VII. Das Pferd.
Erst längere Zeit nach dem ostafrikanischen Wildesel ist irgendwo in Zentralasien das flüchtigeWildpferd(Equus caballus) vom Menschen gezähmt und zunächst als ausschließliches Werkzeug des Krieges benützt worden. Einst hat es nicht nur in Asien, sondern überall auch in Europa Wildpferde gegeben. Wie der nordamerikanische Bison die ausgedehnten Prärien und der europäische Wisent den Wald bewohnte, so war offenbar auch das europäische Wildpferd in frühgeschichtlicher Zeit mehr ein Waldtier, während es von Rußland an ein ausgesprochenes Steppentier wie einst in der Diluvialzeit geblieben war. In verschiedenen Epochen der Eiszeit hat neben dem Wildbüffel das Wildpferd das wichtigste Nahrungstier des Menschen gebildet, dessen Knochen sich an manchen einstigen Lagerplätzen des Diluvialmenschen zu mächtigen Abfallhaufen auftürmten. So findet sich an der Fundstelle von Solutré bei Mâcon nördlich von Lyon im Rhonetal eine gegen 4000qmbedeckende Schicht von 0,5–2,3mMächtigkeit, bestehend fast ausschließlich aus Knochen des diluvialen Wildpferdes, das damals in zahlreichen Herden das Rhonetal bewohnt haben muß und trotz seiner Flüchtigkeit dem primitiven Jäger zahlreich zur Beute fiel. Die Gesamtzahl der auf jenem einzigen Platze einst vom Eiszeitmenschen verspeisten Wildpferde schätzt Toussaint auf wenigstens 40000, andere auf etwa 100000, meist vier- bis siebenjährige, also im besten Fleischzustand erbeutete Tiere. Dieses heute in Europa ausgestorbene diluviale Wildpferd, von dem sich auch mehrfach treffliche Zeichnungen von der Hand des Eiszeitjägers der jüngsten Phase der älteren Steinzeit an den Höhlenwänden, auf Steinplatten und auf allerlei Knochenstücken erhielten, besaß einen größeren Kopf, stärkere Zähne und kräftigere Kiefer als das heute lebende Pferd, war aber, wie man an einem aus Bruchstücken zusammengesetzten Skelett im Naturhistorischen Museum in Lyon sehen kann, ziemlich groß und schlank gebaut. Auchdie Fundstelle von La Micoque im Vézèretal unweit von Laugerie haute birgt eine gewaltige Menge von Knochen dieses Tieres, dessen Röhrenknochen stets aufgeschlagen wurden, um das Markfett, nach dem jene Leute sehr lüstern waren, noch lebenswarm auszusaugen.
Bild 24. Darstellung von Wildpferden auf einem Zierstab der Magdalénienjäger Südfrankreichs aus Renntierhorn.
Bild 24. Darstellung von Wildpferden auf einem Zierstab der Magdalénienjäger Südfrankreichs aus Renntierhorn.
Bild 25. Darstellung eines Wildpferdes — meist als Steppenesel aufgefaßt — mit übertrieben langem Körper und allzu kleinem Kopf aus dem Keßlerloch bei Thaingen. (Nach Photogramm vonDr.Nüesch.)
Bild 25. Darstellung eines Wildpferdes — meist als Steppenesel aufgefaßt — mit übertrieben langem Körper und allzu kleinem Kopf aus dem Keßlerloch bei Thaingen. (Nach Photogramm vonDr.Nüesch.)
In späterer Zeit ist das Wildpferd infolge der fortgesetzten Verfolgungen zunächst in Süd- und Mitteleuropa immer seltener geworden, wenn auch noch der Römer Varro aus der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts schreibt: „In mehreren Gegenden des westlichen Spanien gibt es wilde Pferde.“ Im Speisezettel der Neolithiker hat es keine nennenswerte Rolle mehr gespielt, wenn es auch noch hier und da erlegt wurde. Nur in Nordeuropa gab es noch lange Zeit in entlegenen Waldgebieten, wo sie vor Ausrottung von seiten des Menschen geschützt waren, solche. Dies war auch in Schweden der Fall, wo Sjörgren im November 1900 bei Ingelstad einen Pferdeschädel aus der jüngeren Steinzeit fand, in dem noch, wie auf den Abbildungen 28 und 29 zu sehen ist, die abgebrochene Klinge eines Steinmessers steckte. Das Alter des Pferdes dürfte auf zwei Jahre anzuschlagen sein, und, da man ein so junges Tier, wäre es gezähmt gewesen, gewiß nicht als Opfer vermutlich an den Kriegsgott geschlachtet hätte, so läßt dies auf eine Wildform schließen. Von Schriftstellern des Altertums schreibt der ältere Plinius, wohl auf verbürgte Nachrichten gestützt: „Im Norden findet man Herden von wilden Pferden.“ Auch Strabon berichtet, daß in den Alpen, wie wilde Stiere, so auch wilde Pferde lebten. Vermutlich stammten die 30 wilden Pferde, die nach Julius Capitolinus der Kaiser Gordianus für die Jagdspiele imCircus maximusnach Rom schaffen ließ, von dort oder aus Spanien. Später meldet Venantius Fortunatus, daß in den Ardennen oder Vogesen neben dem Bären, Hirsch und Eber auch wilde Pferde gejagt wurden. Der langobardische Geschichtschreiber Paulus Diaconus im 9. Jahrhundert v. Chr. sagt, daß es den Bewohnern Italiens ein Wunder gewesen sei, als sie unter dem Könige Agilulf dorthin gebrachte „Waldpferde“ und Wisente sahen. Am längsten gab es diese Tiere weiter nördlich in Deutschland, das noch von ausgedehnten Waldungen bedeckt war, in denen diese Tiere eine Zuflucht fanden. So aßen nach Hieronymus die deutschen Volksstämme der Quaden und Vandalen, wie auch die weiter östlich wohnenden Sarmaten das Fleisch wilder Pferde, das ihnen dann die christlichen Priester bei der Einführung des Christentums strengstens untersagten. Der Apostel der Deutschen, der heilige Winfried oder Bonifacius, der den 5. Juni 755 bei Dokkum in Friesland den Märtyrertod starb, scheint dies in manchen Fällen noch gestattet zu haben; da aber solche Mahlzeiten stets mit heidnischen Opfern an den Gott Wodan verbunden waren, so verbot der Papst in Rom bald solche Abgötterei. Schon Papst Gregor III. schrieb um 732 an Bonifacius: „Du hast einigen erlaubt, das Fleisch von wilden Pferden zu essen, den meisten auch das von zahmen. Von nun an, heiligster Bruder, gestatte dies auf keine Weise mehr.“
Bild 26. Darstellung eines Wildpferdes aus diluvialer Zeit in der Höhle von La Mouthe in der Dordogne. (Nach Emile Rivière.)
Bild 26. Darstellung eines Wildpferdes aus diluvialer Zeit in der Höhle von La Mouthe in der Dordogne. (Nach Emile Rivière.)
In den Benediktionen oder Segenssprüchen zu den beim gemeinsamen Mahle aufgetragenen Speisen des Mönches Ekkehard IV.,magister scholarumums Jahr 1000, ist auch von wilden Pferden die Rede, die gelegentlich im waldigen Gürtel um die Einöde des Klosters St. Gallen erlegt wurden und deren ausdrücklich als „süß“ bezeichnetes Fleisch dann auf die Klostertafel gelangte. Vielleicht ist der „grimme Schelch“ des Nibelungenliedes, den Siegfried im Wasgenwald erlegte, ein Wildpferdhengst (mit beschälen zusammenhängend) gewesen. In der Weingartner Liederhandschrift spricht Winsbeke in Strophe 46 die Erfahrung aus: „Ein Füllen in einer wilden Herde Pferde wird, eingefangen, eher zahm, als daß ein ungeratener Mensch in seinem Innern Scham empfinden lerne.“ Im Sachsenspiegel bestimmt eine Glosse, daß bei der Zuweisung der fahrenden Habe einer Frau wilde Pferde, die man nicht immer in Hut behalte, nicht zu rechnen seien. In einer westfälischen Urkunde vom Jahre 1316 wird einem gewissen Hermann die Fischerei im ganzen Walde und die wilden Pferde samt der Jagd in jenem Wildforst zugeteilt. 1316 kamen im Münsterschen wilde Pferde vor, die dem zustanden, der den Wildbann inne hatte. Noch ums Jahr 1593 lebten im entlegenen Gebirgsteile der Vogesen wilde Pferde, wie der Elsässer Helisäus Rößlin schreibt. „Diese Wildpferde sind in ihrer Art viel wilder und scheuer, dann in vielen Landen die Hirsch, auch viel schwerer und mühsamlicher zu fangen, ebensowohl in Garnen als die Hirsch, so sie aber zahm gemachet, das doch mit viel Müh und Arbeit geschehen muß, sind es die allerbesten Pferde, spanischen und türkischen Pferden gleich, in vielen Stücken ihnen aber fürgehen und härter seind, dieweil sie sonderlich der Kälte gewohnet und rauhes Futter, im Gang aber und in den Füßen fest, sicher und gewiß seind, weil der Berg und Felsen, gleich wie die Gemsen, gewohnet.“ Diese Wildpferde der Vogesen müssen noch bis ins 17. Jahrhundert gelebt haben; denn wir erfahren, daß 1616 drei Wildpferdschützen von der Stadt Kaiserslautern angestellt wurden, um die Felder der Bürgerschaft vor Schaden durch jene zu bewahren.
Noch viel länger als hier hielt sich das Wildpferd in den ausgedehnten Waldgebieten von Norddeutschland, Polen und Rußland. So kamen nach Erasmus Stella noch im Anfang des 16. Jahrhunderts wilde Pferde in Preußen vor. Das Land der Pommern wird zur Zeit des Bischofs Otto von Bamberg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als reich an Wild aller Art, auch Wildpferden und Wisenten,angegeben. Im Jahre 1132 brachte der Herzog Sobieslaus von Böhmen von einem Feldzuge nach Schlesien eine Anzahl wilder Pferde heim. Nach Töppen jagte man zur Zeit der Deutschordensritter wilde Pferde wie anderes Wild vornehmlich um ihrer Häute willen. Noch Herzog Albrecht erließ um 1543 ein Mandat an den Hauptmann zu Lyck, in welchem er ihm befahl, für die Erhaltung der „wilden Rosse“ zu sorgen. Auch für Polen und Litauen gehen die Hinweisungen auf das Pferd als Jagdtier bis tief ins 17. Jahrhundert hinauf. Für Rußland haben wir einen Bericht von Wladimir Monomach, dem von 1053–1125 lebenden Fürsten von Tschernigow, der in seiner für die Söhne verfaßten Lebensbeschreibung von sich selbst erzählt: „Aber in Tschernigow tat ich dies: ich fing und fesselte eigenhändig 10–20 wilde Pferde lebendig, und als ich längs des Flusses Roßj ritt, fing ich mit den Händen ebensolche wilde Pferde.“
Diese herrenlosen wilden Pferde sind nicht mit den noch lange in Europa gehaltenen „wilden Gestüten“ zu verwechseln, die ihre Besitzer hatten und nicht abgeschossen werden durften. Diese halbwilden Pferde lebten das ganze Jahr über im Freien, ohne daß sie sich einer irgend nennenswerten Fürsorge zu erfreuen gehabt hätten. Das letzte dieser wilden Gestüte bestand in Deutschland im Duisburger Walde und wurde erst von Napoleon I. aufgelöst.
Wenn nun auch Europa keine wilden Pferde mehr besitzt, so leben doch in den weiten Steppen Südrußlands verwilderte Pferde, die alle Eigenschaften wilder Tiere aufweisen und von Tataren und Kosaken auch als solche angesehen werden. Es sind dies dieTarpane, kleine Pferde mit dünnen, aber kräftigen Beinen, ziemlich langem und dünnem Halse, verhältnismäßig dickem Kopfe, spitzigen, nach vorwärts geneigten Ohren und kleinen, lebhaften Augen. Ihre Behaarung ist im Sommer kurz, gelbbraun, im Winter lang, heller bis fast weiß, wobei sich am Kinn eine Art Bart bildet. Die kurze, dichte, gekräuselte Mähne und der mittellange Schwanz sehen dunkler aus als der Körper. Schecken kommen niemals, Rappen nur sehr selten vor. Sie bewohnen in größeren Herden die ungeheure Steppe und wandern von Ort zu Ort, indem sie außerordentlich aufmerksam mit weit geöffneten Nüstern und gespitzten Ohren sichern und so beizeiten jeder Gefahr zu entgehen wissen. Die Herde zerfällt in kleinere Gesellschaften von Stuten und Fohlen, die von einem Hengste beherrscht und geführt werden. Er sorgt für deren Sicherheit und treibt sie bei der geringsten Gefahr zu wilder Flucht an. Gegen hungrig umherschleichende Wölfe geht ermutig wiehernd vor und schlägt sie mit seinen Vorderhufen zu Boden. Der Tarpan ist schwer zu zähmen. Seine Wildheit und Stärke spotten sogar der Künste der pferdekundigen Mongolen. Er schadet den pferdehaltenden Völkern durch Wegführen der freiweidenden Stuten und wird deshalb mit Eifer verfolgt.
Tafel 35.Assyrische Darstellung einer Jagd auf Onager (nach Keller auf Przewalskis Wildpferd) am Palast des Assurbanipal in Kujundschik, etwa 668 v. Chr.(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tafel 35.
Assyrische Darstellung einer Jagd auf Onager (nach Keller auf Przewalskis Wildpferd) am Palast des Assurbanipal in Kujundschik, etwa 668 v. Chr.(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
(Copyright by M. Koch, Berlin.)Przewalskis Wildpferd.
(Copyright by M. Koch, Berlin.)Przewalskis Wildpferd.
(Copyright by M. Koch, Berlin.)
Tafel 36.Der Assyrerkönig Assurbanipal (668–626 v. Chr.) in einem von drei Pferden gezogenen Streitwagen auf der Löwenjagd. (Nach einer Photographie von Mansell & Cie. in London.)⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 36.
Der Assyrerkönig Assurbanipal (668–626 v. Chr.) in einem von drei Pferden gezogenen Streitwagen auf der Löwenjagd. (Nach einer Photographie von Mansell & Cie. in London.)
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Dieselben Charaktereigenschaften zeigen auch die anderswo, namentlich in Argentinien verwilderten Pferde, die als Cimarrones in großen Herden die Pampas bewohnen. Nach Azara sollen sie von fünf bis acht bei der Aufgabe der 1535 gegründeten Stadt Buenos Aires zurückgebliebenen und sich selbst überlassenen Hauspferden stammen. Als im Jahre 1580 derselbe Platz wieder besiedelt wurde, fand man bereits eine Menge verwilderter Pferde vor, die aus diesen zurückgelassenen hervorgegangen waren. Dies ist der Ursprung der unzählbaren Pferdescharen, die sich in der Folge am Rio de la Plata (dem Silberstrom) herrenlos umhertrieben und von denen jeder nach Belieben einfangen und für sich gebrauchen konnte. Die Indianer der Pampas machen Jagd auf sie, um ihr Fleisch zu essen. Sie fangen auch manche, um sie zu zähmen und als Reittiere zu gebrauchen, wie sie es den Weißen absahen. Die Spanier jedoch machen kaum mehr Gebrauch von ihnen. Höchst selten fängt man einen Wildling, um ihn zu zähmen. Die in Paraguay vorkommenden Pferde sind zwar nicht herrenlos, leben aber beinahe so frei wie diese, indem sie ebenfalls das ganze Jahr unter freiem Himmel zubringen. Alle acht Tage treibt man sie zusammen, damit sie sich nicht versprengen, untersucht ihre Wunden, bestreicht sie mit Lehm und schneidet ihnen alle drei Jahre die Mähne und den Schwanz ab, um das Roßhaar zu verkaufen. An Veredelung derselben denkt niemand.
Rengger schreibt über sie: „Gewöhnlich leben die Pferde truppweise in einem bestimmten Gebiet, an welches sie von Jugend auf gewöhnt worden sind. Jedem Hengste gibt man 12–18 Stuten, welche er zusammenhält und gegen fremde Hengste verteidigt. Die Füllen leben mit ihren Müttern bis ins dritte oder vierte Jahr. Diese zeigen für jene, solange sie noch saugen, große Anhänglichkeit und verteidigen sie zuweilen sogar gegen den Jaguar. Wenn die Pferde etwas über zwei oder drei Jahre alt sind, wählt man unter den jungen Hengsten einen aus, teilt ihm junge Stuten zu und gewöhnt ihn mit denselben in einem besonderen Gebiete zu weiden. Alle Pferde, die zu einem Trupp gehören, mischen sich nie unter andere und halten so fest zusammen, daß es schwer hält, ein weidendes Tier von den übrigen zutrennen. Werden sie miteinander vermengt, z. B. beim Zusammentreiben aller Pferde einer Meierei, so finden sie sich nachher gleich wieder auf. Die Tiere zeigen übrigens nicht allein für ihre Gefährten, sondern auch für ihre Weiden große Anhänglichkeit. Ich habe welche gesehen, die aus einer Entfernung von 80 Stunden auf die altgewohnten Plätze zurückgekehrt waren. Um so sonderbarer ist die Erscheinung, daß zuweilen die Pferde ganzer Gegenden aufbrechen und entweder einzeln oder haufenweise davonrennen. Dies geschieht hauptsächlich, wenn nach trockener Witterung plötzlich starker Regen fällt, und wahrscheinlich aus Furcht vor dem Hagel, welcher nicht selten das erste Gewitter begleitet.
Die Sinne dieser fast wild lebenden Tiere scheinen schärfer zu sein als die europäischer Pferde. Ihr Gehör ist äußerst fein; bei Nacht verraten sie durch Bewegungen der Ohren, daß sie das leiseste, dem Reiter vollkommen unhörbare Geräusch vernommen haben. Ihr Gesicht ist, wie bei allen Pferden, ziemlich schwach; aber sie erlangen durch ihr Freileben große Übung, die Gegenstände aus bedeutender Entfernung zu unterscheiden. Vermittelst ihres Geruchsinnes machen sie sich mit ihrer Umgebung bekannt. Sie beriechen alles, was ihnen fremd erscheint. Durch diesen Sinn lernen sie ihren Reiter, das Reitzeug, den Schuppen, in dem sie gesattelt werden, usw. kennen, durch ihn wissen sie in sumpfigen Gegenden die bodenlosen Stellen auszumitteln, durch ihn finden sie in dunkler Nacht oder bei dichtem Nebel den Weg nach ihrem Wohnorte oder nach ihrer Weide. Gute Pferde beriechen ihren Reiter im Augenblicke, wenn er aufsteigt, und ich habe solche gesehen, welche denselben gar nicht aufsteigen ließen oder sich seiner Leitung widersetzten, wenn er nicht einen Poncho oder Mantel mit sich führte, wie ihn die Landleute, welche die Pferde bändigen und zureiten, immer tragen. Auf größere Entfernung hin wittern sie freilich nicht. Ich habe selten ein Pferd gesehen, welches einen Jaguar auf 50 Schritte gewittert hätte. Sie machen daher in den bewohnten Gegenden von Paraguay die häufigste Beute dieses Raubtieres aus.“
Das Leben der verwilderten Pferde in den weiter nach Norden hin gelegenen Llanos hat Alexander von Humboldt aus eigener Anschauung meisterhaft geschildert. Diese Herden werden viel von den Indianern nicht nur des Fleisches und der Häute wegen verfolgt, sondern auch um sie zu fangen und als Reittiere zu verwenden. Dabei quälen sie die mit dem Lasso eingefangenen jungen Tiere so lange, bis sie durch Hunger und Durst klein beigeben und den Menschen aufsitzen lassen. Überall ist bei den Rothäuten der Pferdediebstahl ein für ehrenvoll angesehener Beruf, dem sie sich mit Eifer hingeben.
Bau und Eigenart des Pferdes weisen auf die weite Steppe als die ursprüngliche Heimat dieses Schnelläufers hin. Und zwar hat nicht sowohl das Fluchtvermögen vor etwaigen Feinden, als die Notwendigkeit, in Trockenzeiten weite Strecken von einem nicht ausgetrockneten Tümpel zum andern zurücklegen zu müssen, wie bei den Wildeseln auch beim Wildpferd aus der ursprünglich vorhandenen Fünfzehigkeit die Stelzenfüßigkeit eines einzigen, des mittleren Zehens bewirkt. Diese Einhufer sind die Endglieder einer einseitigen Entwicklung zur Erlangung möglichst großer Schnelligkeit. So ist auch das einzige heute noch lebende Wildpferd im eigentlichen Sinne des Wortes — und nicht nur ein verwildertes Pferd — das von dem russischen Reisenden Przewalski 1879 in Innerasien entdecktePrzewalskische Pferd. Während seines Aufenthaltes im Militärposten von Saisan erhielt er das Fell und den Schädel eines wilden Pferdes, das die Kirgisen in der Sandwüste Kanabo erlegt hatten. Das Exemplar gelangte in den Besitz des Museums der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg und wurde von Poljakow unter dem NamenEquus przewalskials neue Art beschrieben. Alles deutet mit Sicherheit darauf hin, daß wir es hier mit einer echten Wildform und nicht wie beim Tarpan mit einem verwilderten Hauspferd zu tun haben. Dieses Wildpferd haben seither auch andere europäische Reisende in der Dsungarei, d. h. den Wüsten zwischen Altai und Tianschangebirge, beobachtet und teilweise in lebenden jungen Exemplaren nach Europa gebracht. So vermochte Büchner 1899 zehn Fohlen, die von säugenden zahmen Mongolenstuten genährt wurden, mit ihren Pflegemüttern nach Südrußland zu bringen, wo sie im großen Wildpark von Falz-Fein in Askania nova akklimatisiert wurden. Später hat dann der unternehmende Tierhändler Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hamburg ebenfalls durch eine eigene, sehr kostspielige Expedition über ein Dutzend Wildpferdfohlen aus der Dsungarei zu holen vermocht, um damit in Deutschland vielversprechende Zuchtversuche zu machen.
Das Przewalskische Pferd — von den Kirgisen Kertag, von den Mongolen Taki genannt — lebt in Herden von 5–15 Stück unter Anführung eines alten Hengstes. Seine Statur ist klein, fast ponyartig; es ist mit einem zottigen Haarpelz von hellgraubrauner Farbe bedeckt, das an den Beinen vom Knie an bis zu den Hufen dunkler wird. Die Ohren sind kurz, die dunkle Mähne ist im Gegensatz zudemjenigen des domestizierten Pferdes aufgerichtet, ferner fehlt ein Stirnschopf und die Schweifwurzel ist kürzer behaart. Übrigens besteht die kurze Mähne aus zweierlei Haar, einem äußeren paarigen Streifen von graubrauner Farbe an jeder Seite und einem mittleren schwarzen, der sich als sogenannter Aalstreifen über den Rücken fortsetzt. Ebenso ist der Schweif zweifarbig. Der kürzer behaarte Teil, die Schweifwurzel, ist graubraun wie der Körper, der übrige Teil des Schweifes aber schwarz gefärbt. Eine solche Färbungsverschiedenheit von Mähne und Schweif findet sich als Rückschlag in einen früheren Zustand nur ganz selten bei Hauspferden.
Dieses Wildpferd hat offenbar schon der durch Sibirien reisende Deutsch-Russe Pallas gekannt. Er beschrieb es unter dem NamenEquus equiferus. Der Russe Tscherski, der neuerdings eine genaue Untersuchung des von Przewalski aufgebrachten Originalschädels vornahm, betonte, daß man es hier mit einem den echten Pferden zugehörenden Tier zu tun hat. Der Hirnteil erreicht eine Breite, die über dem Mittel der Vertreter orientalischer Pferde steht, die Stirnknochen erscheinen flach und die Nasenbeine verschmälern sich langsam nach vorn, also nicht plötzlich wie beim Esel. Der Schädel steht seinem ganzen Bau nach demjenigen des russischen Pferdes am nächsten. Seither hat auch Tichomiroff durch erneuerte Untersuchungen festgestellt, daß dieses zweifellos wilde und nicht nur verwilderte Pferd, das früher wohl weit über Innerasien verbreitet war, tatsächlich dem Hauspferd sehr nahesteht. Wir haben in ihm die Stammquelle der zuerst domestizierten asiatischen Pferde zu erblicken.
Zweifellos ist irgendwo in Zentralasien, vermutlich von einem turanischen Volke, ein dem Przewalskischen nahestehendes Wildpferd, jung eingefangen und gezähmt, zum Gehilfen des Menschen erhoben und an seine Gegenwart gewöhnt worden. Von den weiten Ebenen Turans kam es zu Ende des vierten vorchristlichen Jahrtausends nach dem Berglande Iran und von da nach Mesopotamien, wo es kennzeichnenderweise den Namen „Esel des Ostens“ oder „Esel des Berglandes“ erhielt. Da dort der Onager als Wildling heimisch und zudem der Esel als Haustier bekannt war, benannte man diesen Verwandten einfach nach ihm mit einem unterscheidenden Beinamen. Wie in Babylonien war es um 2000 v. Chr. auch in Indien bekannt. Auch in China ist seine Einfuhr eine sehr alte; wenigstens verwendete man es nach den Angaben des Schuking schon etwa 2000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung.
Als vornehmstes Werkzeug des Krieges wurde es im Zweistromland bei den kriegerischen Assyriern, nach der Fülle der auf uns gekommenen Pferdedarstellungen zu schließen, in großer Menge gezogen. Meist begegnet uns auf den altassyrischen Monumenten ein langschweifiges Pferd, daneben eine andere Rasse mit kurzem Schweif und nackter Rübe. Außer zum Reiten diente es vornehmlich zum Ziehen des zweiräderigen Kriegswagens, auf welchem fechtend die Schwerbewaffneten in den Kampf zogen. Außer dem mächtigen König von Assur benutzten auch seine Generale und Unterführer den von einem Wagenlenker geleiteten Kriegswagen bei ihren Feldzügen. Offenbar war der zweiräderige Wagen bei den Assyriern viel populärer als das Reiten auf dem Pferde, ohne Bügel, nur auf einer Decke sitzend.
Im alten Reiche Ägyptens war das Pferd völlig unbekannt; als Last- und Arbeitstier wurde damals ausschließlich der Esel gehalten. Nicht anders war es noch im Mittleren Reich (2160–1788 v. Chr.). Erst im 17. Jahrhundert, um 1680 v. Chr., scheinen die Hyksos — oder Schasu(beduinen), wie sie von den Ägyptern genannt werden — das Pferd aus Westasien, wo es überall Eingang gefunden hatte, nach dem bis dahin ziemlich abgeschlossenen Niltal gebracht zu haben. Hier bürgerte es sich rasch ein und erscheint dann von der 18. Dynastie an (1580–1350 v. Chr.) unter den Tutmosis und Amenophis, dann namentlich in der 19. Dynastie (1350–1205 v. Chr.) unter den Ramses und Sethos als hochgeschätztes Haustier, dem von den Großen sorgfältige Pflege angediehen lassen wurde. Mit dem asiatischen Kriegswagen wurde das Tier, nach asiatischer Weise daran angespannt, zum Ziehen desselben verwendet. Die ägyptische Bezeichnungsusfür Pferd ist ein semitisches Wort und die ägyptische Benennung des Streitwagens ist ebensosehr semitisch und dem Hebräischen fast vollständig gleich. Nach den spärlichen Stellen im Alten Testament, da vom Pferde und von dem von ihm gezogenen Kriegswagen die Rede ist, sind dies Attribute der kriegerischen Nachbarn und Feinde des Volkes Israel, an denen es keinen Teil hat. Als Haus- und Herdentier der altjüdischen Patriarchen erscheint es durchaus nicht und nimmt auch an den Wanderungen und Kämpfen der Juden keinen Anteil. Bei ihnen wie bei den Ismaeliten oder Arabern ist es zuerst der Esel und später das Kamel, auf dem sie reiten. In Übereinstimmung damit berichtet Herodot von den im Heere des Xerxes weilenden Arabern: „Die Araber waren alle auf Kamelen beritten, die den Pferden an Schnelligkeit nicht nachgaben.“ Auch nach Strabor gab es im Glücklichen Arabien keine Pferde, noch Maultiere;denn er schreibt: „An Haus- und Herdetieren ist dort Überfluß, wenn man Pferde, Maultiere und Schweine ausnimmt.“ Ähnlich sagt er vom Lande der Nabatäer: „Pferde sind in dem Lande keine; deren Stelle in der Dienstleistung vertreten die Kamele.“ Dabei war dieser Autor, der Freund und Genosse des Älius Gallus, des Feldherrn, der die große mißlungene Expedition nach Arabien gemacht hatte, über diese Halbinsel so genau wie nur sonst jemand in damaliger Zeit unterrichtet. Noch in der Schlacht bei Magnesia, in der er 190 v. Chr. zum zweitenmal den Römern erlag, führte Antiochus der Große, wie einst Xerxes, auf Dromedaren berittene Araber ins Gefecht.
Anders war es in Ägypten zur Zeit des Neuen Reiches (1580 bis 1205 v. Chr.). Hier diente das Pferd nur ganz ausnahmsweise zum Reiten, ganz gewöhnlich aber, schön aufgezäumt und mit einem wallenden Busche von Straußenfedern geziert, zum Ziehen des leichten Kriegswagens, auf dem der Pharao mit seinen Offizieren in die Schlacht zog. Da kämpfte man in den in Westasien geführten Schlachten Wagen gegen Wagen, Mann gegen Mann. Offenbar wurde auf die Pflege der Pferde große Sorgfalt verwendet und viel Gewicht auf gute Rasse gelegt. Der Kutscher war eine wichtige Person im vornehmen Hause, und selbst Prinzen leiteten am Hofe das Gespann, das zwei Pferde zählte. Die Leibpferde erhielten schöne Namen. So wird uns auf den Darstellungen der Feldzüge der verschiedenen Pharaonen an den Tempelwänden jeweilen genau angegeben, wie die Pferde hießen, die in dieser oder jener Schlacht das reich ausgestattete Gespann des Königs zogen. Auf diese Weise wissen wir vom Tempel in Theben, daß das Lieblingsgespann Ramses II. (1292–1225 v. Chr.) „Sieg zu Theben“ und „Zufriedene Nura“ hieß. Es waren dies die beiden Pferde, die eben jenen König im Jahre 1280 aus der großen Gefahr retteten, als er mit geringer Begleitung dem Gros seines Heeres vorauseilend bei der Stadt Kadesch am Orontes in einen Hinterhalt der Chetiter unter ihrem König Mutallu gefallen war und jede Hoffnung, heil aus der mißlichen Lage zu entrinnen, vergebens schien. Zum Dank ließ dann der König, wie uns im Schlachtenbericht des Pentaur erzählt wird, diesem seinem Gespann künftighin ganz ausnahmsweise sorgsame Behandlung zuteil werden. Das Kriegsgespann Ramses III. (1198 bis 1167 v. Chr.) trug die Namen: „Ammon siegt mit Macht“ und „Geliebt von Ammon“. Nach den bildlichen Darstellungen sind es außerordentlich edle, feurige Tiere von feinem Gliederbau und ziemlicher Größe mit langer, flatternder Mähne und prächtigem Schweif, dervielfach in der Mitte geknotet wurde, damit er nicht am Boden schleife. Als bevorzugte Nahrung erhielten sie statt Hafer, wie bei uns, Gerste, die bis auf den heutigen Tag in den Mittelmeerländern ihre alte Bedeutung als Pferdekraftmittel behielt.
Bild 27. König Sethos I. von Ägypten (regierte von 1313–1292 v. Chr.) auf dem Kriegswagen gegen die Cheta in Vorderasien kämpfend dargestellt. (Nach Wilkinson.)⇒GRÖSSERES BILD
Bild 27. König Sethos I. von Ägypten (regierte von 1313–1292 v. Chr.) auf dem Kriegswagen gegen die Cheta in Vorderasien kämpfend dargestellt. (Nach Wilkinson.)
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Während die Ägypter neben den auf Kriegswagen kämpfenden Elitetruppen keine auf Pferden berittene Mannschaft besaßen, ist es interessant zu sehen, daß auf den zahlreichen Schlachtenbildern des 16. und 15. Jahrhunderts v. Chr., als Ägypten seine Macht weit nach Westasien ausdehnte, die Chetiter zwar auch vorzugsweise auf Kriegswagen kämpften, daneben aber auch, im Gegensatz zu den Ägyptern, teilweise auf Pferden ritten. So scheint in der Schlacht von Kadesch, in der Ramses II. das ägyptische Heer befehligte, ein berittener Chetiter mit einem Bogen bewaffnet und ein anderer, ebenfalls zu Pferd, eine Infanterieabteilung anzuführen. An einer Wand des großen Reichstempels von Karnak in Theben sehen wir mitten unter den Kanaanitern, die gegen die Stadt Askalon (im Text Askalunu genannt) flüchten, noch einen auf einem Pferde sitzend dargestellt. Auch die Assyrier (Rotennu) machen auf diesen Darstellungen neben dem Kriegswagen vielfach vom Pferde auch zum Reiten Gebrauch. In zwei Darstellungen aus der Zeit der 18. Dynastie, unter Tutmes III. (1480–1447 v. Chr.) und Tutankhamen, sehen wir Assyrier dem Pharao als Tribut wertvolle Rassepferde überbringen. Auch die Einwohner des Libanon (Lemenu genannt) kennen neben den Kriegswagen Reiter.
Damals besaß aber kein anderes Volk Afrikas außer den Ägyptern das Pferd. Auf allen kriegerischen Darstellungen kämpfen sowohl die Neger Äthiopiens, als auch die blonden Libyer (Lebu) stets zu Fuß und besitzen außer Rindern und Schafen, die man durch die siegreichen Ägypter fortgeführt werden sieht, keine Pferde. Das war allerdings um die Mitte des letzten Jahrtausends v. Chr. anders; denn Herodot berichtet uns, daß die Libyer von den Ufern des Tritonsees gewöhnlich auf von vier Pferden gezogenen Kriegswagen kämpften. Es wäre merkwürdig gewesen, wenn nicht mit der Zeit auch die Nachbarvölker dieses edle Tier und das zu ihm gehörende Gerät, den leichten, zweiräderigen Streitwagen, von den Ägyptern übernommen hätten. Erfahren wir doch, daß das libysche Volk der Maschuasch schon zur Zeit Ramses III. (1198–1167 v. Chr.) neben dem Esel auch schon das Pferd als Haustier besaß, da dieser König nach einer ihm beigebrachten Niederlage laut einer auf uns gekommenen Inschrift 183 Pferde und Esel von ihm erbeutete.
In der zweiten Hälfte des vorletzten vorchristlichen Jahrtausends hatte die Pferdezucht in Ägypten größere Ausdehnung erlangt, so daß die westasiatischen Kulturvölker ihr edelstes Pferdematerial von dort importierten. Zur Zeit des Königs Salomo, der von 993–953 v. Chr. regierte, bezog der König von Israel viele Pferde seines prunkvollen Hofhaltes und seiner Armee aus Ägypten und machte nebenbei noch ein gutes Geschäft damit, indem er dieses vielbegehrte Material an die Könige der Aramäer und Chetiter weiterverkaufte.
Damals waren in Ägypten die Gestüte königliches Eigentum, dem die Könige große Aufmerksamkeit schenkten. In Dschebel Barkal (dem alten Nepata) fand Mariette eine merkwürdige Stele, auf der erzählt wird, wie ums Jahr 745 v. Chr. der äthiopische König Pianki Meriamen das damals von zahlreichen, aufeinander eifersüchtigen kleinen Fürsten beherrschte Ägypten eroberte. Aus der Schilderung erfahren wir unter anderem, daß die Aufzucht des Pferdes für den Export damals eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes war. Jeder der zahlreichen Teilkönige besaß einen Marstall und ein Gestüt, dessen beste Pferde er dem damals siegreich vordringenden Könige der Äthiopier anzubieten sich beeilte. Letzterer nahm diese Geschenke stets wohlwollend in Empfang. Seine erste Sorge, wenn er wiederum ein neues Teilreich erobert hatte, war, in höchst eigener Person die königlichen Marställe und Gestüte zu besichtigen. In einer Stadt, Hermopolis in Mittelägypten, fand er diese Etablissemente vernachlässigt und die Pferde schlecht gehalten. Da geriet er in großen Zorn und rief aus: Bei meinem Leben, bei der Liebe des Gottes Re, der den Atem meiner Nase erneuert, es gibt in meinen Augen keinen größeren Fehler, als meine Pferde hungern zu lassen!
Bei solcher Wertschätzung der ägyptischen Pferdezucht kann es uns nicht wundern, daß 80 Jahre später, im Jahre 665, als der assyrische König Asurbanipal die ägyptische Residenzstadt Theben einnahm und plündern ließ, er vor allem in dem uns noch erhaltenen Beuteverzeichnis in Keilinschrift, das das Britische Museum besitzt, „große Pferde“ erwähnt. Diese Bezeichnung verdient besonders gewürdigt zu werden, denn sie schließt sich an die dieselbe Tatsache bezeugenden Darstellungen an den Tempelwänden zur Zeit der jüngeren Dynastien Ägyptens an, woraus hervorgeht, daß sich mit der Zeit in Ägypten eine besondere Pferderasse gebildet hatte, die größer und stärker war als die in Syrien und Babylonien gezüchtete. Es ist zweifellos diejenige Rasse, die sich unverändert in Dongolah, im Innern, erhieltund den mit Wattepanzern aus Baumwolle für Pferde und Mensch umgebenen Reitern als hochgeschätztes Kriegsmittel dient.
Durch die Handelsbeziehungen mit Ägypten und Vorderasien hat auch das alte Kulturvolk der Mykenäer auf Kreta und den Ländern am Ägäischen Meer schon vor der Mitte des vorletzten Jahrtausends v. Chr. das Pferd und den von ihm gezogenen zweiräderigen Kriegswagen kennen gelernt und übernommen. So treffen wir schon in den ältesten Partien der Ilias, die teilweise noch Erinnerungen an jene älteste Kulturblüte Griechenlands wach erhält, das Pferd und den Kriegswagen als geschätzte Artikel erwähnt. Sie erwähnt auch in erster Linie der Held Achilleus, wenn er von der ägyptischen Hauptstadt spricht:
„Theben, die hunderttorige Stadt, es fahren aus jedemTor zweihundert Männer heraus mit Rossen und Wagen.“ —
„Theben, die hunderttorige Stadt, es fahren aus jedemTor zweihundert Männer heraus mit Rossen und Wagen.“ —
„Theben, die hunderttorige Stadt, es fahren aus jedemTor zweihundert Männer heraus mit Rossen und Wagen.“ —
„Theben, die hunderttorige Stadt, es fahren aus jedem
Tor zweihundert Männer heraus mit Rossen und Wagen.“ —
Unter diesen Wagen sind natürlich ausschließlich Kriegswagen gemeint. Auf einer frühmykenischen Grabstele aus Agamemnons einstiger Residenz, dem „goldreichen Mykene“, sehen wir in ungeschickter, roher Darstellung einen Mann auf einem von zwei Pferden bespannten leichten Streitwagen dahinfahren. Und überall in der Ilias ist bei den Kämpfen zwischen den Griechen und Troern vor Ilions Veste vom feurigen Renner und dem von ihm gezogenen Streitwagen die Rede, auf dem die Helden in die „männermordende Feldschlacht“ zogen, nachdem sie sich „zum Kampfe gegürtet“, d. h. das bis zu den Knien reichende Hemd mit ganz kurzen Ärmeln, den Chiton, damit er nicht die Bewegungen hindere, hinaufgenommen und mit einem Ledergürtel in dieser Stellung fixiert hatten. Dann hatten sie die ledernen Beinschienen angezogen, die zum Schutze der Schienbeine vor dem Anschlagen des gewaltigen, den ganzen Mann bis zum Kinn vor den feindlichen Geschossen deckenden Lederschildes dagegen dienten. Dieser ursprünglich von einer ganzen, bis 50kgwiegenden Rindshaut, später aus mehreren solchen hergestellte Schild war in der Mitte zum besseren Schutze eingezogen und daran waren zwei Querspreizen befestigt, an denen man ihn halten konnte. Für gewöhnlich geschah dies aber nicht, wie es mit dem erst später aufgekommenen kleinen Rundschild geschah, sondern der Schild wurde an einem Tragriemen getragen, der auf der nackten rechten Schulter auflag. Auf der Brust und auf dem Rücken kreuzte sich der letztere mit dem Riemen, der auf der linken Schulter auflag und an welchem auf der rechten Seite das Schwert getragen wurde. Beim Gehen trug man den Riesenschild auf dem Rücken, im Kampfe dagegen vor sich; beim Rückzuge nahm manihn wieder auf den Rücken. Welches Gewicht diese Riesenschilde gelegentlich gehabt haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man in der Ilias vom siebenhäutigen Schilde des starken Priamossohnes Hektor liest.
Bei solcher schweren Bürde waren die Helden gezwungen, in einem zweiräderigen Streitwagen, in welchem sie den gewaltigen Schild vor sich hinstellen konnten, in die Schlacht zu fahren. Dort angekommen, kämpften sie stets zu Fuß, Mann gegen Mann, und nicht vom Wagen herab wie die Vorderasiaten und Ägypter. In der Ilias sind nur fünf, und zwar alles nachweisbar späte Stellen, in welchen auch von den Griechen von dem mit zwei flinken Pferden bespannten Wagen herab gekämpft wird. Auch zum Fliehen bediente man sich wiederum des Wagens, indem der außer Schußweite auf den Ausgang des Einzelkampfes wartende Wagenlenker bei Bedrängnis seines Herrn rasch herbeieilte, um ihn aufzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Bei Homer haben nur die Bogenschützen keine Schilde und fahren deshalb nie. Ja, ein Held, der zwölf Wagen und die dazu gehörenden prächtigen Doppelgespanne sein Eigen nannte, ließ diese seine Habe vorsichtigerweise zu Hause und kämpfte zu Fuß als Bogenschütze.
Der Panzer ist dem homerischen Epos durchaus fremd und war bei dem vorhin beschriebenen gewaltigen Schilde durchaus unnötig, ganz abgesehen davon, daß er den Mann, der am schweren Schilde genug zu schleppen hatte, noch unnötig beschwert hätte. Selbst der Kriegsgott Ares trug nach der Schilderung in der Ilias keinen Panzer. Die einzige Bewaffnung der Helden wie auch ihres Anführers ist außer dem Helm von Leder, vielfach mit Eberzähnen überstickt, wie solche in einem Volksgrabe von Mykenä gefunden wurden, und dem vorgenannten großen Schild der mäßig lange Wurfspeer und das kurze Schwert an der rechten Seite. Wer unbeschildet war, trug Pfeil und Bogen. Wer aber als „Schwerbewaffneter“ in den Kampf zog, ließ sich, wenn er es irgendwie vermochte, auf dem Streitwagen dahin führen. So begreifen wir die Notwendigkeit der homerischen Helden, einen Streitwagen zu führen, und fühlen mit dem Dichter, der das edle Pferd als Liebling und Begleiter der Krieger in prächtigen Schilderungen verherrlicht, wie etwa in der folgenden:
„Gleich wie das Roß, das lang im Stall sich genährt an der Krippe,Seine Fessel zerreißt und stampfenden Hufs durch die EbneRennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome,Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den SchulternFlattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen SchönheitTragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, —So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder,Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar,Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn —“
„Gleich wie das Roß, das lang im Stall sich genährt an der Krippe,Seine Fessel zerreißt und stampfenden Hufs durch die EbneRennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome,Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den SchulternFlattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen SchönheitTragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, —So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder,Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar,Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn —“
„Gleich wie das Roß, das lang im Stall sich genährt an der Krippe,Seine Fessel zerreißt und stampfenden Hufs durch die EbneRennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome,Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den SchulternFlattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen SchönheitTragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, —So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder,Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar,Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn —“
„Gleich wie das Roß, das lang im Stall sich genährt an der Krippe,
Seine Fessel zerreißt und stampfenden Hufs durch die Ebne
Rennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome,
Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den Schultern
Flattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen Schönheit
Tragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, —
So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder,
Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar,
Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn —“
In der klassischen Zeit Griechenlands waren die großen, schweren Schilde, wie auch die Streitwagen zum Transporte der „schwerbewaffneten“ Helden außer Gebrauch gekommen; dafür führte man am linken Arm getragene kleine Rundschilde und einen Panzer, wenn man zu Fuß ging, keinen Panzer dagegen, wenn man zu Pferde kämpfte. In letzterem Falle ritt man ohne Sattel und Bügel auf dem Pferderücken, dem man höchstens etwa eine Decke auflegte. Jeder von uns kennt ja die Art des Reitens der Griechen und später auch der Römer an den mancherlei auf uns gekommenen antiken Darstellungen von Reitern, in erster Linie von der herrlichen Darstellung reitender junger Athener am Panathenäenzuge auf dem berühmten Friese des Parthenon und an den mancherlei Grabdenkmälern in Germanien verstorbener römischer Soldaten. Schon der griechische Feldherr und Staatsmann Xenophon schrieb zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. ein Werk über die Reitkunst. Darin ist von den Regeln die Rede, nach welchen man die Güte eines Pferdes beurteilen, es dressieren und reiten soll, fernerhin ist angegeben, wie Roß und Mann angetan sein und wie Speer und Schwert gebraucht werden sollen.
Das berühmteste aller Pferde von Griechen, die nebenbei bemerkt ausnahmslos von edler asiatischer Zucht waren, war das Leibroß Alexanders des Großen (356–323 v. Chr.), Bukephalos, d. h. Stierkopf, mit Namen. Nach den Angaben in der Naturgeschichte des älteren Plinius soll Alexanders Vater Philippos es ihm, als er noch ganz jung war, aus der Herde des Pharsaliers Philonikos um den Preis von 13 Talenten, d. h. 45000 Mark, gekauft haben, weil es ihm so wohl gefiel. „Obgleich dieses Pferd für gewöhnlich jeden Reiter aufnahm, so litt es doch, wenn es mit dem königlichen Schmucke geziert war, keinen als Alexander. Vorzügliche Dienste leistete es in Schlachten: bei der Belagerung von Theben (im Jahre 335) ließ es, obgleich schwer verwundet, den König doch nicht auf ein anderes steigen.“ Später gab es noch andere Beweise seiner Klugheit und Anhänglichkeit,begleitete seinen Herrn bis nach Indien und als es einige Zeit nach der Schlacht gegen König Porus „entweder an seinen Wunden oder an Altersschwäche starb,“ wie sich der Geschichtschreiber Plutarch ausdrückt, „betrauerte Alexander dasselbe wie einen Freund und baute ihm zu Ehren am Hydaspes die Stadt Bukephaleia. — Er soll auch einem seiner Hunde, welcher Peritas hieß, zu Ehren eine Stadt gebaut haben.“
Nach demselben Plinius soll wie Alexanders, so auch Julius Cäsars Pferd keinen andern Reiter auf sich gelitten haben. Dieses Pferd soll Menschenfüßen ähnliche Vorderfüße besessen haben, „was auch an seiner vor dem Venustempel aufgestellten Bildsäule ausgedrückt ist“. Er meint damit wohl die unschönen langen Hufe, die lange im Stall stehende Pferde bekommen. Daß nun der stolze Diktator Cäsar einen solchen minderwertigen Gaul gehabt haben soll, ist kaum anzunehmen, noch weniger, daß er sich mit einem solchen Klepper auf einer Bildsäule verewigt habe.
Noch vieles sonst weiß dieser Autor von Pferden zu sagen, von dem wir Einiges hier mitteilen möchten. Er schreibt: „Als vorzüglich werden die skythischen Pferde gerühmt. Als ein Anführer der Skythen in einem Zweikampfe getötet worden war, wurde sein Feind, da er ihm die Waffen abnehmen wollte, von dessen Pferd durch Biß und Hufschlag niedergemacht. Die Gelehrigkeit der Pferde ist so groß, daß alle Pferde der sybaritischen Reiterei nach dem Takte der Musik zu tanzen gewöhnt waren. — Die Pferde haben ein Vorgefühl von bevorstehenden Schlachten, trauern über ihren verlorenen Herrn und vergießen zuweilen Tränen der Sehnsucht. Als König Nikomedes getötet worden war, hungerte sich sein Pferd zu Tode. Phylarchus erzählt, daß, als der Galater Centaretus das Pferd des in der Schlacht gefallenen Antiochus siegestrunken bestiegen hatte, das edle Tier sich unwillig in die Zügel gelegt und in einen Abgrund gestürzt habe, so daß beide zerschmetterten. Philistus schreibt, das Pferd des Dionysius sei von diesem im Schlamme steckend verlassen worden, habe sich wieder herausgearbeitet, sei den Spuren seines Herrn nachgezogen, unterwegs habe sich ein Bienenschwarm an seine Mähne gehängt. Durch diese gute Vorbedeutung ermutigt, habe sich Dionysius dann der Herrschaft bemächtigt.
Die unbeschreibliche Klugheit der Pferde lernen diejenigen schätzen, welche reitend den Speer werfen, denn sie unterstützen des Reiters Anstrengung durch die Stellung ihres Körpers. Die auf der Erdeliegenden Speere heben sie auf und reichen sie dem Reiter. (Plinius, ein tüchtiger Reitergeneral, schrieb ein besonderes Buch „über die Kunst des Kavalleristen, den Speer zu werfen“.) — Die in der Rennbahn zum Wettlauf Angeschirrten zeigen deutlich, daß sie die Mahnungen verstehen und den Ruhm zu schätzen wissen. Bei den Säkularspielen des Kaisers Claudius wurde beim Wettlauf ein Wagenlenker namens Corax (Rabe) vom Wagen geschleudert; aber seine Pferde kamen allen zuvor, versperrten den einen den Weg, warfen andere um, kurz taten alles, was sie unter der Leitung eines geschickten Wagenlenkers hätten tun können, und standen zur Beschämung der Menschen zuerst am Ziele. — Für eine wichtige Vorbedeutung galt es bei unsern Voreltern, daß Pferde von einem Wagen, von welchem der Fuhrmann herabgestürzt war, als ob er noch daraufstände, aufs Kapitol und dreimal um den Tempel liefen; aber noch wichtiger schien es, als Pferde mit Kränzen und Palmzweigen von Veji aufs Kapitol gerannt kamen. nachdem Ratumenna, der dort im Wettlaufe gesiegt hatte, vom Wagen gestürzt war. Das Tor, durch das sie hereinkamen, heißt seitdem das Ratumennische. Wenn die Sarmaten (ein Nomadenvolk im Norden des Schwarzen Meeres) eine weite Reise unternehmen wollen, so bereiten sie die Pferde tags zuvor durch Fasten darauf vor, geben ihnen auch nur wenig zu saufen und reiten dann ohne auszuruhen 150000 Schritte weit. — Hengste können 50 Jahre alt werden; Stuten aber sterben früher. Hengste wachsen bis ins 6., Stuten bis ins 5. Jahr.“ Umgekehrt wie Plinius schreibt Aristoteles: „Der Hengst wird 35, die Stute über 40 Jahre; ja, es ist schon einmal ein Pferd 75 Jahre alt geworden.“
Welche Bedeutung die Pferde schon bei den Griechen, besonders aber bei den Römern bei den Rennen zu Wagen und unter dem Reiter erlangt hatten, ist aus mancherlei Angaben von Schriftstellern zu ersehen. So berichtet Pausanias (der Bädeker des Altertums, dem wir wertvolle Nachrichten über verschiedene Kultstätten und der darin aufgestellten Weihgeschenke verdanken, er lebte im 2. Jahrhundert n. Chr.): „In der 66. Olympiade gewann Kleosthenes zu Olympia den Preis im Wagenrennen und stellte dann in Olympia den betreffenden Wagen nebst seiner eigenen Bildsäule und der seines Wagenlenkers und seiner Pferde auf. Es sind auch die Namen der Pferde (bei den Wettrennen mit Wagen in der Rennbahn fuhr man stets mit einem Viergespann): Phönix, Korax, Knacias und Samos, angemerkt. Auf dem Wagen steht die Aufschrift: „Kleosthenes aus Epidamnos hatmit Rossen im schönen Wettkampfe des Zeus gesiegt.“ — Der Korinthier Phidolas hatte nach Olympia einen Wettrenner mit Namen Aura gebracht. Dieser warf gleich beim Beginn des Laufes seinen Reiter ab, lief aber doch ganz regelmäßig weiter und gewann den Preis. Phidolas bekam die Erlaubnis, die Bildsäule seines Pferdes zu Olympia aufzustellen“.
Bei den Griechen wurden berühmte Pferde nicht nur im Leben, sondern auch nach dem Tode ausgezeichnet und mit Denkmälern geehrt. So schreibt Herodot: „Der Athener Kimon, Vater des Miltiades, siegte zu Olympia dreimal mit dem Viergespann. Das Grab Kimons steht vor Athen an der Hohlen Straße, ihm gegenüber das Grabmal seiner vier siegreichen Rosse. Nur die Rosse des Lakoniers Euagoras haben es jenen gleichgetan.“ Aber erst zur römischen Kaiserzeit wurde die Pferdeverehrung auf die Spitze getrieben. So berichtet uns der Geschichtschreiber Dio Cassius: „Kaiser Caligula hatte ein Pferd namens Incitatus (d. h. der Angespornte), das mit ihm speiste, die Gerste aus einer goldenen Schüssel fraß, den Wein aus goldenen Pokalen trank. Bei diesem Pferd pflegte der Kaiser zu schwören; auch wollte er es zum Konsul ernennen, aber der Tod vereitelte dieses Plänchen. — Der Kaiser baute sich auch selbst einen Tempel, bestellte seine Gemahlin, sein Pferd und mehrere reiche Leute zu Priestern und ließ sich täglich Vögel von delikatem Geschmack und teurem Preise opfern. — Kaiser Nero hatte eine merkwürdige Liebhaberei für Wettrennen. Waren ausgezeichnete Renner da, so ließ er sie einen prachtvollen Staatsrock anziehen und ihnen regelmäßigen Gehalt bezahlen. Dadurch kam es bald dahin, daß die Besitzer solcher Pferde und deren Stallknechte so übermütig wurden, daß sie sich sogar gegen Generäle und Konsuln flegelhaft benahmen. Der General Aulus Fabricius wußte sich aber zu helfen und rächte sich damit, daß er Wagen mit Hunden bespannte. — Kaiser Hadrian war ein sehr eifriger Jäger, brach einmal auf der Jagd das Schlüsselbein und ward lahm, ließ aber seinem Jagdpferde namens Borysthenes, als es gestorben war, eine Denksäule mit einer Aufschrift setzen. — Kaiser Commodus hatte einen Wettrenner gern, der Pertinax hieß. Als dieser einmal gesiegt hatte, schrieen die Leute: ‚Pertinax ist Sieger!‘ Als das Pferd alt wurde, ließ ihm Commodus die Hufe vergolden, eine vergoldete Schabracke auflegen und befahl, es in den Zirkus zu führen. Als es da erschien, schrieen die Leute: ‚Da kommt Pertinax!‘ Dies waren die Vorbedeutungen, die anzeigten, daß der Ligurier Pertinax nach der Ermordung des Commodus Kaiser werdenmußte“. Julius Capitolinus berichtet: „Kaiser Verus trug stets das goldene Bild seines Pferdes namens Volucer bei sich. Er fütterte das Tier mit Rosinen, Nuß- und Mandelkernen, er schmückte es mit purpurfarbigen Schabracken und errichtete ihm, als es gestorben war, auf dem Vatikan ein Grabmal“ und Älius Lampridius meldet: „Kaiser Heliogabalus fütterte seine Pferde mit Rosinen, die er aus Apamea in Phrygien bezog“.