44.
Es ist auf lange Zeit der letzte reine Morgen für Heinrich Pestalozzi; denn noch am Nachmittag erfährter, daß über seine Unternehmung die absprechendsten Gerüchte in Umlauf sind, sodaß der unvermutete Besuch der Schwiegermutter nachträglich eine unfreundliche Bedeutung erhält. Nicht lange danach, daß Anna wieder von Zürich zurück ist, erscheint auch der Bankier Schultheß im eigenen Reisewagen mit zwei Söhnen und einem Bedienten, die Grundlage seines Darlehens zu prüfen. Er will jedes Feld und die Art der Besserung sehen, das Haus mißt er selber mit dem Maßstab in den Fundamenten aus: er hat dabei eine Art, zornig den Kopf zu schütteln, aber das ist nur eine Angewohnheit des alten Herrn, und am Ende geht es wie mit der Schultheßin: die Stimmung bessert sich, und wie damals Anna fährt nun Heinrich Pestalozzi mit dem Besuch nach Zürich zurück.
Sie sind kaum fort, als Anna hört, daß der Bediente unterdessen seine eigenen Wege im Birrfeld gegangen ist, überall die Meinung aushorchend; auch bei dem Märki ist er gewesen: nach seinen boshaften Bemerkungen mit dem kläglichsten Ergebnis. Sie nimmt sich vor, es zu verschweigen, aber als Heinrich Pestalozzi nach einigen Tagen von Zürich zurückkommt, weiß er schon alles und wie das Urteil dieses Bedienten die Stimmung im Gewundenen Schwert macht. Noch am gleichen Tage gehen sie miteinander in den Letten hinauf, sich selber zu vergewissern, ob der tüchtige Stand der Felder doch nur eine Selbsttäuschung wäre. Sie finden die Esparsette auf den steinichten Ackern gut angesetzt, und auch die Krappflanzen lassen sich nicht übel an; aber die boshaften Worte des Bedienten werden damit nicht ausgewischt,und als Heinrich Pestalozzi gegen die Baustelle seines stolzen Hauses kommt, faßt ihn der Unwille so, daß er sich abwendet; gerade das ist von dem Bankherrn zu kostspielig gefunden worden. Schlimmer aber als alles ist ihm das Unkraut der Feindschaft, das der Bediente aus den Dörfern ans Licht getragen hat. Er schreibt zwar noch eine lange Darlegung an den Geldgeber, aber als Antwort kommt nach drei Tagen die unumwundene Mitteilung, daß er die Unternehmung als ruiniert ansehe.
Es ist Anfang Mai, als das geschieht, und für den Sommer trägt Anna ein Kind unter dem Herzen; die frohe Hoffnung seiner Geburt vermehrt nun die Sorgen dieser Tage. Es kommen zwar noch der Junker Meis und der Pfarrer Schinz als Sachverständige zur Prüfung; sie finden, daß mehr als eigentliches Mißgeschick die allgemeine Unkenntnis der bei Tschiffeli erlernten Neuerungen den vorwitzigen Herrenbauer bei den Leuten ins Gespött gebracht hat, und daß der Haß sich eher gegen s einen Ratgeber Märki als ihn selber richtet. Auch treten sie ihm mit Wärme bei in ihrem Gutachten; aber der Bankherr will wie alle Geldgeber das Gold wachsen sehen, Mitte Mai kündigt er die Gemeinschaft, und bevor Heinrich Pestalozzi seine Dinge ins Gehen bringen kann, sind ihnen die Beine schon abgeschnitten.