgegangenen kurzschwänzigen. Am Schädel des Arkal ist wie an demjenigen der Hausschafe asiatischer Abkunft die Stirne schmal, die Hornzapfen liegen weiter auseinander wie beim Muflon, das dreikantige Gehörn ist hellfarbig, regelmäßig gewulstet und zwischen den starken Wulsten tief eingeschnitten, also mit dem Merinogehörn am meisten übereinstimmend. Die Tränengruben erscheinen tiefer als bei irgend einer andern Art. Die Augenhöhlen treten röhrenförmig hervor und sind mit ihrer Achse schief nach vorn gerichtet, ein Merkmal, das besonders beim chinesischen Schaf auffällt, das allerdings vorzugsweise ein Argaliabkömmling ist.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Wildschafen Asiens ist der Arkal kein Hochgebirgstier; er bewohnt vielmehr die niederen Vorberge und geht selbst bis zur Küste des Kaspischen Meeres herab, dessen Wasserspiegel bekanntlich unter dem Niveau des Mittelmeeres liegt. Mehr als alle anderen Wildschafe lebt er in größeren Herden von 60 bis 100, gelegentlich auch 200 Stück; vereinzelte Stücke werden nur selten angetroffen. Es ist ein wenig scheues, gutmütiges Tier, das sich leicht jagen und fangen läßt. Kein Wunder also, daß sich der Mensch schon früh seiner bemächtigte. Von ihm hochgezüchteteFettschwanzschafetreten uns schon auf Reliefdarstellungen des 8. Jahrhunderts v. Chr. entgegen, so auf einer Platte aus der Zeit Tiglatpilesars II. um 745 v. Chr., die uns aus einer eroberten jüdischen Stadt durch Soldaten weggetriebene Schafe mit ansehnlichem Fettschwanz und kleinen Arkalhörnern zeigt. Solche Schafe, deren Hauptkennzeichen der mittellange, dicke und sehr breite Fettschwanz bildet, kannte schon der griechische Geschichtschreiber Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert. Er schreibt nämlich: „In Arabien gibt es ganz wunderliche Schafe. Die eine Rasse hat Schwänze von drei Ellen Länge (= 1,5m), so daß man den Schwanz eines jeden Schafes auf ein Wägelchen binden muß, damit er nicht auf der Erde hinschleife, sich da abreibe und verwunde. Die andere Rasse hat Schwänze, welche eine Elle breit werden.“ Er meint damit in starker Übertreibung die beiden heute noch in ganz Westasien gehaltenen Fettschwanz- und Fettsteißschafe. Diesen beiden Schafarten wurden starke Fettansammlungen im Unterhautzellgewebe des Hinterteils angezüchtet, die bis 20kgGewicht erlangen können. Die asiatischen Nomaden, denen im Gegensatz zu den Ackerbauern die Haltung des Schweines als Fettspender in der Steppe unmöglich war, verlegten sich schon sehr früh darauf, bei Schafen von Arkalabstammung solche Fettwucherungen zu unterstützen. So erlangten sie das Fettschwanzschaf, das nach Osten bis Turkestan reicht. Dort greifen sie vielfach in das Gebiet der alsbald zu besprechenden Fettsteißschafe über und liefern in den jungen Tieren das als Astrachan, Krimmer oder Persianer geschätzte Pelzwerk. Dieses wird besonders von den Lämmern der Karakulrasse gewonnen, die in Chiwa, Buchara und westlich davon bis Astrachan gehalten wird.
Die Rassen des Fettschwanzschafes mit mittellangem Schwanz, bei denen der Schwanz höchstens bis zu den Hacken reicht, finden wir auf den vorhin erwähnten assyrischen Darstellungen des 8. vorchristlichen Jahrhunderts nie mit einem konvexen, sondern mit einem geraden Profil, ja auf dem im Berliner Museum befindlichen Feldlager unter Sanherib, der 705 v. Chr. seinem Vater Sargon als König von Assyrien folgte und bis 681 regierte, da er von seinen eigenen Söhnen ermordet wurde, finden wir deren Profillinie sogar etwas konkav. Diese gerade bis konkave Profillinie, die wir bei allen Wildschafen treffen, zeigt an, daß das erst mit einem unbedeutenden Fettschwanz versehene Schaf dem wilden Vorfahren noch recht nahestand. Erst als die Domestikation stärker eingewirkt hatte, wurde das Gesichtsprofil, wohl als Folge des Schwächerwerdens des Gehörns, konvex, Verhältnisse, die wir in gleicher Weise auch bei den Ziegen beobachten. Auch die Hörner, die vorwiegend beim Widder vorkommen und dem Weibchen gewöhnlich fehlen, deuten mit Sicherheit auf die Abstammung dieser Tiere vom Arkal, das als Steppenschaf der Domestikation weit leichter zugänglich war als eines der Hochgebirgsschafe. Die Hörner des Fettschwanzschafes sind kurz und halbmondförmig nach hinten und nach der Seite gekrümmt. Von den hierher gehörenden Rassen unterscheidet man das meist hell gefärbte, kurzwollige, bucharische Fettschwanzschaf, das von den Kirgisen und Tataren gehalten wird. Es kommt auch noch in Syrien und Palästina vor. Sein Fettschwanz erreicht hier teilweise einen solchen Umfang, daß er, wie Russel aus Syrien berichtet, am untern Ende durch dünne Brettchen, die gelegentlich mit Rädchen versehen sind, gegen Verletzungen geschützt wird. So konnte die schon von Herodot gemeldete Sage aufkommen, der Schwanz der morgenländischen Schafe sei so schwer, daß er auf Wägelchen gebunden werden müsse, damit sich die Tiere nicht beim Nachschleifen desselben verletzen. In Ägypten wird es durch das bis Abessinien verbreiteteägyptische Fettschwanzschaf mit ziemlich großem Kopf, langen und breiten Hängeohren und nur auf den Widder beschränktem Gehörn abgelöst. Beim tunesischen und algerischen Fettschwanzschaf ist der bis zum Fersengelenk reichende, tiefangesetzte Schwanz nur in seinem oberen Teil mit Fett durchwachsen, gegen die Spitze hin aber normal. Außer in ganz Nord- und Ostafrika hat sich dieses Fettschwanzschaf auch in Südafrika eingebürgert.
Tafel 25.Assyrische Fettschwanzschafe aus der Zeit Tiglatpilesars, um 745 v. Chr.(Nach Keller, die Abstammung der ältesten Haustiere.)⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 25.
Assyrische Fettschwanzschafe aus der Zeit Tiglatpilesars, um 745 v. Chr.(Nach Keller, die Abstammung der ältesten Haustiere.)
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 26.Kirgisische Fettschwanzschafe mit ausfallender Winterwolle, von Karl Hagenbeck in Stellingen importiert.
Tafel 26.
Kirgisische Fettschwanzschafe mit ausfallender Winterwolle, von Karl Hagenbeck in Stellingen importiert.
Karakulschafe, von Karl Hagenbeck aus Buchara importiert.
Karakulschafe, von Karl Hagenbeck aus Buchara importiert.
Tafel 27.Kampf von Widdern des Fettschwanzschafes vor dem Khan von Chiwa.
Tafel 27.
Kampf von Widdern des Fettschwanzschafes vor dem Khan von Chiwa.
Fettschwanzschaf in Chiwa.
Fettschwanzschaf in Chiwa.
Tafel 28.Widder des Fettschwanzschafes in Chiwa.⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 28.
Widder des Fettschwanzschafes in Chiwa.
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 29.In England gezogene weiße orientalische Eselhengste, von Karl Hagenbeck importiert.
Tafel 29.
In England gezogene weiße orientalische Eselhengste, von Karl Hagenbeck importiert.
Ägyptischer Hausesel der Onagerrasse.(Nach Aufnahme von Professor Keller in Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Ägyptischer Hausesel der Onagerrasse.(Nach Aufnahme von Professor Keller in Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tafel 30.Grauer abessinischer Esel mit deutlich sichtbarem Schulterkreuz und zebraartiger Querstreifung an den Beinen.(Aus Karl Hagenbecks Tierpark in Stellingen.)
Tafel 30.
Grauer abessinischer Esel mit deutlich sichtbarem Schulterkreuz und zebraartiger Querstreifung an den Beinen.(Aus Karl Hagenbecks Tierpark in Stellingen.)
Sartenfamilie auf einer säugenden Eselin in Turkestan.(Nach einer Photographie von Arndt Thorer.)
Sartenfamilie auf einer säugenden Eselin in Turkestan.(Nach einer Photographie von Arndt Thorer.)
Beim anatolischen und syrischen Fettschwanzschaf ist der Fettschwanz sehr lang und in der Höhe des Sprunggelenkes nach oben gekrümmt. Diese werden in Kleinasien und Syrien am häufigsten gehalten und haben vereinzelte Ausläufer bis nach Südeuropa gesandt, so nach der Balkanhalbinsel, Süditalien und neuerdings (von Algier aus) auch nach einigen Landstrichen des südlichen Frankreich. Das höchstgezüchtete Fettschwanzschaf ist das persische, das von ansehnlicher Größe, aber nicht sehr hoch gebaut ist. Das Vlies ist ziemlich dicht, mit mäßig langer, gewellter Wolle, die sich nicht zum Versponnenwerden eignet und deshalb auch kaum je technisch verwendet wird. Die Färbung ist schmutzigweiß, silbergrau, braunschwarz, oft auch scheckig. Das bogenförmige Gehörn ist von lichter Farbe, nicht groß, aber in beiden Geschlechtern vorhanden. Der Fettschwanz ist sehr umfangreich, erreicht nicht selten den vierten Teil des Gesamtgewichts und wird dann zur unbequemen Last für das Tier.
Ebenfalls langschwänzig, wie ursprünglich alle Schafe von Arkalabstammung, aber statt auf Fett- auf Wollnutzung gezüchtet, ist daswestasiatische Wollschaf, der Wolleerzeugerpar excellence, dessen Produkt schon im Altertum berühmt war. Bereits zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends trieben die Phönikier einen schwunghaften Handel mit feinen und dazu noch prächtig, meist mit Purpur gefärbten Wollstoffen, für die die Küstenstämme Kleinasiens und Griechenlands willige Abnehmer waren. Wie vordem in Syrien und Mesopotamien wurde später dieses Wollschaf namentlich in Kleinasien gezüchtet und dessen Wolle vorzugsweise über Milet nach Griechenland ausgeführt. Die griechische Sage läßt ja im Argonautenzuge das goldene Vlies, d. h. wohl den gelbwolligen Träger desselben, in Kolchis, am östlichen Ufer des Schwarzen Meeres, holen. Dort muß es also schon früh Schafrassen mit besonders feiner Wolle gegeben haben, nach deren Besitz man in Griechenland lüstern war. Später fand über Samos ein lebhafter Import von hochgezüchteten kleinasiatischen Wollschafen nach Griechenland statt, wo in der Folge die Zuchtrassen vonEpirus und Attika einen bedeutenden Ruf erlangten. Über Großgriechenland (Sizilien und Süditalien) gelangten diese edlen Wollschafe asiatischer Abstammung zu den Römern, die sie weiter nach Westen und Norden brachten. In der Folge überflügelte die iberische Halbinsel mit ihren trockenen, der Schafzucht besonders günstigen Hochsteppen in der Schafzucht und Wollverarbeitung alle übrigen Mittelmeerländer, und Corduba, das heutige Cordova, wurde das Zentrum der Wollindustrie. Hier züchtete man nach und nach aus dem asiatischen Blute das Edelschaf, das unter dem NamenMerinoschafweltberühmt wurde.
Das gemeine Landschaf Spaniens ist das Churraschaf von Arkalabstammung, neben dem schon im Altertum eine Abart mit besonders feiner Wolle — wohl aus Kleinasien importiert — gehalten wurde. Bereits der 66 n. Chr. gestorbene Grieche Strabon berichtet in seinem Werke über Geographie: „Spanien erzeugt für den Handel herrliche Wolle, feine Gewänder, und die dortigen Schafböcke werden teuer bezahlt.“ Im Mittelalter, unter der maurischen Herrschaft, die die Landwirtschaft so überaus förderte, wurden die Herden dieser Wollschafe noch mehr veredelt. Später nahmen sich die Großgrundbesitzer und klösterlichen Verwaltungen der blühenden Schafzucht an. Sie erhielten unter Ferdinand V., dem Katholischen (geb. 1469, regierte 1479–1516), weitgehende Privilegien und taten sich zu Mesta genannten Verbänden zusammen, die sich selbst dem Privatbesitz gegenüber allerlei Rechte anmaßten, so vor allem dasjenige, ohne Entschädigung an die Eigentümer die Weidewege für die Wanderschafe über fremden Grund und Boden zu bestimmen. Solches nehmen sie laut altem Herkommen bis auf den heutigen Tag für sich in Anspruch. Übrigens hören wir bereits von römischen Schriftstellern, daß es wie in Spanien, so auch in Italien Wanderherden gab, die den Sommer im Gebirge und den Winter in der Ebene zubrachten und dabei Rechte freien Durchzugs besaßen.
Den Winter verbringen die Wanderherden der Merinoschafe meist in der Estremadura, daneben auch in Andalusien und Neukastilien. Im Sommer ziehen sie nordwärts nach Altkastilien, Leon, Burgos usw. Dieses Wanderleben, an dem nur die edlen Zuchten teilnehmen, wirkt höchst vorteilhaft auf den Gesundheitszustand dieser Schafe ein. Die minderwertigen Zuchten gleicher Abstammung, wie z. B. das weitverbreitete, grobwollige Churraschaf, genießen keine Weideberechtigung und sind daher Standschafe geworden.
Das Wort Merino ist dem Spanischen entlehnt und bezeichnete ursprünglich einen vom König eingesetzten Richter, der in seinem Bezirk große Machtbefugnisse ausübte; insbesondere war er ein Weiderichter, der allerlei Anstände zu schlichten hatte, wenn die Hirten mit ihren Wanderschafen (oviejos transhumantes) von einer Gegend zur andern zogen. Er war also eine Art Schirmherr der Schafherden und sein Name wurde später kurzweg auf die Wanderschafe selbst übertragen. Die Merinoschafe sind mittelgroße Tiere mit starkem, im Schnauzenteil abgestumpftem Kopf. Das Gehörn ist kräftig entwickelt, schraubenförmig gewunden, dem Kopfe anliegend und mit starken Querwülsten versehen. Die Tränengruben sind tief, die Ohren schmal und zugespitzt, der Hals an der Kehle kropfartig verdickt, der Körper in den Beinen niedriggestellt. Das starke Wollvlies ist äußerst dicht und besteht aus Büscheln fein gekräuselter Wolle, die durch eine Ausschwitzung von Wollfett (Lanolin) verklebt sind.
Bild 20. Der Tuchscherer.(Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann.)
Bild 20. Der Tuchscherer.(Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann.)
Diese das ganze Jahr im Freien zubringenden Tiere werden während des Weidebetriebs im Mai und Juni geschoren, nachher mit dem Stempel des Eigentümers versehen und zum Schutze der Haut mit einer ockerhaltigen Salbe bestrichen. Die Wolle wird sortiert, in besondern Waschanstalten gewaschen und das Wollfett daraus ausgezogen. Seit dem Beginne des 18. Jahrhunderts breiteten sich die spanischen Merinos nach verschiedenen europäischen und später auch außereuropäischen Ländern aus, wobei das Produkt Spaniens zum Teil überholt wurde und berühmte Zuchten entstanden, wie die Rambouillets, Elektorals und Negrettis. Den Anfang damit machte Frankreich, indem 1706 eine kleine Zuchtherde durch Dauberton nach Montbard in Burgund gelangte. Weit wichtiger war der 1753 vollzogene Import von 400 Merinos zur Errichtung der Zuchtherde von Rambouillet. Der Transport der Tiere zu Fuß auf dem Landwege von Altkastilien nach ihrem Bestimmungsorte dauerte volle 41⁄2Monate. Weiter wurde dann im Departement de l’Aisne der höchst wertvolle Stamm der Mauchampschafe mit langer, seidenartiger Wolle herangezüchtet. Im Jahre 1800 gab es in Frankreich bereits über 5000 dieser feinhaarigen Wollschafe. In Deutschland führte zuerst Sachsen das spanische Edelschaf ein; der erste Transport, bestehend aus 92 Böcken und 128 Mutterschafen, langte 1765 an. Dem Kurfürsten Friedrich August zu Ehren erhielten die sächsischen Merinos den Namen Elektoralschafe. In Preußen erfolgte die Einfuhr 1785. Österreich gründete 1772 in der Nähe von Fiume eine Pflanzschule spanischer Schafe; spätere Bezüge gelangten nach Mähren und Ungarn und waren Veranlassung einer intensiven Zucht. Gleichzeitig führte sie Italien und 1802 Rußland über Odessa nach dem Steppengebiet im Süden ein. Doch hatte im letzteren Lande bereits Peter der Große um 1715 deutsche Schafe zur Verbesserung der Wolle der russischen Schafe kommen lassen. Schweden hatte die Merinos schon 1753 eingeführt; doch mißglückte der Versuch völlig, sie in jenem Lande anzusiedeln. Noch großartiger als hier entwickelte sich die Merinozucht in Steppenländern außerhalb Europas, besonders in Australien, wo das Schaf, das heute dort das wichtigste Haustier bildet, erst im Jahre 1788 eingeführt wurde. In diesem Lande wurde in der Folge die Schafzucht die Grundbedingung des ganzen ökonomischen Aufschwungs des Landes, trug aber zugleich zum raschen Verschwinden der Ureinwohner viel bei. Letztere konnten nämlich in ihren kommunistischen Anschauungen nicht begreifen, daß sie kein Recht an den Schafen hätten, die doch die ihnen bis dahin zur Nahrung dienenden Kängurus verdrängten. So begann, als diese sich zur Stillung des Hungers an den Herden vergriffen, ein mit aller Scheußlichkeit geführter Vernichtungskrieg gegen sie, die bald zur Ausrottung der ganzen Rasse aus den Schafzucht treibenden Gegenden führte. Auf den ausgedehnten grasreichen Weideflächen gediehen die eingeführten Schafe so gut, daß der europäische Wollmarkt vom australischen Produkte förmlich überschwemmt wurde. Auch auf Neuseeland nahm die Merinozucht große Ausdehnung an. Ihr einziger Feind hier ist der mit dem Schwanz 50cmlange Nestorpapagei, der sich bald daran gewöhnte, den Schafen große Wunden beizubringen, die vom Schmerz gepeinigten Tiere so lange zu quälen, bis sie eingingen,und dann von ihrem Fleische zu fressen, besonders aber deren Nierenfett herauszuholen.
Im Kaplande bürgerte sich die Merinozucht schon 1782 durch Vermittlung der Holländer ein. In England schlug die Einbürgerung dieser Schafrasse trotz mehrfacher Versuche fehl. Es scheint, daß das dortige Klima für sie zu feucht ist; denn die Merinoschafe verlangen trockene Luft und gedeihen in Steppen am besten. Auf den Sandwichinseln kommen sie nur mäßig fort, vorzüglich dagegen im Westen der Vereinigten Staaten, in Argentinien und Uruguay, wo gewaltige Herden dieser geschätzten Wollerzeuger weiden.
Ein weniger hochgezüchtetes Edelschaf asiatischer Abstammung als das Merino ist das der Stammform desselben noch recht nahestehendeSardenschaf, das sich auf der Insel Sardinien in einer starken Kolonie erhielt und augenscheinlich eine sehr alte Form des Hausschafes darstellt. Ebenfalls weniger veredelte Abkömmlinge des asiatischen Wollschafes von Arkalabstammung sind die langschwänzigenZackelschafe, die in beiden Geschlechtern bald merinoartig gewundene, bald in langgezogener Spirale abstehende Hörner tragen. Von letzteren, die man als Zackenhörner bezeichnet, haben sie den Namen Zackelschafe erhalten. Dieser eigenartige Stamm mit grober Wolle nahm seinen Ausgangspunkt von Südosteuropa. Die wichtigsten Wohngebiete desselben sind Kreta, Mazedonien und die übrigen Balkanländer, das Donaugebiet bis nach Ungarn und Siebenbürgen. Das kretische Zackelschaf ist ziemlich groß mit kräftigen Beinen und vorwiegend schmutzigweißer Haarfarbe. Die Spitzen des in Spiraltouren nach rückwärts aufstehenden Gehörns stehen weit auseinander. Ähnlich gebaut, aber etwas kleiner und mit beinahe wagrecht auseinander stehenden Schraubenhörnern versehen, die beim Widder länger als beim Mutterschaf sind, ist das ungarische Zackelschaf. Sein Fleisch gilt als sehr schmackhaft. Die grobe Wolle wird zu Teppichen, Decken und groben Zeugen verarbeitet. Die gegerbte Haut liefert ein weiches Leder. Nahe verwandt mit ihm ist das mazedonische Zackelschaf.
Abkömmlinge der osteuropäischen Zackelschafe drangen früher auch nach Westeuropa vor. Sie spielten unter den früheren wirtschaftlichen Verhältnissen eine gewisse Rolle, sind aber gegenwärtig meist stark im Rückgang begriffen. Dahin gehören das jetzt selten gewordene bayerischeZaupelschaf, das pommersche und hannoverscheLandschafund als westlichster Ausläufer das englischeNorfolkschaf, das früher wegenseiner Genügsamkeit eine große Verbreitung besaß. Diesen Zackelschafen nahe verwandt ist das in der Bergregion des Oberwallis stark verbreitete, ganz schwarze oder schwarz und weiß gefleckteWalliserschaf. Es erinnert an das Norfolkschaf. Sein ziemlich starkes Gehörn ist spiralig ausgezogen und von dunkler Färbung; neben behörnten kommen aber auch hornlose Individuen vor. Ein Abkömmling dieses Walliserschafes ist das hornloseFrutigerschafim Berner Oberland.
Ein diesem Formenkreis zugehörender starker Seitenzweig von hornlosen langschwänzigen Schafen umfaßt das stattliche, meist hängeohrigeBergamaskerschaf, daß in den nach Süden mündenden Tälern des mittleren Alpengebietes gehalten und auf den hohen Alpweiden gesömmert wird, dann das diesem ähnliche paduanische und steirische Schaf. Entferntere Ausläufer sind das südfranzösische undenglische Bergschaf, dann dasRhön-undThüringer Schaf.
Mit Schafen dieser asiatischen Arkalabstammung haben wir es stets zu tun da, wo bei den alten Schriftstellern von Schafen überhaupt die Rede ist. Von ihm schreibt der römische landwirtschaftliche Schriftsteller Columella um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.: „Das Schaf ist ein äußerst nützliches Tier, es gibt uns Kleidung, Käse, Milch und verschiedene Gerichte. Am besten ist die weiße Wolle, weil man sie beliebig färben kann.“ Sein Zeitgenosse Plinius bemerkt: „Großen Wert hat das Schaf als Opfertier und wegen des Gebrauchs, den wir von seiner Wolle machen. Es gibt zwei Hauptrassen: die eine ist weichlicher und wird mit einer Decke belegt, welche man in bester Sorte aus Arabien bezieht, die andere Art ist die gemeine. In Syrien gibt es Schafe mit ellenlangen Schwänzen.“ Damit meint er die schon damals dort gehaltenen Fettschwanzschafe. Der drei Menschenalter vor diesen lebende gelehrte Römer Varro sagt: „Die tarentinischen und attischen Schafe haben eine wertvolle Wolle und werden mit Pelzen bedeckt, damit sie nicht schmutzig werden. Nach der Schur wird das Schaf mit Wein und Öl gesalbt, wozu einige auch weißes Wachs und Schweineschmalz nehmen. Wunden, die das Tier bei der Schur bekommt, werden mit Teer bestrichen. Es gibt auch Leute, welche die Schafe nicht scheren, sondern rupfen, was früher allgemein üblich war.“ In der Tat ist das Ausrupfen der Wolle die von Völkern auf primitiver Kulturstufe stets geübte Sitte, die wir auch den Pfahlbauleuten der späteren Steinzeit zuschreiben dürfen. Womit sonst als mit den Fingern hätten sich diese die Wolle ihrer noch wenighochgezüchteten Schafe holen können! Heute noch wird allgemein von den Arabern die Kamelwolle mit den Händen ausgerupft und nie mit der Schere entfernt. Der zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Schriftsteller Älian berichtet: „Die lydischen und mazedonischen Schafe sollen mit Fischen gefüttert und von dieser Kost fett werden.“ Wir haben früher gesehen, daß solches Futter heute noch auf Island an die sonst ausschließlich Gras fressenden Haustiere des Menschen verfüttert wird.
Nachdem einmal die Schafzucht in den Mittelmeerländern volkstümlich geworden und ihr Nutzen klar erkannt worden war, kann es uns nicht wundern, daß hier später auch das einheimische Wildmaterial der Domestikation umerzogen wurde, um daraus neue Schafrassen heranzuziehen. Dazu diente das einst sämtliche Bergländer Südeuropas und der angrenzenden Inseln bewohnendeMuflon(Ovis musimon). Dieses kleinste aller Wildschafe ist der Stammvater der heute nach dem Norden von Europa gedrängten kleinen, kurzschwänzigen Hausschafe. Einst auch in Südeuropa gehalten, wurde es hier später vollständig durch die leistungsfähigeren Hausschafe von asiatischer Arkalabstammung verdrängt. Das Muflon kommt in Cypern bis zur Höhe von 2000mvor, ist auf Sardinien noch vorhanden und lebte vor kurzem auch in Korsika. Er wird einschließlich des höchstens 10cmlangen Schwanzes 1,25mlang, am Widerrist 70cmhoch und 40–50kgschwer. Er ist gedrungen gebaut, in der Rückenlinie dunkelbraun, sonst braunrot gefärbt; dabei spielt der Kopf ins Aschgraue. Das Gehörn des Bockes ist stark und in einer Länge von 65cmnach außen hinten und zuletzt nach innen unten gebogen; es ist an der Wurzel sehr dick, im Querschnitt dreieckig. Das merklich kleinere Weibchen unterscheidet sich durch seine mehr ins Fahle spielende Färbung sowie durch das Fehlen oder seltene Vorkommen des Gehörns vom Bock.
Wie der Arkal lebt das Muflon im Gegensatz zum Mähnenschaf in Rudeln, deren Leitung ein alter, starker Bock übernimmt. Diese Rudel erwählen sich die höchsten Berggipfel zum Aufenthalt und nehmen hier an schroffen, fast unzugänglichen Felswänden ihren Stand. Wie bei andern gesellig lebenden Wiederkäuern halten stets einige Stück sorgfältig Umschau, um die Genossen bei der Wahrnehmung eines verdächtigen Gegenstandes sofort zu warnen und mit ihnen flüchtig zu werden. Zur Paarungszeit trennen sich die Rudel in kleine, aus einem Bock und mehreren Schafen bestehende Trupps,welche der leitende Widder erst durch tapfer durchgefochtene Kämpfe sich erworben hat. Das Schaf bringt im April oder Mai 1–2 Junge zur Welt, die der Mutter schon nach wenigen Tagen auf den halsbrecherischsten Pfaden mit der größten Sicherheit folgen und bald ebenso gewandt wie sie klettern. Alle Bewegungen des Muflon sind schnell, gewandt und sicher. Erwachsene Tiere vermag man kaum je zu fangen, junge nur dann, wenn man ihre Mutter weggeschossen hat. Sie gewöhnen sich bald an ihren Pfleger, sind anhänglich an ihn, bewahren ein munteres, ja mutwilliges Wesen, zeigen aber nur eine geringe Intelligenz.
Noch im Altertum muß dieses Wildschaf auf den Gebirgen Südeuropas recht häufig gewesen sein; denn Julius Capitolinus berichtet, daß Kaiser Gordian im Jahre 238 n. Chr. 100 wilde Schafe zu den Jagdspielen nach Rom brachte. Von Kaiser Probus, der von 276 bis 282 n. Chr. regierte, meldet Flavius Vopiscus, daß er so viel wilde Schafe als er auftreiben konnte, nach Rom kommen ließ. Schon früh wurde es irgendwo im östlichen Mittelmeergebiet gezähmt, wozu wohl die hier bereits gehaltenen ältesten Hausschafe von Mähnenschafabstammung die Anregung gaben. Schon zur Bronzezeit tauchen, zunächst allerdings noch spärlich, großgehörnte Hausschafe in den Pfahlbauten nördlich der Alpen auf, welche durch ihr großes Gehörn und die in ihrem Bau mit denjenigen des Muflon übereinstimmenden Hornzapfen ihre Herkunft von diesem südeuropäischen Wildschafe beweisen. Gegen das Ende der Bronzezeit erscheinen dann auch hornlose Hausschafe in der Schweiz, welche im Süden von gehörnten Muflonabkömmlingen gezüchtet worden waren. In der helvetisch-römischen Niederlassung von Vindonissa fanden sich beide Schafarten nebeneinander vor. In der Folge aber wurden sie hier wie auch das ältere Torfschaf von den von den Römern eingeführten, mehr und feinere Wolle liefernden Schafen asiatischer Abstammung verdrängt. Nur im Norden erhielten sie sich teilweise in eigentlichen Kümmerformen mit seit der Römerzeit bedeutend verkleinertem Gehörn. Es sind dies die nur einen halben Meter hoch werdenden, schwarz, braun oder grau gefärbtenHeideschafe, dieHeidschnucken, die als äußerst genügsame Rasse in Gebieten mit primitiver Wirtschaft, namentlich in der norddeutschen Heide bis nach Oldenburg und Ostfriesland, gehalten werden. Nahe verwandt mit ihm sind das die Bergländer Skandinaviens bewohnendeskandinavische Schaf, dasfinnische Schafund das bis nach Sibirien hineinreichendenordrussische Schaf, dann dasHebriden-,Faröer- undShetlandschaf. Das letztere ist bald klein gehörnt, bald hornlos. Sein Fleisch bildet neben Fischen die Hauptnahrung der Bewohner jener rauhen Eilande. Der westliche Ausläufer ist dasisländische Schaf, dessen Herden ein elendes Dasein fristen und vielfach mit getrockneten Fischen ernährt werden. Der Wollertrag ist bei all diesen Zwergformen ein geringer.
Im Gegensatz zu diesen überaus genügsamen Heideschafen stehen die ebenfalls vom Muflon abstammendenMarschschafe, die fette Weide beanspruchen und auf mageren Triften nur schlecht gedeihen. Ihre bessere Ernährung macht sich in einer bedeutenderen Größe und großen Fruchtbarkeit geltend. Ihre Haarfarbe ist schmutzig gelblichweiß, rötlichbraun oder einfarbig schwarz. Das Hauptmerkmal bildet neben dem kurzen Schwanz ihre vollkommene Hornlosigkeit. Außer Fleisch und Wolle, die zu Strickgarn und gröberen Stoffen, wie Teppichen und dergleichen verarbeitet wird, liefern sie auch Milch, welche zur Käsebereitung dient. Es sind Vertreter der schon in der Bronzezeit aus dem Süden nördlich der Alpen eingewanderten hornlosen Schafe, die in den Marschen Nordwestdeutschlands, Hollands, Belgiens und Nordfrankreichs heimisch wurden, weiter im Süden aber wie die übrigen Hausschafe von Muflonabstammung von asiatischen Rassen verdrängt wurden. Es sind dies die friesischen, holländischen, belgischen und nordfranzösischen Schafe. Unter letzteren ist besonders dasRoquefortschafbekannt, das den berühmten Schafkäse dieses Namens liefert. Dieser wird in Roquefort, im französischen Departement Aveyron, in der Weise gewonnen, daß man die zum Gerinnen gebrachte Schafmilch mit von einer spezifischen Schimmelsorte bewachsenem Brote vermischt. Dieses Brot wird eigens für die Käsebereitung aus einer Mischung von Weizen- und Gerstenmehl mit Sauerteig hergestellt und der betreffende Schimmelpilz darauf zur Ansiedelung gebracht. Der damit hergestellte Schafkäse reift dann in 30–40 Tagen in Felsenhöhlen, wobei er sich mit einer dicken Schimmelschicht bedeckt. Diese wird von Zeit zu Zeit entfernt. Diese Fabrikation ist schon recht alt und wird bereits aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts erwähnt.
Außer den drei genannten Wildschafen ist endlich noch ein weiteres Wildschaf vom Menschen domestiziert worden. Es ist dies das zentralasiatischeArgali(Ovis argali), von den Mongolen so genannt, ein gewaltiges Tier von der Größe eines dreivierteljährigen Kalbes, das die spärlich bewaldeten Bergzüge Innerasiens nördlich vom Hochlande Tibets vom Alatau bis zum Altai und von Akmolinsk im Westen biszum Südostrande der mongolischen Hochebene im Osten in einer Höhe von 600–1000mbewohnt. Es besitzt ein mächtiges, von der Wurzel an mit ringsumlaufenden wellenförmigen Wülsten bedecktes Gehörn, das sich nach hinten außen wendet. Dichtstehende wellige Grannen nebst feinen, kurzen Wollhaaren bilden das überall sehr gleichmäßige, jeglicher Mähne entbehrende Haarkleid, dessen vorherrschende Färbung, ein mattes Fahlgrau, im Gesicht, an Schenkeln wie am Hinterbauch in ein merklich dunkleres Bräunlichgrau, im Vorderteil der Schnauze, auf dem breiten Spiegel am Steiß, in der untern Hälfte der Beine aber in Gräulichweiß übergeht. Es meidet feuchte, waldbedeckte Gebirge und größere Höhen, lebt das ganze Jahr über etwa auf demselben Gebiete und wechselt höchstens von einem Bergzuge zum andern. Bis gegen die Paarungszeit leben Böcke und Schafe getrennt, letztere zu 3–5, erstere meist einzeln. Kurz vor der Paarungszeit vereinigen sie sich zu kleinen Herden von 10, höchstens 15 Stück. Während des Sommers frißt das Argali alle Pflanzen, die auch dem Hausschafe behagen, während des Winters begnügt es sich mit Flechten, Moos und getrocknetem Gras, die der Wind auf den Graten durch Wegfegen des Schnees bloßgelegt hat. Wählerischer als in der Äsung zeigt es sich beim Trinken, da es stets zu bestimmten Quellen kommt; auch salzige Stellen werden zum Lecken oft besucht. Solange der Schnee nicht allzudicht liegt, kümmert es der Winter wenig, denn sein dichtes Fell schützt es gegen die Unbill der Witterung. Seine Sinne sind ausgezeichnet entwickelt. In seinem Wesen spricht sich Bedachtsamkeit und Selbstbewußtsein aus; es ist neugierig, wenig scheu, zeigt sich aber überall sehr vorsichtig, wo es durch wiederholte Verfolgung von seiten des Menschen gewitzigt wurde und seine heimtückische Art kennen lernte. Die Jagd darauf ist durchaus nicht leicht. Sein Fleisch ist trotz seines strengen Beigeschmacks wohlschmeckend und wird von den Mongolen und Kirgisen sehr geschätzt.
Bei solchen Vorzügen ist es kein Wunder, daß sich der Mensch schon früh auch dieses Wildschafes bemächtigte, um es der Domestikation zu unterwerfen. Es ist der Stammvater der großhörnigen Schafe, die in Zentralasien innerhalb der Verbreitungszone des Argali als Schlachttiere und Wollspender besonders auf der Salzsteppe gehalten werden. Dabei hat sich im Haustierstande das Gehörn verkleinert. Noch am wenigsten ist dies der Fall bei den Hausschafen Russisch-Turkestans, mehr dagegen bei denen Tibets und der Südabhänge des Himalaja von Kumaon bis Sikkim. Bei diesen tragen beideGeschlechter Hörner, und zwar stoßen sie wie beim Argali auf der Stirne fast zusammen; dabei sind sie nach außen hin um den Kopf gewunden und noch reich mit Querwülsten versehen in derselben Weise wie beim Argali.
Durch spezielle Züchtung zur Vermehrung des den Hirtenvölkern so wertvollen Fettes, dessen sie sich zum Braten der Mehlspeise und des Reises bedienten, entwickelten sich aus ihnen im Laufe der Zeit dieFettsteißschafe. Da der Schwanz bei ihnen im Gegensatz zu den Abkömmlingen des Arkal zu kurz war, um ihn zur Fettablagerung heranzuziehen, wurde der Steiß dazu ausersehen. Hier bildet die Fettmasse zwei gewölbte Kissen, die ansehnliche Größe erreichen können. Auch dieses Schaf besitzt wie die andern Rassen von Argaliabstammung in beiden Geschlechtern spiralig um den Kopf gewundene Hörner mit Querwülsten, die aber bei manchen hochgezüchteten Rassen schon ziemlich klein geworden, ja teilweise bei den Weibchen ganz in Wegfall gekommen sind. Es ist dies speziell beimTatarenschafder Fall, das vom Ostrand des Schwarzen Meeres bis zum Baikalsee das am häufigsten gehaltene Schaf ist und den Hauptreichtum der dortigen Steppenvölker bildet. Bei den Kirgisen gilt noch heute die uralte Sitte, das einjährige Lamm als Tauscheinheit zu betrachten, wie bei den alten Römern vor dem Aufkommen der Münzen durch die Vermittlung der süditalischen Griechen das Kleinvieh (pecus) die Werteinheit bildete, woher noch der spätere Ausdruckpecuniafür Geld, Vermögen herrührt.
Beim Tatarenschaf ist der Kopf gestreckt, der Nasenrücken nur wenig gewölbt und die Ohren sind als Zeichen längerer Domestikation durch Degeneration der sie aufrichtenden Muskeln hängend geworden. Die Widder sind stärker behörnt als die Mutterschafe, die stets kleinhörnig sind, wenn sie überhaupt noch, was sehr häufig der Fall ist, Hörner besitzen und nicht völlig hornlos geworden sind. Der Fettklumpen am Steiß ist sehr umfangreich und gleicht zwei miteinander verwachsenen Halbkugeln, zwischen denen ein ganz kurzer Schwanzstummel hervorragt. Die Haarfarbe ist meist weiß, seltener rotbraun oder schwarz. Die filzige Wolle ist kurz und grob und zum Versponnenwerden ungeeignet. Östlich vom Baikalsee und der Mongolei schließt sich an das Tatarenschaf das ebenfalls vom Argali abzuleitende, aber als Zeichen einer sehr hoch getriebenen Zucht bereits völlig hornlos gewordenechinesische Schaf, das allerdings nur einen schwach entwickelten Fettsteiß besitzt, da seine Züchter als Ackerbauer im Sesamund in manchen auf Öl angebauten Retticharten genugsam pflanzliches Fett zur Verfügung hatten, so daß sie auf die Gewinnung tierischen Fettes kein besonderes Gewicht legten.
Von seiner zentralasiatischen Heimat hat sich das Fettsteißschaf von Argaliabstammung auch weithin nach Süden verbreitet, so nach Persien und Arabien. Von letzterem Lande verbreitete es sich in die Länder am oberen Nil bis in das Gebiet der Dinkas, die es ebenfalls halten, und in die Somaliländer, wo es überall in Menge gezüchtet wird. Es ist wie das chinesische Schaf als hochgezüchtetes Hausschaf in beiden Geschlechtern völlig hornlos geworden und fast stets von weißer Farbe mit tiefschwarzem Kopf und Hals. In der Gegend von Massaua fand C. Keller neben schwarzköpfigen Schafen auch braungefärbte und gefleckte Tiere. Häufig pflegt man ihnen die Ohren bis auf einen kurzen Stumpf abzuschneiden. Es hat gleichfalls keine verspinnbare Wolle, sondern ein straffes, glattanliegendes Grannenhaar. Für die es haltenden Stämme ist es fast ausschließlich Fleischlieferant; daneben bilden die Häute einen nicht unwichtigen Exportartikel. Bei Abmagerung verschwindet der überhaupt schwach entwickelte herzförmige Fettsteiß fast vollständig. Auch Südafrika besitzt Fettsteißschafe; ebenso der ostafrikanische Archipel, doch sind sie dort nicht zahlreich. Im Innern von Madagaskar findet man sie bei den Howas, aber in einer degenerierten Rasse, deren Fleisch trocken ist. An der Küste dieser großen Insel scheinen sie nicht zu gedeihen. Von Persien aus nach Osten nehmen sie rasch an Menge ab und erreichen nicht mehr Indien, das als von vorzugsweise Ackerbauern bewohnt und mit einem heißen Klima ausgestattet, geringen Bedarf an tierischem Fett besaß. In Birma wurden sie erst 1855 eingeführt, sind jedoch dort nicht von Bedeutung geworden.
Wenn wir Europäer uns auch keine Fettsteißschafe wünschen, so wäre es doch sehr angezeigt, wenn ein Tierzüchter wie Herr Falz-Fein in seinem großen Tierpark Askania Nova auf der südrussischen Steppe oder ein Tierimportgeschäft wie dasjenige Hagenbecks in Stellingen bei Hamburg den Argali aus seiner Gebirgsheimat zu Zuchtzwecken in Europa einführen würde. Es würde sich außer zur selbständigen Zucht besonders zur Kreuzung mit den teilweise durch Inzucht degenerierten Hausschafen sehr eignen. So hat man in solcher Weise das leichter zu erlangende Muflon mehrfach zur Bastardierung mit Hausschafen verwendet. Beide Wildschafarten wären auch, wie das in derselben Weise zu benützende zentralasiatische WildschafOvis poli(nach dem VenezianerMarco Polo so genannt) und andere Wildschafe teils aus Asien, teils aus Nordamerika zur Akklimatisation zum Zwecke der Belebung der Alpen und Voralpen geeignet und böten zudem dem Jäger ein willkommenes Wildpret.