V.Der Ueberfall von Trebnitz.

V.Der Ueberfall von Trebnitz.

Sagt es selbst, wird OerindurTäglich kühner nicht und wilder?Müllner.

Sagt es selbst, wird OerindurTäglich kühner nicht und wilder?Müllner.

Sagt es selbst, wird OerindurTäglich kühner nicht und wilder?

Sagt es selbst, wird Oerindur

Täglich kühner nicht und wilder?

Müllner.

Müllner.

Nach langer Entfernung kehrte Wenzel einst von der Kundschaft zurück und brachte Nachricht, daß der Zigeuner und der kleine Karl aufgegriffen und in das Gefängniß des Kriminalgerichtes von Trebnitz gebracht worden seien.

Lips Tullian kannte die beiden als zähe Bursche, denen einige Grade der Tortur keine Geständnisse zu erpressen vermögen. Aber er wußte auch, daß der Kriminalrichter von Trebnitz ein eben so feiner als unermüdeter Inquirent sei, und daß auch der hartnäckigste Leugner nie vor ihm in seiner Hartnäckigkeit bestanden habe.

Diese beiden mußten daher dem gefürchteten Untersuchungsrichter entrissen werden, das erklärte Tullian, und mit ihm die ganze Bande, als die erste und nothwendigste That.

Die Ausführung war, der Festigkeit des Gefängnisses, der zahlreichen Wächter und eines Militärcommandos wegen, das soeben zur Unterstützung der Behörde in Beitreibung landesherrlicher Gefälle zu Trebnitz lag, mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten und der höchsten Gefahr verbunden, und doch mußte alles versucht, alles gewagt werden, denn die Sicherheit, das Leben der ganzen Bande hing allein von der Freiheit ihrer Gefährten ab.

An der Spitze des größten Theils der Bande zog Lips Tullian nach Trebnitz. List und Gewalt blieben fruchtlos, sie brachen ihre raschen, kräftigen Schwingen an der Wachsamkeit, und an dem Muthe der Gerichtsdiener und Soldaten.

Die Bande mußte abziehen, wurde beim Abzuge von dem Militärcommando, von berittenen Jägern und Gerichtsdienern, von wohlbewaffneten Flurschützen und Bauernburschen plötzlich überfallen, trotz der muthigsten Gegenwehr theils getödtet, theils gefangen und der größte Theil zerstreut, Lips Tullian, der, mit der Tollkühnheit der Verzweiflung kämpfend, erst auf Flucht dachte, als für die Seinigen nichts mehr zu hoffen war, rettete sich auf dem Pferde eines Jägers, den er, unter den Bajonetten der Soldaten, unter den Säbelhieben der Berittenen vom Pferde stach.

Hierdurch bewogen, beschloß endlich die Regierung, diesen Räubereien auf einmal ein Ende zu machen und die ganze Bande in der Höhle aufzuheben.

Eine Compagnie Infanterie wurde zur Ausführung dieses Auftrags beordert. Im Schutze der Nacht und eines dichten Nebels gelangten die Soldaten bis an den Eingang der Höhle. Man konnte in das Innere der Höhle nur durch einen engen, finstern Gang gelangen, durch welchen die Soldaten auf dem Bauche kriechen und ihr Gewehr hinter sich her ziehen mußten.

Der Anführer forderte die Entschlossensten und Muthigsten auf, in die Höhle hineinzukriechen. Am Ende des Ganges, wo die Höhle sich erweiterte, sollte Jeder auf die Seite treten, um seinem Nachfolger Platz zu machen. 25 Mann von der Compagnie sollten vorderhand auf diese Weise in die Höhle eindringen, die Uebrigen blieben außen stehen, um, sobald sie schießen hörten, zu Hülfe eilen zu können.

Der Führer, welchen die Soldaten mit sich genommen hatten, ein junger Mann von 20 Jahren, ein gefangener Räuber, welcher mit der Höhle vertraut war, kroch zuerst auf dem Bauche, wie eine Schlange sich windend, in den engen Gang hinein und verschwand alsbald im Dunkeln.

Ein Soldat folgte ihm, dann ein zweiter, dann ein dritter, bis endlich die dazu bestimmte Mannschaft drinnen war, ohne daß sich irgend ein Geräusch hören ließ, irgend ein Schein die dunkle Nacht erhellte, welche sie umgab.

Die Stille schien von guter Vorbedeutung zu sein. Die Räuber, von einem beschwerlichen Raubzuge zurückgekehrt, schliefen wahrscheinlich und hatten auch wohl keine Wachen ausgestellt. Diese Hoffnung richtete die bangklopfenden Herzen der außen harrenden Soldaten auf, und frohen Muthes krochen noch weitere 15 Mann ihren Kameraden nach durch den engen Gang.

Eine Stunde ging auf diese Weise vorüber, ungeduldig harrten die Außenstehenden auf den Erfolg, aber eine zweite Stunde verging und nicht der leiseste Laut unterbrach das schauerliche Schweigen, welches in der Höhle herrschte. Plötzlich hörte man eine Salve krachen, dann eine zweite und endlich eine dritte, ähnlich dem Krachen eines Pelotonfeuers. Allem Anscheine nach kämpften die in die Höhle gedrungenen Soldaten mit den Räubern.

Zwei Gensd’armen ritten in die benachbarte Stadt und meldeten, daß die Soldaten des 65. Regiments mit den Räubern in der Leiterhöhle im Handgemenge seien und daß die Letztern ohne Zweifel vernichtet werden würden.

Diese Nachricht verbreitete sich schnell in der Umgegend, und die Bauern eilten schaarenweise herbei, um die Gefangennahme der Räuber mit anzusehen.

Inzwischen war es Tag geworden und die Schüsse in der Höhle waren verstummt; von den 40 Mann, die in die Höhle eingedrungen, kam kein einziger wieder zum Vorschein. Der Oberst des Regiments kam unterdessen mit einer weiteren Compagnie aus der Stadt anmarschirt. Mit wenigen Worten ließ er sich von dem seither Geschehenen unterrichten, und als er erfuhr, wie viele Soldaten in die Höhle eingedrungen und wie kurze Zeit nur das Schießen gedauert, überzog sein Antlitz tiefe Trauer, und in fieberhafter Aufregung ging er auf und ab, um nachzudenken, was zu thun sei.

Eine volle Stunde brachte der Oberst so in schweigendem Nachdenken zu, und dieselbe peinlicheStille herrschte auch bei den Soldaten. Endlich befahl er einem jungen Soldaten, in die Höhle hineinzukriechen. Er selbst kroch sodann hinter ihm her und hielt ihn immer am rechten Fuße, von dem er den Stiefel ausgezogen hatte. Nach einigen Minuten kam der Oberst wieder zurück, bleich, mit verstörten Zügen. Das Regiment hatte bei 40 Mann verloren, daran war nicht mehr zu zweifeln, denn als der Oberst einige Minuten hinter dem jungen Soldaten hergekrochen war, fühlte er plötzlich, wie dessen Fuß, den er immer in der Hand hielt, krampfhaft zuckte und eiseskalt wurde; dann wurde der Körper gewaltsam vorwärts gezogen. Aus diesen unheilvollen Anzeichen mußte er schließen, daß der Unglückliche enthauptet worden und daß mit seinen Vorgängern auf diesem gefährlichen Wege dasselbe geschehen sei.

Der Oberst ließ aus der Stadt zwei Maurer holen und den Eingang der Höhle fest zumauern, ein Wachtposten wurde sodann vor die vermauerte Oeffnung gestellt, und die wackern Soldaten des Regiments marschirten schweigend in die Stadt zurück.

Waren auch die wackern Männer, die in die Höhle eingedrungen, eines grausamen Todes gestorben, so büßten jetzt doch wenigstens die Räuberfür ihr Verbrechen; lebendig begraben mußten sie eines noch schrecklichern Todes sterben, als ihre unglücklichen Opfer. — Mit diesem Gedanken tröstete sich der Oberst und die ganze Bevölkerung in der Stadt und auf dem Lande. Man denke sich daher das Erstaunen dieser Leute, als sie drei Tage nachher erfuhren, daß der Ober-Steuereinnehmer in der Stadt beim Aufstehen seine Casse erbrochen und statt der bedeutenden Geldsumme, die sich in derselben befunden hatte, nur noch einen Zettel fand, auf welchem die Worte standen:Die Räuber in der vermauerten Höhle. —

Das Erstaunen und der Schreck, welcher sich bei diesem neuen verwegenen Handstreich, dieser ruchlosen Prahlerei, in der ganzen Umgegend verbreitete, läßt sich schwer beschreiben. Die abgeschmacktesten Erzählungen fanden bei den abergläubischen Gebirgsbewohnern Glauben, die Räuber waren bestimmt Hexenmeister und hatten einen Bund mit dem Teufel geschlossen.

Die vernünftigen Leute dachten alsbald an einen zweiten Ausgang aus der Höhle, denn anders ließ sich das räthselhafte Wiedererscheinen der eingemauerten Räuber auf natürlichem Wege wenigstens nicht erklären. Man forschte deshalb bei den Bewohnern des flachen Landes nach, ob nicht derEine oder der Andere von einem solchen zweiten Ausgang etwas wisse, aber vergebens, weder jüngere noch ältere Leute hatten je von einem andern Ausgang gehört, als von dem nun zugemauerten.

Man zündete alles Buschwerk in der Nähe der Höhle an, unter welchem möglicherweise ein zweiter Eingang hätte versteckt sein können, aber umsonst, es zeigte sich nichts. Endlich beschloß man das Gebirge dermaßen mit Soldaten einzuschließen, daß keine lebende Seele an den auf den Höhen und an den Abhängen des Berges, in welchem die Höhle lag, aufgestellten Wachtposten unbemerkt vorbei konnte.

Diese Maßregel wurde ausgeführt, schien aber ohne Erfolg zu bleiben, denn drei Wochen lang währte der beschwerliche Wachtdienst, ohne daß sich der heiße Wunsch der Soldaten, ihre Kameraden rächen zu können, erfüllen zu wollen schien.

Bereits begann die Mannschaft über den beschwerlichen Dienst zu murren, da verließ in einer regnerischen Nacht ein Wachtmeister das Lager, um ein Mädchen zu besuchen, welches eine Stunde vom Lager entfernt wohnte. Diesen führte sein Weg an einem dichten Gestrüppe von Erdbeeren und Zwergkirschenbäumen vorbei; er strauchelte in der Dunkelheit und fiel auf einen bemoosten Stein.Plötzlich glaubte er unter diesem Steine eine dumpfe Stimme zu hören. Ohne Geräusch zu machen, stand er auf und legte sich in einer Entfernung von einigen Schritten in einem Gebüsche platt auf den Bauch nieder, hielt den Athem an sich, und harrte mit gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen sollten.

Dazwischen war jedoch Alles wieder stille geworden, und schon glaubte der Wachtmeister sich getäuscht zu haben und wollte sich entfernen, da sah er plötzlich, wie er den Blick immer fest auf den Felsen gerichtet hielt, unter welchem er die Stimme gehört zu haben meinte, die Zweige um denselben sich bewegen, und einen Mann sich langsam aufrichten, der wie die Bauern der Gegend gekleidet war. Der Mann schaute sich vorsichtig um, ob Niemand ihn bemerkt habe, und schlug dann die Richtung durch den Wald nach der Landstraße ein.

Sobald der Wachtmeister diese seltsame Erscheinung hatte verschwinden sehen, untersuchte er aufmerksam die Stelle, wo sie aufgetaucht war, und fand hinter einer Felsenecke, dem ungeweihten Auge künstlich verborgen, die Mündung eines unterirdischen Ganges, der gerade groß genug war, daß ein ausgewachsener Mann durch denselben gehen konnte. Der Wachtmeister merkte sich die Stelle genau undeilte mit seiner wichtigen Entdeckung zum Obersten, überzeugt, daß er den zweiten Ausgang der Räuberhöhle gefunden habe.

Augenblicklich rückte der Oberst mit einem halben Bataillone vor den bezeichneten Ort, und drang in tiefster Stille in den langen schmalen Gang. Nach einem unheimlichen Marsch von einer halben Stunde im Finstern bemerkten die Soldaten in ziemlicher Nähe einen schwachen Lichtschimmer. Eine Schildwache, die dort stand, und wohl glaubte, sie habe es mit Freunden zu thun, rief ihnen ein „Wer da?“ zu, aber ein Grenadier sprang rasch auf sie los, und durchbohrte sie mit dem Bajonnette, noch ehe sie Zeit fand, ihren Ruf zu wiederholen, oder ihr Gewehr abzufeuern.

Der Gang war hier so eng, daß alle Soldaten über die Leiche des Räubers hinwegschreiten mußten. Diese Schildwache hätte gefährlich werden können, denn hätte sie Zeit gefunden, zu schießen, so wäre es ihr gelungen, die Soldaten aufzuhalten, und den Räubern Zeit zu geben, sich zu sammeln, und den Soldaten das weitere Vordringen zu wehren.

Nachdem aber dieses letzte Hinderniß vollends beseitigt war, kamen die Soldaten in einen geräumigen Saal, in welchem eine Truppe, 20 Mann hoch, aufgestellt werden konnte. Hier ließ derOberst Halt machen; die Stunde der Gefahr war da. Fackeln wurden angezündet, die Trommeln wirbelten zum Angriff, und die Räuber, mitten in einem Zechgelage überrumpelt, sprangen entsetzt auf, griffen eiligst zu den Waffen, und eröffneten unter lautem Geschrei ein lebhaftes Gewehrfeuer.

Dieser unerwartete Angriff und die verzweifelte Gegenwehr boten ein furchtbares Schauspiel. Die Räuber waren der Zahl nach die Schwächeren, aber sie hatten den Vortheil, mit allen Windungen und geheimen Gängen der Höhle bekannt zu sein. In diesem Vertilgungskampfe beim Scheine der Fackeln und dem Aufblitzen der Gewehrsalven wurde Alles ein Werkzeug des Todes. Gewaltige Steinmassen, durch die von den Gewehrsalven verursachte Erschütterung abgelöst, stürzten vom Gewölbe hernieder und zerschmetterten in ihrem Falle Räuber und Soldaten. Die von den Felsen abprallenden Kugeln rissen von denselben ungeheure Stücke los, welche, wo sie trafen, schreckliche Verwundungen verursachten. Der schauerliche Lärm des Kampfes, das Wirbeln der Trommeln, das Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden wiederhallte, durch das Echo vervielfältigt, in der ganzen Höhle.

Der Räuber waren es höchstens vierzig, aber bei den Vortheilen, welche ihnen die Oertlichkeitdarbot, und da sie tüchtige Schützen waren, die ihr Leben muthig in die Schanze schlugen, war ihre Stärke um das Hundertfache höher anzuschlagen. Ueberall durch Spalten oder Vorsprünge der Felsen gedeckt, schossen sie die Soldaten nieder, ohne daß diese sie erreichen konnten. Glücklicherweise war die Truppe durch immer nachrückende Verstärkung im Stande, ihre Verluste rasch zu ersetzen, und durch allmäliges Vordringen die Räuber auf einen Punkt zu treiben, wo der Kampf, der so vielen Wackeren das Leben kostete, doch endlich mit einem Schlage zu Ende gebracht werden mußte.

Der Kampf hatte bereits eine Stunde gewährt, die Räuber waren, von einer Stellung zur andern vertrieben, bis an einen kleinen See gelangt, der sich nahe am Ende der Höhle befand. Sie wateten durch denselben, und als die Soldaten, welche die seichten Stellen des See’s nicht kannten, ihnen nachsetzten, sanken sie bis an die Hüften ins Wasser, und hatten dabei ein mörderisches Feuer auszuhalten; als sie aber erst wieder im Trockenen waren, trieben sie die Räuber mit gefälltem Bajonet bis an das äußerste Ende der niedern Höhle vor sich her.

Dort aber wartete ihrer eine neue Schwierigkeit, ein weit ernsteres Hinderniß, als alle seither durch ihren Muth und ihre Entschlossenheit überwundenen. Die Räuber waren bis zum Ende der Höhle zurückgetrieben worden, wo man mit Hilfe zweier Leitern, die zusammengebunden über einen bodenlosen Abgrund gelegt waren, in eine zweite etwas tiefer gelegene Höhle gelangte. Hier löschten die Räuber die Fackeln aus, und zündeten einen Haufen feuchtes Stroh an, welches die ganze Höhle mit einem dichten, erstickenden Qualm füllte. Sodann ließen sie sich an den Leitern hinab, und stürzten diese in den Abgrund, nachdem sie einen kleinen Vorsprung erreicht hatten, auf welchem jedoch nur acht von ihnen Platz fanden, während die Uebrigen sich nach dem untern Theile der Grotte begaben, von wo sie über Felsen und Steine in nischenförmige Höhlungen kletterten, aus welchen sie, unsichtbar und geschützt, ihre Gegner niederschießen konnten, wenn diese den Versuch machten, den Abgrund zu überschreiten.

Das Erstaunen der Soldaten, als sie einen Augenblick durch die Finsterniß aufgehalten, nachdem der Strohbrand gelöscht war, beim Scheine der wieder angezündeten Fackeln die letzten Räuber in den Felsen verschwinden sahen, läßt sich leichter denken als beschreiben.

Das Krachen eines wohlunterhaltenen Gewehrfeuers, das von dem Vorsprung und von dem Gewölbekam, weckte sie bald aus dem Erstaunen, und zeigte Ihnen, in welcher Gefahr sie sich befanden. Das ganze erste Glied wurde niedergeschmettert als es am Rande des senkrechten Felsen angekommen war, an welchem der Abgrund begann. In augenblicklicher Entmuthigung zogen sich die braven Soldaten zurück. In diesem ungleichen Kampfe sah man sich von unsichtbaren Feinden getroffen, ohne ihnen wieder etwas anhaben zu können.

Der Oberst erkannte indeß mit seinem erfahrenen Blicke, daß der Augenblick der Entscheidung gekommen sei. Er hatte sich mit Strickleitern versehen, und nachdem er alle Lichter hatte auslöschen lassen, ertheilte er laut den Befehl zum Rückzuge.

Gleichzeitig vertheilte er, während der übrige Truppenkörper die Füße bewegte, als ob er sich in Marsch gesetzt hätte, seine besten Schützen in die äußersten Vertiefungen des Felsens, und ließ Leitern herbeibringen, um sie über den Abgrund zu legen. Nach diesen Vorbereitungen ließ der Oberst plötzlich einige Feuertöpfe nach dem Vorsprunge jenseits des Abgrunds werfen, deren rothes Licht wie die Flamme des Vulkans den Theil der Höhle, wo die Räuber auf dem Vorsprung und in den Nischen versteckt waren, grell erhellte und den Soldaten ihre Feinde sichtbar machte.

Nun fielen hundert Schüsse auf einmal, und man sah fast sämmtliche Räuber, durch das plötzliche Licht geblendet und nun ihrerseits von unsichtbaren Feinden niedergeschmettert, wie Figuren bei einem Festschießen zu Boden stürzen. Nach einigen wenigen Salven war der Kampf zu Ende. Jedoch gelang es den noch am Leben gebliebenen Räubern zu entfliehen. Die meisten davon waren jedoch auf dem Platze todt geblieben.

Nachdem der letzte Schuß gefallen war, sammelten sich die Soldaten wieder; da zeigte sich erst, wie schrecklich ihre Reihen gelichtet waren. Sodann durchsuchten sie die Höhle auf’s genaueste. Am äußersten Ende derselben angekommen, prallte der Oberst, welcher mit mehreren Offizieren voranging, mit einem Schrei des Entsetzens zurück. Ein grausenerregendes Schauspiel bot sich seinen Blicken dar, vor welchem auch seine Mannschaft, stumm vor Schmerz und Wuth, zurückschauderte.

An der ganz von Blut gerötheten Felswand standen 40 Körper und eine gleiche Anzahl abgeschlagener Köpfe nach der Ordnung aufgestellt. Es waren dies die Leichname der wackern Soldaten des 65. Regiments, welche vor drei Wochen in die Höhle einzudringen versucht hatten, und denen vonden Räubern die Köpfe abgeschnitten worden waren, sobald sie an das Ende des engen Ganges kamen.

Die zwölf gefangenen Räuber büßten nach nicht ganz drei Monaten auf dem Marktplatze der Stadt ihr Verbrechen auf dem Schaffot.


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