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Einmal macht Heinrich Pestalozzi auch eine Reise an den See mit seiner Mutter; mittags nach dem Markt fahren sie hinaus, unaufhörlich am Seeufer hin durch Dörfer mit weißen Kirchen, durch Weinberge und Matten, wo die Bauern lustige Haufen Heu zusammen bringen, bis nach Richterswil, wo der Onkel Johannes wohnt. Es ist dort ein großes Haus mit einem prächtigen Garten und vielen fremden Menschen, die seiner schwarzen Mutter um den Hals fallen und denen er die Hand geben muß. Auch einen Knaben gibt es, älter als er und wie ein Soldat mit einem stolzen Federbusch gekleidet; der führt ihn auf den großen Speicher, wo Korn in Haufen liegt, durch die Ställe mit unheimlich behörnten Kühen und stampfenden Pferden in die Weinberge hinauf zu einer Bank, die unter einer Linde einen Ausblick auf den See gibt bis tief in die blauen Bergschlüfte hinein, und danach an das weiche Ufer hinunter, wo das Ried mit hohen Halmen aus dem Wasser wächst und seine Büschel im Wind verneigt. Da haben Jünglinge gerade ein Schiff los gemacht, und weil der eine ein Bruder des Knaben mit dem Federhut ist, sollen sie mit einsteigen. Die Mutter aber kommt gelaufen, todblaß, und trägt ihn auf den Armen, obwohl er sich dessen schämt und schreiend wehrt, durch den Garten zurück ins Haus.

Sie bleiben zwei Tage dort, bis sie am dritten Morgen noch in der Dunkelheit abfahren auf dem selben Bauernwagen und in der Morgenfrühe zurück kommen in die Stadt und in die Stube, wo der dicke Kachelofen mit der kühlen Steinbank auf sie wartet und das Babeli mit den Geschwistern ist. Er denkt später nicht gern an diese Reise; es ist ihm alles fremd geblieben, als ob er nur geträumt hätte.


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